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Krispel, Südoststeiermark, Österreich – B1 „Basalt“ trocken 2017

Krispel, Südoststeiermark, Österreich - B1 "Basalt" trocken 2017
Wollschwein-Spezialitäten in der Vinothek
Wollschwein-Spezialitäten in der Vinothek

Krispels Genussgut in Hof bei Straden – weit weg vom weintouristischen Zentrum in der Südsteiermark – ist mehr als ein Weingut. Der Besucher kann dort hervoragend essen und trinken, über Nacht bleiben und Leckereien vom eigenen Wollschwein erwerben. Ziemlich stark, was Krispels dort aufgebaut haben und definitiv eine Empfehlung dort einzukehren, wenn man in der Region ist.

Knappe 800km entfernt bleibt nur der Weingenuss.

Der B1 ist so etwas wie der Signature-Wein des Hauses. Er besteht aus Grauburgunder, Weißburgunder und Sauvignon Blanc und zeichnet sich durch drei Besonderheiten aus, die mein Interesse geweckt haben:

  1. Der Wein wurde spontan im großen Holzfass auf der Maische vergoren, es ist also ein Orange-Wein
  2. Der Wein lagerte anschließend für 24 Monate in Basalttrögen
  3. Schließlich bekam der Wein noch weitere 60 Monate Zeit im großen Holzfass, bevor er abgefüllt wurde.
Abendlicher Blick von Hof in Richtung Straden
Abendlicher Blick von Hof in Richtung Straden

In der Kombination dürfte das ein ziemlich einzigartiger Wein sein.

Einzigartig ist sicher zunächst der Basalttrog. Steinfässer aus Granit sind etwas häufiger (siehe hier ein spannendes Beispiel: Neues aus Franken: Silvaner aus dem Granitfass – schmeckt man den Unterschied?). Einen weiteren Wein, der in Basalt reift, kenne ich allerdings nicht.

Die Reifung in solchen Steingebinden zeugt vor allem von der Experimentierfreude des Winzers. Im Falle Krispel ist es ein kleines bisschen mehr. Die Trauben kommen aus den Rebanlagen in der Lage Neusetzberg, wo verwitterter Basalt und Kalk die Böden prägen. In dem Material, auf dem die Trauben wachsen, darf der Wein also reifen.

Zudem gibt es schon längere Zeit noch eine weitere Verwendung von (kleineren) Basalttrögen im Hause Krispel. Der Speck der Wollschweine reift dort zu hervorragendem Lardo heran.

Ebenfalls ziemlich einzigartig ist, dass der Wein dann nochmal 60 Monate im großen Holzfass reift, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Das heißt, dass die Abfüllung erst nach insgesamt sieben Jahren stattgefunden hat. Ähnlich lang gelagerte Weine habe ich bisher nur von Salwey (siehe hier: Salwey, Baden – Sieben Winter trocken 2016) und von Dr. Loosen (über 20 Jahre) getrunken.

Ein langes Fasslager ist dabei, anders als das Steinfass, keine neumodische Erfindung. Vor hundert und mehr Jahren war ein längeres Fasslager durchaus üblich, schon allein deshalb, weil damals die Flaschenabfüllung eher selten war.

Das Ergebnis dieser besonderen Weinherstellung ist auf jeden Fall hervorragend:

Intensiv würzige Nase mit überreifen gelben Früchten aber auch grüner Stachelbeere und viel frischen grünen Kräutern. Dazu Leder, etwas Vanille, erdige Noten, und warmer nasser Stein.

Im Mund dicht mit einem ultra feinen Tanningerüst, dass – fast wie Kohlensäure – ganz leicht am Gaumen prickelt. Erst nachdem die Zunge die Struktur erfasst hat, folgt eine schöne frische Säure und eine reife, süße, gelbe Frucht. Dazu Orangenschale, eine tiefe, dunkle Würze und eine steinige Mineralität. Zudem tabakige Noten und etwas süße marokkanische Minze.

Langer, klarer, schöner Abgang.

In Erinnerung bleibt das extrem feine aber dichte Gerüst und die schöne Frische bei moderaten 12,5% Alkohol. Ein herausragender, komplexer Wein.

ca. 57 EUR / PGV angemessen

Wein vom oft übersehenen vierten fränkischen geologischen Bodentyp – Was essen wir dazu?

Hinweis: Die Weine im Artikel hat mir der Winzer kostenfrei überlassen.

Michelbacher Apostelgarten
Michelbacher Apostelgarten

Weinfranken, das ist von West nach Ost: Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Die fränkische Trias. Aber nein, ganz im Westen, rebellisch wie quasi Asterix‘ gallisches Dorf, wachsen die Reben in Alzenau auf Gneis und Glimmerschiefer.

Ein Platzhirsch der Alzenauer Weinregion war lange Jahre das Weingut Heilmann in Michelbach, wo Armin Heilmann aus seinen Parzellen im beeindruckenden, denkmalgeschützten Michelbacher Apostelgarten hervorragende und preisgekrönte Weine gekeltert hat.

Mit dem Weingut sind wir insbesondere deshalb sehr verbunden, weil Armin und Maria Heilmann uns vor Jahren auf einer Radtourrast das erste Mal zeigten, dass deutscher Wein mehr ist, als sauer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vor einigen Jahren setzen sich Armin und Maria zur Ruhe und verkauften das Weingut, was eine große Lücke in Michelbach hinterlassen hat.

Ganz lassen kann Armin das Weinmachen aber nicht und hat Parzellen behalten, wo er heute mit Freunden noch Riesling und Weißburgunder produziert und bei einem befreundeten Winzer ausbaut.

