Wittmann ist sicher einer der Top Produzenten in Rheinhessen. Es ist immer ratsam, Wittmanns großen Gewächsen viel Zeit zu geben. Nur dann, spielen sie ihr Potential voll aus:
Eher feine Nase mit Hagebutte, roten Beeren und gelben Früchten. Dazu etwas Tabak und Zündplättchen, grünpflanzliche Noten.
Im Mund dicht und intensiv, mit süßer, zunächst opulent wirkender gelber Frucht und Kandis, die dann aber mit Luft von viel kalkiger Mineralität, Tabak und Zitrus gebremst und ausgeglichen wird. Saftige, frische aber bestens eingebundene Säure, die Frucht tendiert dann auch ins Apfelige. Viel grüne Kräuter und dunkle Würze. Eine Prise Salz. Langer schöner Abgang, Die kühle Mineralität und mundwässernde Säure bleiben.
Die Weine von Höflers aus dem äußersten Nordwesten Frankens, die auf Gneis und Glimmerschiefer wachsen, habe ich hier im Blog schon mehrfach besprochen. Warten lohnt bei Höflers Lagenweinen immer, das ist auch beim 2014er Großen Gewächs so:
Steinige und tiefkräutrige Nase, dazu eine Würze die etwas an moselige Schiefrigkeit erinnert, aber auch an Petroleum, wie man es häufig in Rheingauer Weinen aus Rüdesheim findet. Die Frucht tritt in den Hintergrund.
Im Mund schlank, fokussiert, mit feinem Gerbstoffgerüst. Frische, bestens eingebundene Säure, Gelbfruchtige Noten, Kräuter, helle Würze, dazu etwas grünes Holz. Eine Prise Salz.
Max von Dungern ist eigentlich hauptberuflich mitverantwortlich für die hervorragende Qualität von Christian Stahls Weinen. Das ist sicher ein Job, der viele Winzer voll beschäftigen würde. Nicht so Max, der seit einigen Jahren zusätzlich eigene Weinberge rund um Marktbreit bewirtschaftet. Die Parzelle im Stachelberg war 2016 der erste eigene Weinberg von Max. Mittlerweile sind einige Weinberge dazu gekommen, Jasmin, Max Frau, hat zudem im schönen Marktbreit einen Weinladen eröffnet. Um von Dungerns kommt man im südlichen Maindreieck also nicht mehr herum.
Im Stachelberg ist mit Riesling seit dem Jahrgang 2023 allerdings erstmal Schluss, der Weinberg wurde gerodet und wartet auf einen Neuanfang.
Der wilde Stachelberg
Der Stachelberg ist eine steile Lage, die direkt zum Main abfällt. Den Wein hatten wir damals unter konspirativen Umständen gekauft. Max gab mir die Koordinaten des Stachelberg und Zeitpunkt des Treffens per Messenger auf. Vor Ort zur Kartonübergabe trafen wir Ende August auf einen wilden Weinberg und nicht minder wilden Winzer ;-). Dass der Wein auch wild würde, stand aber nicht zur Debatte, denn wir kannten den hervorragenden 2018er bereits.
2019 präsentiert sich gegenüber 2018 aber aktuell sogar noch feiner und eleganter:
In der Nase viel Kräuter, die gegenüber der süßen, gelben Frucht die Hauptrolle spielen, dazu etwas Tabak, nasser Stein und viel dunkle Würze.
Im Mund fein und elegant aber dicht, deutlich kühlere Frucht, als die Nase vermuten lässt auch mehr Orange und Grapefruit statt gelbem Pfirsich. Die Säure ist sehr gut eingebunden. Dazu gibt es kühle, kalkige Mineralität, Trockenkräuter, feine florale Noten, wieder dunkle Würze und ein kleines Bitterl am Gaumen.
Erst im langen Abgang wieder etwas süßliche Gelbfrucht und Tabak.
