Die Trauben für den Wein kommen aus der Lage Untertürkheimer Gips von ca. 30 Jahren Reben. Im Keller reift der Wein 18 Monate im Betonei. Sauvigon Blanc ist in keinem Anbaugebiet in Deutschland vom VDP als Großes Gewächs zugelassen, dennoch positioniert Aldinger den Wein preislich bei seinen großen Gewächsen. Kann nur heißen: Aldinger möchte einen der besten Sauvignon Blancs Deutschlands produzieren:
Grünkräutrige Nase, Stachelbeere, reife, gelbe Früchte, Tabak und Rauch.
Im Mund dicht und fein. Rote Beeren in der herben Früchteteeversion, Zitronenschale aber auch ein wenig gelbe Früchte. Dazu Rauch, grüne Kräuter, Haselnüsse, ein Hauch Kandis, ganz feines Gerbstoffgerüst und reife schöne Säure.
Langer Abgang, die herbe Frucht bleibt.
Wow, das ist komplex und tief. Ein extrem starker Vertreter der Rebsorte, der definitiv ganz oben mitspielt. Verglichen mit den großen Sauvignons der österreichischen Steiermark zeigt der Ovum mehr rauchige und nussige Aromen. Das macht ihn nochmal komplexer als viele steirische Vertreter, aber nicht unbedingt eleganter.
Das Weingut Wageck in Bissersheim besuche ich regelmäßig. Es macht Jahr für Jahr Spaß zu sehen, wie gut die roten und weißen Burgundersorten dort ausgebaut werden. Insofern wandert auch fast jedes Mal etwas in meinen Keller. Doch Thomas Pfaffmann kann nicht nur Burgunder. Bei diesem Sauvignon war ich bei der Verkostung im Weingut im Kontext des warmen Jahres echt überrascht und hätte eine lautere Aromatik vermutet. Weit gefehlt, hier haben wir ein elegantes Exemplar:
Etwas verhaltene karamellig süßliche Nase mit Kräutern und etwas Schießpulver sowie Pfeffer.
Im Mund dicht und weich, kein Fruchtkorb, sondern reife, rote Äpfel und etwas rote Beeren. Schöne, feine Säure. Kräuter. Viel steinige Mineralität. Etwas Rauch. Etwas Gerbstoff und grünpflanzliche Aromen wie von grünem Tee.
Recht langer schöner Abgang. Die Mineralität bleibt.
Sehr schön, und viel feiner als die 14,5% Alkohol vermuten lassen.
Kaltblüter Willi macht einen guten Job bei Dr. Heger – er ist zwar nicht verantwortlicher Önologe, hilft aber bei der Bodenbearbeitung in den Parzellen mit über 40 Jahre alten Silvanerreben, was gegenüber der Arbeit mit Traktoren weniger Bodenverdichtung bedeutet.
Das Team von Joachim Heger macht bei dem Wein aber nicht nur bei der Bodenverarbeitung eine gute Figur, denn „Pferd Willi“ ist ganz sicher einer der besten Silvaner Badens. Der Wein wird im Keller spontan vergoren, im Holzfass ausgebaut und durchläuft den biologischen Säureabbau. Heraus kommt ein kraftvoller, tiefmineralischer Wein:
Feine, grünkräutrige Nase mit etwas Tabak, grüner Banane, reifer Birne und buttrigen Noten.
Im Mund dicht, feine Textur, enorme Mineralität nach nassem Stein und Kalk. Dazu Salz, Tabak, Pfeffer, viel Kräuter, etwas grünes Holz und wieder Butter. Die Frucht glänzt im aktuellen Reifestadium mit Abwesenheit. Der Wein hat eine feine Säure. Restzucker ist keiner zu schmecken, der Wein scheint kompromisslos trocken. Etwas gut eingebundene alkoholische Wärme unterstützt den kraftvollen Eindruck. Langer, klarer Abgang, die Mineralität bleibt.
Ein hervorragender Silvaner, definitiv einer der besten Badens, die tiefe Mineralität ohne viel Tannine zeichnet den Wein aus. 2018 ist superkomplex, hat aber jahrgangsbedingt eben auch viel Kraft. Daher ein optimaler Essensbegleiter. 2017 war minimal weniger komplex, aber auch ein bisschen kühler und daher multifunkionaler. Jedes Jahr eine Wonne!
