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Wittmann, Rheinhessen – Silvaner Mineral trocken 2023

Wittmann, Rheinhessen - Silvaner Mineral 2023

Ein besonderer Wein aus dem Hause Wittmann. Der allerletzte Silvaner des Weinguts. Den Weinberg aus dem der Wein entstand, gibt es so nicht mehr. Für mich als Silvaner-Freund natürlich eine Katastrophe. Das Weingut kann ich aber natürlich verstehen, weniger ist mehr – auch beim Rebsortenspiegel.

Genauso besonders ist der Alkoholgehalt. Nur 10% steht auf der Flasche. So niedrige Alkoholwerte lassen bei mir bei knalltrockenen Weinen immer Zweifel bezüglich ausreichender Reife aufkommen. Hat der Wein vielleicht eine grüne, pappig-holzige Aromatik? Nein, das ist hier definitiv nicht der Fall. Der finale Silvaner von Wittmann ist sehr gut gelungen. Ein horizonterweiternder Individualist:

In der Nase Birne, Kreide, Kräuter und noch etwas Schwefel, was sich sicher mit Flaschenreife legt.

Im Mund fein, kühl und leicht. Mit einem extrem feinen Tanningerüst, mehr cremig als hart. Dazu Apfel, Kräuter und Hopfen, ein feines Bitterl am Gaumen und im Hintergrund ganz minimal apfelmostige Noten.

Mittellanger glasklarer schöner Abgang.

Das Weingut schreibt etwas von burgundischem Aligoté Stil – mangels Erfahrung kann ich das nicht verifizieren. Der Stil ist jedoch einzigartig und passt optimal in die heutige Zeit, wo „Low Alcohol“ ein wichtiges Thema ist.

Ca. 23,00 EUR / PGV angemessen

Aldinger, Württemberg, Sauvignon Blanc Ovum trocken 2018

Die Trauben für den Wein kommen aus der Lage Untertürkheimer Gips von ca. 30 Jahren Reben. Im Keller reift der Wein 18 Monate im Betonei. Sauvigon Blanc ist in keinem Anbaugebiet in Deutschland vom VDP als Großes Gewächs zugelassen, dennoch positioniert Aldinger den Wein preislich bei seinen großen Gewächsen. Kann nur heißen: Aldinger möchte einen der besten Sauvignon Blancs Deutschlands produzieren:

Grünkräutrige Nase, Stachelbeere, reife, gelbe Früchte, Tabak und Rauch.

Im Mund dicht und fein. Rote Beeren in der herben Früchteteeversion, Zitronenschale aber auch ein wenig gelbe Früchte. Dazu Rauch, grüne Kräuter, Haselnüsse, ein Hauch Kandis, ganz feines Gerbstoffgerüst und reife schöne Säure.

Langer Abgang, die herbe Frucht bleibt.

Wow, das ist komplex und tief. Ein extrem starker Vertreter der Rebsorte, der definitiv ganz oben mitspielt. Verglichen mit den großen Sauvignons der österreichischen Steiermark zeigt der Ovum mehr rauchige und nussige Aromen. Das macht ihn nochmal komplexer als viele steirische Vertreter, aber nicht unbedingt eleganter.

Wittmann, Rheinhessen – Westhofener Kirchspiel Riesling GG 2013

Wittmann ist sicher einer der Top Produzenten in Rheinhessen. Es ist immer ratsam, Wittmanns großen Gewächsen viel Zeit zu geben. Nur dann, spielen sie ihr Potential voll aus:

Eher feine Nase mit Hagebutte, roten Beeren und gelben Früchten. Dazu etwas Tabak und Zündplättchen, grünpflanzliche Noten.

Im Mund dicht und intensiv, mit süßer, zunächst opulent wirkender gelber Frucht und Kandis, die dann aber mit Luft von viel kalkiger Mineralität, Tabak und Zitrus gebremst und ausgeglichen wird. Saftige, frische aber bestens eingebundene Säure, die Frucht tendiert dann auch ins Apfelige. Viel grüne Kräuter und dunkle Würze. Eine Prise Salz. Langer schöner Abgang, Die kühle Mineralität und mundwässernde Säure bleiben.

Komplex, lang und ziemlich stark!

