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VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 1 +++ Die Weinkrise wurde ausgeladen +++ 2024: Frost und Nässe +++ Silvaner in Franken: Wenig und gut

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz 1

Am 27. und 28. April lud der VDP wieder in die Rheingoldhalle nach Mainz zur alljährlichen VDP.Weinbörse. Wie jedes Jahr eine hervorragend organisierte Messe. Ein großer Dank gilt dem Organisations-Team des VDP.

Wie immer war die Messe gut besucht. Traditionell sind Sonntag die Einkäufer des Handels stärker vertreten und Montag die Sommelière der Gastronomie. An den Ständen wurde intensiv diskutiert, probiert – und erstaunlich wenig über die anhaltende Krise gesprochen. 

Weinkrise? Nicht in Mainz

Trotz Absatzrückgängen, schwieriger Exportmärkte und sich wandelndem Konsumverhalten blieb die VDP.Weinbörse 2025 weitgehend unbeeindruckt vom Begriff „Weinkrise“. Allgemeine Branchentrends blieben außen vor. Alkoholfreie Weine, Proxys, Piwis, Naturwein, Orangewein oder alternative Verpackungsformen waren kein Thema an den Ständen.

Und dass, obwohl der VDP nicht nur mit großen Gewächsen Umsätze generiert, sondern 80% der Menge im Guts- und Ortsweinbereich verkauft wird, wo der VDP mit den Lagenweinen deutlich günstigerer Mitbewerber konkurriert (Durchschnittspreis VDP.Gutswein 11,50 EUR, VDP.Ortswein 16,00 EUR).

So ist auch bei den VDP-Betrieben der Absatz um rund 10% (Menge) zurückgegangen. Dank höherer Preise lag der Rückgang der Erträge jedoch nur bei rund 3%.

Die Pressemitteilung des Bundesverbands zum Weinjahr 2024 fasst die Strategie des VDP wie folgt zusammen: „Die diesjährige Bilanz ist mehr als ein Resümee – sie ist ein Signal: In unsicheren Zeiten wächst die Bedeutung klarer Werte. Der VDP steht für Qualität, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit – und genau diese Mischung macht seine Weine weltweit so gefragt wie nie.“

Als Besucher der Messe in Mainz kann ich das bestätigen. Die Parole lautet: „Weitermachen. Durchhalten. Erträge optimieren.“ Doch es bleibt die Frage, ob dieses „Weiter so“ langfristig für alle Verbandsmitglieder trägt – in einer Zeit, in der junge Zielgruppen andere Ansprüche an Wein stellen, Märkte unter Druck geraten und klimatische Extreme zunehmen.

Auffällig war auch 2025 die weiter zunehmende Kreativität bei der Klassifikation und Benennung: Neue Ortsweine „aus ersten Lagen“, erste Lagen ohne Lagenbezeichnung, neue GG-Lagenbezeichnungen, neue erste Lagen, neue Über-GG. Besonders der Edel-Ortswein aus Ersten Lagen scheint sich auch in Regionen zu etablieren, wo er bislang nicht vorgesehen war. Es geht wohl im Rahmen der Optimierung der Erträge nicht mehr ohne. Eine bundesverbandsweite Integration dieser Kategorie in die Klassifikation würde zumindest mehr Klarheit für die Kunden schaffen.

2024 – in einigen Regionen zum Vergessen

Ein Blick auf den Jahrgang 2024 zeigt: Für viele Betriebe war es ein Jahr zum Vergessen. Bereits im April – kurz vor der Weinbörse 2024 – traf ein später Frost weite Teile der deutschen Anbaugebiete. Besonders betroffen waren neben den klassischen Frostregionen wie Franken, Sachsen oder Saale-Unstrut auch eigentlich geschütztere Anbaugebiete im Westen.

Glücklich war, wer keine oder nur geringe Schäden davontrug. 2024 forderte die Winzer aber auch im Verlauf weiter heraus. Der Sommer war warm und feucht. Der Pilzdruck immens. Und auch im Herbst war das Wetter wechselhaft. Können und Handwerk war gefragt! Die Erntemenge war am Ende so klein wie zuletzt 2010.

Im Katalog der Weinbörse zeigte sich das deutlich: 20 % weniger Weine des aktuellen Jahrgangs 2024 waren vertreten. (gegenüber Jahrgang 2023 im letzten Jahr)

Lobend zu erwähnen ist der Zusammenhalt der VDP-Winzer in diesem schweren Jahr, das für nicht wenige Betriebe nur 50% der üblichen Erntemenge ergab. Der Verband ermöglichte es, auch Weine, deren Trauben von anderen VDP-Winzern zugekauft wurden, unter der „Adler-Kapsel“ zu vermarkten. So entstand zum Beispiel bei Dönnhoff an der Nahe ein Westhofener Riesling (Rheinhessen) und ein Wachenheimer Riesling (Pfalz).

Silvaner aus Franken – Weniger Menge, solide Qualität

Kommen wir zu den verkosteten Weinen. Neben dem Schwerpunkt Spätburgunder (im zweiten Teil) haben wir uns dieses Jahr wieder die fränkischen Silvaner näher angeschaut.

Frostbedingt wurden deutlich weniger 2024er Weine angestellt. Die Qualität ist gut bis sehr gut, letztes Jahr war – aus meiner Erinnerung heraus – das durchschnittliche Niveau aber noch etwas höher.