Wachter-Wiesler ist mein Lieblingsweingut am Eisenberg, am südöstlichen Ende von Österreich. Natürlich steht auch bei diesem Weingut der Blaufränkisch im Vordergrund, aber es gibt auch Welschriesling und Traminer.
Der Rotedel ist ein maischevergorener (=Orange) Traminer, den Christoph Wachter-Wiesler nach einer alten Bezeichnung der Rebsorte benannt hat.
Nach meiner Erfahrung eignet sich Traminer hervorragend für einen Orangewein. Die tendenziell niedrige Säure und die starke Aromatik verbindet sich oft gut mit den Tanninen, die aufgrund der Maischegärung in den Wein übergehen:
Gewürzige Nase mit nussigen und hefige Noten und etwas süßem Apfel.
Im Mund dicht, feines und nur minimal bitteres Tannin, kalkige Mineralität. Dazu eine erstaunlich klare Frucht mit Apfel, Quitte und roten Beeren. Florale Noten, Nuss, Salbei und Pfeffer.
Recht langer, klarer schöner Abgang, die Mineralität und die Würze bleiben.
Das macht viel Spaß und bietet keinen Trinkwiederstand. Hervorragend, wie fein alles bleibt und nicht ins mostig rustikale driftet.
ca. 19,50 EUR / PGV angemessen
https://wegezumwein.de/wp-content/uploads/20220320_112943-rotated-scaled.jpg25601920Andreashttps://wegezumwein.de/wp-content/uploads/wzw-Logo-Transparent.pngAndreas2025-03-14 18:04:002025-01-14 11:24:24Wachter-Wiesler, Südburgenland, Österreich – Rotedel trocken 2018
Am 8.11.2024 trafen wir uns in privatem Rahmen zur Verkostung einer Vertikale des Escherndorf am Lumpen 1655 Silvaner GG vom Weingut Egon Schäffer.
Meine Vertikalverkostungserfahrungen halten sich in engen Grenzen. Am denkwürdigsten bisher war für mich sicher die Verkostung von 10 Jahrgängen Frühburgunder des Weinguts Josef Walter. Die Voraussetzungen waren damals aber andere. Das Ganze fand mit dem Winzer zusammen in einem Restaurant zu passendem Essen statt.
Größere private Proben waren bisher eher themenbezogene Blindproben, die eigentlich immer dadurch gekennzeichnet waren, die Vielfalt einer Region, Rebsorte oder eines Jahrgangs zu zeigen, wodurch sich aufgrund der Unterschiede bei jedem Wein quasi automatisch eine kontroverse Diskussion ergab.
Mit einer derart großen aromatischen Spannbreite kann bei einer Vertikale des besten Weins eines Weinguts nicht gerechnet werden. Natürlich gibt es Unterschiede in der Reife und im Jahrgang. Wobei die Jahrgangsunterschiede je nach Hausstil des Winzers mal mehr und mal weniger stark hervortreten. Daher war ich sehr gespannt, ob wir den Spannungsbogen über den Abend halten und genug Diskussionspotential haben würden.
Das Silvaner GG von Egon Schäffer hatte ich in den letzten 10 Jahren bei allerlei Gelegenheiten so gut wie immer jung verkosten dürfen. Daher erschien mir der Wein besonders gut für eine Vertikale geeignet. Die Hausstilistik ist zurückhaltend neutral. Reduktivität und auf die Spitze getriebene Aromatik gibt es nicht, es herrscht weder Schlankheitswahn noch Fettsucht. Und natürlich gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die Weine mit allerlei Kellertechnik jedes Jahr zur Ähnlichkeit getrimmt werden. Und ja, es waren genug Unterschiede zu erkennen, die den Abend spannend und kurzweilig machten.
Das Weingut
Mit etwa 7ha ist das Weingut Schäffer das kleinste der fränkischen VDP-Weingüter. Die Familie ist seit mindestens 1524 in Escherndorf beheimatet und vermarktet bereits in der vierten Generation ihren Wein selbst und in der Flasche. Der Betriebsübergang von Egon Schäffer auf Peter und Sophie fand 2022 statt, wobei Peter schon viele Jahre zusammen mit seinem Vater für die Weinproduktion verantwortlich war.
Die Lage
Blick auf den Escherndorfer Lump und Escherndorf von der Vogelsburg
Die Escherndorfer Weinberge liegen direkt in der Volkacher Mainschleife. Der Hang ist steil und wie ein Parabolspiegel nach Süd und Ost ausgerichtet. Im Tal direkt am Fluss liegt das Dorf Escherndorf und direkt auf der gegenüberliegenden Mainseite das riesige Rebenmeer Nordheims.