Ganz erstaunlich, wie der Wein die Kraft, die die Nase ausstrahlt im Zaum hält. Ein eigenständiger, komplexer, hervorragender Riesling
Die Geschichte der Verkostung dieses Wochenendes beginnt für mich schon etwa 2015, als ich die Weine von Heymann-Löwenstein bei einer Hausmesse von K&M Gutsweine in Frankfurt das erste Mal kennengelernt hatte. Das Gespräch am Stand war spannend, die Weine hervorragend. Kurz danach hatte ich, mit dem 2012er Winninger Uhlen Blaufüsser Lay Riesling GG, das für mich zu diesem Zeitpunkt allerbeste Mosel GG im Glas. Ein Wein, an den ich mich heute noch erinnern kann und den ich eine Weile begleiten konnte, da ich 3 Flaschen gekauft hatte. Jede Flasche war noch besser als die vorhergehende. Ein großartiger Wein.
Natürlich gesellten sich in den Folgejahren zu dem Wein dann auch ein paar andere Heymann-Löwensteins, die ich mit etwas Reife jeweils sehr genoss.
2018 hatte ich in privatem Rahmen mit anderen Weinfreunden dann ein paar GG-Neuerscheinungen aus dem Jahrgang 2017 verkostet. Darunter die ganze Phalanx der Löwensteinschen GG. Nicht nur Uhlen, sondern auch Kirchberg, Stolzenberg und Röttgen.
Alle Verkoster ließen die Weine zu diesem Zeitpunkt ratlos zurück. Sie hatten nichts vom Strahlen des 12er Blaufüsser Lay, waren matt, zugedeckt, allenfalls kräutrig und würzig. Aufgrund der hohen Kritikerbewertungen des Jahrgangs ahnten wir, dass wir auf der falschen Spur waren. Dummerweise ergründete ich nicht, was an diesem Tag schief gelaufen war. Das Wetter, der Trinker, der Wein – die Frage, wer am meisten zum Ergebnis beitrug, blieb unbeantwortet.
Seit gestern weiß ich mehr:
Die sensationelle Vertikale
Am längsten Tag des Jahres 2025 lud uns ein lieber Weinfreund zur Verkostung einer Uhlen-Vertikale ein.
Folgende Weine gab es zu verkosten
Jahrgang
Uhlen Laubach Riesling GG
Uhlen Blaufüsser Lay Riesling GG
Uhlen Roth Lay Riesling GG
2021
X
2020
X
2019
X
2018
X
X
2017
X
2016
X
2015
X
X
2013
X
2011
X
2009
X
Die Lagen
Alle 3 Weine stammen aus der gleichen, in der Weinbergsrolle eingetragenen Lage, dem Winninger Uhlen. Schon lange baut Reinhard Löwenstein die Parzellen Laubach, Blaufüsser Lay und Roth Lay getrennt aus, durfte die Parzellennamen so aber nicht auf dem Etikett prominent verwenden, da dies eben keine offiziellen Bezeichnungen in der Weinbergsrolle waren. Daher wurden sie mit B, L und R abgekürzt. Als 2018 das geltende EU-Recht, als Produzent auch eigene geographische Produktbezeichnungen eintragen zu lassen, im deutschen Weinrecht umgesetzt wurde, sah Löwenstein daher sofort die Chance, so die Parzellennamen „legalisieren“ zu lassen.
Die geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.) Uhlen Blaufüsser Lay, Uhlen Roth Lay und Uhlen Laubach waren mit die ersten, die in das parallel zur Lagenrolle gültige Verzeichnis eingetragen wurden. (mehr dazu siehe hier)
Die Weinberge sind zusammenhängend und bilden die Gesamtlage Winninger Uhlen bis auf einen kleinen Zipfel nördlich des Belltals komplett ab. Sie sind im Süden (Laubach und Blaufüsser Lay) südwestlich ausgerichtet, im Norden (Laubach und Roth Lay) südlich.
Uhlen Laubach
Die Parzellen liegen etwas verteilt nördlich der Autobahnbrücke der A61. Direkt an der Autobahn liegt zunächst etwas Laubach, dann folgt Blaufüsser Lay, dann wieder Laubach. Der Name „Laubach“ ist auch der Name der geologischen Schicht, die hier zu Tage tritt. Ein grauer Schiefer mit einem ungewöhnlich hohen Kalkanteil von 25-45%. Die Hangneigung beträgt 100-150%, die Reben haben ein Durchschnittsalter von 50 Jahren.
Uhlen Blaufüsser Lay
Der Weinberg liegt direkt unterhalb des Aussichtspunkts am Parkplatz an der A61. Der Boden gehört auch noch zur sogenannten Laubachschicht und besteht aus blaugrauem Tonschiefer – mit deutlich weniger Kalk, die Hangneigung beträgt 100-170%, die Reben haben ein Durchschnittsalter von über 60 Jahren.
