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Wein vom oft übersehenen vierten fränkischen geologischen Bodentyp – Was essen wir dazu?

Hinweis: Die Weine im Artikel hat mir der Winzer kostenfrei überlassen.

Michelbacher Apostelgarten
Michelbacher Apostelgarten

Weinfranken, das ist von West nach Ost: Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Die fränkische Trias. Aber nein, ganz im Westen, rebellisch wie quasi Asterix‘ gallisches Dorf, wachsen die Reben in Alzenau auf Gneis und Glimmerschiefer.

Ein Platzhirsch der Alzenauer Weinregion war lange Jahre das Weingut Heilmann in Michelbach, wo Armin Heilmann aus seinen Parzellen im beeindruckenden, denkmalgeschützten Michelbacher Apostelgarten hervorragende und preisgekrönte Weine gekeltert hat.

Mit dem Weingut sind wir insbesondere deshalb sehr verbunden, weil Armin und Maria Heilmann uns vor Jahren auf einer Radtourrast das erste Mal zeigten, dass deutscher Wein mehr ist, als sauer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vor einigen Jahren setzen sich Armin und Maria zur Ruhe und verkauften das Weingut, was eine große Lücke in Michelbach hinterlassen hat.

Ganz lassen kann Armin das Weinmachen aber nicht und hat Parzellen behalten, wo er heute mit Freunden noch Riesling und Weißburgunder produziert und bei einem befreundeten Winzer ausbaut.

Mit dem Riesling schließt sich dann der Kreis wieder zum Terroir. Während einhellige Meinung ist, dass Kalk und Silvaner besonders gut zusammenpassen, ist Gneis und Glimmerschiefer ein guter Partner für Riesling. Die Böden ähneln nämlich den Böden im Rheingau, schließlich kann man vom Michelbacher Apostelgarten auch schon die Skyline Frankfurts sehen, dem östlichsten Weindorf des Rheingaus.

Riesling als Essensbegleiter, keine ganz leichte Aufgabe

Armin und Maria haben mir drei Rieslinge unterschiedlicher Jahrgänge und einen Weißburgunder zugeschickt und mir die Aufgabe gestellt, auch etwas Leckeres zu den Weinen zu kochen.

Die Herausforderung konnte ich schon aus der Erinnerung schöner Nachmittage in der Häcke des ehemaligen Weinguts nicht ablehnen.

Ganz einfach ist das nicht, denn gerade trockener Riesling ist aus meiner Sicht ein zickiger Speisenbegleiter. Die typische Säure und Frucht brauchen hier entweder einen Gegenspieler, zum Beispiel etwas, was auch mit Süße und Säure (Essig, Zitrone) spielt, oder etwas, was sie eher mäßigt durch Sahne oder anderes vollmundiges Fett. Wird das Essen zu „umamig“, zu „gebraten“, zu explizit würzig, wird es schwierig.

Super zu großen trockenen Rieslingen ist aber auf jeden Fall eine schöne deftige Brotzeit mit Blutwurst, Leberwurst, Presskopp, wie in der Häcke eben. Der trockene Riesling von Armins Rieslingaposteln aus dem Apostelgarten im Apostelgarten an einem Sommerabend zu einem deftigen Picknick. Da fühlt man sich wie ein Apostel auf Wolke 7!

Aber genug der Vorrede – das essen wir also im südöstlichen Hessen zu Riesling aus dem nordwestlichen Franken:

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling feinherb 2023

Der Wein:

Fruchtbetonte Nase mit Pfirsich und Orange, nasser Stein und ein Hauch Minze.

Im Mund mehr Orange als Pfirsich, die Süße wird schön durch die frische Säure gepuffert. Feine Würze und Orangenschale.

Mittellanger, leicht süßlicher Abgang.

Macht Laune durch die frische Säure und ist mit 11% leicht im Alkohol.

Wir kochten dazu:

Ein gutes Brathähnchen vom Bauern oder ein französisches Label Rouge Huhn aus dem gut sortierten Supermarkt, klassisch im Ofen auf einem Brathähnchenständer gegart mit einer Marinade aus Paprika edelsüß und scharf, reichlich Salz, Pfeffer, gutem Currypulver, Alleppo-Chiliflocken, Zitronensaft, gepresster Knoblauchzehe und Sonnenblumenöl eingestrichen, dazu Coleslaw. Ein Rezept gibt es nicht. Erlaubt ist, was gefällt. Reichlich Salz ist aber wichtig.