Die Weinlage „Escherndorf am Lumpen 1655“ ist streng genommen keine Lage, sondern weinrechtlich eine Phantasiebezeichnung. Der Name ist eine patentrechtlich registrierte Marke der Escherndorfer VDP-Winzer. Die Winzer haben sich verpflichtet unter der Marke nur Weine aus klar bestimmten Parzellen der Weinlage Escherndorfer Lump zu vermarkten. Welche das sind, kann auf der VDP-Homepage unter Weinberg.Online nachgesehen werden. Wesentlicher Hintergrund ist, dass die VDP-Regularien einem Weingut lediglich einen trockenen Wein aus einer Lage ermöglichen. Wenn der Winzer also nur Reben im Escherndorfer Lump hat, darf er genau einen Wein pro Rebsorte als Escherndorfer Lump EL oder GG vermarkten. Die restliche Menge darf nur Orts- oder Gutswein werden.
Der Lump hat 45ha und einige der örtlichen VDP-Weingüter haben den Großteil ihrer Flächen in genau diesem Weinberg, der bei der Größe natürlich Parzellen besitzt, die hinsichtlich Bodenstruktur und Mikroklima regelmäßig bessere Weine liefern als andere Parzellen. Hangfuß oder obere Hangkante, Süd-, Südost- oder Ostausrichtung sind da sicher die augenfälligsten Unterschiede aber bei weitem nicht die einzigen.
Den Winzern sind diese Unterschiede seit Jahrhunderten bekannt. Weinbau ist an der Mainschleife rund um Escherndorf schon seit dem Jahr 906 nachgewiesen, wird aber wahrscheinlich noch länger betrieben. Der Name Lump wurde 1655 erstmals erwähnt. 1851 betrug die Größe der Lage Lump aber nur 0,6ha und es gab mehrere Dutzend weitere Parzellenbezeichnungen im Escherndorfer Hang.
1914 konsolidierte man erstmals die Escherndorfer Lagen auf die Namen Lump, Berg, Fürstenberg, Kirchberg, Eulengrube und Hengstberg. 1971 wurde die Vielfalt weiter eingestampft und die Fläche auf Lump (45ha), Berg (32ha) und Fürstenberg (85ha) aufgeteilt. Ziel war die einfachere Vermarktung unter Inkaufnahme von Gleichmacherei.
So dient die Markeneintragung des „1655“ nicht nur der Portfoliooptimierung in den VDP-Regularien (aus einer Lage werden zwei), sondern korrigiert auch Probleme des Weingesetzes von 1971. Andere Regionen und Winzer haben andere Möglichkeiten hierfür genutzt. Mehr darüber könnt ihr hier nachlesen.
Schäffers GG-Parzellen liegen übrigens im Wesentlichen im Bereich der alten Eulengrube. Der Weinbergsname Eulengrube wurde historisch bereits vor dem Namen Lump nachgewiesen.
Die Weinbereitung
Die Geschichte ist schnell erzählt. Schäffers Silvaner GG kommen aus mindestens 30 Jahre alten Reben, werden handgelesen und spontan in kleinem und großem Holz und Stahl vergoren. Üblicherweise liegen sie lang auf der Hefe (bis zu 2 Jahre). Niedrige Restzuckerwerte werden angestrebt. Peter Schäffer erhöht in den letzten Jahren den Stahlanteil und legt in Zeiten des Klimawandels mehr Augenmerk auf moderatere Alkoholwerte.
Die Probe
Wir haben immer zwei Weine pro Flight parallel probiert. Meine Notizen entstanden während des Abends und wurden bei einer Nachverkostung am Folgetag nochmal verfeinert.
Kräutrige Nase mit etwas Bratapfel. Im Mund wenig Frucht, kräutrig, mit viel kalkiger Mineralität und einer recht kräftigen Säure. Etwas Holzwürze. Langer schöner Abgang. Noch sehr jung, am zweiten Tag deutlich runder und feiner. Muss reifen.
Ruhige Nase mit Apfel und Liebstöckel. Im Mund Trockenobst, viel jodige Mineralität, ein Hauch grünes Gemüse, gute Säure, die erstaunlicher Weise besser eingebunden scheint als beim 2022er. Langer schöner Abgang.
