Der Mythos vom „besten“ Weinglas – Oder: meine Sicht auf die Herangehensweise beim Kauf eines Weinglases

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Ein Hinweis vorab: Alle Gläser sind wie unsere Weine selbst gekauft und die Marken stehen hier eher als Beispiel für Formen und Volumen. Es gibt viele andere mindestens gleich gute Weinglas Hersteller und Serien am Markt.

Das richtige Weinglas oder der heilige Glas-Gral

Wer sich ernsthafter mit dem Thema Wein auseinandersetzt wird sich an einem gewissen Punkt auch Gedanken um das Thema Glas machen und ggf. das bisher universal genutzte Glas vom schwedischen Möbelhaus hinterfragen.

Mir ist das vor Jahren auch so ergangen und ich habe online Ratschläge gesucht, welches das optimale Weinglas ist.

Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn die Meinungslage dazu ist heterogen. Gefühlt hat jeder seine eigenen Favoriten, mancher schwört auf ein Glas für alles, andere haben für jede Rebsorte ein eigenes Glas im Schrank. Dazu kommen fast esoterische Momente, wo ein zusätzlicher Knick im Bauch, ein besonders abgerundeter Rand und anderes als das das Non plus Ultra angepriesen werden. Ein bisschen erinnert das dann an die Hifi-Szene mit ihren Goldkabeln, Schwingungsentkopplern und anderen Tonverbesserungs-Gimmicks.

Auch insgesamt ist das ein guter Vergleich: Genau wie es (fast) jedem einleuchten sollte, dass die hochwertige symphonische Aufnahme aus dem Mono-Kofferradio nicht optimal klingt, sollte klar sein, dass ein hochwertiger Wein nicht in ein Senfglas gehört.

 

Kriterien für eine gute Grundqualität

Meine eigene Erfahrung hat ein paar Basiskriterien hervorgebracht, die grundsätzlich bei einer Glasauswahl sinnvoll scheinen:

 

Form

Da Menschen mit der Zunge nur süß, salzig, sauer, bitter und „umami“ (würzig) schmecken, spielt die Nase eine wesentliche Rolle bei der Geschmackswahrnehmung. Also sollte ein Weinglas die flüchtigen Aromen im Wein etwas konzentrieren, damit sie durch die Nase erschnüffelt werden können. Daher ist für mich eine leicht bauchige Form naheliegend. Dadurch entsteht eine Art Kamineffekt, der die Aromen zum gegenüber dem Bauch verengten Rand konzentriert.

 

Glasdicke

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Glasdicke und die Verarbeitung des Glasrands einen Einfluss darauf hat, wie das Getränk in den Mund fließt und wie dann die Zunge benetzt wird. Da die Rezeptoren für die 5 Grundgeschmäcke nur jeweils einen Teil der Zunge abdecken, sollte möglichst auch die gesamte Zunge in den Genuss des Weins kommen. Ein kleines Rinnsal in die Zungenmitte reicht eher nicht aus. Daher ist es für mich wichtig, dass das Glas eher dünner als dicker ist und die Glasöffnung nicht zu schmal. Dicke Kristallgläser oder auf Antik designte Gläser scheiden für mich somit aus.

Gläser in der Spülmaschine
Zalto Universal und Stölzle Weißwein in der SpülmaschineHandling

 

Handling

Eigentlich ist das fast das wichtigste Kriterium: Wer will schon gern seine Gläser mit der Hand spülen? Für mich kommen nur Gläser in Frage, die zum einen in meine Spülmaschine passen (Hohe Spülmaschinen sind da von Vorteil) und deren Glasqualität so gut ist, dass sie nicht blind werden. Aber selbst wenn die Gläser bei intensiver Benutzung durch die unsanftere Behandlung in der Maschine nach Jahren unansehnlich würden, sollte man nachsichtig sein. Ich bin sicher, dass die Bruchquote beim Handspülen viel höher wären und handgespülte Gläser eher ein geringeres Alter erreichen.
Bruch hatte ich jedenfalls nie durch die Spülmaschine, wohl aber bei der Benutzung davor oder danach. Und: ich musste noch kein Qualitätsglas auswechseln, weil es in der Maschine blind geworden wäre, kenne das Phänomen aber z.B von Marken-Wassergläsern für die gewerbliche Nutzung, deren Oberflächenveredlung wohl eher auf die sanfteren Gastrospülmaschinen abgestimmt war. Grundsätzlich gilt wohl, dass maschinengefertigte Gläser anfälliger sind als mundgeblasene, da durch das Pressen ohne besondere Veredlung mehr Poren und Unebenheiten bleiben. Ich gebe die Gläser im übrigen einfach mit dem normalem Geschirr in die Maschine. Ganz normal mit Salz, Klarspüler und Marken-Multitabs. Ich achte lediglich darauf, dass nicht das heißeste Programm gefahren wird.