Mit dem Riesling schließt sich dann der Kreis wieder zum Terroir. Während einhellige Meinung ist, dass Kalk und Silvaner besonders gut zusammenpassen, ist Gneis und Glimmerschiefer ein guter Partner für Riesling. Die Böden ähneln nämlich den Böden im Rheingau, schließlich kann man vom Michelbacher Apostelgarten auch schon die Skyline Frankfurts sehen, dem östlichsten Weindorf des Rheingaus.

Riesling als Essensbegleiter, keine ganz leichte Aufgabe

Armin und Maria haben mir drei Rieslinge unterschiedlicher Jahrgänge und einen Weißburgunder zugeschickt und mir die Aufgabe gestellt, auch etwas Leckeres zu den Weinen zu kochen.

Die Herausforderung konnte ich schon aus der Erinnerung schöner Nachmittage in der Häcke des ehemaligen Weinguts nicht ablehnen.

Ganz einfach ist das nicht, denn gerade trockener Riesling ist aus meiner Sicht ein zickiger Speisenbegleiter. Die typische Säure und Frucht brauchen hier entweder einen Gegenspieler, zum Beispiel etwas, was auch mit Süße und Säure (Essig, Zitrone) spielt, oder etwas, was sie eher mäßigt durch Sahne oder anderes vollmundiges Fett. Wird das Essen zu „umamig“, zu „gebraten“, zu explizit würzig, wird es schwierig.

Super zu großen trockenen Rieslingen ist aber auf jeden Fall eine schöne deftige Brotzeit mit Blutwurst, Leberwurst, Presskopp, wie in der Häcke eben. Der trockene Riesling von Armins Rieslingaposteln aus dem Apostelgarten im Apostelgarten an einem Sommerabend zu einem deftigen Picknick. Da fühlt man sich wie ein Apostel auf Wolke 7!

Aber genug der Vorrede – das essen wir also im südöstlichen Hessen zu Riesling aus dem nordwestlichen Franken:

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling feinherb 2023

Der Wein:

Fruchtbetonte Nase mit Pfirsich und Orange, nasser Stein und ein Hauch Minze.

Im Mund mehr Orange als Pfirsich, die Süße wird schön durch die frische Säure gepuffert. Feine Würze und Orangenschale.

Mittellanger, leicht süßlicher Abgang.

Macht Laune durch die frische Säure und ist mit 11% leicht im Alkohol.

Wir kochten dazu:

Ein gutes Brathähnchen vom Bauern oder ein französisches Label Rouge Huhn aus dem gut sortierten Supermarkt, klassisch im Ofen auf einem Brathähnchenständer gegart mit einer Marinade aus Paprika edelsüß und scharf, reichlich Salz, Pfeffer, gutem Currypulver, Alleppo-Chiliflocken, Zitronensaft, gepresster Knoblauchzehe und Sonnenblumenöl eingestrichen, dazu Coleslaw. Ein Rezept gibt es nicht. Erlaubt ist, was gefällt. Reichlich Salz ist aber wichtig.

Mit dem Wein eine schöne Kombination: Die feinherbe Ausrichtung bietet wenig Trinkwiderstand zum einfachen, salzig-fettigen Huhn. Eigentlich fehlte hier nur die zweite Flasche.

Klassisches Brathähnchen mit Coleslaw
Klassisches Brathähnchen mit Coleslaw

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Zu leicht scharfen asiatischen Gerichten (siehe unten), zum Grillen, zu Rote Bete Carpaccio mit Ziegenfrischkäse oder einfach solo auf der Terrasse.

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken 2022

Der Wein:

Kühle, feine, schiefermineralische Nase, nasser Stein, feine süßliche Frucht nach Aprikose und rotem reifen Apfel.

Im Mund dicht, mit schönem, ganz feinen Gerbstoffgerüst, kalkig mineralisch. Kühle, saftige Zitrusfrucht, etwas Tabak und Minze und eine Prise Salz. 

Recht langer, leicht antrocknender Abgang.

Etwas ernsthafter, komplexer und weniger verspielt wie der feinherbe aus 2023. Ein erstklassiger Vertreter des Michelbacher Rieslings.

Wir kochten dazu:

„Schnelle Pekingente“1

Der Wein erfrischte den Gaumen wunderbar gegen die süße, leicht ingwerwürzige Pflaumensauce. Wer die Sauce schärfer abschmeckt, der sollte als Partner den feinherben 23er in Erwägung ziehen.

Schnelle Pekingente - kommunikatives Basteln für alle Esser
Schnelle Pekingente – kommunikatives Basteln für alle Esser
Schnelle Pekingente vor dem Einrollen
Schnelle Pekingente vor dem Einrollen

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Coq au Riesling, Zürcher Geschnetzeltes, Zander auf Rahmsauerkraut, Wolfsbarsch mit Fenchel-Sahnesauce.

Die Riesling-Apostel – Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken 2021

Der Wein:

Zurückhaltende, kühle Nase mit Pfirsich, Mandarine und Kräuter. Dazu Feuerstein und leicht hefige Noten.

Im Mund fein, kalkige Mineralität, saftige Zitrusfrucht, viel Kräuter, grüner Tee und eine Prise Salz. Schöne, im Jahrgangskontext aber feine Säure 

Recht langer, feinsaftiger Abgang.

Eine tolle Interpretation des kühlen Jahrgangs.

Wir kochten dazu:

Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips2. Eine optimale Kombination. Der Wein begleitet und unterstreicht den süßen Apfel und süßsauren Balsamico sowie die feine Säure des Senfs in der Sauce. Zum Reinlegen.

Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips
Skrei mit Belugalinsen, Senfsabayon und Kartoffelchips

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Siehe 2022.

Maria & Armin Heilmann – Michelbacher Apostelgarten Weißburgunder „Maria“ trocken 2022

Der vierte Wein im Bunde war der Weißburgunder. Der Wein läuft nicht unter dem Namen der Riesling-Apostel.

Der Wein:

In der Nase nussig mit Birne, grünen Kräuter, etwas Butter und Minze.

Im Mund weich mit feinem Schmelz und feine Säure, viel rebsortentypische Nuss, etwas Birne, und eine feine Würze.

Mittellanger Abgang mit grünen Kräutern und wieder Minze.

Ein Essensbegleiter par Excellence. Solo getrunken, könnte er für mich etwas mehr Kontur und Straffheit haben.

Wir kochten dazu:

Saltimbocca a la Romana mit Safranrisotto3. Der Wein fing das zungenkribbelne Umami vom gebratenen Schinken und dem Parmesan im Risotto optimal auf, gab aber auch dem Safran noch genug Platz. Tolle Kombination.

Saltimbocca mit Safranrisotto
Saltimbocca mit Safranrisotto

Wozu schmeckt der Wein sicher noch:

Der Wein lässt sich ziemlich universell einsetzen. Risotto und Pasta mit Umami aus Tomate oder Parmesan passt gut, Meeresfrüchte mit Knoblauch und Zitrone sicher auch. Oder in die arabische Richtung: Unser traditionelles Weihnachtsessen: Gänsebrust mit Raz-El-Hanout Orangensauce und Safran-Couscous.

Vielen Dank Maria und Armin für die tollen Weine und die spannende Aufgabe.

  1. Schnelle Pekingente: https://www.chefkoch.de/rezepte/197731083678684/Schnelle-Pekingente.html, die Pflaumensauce dazu am besten selbst in größerer Menge machen und einwecken: https://web.archive.org/web/20241110204147/https://www.kuechengoetter.de/rezepte/chinesische-pflaumensauce-46517 ↩︎
  2. Skrei mit Beluga-Linsen, Senf-Sabayon und Kartoffel-Chips https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/rezepte/fisch-skrei-kabeljau-linsen-kartoffel-chips-andreas-geitl-100.html Die Kartoffelchips schmecken auch mit gelben Kartoffeln. ↩︎
  3. Saltimbocca mit Safran-Risotto https://doncarne.de/de/blog/saltimbocca-mit-safran-risotto-und-tomatensalat/ ↩︎

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 1: Lost in Weißburgunder und Chardonnay

Franken und RheinhessenIm Mai 1974 fand die Weinbörse das erste Mal statt. Damals hieß sie noch „Rheinhessische Rieslingbörse“ und wurde vom Vorgänger des VDP Rheinhessen veranstaltet. Schon zwei Jahre später wurde sie zur Weinbörse und Betriebe aus dem Rheingau und von der Nahe schlossen sich an.  Damit feiert die Messe dieses Jahr ihren 50. Geburtstag. Statt 1974 elf Weingüter mit 105 Weinen waren dieses Jahr 191 von 200 VDP-Betrieben mit insgesamt fast 1700 Weinen vor Ort. Über 3000 Fachbesucher aus aller Welt haben sich über den neuen Jahrgang informiert. Damit ist die Weinbörse sicher die wichtigste Veranstaltung für den deutschen Wein, auch wenn Sie sich auf die Mitgliedsbetriebe des VDP beschränkt. Auch die Leistung der kleinen Bundesgeschäftsstelle des VDP als Organisator der Veranstaltung ist unbedingt hervorzuheben. Es muss ein ziemlicher Kraftakt für das Team sein.

Daher an dieser Stelle vielen Dank!

 

Magnums

Zur 50. Ausgabe gab es exklusiv eine Magnum jedes Weinguts mit individuellem Etikett

Aufgrund der großen Weinanzahl ist für den berichterstattenden Besucher Fokussierung und Einschränkung Pflicht, zumal jeder Plan sowieso zum Scheitern verurteilt ist, weil man parallel immer auf viele bekannte Gesichter trifft und immer wieder von netten Gesprächen abgelenkt wird.

Bei unseren vergangenen Besuchen lag der Fokus auf Regionen, dieses Mal haben wir uns auf Rebsorten fokussiert: Silvaner, Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay aus Franken, Baden, Rheinhessen und der Pfalz waren unser Ziel. Auch hier mussten wir Abstriche machen und konnten nicht alle Weingüter besuchen. Die Chardonnay- und Weißburgunderrunde hat uns darüber hinaus besonders gefordert. Bevor wir also zu den ausschließlich positiven Antrinktipps von Silvaner und Spätburgunder kommen, erst einmal mehr zu unserer Odyssee durch die Weißburgunder und Chardonnays.

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Die Frage aller Fragen: Was ist Pfälzer, badischer, rheinhessischer, fränkischer Weißburgunder bzw. Chardonnay?

Weißburgunder ist eine deutsch/italienisch/österreichische Angelegenheit. Nur da wachsen signifikante Mengen. In Frankreich sind die Mengen auch beachtlich, doch wird hier wohl abgesehen vom Elsass der meiste Pinot Blanc für die Champagner-Produktion verwendet und nicht als Stillwein ausgebaut.

Beim Chardonnay ist das anders. Das Zeug wächst überall auf der Welt.