2020 war ein Frostjahr in Franken. Daher gab es kein großes Gewächs im Hause Schäffer. Ich hatte für meine Vertikale daher die „normale“ erste Lage vorgesehen. Sophie empfahl mir dann aber, statt dem GG den „Fifty-Five“ anzustellen, der in diesem Jahr die Spitze des Silvanersortiments bildete.
Der Name Fifty-Five entstand zu Ehren von Vater Egons 55. Geburtstag. Der Wein dazu stammt aus 55 Jahre alten Reben und wurde 18 Monate auf der Hefe in kleinem Holzfass ausgebaut.
In der Nase viel Quitte, Zitrusfrüchte und Kräuter. Feine helle Frucht. Feiner Gerbstoffgripp aus gutem Holzeinsatz, etwas Sellerie, salzige Mineralität, langer Abgang.
Um es Vorweg zu nehmen. Am Tisch war das der Favorit des Abends. Daher haben wir zum Schluss noch die „normale“ erste Lage verkostet:
Nase mit viel Quitte und etwas Kräutern. Im Mund weicher und etwas eleganter als der Fifty-Five. Feine Frucht, schöne Säure, verhältnismaßig dunkle Würze, salzige Mineralität, recht langer Abgang mit weißem Pfeffer.
In der Nase zu Beginn Sherrynoten und überreife Früchte. Mit Luft und bei der Nachverkostung dann aber deutlich weniger Sherry (hatte ich so noch nie), mehr Brioche, Mandel und Sellerie.
Im Mund deutlich feiner als in der Nase mit überreifem Obst, wieder hefig briochigen Noten, erdiger Würze und kalkiger Mineralität.
Sicher der am kontroversesten diskutierte Wein der Reihe:
„Komplexe Aromatik“
„Gut zum Essen“
„Drüber“
„Wie Schaumwein ohne Blubber“
Ich vermute, dass die Flasche nicht ganz okay war und er damit ein wenig aus der Wertung zu nehmen ist.
In der Nase Apfelkompott und Liebstöckel. Im Mund erstaunlich klare, helle Frucht mit einer erdigen, etwas nussigen Würze. Schöne, bestens eingebundene Säure. Kalkige Mineralität und langer, aber etwas warmer Abgang.
Für mich eine große Überraschung im Kontext von 2018. Natürlich lässt sich das warme Jahr nicht verstecken, aber dennoch geht der Wein hier nicht in zu sehr in die Breite.
Deutlich wurzelgemüsige Nase mit Liebstöckel und anderen frischen, grünen Kräutern.
Im Mund sehr schlank, in der Reihe fast karg, wenig Frucht, frisch mit schöner Säure, etwas Gemüse und Kräuter, etwas kalkige Mineralität, weißer Pfeffer, insgesamt aber nicht sehr komplex. Mittellanger Abgang.
Recht süße Nase mit reifen Quitten, Mandarine und Mandeln.
Im Mund kraftvoll und rund mit feiner Frucht, Bienenwachs und floralen Noten. Kalkige Mineralität und weißer Pfeffer. Langer pfeffriger Abgang. Kein Eleganzmonster, aber im Kontext von Jahr und Alkoholgehalt auch nicht zu fett, schön gereift. Toller Wein!
Aus 2014 und 2013 hatten wir leider nur die erste Lage in der Verkostung.
Kühle, apfelige Nase mit erdigen Noten.
Im Mund zurückhaltende, kühle Frucht, sehr frische, zitrige Säure, steinige Mineralität, etwas Bienenwachs, mittellanger Abgang. Nicht sehr komplex aber schön gereift.
In der Nase viel Dosenchampignon, Wurzelgemüse und Liebstöckel.
Im Mund würzig, kräutrig, wieder Pilze, diesmal mit dem Waldboden ihrer natürlichen Umgebung, wenig Frucht. Durchaus komplexe Aromatik, mittellanger, leicht antrocknender Abgang. Das pilzige, unterholzige ist sicher auf das Alter zurückzuführen. Dennoch beachtlich, denn es handelt sich bei dem 2014er und dem 2013er schließlich um Weine, die damals nur etwa 13 EUR pro Flasche gekostet haben.
Gewachsen in den Parzellen entlang des Aufgangs zur Vogelsburg. Ausbau mit 18-monatigem Hefelager im Stahltank.