 

Nachkaufbarkeit:

So schön es für den einen oder anderen sein mag, ein seltenes, vielleicht modisches Glas im Schrank zu haben, ist es dennoch unpraktisch. Denn wo Glas ist, sind Scherben nicht weit. Daher macht es Sinn, Serien zu kaufen, bei denen es zumindest wahrscheinlich erscheint, dass die Gläser über ein paar Jahre einzeln nachkaufbar sind.

 

Das richtige Weinglas für den richtigen Wein

Nach den vier Grundsätzen für eine gute Basisqualität bleibt die Qual der Wahl immer noch groß. Und ein wesentlicher Aspekt ist auch noch vollkommen unberücksichtigt. Die Größe und Form der Gläser.

Das ist aber dann auch der Moment, bei dem es individuell wird. Um wieder den Hifi-Bereich zu bemühen: Wer verschiedene Musikrichtungen gern wertig aber nebenbei konsumiert, dem mögen ein paar gute Bluetooth-Boxen zum Spotifyaccount reichen, wer hochwertige Aufnahmen aufmerksam und konzentriert hört, dem wird das nicht reichen, auch wenn die Bluetooth-Boxen hochwertig sind und ein tolles Preis-Leistungsverhältnis bieten.

Genauso wie beim Glas: Wer zum Abendbrot regelmäßig einen spritzigen, einfachen Riesling trinkt, oder mit Freunden am Wochenende ein paar Gläser zur Begleitung der lustigen Karaokeparty sucht, hat über eine gute Grundqualität hinaus vielleicht weniger hohe Anforderungen als jemand, der jede lange im eigenen Weinkeller gereifte teure Flasche ehrfurchtsvoll zelebriert.

Im Wesentlichen gibt es für mich zwei Einflussfaktoren:

  1. Welcher Wein wird daraus getrunken? Je nach Qualität und Intensität der Weine sind unterschiedliche Gläser sinnvoll. Ich habe selbst getestet, dass das zu einem gewissen Grad auch objektiv zu evaluieren ist und auch von Weinlaien erkannt wird, dass gewisse Weintypen sich in bestimmten Gläsern besser entwickeln als in anderen.
  2. Wie möchte ich den Weingenuss zelebrieren? Je passender das Glas für den Wein und für mich selbst ist, desto mehr Freude kann ich beim Genuss haben. Wenn ich aber für mich feststelle, dass ein größeres, teureres oder irgendwie besonderes Weinglas keinen Genussmehrwert bietet, dann kann ich auch beim günstigeren Standard bleiben. Gleiches gilt für den Verwendungszweck: Auf einer lauten Discoparty machen mundgeblasene Einzelstücke wahrscheinlich auch dann keinen Sinn, wenn nur feinste Weine ausgeschenkt werden, weil das Weintrinken vielleicht eher Mittel zum Lustigsein bleibt. Hier werden die Empfindungen aber eben sehr individuell sein.

 

Unsere Herangehensweise/Unser Gläserschrank

Aufgrund der obigen Anforderungen haben wir natürlich mehrere Gläser im Schrank, auf die ich näher eingehen möchte. Bitte seht das als Anregung hinsichtlich Größen und Formen und keinesfalls als die ultimative Empfehlung.

Die ersten richtigen Weingläser, die wir kauften, waren die der Serie Schott Zwiesel Pure. Insbesondere im Handling sind diese Gläser mit der guten Oberflächenversieglung absolut unkritisch und immer noch regelmäßig im Einsatz.

