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VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 2: Silvaner und Spätburgunder

In Teil 1 könnt ihr allgemeines zur VDP.Weinbörse und unsere bunten Erfahrungen mit Weißburgunder und Chardonnay nachlesen, hier in Teil 2 folgen noch unsere Tipps zu Silvaner (Franken) und Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden).

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Antrinktipps Silvaner (Franken)

Der überwiegende Teil der Silvaner stammt aus dem Jahrgang 2023. Das Jahr hatte für die Winzer wieder einige Herausforderungen zu bieten. Das Frühjahr war viel zu trocken, dafür kam im Sommer dann Regen und Feuchtigkeit auf, was den Pilzdruck massiv erhöhte. Der viele Regen ließ aber auch die Trauben schnell wachsen und reifen, sodass es relativ früh im Jahr mit der Lese schnell gehen musste, weil alles gleichzeitig reif wurde.

Qualitativ scheint 2023 für Silvaner ein guter Jahrgang zu sein. Die Weine sind nicht zu fett geraten und strahlen Eleganz aus.

 

Fürstlich Castell’sche Domäne

Beim Fürsten aus Castell werden die GG seit kurzem erst nach 5 Jahren auf den Markt gebracht, die ersten Lagen erst nach 2 Jahren. Ein starkes Statement!

Auch beim sehr guten Casteller Silvaner Ortswein ist aktuell 2022 noch im Verkauf.

Insgesamt sind eine Qualitätssteigerung und größere Qualitätskonstanz in den letzten Jahren klar festzustellen.

Die beiden gezeigten ersten Lagen zeigen das deutlich und könnten auch als GG durchgehen.

Der 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G zeigt etwas mehr Frucht, während der 2022er Casteller Hohnart Silvaner 1G rauchiger und nussiger ist.

Der 2018er Casteller Schlossberg Silvaner GG zeigt mit 14% Alkohol klar, dass er aus einem warmen Jahr kommt, trotzdem ist aromatisch über 5 Jahre nach der Ernte alles am richtigen Platz, der Wein ist zwar klar warm – schmelzig, aber keineswegs alkoholsüß oder unrund. Ein schöner Essensbegleiter, gerade, wenn man zuhause keinen Keller hat, um junge Weine selbst reifen zu lassen.

 

Juliusspital

Beim Juliusspital hat der 2023er Iphöfer Kronsberg Silvaner 1G deutlich die Nase vor dem Klassiker aus dem Würzburger Stein.

Um zu zeigen, wie gut Silvaner reifen kann, hat das Juliusspital auch den 2014er Würzburger Stein Silvaner EL zur Verkostung angestellt. Da 2014 für mich ein großartiges Silvanerjahr war, war meine Erwartungshaltung groß und wurde nicht enttäuscht. Der Wein war in einem Top Zustand. Natürlich mittlerweile in Ehren gereift und von der Komplexität her nicht ganz GG-Niveau, aber immer noch saftig und mit wunderschöner Mineralität. 13,00 EUR hat das ganze damals gekostet. Hätte, hätte, Fahrradkette…

 

Fürst Löwenstein

Das Weingut hat in den letzten Jahren gerade in der Spitze nicht immer eine gleichbleibende Qualität abgeliefert. Der 2021er Fürstlicher Kallmuth Silvaner GG „Asphodill“ hat aber alles was ein Silvaner GG braucht. Beim Asphodill gibt es zusätzlich auch immer noch die schöne Aromatik des einzigartigen Homburger Kallmuth dazu. Sehr schön!

 

Zehnthof Luckert

Muss ich tatsächlich noch etwas darüber schreiben?

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Sulzfelder Silvaner

2023er Sulzfelder Silvaner Alte Reben

2022er Sulzfelder Berg Silvaner 1G

2022er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

Der elegante, moderne Stil begeistert uns immer wieder. Die 23er Ortsweine rangieren qualitativ nicht weit unter dem 22er Sulzfelder Berg, der ein bisschen feiner und zurückhaltender scheint als sein nicht gezeigter Bruder „Gelbkalk“ aus dem Sonnenberg. Der Sulzfelder Berg wurde bis vor 2 Jahren exklusiv für einen Händler abgefüllt und befindet sich seitdem im regulären Weingutsportfolio. Das GG ist sicher einer der größten auf der Messe probierten Weine.