Für alle folgenden 2024er-Antrink-Tipps gilt wieder folgender Disclaimer:

Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

Fürstlich Castell’sche Domäne

Bei den GG ist beim Fürsten 2019 der aktuelle Jahrgang – sehr schön! Der 2019er Casteller Schlossberg Silvaner GG ist tief würzig und nussig mit einer ziemlich warmen gelben Frucht. Das macht Spaß, den Vorgängerjahrgang habe ich aber noch einen Tick stärker in Erinnerung, was im Kontext 2018 und Silvaner eher selten ist.

Viel Wein fürs Geld gibt es nach wie vor beim 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G, den die Domäne auch schon letztes Jahr gezeigt hat.

Höfler

Der 2023er Michelbacher Steinberg Silvaner 1G ist das komplette Gegenstück zu dem Fürstlichen GG. Er ist kühl, saftig, kräutrig. Ein toller Silvaner vom ungewohnten Silvanerterroir Glimmerschiefer.

Zehnthof Luckert

Luckerts haben insgesamt 3 Silvaner aus 2024 zur Verkostung angeboten.

Den 2024er Sulzfelder Silvaner, den 2024er Sulzfelder Blauer Silvaner und den 2024er Sulzfelder Sonnenberg Silvaner Gelbkalk 1G.

Ich kann hier eigentlich den Text aus dem letzten Jahr wieder hereinkopieren. Der ruhige, elegante Stil und die vollkommen fehlende Schwere der Weine macht auch dieses Jahr wieder viel Spaß. Der Mehrwert zwischen Ortswein und erste Lage ist spürbar, aber der Ortswein eben schon sehr gut.

Luckerts haben dann noch den 2023er Sulzfelder Maustal Silvaner GG und den 2016er Sulzfelder Maustal Silvaner GG gezeigt. Beide gewohnt hervorragend. 2023 aber noch etwas tiefer und komplexer.

May

Der 2024er Retzstadter Silvaner ist ein starker Wein in der Kategorie Ortswein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Silvaner Alte Reben 1G ist für uns ein Musterbeispiel für einen hervorragenden Wein aus der Rebsorte Silvaner. Für 20 EUR definitiv ein Must-Have-Wein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Der Schäfer 1G ist aus unserer Sicht ein klein wenig weniger holzbetont als mancher Vorgänger und dafür umso mineralischer, salziger und tiefer. Extrem gut gelungen und insbesondere als Essensbegleiter eine Wucht.

Das 2023er Thüngersheimer Johannisberg Rothlauf Silvaner GG legt gegenüber dem Schäfer nochmal einen drauf. Einfach ein beeindruckender Wein und für uns der beste Silvaner der Veranstaltung.

Horst Sauer

Horst Sauer ist wie immer der „fruchtigere“ der beiden Escherndorfer Sauers. Der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G ist zwar noch etwas füllkrank, zeigt aber schon jetzt eine schöne Frucht und Tiefe. Gleiches gilt für den etwas dunkelfruchtigeren 2024er Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G, der noch etwas mehr Komplexität an den Tag legt.

Hervorragend bei Horst Sauer auch immer wieder die edelsüßen Prädikate, in diesem Fall die 2023er Escherndorfer Lump Silvaner Beerenauslese.

Egon Schäffer

Peter Schäffer hat einen neuen Jahrgang „S7lvaner“ veröffentlicht. Die 7 steht für ein siebenjähriges Holzfasslager vor Abfüllung. Das Ergebnis lässt sich auch im heißen Jahrgang 2018 sehen. Der 2018er Untereisenheimer „S7lvaner“ ist unglaublich frisch und jugendlich und wird von einem tollen, ganz festen und feinen Gerüst getragen. Dazu gibt es im gleichen Jahrgang mit dem 2018er Escherndorfer Lump R7esling auch eine Riesling-Variante. Beides hervorragende Weine, die ihr „Alter“ nicht erkennen lassen.

Schmitt’s Kinder

Das Weingut hatte insgesamt vier 2024er Silvaner am Start. Eine sehr schöne, schlüssige Kollektion. Antrinktipps sind für uns der sehr gute 2024er Silvaner Gutswein, der mit super leichten 11,0% daherkommt, dennoch nicht dünn oder unreif schmeckt. Hervorragend der 2024er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G und der 2024er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G. Aktuell ist der Marsberg der zugänglichere der beiden.

Rainer Sauer

Wenn Horst Sauer – wie oben geschrieben – der „fruchtige“ Sauer ist, ist Rainer Sauer der „würzige“ der beiden Escherndorfer Sauers.

Im Lump hielten sich in den Kernstücken die Frostschäden glücklicherweise in Grenzen, sodass beide Sauers eine ganze Reihe 2024er Silvaner präsentieren konnten. Schön schon der 2024er Escherndorfer Silvaner, hervorragend der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G.

Weingut am Stein – Ludwig Knoll

2024 hat das Weingut in Mainz noch gar nicht präsentiert. Dafür aber herausragendes aus den Vorjahren. Der 2023er Würzburger Innere Leiste Silvaner 1G ist definitiv schon auf GG Niveau, der 2022er Stettener Stein Silvaner GG sicher einer der besten Silvaner des Jahrgangs.

Paul Weltner

Paul Weltner hat bei den Lagenweinen ebenfalls noch 2023 dabei. Der schon letztes Jahr gelobte 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G mit der beim Küchenmeister typischen Mischung aus gelber und roter Frucht ist ein Preis-Genusskracher, der 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG herausragend.

Hans Wirsching

Das Weingut hatte aus 2024 vier Silvaner am Start. Der Abstand vom sehr guten 2024er Iphöfer Silvaner zum noch besseren 2024er Iphöfer „K“ Silvaner, der aus der Iphöfer Kalb stammt (hier ist der Ortswein aus großen Lagen in Franken) ist schmeckbar, der Schritt dann zum 2024er Iphöfer Kalb Silvaner 1G, der jetzt die besten Fässer aus der Kalb vereint, ist dann kleiner.