Mit dem Wein eine schöne Kombination: Die feinherbe Ausrichtung bietet wenig Trinkwiderstand zum einfachen, salzig-fettigen Huhn. Eigentlich fehlte hier nur die zweite Flasche.

Klassisches Brathähnchen mit Coleslaw
Klassisches Brathähnchen mit Coleslaw

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Zu leicht scharfen asiatischen Gerichten (siehe unten), zum Grillen, zu Rote Bete Carpaccio mit Ziegenfrischkäse oder einfach solo auf der Terrasse.

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken 2022

Der Wein:

Kühle, feine, schiefermineralische Nase, nasser Stein, feine süßliche Frucht nach Aprikose und rotem reifen Apfel.

Im Mund dicht, mit schönem, ganz feinen Gerbstoffgerüst, kalkig mineralisch. Kühle, saftige Zitrusfrucht, etwas Tabak und Minze und eine Prise Salz. 

Recht langer, leicht antrocknender Abgang.

Etwas ernsthafter, komplexer und weniger verspielt wie der feinherbe aus 2023. Ein erstklassiger Vertreter des Michelbacher Rieslings.

Wir kochten dazu:

„Schnelle Pekingente“1

Der Wein erfrischte den Gaumen wunderbar gegen die süße, leicht ingwerwürzige Pflaumensauce. Wer die Sauce schärfer abschmeckt, der sollte als Partner den feinherben 23er in Erwägung ziehen.

Schnelle Pekingente - kommunikatives Basteln für alle Esser
Schnelle Pekingente – kommunikatives Basteln für alle Esser
Schnelle Pekingente vor dem Einrollen
Schnelle Pekingente vor dem Einrollen

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Coq au Riesling, Zürcher Geschnetzeltes, Zander auf Rahmsauerkraut, Wolfsbarsch mit Fenchel-Sahnesauce.

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken 2021

Der Wein:

Zurückhaltende, kühle Nase mit Pfirsich, Mandarine und Kräuter. Dazu Feuerstein und leicht hefige Noten.

Im Mund fein, kalkige Mineralität, saftige Zitrusfrucht, viel Kräuter, grüner Tee und eine Prise Salz. Schöne, im Jahrgangskontext aber feine Säure 

Recht langer, feinsaftiger Abgang.

Eine tolle Interpretation des kühlen Jahrgangs.

Wir kochten dazu:

Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips2. Eine optimale Kombination. Der Wein begleitet und unterstreicht den süßen Apfel und süßsauren Balsamico sowie die feine Säure des Senfs in der Sauce. Zum Reinlegen.

Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips
Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Siehe 2022.

Maria & Armin Heilmann – Michelbacher Apostelgarten Weißburgunder „Maria“ trocken 2022

Der vierte Wein im Bunde war der Weißburgunder. Der Wein läuft nicht unter dem Namen der Riesling-Apostel.

Der Wein:

In der Nase nussig mit Birne, grünen Kräuter, etwas Butter und Minze.

Im Mund weich mit feinem Schmelz und feine Säure, viel rebsortentypische Nuss, etwas Birne, und eine feine Würze.

Mittellanger Abgang mit grünen Kräutern und wieder Minze.

Ein Essensbegleiter par Excellence. Solo getrunken, könnte er für mich etwas mehr Kontur und Straffheit haben.

Wir kochten dazu:

Saltimbocca a la Romana mit Safranrisotto3. Der Wein fing das zungenkribbelne Umami vom gebratenen Schinken und dem Parmesan im Risotto optimal auf, gab aber auch dem Safran noch genug Platz. Tolle Kombination.

Saltimbocca mit Safranrisotto
Saltimbocca mit Safranrisotto

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Der Wein lässt sich ziemlich universell einsetzen. Risotto und Pasta mit Umami aus Tomate oder Parmesan passt gut, Meeresfrüchte mit Knoblauch und Zitrone sicher auch. Oder in die arabische Richtung: Unser traditionelles Weihnachtsessen: Gänsebrust mit Raz-El-Hanout Orangensauce und Safran-Couscous.

Vielen Dank Maria und Armin für die tollen Weine und die spannende Aufgabe.