 

Rudolf May

Die Weine von Rudolf und Benedikt May waren über die gesamte Kollektion hinweg ähnlich begeisternd wie die von Zehnthof Luckert.

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Retzstadter Silvaner

2022er Retzstadter Langenberg Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Der Schäfer Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Himmelspfad Silvaner GG

Der Abstand vom 23er Ortswein zum 22er 1G war etwas größer als bei Luckerts, natürlich ergibt sich trotzdem eine wunderbare Qualitätspyramide. Die 2022er hatten wir auf der Jahrgangspräsentation letztes Jahr teilweise als Fassprobe schon vor Ort in Retzstadt verkostet. Schön zu sehen ist, wie gut sich der Himmelspfad entwickelt hat, der sein großes Potential letztes Jahr noch nicht zeigen wollte.

Alle Weine haben ordentlich Grip, sind elegant, trocken und komplex. Der Schäfer ist Mays Holzfassversion des Silvaners. Der Schäfer ist in den letzten Jahren auch immer feiner geworden, das Holz ist schon zu Beginn besser eingebunden, auch wenn auch dem 2022er die zusätzlichen Monate nach der letzten Jahrgangspräsentation ebenfalls gutgetan haben. Sehr schön.

Holz gab es dann auch beim 2022er „Kniebrecher“ Silvaner zu schmecken. Da es sich bei dem Wein um eine Lagencuvee aus Himmelspfad und Rothlauf handelt, läuft er außerhalb der VDP-Klassifikation. Die besten Moste aus den beiden Weinbergen werden für den Wein in zwei Barriques ausgebaut und kommen durch die lange Fassreife noch ein Jahr später auf den Markt als die GG. So war der Wein im aktuellen „Sneak Preview“ auch einfach blutjung, aber eben auch enorm tief und sicher mit dem Potential ausgestattet ein großer Wein zu werden. Sehr spannend!

 

Schmitt’s Kinder

Das Randersackerer Weingut fliegt immer ein bisschen unter dem Radar, liefert aber jedes Jahr zuverlässig sehr gute Weine.

Die 23er ersten Lagen liefern ziemlich ab. Der 2023er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G ist dabei würziger und mineralischer und liegt damit etwas vor dem braveren 2023er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G. Der Abstand vom Marsberg zum ebenfalls sehr schönen, komplexen aber relativ warmen 2022er Randersackerer Pfülben Silvaner GG ist ziemlich klein.

 

Horst Sauer

Der 2023 Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G zeigt die für die Silvanerspielart mit den grau bis violetten Beeren typische kräutrig erdige Würze und Rotbeerigkeit und scheint mir ein bisschen straffer zu sein als der gleiche Wein im Vorjahr.

 

Paul Weltner

Paul Weltner hatte unter anderem den 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G und den 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner 1G angestellt. Wie jedes Jahr sind das kleine GGs. Beeindruckende Qualitätskonstanz!

 

Antrinktipps Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden)

Franken
Rudolf Fürst

Die gezeigten Ortsweine und das erste Gewächs aus dem Bürgstadter Berg machen wieder deutlich, warum Rudolf Fürst zu den besten Spätburgunderwinzern im Lande zählt.

Bei den Ortsweinen ist der 2022er Bürgstadter Spätburgunder der „bravste“, der 2022er Klingenberger Spätburgunder dank der typischen Klingenberger Würze der mit der spannensten Aromatik. Da Fürsts USP die ausgewogene Erhabenheit der Weine ist, empfehlen wir aus dem Ortsweintrio klar den 2022er Großheubacher Spätburgunder, der etwas eleganter ist als der Klingenberger, aber mit der feinen Würze zeigt, dass der Großheubacher Bischofsberg die Verlängerung des Klingenberger Schlossbergs darstellt. Dabei ist der Großheubacher neu im Portfolio und ist in den letzten Jahren mit im Spätburgunder Tradition gelandet.

 

Pfalz
Friedrich BeckerFriedrich Becker

Wovor Friedrich Becker keine Angst hat ist Tannin, das steht völlig außer Frage und zeigt sich sowohl bei den weißen Burgundersorten als auch beim Spätburgunder. In diesem Fall sollte man sich davon nicht abschrecken lassen, denn die Weine reifen in der Regel wunderbar und das Tannin wird weicher und bindet sich ein. Schon der Gutswein, der 2019er Friedrich Becker Spätburgunder zeigt gut, wo die Reise hingeht. Natürlich ist das ein Gutswein für Freaks und nicht für Freunde des beiläufigen Weinchens. Und auch den Gutswein sollte man durch aus noch einige Jahre reifen lassen.