Weiter in Teil 2 mit Spätburgunder

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 2: Silvaner und Spätburgunder

In Teil 1 könnt ihr allgemeines zur VDP.Weinbörse und unsere bunten Erfahrungen mit Weißburgunder und Chardonnay nachlesen, hier in Teil 2 folgen noch unsere Tipps zu Silvaner (Franken) und Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden).

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Antrinktipps Silvaner (Franken)

Der überwiegende Teil der Silvaner stammt aus dem Jahrgang 2023. Das Jahr hatte für die Winzer wieder einige Herausforderungen zu bieten. Das Frühjahr war viel zu trocken, dafür kam im Sommer dann Regen und Feuchtigkeit auf, was den Pilzdruck massiv erhöhte. Der viele Regen ließ aber auch die Trauben schnell wachsen und reifen, sodass es relativ früh im Jahr mit der Lese schnell gehen musste, weil alles gleichzeitig reif wurde.

Qualitativ scheint 2023 für Silvaner ein guter Jahrgang zu sein. Die Weine sind nicht zu fett geraten und strahlen Eleganz aus.

 

Fürstlich Castell’sche Domäne

Beim Fürsten aus Castell werden die GG seit kurzem erst nach 5 Jahren auf den Markt gebracht, die ersten Lagen erst nach 2 Jahren. Ein starkes Statement!

Auch beim sehr guten Casteller Silvaner Ortswein ist aktuell 2022 noch im Verkauf.

Insgesamt sind eine Qualitätssteigerung und größere Qualitätskonstanz in den letzten Jahren klar festzustellen.

Die beiden gezeigten ersten Lagen zeigen das deutlich und könnten auch als GG durchgehen.

Der 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G zeigt etwas mehr Frucht, während der 2022er Casteller Hohnart Silvaner 1G rauchiger und nussiger ist.

Der 2018er Casteller Schlossberg Silvaner GG zeigt mit 14% Alkohol klar, dass er aus einem warmen Jahr kommt, trotzdem ist aromatisch über 5 Jahre nach der Ernte alles am richtigen Platz, der Wein ist zwar klar warm – schmelzig, aber keineswegs alkoholsüß oder unrund. Ein schöner Essensbegleiter, gerade, wenn man zuhause keinen Keller hat, um junge Weine selbst reifen zu lassen.

 

Juliusspital

Beim Juliusspital hat der 2023er Iphöfer Kronsberg Silvaner 1G deutlich die Nase vor dem Klassiker aus dem Würzburger Stein.

Um zu zeigen, wie gut Silvaner reifen kann, hat das Juliusspital auch den 2014er Würzburger Stein Silvaner EL zur Verkostung angestellt. Da 2014 für mich ein großartiges Silvanerjahr war, war meine Erwartungshaltung groß und wurde nicht enttäuscht. Der Wein war in einem Top Zustand. Natürlich mittlerweile in Ehren gereift und von der Komplexität her nicht ganz GG-Niveau, aber immer noch saftig und mit wunderschöner Mineralität. 13,00 EUR hat das ganze damals gekostet. Hätte, hätte, Fahrradkette…

 

Fürst Löwenstein

Das Weingut hat in den letzten Jahren gerade in der Spitze nicht immer eine gleichbleibende Qualität abgeliefert. Der 2021er Fürstlicher Kallmuth Silvaner GG „Asphodill“ hat aber alles was ein Silvaner GG braucht. Beim Asphodill gibt es zusätzlich auch immer noch die schöne Aromatik des einzigartigen Homburger Kallmuth dazu. Sehr schön!

 

Zehnthof Luckert

Muss ich tatsächlich noch etwas darüber schreiben?

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Sulzfelder Silvaner

2023er Sulzfelder Silvaner Alte Reben

2022er Sulzfelder Berg Silvaner 1G

2022er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

Der elegante, moderne Stil begeistert uns immer wieder. Die 23er Ortsweine rangieren qualitativ nicht weit unter dem 22er Sulzfelder Berg, der ein bisschen feiner und zurückhaltender scheint als sein nicht gezeigter Bruder „Gelbkalk“ aus dem Sonnenberg. Der Sulzfelder Berg wurde bis vor 2 Jahren exklusiv für einen Händler abgefüllt und befindet sich seitdem im regulären Weingutsportfolio. Das GG ist sicher einer der größten auf der Messe probierten Weine.

 

Rudolf May

Die Weine von Rudolf und Benedikt May waren über die gesamte Kollektion hinweg ähnlich begeisternd wie die von Zehnthof Luckert.

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Retzstadter Silvaner

2022er Retzstadter Langenberg Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Der Schäfer Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Himmelspfad Silvaner GG

Der Abstand vom 23er Ortswein zum 22er 1G war etwas größer als bei Luckerts, natürlich ergibt sich trotzdem eine wunderbare Qualitätspyramide. Die 2022er hatten wir auf der Jahrgangspräsentation letztes Jahr teilweise als Fassprobe schon vor Ort in Retzstadt verkostet. Schön zu sehen ist, wie gut sich der Himmelspfad entwickelt hat, der sein großes Potential letztes Jahr noch nicht zeigen wollte.

Alle Weine haben ordentlich Grip, sind elegant, trocken und komplex. Der Schäfer ist Mays Holzfassversion des Silvaners. Der Schäfer ist in den letzten Jahren auch immer feiner geworden, das Holz ist schon zu Beginn besser eingebunden, auch wenn auch dem 2022er die zusätzlichen Monate nach der letzten Jahrgangspräsentation ebenfalls gutgetan haben. Sehr schön.

