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Lesehof Stagard, Kremstal, Österreich – Grüner Veltliner Ried Kreuzberg trocken 2017

Lesehof Stagard, Kremstal, Österreich - Grüner Veltliner Ried Kreuzberg trocken 2017
Lesehof Stagård, Kremstal, Österreich - Grüner Veltliner Ried Kreuzberg trocken 2017 2
Mit Urban vor seinem „Wein.Cabinet“ 2019

Schon drei Jahre ist es mittlerweile her, dass wir Urban T. Stagård in Krems besuchten. Wir verbrachten einen wunderbar informativen Nachmittag mit großartigen Weinen mit dem symphatischen Winzer. Mit Vorbildern aus Deutschland versucht er, insbesondere mit seinen Rieslingen neue Wege zu gehen und Dinge anders zu machen als viele seiner Kollegen rund um Krems und in der Wachau. Feine Weine entstehen da, mit moderatem Alkohol, großer Eleganz und Tiefe. Beim Grünen Veltliner macht der Rieslingflüsterer aber ebenfalls einen tollen Job und haucht der Sorte Frische ein, wie es kaum sonst ein Winzer schafft.

Tiefmineralische Nase, Zitrusnoten, etwas nussige Noten.

Im Mund fein und elegant. Zurückhaltende Frucht nach Birne und Zitrusschalen. Florale Noten. Intensive, mineralische Würze und eine feine aber saftige Säure. Schöne Textur durch ein enorm feines Gerbstoffgerüst.

Mittellanger, glasklarer und schöner Abgang.

So völlig ohne Schwere macht mit Grüner Veltliner viel Spaß.

Ca. 17,90 EUR / PGV angemessen

Johannes Zillinger, Weinviertel, Österreich – Grüner Veltliner „Numen“ trocken 2013

Johannes Zillinger, Weinviertel, Österreich - Grüner Veltliner "Numen" trocken 2013Vor einiger Zeit brauchte ich einen bestimmten Wein für eine Verkostung. Dieser war online zu bekommen, aber eine einzelne Flasche zu bestellen, macht ja nun keinen Sinn. Also suchte ich mir weitere, für mich spannend erscheinende Weine zusammen, um ein Sixpack voll zu bekommen. Von der Numen-Reihe von Johannes Zillinger hatte ich bereits im Vorfeld gehört. Naturnaher Wein hoher Qualität hatte ich im Hinterkopf. Also ging eine Flasche davon in den virtuellen Einkaufswagen.

Auf der Homepage des Weinguts sind gar nicht so viele Informationen zu den Weinen zu finden. Das Weingut ist Demeter zertifiziert und man arbeitet entsprechend minimalinvasiv. Die Weine der Numen-Reihe wurden interzellulär angegoren, d.h. die Beeren werden nicht angequetscht, sondern ganz belassen und starten so die Gärung im Inneren der Traube. Hierbei kann entweder entweichendes CO2 der Gärung die Trauben vor anderen, nicht gewünschten Abbauprozessen schützen, oder der Winzer fügt CO2 hinzu, um eine saubere Gärung zu ermöglichen. Wie das bei Johannes Zillinger abläuft, konnte ich nicht herausfinden. Der Wein erhält nach sanfter Abpressung dann ein 16 monatiges Fasslager. In diesem Fall lagert er wohl in Tonamphoren, bevor er abgefüllt wird.

Heraus kommt ein sehr spannender Wein, der an Grünen Veltliner nicht mehr wirklich erinnert:

Intensive Nase nach Feuerstein. Dazu Rosinen, Karamell, florale Noten und Kräuter.
Im Mund dicht und elegant mit schöner, saftiger und frischer Säure. Tabakige Noten, etwas roter Apfel, dunkle Würze und grüne Kräuter wie z.B. Thymian und Lorbeer. Dazu etwas hefige und nach dem Öffnen auch rosinig, oxidative Töne, die sich mit Luft zunehmend verlieren. Am Gaumen herb, aber nicht bitter. Langer, leicht antrocknender Abgang.

Ein Glas und etwas Luft braucht der Wein, um sich zu entfalten und Trinker und Wein an einander zu gewöhnen. Dann geht der Spaß los im Mund.Überraschend bleiben die schöne, superfrische Säure und die Eleganz, die ein naturnaher Wein mit Maischekontakt nicht immer ausstrahlt. Auch habe ich aus der Tonamphore noch keinen so feinen und „sauberen“ Wein getrunken. Sehr schön.