Der Abstand zwischen Ortswein und erster Lage ist gar nicht so groß, sodass wir zum probieren den 2019er Schweigener Pinot Noir empfehlen. Der 2019er Schweigener Sonnenberg Sankt Paul Pinot Noir GG und der 2019er Schweigener Sonnenberg „KB“ Pinot Noir GG sind Monumente – zu trinken in 10 Jahren.

 

A. Christmann

Tatsächlich hatten wir bisher noch wenig Gelegenheit die begehrten Spätburgunder nach der stärkeren Fokussierung durch die nächste Generation zu verkosten. Klar ein Fehler, denn das, was dort produziert wird ist durch die Bank weg großartig und gehört sicher zur deutschen Spitze.

Das fängt schon an beim aktuell etwas verschlossenen 2022er Spätburgunder Aus den Lagen und zeigt sich gut bei allen 3 ersten Gewächsen. 2022er Mußbacher Eselshaut Spätburgunder 1G, 2022er Königsbacher Ölberg Spätburgunder 1G und 2022er Gimmeldinger Biengarten 1G. Einen Favoriten zu wählen macht hier keinen Sinn, das ist alles extrem fein und elegant und wird mit etwas Reife viel Spaß machen.

 

Knipser

In meiner Weinbubble spielt das Weingut keine große Rolle, dabei ist Knipser sicher ein Pionier des modernen Qualitätsweins in der Nordpfalz. Stilistisch ist das Weingut halt sehr klassisch, die Weine sind aromatisch nicht besonders „aufregend“ aber durchaus von beeindruckender Qualität. Der 2019er Blauer Spätburgunder ist ein hervorragendes Exemplar eines Gutsweins. Frucht, Würze, Mineralität bilden eine harmonische Einheit. Kein intellektueller Wein, kein Freakwein, aber trotzdem qualitativ hochwertig.

Der 2019er Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG betont trotz Barriqueausbau in neuen und gebrauchten Barriques klar die fruchtige Seite mit Kirschen und roten Beeren, hat aber auch eine feine, feste Struktur mit weichem Tannin und viel Mineralität. Sehr elegant.

 

Philipp Kuhn

Philipp Kuhn hatte 2 Spätburgunder GG dabei. Darunter auch einen Kirschgarten. Der 2020er Laumersheimer Kirschgarten Pinot Noir GG hat ebenfalls eine wunderbare Frucht, ist aber etwas üppiger und dichter als die Version von Knipser. Der Holzeinsatz ist dabei aber sehr fein, auch im Vergleich zu anderen Weinen aus dem Hause Kuhn. Der 2019er Laumersheimer Steinbuckel Pinot Noir GG ist aromatisch anders. Etwas rauchiger und lauter. Er wird sicher etwas später als der Kirschgarten seinen Genusshöhepunkt erreichen.

 

Rings

Beeindruckend bei Rings ist schon die Qualität vom 2022er Spätburgunder Gutswein und 2022er Kallstadter Spätburgunder Ortswein. Das ist etwas, dass Rings jedes Jahr auszeichnet. Die ersten Lagen, der 2022er Leistadter Kalkofen Spätburgunder 1G und der 2022er Kallstadter Steinacker 1G gefallen uns besser als im kühlen 2021 davor. Der wärmere Jahrgang harmoniert aus unserer Sicht besser mit der kühlen Stilistik des Weinguts.

 

Baden
Bercher

Dass Marcus Hofschuster von Wein-Plus Bercher mit dem Titel Kollektion des Jahres ausgezeichnet hat verwundert nicht. Der 2019er Burkheimer Ortswein ist für schlanke 11,50 EUR eine echte Empfehlung für einen eleganten nicht komplizierten klassischen Spätburgunder mit Anspruch. Der 2019er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G ist natürlich tiefer und komplexer, ist aber ebenfalls eher kühl, mit feinem Termin und Saftigkeit.