Holz gab es dann auch beim 2022er „Kniebrecher“ Silvaner zu schmecken. Da es sich bei dem Wein um eine Lagencuvee aus Himmelspfad und Rothlauf handelt, läuft er außerhalb der VDP-Klassifikation. Die besten Moste aus den beiden Weinbergen werden für den Wein in zwei Barriques ausgebaut und kommen durch die lange Fassreife noch ein Jahr später auf den Markt als die GG. So war der Wein im aktuellen „Sneak Preview“ auch einfach blutjung, aber eben auch enorm tief und sicher mit dem Potential ausgestattet ein großer Wein zu werden. Sehr spannend!

 

Schmitt’s Kinder

Das Randersackerer Weingut fliegt immer ein bisschen unter dem Radar, liefert aber jedes Jahr zuverlässig sehr gute Weine.

Die 23er ersten Lagen liefern ziemlich ab. Der 2023er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G ist dabei würziger und mineralischer und liegt damit etwas vor dem braveren 2023er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G. Der Abstand vom Marsberg zum ebenfalls sehr schönen, komplexen aber relativ warmen 2022er Randersackerer Pfülben Silvaner GG ist ziemlich klein.

 

Horst Sauer

Der 2023 Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G zeigt die für die Silvanerspielart mit den grau bis violetten Beeren typische kräutrig erdige Würze und Rotbeerigkeit und scheint mir ein bisschen straffer zu sein als der gleiche Wein im Vorjahr.

 

Paul Weltner

Paul Weltner hatte unter anderem den 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G und den 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner 1G angestellt. Wie jedes Jahr sind das kleine GGs. Beeindruckende Qualitätskonstanz!

 

Antrinktipps Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden)

Franken
Rudolf Fürst

Die gezeigten Ortsweine und das erste Gewächs aus dem Bürgstadter Berg machen wieder deutlich, warum Rudolf Fürst zu den besten Spätburgunderwinzern im Lande zählt.

Bei den Ortsweinen ist der 2022er Bürgstadter Spätburgunder der „bravste“, der 2022er Klingenberger Spätburgunder dank der typischen Klingenberger Würze der mit der spannensten Aromatik. Da Fürsts USP die ausgewogene Erhabenheit der Weine ist, empfehlen wir aus dem Ortsweintrio klar den 2022er Großheubacher Spätburgunder, der etwas eleganter ist als der Klingenberger, aber mit der feinen Würze zeigt, dass der Großheubacher Bischofsberg die Verlängerung des Klingenberger Schlossbergs darstellt. Dabei ist der Großheubacher neu im Portfolio und ist in den letzten Jahren mit im Spätburgunder Tradition gelandet.

 

Pfalz
Friedrich BeckerFriedrich Becker

Wovor Friedrich Becker keine Angst hat ist Tannin, das steht völlig außer Frage und zeigt sich sowohl bei den weißen Burgundersorten als auch beim Spätburgunder. In diesem Fall sollte man sich davon nicht abschrecken lassen, denn die Weine reifen in der Regel wunderbar und das Tannin wird weicher und bindet sich ein. Schon der Gutswein, der 2019er Friedrich Becker Spätburgunder zeigt gut, wo die Reise hingeht. Natürlich ist das ein Gutswein für Freaks und nicht für Freunde des beiläufigen Weinchens. Und auch den Gutswein sollte man durch aus noch einige Jahre reifen lassen.

Der Abstand zwischen Ortswein und erster Lage ist gar nicht so groß, sodass wir zum probieren den 2019er Schweigener Pinot Noir empfehlen. Der 2019er Schweigener Sonnenberg Sankt Paul Pinot Noir GG und der 2019er Schweigener Sonnenberg „KB“ Pinot Noir GG sind Monumente – zu trinken in 10 Jahren.

 

A. Christmann

Tatsächlich hatten wir bisher noch wenig Gelegenheit die begehrten Spätburgunder nach der stärkeren Fokussierung durch die nächste Generation zu verkosten. Klar ein Fehler, denn das, was dort produziert wird ist durch die Bank weg großartig und gehört sicher zur deutschen Spitze.

Das fängt schon an beim aktuell etwas verschlossenen 2022er Spätburgunder Aus den Lagen und zeigt sich gut bei allen 3 ersten Gewächsen. 2022er Mußbacher Eselshaut Spätburgunder 1G, 2022er Königsbacher Ölberg Spätburgunder 1G und 2022er Gimmeldinger Biengarten 1G. Einen Favoriten zu wählen macht hier keinen Sinn, das ist alles extrem fein und elegant und wird mit etwas Reife viel Spaß machen.

 

Knipser

In meiner Weinbubble spielt das Weingut keine große Rolle, dabei ist Knipser sicher ein Pionier des modernen Qualitätsweins in der Nordpfalz. Stilistisch ist das Weingut halt sehr klassisch, die Weine sind aromatisch nicht besonders „aufregend“ aber durchaus von beeindruckender Qualität. Der 2019er Blauer Spätburgunder ist ein hervorragendes Exemplar eines Gutsweins. Frucht, Würze, Mineralität bilden eine harmonische Einheit. Kein intellektueller Wein, kein Freakwein, aber trotzdem qualitativ hochwertig.

Der 2019er Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG betont trotz Barriqueausbau in neuen und gebrauchten Barriques klar die fruchtige Seite mit Kirschen und roten Beeren, hat aber auch eine feine, feste Struktur mit weichem Tannin und viel Mineralität. Sehr elegant.