Frankreich und die USA sind führend und besitzen gemeinsam eine Chardonnay-Anbaufläche die der gesamten Weinbaufläche Deutschlands entspricht, wobei in Frankreich über 20% wieder in Champagner fließt. Aber auch Chile, Südafrika, Spanien und China sind in den Top 10 der Anbauländer. Deutschland ist unter „ferner liefen“, zudem wurde die Rebsorte in Deutschland erst 1994 zum Anbau zugelassen.

Weltberühmt sind die französischen Appellationen im Burgund und Chablis, aber spätestens seit der berühmten Verkostung der „Weinjury von Paris“ 1976 weiß man, dass Kalifornien hier in der Spitze mithalten kann.

Namhafte Weine kommen aber eben auch aus Australien oder der österreichischen Südsteiermark, wo die Rebsorte auch Morillon genannt wird. In Italien steht Chardonnay in der Regel in den Weinbaugebieten in Alpennähe, wo er allerdings bis in die 1980er Jahre einfach auch als Pinot Bianco etikettiert wurde.

Der kleine Abriss über die Verbreitung der Rebsorten ist insofern wichtig, dass man vermuten könnte, dass es zumindest beim Weißburgunder eine gewisse Tradition geben muss. Ein verbindendes Element in den Anbaugebieten quasi. Während beim Chardonnay durch die späte Zulassung und der Vielzahl von Vorbildern man eine gewisse Heterogenität erwarten kann. Und natürlich war mir aufgrund der vielen bereits verkosteten und getrunkenen Weine aus den Rebsorten klar, dass es bunt wird.

Aber bei so vielen Weinen in kurzer Zeit zeigt sich die Heterogenität nochmal viel deutlicher und die Verkostung wird schwieriger als gedacht. Bei beiden Sorten.

 

Auf der Geschmacksachterbahn

Das macht schon die Verkostung zu einer Herausforderung. 50+ trockene Lagenrieslinge verkosten sich mit etwas Übung eigentlich ganz gut. Mal sind sie komplexer, mal weniger komplex, mal etwas süßer, mal trockener, mal etwas „konventioneller“, mal etwas „moderner“ in der Stilistik, aber selten ist der nächste Wein ganz anders als der vorherige. Sie sind immer Rieslinge.

Bei unserer Weißburgunder/Chardonnay-Runde war das anders. Jeder Wein ist anders. Eine geschmackliche Achterbahnfahrt.

Auch die Erläuterungen der Winzer sind meist viel komplexer als beim Riesling. Die auch beim Riesling üblichen Themen sind Maischestandzeit, Holz oder Stahl, Feinhefelager, Spontangärung oder Reinzuchthefe. Bei Weißburgunder/Chardonnay kommt dazu: Welcher Holzanteil, welches Holz, welche Fassgröße, welches Toasting, wieviel Neuholz, alle Partien mit biologischem Säureabbau oder nicht, Vollhefe- und/oder Feinhefelager, ob, wie oft und wie aufgerührt, wie reduktiv und und und. Da schwirrt einem der Kopf!

Entsprechend riesig ist die Bandbreite:

  • Holzbetont und exotisch vanillig kraftvoll warm.
  • Holzbetont und eher kühl und straff
  • Wenig holzbetont und trotzdem cremig nussig
  • Wenig Holzbetont und kühl und straff
  • Ohne Holz und ausgewogen
  • Ohne Holz und cremig

Und alles dazwischen und alles in konventioneller oder moderner Stilistik, mal etwas (extrakt-)süßer, mal staubtrocken, mal komplexer, mal weniger komplex, mal alkoholreich, mal weniger, mal mehr und mal weniger reduktiv.

Aber auch bei Trinkern polarisieren die Weine. Natürlich trifft man auch bei Rieslingen auf Restzuckerallergiker oder Säurefanatiker, das ist aber nichts gegen Chardonnay. Das hätte auf der Weinbörse leicht im Ehekrach enden können. Als ich neulich zu einem weinaffinen Grillevent eine Magnum eines komplexen, duftigen, hoch bepunkteten Pfälzer Chardonnay mitbrachte und die Mittrinker nach ihrer Meinung frage, bekam ich von einem sehr erfahrenen Weinfreak direkt gesagt: „Der schmeckt mir überhaupt nicht, der ist ja viel zu laut“. Ich sag mal so, bei einem 92 Punkte Riesling GG wäre das so nicht passiert. Eventuelle Kritik wäre deutlich dezenter geäußert worden: „Der könnte etwas schlanker sein.“ „Hintenraus scheint er etwas süßlich“.

 

Wo bleibt das Terroir?

Diese Frage ist für mich auch nach der Powerverkostung nicht so leicht zu beantworten. Terroir wird in der Fachliteratur als Zusammenspiel zwischen Rebsorten, Klima, Bodentyp, Topographie/Kleinklima und Vinifikation gesehen. Das die Sorte die topographischen/kleinklimatischen Unterschiede und die Unterschiede über die Jahrgänge gut zeigt ist klar. Die Mehrheit der befragten Fachleute sagt auch, dass Chardonnay den Boden, auf dem er wächst in den Geschmack übernehmen kann. Ehrlich gesagt bräuchte ich da mehr zielgerichtete Verkostungen um das für mich zu verifizieren. Eins ist uns aber auf jeden Fall klar geworden: Holzeinsatz, Hefelager, Reduktion und andere Maßnahmen der Vinifikation – also quasi die Handschrift des Winzers sind bei den getrunkenen Weintypen viel nachhaltiger am Entstehen des Geschmacksbilds beteiligt als der Boden. Sicher ist das auch ein Teil des weltweiten Erfolges der Rebsorte. Nur mit unverwechselbarem Terroir hat das nur dann zu tun, wenn es regional eine Tradition und ähnliches Vorgehen gibt. Der „internationale Stil“ hat kein Terroir.