Die Weine waren so schnell getrunken, dass es hier keine Beschreibung gibt. Die Geschwindigkeit lässt aber den Rückschluss zu, dass sie hervorragend waren und den GG in nichts nachstanden.
Den Abschluss bildete eine 1993er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Trockenbeerenauslese vom Weingut Juliusspital, die ein Gast mitgebracht hatte. Aus dem Kühlschrank holten wir dazu etwas Trüffelleberwurst. Ein tolles Finale!
Das Fazit
Wow, das war ein spannender Abend.
Der zurückhaltende, ruhige Stil des Hauses zog sich durch den Abend. Die Qualität war durchweg sehr gut (2019 wegen des voraussichtlichen Flaschenfehlers nicht vollends beurteilbar). Und Schäffers Weine reifen hervorragend! Besonders überraschend waren für mich die Silvaner aus den warmen Jahren 2015 und 2018, die zwar kraftvoll waren, aber im Vergleich mit den Weinen anderer Produzenten hinsichtlich Breite und Fülle nicht aus dem Rahmen fielen.
Oben hatte ich schon geschrieben, dass uns der 2020er Fifty-Five – ausgerechnet kein GG – am besten gefallen hat. Für mich ist das nicht auf ein Mehr an Komplexität oder Punkten zurückzuführen, sondern eher auf die innere Spannung des Weins und des schönen Holzeinsatzes. Auch der 2015er S7lvaner und der 2021er Stairway to heaven waren etwas lauter als der Rest und zogen uns so schneller in ihren Bann, als die ruhigeren, nicht weniger komplexen GG.
Insgesamt waren 2020-2022 ziemlich stark, insofern freue ich mich sehr auch auf die nächsten Jahrgänge in der alleinigen Verantwortung von Peter und Sophie.
Für die ganz oben beschriebenen Themenverkostungen sind aus meiner Sicht Analysewerte nicht mehrwertstiftend, hier bei der Vertikale hatte ich eine Liste der Alkohol-, Säure- und Restzuckerwerte zusammengestellt.
Gerade hinsichtlich Säure haben wir viel diskutiert. Als Fazit lässt sich festhalten, dass der Säurewert dem Verkoster nicht wirklich dabei hilft, einen Säureeindruck vorab einzuschätzen. Bis auf zwei Ausreißer lag der Säurewert der Weine immer zwischen 6,5 und 7,0 g/l. Dennoch war der Säureeindruck oft deutlich unterschiedlich.
Schaut man auf die Hintergründe, ist das auch nicht wirklich verwunderlich, zum einen, da der geschmackliche Säureeindruck auch durch vorhandenen Restzucker (der hat uns bei der geringen Schwankungsbreite hier auch nicht geholfen) und von Gerbstoffen bzw. Extrakt gepuffert wird und es sich zum anderen beim Säurewert um die Angabe der „Gesamtsäure“ handelt, die sich wiederum aus unterschiedlichen Anteilen Weinsäure, Apfelsäure und Zitronensäure zusammensetzt, die jeweils einen anderen Säureeindruck auf der Verkosterzunge hinterlassen.
Meine kleine persönliche Challenge war die Frage, in wie weit man den Escherndorfer Lump in den Weinen wiedererkennt. Das war sicher auch ein Grund, warum ich Schäffers ruhigen Stil als gut geeignet für eine solche Verkostung bewertete. Es fiel mir allerdings schwer, aus dem Gedächtnis heraus, Vergleiche mit den vielen bereits getrunkenen Lumpen zu ziehen und dies zu anderen Weinbergen abzugrenzen. Aber immerhin habe ich mit den Kostnotizen hier jetzt eine solide Basis, um künftig offensiver zu vergleichen.
Eigentlich ruft das nach der einen oder anderen Lump-Horizontale!
https://wegezumwein.de/wp-content/uploads/FD0A7038.jpg10671600Andreashttps://wegezumwein.de/wp-content/uploads/wzw-Logo-Transparent.pngAndreas2024-11-12 18:05:562025-01-18 16:27:09Die große Schäffer – Escherndorf am Lumpen 1655 Silvaner GG Vertikale 2013-2022
Am Wochenende gab es vegetarische Linsen-Kürbis-Lasagne. Hierbei werden nicht Béchamel- und Hackfleischsoße zwischen Pastaplatten geschichtet, sondern geraspelter Kürbis mit Honig und Sahne abwechselnd mit einer Belugalinsenfüllung mit Wurzelgemüse – mit Balsamico abgeschmeckt. Das Ganze wird mit reichlich Bergkäse überbacken.