Uhlen Roth Lay
Von den 3 Weinbergen liegt der Roth Lay am nördlichsten und endet an der Ruine der Moselsprudelfabrik und dem Einschnitt des Belltals. Es herrscht roter Schiefer vor, der seine Farbe durch den hohen Anteil von Eisenoxid bekommt. Die Hangneigung beträgt 100-150%, das Durchschnittsalter der Reben über 60 Jahre.
Die Verkostung
Die Verkostung erfolgte in 2er Flights, die Flaschen wurden erst direkt vor dem Einschenken geöffnet.
Gut, dass wir zu sechst waren und uns Zeit ließen, die individuellen Eindrücke uns jeweils gegenseitig ausführlich zu beschreiben.
Zwischen den Beschreibungen des „schnellsten“ Verkosters lagen schnell Welten zu den Beschreibungen des „langsamsten“ Verkosters. Wären wir Hitzköpfe, hätte das direkt zu Streit führen können. Aber die Weine waren daran schuld, denn alle Weine veränderten sich rasant im Glas. Und zwar unabhängig vom Alter. Das musste der „schnellste“ Verkoster dann auch beim zweiten Schluck anerkennen.
Es war auch nicht so, dass die jüngeren mit Luft besser wurden und die älteren Weine abbauten – nein, sie legten allesamt zu, klarten auf, wurden fester.
Einige waren zunächst von Spontangäraromen geprägt, die verflogen, andere wirkten zunächst süßlich und breit, wurden aber immer fester und trockener, wieder andere wirkten zunächst gedeckt und fruchtarm, klarten dann aber auf und strahlten.
Das war schon verrückt.
Klar, gerade bei den 3 jüngsten Weinen hätten wir natürlich auf die Idee kommen können, dass vorheriges Karaffieren hätte sinnvoll sein können. Und ja, natürlich hatte ich auch schon andere reifere Weine, die sich mit Luft veränderten, aber in dieser Deutlichkeit über fast alle Jahrgänge hinweg war das unheimlich lehrreich und erklärt auch meine absolute Fehleinschätzung damals bei der 2017er Probe.
Besonders bemerkenswert war die Entwicklung der beiden 2018er. Wir redeten lange über die beiden Weine. Zimt, Süße, Kraft, „ist was zum Essen“ waren Schwerpunkte der Diskussion. Alle erkannten die Komplexität an, attestierten aber keine besondere Festigkeit oder Frische, was im Kontext des heißen Jahres ja auch in Ordnung gewesen wäre. Nach dem „offiziellen Teil“ verkosteten wir die Weine dann nochmal nach. Plötzlich war da deutlich weniger Süße, deutlich mehr Festigkeit und Präzision, immer noch viel Kraft, aber deutlich strahlendere Frucht. Irre!
Das „Terroir“
Wie oben geschrieben, war es Reinhard Löwenstein schon lange wichtig, diese 3 Uhlenparzellen getrennt auszubauen, so wichtig, dass er als Pionier durch die EU-Bürokratiehölle ging, um die g.U. eintragen zu lassen. Daher stellte sich im Rahmen unserer Verkostung schon die Frage, ob man die Unterschiede auch schmecken kann, oder ob die Unterschiede, die in den offiziellen Produktbeschreibungen zu den g.U. ausführlich beschrieben werden mehr heiße Luft sind1.
Ich würde sagen, dass die Parzellen gut abgegrenzt werden konnten. Wir hatten viel Laubach, sodass ich nur hier eine Aussage über die Jahrgänge hinweg treffen kann. Und ja, es gibt deutliche Gemeinsamkeiten. Die Salzigkeit zum Beispiel, Apfelnoten und die besondere, nicht schiefrige Mineralität und Säurestruktur, die vielleicht vom hohen Kalkgehalt herrührt. Wenn man so will, ist der Laubach aufgrund der fehlenden „Schiefernote“ eher untypisch für die Mosel.
Genau über die Schiefermineralität grenzen sich dann die beiden anderen Lagen vom Laubach ab.
Die beiden Blaufüsser Lay waren sehr von der Schiefermineralität geprägt, mit schöner gelber Frucht und Kräutern, die beiden Roth Lay hatten dafür eher eine zurückhaltendere Frucht und eine tiefe, dunkle Würze.