  1. Schnelle Pekingente: https://www.chefkoch.de/rezepte/197731083678684/Schnelle-Pekingente.html, die Pflaumensauce dazu am besten selbst in größerer Menge machen und einwecken: https://web.archive.org/web/20241110204147/https://www.kuechengoetter.de/rezepte/chinesische-pflaumensauce-46517 ↩︎
  2. Skrei mit Beluga-Linsen, Senf-Sabayon und Kartoffel-Chips https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/rezepte/fisch-skrei-kabeljau-linsen-kartoffel-chips-andreas-geitl-100.html Die Kartoffelchips schmecken auch mit gelben Kartoffeln. ↩︎
  3. Saltimbocca mit Safran-Risotto https://doncarne.de/de/blog/saltimbocca-mit-safran-risotto-und-tomatensalat/ ↩︎

Neues aus dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann

Michelbacher Apostelgarten

Michelbacher Apostelgarten

Armin und Maria Heilmann bildeten über Jahre hinweg mit Ihrem Weingut zusammen mit dem Weingut Höfler die qualitative Spitze des vierten fränkischen Terroirs. In Alzenau-Michelbach – quasi in Sichtweite der Frankfurter Skyline – produzierten Sie hervorragende Weine von Gneis und Glimmerschiefer und betrieben eine bezaubernde Häckerwirtschaft.

Terroirbedingt war Riesling das eine Steckenpferd von Armin Heilmann, das andere waren seine hervorragenden Rotweine, mit denen er viele bedeutende Preise gewann.

Sicher altersbedingt suchte sich Armin Heilmann 2015 einen Partner, der das Heilmannsche Weingut bis 2018 mit dem Seinen verschmolz. Dieses Weingut firmiert heute unter „Weingut Brönner und Heilmann“. Heilmanns sind aber nicht mehr in der Geschäftsführung des neuen Weinguts tätig. Mit der Verschmelzung und ggf. auch aufgrund anderer Ziele des Partners veränderten sich die Weine aus den hervorragenden Michelbacher Weinlagen. Bis heute können sie uns nicht so überzeugen, wie die Weine der Familie Heilmann.

Umso schöner, dass Armin Heilmann wieder zwei kleine Weinprojekte realisiert und Riesling und Weißburgunder keltert. Da wir sowieso in der Nähe waren, haben wir die aktuellen Jahrgänge im örtlichen Edeka mitgenommen, um ein wenig in Michelbacher Erinnerungen zu schwelgen. Die Häcke der Heilmanns war nämlich definitiv eine der Initialzündungen für unsere Weinleidenschaft.

Neues dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann WeißburgunderHeilmannWein – 2021er Michelbacher Apostelgarten Weißburgunder „Maria“ trocken
Diesen Wein baut Armin Heilmann aus eigenem Weinberg bei einem befreundeten Hörsteiner Winzer aus:
Florale, rauchige, feuersteinige Nase mit nussigen Noten und etwas Orange.
Im Mund dicht und mineralisch, deutlich nussige Noten. Dazu eine zitronige, durchaus frische Säure und etwas roter Apfel. Wieder florale Noten, eher wärmerer Stil.
Mittellanger, leicht süßlicher Abgang.
Da werden durchaus Erinnerungen wach. Ein schöner, durchaus komplexer Wein, der sich aufgrund seiner Kraft und feinen Süße mehr als Essensbegleiter als als Solist anbietet.

 

 

 

Neues dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann RieslingDie Riesling-Apostel – 2020er Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken
Die Riesling-Apostel sind eine Gruppe Weinfreunde, die 2019 zwei Parzellen im zentralen Teil des Michelbacher Apostelgarten kauften. Es handelt sich dabei um beste Parzellen, die ursprünglich die Lagenbezeichnung „Michelbacher Braut“ trugen.
Auch wenn es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, trägt Armin Heilmann als erfahrener Winzer sicher einen Hauptteil der Verantwortung zu Weinbergsarbeit und Ausbau. Die Abfüllung findet auch hier in Kooperation mit einem örtlichen Betrieb statt.
Kühle, schiefermineralische Nase mit etwas weißem Pfirsich und grünem Apfel. Dazu etwas kräutrig nach Zitronenmelisse und Waldmeister. Im Hintergrund minimal grünes Holz.
Im Mund kühl, wieder klar schiefermineralisch. Sehr saftig, dicht, aber nicht schwer. Die Frucht tendiert zu Mirabelle und Zitrone. Dazu ein feines Gerbstoffbittert und Kräuter.
Recht langer Abgang Es bleiben Kräuter und eine ganz feine Süße.

Das ist ein wirklich schöner Vertreter aus dem Michelbacher Apostelgarten. Die schöne Schiefermineralität und die Kräutrigkeit empfinde ich als typisch für diese Weinlage. Nicht unverdient kam der Wein auch beim fränkischen „Best of Gold“-Award auf den 3. Platz.