Der kleine Schneemann auf den Glasbildern dient der besseren Größeneinschätzung. Er ist circa 13cm hoch.

 

Stölzle Weißwein
Stölzle Quatrophil Weißwein
Stölzle Quatrophil Weißweinglas (maschinell hergestellt)

Das Weinglas ist unser Standardglas für einfachere trockene Weißweine, die eher fruchtbetont sind, einfachere Sekte und Süßweine (meist Riesling Kabinett oder Spätlese). Die Stölzle haben aus meiner Sicht ein gutes Verhältnis zwischen Volumen und Form. Damit kommen sie mit einfacheren Weinen gut klar und betonen die fruchtigen Seiten. Auf der anderen Seite sind sie aber nicht zu klein, so dass auch Nuancen gerochen und geschmeckt werden können. Die Gläser haben unsere Schott Zwiesel Pure Rieslinggläser abgelöst. Die waren etwas kleiner und haben weniger Nuancen schmeckbar gemacht und sind aus meiner Sicht keine Empfehlung, es sei denn die eigenen Trinkpräferenzen liegen entweder im süßen Bereich oder sind auf einfache Brot- und Butterweine beschränkt.

 

Zalto Weißwein
Zalto Weißwein
Zalto Weißwein (mundgeblasen)

Von diesem Weinglas haben sich zwei Exemplare in unseren Schrank geschlichen. Richtig warm werden wir mit diesem Glas nicht. Das Glas hat eine tolle Haptik mit ganz dünnem Glas, aber ist für große Weißweine zu klein und für kleine Trinkweine eigentlich zu fein. Es animiert durch die Haptik nämlich zum langsamen, eher analytischen Trinken, was zum einfachen Gutswein nicht wirklich passt. Das gleiche Problem besteht übrigens beim süßen Riesling Kabinett. Zwar lohnt sich dort oft eine tiefere Analyse im ersten Schluck, dann aber gibt’s kein Halten mehr. Die Dinger haben ja nun Mördertrinkfluss und die Schlucke werden wie automatisch größer, wobei ich das zarte Glas eher als hinderlich empfinde.

Vielleicht ist das Glas aber optimal für süße Spät- und insbesondere Auslesen. Da gehen bei uns aber zu wenige Flaschen durch, als dass wir uns da bisher hätten ein Bild machen können.

 

Schott Zwiesel Pure Beaujolais
Schott Zwiesel Pure Beaujolais
Schott Zwiesel Pure Beaujolais (maschinell hergestellt)

Gekauft hatten wir das Weinglas für einfache und mittelgewichtige Spätburgunder aus Franken. Für leichtere und nicht zu komplexe Spätburgunder nutzen wir sie noch heute. Die breite, flache Form lässt diesen Weinen das beste Entwicklungspotential. Für höhere Gläser reicht die Aromenstärke meist nicht. Das Glas verwenden wir auch für mittelklassige, holzbetonte Weißweine (z.B. Grau-/Weißburgunder, Sauvignon, Chardonnay) oder tanninige Naturweine. Im Weißweinglas würde dort das Holz zu sehr betont und im ganz großen Rotweinglas würden die Aromen dann wieder untergehen.

 

Zalto Universal
Zalto Universal
Zalto Universalglas (mundgeblasen)

Universal heißt ja, dass das Weinglas für alles gut sein sollte. Das ist aus unserer Sicht nicht so. Dennoch ist es für unser Trinkprofil ein Standardglas geworden. Das Glas passt gut für fast alle hochwertigen Weißweine und Sekte/Champagner. Die Haptik ist erstklassig. Das Glas leicht und dünn. Im Vergleich zu manch anderem Weinglas mit ähnlichen Spezifikationen hinsichtlich Größe und Qualität scheint es die Aromen besonders gut zu zeigen. Hervorragende Weine wirken dadurch besonders vielschichtig. Bei nicht ganz so hochwertigen Weinen führt das aber auch dazu, dass ggf. unangenehme Aromen ins Spiel kommen, die im Stölzle Weißwein quasi gar nicht vorhanden wären.