 

Erfreuliches Qualitätsniveau

Bei den Lagenweinen waren qualitativ ein paar absolute Holzbomben auszusortieren sowie wie immer ein paar minderkomplexe Exemplare, ansonsten gab es schon viele sehr gute und einige hervorragende Weine, auch wenn man auf deutlich weniger hervorragende Exemplare trifft als bei einer Riesling-Lagenweinverkostung.

Auch die kraftvollen, holzbetonten Exemplare nehme ich explizit nicht aus der Runde der sehr guten und herausragenden Weine aus, auch wenn sie aktuell eher unmodern sind. Mit ein bisschen Flaschenreife sind das schließlich gute Essensbegleiter, die bei genug Komplexität auch spannend sind und hohe Bepunktungen verdienen. Die straighteren, kühleren, feineren Exemplare haben aber sicher häufiger das Zeug dazu, wirklich große Weine zu werden, auch unabhängig davon, ob man mehr oder weniger Holz einsetzt. Wobei bei maximierter Kühle und Säure auch immer die Gefahr besteht, zu früh zu ernten und unrunde unreife Aromen in den Wein zu bekommen.

Ganz ohne Holz im Guts- oder Ortsweinbereich finde ich insbesondere den Chardonnay schwierig. Die Aromatik driftet schnell in Richtung überreifes Fallobst und nasses Papier. Ein bisschen wie beim einfachen Grauburgunder, nur noch schlimmer. Beim Weißburgunder waren ein paar ordentliche holzarme bzw. holzfreie Exemplare zu finden, bei denen Frische bewahrt und auf eine klare und feine Fruchtaromatik gesetzt wurde.

 

Chardonnay und Weißburgunder als GG und 1G – sinnvoll oder nicht?

Also gibt es insgesamt zwar gewisses Verbesserungspotential in Sachen Qualität, um zum Flaggschiff Riesling aufzuschließen, die Situation ist aber keineswegs schlecht. Es gibt genug herausragende Exemplare um zu sagen: Beide Rebsorten gehören zu den Topsorten in Deutschland.

Dennoch sind die Sorten nicht überall im VDP für Große und erste Gewächse zugelassen:

GebietGG1G
Ahr--
BadenWB. CHWB. CH
FrankenWBWB. CH
Mittelrhein--
Mosel--
Nahe--
PfalzWBWB. CH
Rheingau--
Rheinhessen-WB. CH
Sachsen/Saale-UnstrutWB. CHWB. CH
WürttembergWBWB, CH

Gerade mit Blick auf die immer hervorragenden Astheimer Orts-Chardonnays von Fürst habe ich bereits in einigen Diskussion meinungsstark die These vertreten, Chardonnay muss Großes Gewächs sein dürfen.

Nach unserer großen Verkostung in Mainz bin ich da künftig leiser. Wenn die GG-Zulassung einer Sorte bedeutet, dass herausragende Weine in irgendeinem Stil dort erzeugt werden können, könnte man weiter auf dem Standpunkt stehen, dass alle Regionen die das für relevant halten, Chardonnay/Weißburgunder als GG zulassen können sollten.

Wenn ich aber etwas weiterdenke und sage es braucht auch eine gewisse regionale Typizität bzw. Tradition, die sich im Geschmack der Weine widerspiegelt – also einen Terroirgedanken – (den es bei Riesling GG zweifelsohne gibt), dann komme ich zu dem Schluss, dass man auch von 1G Chardonnays Abstand nehmen sollte und auch die Bewertung des Weißburgunders in Frage stellen kann. Es gibt nämlich keinen einigermaßen wiederkennbaren Chardonnay oder Weißburgunder-Lagenweintyp in den Regionen – für eine Markenbildung keine gute Voraussetzung. In dem Kontext erscheinen mir Guts- bzw. Ortswein die bessere Heimat für die vielen individuellen Spielarten. Das gilt im übrigen nicht nur für den VDP, sondern aus meiner Sicht erst recht für die Ausgestaltung der Lagenweinprofile nach neuem Weinrecht in den Schutzgemeinschaften.

 

Antrinktipps

Bei unseren Antrinktipps haben wir daher versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in Kategorien einzusortieren. Richtig zufrieden sind wir nicht, weil selbst innerhalb der Kategorien wenig Vergleichbarkeit herrscht. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

 

Rheinhessen

Straight (kühle Aromen dominieren, eher säurebetont, keine überreifen Fruchtnoten, keine große Extraktsüße) und holzbetont

Bischel: 2022er Réserve Chardonnay

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Neus Schlossberg ChardonnayJ. Neus: 2022er Ingelheimer Chardonnay ●, 2022er Ingelheimer Schlossberg Chardonnay 1G ●

Nach vielen Veränderungen bei den handelnden Personen im Gut scheint man in Ingelheim insgesamt auf einem guten Weg. Die Weine sind nicht mehr so progressiv wie teilweise bei dem früheren Team, sondern ruhen nun mehr in sich. Sehr schön!