 

Philipp Kuhn

Philipp Kuhn hatte 2 Spätburgunder GG dabei. Darunter auch einen Kirschgarten. Der 2020er Laumersheimer Kirschgarten Pinot Noir GG hat ebenfalls eine wunderbare Frucht, ist aber etwas üppiger und dichter als die Version von Knipser. Der Holzeinsatz ist dabei aber sehr fein, auch im Vergleich zu anderen Weinen aus dem Hause Kuhn. Der 2019er Laumersheimer Steinbuckel Pinot Noir GG ist aromatisch anders. Etwas rauchiger und lauter. Er wird sicher etwas später als der Kirschgarten seinen Genusshöhepunkt erreichen.

 

Rings

Beeindruckend bei Rings ist schon die Qualität vom 2022er Spätburgunder Gutswein und 2022er Kallstadter Spätburgunder Ortswein. Das ist etwas, dass Rings jedes Jahr auszeichnet. Die ersten Lagen, der 2022er Leistadter Kalkofen Spätburgunder 1G und der 2022er Kallstadter Steinacker 1G gefallen uns besser als im kühlen 2021 davor. Der wärmere Jahrgang harmoniert aus unserer Sicht besser mit der kühlen Stilistik des Weinguts.

 

Baden
Bercher

Dass Marcus Hofschuster von Wein-Plus Bercher mit dem Titel Kollektion des Jahres ausgezeichnet hat verwundert nicht. Der 2019er Burkheimer Ortswein ist für schlanke 11,50 EUR eine echte Empfehlung für einen eleganten nicht komplizierten klassischen Spätburgunder mit Anspruch. Der 2019er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G ist natürlich tiefer und komplexer, ist aber ebenfalls eher kühl, mit feinem Termin und Saftigkeit.

 

Dr. Heger

Der Hegersche Spätburgunder Stil ist sicher nicht der kühlste in Baden. Die Weine haben alle Kraft, aber sind auch nie überbordend fett. Der 2020er Ihringer Spätburgunder zeigt schon viel Tiefe und Länge, auch der 2020er Ihringer Vorderer Winklerberg Spätburgunder GG und der 2020er Achkarrer Schlossberg Spätburgunder GG haben uns sehr gut gefallen.

 

HeitlingerHeitlinger

Bei Heitlinger wird es wieder kühler, beim 2020er Tiefenbacher Pinot Noir auch ätherisch und etwas wilder. Spaß macht der Wein mit seiner Komplexität und Salzigkeit dennoch.

 

Bernhard Huber

Der 2022er Malterdinger Spätburgunder und der 2022er Malterdinger Spätburgunder Alte Reben präsentierten sich schon offen und gewohnt fein.

 

Salwey

Was für die weißen Burgundersorten gilt, gilt auch für die Spätburgunder. Salweys kühler, ruhiger Stil ist ziemlich einzigartig. Uns gefällt das sehr gut. Gezeigt wurden 2021er Oberrotweiler Spätburgunder, 2020er Oberrotweiler Henkenberg Spätburgunder GG und 2020er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG

 

Rheinhessen

Wenige Weingüter hatten Spätburgunder zur Verkostung mitgebracht.

 

J. Neus

Wie bei den Weißburgunder/Chardonnay bereits besprochen, scheint sich das neue Team einzuspielen. Der 2021er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben ist hier unser Antrinktipp. Die Großen Gewächse, der 2021 Ingelheimer Horn Spätburgunder GG und der 2021 Ingelheimer Pares Spätburgunder GG sind ebenfalls sehr schön, der Abstand in Sachen Komplexität und Länge zum Ortswein könnte allerdings noch etwas größer sein.

 

Was war sonst noch empfehlenswert:

Martin Schwarz – Sachsen: Wer etwas in die Finger bekommt, probieren! Das Weingut ist klein, die Flaschen begehrt. Das ist Sachsen next level, nicht erst seit der VDP-Aufnahme.

 

Schlör – Baden – Schwarzriesling: Im Champagner selbstverständlich, als Rotwein meist eher schwierig. Bei Schlör nicht. Der 2021er Reicholzheimer First Schwarzriesling „R“ 1G bietet extrem viel Wein fürs Geld. Das ist GG-Niveau. Der 2020er Reicholzheimer First „Fyerst 1476“ Schwarzriesling GG legt noch eine kleine Schippe drauf, ist aber noch verschlossen und braucht Zeit.

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? – Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? – war die Kernfragestellung einer kleinen privaten Probe in Frankfurt. Zwölf Weine wurden hierfür zusammengestellt. Mindestens „angereift“ sollten sie sein und damit nicht jünger als 2014.

Zu Acht verkosteten wir die Weine, darunter waren zwei Piraten, die die Eingangskriterien Franken/Silvaner/GG/2014 oder älter rissen.

Die Weine wurden vor der Probe durch den Gastgeber in neutrale Bordeaux-Flaschen umgefüllt und nummeriert (Danke für den Riesenaufwand!) und in Zweier-Flights blind verkostet. Die Probe wurde erst ganz am Ende aufgedeckt. Beste Voraussetzungen also für einen kleinen „Marktüberblick“:

 

Flight 1 „Die Alten“:

Juliusspital – Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2009 vs. Schmitt’s Kinder – Randersackerer Pfülben Silvaner GG 2010

 

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi

Juliusspital 2009

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F1Die ältesten Weine wurden vom Gastgeber in den Flight gepackt, da er beim Umfüllen in die neutralen Flaschen schon gemerkt hat, dass die Weine in der Reife schon arg fortgeschritten waren. Beim Einschenken war die Lage klar: beide zeigten sich schon eher dunkelgold im Glas.

Der Wein vom Juliusspital zeigte in der Nase schon deutliche Sherrynoten, dazu Honig, Kräuter und etwas Orangeat.