Ca. 36,00 EUR / PGV angemessen

Die große Heymann-Löwenstein Uhlen Riesling Vertikale

Die Geschichte der Verkostung dieses Wochenendes beginnt für mich schon etwa 2015, als ich die Weine von Heymann-Löwenstein bei einer Hausmesse von K&M Gutsweine in Frankfurt das erste Mal kennengelernt hatte. Das Gespräch am Stand war spannend, die Weine hervorragend. Kurz danach hatte ich, mit dem 2012er Winninger Uhlen Blaufüsser Lay Riesling GG, das für mich zu diesem Zeitpunkt allerbeste Mosel GG im Glas. Ein Wein, an den ich mich heute noch erinnern kann und den ich eine Weile begleiten konnte, da ich 3 Flaschen gekauft hatte. Jede Flasche war noch besser als die vorhergehende. Ein großartiger Wein.

Natürlich gesellten sich in den Folgejahren zu dem Wein dann auch ein paar andere Heymann-Löwensteins, die ich mit etwas Reife jeweils sehr genoss.

2018 hatte ich in privatem Rahmen mit anderen Weinfreunden dann ein paar GG-Neuerscheinungen aus dem Jahrgang 2017 verkostet. Darunter die ganze Phalanx der Löwensteinschen GG. Nicht nur Uhlen, sondern auch Kirchberg, Stolzenberg und Röttgen.

Alle Verkoster ließen die Weine zu diesem Zeitpunkt ratlos zurück. Sie hatten nichts vom Strahlen des 12er Blaufüsser Lay, waren matt, zugedeckt, allenfalls kräutrig und würzig. Aufgrund der hohen Kritikerbewertungen des Jahrgangs ahnten wir, dass wir auf der falschen Spur waren. Dummerweise ergründete ich nicht, was an diesem Tag schief gelaufen war. Das Wetter, der Trinker, der Wein – die Frage, wer am meisten zum Ergebnis beitrug, blieb unbeantwortet.

Seit gestern weiß ich mehr:

Die sensationelle Vertikale

Am längsten Tag des Jahres 2025 lud uns ein lieber Weinfreund zur Verkostung einer Uhlen-Vertikale ein.

Folgende Weine gab es zu verkosten

JahrgangUhlen Laubach Riesling GGUhlen Blaufüsser Lay Riesling GGUhlen Roth Lay Riesling GG
2021X
2020X
2019X
2018XX
2017X
2016X
2015XX
2013X
2011X
2009X
Die große Heymann-Löwenstein Uhlen Riesling Vertikale

Die Lagen

Alle 3 Weine stammen aus der gleichen, in der Weinbergsrolle eingetragenen Lage, dem Winninger Uhlen. Schon lange baut Reinhard Löwenstein die Parzellen Laubach, Blaufüsser Lay und Roth Lay getrennt aus, durfte die Parzellennamen so aber nicht auf dem Etikett prominent verwenden, da dies eben keine offiziellen Bezeichnungen in der Weinbergsrolle waren. Daher wurden sie mit B, L und R abgekürzt. Als 2018 das geltende EU-Recht, als Produzent auch eigene geographische Produktbezeichnungen eintragen zu lassen, im deutschen Weinrecht umgesetzt wurde, sah Löwenstein daher sofort die Chance, so die Parzellennamen „legalisieren“ zu lassen.

Die geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.) Uhlen Blaufüsser Lay, Uhlen Roth Lay und Uhlen Laubach waren mit die ersten, die in das parallel zur Lagenrolle gültige Verzeichnis eingetragen wurden. (mehr dazu siehe hier)

Die Weinberge sind zusammenhängend und bilden die Gesamtlage Winninger Uhlen bis auf einen kleinen Zipfel nördlich des Belltals komplett ab. Sie sind im Süden (Laubach und Blaufüsser Lay) südwestlich ausgerichtet, im Norden (Laubach und Roth Lay) südlich.

Uhlen Laubach

Die Parzellen liegen etwas verteilt nördlich der Autobahnbrücke der A61. Direkt an der Autobahn liegt zunächst etwas Laubach, dann folgt Blaufüsser Lay, dann wieder Laubach. Der Name „Laubach“ ist auch der Name der geologischen Schicht, die hier zu Tage tritt. Ein grauer Schiefer mit einem ungewöhnlich hohen Kalkanteil von 25-45%. Die Hangneigung beträgt 100-150%, die Reben haben ein Durchschnittsalter von 50 Jahren.

Uhlen Blaufüsser Lay

Der Weinberg liegt direkt unterhalb des Aussichtspunkts am Parkplatz an der A61. Der Boden gehört auch noch zur sogenannten Laubachschicht und besteht aus blaugrauem Tonschiefer – mit deutlich weniger Kalk, die Hangneigung beträgt 100-170%, die Reben haben ein Durchschnittsalter von über 60 Jahren.