Die Filigranität des Glases passt für mich besonders gut zu den heute eher leichten, vielschichtigen Rieslingen, Silvanern oder Weißburgundern. Lediglich bei hochwertigen Chardonnays oder hochwertigen Weißweinen aus dem Holz weichen wir manchmal auf das Zalto Burgunder aus. Eine rauchige, ätherische Nase lässt mich da meist in Richtung Burgunderglas tendieren. Häufig vergleichen wir dann aber erstmal Universal und Burgunder und entscheiden dann nach dem ersten Schluck, in welchem Glas es weiter geht, da im Burgunderglas die Aromen dann doch manchmal zu sehr verfliegen.

 

Schott Zwiesel Pure Bordeaux
Schott Zwiesel Pure Bordeaux
Schott Zwiesel Pure Bordeaux (maschinell hergestellt)

Das Weinglas macht auf dem Tisch einiges her. Es ist groß und langstielig und das einzige Glas, das aufgrund der Höhe bei uns nur im unteren Spülmaschinenkorb Platz findet. Es ist unser Glas für kräftige, tanninbetonte Rotweine. In unserem Trinkprofil sind das meist Blaufränkisch/Lemberger und Sangiovese. Das Glas wurde aber auch schon mit allerlei anderen roten Sorten und Cuvees getestet und für gut befunden. Auch die Qualitätsstufe spielt hier nicht so die große Rolle, wenn der Wein Kraft hat. Es geht ein einfacher fränkischer Cabernet Dorsa genauso wie ein Brunello.

Das Glas ist für uns ein gutes Beispiel dafür, dass ein weiteres Upgrade keinen Mehrwert bietet. Ein hervorragender Blaufränkisch oder Sangiovese schmeckt aus dem Zalto Universal nicht besser, zudem passt für mich die leichte, filigrane Haptik des mundgeblasenen Glases nicht zur Kraft und Tanninigkeit von Rotweinen. Insofern würde ich auch kein Zalto Bordeaux anschaffen. Das ist so ähnlich wie beim süßen Kabinett und dem Rieslingglas von Zalto. Bei kräftigen Roten sind die Schlucke größer, die Gerichte dazu üppiger und fettiger, da passt aus meiner Sicht zu viel Filigranität nicht. Anders sähe es aber vielleicht dann aus, wenn wir viele sehr reife Rotweine trinken würden, die deutlich mehr als 10 Jahre auf dem Buckel haben. Die dort dominierenden Aromen sind eher feiner und würden dann ggf. auch besser zum feinen Glas passen.

 

Zalto Burgunder
Zalto Burgunder
Zalto Burgunder (mundgeblasen)

Lange hatten wir vor dem Kauf des Goldfischglases zurückgeschreckt. Es ist einfach riesengroß, man hat ständig Angst es kaputt zu machen. Aber es passt aufgrund der überschaubaren Höhe trotzdem in die Spülmaschine. Die Größe setzt große, feine Weine voraus, die auch bei uns nicht Standard sind. Für einfachere Weine ist das Glas nicht geeignet, es verlieren sich dann alle Aromen. Große filigrane Spätburgunder sind sein Hometurf. Bei kräftigen, hochwertigen Rotweinen kann es dagegen nicht punkten. Da muss ein höheres Glas her. Seinen Einsatzbereich erweitern wir dann noch mit hochwertigen Weißweinen aus dem Holz (oft Chardonnay), die genug Aroma haben müssen. In der Nase werden dann die Aromen häufig ausgewogener, mit weniger betontem Holz als im Zalto Universal.

 

Gabriel Gold im Reisekoffer
Gabriel Gold im Reisekoffer
Gabriel Gold (mundgeblasen)

Hiervon haben sich zwei Gläser in einem Reiseköfferchen in unseren Kofferraum geschmuggelt. Das ist grundsätzlich eine gute Sache, denn in Hotelzimmern ist die Glaslage ja eher mau und es ist immer schön, auch für ein Spontanpicknick vorbereitet zu sein. Das Glas selbst hat, wie es sich für ein mundgeblasenes Glas gehört, eine tolle Haptik, ist leicht und ganz dünn. Gabriel weist es als Universalglas aus. Das stimmt hier eher als beim Zalto. Im hochwertigen Weißweinbereich schafft es das Gabriel aber aus unserer Sicht nicht, die Aromen annähernd so aufzufächern wie das Zalto Universal, dafür ist es gnädiger für Mittelklasse-Weine. Daher: ein sehr gutes Reiseglas, aber ich präferiere das Zalto Universal.