 

Kraftvoll (warme Aromen dominieren, süße Fruchtnoten, Extraktsüße, vanillige Holznoten) und holzbetont

Gutzler: 2022er Westhofener Chardonnay

 

 

Pfalz

Straight und holzbetont

Friedrich Becker: 2021 Schweigener Chardonnay ●, 2019 Chardonnay Mineral●, 2020 Weißer Burgunder Reserve●
Bei Becker sticht überall die hohe aber präzise Säure heraus. Darauf angesprochen verriet Friedrich Junior, dass man darauf achte, dass nicht jedes Gebinde einen biologischen Säureabbau macht. Aus meiner Sicht schafft das viel mundwässernden Trinkspaß, obwohl ähnlich wie bei Beckers Spätburgundern der Holzeinsatz schon ziemlich kraftvoll ist und die Weine damit einfach mehr Zeit brauchen, bis sie sich geschmacklich rund präsentieren. Auch der 2019er Mineral kann hier ganz sicher noch liegen bleiben.

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Jülg: 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Weißburgunder 1G, 2023 Schweigener Chardonnay, 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Chardonnay ●

Ökonomierat Rebholz: 2022 Chardonnay „R“

Rings: 2022 Kalk & Stein Chardonnay & Weißburgunder ●, 2023 Chardonnay und Weißburgunder ●

In der Kategorie Gutswein mit Anspruch ist die „einfache Version“ der Cuvée von Rings sicher ein Best Buy. Die kühle, unaufgeregte Stilistik hat uns extrem gut gefallen.

 

Kraftvoll und holzbetont

Knipser: 2019er Chardonnay Réserve

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Knipser: 2019er Chardonnay Fumé, 2020er Chardonnay *** ●

 

Baden

Straight und holzbetont

Bernhard Huber: 2022er Malterdinger Chardonnay Alte Reben (noch ziemlich wild)

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Salwey: 2021er Oberrotweiler Weißburgunder ●, 2020er Oberrotweiler Steingrubenberg Chardonnay GG ●, 2020er Oberrotweiler Kirchberg Weißburgunder GG ●

Eigentlich müsste man die Weine von Salwey in eine eigene Kategorie packen. Es sind sicher mit die feinsten Weine und für die warmen badischen Verhältnisse immer kühl. Sie sind nie die aufregendsten aber qualitativ immer auf höchstem Niveau und mit einer ganz eigenständigen Handschrift auch über alle Jahrgänge hinweg.

 

Kraftvoll und Holzbetont

Dr. Heger: 2021er Ihringer Winklerberg Chardonnay 1G

Heitlinger: 2017er Hilsbacher Eichelberg Pinot Blanc GG Heitlinger, 2020er Tiefenbacher Heinberg Chardonnay GG

Heitlinger ist für uns eine ziemlich neue Entdeckung. Ein junges Team arbeitet hier konsequent daran, das Weingut nach vorne zu bringen. Bei den oben erwähnten Weinen ist der Holzeinsatz ziemlich dominant. Wäre er etwas milder, gehörten sie mit zu den Gebietsbesten.

Franz Keller: 2022er Oberbergener Pulverbuck Weißburgunder 1G, 2022 Chardonnay Drei Dörfer

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Weingut SchlörDr. Heger: 2021er Winklerberg Hinter Winklen Gras im Ofen Weißburgunder GG ●

Schlör: 2022 Reicholzheimer Oberer First Weißburgunder GG

 

Ausgewogen (mittlerer Holzeinsatz und mittlere Kraft, eher klassiche Machart)

Bercher: 2022er Sasbacher Limburg Weißburgunder 1G ●, 2022 Burkheimer Feuerberg Haslen Weißburgunder GG ●, 2021 Berchers Chardonnay SE ●

Bercher hat insgesamt eine großartige Kollektion präsentiert. Ein Weingut, dass definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

Dr. Heger: 2022 Ihringer Weißburgunder

Schlör: 2023 Reicholzheimer Weißburgunder

Der Ortswein von Schlör ist nur im Edelstahl ausgebaut. Entstanden ist ein feiner und schlanker Vertreter der Rebsorte mit klarer Frucht.

 

Franken

Straight und Holzbetont

Rudolf Fürst: 2022er Astheimer Chardonnay R ●

Rudolf May: 2022er Retzbacher Chardonnay ●

 

Kraftvoll und Holzbetont

Höfler: 2020er Michelbacher Chardonnay

Juliusspital: 2020er Volkacher Karthäuser Weißer Burgunder GG

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Egon Schäffer: 2022er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder 1G Schäffer

Hans Wirsching: 2023er TriTerra Cuvée aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay

 

Ausgewogen

Staatlicher Hofkeller: 2023er Würzburger Stein Weißer Burgunder

Paul Weltner: 2023er Rödelseer Chardonnay

Hans Wirsching: 2023er Iphöfer Kronsberg Chardonnay Alte Reben

 

Weiter in Teil 2 mit Silvanern und Spätburgundern.

Neues aus dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann

Michelbacher Apostelgarten

Michelbacher Apostelgarten

Armin und Maria Heilmann bildeten über Jahre hinweg mit Ihrem Weingut zusammen mit dem Weingut Höfler die qualitative Spitze des vierten fränkischen Terroirs. In Alzenau-Michelbach – quasi in Sichtweite der Frankfurter Skyline – produzierten Sie hervorragende Weine von Gneis und Glimmerschiefer und betrieben eine bezaubernde Häckerwirtschaft.

Terroirbedingt war Riesling das eine Steckenpferd von Armin Heilmann, das andere waren seine hervorragenden Rotweine, mit denen er viele bedeutende Preise gewann.

