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Weninger, Sopron, Ungarn – Kekfrankos Steiner 2015

Weninger, Sopron, Ungarn - Kekfrankos Steiner 2015

Der Steiner von Franz Weninger ist definitiv einer meiner absoluten Blaufränkisch-Favoriten. Der Jahrgang 2013 gehört zum besten, was ich aus der Rebsorte bisher getrunken habe.

2015 bleibt ein klein wenig hinter dem festeren, noch etwas kühleren 2013 zurück:

Tief würzige, fast ätherische Nase mit Rauch, Eisen und Bitterschokolade. Im Hintergrund etwas rote und schwarze Beeren.

Im Mund kühl, dicht, aber völlig ohne Schwere. Feine, klare, schwarze Beerenfrucht, aber im Vordergrund wieder eher Röstaromen, Minze, etwas Vanille, Pfeffer, Rosmarin. Recht festes, aber mürbes Tanningerüst, das am Gaumen leicht antrocknend wirkt.

Recht langer, klarer Abgang.

Toll ist die Balance zwischen der feinen Frucht und schwerelosen Anmutung auf der einen Seite und den Tanninen und Holzaromen auf der anderen Seite. Hevorragend.

ca. 24,50 EUR / PGV günstig

Weninger, Ungarn – Sopron Steiner Kékfrankos trocken 2013

Weninger, Ungarn - Sopron Steiner Kékfrankos trocken 2013

Bei einem Besuch in der Weinbar Vinocentral in Darmstadt hatte ich vor einiger Zeit mal eine Flasche dieses Weins getrunken. Der Wein hatte mich dort sofort in seinen Bann gezogen, sodass ich ein paar Flaschen für Zuhause organisierte. Die Faszination, die der Wein austrahlt ist nicht geringer geworden. Ein großartiger Blaufränkisch vom ungarischen Ufer des Neusiedlersees.

Kühle, extrem würzige Nase, mit Kakao, Blut, getoastetem Holz, grünkräutrigen Noten, eingemachten süßen Beeren und Sauerkirschen.

Im Mund dicht, kühl, extrem saftig. Viel ganz feines und mürbes Tannin, klarer, feiner Sauerkirschsaft. Etwas Mandel, Asche, deftige Blutnote, grüne Kräuter, Pfeffer, salzige Mineralität.

Im langen Abgang nochmals sehr fein saftig und minimal antrocknend.

Ein vibrierender und lebendiger Wein. Mit vielfältiger, tiefer Aromatik. Auf der einen Seite etwas deftig, fast grob, aber trotzdem eben doch sehr elegant. Eine Quadratur des Weinkreises! 


Ca. 24,50 EUR / PGV günstig

Hummel, Villány, Ungarn – Portugieser Jammerthal trocken 2013

Hummel, Villány, Ungarn - Portugieser Jammerthal trocken 2013Die Lindenblättrigen von Hummel hatten mich sehr neugierig gemacht, so dass ich den Portugieser früher aus dem Keller geholt hatte, als geplant. Wer mich kennt weiß, dass ich eine Schwäche für gute Portugieser habe – wären sie nicht so rar gesät. Insofern war ich äußerst gespannt auf die ungarische Interpretation:

Würzige Nase, kräftige Kirschfrucht, etwas getoastetes Holz. Eisen fast in Richtung Blut, Kaffee, florale Noten.

Im Mund ziemlich saftig mit schöner Säure. Frucht wieder in Richtung Sauerkirsche. Recht deutliche aber nicht dominante Holzwürze. Mürbes Tannin. Dazu Bitterschokolade, Piment und Kaffee. Erdige Nuancen.

Recht langer, leicht antrocknender Abgang.

Das macht viel Spaß. Ein ziemlich komplexer Vertreter der Rebsorte Portugieser. Definitiv ein Kandidat für die Portugieser Hall of Fame.