Uhlen Roth Lay

Von den 3 Weinbergen liegt der Roth Lay am nördlichsten und endet an der Ruine der Moselsprudelfabrik und dem Einschnitt des Belltals. Es herrscht roter Schiefer vor, der seine Farbe durch den hohen Anteil von Eisenoxid bekommt.  Die Hangneigung beträgt 100-150%, das Durchschnittsalter der Reben über 60 Jahre.

Die Verkostung

Die Verkostung erfolgte in 2er Flights, die Flaschen wurden erst direkt vor dem Einschenken geöffnet.

Gut, dass wir zu sechst waren und uns Zeit ließen, die individuellen Eindrücke uns jeweils gegenseitig ausführlich zu beschreiben.

Zwischen den Beschreibungen des „schnellsten“ Verkosters lagen schnell Welten zu den Beschreibungen des „langsamsten“ Verkosters. Wären wir Hitzköpfe, hätte das direkt zu Streit führen können. Aber die Weine waren daran schuld, denn alle Weine veränderten sich rasant im Glas. Und zwar unabhängig vom Alter. Das musste der „schnellste“ Verkoster dann auch beim zweiten Schluck anerkennen.

Es war auch nicht so, dass die jüngeren mit Luft besser wurden und die älteren Weine abbauten – nein, sie legten allesamt zu, klarten auf, wurden fester.

Einige waren zunächst von Spontangäraromen geprägt, die verflogen, andere wirkten zunächst süßlich und breit, wurden aber immer fester und trockener, wieder andere wirkten zunächst gedeckt und fruchtarm, klarten dann aber auf und strahlten.

Das war schon verrückt.

Klar, gerade bei den 3 jüngsten Weinen hätten wir natürlich auf die Idee kommen können, dass vorheriges Karaffieren hätte sinnvoll sein können. Und ja, natürlich hatte ich auch schon andere reifere Weine, die sich mit Luft veränderten, aber in dieser Deutlichkeit über fast alle Jahrgänge hinweg war das unheimlich lehrreich und erklärt auch meine absolute Fehleinschätzung damals bei der 2017er Probe.

Besonders bemerkenswert war die Entwicklung der beiden 2018er. Wir redeten lange über die beiden Weine. Zimt, Süße, Kraft, „ist was zum Essen“ waren Schwerpunkte der Diskussion. Alle erkannten die Komplexität an, attestierten aber keine besondere Festigkeit oder Frische, was im Kontext des heißen Jahres ja auch in Ordnung gewesen wäre. Nach dem „offiziellen Teil“ verkosteten wir die Weine dann nochmal nach. Plötzlich war da deutlich weniger Süße, deutlich mehr Festigkeit und Präzision, immer noch viel Kraft, aber deutlich strahlendere Frucht. Irre!

Das „Terroir“

Wie oben geschrieben, war es Reinhard Löwenstein schon lange wichtig, diese 3 Uhlenparzellen getrennt auszubauen, so wichtig, dass er als Pionier durch die EU-Bürokratiehölle ging, um die g.U. eintragen zu lassen. Daher stellte sich im Rahmen unserer Verkostung schon die Frage, ob man die Unterschiede auch schmecken kann, oder ob die Unterschiede, die in den offiziellen Produktbeschreibungen zu den g.U. ausführlich beschrieben werden mehr heiße Luft sind1.

Ich würde sagen, dass die Parzellen gut abgegrenzt werden konnten. Wir hatten viel Laubach, sodass ich nur hier eine Aussage über die Jahrgänge hinweg treffen kann. Und ja, es gibt deutliche Gemeinsamkeiten. Die Salzigkeit zum Beispiel, Apfelnoten und die besondere, nicht schiefrige Mineralität und Säurestruktur, die vielleicht vom hohen Kalkgehalt herrührt. Wenn man so will, ist der Laubach aufgrund der fehlenden „Schiefernote“ eher untypisch für die Mosel.

Genau über die Schiefermineralität grenzen sich dann die beiden anderen Lagen vom Laubach ab.

Die beiden Blaufüsser Lay waren sehr von der Schiefermineralität geprägt, mit schöner gelber Frucht und Kräutern, die beiden Roth Lay hatten dafür eher eine zurückhaltendere Frucht und eine tiefe, dunkle Würze.

Fazit und Tipps fürs Nachmachen

Wow, wir durften gestern zwölf herausragende Weine probieren. Ein großer Dank an den edlen Spender!