Sicher altersbedingt suchte sich Armin Heilmann 2015 einen Partner, der das Heilmannsche Weingut bis 2018 mit dem Seinen verschmolz. Dieses Weingut firmiert heute unter „Weingut Brönner und Heilmann“. Heilmanns sind aber nicht mehr in der Geschäftsführung des neuen Weinguts tätig. Mit der Verschmelzung und ggf. auch aufgrund anderer Ziele des Partners veränderten sich die Weine aus den hervorragenden Michelbacher Weinlagen. Bis heute können sie uns nicht so überzeugen, wie die Weine der Familie Heilmann.

Umso schöner, dass Armin Heilmann wieder zwei kleine Weinprojekte realisiert und Riesling und Weißburgunder keltert. Da wir sowieso in der Nähe waren, haben wir die aktuellen Jahrgänge im örtlichen Edeka mitgenommen, um ein wenig in Michelbacher Erinnerungen zu schwelgen. Die Häcke der Heilmanns war nämlich definitiv eine der Initialzündungen für unsere Weinleidenschaft.

Neues dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann WeißburgunderHeilmannWein – 2021er Michelbacher Apostelgarten Weißburgunder „Maria“ trocken
Diesen Wein baut Armin Heilmann aus eigenem Weinberg bei einem befreundeten Hörsteiner Winzer aus:
Florale, rauchige, feuersteinige Nase mit nussigen Noten und etwas Orange.
Im Mund dicht und mineralisch, deutlich nussige Noten. Dazu eine zitronige, durchaus frische Säure und etwas roter Apfel. Wieder florale Noten, eher wärmerer Stil.
Mittellanger, leicht süßlicher Abgang.
Da werden durchaus Erinnerungen wach. Ein schöner, durchaus komplexer Wein, der sich aufgrund seiner Kraft und feinen Süße mehr als Essensbegleiter als als Solist anbietet.

 

 

 

Neues dem äußersten Nordwesten Frankens von Armin Heilmann RieslingDie Riesling-Apostel – 2020er Michelbacher Apostelgarten Riesling trocken
Die Riesling-Apostel sind eine Gruppe Weinfreunde, die 2019 zwei Parzellen im zentralen Teil des Michelbacher Apostelgarten kauften. Es handelt sich dabei um beste Parzellen, die ursprünglich die Lagenbezeichnung „Michelbacher Braut“ trugen.
Auch wenn es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, trägt Armin Heilmann als erfahrener Winzer sicher einen Hauptteil der Verantwortung zu Weinbergsarbeit und Ausbau. Die Abfüllung findet auch hier in Kooperation mit einem örtlichen Betrieb statt.
Kühle, schiefermineralische Nase mit etwas weißem Pfirsich und grünem Apfel. Dazu etwas kräutrig nach Zitronenmelisse und Waldmeister. Im Hintergrund minimal grünes Holz.
Im Mund kühl, wieder klar schiefermineralisch. Sehr saftig, dicht, aber nicht schwer. Die Frucht tendiert zu Mirabelle und Zitrone. Dazu ein feines Gerbstoffbittert und Kräuter.
Recht langer Abgang Es bleiben Kräuter und eine ganz feine Süße.

Das ist ein wirklich schöner Vertreter aus dem Michelbacher Apostelgarten. Die schöne Schiefermineralität und die Kräutrigkeit empfinde ich als typisch für diese Weinlage. Nicht unverdient kam der Wein auch beim fränkischen „Best of Gold“-Award auf den 3. Platz.

 

Weißburgunder: 12,50 EUR, PGV angemessen bis günstig, Riesling 18,00 EUR, PGV günstig

Schloss Proschwitz, Sachsen – Schloss Proschwitzer Weißburgunder GG 2015

Schloss Proschwitz, Sachsen - Schloss Proschwitzer Weißburgunder GG 2015Schloss Proschwitz gehört zu den wenigen großen Namen in Sachsen. Und man kann den Hut davor ziehen, was Prinz zur Lippe hier seit der Wende aufgebaut hat. Ganz in der bundesdeutschen (VDP-)Spitze ist man aber aus meiner Sicht bisher nicht angekommen. Das zeigt auch das Weißburgunder GG aus 2015:

Deutlich florale und nussige Nase mit feiner süßlicher gelber Frucht und mineralischen Noten.

Im Mund Quitte und Orangenschale, Haselnuss, schöne salzige Mineralität, etwas Tabak, Bittermandel und viel Karamell. Wieder florale Noten.

Recht langer, leicht süßlicher Abgang.

Ja, ein sehr guter Wein und insbesonderer guter Essensbegleiter. Dennoch könnte er etwas straffer und deutlich konturierter sein. Die Aromen verschwimmen doch etwas – vielleicht auch aufgrund einer geschmacklichen Süße.

Ca. 29,00 EUR / PGV teuer

Weingut Schloss Schönberg – die neue Bergstraße

Hinweis, da anders als üblich: Die Weine wurden mir vom Weingut unaufgefordert und kostenfrei ohne weitere Bedingungen zugesendet.

 

Die Corona-Zeit ist auch für den Weinfreund eine harte. Präsentationen und Verkostungen fallen reihenweise aus, es wird schwerer einen Überblick über die aktuellen Jahrgänge zu bekommen und neue Weingüter zu entdecken. Da war es für mich umso schöner, dass das Weingut Schloss Schönberg mir unaufgefordert ein kleines Corona-Verkostungspaket zugesendet hat.

Weingut Schloss Schönberg - Eine Bereicherung für die Bergstraße

Das Weingut Schloss Schönberg ist das Schwesterweingut von Griesel Sekt an der hessischen Bergstraße. Die Unternehmerfamilie Streit hat mit der Gründung der beiden Unternehmen den jungen Weinmachern Niko Brandner bei Griesel und Rabea Trautmann bei Schloss Schönberg die großartige Chance ermöglicht, etwas neues ohne Zwänge von Traditionen aufzubauen.