 

Ca. 24,50 EUR / PGV angemessen

Hammel & Cie., Pfalz – Kirchheimer Scheurebe trocken 2016 oder: Warum es schwierig ist, eine Verkostungsnotiz eines „Hammelweins“ zu schreiben 

Keller, Keller, Prüm, Hammel und wieder von vorn – das ist in etwa die Reihenfolge, in der Weinbilder in manchen Social Media Gruppen gepostet werden – gefühlt zumindest. Die Kommentare dazu Social Media üblich eher kurz. Bei den ersten Gütern eher feierlich und ehrfürchtig, beim Hammel dann eher einen idealen Trinkfluss beschreibend – schon wieder leer!

Das muss ein Wunderwein sein, den Christoph Hammel in Kirchheim in der Nordpfalz produziert, sofern er nicht Facebookkommentare im Romanumfang – Social Media unüblich –  in sein Smartphone tippt.

Kaffee gibt’s immer bei Christoph Hammel

Ende April nutzte ich die modernen Medien dann für eine Terminabsprache, um mir das Ganze mal vor Ort kurz anzuschauen. Aus kurz wurde eine ausführliche, fast zweistündige und spannende Betriebsführung. Garniert mit allerlei äußerst kurzweilig von Christoph erzählten Geschichten aus Gegenwart und Vergangenheit des Traditionsweinguts.

Klar war danach, dass Christoph das Weingut mit viel Herzblut führt und er einen genauen Plan hat. Insgesamt für sein Weingut und für jeden einzelnen seiner Weine. Seine Weine sind so, weil sie so sein sollen. Punkt.

Eigentlich wäre jetzt probieren angesagt gewesen. Daraus wurde aber nichts. Zum einen, weil die avisierte „kleine“ Kellerführung zu einer großen mutierte und die Zeit knapp war und zum anderen, weil Christoph es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, jemandem Hammelwein auszuschenken, der zu diesem Zeitpunkt noch Mitglied einer Facebookgruppe mit dem Namen „Hammellos glücklich“ war. – Ein Ehrenmann!

So gab es Kaffee und ein individuell zusammengestelltes Weinpaket für zuhause.

Das ist das kleine Hammelpaket nach der kleinen Kellerführung

 

Nun nach einigen Wochen, nach meinem Austritt aus „Hammellos glücklich“ und einigen Hammelweinen ist mir so Einiges klar:

1. Frucht ist trumpf

2. Es geht auch ohne quietschen

3. Die Weine zischen wie Appelsaft und zwar so schnell, dass sie leer sind, bevor man auf die Idee kommt, eine Verkostungsnotiz zu schreiben.

Bisher haben, neben der Scheurebe, der 2015er Sauvignon Blanc Halbstück, der 2015er Riesling Gegengerade, der 2015er Grüner Veltliner Großes Holz und der 2016er Hammelpunk meinen Keller wieder verlassen und wurden verkostungsnotizenlos genossen. Und das mit großem Spaß.

Während der Kellerführung hatte Christoph Hammel das Weinmachen mit dem Kochen verglichen und gesagt, dass er für jede Fuhre Trauben im Keller bereits einen Plan hat, wie der Wein hieraus schmecken soll und er dann im Rahmen der Möglichkeiten ein Rezept zusammenstellt, um das Ziel zu erreichen. Mit meiner bisherigen Hammelerfahrung kann ich diese Aussage nachvollziehen. Jeder Wein steht für sich. Keine Frage, warum der Winzer das nun so gemacht hat, sondern Wissen, dass er es so gemacht hat, weil es genau so sehr gut schmeckt. Und alle Weine haben sehr gut geschmeckt. Die Rezepte jeweils fein abgestimmt, immer steht die Frucht im Vordergrund, aber keine künstliche Quietschfrucht. Nie plakativ, nie kompliziert. Nie erklärungsbedürftig und immer rebsortentypisch. Kein Chichi. Trinkfluss ohne Ende.

Christophs Weine sind ein Maßstab für Easy-Drinking und jeden Euro (es sind nicht viele Euros) mehr als wert. Hut ab!

Achja da war ja noch was: hier die Verkostungsnotiz zur Scheurebe – die übrigens schon wieder leer ist.