Im Mund ebenfalls sehr reif, aber nicht ganz so kritisch, wie die Nase vermuten ließ. Eher zurückhaltende Säure, Kräuter, kalkige Mineralität, Kräuter. Bei der Frucht maximal etwas überreifer roter Apfel. Im mittellangen Abgang etwas alkoholwarm.

Das GG von Schmitt’s Kindern machte insgesamt noch einen etwas frischeren Eindruck (ggf. auch jahrgangsbedingt), war aber auch schon etwas über den optimalen Trinkzeitpunkt hinaus. In der Nase wieder sehr reif und kräutrig, aber auch etwas gemüsig, dazu ein wenig Waldmeister, rote Beeren und Rauch.

Im Mund etwas kandierte Zitrusfrüchte, grüner Apfel und Melone. Feine kalkige Mineralität, frische Säure. Recht langer Abgang, der dann doch recht stark von der Reife geprägt ist.

Definitiv ein schwieriger Start und wirklich ärgerlich, da der Silvaner hinsichtlich Reife eigentlich zu schlecht wegkommt. Bei anderen Gelegenheiten hatte ich schon einige Silvaner, die auch nach 10 oder mehr Jahren Reife in bestem Zustand waren – zuletzt auf der Mainzer Weinbörse, wo Paul Weltner einen genialen 2006er Rödelseer Küchenmeister Silvaner GG zeigte.

Mein Punkt geht (wenn überhaupt bewertbar) an Schmitt’s Kinder.

 

Flight 2 „Klassiker vs. jungem Pirat“

Hans Wirsching – Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2014 vs. Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main

 

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F2Wirsching wirklich absolut klassisch. Schon in der Nase trotz des eher kühlen Jahrs warm, sehr würzig, gelbe Früchte, Quitte.

Im Mund sehr dicht und rund. Ebenfalls eine reife, gelbe Frucht und eine feine Würze. Eine Prise Salz und Feuerstein. Zwar keine ganz kräftige aber ausreichend tragende Säure. Langer Abgang. Auf jeden Fall ein hervorragender Wein und ganz typischer Sortenvertreter. Als Solist vielleicht einen Tick zu kraftvoll, als Essensbegleiter aber klar großartig.

Der erste Pirat kam direkt aus Bastian Hamdorfs „Schatzkammer“. Obwohl eigentlich ausverkauft, gab er mir dankenswerterweise eine Flasche mit, als ich ihm vor Kurzem von unserer geplanten Probe erzählte. Der Wein ist im Großheubacher Bischofsberg gewachsen und stammt aus dem Premierenjahrgang des kleinen Klingenberger Weinguts.

Der Wein sorgte in der Probe als erster dann auch für kontroverse Diskussionen. Einige Teilnehmer lobten Frische, Säure und Gerüst, andere bemängelten den Holzeinsatz oder eine geringe Sortentypizität. Für mich sorgte der Wein auf jeden Fall als erster in der Runde für einen „Niagara-Trinkfluss“:

In der Nase kühl, steinige Mineralität, Kräuter, im Hintergrund etwas getoastetes Holz.

Im Mund eine extrem saftige, kühle Zitrusfrucht, Salz, wieder eine sehr steinige Mineralität, tiefe Würze, etwas Vanille, feines aber festes Tanningerüst, karge Stilistik, die fast an einen französischen Chardonnay erinnert. Schöner, leicht antrocknender, langer Abgang. Wer den Wein im Keller hat, sollte abwarten, da geht noch etwas mehr.

Mein Punkt geht knapp an Bastian Hamdorf.

 

Flight 3: „Klassiker vs. nicht mehr ganz so jungem Pirat“

Juliusspital – Würzburger Stein Silvaner GG 2014 vs. Michael Teschke – Sylvaner Vom Mühlweg 2013 (Rheinhessen)

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F3Der Wein vom Juliusspital zeigt eine kühle, tiefwürzige Nase mit vegetabilen Noten, Quitte und leicht hefig, holzigen Noten.

Im Mund zeigt er eine wunderbar feine, gelbe Frucht und etwas Orange. Dazu rote Beeren, eine ganze Kräuterwiese, kalkige Mineralität und eine Prise Pfeffer. Langer und klarer, sehr schöner Abgang. Für mich großes Kino!

Der rheinhessische Pirat könnte stilistisch konträrer nicht sein. Entsprechend gibt es auch hier wieder kontroverse Diskussionen am Tisch. Hätten wir gewusst, welches Weingut wir im Glas haben, wäre alles klar gewesen. Michael Teschke ist ein Individualist und macht ebensolche Weine. Der „Vom Mühlweg“ wird von Hand gelesen, spontan vergoren und im Holz ausgebaut. In der Nase zunächst nur ein kräftig schwefliger Stinker. Erst nach und nach treten kräutrige Noten und etwas Veilchen zu Tage.

Im Mund frisch mit einer recht kräftigen Säure, Frucht nach Orange, Birne, und roten Beeren. Feines Gerbstoffgerüst, das an grünen Tee erinnert. Dazu wieder florale Noten und eine feine, eher kalkige Mineralität. Mittellanger Abgang. Ein Wein mit viel Zug, aber insbesondere wegen der Nase auch etwas rustikal wirkend.

Mein Punkt geht ans Juliusspital.

Fight 4: „Duell im südlichen Maindreieck“

Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014 vs. Bickel-Stumpf – Frickenhausener Kapellenberg „Mönchshof“ Silvaner GG 2014

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F4Luckerts Maustal zeigte eine wunderbare dichte und kühle Nase mit Apfel, roten Beeren, Orangeat und feiner Mineralität.