Neben den hessischen Staatsweingütern und dem Weingut Simon-Bürkle gab es dort vor dem Engagement der Streits nur noch zwei Winzergenossenschaften, die einen gewissen überregionalen Bekanntheitsgrad besitzen. Auf den ersten Blick erscheint das ungewöhnlich, denn das Terroir der Bergstraße ist prädestiniert für Qualitätsweinanbau. Steillagen an den westlichen Hängen des Odenwalds prägen das Bild. Granit, Diorit aber auch Buntsandstein und Kalk sind die Basis für die Böden.

Auf den zweiten Blick allerdings muss auf die Größe des Weinbaugebiets geschaut werden. Nur 451ha bestockte Weinbergsfläche auf einem großen Gebiet vom nordöstlichen Odenwald (Odenwälder Weininsel) bis an den Rheingraben. Dazu nur 65 Betriebe, die Wein produzieren und etwa 600 weitere Kleinbetriebe, die an die beiden starken Genossenschaften liefern. Zudem trinkt der Bergsträßer seinen Wein am liebsten selbst, wie man vor Ort erfährt. Viel Spielraum für Entwicklung und Neues bleibt da nicht. Insofern kann die Investition der Streits durchaus als wichtiger Impuls für die ganze Region angesehen werden.

Premierenjahrgang von Schloss Schönberg war 2016. Die Trauben werden naturnah und ohne Herbizideinsatz angebaut, die Weine in Holz oder Stahl spontan vergoren und eher sehr trocken ausgebaut.

Der Fokus liegt klar auf den Burgundersorten in Weiß und in Rot.

Auf bisherigen Verkostungen zum Beispiel auf dem Griesel-Sommerfest habe ich von Rabea Trautmann keine leisen, sondern ausdruckstarke, komplexe aber dennoch elegante Weine probiert. Weine, bei denen fein und gekonnt eingesetztes Holz eine wichtige Rolle spielt.

Im Paket waren 3 Weine, die die ersten drei Jahrgänge von Schloss Schönberg abdecken. Und um es vorweg zu nehmen: Alle drei waren schneller leer als ich gucken konnte.

 

Auerbacher Silvaner trocken 2018

Weingut Schloss Schönberg - Auerbacher SilvanerKühle Nase mit etwas kandierter Orange und rotem Apfel. Dazu florale Noten und eine kühle kräutrige Würze. Im Hintergrund ein Hauch Brioche.

Im Mund fokussiert und mit viel Zug. Süßer Apfel und Quitte. Viel Salz und eine kräutrige Würze. Dazu nussige Nuancen und eine feine Note nach geröstetem Holz. Frische, großartige Säure. Mittellanger Abgang.

Der Wein erinnert von der Aromatik her an sehr gute Silvaner aus Rheinhessen, ohne die Stilistik des Hauses zu verleugnen. Er braucht definitiv aktuell noch Zeit. Karaffieren schadet nicht. Mit Luft wird er nochmal feiner und eleganter. Ich würde ihn mindestens noch 2 Jahre weglegen.

Ca. 13,50 EUR / PGV günstig

Auerbacher Weißburgunder trocken 2017

Weingut Schloss Schönberg - Auerbacher WeißburgunderDer Wein ist in der Nase noch etwas von Spontangärung geprägt, ist kühl, tiefwürzig und zeigt grünkräutrige Nuancen sowie nussige Noten.

Im Mund ist er extrem saftig. Dazu in bestem Sinne ganz leicht cremig. Wieder deutlich nussige Noten und eine zitronige Säurefrische. Kräuter, Waldmeister, kalkige Mineralität. Schöner würziger und mittellanger Abgang.

Auch hier ist der Wein wieder focussiert und elegant, geht zum Essen gut und solo genauso. Macht keinen Deut satt. Eine tolle, reduzierte Interpretation von Weißburgunder. Auch hier schadet es nicht, sich etwas Zeit zu nehmen.

Ca. 13,50 EUR / PGV günstig

 

Auerbacher Fürstenlager Grauburgunder 2016

Weingut Schloss Schönberg - Fürstenlager Grauburgunder„Ihh, Grauburgunder, bestimmt weich, warm und undefiniert!“ QUATSCH!!

In der kühlen Nase eine ganze Aromenschar: Gebrannte, karamellisierte Haselnüsse, Kräuter, Zitronenschale, tabakige Noten, etwas Vanille und Waldmeister.

Im Mund dicht und kühl. Viel kalkige Mineralität, Orange und eine tolle frische, saftige und reife Säure. Feine Kräuterwürze. Grüne Nüsse. Eine Prise Salz. Feines Tanningerüst. Etwas schön eingebundenes, fein geröstetes Holz.

Langer und schöner Abgang. Die schöne, nussige Würze bleibt.

Den Wein hatte ich schon einmal auf einem Sommerfest im Hause Griesel gekostet. Jung ist das vom Ausbaustil her schon fordernd und nicht ganz so einfach einzuschätzen. Jetzt mit etwas erster Reife passt alles viel besser zusammen und dennoch steht der Wein erst am Anfang der „Genussreife“. Auch wenn ich kein Freund von Superlativen bin, muss ich hier definitiv sagen, dass ich noch keinen besseren Grauburgunder getrunken habe. Der Wein spielt hier definitiv in der deutschen Spitze mit und zeigt eindrucksvoll, wieviel Komplexität und Trinkfluss man mit der Sorte generieren kann.

Ca. 21,00 EUR / PGV angemessen bis günstig