 

Dr. Heger

Der Hegersche Spätburgunder Stil ist sicher nicht der kühlste in Baden. Die Weine haben alle Kraft, aber sind auch nie überbordend fett. Der 2020er Ihringer Spätburgunder zeigt schon viel Tiefe und Länge, auch der 2020er Ihringer Vorderer Winklerberg Spätburgunder GG und der 2020er Achkarrer Schlossberg Spätburgunder GG haben uns sehr gut gefallen.

 

HeitlingerHeitlinger

Bei Heitlinger wird es wieder kühler, beim 2020er Tiefenbacher Pinot Noir auch ätherisch und etwas wilder. Spaß macht der Wein mit seiner Komplexität und Salzigkeit dennoch.

 

Bernhard Huber

Der 2022er Malterdinger Spätburgunder und der 2022er Malterdinger Spätburgunder Alte Reben präsentierten sich schon offen und gewohnt fein.

 

Salwey

Was für die weißen Burgundersorten gilt, gilt auch für die Spätburgunder. Salweys kühler, ruhiger Stil ist ziemlich einzigartig. Uns gefällt das sehr gut. Gezeigt wurden 2021er Oberrotweiler Spätburgunder, 2020er Oberrotweiler Henkenberg Spätburgunder GG und 2020er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG

 

Rheinhessen

Wenige Weingüter hatten Spätburgunder zur Verkostung mitgebracht.

 

J. Neus

Wie bei den Weißburgunder/Chardonnay bereits besprochen, scheint sich das neue Team einzuspielen. Der 2021er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben ist hier unser Antrinktipp. Die Großen Gewächse, der 2021 Ingelheimer Horn Spätburgunder GG und der 2021 Ingelheimer Pares Spätburgunder GG sind ebenfalls sehr schön, der Abstand in Sachen Komplexität und Länge zum Ortswein könnte allerdings noch etwas größer sein.

 

Was war sonst noch empfehlenswert:

Martin Schwarz – Sachsen: Wer etwas in die Finger bekommt, probieren! Das Weingut ist klein, die Flaschen begehrt. Das ist Sachsen next level, nicht erst seit der VDP-Aufnahme.

 

Schlör – Baden – Schwarzriesling: Im Champagner selbstverständlich, als Rotwein meist eher schwierig. Bei Schlör nicht. Der 2021er Reicholzheimer First Schwarzriesling „R“ 1G bietet extrem viel Wein fürs Geld. Das ist GG-Niveau. Der 2020er Reicholzheimer First „Fyerst 1476“ Schwarzriesling GG legt noch eine kleine Schippe drauf, ist aber noch verschlossen und braucht Zeit.

Fürst Löwenstein, Franken – Homburger Kallmuth Silvaner GG Asphodill 2013

Fürst Löwenstein, Franken - Homburger Kallmuth Silvaner GG Asphodil 2013Asphodill zum Silvestermenü – das könnte eine Tradition werden, sind wir doch schon ins Jahr 2016 mit einem Asphodill gestartet.

Dieses Jahr hatte er den Hauptgang mit selbst gemachten Blut- und Leberwurst-Ravioli und etwas Weißkraut zu begleiten. Kein Problem für einen Silvaner, ganz klar.

Und die Weine aus dem imposanten Homburger Kallmuth gefallen mir Jahr um Jahr bei Löwensteins.

Homburger Kallmuth

Homburger Kallmuth

Die Lage ist heiß, steil under liegt am Übergang zwischen Buntsandsein und Muschelkalk. Die Weine sind etwas kraftvoller als im Churfränkischen und haben aus meiner Sicht eine ganz besondere Würze, die sich hier wie folgt erst nach ausreichender Belüftung so offen zeigt:

Kräftige kräuterwürzig, mineralische Nase. Birne, Banane, Quitte aber auch florale Noten.

Im Mund schön dicht. Ganz feine, eher hintergründige Frucht mit Birne und Zitrusnoten. Sehr würzig und kräutrig. Grüner Pfeffer, aber auch gemüsige Noten. Ein Hauch Rosenwasser. Sehr schöne, durchaus kräftige Säure.

Langer, würziger Abgang.

Hervorragender, noch junger Wein. Luft ist unabdingbar, direkt nach dem Öffnen werden alle Nuancen von kräftigen kohligen Gemüsenoten überdeckt, nach 2 Stunden in der Karaffe ist er dann perfekt.