Im Mund eine tolle Kräuterwürze, mit kühler und leicht süßlicher gelber Frucht und roten Beeren. Ganz feine, höchst elegante, kalkige Mineralik und leicht schmelzige Textur. Sehr langer und schöner Abgang. Top!

Bickel-Stumpfs Mönchhof besticht ebenfalls durch eine dichte, komplexe Nase hier mit Quitte, Birne, Kalk und nussigen sowie rauchigen Noten.

Im Mund steht die kalkige Mineralität im Vordergrund. Dazu gibt es eine kühle Frucht und eine zitronige Säure. Eine schöne Kräuterwürze und eine Prise Salz runden das ganze ab. Im langen Abgang bleibt es kalkig. Eine ganz feine Kohlensäure im Wein sorgt aber dann doch für Diskussionen. Sie wird unterschiedlich stark störend gesehen. Weitgehend einig ist man sich aber, dass Kohlensäure im GG grundsätzlich eher nicht erwartet wird.

Luckert ist für mich vorn.

 

Flight 5: „Zwei Sauer-Lumpen“

Horst Sauer – Escherndorfer Lump Silvaner GG 2011 vs. Rainer Sauer – Escherndorf am Lumpen 1655 Silvaner GG 2013

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F5Horst Sauers Silvaner kommt mit einer gewürzigen Nase, süßlicher gelber Frucht mit roten Äpfeln und reifen Birnen und etwas Bienenwachs und Butter.

Im Mund ebenfalls eine warme, eher süße, gelbe Frucht. Der Wein hat eine schöne kräutrige Würze Etwas zusätzliche Wärme und Süße und wohl auch einen ganz leichten Bitterton ordne ich dem Alkohol zu. Der Abgang ist lang, bleibt aber alkoholwarm. Insgesamt gekonnt gemacht und sicher vom warmen Jahrgang beeinflusst. Aber auch wieder eher ein Essensbegleiter, weil er doch recht viel von allem hat.

Rainer Sauers Vertreter ist etwas kühler. In der Nase ein ganz typischer kräutriger Silvaner mit einer schönen Birnenfrucht.

Im Mund reife Birne und reifer Apfel, etwas Karamell und Kräuter. Schöne Säure, aber auch gleichzeitig viel Süße. Mittellanger Abgang. Nicht der komplexeste Wein des Abends.

Mein Punkt an Horst Sauer

 

Flight 6: „Nordwest vs. Südost“

Paul Weltner – Rödelseer Küchenmeister Hoheleite Silvaner GG 2012 vs. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis“ Silvaner 2012 (seit VDP-Beitritt: Rothlauf GG)

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F6Der Silvaner von Paul Weltner zeigt eine etwas schwierige Nase nach überlagerten Äpfeln, Leder und Kräutern.

Im Mund ist er schöner: Viel Kalk und roter Apfel, frische Säure, feines Gerbstoffgerüst und Feuerstein. Langer Abgang. Sehr straigter Stil. Bei mir persönlich ist der Wein nicht so gut weggekommen, weil Nase und Geschmack für mich einfach nicht harmonieren wollten. Einige Mitverkoster sahen es anders. Durchaus auch ein kontrovers diskutierter Wein.

Der Recis von Rudolf May war dann als letzter Wein des Abends auch mein persönlicher Favorit. In der Nase schon eine unheimlich spannende und intensive Würze, rauchig und fast ans Schießpulver erinnernd. Dazu Birne, Quitte und im Hintergrund leicht gemüsige Noten.

Im Mund wieder sehr druckvoll aber nicht breit. Ebenfalls wieder viel von der schwer beschreibbaren aber wunderbaren Würze. Kalkige Mineralität, die den Wein ganz minimal cremig erscheinen lässt. Frische apfelige Säure und etwas Birne bilden die Fruchtkomponenten. Sehr langer, feiner Abgang. Sehr ausgewogen zwischen Druck und Eleganz.

 

Die Ergebnisse:

Meine persönlichen Favoriten waren:

1. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis” Silvaner 2012

2. Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014

3. Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main

 

Die Gruppenfavoriten*:

1. Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014

2. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis” Silvaner 2012

3. Gleichauf:
    Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main
    Juliusspital – Würzburger Stein Silvaner GG 2014
    Michael Teschke – Sylvaner Vom Mühlweg 2013 (Rheinhessen)

 

Fazit:

Wir haben an diesem Abend eine ganze Reihe großartiger Silvaner getrunken. Auch wenn sich Silvaner nicht ganz so wandelbar zeigt, wie zum Beispiel der Riesling, ist die Bandbreite der Stile und Aromen extrem hoch. Auch qualitativ müssen sich die Silvaner GG nicht hinter ihren bekannteren Riesling-Geschwistern verstecken. Die beiden Piraten zeigen, dass es stilistisch auch noch ganz anders geht und geben Grund zur Annahme, dass die Geschichte des Silvaners nicht auserzählt ist.

In warmen Jahren neigt der Silvaner definitiv dazu, etwas „gemütlicher“ zu werden. Bei den Top-Gütern hat das auf Komplexität und Größe wenig Einfluss – allerdings rufen die Weine dann nach einem ebenbürtigen Essenspartner.

Nur einen Beweis konnten wir aufgrund der beiden Ausfälle in Flight 1 nicht antreten: Dass Silvaner hervorragend reifen kann. Vielleicht ergibt sich hierzu ja in ein paar Jahren die Gelegenheit das nachzuholen.

Bis auf den dankenswerterweise überlassenen Pirat von Bastian Hamdorf wurden alle Weine durch die Teilnehmer aus eigenen Beständen mitgebracht und bezahlt.