Fazit und Tipps fürs Nachmachen
Wow, wir durften gestern zwölf herausragende Weine probieren. Ein großer Dank an den edlen Spender!
Die Wahl zum Wein des Abends fiel heterogen aus. Auf Platz 3 der 2020er Winninger Uhlen Laubach Riesling GG mit einer Stimme, auf Platz 2 der 2016er Winninger Uhlen Roth Lay Riesling GG mit zwei Stimmen und auf Platz eins der 2015er Winninger Uhlen Laubach Riesling GG mit drei Stimmen.
Bei der Veränderungsfreude der Weine kann das nach 5 Stunden auch nur ein Zwischenfazit sein. Aus diesem Grund habe ich auf detaillierte Weinbeschreibungen auch verzichtet.
Mancher Leser wird jetzt denken: Die hätten doch einfach alles rechtzeitig öffnen und karaffieren müssen!
Klar kann das ein Versuch sein, die Weine jeweils auf dem Höhepunkt zu erwischen, um die maximale Qualität zu erfassen.
Ich bin allerdings dankbar, dass wir das nicht gemacht haben. Es war einfach unheimlich spannend und lehrreich, die Entwicklung der Weine im Glas zu verfolgen und in der Runde mit den Mitverkostern ins Gespräch zu kommen. Daher würde ich unsere Herangehensweise allen empfehlen, die noch die eine oder andere Heymann-Löwenstein Vertikale im Keller haben. Vielleicht mit nur 8 Weinen oder mit einer Nachverkostung am Folgetag, um diese faszinierenden Weine noch besser würdigen zu können.
Das Weingut Riffel ist eine konstante Größe in Bingen. Carolin und Erik Riffel arbeiten seit 2009 biologisch, seit 2012 biodynamisch. Neben Rieslingen entstehen auch wunderbare Burgunder und Silvaner im Weingut.
In Bingen treffen vier deutsche Weinbaugebiete aufeinander. Auf der anderen Rheinseite liegt der Rheingau, rheinabwärts beginnt der Mittelrhein, direkt am südwestlichen Ortsrand beginnt das Anbaugebiet Nahe. Die Binger Weinberge selbst gehören zum Anbaugebiet Rheinhessen. Sie sind stadt- und rheinabgewandt nach Süden ins Nahetal ausgerichtet. Vom Scharlachberg blickt man über die Nahe zu den Weinbergen von Münster-Sarmsheim im Anbaugebiet Nahe. Bei den Böden dominiert Quarzit.
Gerade der Scharlachberg ist für mich einer der wenigen Weinberge, wo ich mich (mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung) aus dem Fenster lehne und sage, dass er beim Riesling weingutsübergreifend wiedererkennbar sein kann, weil in der Nase die Kombination aus gelber und roter Frucht und die tabakige innere Kraft ziemlich einzigartig ist.
Der 2017er hat das wieder unter Beweis gestellt:
Grünkräutrige Nase mit feiner gelber Frucht und roten Beeren, nasser Stein, tabakige Noten und eine feine Würze,
Im Mund dicht und fein, Schöne/leicht süßliche Zitrusfrucht, viel grüne Kräuter, feine Säure, Lorbeer, wieder Tabak.
Das Weingut Jülg wurde im Frühjahr 2021 in den VDP aufgenommen. Völlig zu Recht im übrigen, entstehen doch hier im tiefen südwesten der Pfalz, teils auf französischem Terretorium doch tolle, tiefgründige Weine. Gut das ich das Weingut dank des Weinhändlers K&M Gutsweine in Frankfurt schon vorher kennen lernen durfte und damit schon etwas länger begleiten kann.
Während sicher die Burgundersorten die Aushängeschilder des Weinguts sind, stet aber auch der Riesling diesen in Sachen Qualität in nichts nach:
Tiefe, tabakige Nase mit viel roten Beeren, etwas gelben Früchten, Orangenschale und schöner Kräuterwürze. Im Mund straff und dicht, Zitrusfrüchte und eine frische, packende Säure. Dazu kalkige Mineralität zum Kauen. Etwas grünpflanzliche Nuancen, Gewürze, Salz. Langer, minimal antrocknender Abgang.
Ein sehr schöner Wein und erstaunlich straff für die südliche Pfalz.
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