Ca. 27,00 EUR / PGV angemessen

Fürst Löwenstein, Rheingau – Hallgartener Schönhell Riesling Spätlese fruchtig 1997

Vor etwa 20 Jahren wurden die Trauben für diesen Wein geerntet. Sehr spannend zu erfahren, wie er sich entwickelt hat, wie er gereift ist. Kinder sind in diesem Zeitraum zu Erwachsenen gereift und ich bin auch älter geworden, dabei nicht nur zu meinem Vorteil gereift. Vorweg nehmen kann ich, dass man diesem Wein sein Alter nur wenig anmerkt.

In der Nase überreife gelbe Früchten, feine Kräuterwürze, etwas Petroleum und Schiefer.

Im Mund kandierte Orange, Zitrone, Pfirsich und grüne Stachelbeere. Etwas Honig, Tabak und im Hintergrund eine kleine Kräuterwiese. Kalkige Mineralität. Feine Süße und sehr schöne und lebhafte Säure. Ausgewogen und fein. Langer, etwas süßlicher Abgang.

Sehr schön, die fortgeschrittene Reife ist nur durch die leichten Petroleumtöne in der Nase und den Honig im Mund zu erkennen. Die hervorragende Säure sorgt für viel Trinkspaß, auch wenn es nicht der komplexeste gereifte Wein ist, den ich bisher getrunken habe. Sehr gut auch, dass man den Wein vorletztes Jahr im Weingut erwerben konnte.

Sehr guter Wein – Kein PGV da gereifte „Rarität“

VDP.Jahrespräsentation 2017 Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 07. Mai 2017

Am 07. Mai fand die diesjährige Jahrespräsentation des VDP.Franken in Würzburg statt. Wie letztes Jahr auch eine gute Gelegenheit einen Überblick über den Jahrgang in Franken zu erlangen.

Einige Weine des Jahrgangs hatte ich bereits auf der VDP.Weinbörse in Mainz vor einigen Wochen gekostet. So konnte ich etwas zielgerichteter Vorgehen.

Insgesamt zeigt sich 2016 etwas weniger druckvoll und in der Jugend etwas verschlossener als 2015, aber gleichzeitig runder und reifer als 2014. Grundsätzlich sind das gute Voraussetzungen, wenn man den Weinen noch etwas Zeit gibt.

Meine Favoriten:

 

Beste gezeigten Kollektionen:

Fürst Löwenstein:

Fürst Löwenstein hat 2016 mit neuem Kellermeister wieder eine starke Kollektion hingelegt. Die Weine sind etwas weniger verspielt als 2015.

Bei den Silvanern gefielen der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner trocken und der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ trocken gut.

Noch einen Tick besser die Rieslinge: 2016er Homburger Kallmuth Riesling trocken und 2016er Homburger Kallmuth Riesling „R“ trocken mit schöner Frucht und animierendem Spiel von Fruchtsüße und klarer Säure.

 

Rudolf May:

Einmal mehr präsentiert Rudolf May herausragendes:

Bei den Silvanern einen schönen 2016er Retzstadter Silvaner trocken und einen hervorragenden 2016er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken. Beide ruhen in sich und haben eine tolle Würze.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Riesling trocken bringt eine schöne Frucht mit.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Weißburgunder bleibt kühl, elegant und quasi burgundisch.

Absolut Irre dann die 2015er Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese. 300g/L Restzucker bei 16 Säure und 7,5% vol. Alkohol. 12 Monate im Barrique. Vom Barrique ist nichts mehr zu spüren. Der Wein extrem dicht bis ölig, aber gleichzeitig auch frisch und trinkiger als eine TBA sein kann. Hammer!

 

Zehnthof Luckert

Was hier seit einigen Jahren abgeht gefällt mir ungemein gut. 2016 macht hier keine Ausnahme:

Die gezeigten Silvaner, der

2016er Sulzfelder Blauer Silvaner trocken

2016er Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken und

2015er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

sind allesamt fein, elegant und mineralisch, sehr würzig und zeigen wenig Frucht. So geht’s!

Der 2016er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder „Terrassen“ trocken steht da mit seiner guten Balance zwischen Kraft und Eleganz in nichts nach.