Ca. 20,00 EUR / PGV angemessen

Hummel, Villány, Ungarn – Hárslevelü Bernstein Trocken 2015

Hummel, Villány, Ungarn – Hárslevelü Bernstein Trocken 2015VinoCentral 1Letztens waren wir auf ein Glas in Darmstadts führender Weinbar, dem Vinocentral. Das war ein ganz hervorragender Abend, an dem meine Erwartungen an eine Weinbar in Darmstadt um ein vielfaches übertroffen wurden. Die Weinauswahl ist quasi weltstädtisch, die Kleinigkeiten, die man sich fast wie am Wiener Heurigen Buffet an Theken zusammenstellen kann ebenfalls. Ärgerlich war nur, dass das Vinocentral eben nicht nur Weinbar, sondern auch Weinladen ist, so dass ich mal wieder nicht ohne die eine oder andere „ToGo“-Flasche nach Hause gehen konnte. Da ich tiefer in das Programm des Weinguts Hummel in Ungarn einsteigen wollte, ergab sich hier die Gelegenheit.

VinoCentral 2Der Bernstein ist der Kategorie Ortswein zugeordnet und damit eine Ebene höher als der kürzlich beschriebene „einfache“ Lindenblättrige, da die Einstiegskategorie schon ziemlich gut war, habe ich hier schon ziemlich hohe Erwartungen:

Der Wein wurde spontan vergoren, für 6 Mon. in gebrauchten Barriques ausgebaut, ist unfiltriert und ungeschönt.

Der Name Bernstein ist hier auf jeden Fall passend gewählt zur funkelnden Farbe im Glas.

Würzige Nase, vegetabile Noten mit etwas Orangenschale, Honigmelone, Kandis und Jod.

Im Mund ebenfalls mit schöner, feiner Würze. Haselnuss, dazu etwas Tabak und Hefe. Mehr aus dem Hintergrund schleicht sich eine extrem feine Säure ein. Ebenso feines, kalkig mineralisches Gerbstoffgerüst. Etwas grüner Tee mit einem Spritzer Zitrone.

Recht langer nussiger und fein süßlicher Abgang (wo auch immer die Süße herkommt, bei 1,8g/l Zucker und 5,8g/l Säure!).

Bei schlanken 12,5% Alkohol ist das ein unglaublich zarter, feiner Wein, der eine ganz eigene Aromatik besitzt und zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall viel Luft benötigt, um sich entfalten zu können.

ca. 17,90 EUR / PGV angemessen

Hummel, Villány, Ungarn – Hárslevelü Trocken 2016

Hummel, Villány, Ungarn - Hárslevelü Trocken 2016Gelegentlich wabern ungarische Weine durch die unendlichen Weiten des Wein-Social-Webs. Häufig dabei ist das Weingut Hummel, das über ein gut ausgebautes Vertriebsnetz in Deutschland und insbesondere in Berlin verfügt. Kein Wunder – Inhaber Horst Hummel ist Berliner mit schwäbischen Wurzeln. Das Weingut ist Bio-zertifiziert und arbeitet biodynamisch. Der Ort Villány liegt im Südwesten Ungarns. Nach Kroatien und Serbien ist es von dort nicht weit. Insgesamt handelt es sich bei dem Gebiet eher um eine Rotweingegend. Auch im Hause Hummel liegt der Schwerpunkt auf roten Sorten.

Der heutige Wein ist aber ein Weißwein. Der deutsche Name der Sorte Hárslevelü ist Lindenblättriger. Einer der Elternteile des Lindenblättrigen ist der Furmint, das andere unbekannt. Lindenblättriger ist häufig Bestandteil des berühmten Tokajer. In der Qualitätspyramide des Weinguts steht der Wein als Gutswein an der Basis.

Wir hatten den Wein vor ein paar Jahren in der wunderbaren Berliner Weinbar Weinstein kennen gelernt. Er hatte uns so gut gefallen, dass ich vor einiger Zeit ein paar Flaschen für zuhause kaufte:

Im Glas zeigt sich schon die erste Besonderheit. Der WEin schimmert rotgold und ist leicht trüb, also nicht filtriert.

Kalkig mineralische und sehr kräuterwürzige Nase, dazu etwas Kandis.

Im Mund weich und sehr gewürzig, Zurückhaltende Frucht am ehesten nach Melone, Erdbeere und Orangenschale. Hefige und rauchige Noten. Feine Säure und ebenso feines und festes Gerüst. Eine Prise Salz.

Recht langer Abgang.

Ganz klar ein besonderer Wein. Knochentrocken und mit ziemlich niedriger Säure. Dennoch mit einem ganz festen aber schlanken Körper. Und für die Kategorie Gutswein auch von ziemlicher Komplexität. Dazu eine sehr eigenständige Aromatik. Sehr schön!

 

ca. 12,50 EUR / PGV angemessen bis günstig