Würzige Nase mit schwarzer Johannisbeere, Stachelbeere, etwas Apfel und gelben Früchten. Florale Noten. Klar sortentypisch, kräftig aber nicht plakativ oder künstlich.

Im Mund sehr frisch durch schöne Säure und leichte Kohlensäure. Beschäftigt die ganze Zunge. Aromatisch wieder schwarze Johannisbeere, Erdbeere, Pfirsich, begleitet von einer zarten kräutrigen Würzigkeit. Die Frucht im Vordergrund – wieder null plakativ. Das gilt auch für die ganz feine Süße. Sie stützt die Frucht, bleibt aber zart. Der Wein schmeckt trocken und bleibt auch im Abgang wunderbar frisch.

Ca. 6,90 EUR / PGV angemessen bis günstig

Gerhard Markowitsch, Carnuntum, Österreich – Grüner Veltliner Alte Reben trocken 2013

Gerhard Markowitsch, Carnuntum, Österreich – Grüner Veltliner Alte Reben trocken 2013Mal wieder in Österreich heute – zumindest im Glas. Grüner Veltliner. Die Rebsorte, die mich letztes Jahr vor Ort in der Wachau und im Weinviertel nicht vollends überzeugen konnte, aber schon vor kurzem einmal für eine sehr positive Überraschung gut war.
Den Wein vom Weingut Markowitsch konnte ich vor kurzem zu einem sehr günstigen Preis erwerben. Grund genug für eine weitere Chance für den grünen Veltliner:

Ein warmer und dichter Geruch strömt aus dem Glas. Reife Aprikose, zart pflanzliche Noten, gewürziges Gerüst.
Im Mund im Vordergrund ein festes mineralisches Gerüst, fast salzig. Auch hier ein Hauch reifer Wachauer Aprikosen, etwas weißer Pfeffer, sehr weich mit einem schönen Schmelz. Angenehme aber spürbare Säure. Insgesamt viel Kraft, aber nicht ermüdend.

Ich muss mehr grüne Veltliner probieren.

Ca. 10,50 EUR / PGV angemessen

Wieninger, Wien, Österreich – Grüner Veltliner Nussberg trocken 2013

Wieninger, Wien, Österreich – Grüner Veltliner Nussberg trocken 2013Heute mal wieder Österreich. Ein grüner Veltliner – quasi Silvaner Österreichs aus meiner Sicht. Warum? Weil er viel kann aber häufig wenig draus gemacht wird. Im Weinviertel hatten wir letztes Jahr jedenfalls einige eher dünne und saure Weinchen Hauptsache ein zartes „Pfefferl“ war zu spüren. Das hat dann wohl schon gereicht. Dieser ist dann hoffentlich anders. Immerhin die Empfehlung eines netten Weinhändlers.

Die Nase ist eher verhalten: Pfirsich, Birne und Banane und gleich mal erstaunlich warm für grünen Veltliner.

Wärme und Dichte auch im Mund. Ein toller Schmelz, starkes mineralisches Gerüst, nur leichte Fruchtnoten (Zitrus) und kräftige Würze.
Deutliches Pfefferl und Langer Abgang. Wunderbar.

Ca. 11,00 EUR / PGV günstig

Josef Zens, Weinviertel, Österreich – Ried Hundschupfen Grüner Veltliner Reserve trocken 2012

Josef Zens, Weinviertel, Österreich – Ried Hundschupfen Grüner Veltliner Reserve trocken 2012Heute nun Wein Nummer zwei aus dem schönen Mailberg. Der erste war beeindruckend.
Der zweite auch?

Ja, eindeutig. Diesmal ein Grüner Veltliner aus dem Holzfass.

Der Wein präsentiert sich etwas trüb im Glas.

In der Nase dezent und zurückhaltend: Pfirsich, Quitte und ein Hauch Vanille. Keine direkte Holzigkeit.

Am Gaumen dann, Birne und Zitrusfrüchte, eine ganz zarte Holznote und etwas Waldmeister. Dazu eine leicht salzige Mineralität und eine gute unterstützende Säure. Im Abgang leichte Süße und ein sehr zartes Pfefferl – lang. Wahnsinnig elegant und rund.

Preis habe ich nicht mehr im Kopf / PGV dennoch definitiv günstig