 

Weißburgunder: 12,50 EUR, PGV angemessen bis günstig, Riesling 18,00 EUR, PGV günstig

Heilmann, Franken – Michelbacher Apostelgarten Silvaner Spätlese trocken 2013

1532Heute Abend hab ich mal wieder etwas weiter hinten ins Regal gegriffen und einen Silvaner von Armin Heilmann aus Alzenau Michelbach rausgezogen, den wir 2014 direkt während der schönen Häckerwirtschaft vor Ort erworben hatten. Bekannt ist das Weingut insbesondere durch die „Best of Gold“-Preise für die hervorragenden Rotweine, jedoch gedeihen auf den für Franken besonderen Michelbacher Böden auch tolle Rieslinge und Silvaner.

In den kommenden Jahren wird es übrigens spannend in Michelbach, Armin Heilmann gibt den Betrieb sukzessive ab. Mit Thomas Brönner, der bereits ein Weingut im benachbarten Wasserlos betreibt, ist ein Partner gefunden. Im Moment heißt es Daumen drücken, denn die Stellen für die wichtigsten Akteure wie den Kellermeister sind ausgeschrieben, ein neuer Keller soll gebaut werden. Mit 9,5 ha zählt der künftige Betrieb in der Region auch eher zu den Größeren. Ich bin sehr gespannt.

Zum Wein:

Süße Nase nach überreifen Birnen und Aprikosen, kräutrig würzig und feuchter warmer Stein.

Im Mund bunte Alpenkräuter, zarte Süße, quasi keine Frucht. Sehr kraftvoll, weich und cremig. Schöne, feine und etwas schiefrige Mineralität. Recht klassischer Stil aber nicht barock.

Langer, etwas alkoholischer Abgang. Gefällt mir gut!

Ca. 15,00 EUR / PGV angemessen

Das beste aus einer Region: Das Churfranken-Genussfestival 2015 in Amorbach

Das Churfranken-Genussfestival fand dieses Jahr in den Räumen der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach im Odenwald statt. Ein wirklich herrschaftliches Anwesen, welches seit der Säkularisation den Fürsten von Leiningen gehört.

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Genüsse aller Art auf dem Churfranken-Genussfestival

Während im Hauptgebäude und dessen Hof im wesentlichen die essbaren Genüsse der Region präsentiert wurden, fand die Churfranken-Weinprobe im ehemaligen Marstall „um die Ecke“ statt. Wirklich glücklich war die Ortswahl trotz des historischen schönen Ambientes nicht. Verglichen mit dem Veranstaltungsort des Vorjahrs, dem Hofgut von Hünersdorff in Wörth am Main, waren die Räumlichkeiten in diesem Jahr doch sehr weit auseinander gezogen.

Um die kulinarischen Spezialitäten soll es hier im folgenden nicht gehen, dennoch lohnt sich ein Rundgang durch die Metzger-, Honig-, Gemüse-, Backwaren-, Wild-, Bier- und Schnapsstände auf jeden Fall, die Region hat viel zu bieten.

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Der fürstliche Marstall – Ort der Weinprobe

Die Churfranken-Weinprobe selbst ist jeweils nach Orten sortiert. Das hat den Vorteil, dass man gut probieren kann, was verschiedene Winzer so aus der gleichen Lage herausholen.

In diesem Jahr war aus meiner Sicht das Feld der angestellten Weine breiter als im Vorjahr – leider sind meine Aufzeichnungen im letzten Jahr aber auch nicht sehr umfangreich gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass 2013 und 2014 in Churfranken eher anspruchsvolle Jahre waren, vielleicht aber auch daran, dass in diesem Jahr leider ein paar Qualitätsführer fehlten, so zum Beispiel die Winzer Alzenaus insgesamt mit den starken Betrieben Höfler, Heilmann und Klaus Simon oder Fürst Löwenstein aus Kleinheubach, Wolfgang Kühn aus Klingenberg und Helmstetter aus Bürgstadt.

Dennoch gab es das eine oder andere Highlight zu verkosten:

Elsenfeld-Rück:

Der „Schoppenpreis“ geht ganz klar an die Winzer aus Rück. Die Weinlagen befinden sich etwas versteckt in einem Seitental zum Main.
Die meisten Rücker Winzer bewirtschaften ihre Betriebe im Nebenerwerb und in den Häckerwirtschaften lässt sich herzlich ursprünglich und deftig einkehren. Dazu gibt es frische und klare Schoppenweine die Spaß machen. Große Perlen waren in diesem Jahr nicht dabei, das macht aber nichts, weil das Gesamtpaket stimmt.