Die Wahl zum Wein des Abends fiel heterogen aus. Auf Platz 3 der 2020er Winninger Uhlen Laubach Riesling GG mit einer Stimme, auf Platz 2 der 2016er Winninger Uhlen Roth Lay Riesling GG mit zwei Stimmen und auf Platz eins der 2015er Winninger Uhlen Laubach Riesling GG mit drei Stimmen.

Bei der Veränderungsfreude der Weine kann das nach 5 Stunden auch nur ein Zwischenfazit sein. Aus diesem Grund habe ich auf detaillierte Weinbeschreibungen auch verzichtet.

Mancher Leser wird jetzt denken: Die hätten doch einfach alles rechtzeitig öffnen und karaffieren müssen!

Klar kann das ein Versuch sein, die Weine jeweils auf dem Höhepunkt zu erwischen, um die maximale Qualität zu erfassen.

Ich bin allerdings dankbar, dass wir das nicht gemacht haben. Es war einfach unheimlich spannend und lehrreich, die Entwicklung der Weine im Glas zu verfolgen und in der Runde mit den Mitverkostern ins Gespräch zu kommen. Daher würde ich unsere Herangehensweise allen empfehlen, die noch die eine oder andere Heymann-Löwenstein Vertikale im Keller haben. Vielleicht mit nur 8 Weinen oder mit einer Nachverkostung am Folgetag, um diese faszinierenden Weine noch besser würdigen zu können.

  1. Hier die Produktbeschreibungen der 3 geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.):
    Uhlen Laubach
    Uhlen Blaufüsser Lay
    Uhlen Roth Lay
    ↩︎

Friedrich Becker, Pfalz – Schweigener Pinot Noir 2016

Friedrich Becker, Pfalz - Schweigener Pinot Noir 2016

IIn Ihrer Jugend sind die Spätburgunder von Friedrich Becker häufig spröde, mit hartem Tannin. Mit den Jahren bindet sich das Tannin dann aber in der Regel ein und die Weine blühen auf. Bei seinen Großen Gewächsen kann das schon mal 10 Jahre dauern.

Auch der 2016er Schweigener Ortswein steht für mich erst am Anfang seiner Entwicklung. Trotz ordentlich Tannin und Holz ist er aber aktuell ist er in sehr guter jugendlicher Trinkverfassung, sofern man kein Eleganzmoster sucht.

Würzige, röstige Nase mit Kaffee, dunkler süßlicher Beerenfrucht, etwas Leder und Vanille, Minze und anderen getrockneten Kräutern.

Im Mund fest und kühl. Feine, an Früchtetee erinnernde Beeren und Kirschfrucht. Noch viel jugendlicher aber nicht mehr harter Gerbstoff. Trockenkräuter, röstige, rußige Holznoten. Schöne frische Säure. Recht langer schöner Abgang.

Viel Holz, sehr jung, aber ziemlich komplex und tief.

Ca. 22,00 EUR / PGV günstig

H. Dönnhoff, Nahe – Schlossböckelheimer Felsenberg Felsentürmchen Riesling GG 2014

H. Dönnhoff, Nahe - Schlossböckelheimer Felsenberg Felsentürmchen Riesling GG 2014

Dönnhoff ist der „Kühle und Straighte“ von der Nahe. Der Felsenberg wurde seinerzeit von den Profikritikern gelobt und so ist er trotz des eher schwachen Jahrgangs in meinen Keller gewandert. Die Tage musste eine erste Flasche dran glauben.

Kühle Kräutrige Nase mit grünem jungen Holz, nussigen Noten und Apfel und Zitrusfrüchten, Zündplättchen.

Im Mund sehr würzig, Schiefermineralität und Kräuter, mundwässernde und etwas unreife Zitrussäure. Insgesamt schlank und elegant. Eine zarte aber neben allem stehende zuckrige Süße macht ihn leider nicht so harmonisch. Recht langer Abgang, aber die Süße und Säure bleiben nebeneinander stehen.

Diese Schwäche in der Harmonie zwischen Süße und Säure ist für mich ein typisches Element von 2014 aber auch von 2010. Natürlich bleibt es ein guter Wein, das große Kritikerlob kann ich jedoch nicht nachvollziehen. 2011 hat mir 2017 deutlich besser gefallen.

Die zweite Flasche werde ich noch mindestens 2 Jahre im Keller lassen. Vielleicht gibt es ja dann nochmal ein Update dieser Notiz.

Ca 35,00 EUR / PGV teuer (jahrgangsbedingt)