Das Gericht wird durch Käse und Sahne gehaltvoll und schmeckt mit Balsamico und Honig leicht süßlich. Der Käse gibt ein bisschen Wohlfühlumami dazu. Viel lecker eben. Und eine kleine Herausforderung für einen passenden Wein.
Der Gesuchte braucht etwas Kraft und Aroma, sollte aber auch nicht zu schwer sein, schwer ist das Gericht ja selbst schon.
Der Delinquent – natürlich mit hausgemachter Pasta
Zuerst dachte ich an einen leichteren Rotwein. Mein Keller würde Spätburgunder hergeben. Ein sehr hochwertiger wäre ein bisschen zu viel des Guten, die breiten, fettigen Aromen der Lasagne würden die feinen Spätburgunderaromen überdecken. Ein nicht zu fetter Basis-Spätburgunder wäre eine Lösung gewesen, aber irgendwie grad nicht im Keller. Gleiches gilt für einen guten Portugieser. Auch da eher Fehlanzeige. Sangiovese oder Blaufränkisch wäre noch da gewesen. Da war ich mir bezgl. Frucht und Säure nicht so sicher, ob das gut harmonieren würde.
Also dann doch Richtung weiß. Riesling trocken mit knackiger Säure hatte ich direkt ausgeschlossen, da Frucht und Säure den Gaumen immer wieder aus der warmen, süßlich umamigen Schlotzigkeit reißen würden. Die Geheimwaffe Riesling reif und restsüß wiederum hätte das Potential den Esser noch mehr einzulullen, das ganze noch süßer und schwerer werden zu lassen. Fiel also auch raus.
Kurz dachte ich dann an etwas Weißes mit spürbarem Holzeinsatz. Weißburgunder zum Beispiel oder Silvaner. Schön trocken auf jeden Fall und nicht zu üppig. Das wäre definitiv was gewesen, aber meine Bestände eher gering.
Also: Leichter Rotwein oder Weißwein mit etwas Tannin – da ist dann eine weitere Weinkategorie recht naheliegend: Orange Wein, also auf der Maische vergorener Weißwein, der damit wie Rotwein gemacht wird.
Restzucker ist da in der Regel nicht oder nicht viel drin, zu opulent sind diese Weine auch nicht und sie besitzen ein schönes Tanningerüst, sodass sie in der Schlotzigkeit der Lasagne nicht untergehen.
Im gleichen Regal lagen dann tatsächlich gleich zwei Kandidaten direkt nebeneinander. Da sie viele Gemeinsamkeiten aufwiesen und ich unentschlossen war, nahm ich beide mit. Ein kleiner Vergleich mit und ohne Lasagne kann ja nicht schaden.
Zwei Länder, viele Gemeinsamkeiten
Erstaunlich, wie viele Gemeinsamkeiten doch zwischen dem 2018er Orange von Martin Schwarz und dem 2017er Muscat Freyheit vom Weingut Heinrich bestehen.
Beide kommen aus dem Osten ihrer Weinbauländer. Im Burgenland setzt man selbstbewusst einen See, durch den man aufgrund der geringen Tiefe waten kann, quasi mit einem Meer gleich, in Sachsen (wiederaufgebauten) Dresdner Barock mit weltstädtischem Flair.
Beide Weine sind Cuveés, die auf der Maische vergoren wurden. Beide stellen eine Aromarebsorte in den Vordergrund und ergänzen diese durch Burgunderrebsorten. Beide Weine wurden nach der Maischegärung und Pressung im Holzfass ausgebaut (die aktuellen Jahrgänge bei Heinrich in der Amphore).
Und beide passten zur Lasagne. Ein paar Unterschiede gab es dann aber doch:
2017er Muscat Freyheit, Weingut Heinrich, Burgenland, Österreich
Cuveé aus Muskat Ottonel (70%), sowie Weißburgunder und Chardonnay.
Intensiv würzige, eher kühle Nase mit Lorbeer, Piment und floralen Noten. Dazu eine deutlich süßliche Frucht mit Grapefruit und Pfirsich.
Im Mund straight, kühl, mit viel feinem Tannin und grünholzigen Noten. Wieder sehr würzig mit Lorbeer, Thymian und Piment. Dazu florale Noten und wieder eine deutlich süßliche Frucht mit Aprikose und roter Grapefruit, obwohl der Wein absolut trocken ist. Recht geringe Säure, die aber aufgrund der kühlen Tannine nicht höher sein muss. Deutliches Gerbstoffbitterl am Gaumen. Mittellanger, guter Abgang, die Würze bleibt im Mund.