Kreuzwertheim:

Das einzige Weingut aus Kreuzwertheim – Alte Grafschaft – hat dieses Jahr wieder eine sehr überzeugende Kollektion mitgebracht. Angefangen beim 2014er FASS 3 Weißweincuvee, der sich mit typischer Scheurebennase zeigt und ein perfekter Sommerwein ist (vermarktet übrigens als deutscher Wein, da er Trauben aus Franken und Baden enthält). Die beiden Regionen treffen bei Wertheim aufeinander – Churfranken = Franken und Tauberfranken = Baden). Der 2012er Kaffelstein Riesling kombiniert schöne Reifenoten mit süßem Obst und einer tollen Mineralik. Der 2014er Satzenberg Weißburgunder riecht schon toll braucht aber noch etwas Zeit, ganz anders der nussig weiche und intensive hervorragende 2012er Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“. Auch im roten Bereich überzeugt das Weingut mit den kühlen 2012er Spätburgunder / Spätburgunder „R“ Barrique.

Klingenberg am Main:

Großostheimer Weine

Großostheimer Weine

In Klingenberg liefert Hofmann-Herkert einen kräftigen 2014er Silvaner aus der nicht ganz einfachen Lage Großostheimer Harstell vom Lößboden. Der 2013er Klingenberger Spätburgunder „Jugendstil“ braucht noch Zeit, kann aber jetzt schon mit warmen und würzigen Tönen überzeugen und gibt damit einen ersten Einblick in die (leider nicht weiter mitgebrachte) Spätburgunderwelt von Hofmann-Herkert. Die finde ich insofern besonders, als dass die Weine deutlich mehr Wärme ausstrahlen, als die Spätburgunder der örtlichen Konkurrenz (z. B. Baltes oder Kühn)

Aus Anja Stritzingers Biobetrieb kommt dieses Jahr ein sehr individueller Wein, der 2013er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett Barrique. Der Holzeinsatz ist recht knackig, die Säure des Rieslings bietet aber ordentlich Paroli. Es handelt sich übrigens um Barriques aus Klingenberger Eiche, deren Holz fast in Flammen aufgegangen wäre, bevor aus ihm die Fässer geworden sind. Die Winzerin erzählt die ganze Geschichte sicher gern.

Auf die Verkostung von Benedikt Baltes Weingut der Stadt Klingenberg 2013er Spätburgunder habe ich dieses Mal verzichtet, da ich sie bereits im Frühjahr im Weingut gekostet hatte. Zu jung, präzise und sehr kühl sind seine Weine. Top Qualitäten, für meinen persönlichen Geschmack aber – zumindest in ihrer Jugend – zu kühl.

Großwallstadt:

Führend in Großwallstadt ist Klaus Giegerich mit seinen Weinen der Carus – Linie. Allen voran der 2013er Carus – Riesling. Der kommt straff und salzig rüber – elegant und mit feiner Frucht.

Großheubach:

In Großheubach ist Kremers Winzerhof mein Lieblingsbetrieb. Die eine oder andere Verkostungsnotiz befindet sich im Blog.
Einer der besten Weißweine der Probe war der 2013er „The First“ Weißer Burgunder mit einem optimalen Holzeinsatz und viel Kraft. Auch empfehlenswert der noch junge 2014er „The First“ Chardonnay und der 2013er Cabernet Dorsa.

Ebenfalls gut gefallen hat mir der 2012er Zweigelt von Achim Zöller. Da folgt bestimmt in Kürze eine ausführliche Verkostungsnotiz. Den habe ich nämlich im Keller.

Erlenbach am Main:

In Erlenbach hat mich der 2013er Erlenbacher Hochberg Riesling von Werner Ott mit der tollen Mineralität und schönen Frucht sehr positiv überrascht.
Das Weingut Wengerter hatte einen kraftvoll runden und leicht nussigen 2013er Rücker Jesuitenberg Weißburgunder Spätlese dabei.

Das das Weingut A. Waigand in Erlenbach eine sichere Bank ist musste es diesmal nicht erneut beweisen. Ein paar Verkostungsnotizen gibt es bereits im Blog.

Bürgstadt:

Ortssieger der Probe ist ganz klar Bürgstadt. Die durchschnittliche Qualität ist einfach herausragend.