 

Und wo bleibt das Sektglas?

Wir haben noch welche aus der Pure Serie. Heute würde ich aber kein Sektglas mehr kaufen. Einfachere Winzersekte z.B. vom Riesling trinken sich aus meiner Sicht angenehmer aus dem Stölzle Weißwein, da das die Kohlensäure nicht so betont, als wenn der Sekt durchs enge Sektglas auf die Zungenmitte prasselt. Und bei großen Sekten und Champagner geht es wieder um Aromen und da liegt auf der Hand, dass ein schmales Sektglas diese nicht in die Nase transportiert bekommt. Daher ist da für uns das Zalto Universal die erste Wahl.

 

Fazit:

Als Weinnerds haben wir aktuell fünf unterschiedliche Gläser im Dauereinsatz (die Zalto Weißwein und die Gabriel zähle ich mal nicht mit, aufs Zalto könnte ich verzichten und das Gabriel ist nur für den Spezialeinsatz Reiseglas da)

Das richtige Weinglas: Alle Gläser
v.l.n.r: Schneemann, Stölzle Weißwein, Zalto Weißwein, Schott Zwiesel Pure Beaujolais, Zalto Universal, Schott Zwiesel Pure Bordeaux, Zalto Burgunder

Weniger nerdigen Weintrinkern reichen sicher auch die drei maschinell hergestellten Sorten. Gerade das mittelgroße, flache Weinglas (bei uns das Beaujolais) ergänzt das heimische Portfolio auf jeden Fall dann gut, wenn kräftige oder holzbetonte Weißweine, Naturweine oder Spätburgunder im Trinkprofil liegen. Auch für Champagner könnte es gut zu gebrauchen sein. Damit würde ich es eher zur Komplettierung des Portfolios empfehlen als das Sektglas der üblichen Trilogie Weiß/Rot/Sekt. Wer nur selten große Weißweine trinkt, hat dann auch die Wahl zwischen nicht ganz so großem Weißweinglas und großem Rotweinglas. Wen es dann aber deutlich in Richtung großer Weißweine oder Spätburgunder zieht wird an einem entsprechenden mundgeblasenen Spezialisten kaum vorbei kommen.

Das große Aber zum Schluß:

Meine persönliche Erfahrung sagt klar, dass andere Faktoren einen größeren Einfluss auf den Genuss haben, als das letzte Quäntchen Glasqualität.

Denn natürlich kann ein herausragendes Riesling-GG aus einem für den Wein von der Form her nicht unpassenden maschinell gefertigten Qualitätsglas im Sonnenuntergang auf der Terrasse des Lieblingsrestaurants komplexer und beeindruckender schmecken als zuhause im mundgeblasenen Lieblingsglas. Stimmung und persönliches Wohlbefinden spielen eine große Rolle.

Auch das Wetter darf nicht unterschätzt werden. Bei schwüler Gewitterluft hilft oft kein Glas mehr, um einen Wein richtig strahlen zu lassen.

Auch wenn mir Esoterik eher fern liegt, kann ich sogar der Theorie etwas abgewinnen, das Weine an Frucht- oder Blütentagen nach dem Thunschen Mondkalender besser schmecken als an Blatt- oder Wurzeltagen (hier gibt es eine App: „When wine (tastes best)“).

Ergo: Aus meiner Sicht unterstützt das richtige Glas den Weingenuss zwar sehr gut, das wahre Genussglück ist aber eher von Faktoren wie Stimmung, Wetter, Umgebung und Anlass abhängig. Daher bitte investiere mehr Geld in Wein als in eine überbordende Glassammlung. Das ist definitiv die genussversprechendere Methode. Sei aber trotzdem offen und probier im eigenen Portfolio mal etwas aus: Warum keinen Chardonnay aus dem Rotweinglas oder den fruchtigen Primitivo im Weißweinglas. Nur so kannst Du herausfinden, was am besten zum eigenen Trinkprofil passt.

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