Die Apfelmost-Noten zu Beginn verfliegen mit Luft schnell. Der Wein wurde mit viel Trub unfiltriert und ungeschwefelt abgefüllt. Auf der Flasche wird empfohlen, den Trub vor Genuss aufzuschütteln. Das Weingut bezeichnet den Wein als Natural.
Das ist gekonnt gemacht, alles passt zusammen und es ist kein ganz abgefahrener Vertreter der Kategorie Orange- bzw. Naturwein. Kein Wunder: Heinrich ist seit 2006 biodynamischer Produzent und entsprechend erfahren mit minimalinvasivem Arbeiten und maischevergorenen Weißweinen.
2018er Orange, Martin Schwarz, Sachsen
Cuveé aus Traminer und Grauburgunder
Normalerweise erwähne ich die Farbe eines Weins nicht. Beim Orange von Martin Schwarz jedoch könnte sich es beim Blick ins Glas auch um einen kräftigen Rosé handeln, so eindeutig rötlich ist die Farbe des Weins. Aber klar, Grauburgunder und auch Traminer haben eher rötliche Schalten, aus denen bei Maischegärung viel Farbstoff extrahiert wird.
Würzige, deutlich pfeffrige Nase mit grünholzigen und rauchigen Noten. Dazu florale Nuancen.
Im Mund kühl, wieder enorm würzig und pfeffrig, feines Tannin, eher feine Säure, wieder florale Noten, etwas karamellige Süße und trotzdem ziemlich trocken und fruchtbefreit. Ein Wein mit viel Volumen, der aber nicht fett ist.
Mittellanger, guter Abgang, die Würze bleibt im Mund.
Der Wein ist Martin Schwarz erster Orange-Wein. Nicht nur aus diesem Umstand ist der Wein sehr gut gelungen. Im Unterschied zu Heinrich trägt der Wein nicht das Etikett natural, aber natürlich arbeitet Martin Schwarz auch schonend und handwerklich. Ich gehe jedoch davon aus, dass der Wein hier etwas Schwefel bei der Abfüllung gesehen hat.
Und nun – wo sind die Unterschiede?
Es ist erstaunlich, wie nah sich beide Weine auch im Rahmen der Verkostung sind. Ein wesentlicher Grund ist sicher die Machart „Orange-Wein“. Durch die Maischegärung kommt die Tanninstruktur dazu, die immer ein bisschen die feinen Aromen überdeckt. Aus diesem Grund finde ich es übrigens auch schwerer bei Rotweinen feine Aromen- und Qualitätsunterschiede festzustellen, als bei Weißweinen.
Hauptunterschied ist sicher die Fruchtkomponente, die Heinrich aus dem Muskat Ottonel herauskitzelt. Die daraus entstehende Süße ist etwas feiner und harmonischer, als die vom Orange von Martin Schwarz, die dort durch den höheren Alkohol – 13,5% vs. 11,5% – geprägt scheint. Dafür sorgen die höhere Traubenreife und der Alkohol beim Wein von Martin Schwarz für ein schönes Volumen und eine gewisse Erhabenheit, während der Heinrich karger und drahtiger daherkommt.
Im Punktereigen hat der Wein von Heinrich minimal die Nase vorn. Vielleicht auch aufgrund des kompromissloseren Ausbaus, ist er aromatisch einfach einen Hauch komplexer. Mehr als 1 oder 2 Punkte Vorsprung sehe ich aber nicht.
Und zur Lasagne?
Beide passten wunderbar. Am Ende ist es eine Geschmacksfrage, ob der Schwarz mit seinem etwas kraftvolleren aber in sich ruhenden Auftritt die Nase vorn hat und das Gericht klar begleitet oder der Heinrich, der als drahtigerer, etwas vibrierender Charakter einen kleinen Kontrapunkt zur Lasagne-Schlotzigkeit setzen soll.
https://wegezumwein.de/wp-content/uploads/20221010_090159-rotated.jpg1024768Andreashttps://wegezumwein.de/wp-content/uploads/wzw-Logo-Transparent.pngAndreas2022-10-10 18:00:532022-10-10 18:17:58Zwei Orange-Weine und vegetarische Lasagne
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