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Bürgstadter Rotweine

Das liegt nicht nur an Gebietsprimus Rudolf Fürst, der einen schönen druckvollen 2014er Bürgstadter Riesling und einen herausragenden 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs mitgebracht hatte. Das war das erste mal, dass ich Fürsts Weißweine jenseits der Pur Mineral Linie probiert habe. Und ich bin beruhigt, da der kompromisslose Pur Mineral Stil im Gegensatz zu den heutigen Rieslingen nicht so wirklich liegt. Das der 2013er Bürgstadter Spätburgunder Ortswein viel zu jung aber klasse war, muss ich eigentlich gar nicht sagen.

Burkhard Hench hatte mit dem 2012er Spätburgunder R Holzfass ebenfalls was zu junges dabei – noch hartes Tannin, aber eine schöne Würze und feine Säure.

Das die Bürgstadter Weine ein tolles Lagerpotetial haben beweist Josef Walter immer wieder und jedes Jahr besonders mit seiner Burgunderbar bei der Bürgstadter Weinkulturnacht, wo es immer „Best of Walter“ der letzten 15 Jahre zu trinken gibt. Der 2009er Centgrafenberg Spätburgunder „J“ zeigt sich präzise, eher kühl mit feinem Tannin aber noch fast jugendlich. Der 2013er Walters Spätburgunder mit toller Würze sollte gleich wieder für ein paar Jahre im Keller verschwinden.
Aber Walter kann auch weiß. Der junge schmelzige aber nicht schwammige und extrem mineralische 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner war der beste Silvaner des Tages.

Schön auch der zart cremige 2014er Silvaner Kabinett vom Weingut Sturm.

Unter den Weißweinen ist der runde 2013er Riesling Kabinett mit schöner Frucht und Mineralik sowie feiner Säure von Erich Meisenzahl ebenfalls zu erwähnen.

Beim Weingut Neuberger sind der 2014er Weißburgunder Kabinett und der 2014er Riesling Kabinett sehr empfehlenswert, herausragend ist aber der 2012er Spätburgunder aus dem Hunsrück, dem Filetstück des Centgrafenbergs. Kraftvoll, warm mit starker Würze und leichter Karamellnote zeigt sich der Wein.

So schnell geht dann auch ein spannender Oktobernachmittag in Amorbach zu Ende. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr. Der 2015er Jahrgang verspricht in Churfranken einiges, wie die Winzer berichten.

Heilmann, Franken – Michelbacher Steinberg, Rue Noire No 10 trocken 2011

Heilmann, Franken – Michelbacher Steinberg, Rue Noire No 10 trocken 2011Das Weingut von Armin Heilmann in Alzenau-Michelbach ist eines der wenigen, die von meinem Zuhause aus mit dem Rad erreichbar sind. (Streng genommen sind das nur die Alzenauer Winzer 🙂 )

Das und die hervorragende Häckerwirtschaft des Weinguts sind natürlich prädestiniert für den einen oder anderen Besuch. Im Sommer sitzt man auf einer schönen Terasse schattig unter einer Pergola, im Winter in einer umgebauten Scheune unter dem Dach auf Möbeln einer alten Frankfurter Apfelweinkneipe.

Die Speisen sind etwas ausgefallener als in der churfränkischen „Durchschnittshäcke“ und immer lecker. Die Weine vom Gutswein bis zu den „Großes Franken“-Gewächsen allesamt empfehlenswert.

Das letzte Mal waren wir kurz vor dem Jahreswechsel in Alzenau (wetterbedingt nicht mit dem Rad) und da die Top-Roten nicht im glasweisen Ausschank waren, musste ich zum Verkosten mal ein Fläschchen vom Spätburgunder „Rue Noire No 10“ mitnehmen.

Vorweg: Der Wein bräuchte eigentlich noch Zeit und daher unbedingt etwas Luft vor dem Genuss.

In der Nase dominieren karamellige, vanillige und gewürzige Noten. Etwas Pflaume ist dabei und die 14% Alkohol sind auch zu riechen.

Im Mund präsentiert sich der Wein dann extrem weich und geschmeidig – supergut.

Kirsche, Vanille und eine spürbare unterstützende Säure sind sofort da, aber auch eine zarte Süße (wo auch immer die herkommen soll bei 0,3g RZ)
Im Abgang wärmen die 14% etwas, der Wein bleibt lang im Mund.

Hervorragend abgewogen ist der Holzeinsatz. Das Holz dominiert keinesfalls, sondern unterstützt den Wein nur etwas.

Da muss ich mir nochmal ein paar Flaschen sichern und liegen lassen…

19,50 EUR/PGV: angemessen