Weitere Empfehlungen nach Rebsorten:

Silvaner

Bürgerspital zum Hl. Geist:

2015er Würzburger Stein Silvaner GG : schöne Frucht, tiefe Mineralität, kraftvoll

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2016er Würzburger Stein Silvaner trocken : mineralisch, vielschichtig, aber noch sehr unrund, braucht zeit

 

Bickel-Stumpf

2016er Frickenhäuser Muschelkalk Silvaner trocken

2016er Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken

Beide eher auf der fruchtigeren Silvanerseite.

 

Egon Schäffer

2016er Escherndorfer Silvaner trocken (Fassprobe): Schäffer sollte man im Auge behalten!

 

Weltner

2016er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken

 

Roth

2015er Silvaner Alte Reben trocken Holzfass: körperreich, noch deutlich vom Holz geprägt, hat aber bestimmt eine schöne Zukunft.

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2015er Casteller Kugelspiel Silvaner trocken : knochentrocken mit 0,8 RZ und daher auch als 2015er mit einer gewissen Eleganz

2015er Casteller Schlossberg Silvaner GG: ziemlich wuchtig und kraftvoll – eher der klassische Stil

 

Riesling 2015

2015 war ein absolutes Rieslingjahr in Franken. Irritieren doch fränkische Rieslinge häufig mit wenig Frucht und eher zurückhaltender Art, ist das in 2015 anders. Die Kombination aus Kraft und Säure hat hervorragende Rieslinge mit einer schönen Frucht hervorgebracht, die bestimmt auch einiges Lagerpotential bieten.

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2015er Würzburger Sein Riesling GG

 

Störrlein Krenig

2015er Randersackerer Sonnenstuhl Riesling GG

 

Michael Fröhlich

2015 Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling GG

 

Egon Schäffer

2015er Escherndorfer Lump Riesling trocken

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2016er Casteller Honart Riesling trocken

 

Riesling andere Jahrgänge

Höfler

2016er Michelbacher Riesling „Urgestein“ feinherb: saftig und fein mineralisch

 

Bürgerspital zum Hl. Geist

2016er Randersackerer Teufelskeller Riesling trocken: schöne Frucht

 

Horst Sauer

2016er Escherndorfer Lump Riesling S. trocken

 

Johann Ruck

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken Fassprobe : straight mit straffer Säure

 

Hans Wirsching

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken

2012er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG : Jung, fein, kann noch reifen

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2008er Casteller Schlossberg Riesling GG : kraftvoll und ebenfalls noch jung.

 

Bei den Rotweinen verweise ich auf meine Einträge zur Mainzer Weinbörse.

 

Vielen Dank an den VDP.Franken für die schöne aber auch erfolgreich volle Veranstaltung.

Fürst Löwenstein, Franken – Homburger Kallmuth Silvaner „S“ 2014

Heute mal wieder ganz klassisch Silvaner. Aus einem tollen Silvanerjahr und großer Weinbergslage.

Opulente, kräuterwürzige Nase, auch etwas blumige und erdige Töne. Banane und reife, süße, gelbe Früchte.

Im Mund dann weniger Opulenz und mehr Eleganz. Frische saftige Orange, kalkige Mineralität, etwas nasser, warmer Stein und grüner Tee, auch wieder florale Noten. Am Gaumen ein leichtes Bitterl.

Guter, mittellanger Abgang. Guter und noch sehr junger Wein, dessen Nase absolut im Gegensatz zum Geschmack steht. Spannend!

Ca. 15,50 EUR / PGV angemessen bis kein Schnäppchen

Fürst Löwenstein, Franken – Homburger Kallmuth Silvaner GG Asphodill 2012

Zum Jahresende sollte es nochmal ein besonderer Wein sein. Daß ich mit diesem Wein nichts falsch machen würde war mir klar. Außer vielleicht, dass ich den Wein zu jung getrunken habe:

Sehr würzige und kräutrige Nase. Düster und dicht. Ein Hauch eingekochte Quitte dazu. Nasser, warmer Stein.

Im Mund sehr elegant. Ebenfalls sehr dicht und leicht cremig. Schöne und gut eingebundene Säure. Etwas kandierte Orange und Quitte. Gewürze und getrocknete Kräuter. Steinige Mineralität. Sehr trocken. Hervorragender und sehr langer Abgang. Insgesamt einfach hervorragend und der beste Silvaner, den ich bisher im Glas hatte. Der Wein besitzt aus meiner Sicht eine ganz bemerkenswerte Balance zwischen Kraft und Eleganz.

Ca. 27,50 EUR / PGV angemessen