 

In diesem Sinne:

Trinkt mehr Silvaner!

 

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*ermittelt: Top 3 jedes Teilnehmers gewichtet nach Platzierung 1. Platz=3 Punkte, 2. Platz=2 Punkte, 3. Platz=1 Punkt

VDP.Jahrespräsentation 2017 Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 07. Mai 2017

Am 07. Mai fand die diesjährige Jahrespräsentation des VDP.Franken in Würzburg statt. Wie letztes Jahr auch eine gute Gelegenheit einen Überblick über den Jahrgang in Franken zu erlangen.

Einige Weine des Jahrgangs hatte ich bereits auf der VDP.Weinbörse in Mainz vor einigen Wochen gekostet. So konnte ich etwas zielgerichteter Vorgehen.

Insgesamt zeigt sich 2016 etwas weniger druckvoll und in der Jugend etwas verschlossener als 2015, aber gleichzeitig runder und reifer als 2014. Grundsätzlich sind das gute Voraussetzungen, wenn man den Weinen noch etwas Zeit gibt.

Meine Favoriten:

 

Beste gezeigten Kollektionen:

Fürst Löwenstein:

Fürst Löwenstein hat 2016 mit neuem Kellermeister wieder eine starke Kollektion hingelegt. Die Weine sind etwas weniger verspielt als 2015.

Bei den Silvanern gefielen der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner trocken und der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ trocken gut.

Noch einen Tick besser die Rieslinge: 2016er Homburger Kallmuth Riesling trocken und 2016er Homburger Kallmuth Riesling „R“ trocken mit schöner Frucht und animierendem Spiel von Fruchtsüße und klarer Säure.

 

Rudolf May:

Einmal mehr präsentiert Rudolf May herausragendes:

Bei den Silvanern einen schönen 2016er Retzstadter Silvaner trocken und einen hervorragenden 2016er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken. Beide ruhen in sich und haben eine tolle Würze.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Riesling trocken bringt eine schöne Frucht mit.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Weißburgunder bleibt kühl, elegant und quasi burgundisch.

Absolut Irre dann die 2015er Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese. 300g/L Restzucker bei 16 Säure und 7,5% vol. Alkohol. 12 Monate im Barrique. Vom Barrique ist nichts mehr zu spüren. Der Wein extrem dicht bis ölig, aber gleichzeitig auch frisch und trinkiger als eine TBA sein kann. Hammer!

 

Zehnthof Luckert

Was hier seit einigen Jahren abgeht gefällt mir ungemein gut. 2016 macht hier keine Ausnahme:

Die gezeigten Silvaner, der

2016er Sulzfelder Blauer Silvaner trocken

2016er Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken und

2015er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

sind allesamt fein, elegant und mineralisch, sehr würzig und zeigen wenig Frucht. So geht’s!

Der 2016er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder „Terrassen“ trocken steht da mit seiner guten Balance zwischen Kraft und Eleganz in nichts nach.

Weitere Empfehlungen nach Rebsorten:

Silvaner

Bürgerspital zum Hl. Geist:

2015er Würzburger Stein Silvaner GG : schöne Frucht, tiefe Mineralität, kraftvoll

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2016er Würzburger Stein Silvaner trocken : mineralisch, vielschichtig, aber noch sehr unrund, braucht zeit

 

Bickel-Stumpf

2016er Frickenhäuser Muschelkalk Silvaner trocken

2016er Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken

Beide eher auf der fruchtigeren Silvanerseite.

 

Egon Schäffer

2016er Escherndorfer Silvaner trocken (Fassprobe): Schäffer sollte man im Auge behalten!

 

Weltner

2016er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken

 

Roth

2015er Silvaner Alte Reben trocken Holzfass: körperreich, noch deutlich vom Holz geprägt, hat aber bestimmt eine schöne Zukunft.

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2015er Casteller Kugelspiel Silvaner trocken : knochentrocken mit 0,8 RZ und daher auch als 2015er mit einer gewissen Eleganz

2015er Casteller Schlossberg Silvaner GG: ziemlich wuchtig und kraftvoll – eher der klassische Stil

 

Riesling 2015

2015 war ein absolutes Rieslingjahr in Franken. Irritieren doch fränkische Rieslinge häufig mit wenig Frucht und eher zurückhaltender Art, ist das in 2015 anders. Die Kombination aus Kraft und Säure hat hervorragende Rieslinge mit einer schönen Frucht hervorgebracht, die bestimmt auch einiges Lagerpotential bieten.

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2015er Würzburger Sein Riesling GG

 

Störrlein Krenig

2015er Randersackerer Sonnenstuhl Riesling GG

 

Michael Fröhlich

2015 Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling GG

 

Egon Schäffer

2015er Escherndorfer Lump Riesling trocken

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2016er Casteller Honart Riesling trocken

 

Riesling andere Jahrgänge

Höfler

2016er Michelbacher Riesling „Urgestein“ feinherb: saftig und fein mineralisch

 

Bürgerspital zum Hl. Geist

2016er Randersackerer Teufelskeller Riesling trocken: schöne Frucht

 

Horst Sauer

2016er Escherndorfer Lump Riesling S. trocken

 

Johann Ruck

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken Fassprobe : straight mit straffer Säure

 

Hans Wirsching

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken

2012er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG : Jung, fein, kann noch reifen

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2008er Casteller Schlossberg Riesling GG : kraftvoll und ebenfalls noch jung.

 

Bei den Rotweinen verweise ich auf meine Einträge zur Mainzer Weinbörse.

 

Vielen Dank an den VDP.Franken für die schöne aber auch erfolgreich volle Veranstaltung.