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Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022

Beeindruckend - Der Lechnerwirt

Beeindruckend – Der Lechnerwirt

Nach langer Coronapause fand dieses Jahr das Churfranken-Genussfestival an diesem Wochenende endlich wieder statt. Die Region zwischen Aschaffenburg und Bürgstadt stellt hier nicht nur ihre Weine vor, sondern allerlei genussvolle Produkte aus verschiedenen Manufakturen von Bier bis Käse und von Whiskey bis Wild. So kann dort sicher jeder genussaffine Besucher neue Eindrücke gewinnen und neue Produkte entdecken.

Dieses Jahr hatten die Veranstalter sich eine beeindruckende Location ausgewählt. Das nigelnagelneue massive Festzelt des Lechnerwirts am Miltenberger Mainufer, in dem in den Wochen zuvor die Miltenberger Michaelismesse gefeiert wurde.

Wie immer haben wir uns auf die Weine der Region konzentriert.

Auch in Miltenberg: Die Fromagerie Geiss - ein Maßstab in Sachen Käse in Rhein-Main

Auch in Miltenberg: Die Fromagerie Geiss – ein Maßstab in Sachen Käse in Rhein-Main

Leider war im Vergleich zu 2018 erneut eine geringere Teilnahmequote der Winzer zu verzeichnen. So war zum Beispiel aus dem großen Weinbauort Großheubach nur ein Winzer anwesend, genauso wie zum Beispiel aus Großostheim. Auch die Bürgstädter Winzer hatten gemessen an ihrer Anzahl nur einen kleinen Stand und präsentierten sich mit einem Spätburgunder pro Weingut.

Sicher lag die geringe Beteiligung auch am Termin – schließlich hat die Weinlese auch in Churfranken bereits begonnen. Schade finde ich es trotzdem, war die Veranstaltung doch immer eine gute Möglichkeit, die Weinregion in ihrer gesamten Breite zu entdecken.

Wie in den vergangenen Jahren findet ihr für uns bemerkenswerte Weine nach Weinorten sortiert:

 

Bürgstadt

Wie oben bereits geschrieben, präsentierten sich immerhin 10 Bürgstadter Winzer mit jeweils einem Spätburgunder an einem Gemeinschaftsstand. Einerseits schade, da ich Bürgstädter Weine sehr mag und gern mehr als einen Wein pro Weingut verkostet hätte. Auf der anderen Seite war diese Bestandsaufnahme durchaus spannend, um einen Überblick über die unterschiedlichen Spätburgunderstile im Ort zu bekommen. Die Weine kamen aus unterschiedlichen Jahrgängen von 2017 bis 2020. Bei der Verkostung wurde schnell klar, dass hier zwar ganz unterschiedliche Stile die Weine prägen, die Qualität insgesamt aber ziemlich hoch ist, insbesondere wenn man sie in den Kontext der jeweiligen Preise setzt. Gerade an den günstigeren Weinen lässt sich ablesen, dass die Winzer immer auf Sortentypizität setzen und die Feinheit des Spätburgunders in den Vordergrund stellen. Fehlerhafte, zu fette oder marmeladige Varianten waren jedenfalls nicht zu verkosten.

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 3

Am Ende der Verkostung standen 4 Weine auf unserem Zettel, die wir gern hervorheben wollen:

 

2020er Bürgstadter Berg Spätburgunder Erste Lage / Weingut Rudolf Fürst

Es ist immer wieder eine Wonne einen Spätburgunder von Fürst zu verkosten. In Deutschland gibt es nur wenige Winzer, die derartig feine, in sich ruhende und komplexe Weine aus der Rebsorte produzieren können. Mit wunderbarer klarer Kirschfrucht und einer komplexen Würze und schönen Länge zählt er sicher zu den Top Spätburgundern des Landes. Natürlich zeigt sich das auch im Preis des Weins. Schön, das Rudolf Fürst hier einen Wein beigesteuert hat, das andere Flagschiffweingut der Region – Steintal aus Klingenberg hat die Veranstaltung ausgelassen.

 

2017er Bürgstadter Berg Spätburgunder / Weingut Josef Walter

Vergleicht man die Weine von Christoph Walter mit denen von Rudolf Fürst fällt die unterschiedliche Stilistik immer direkt auf. Fürst steht für ruhige, elegante Weine mit strahlender Frucht, deren komplexe Aromenvielfalt sich ebenso ruhig und eher langsam dem Trinker erschließt. Walters Weine dagegen sind auf den ersten Schluck etwas lauter, stets auf einer klar würzigen Seite, fordernder, ebenfalls immer komplex aber nicht ganz so elegant wie die Weine von Fürst. Der vorgestellte Wein ist ein Musterbeispiel für den Stil des Hauses und kostet nur etwas mehr als die Hälfte des Weins von Fürst. Für mich „Der“ Premium Spätburgunder des Tages.

 

2018er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder / Weingut Neuberger

Wieder ein klarer stilistischer Wechsel zum Wein von Christoph Walter. Der Spätburgunder von Neuberger strahlt wieder viel Ruhe aus, die schöne Frucht wird bestens durch die Würze ergänzt. Frucht und Würze sind allerdings deutlich wärmer als die der Vorgänger. Quasi ein kleiner Fürst mit etwas mehr Kraft.

 

2018er Bürgstadter Berg Spätburgunder / Weingut Stich

Schon wieder ein Stilwechsel. Diesmal wird es wieder etwas schlanker und straffer, mit schöner kühler Frucht, Spannung im Mund, deutlicher Holzwürze und viel weichem Tannin. Hinsichtlich Länge und Komplexität kann er mit Fürst und Walter nicht ganz mithalten, ist aber dennoch eine echte Empfehlung.

Die Spätburgunder von Neuberger und Stich sind mit 15,00 EUR bzw. 12,80 EUR ganz klar die Preis-/Leistungssieger der Bürgstadter Verkostung. Man bekommt viel Wein fürs Geld. Hut ab.

 

Elsenfeld-Rück

Weinbau Weinfurtner

Der schnörkellose, würzige, schön trockene 2020er Rücker Schalk Silvaner Kabinett hat uns gut gefallen und uns daran erinnert, mal wieder im rechten Seitental des Mains einzukehren.

 

Erlenbach

Weingut A. Waigand

Verena Weigand präsentierte In Miltenberg 3 Weiß- und 3 Spätburgunder. Die Weine kommen aus dem Erlenbacher Hochberg, der die direkte nördliche Verlängerung der Steillage des Klingenberger Schlossbergs darstellt. Die Weißburgunder baut Verena als Essenbegleiter aus. Die Weine haben stets viel Kraft und einen schönen und merklichen Holzeinsatz. Ihr Top-Wein der 2020er Erlenbacher Hochberg Weißburgunder „FR“ Spätlese Barrique aus der Parzelle Felsenröder ist aromatisch tief und cremig, wird aber noch ein oder zwei Jahre Flaschenreife brauchen, um sich zu finden und das Holz besser einzubinden. Dann ist der Wein aber zum Essen ganz sicher ein großes Vergnügen. Er steht auch noch nicht auf der aktuellen Preisliste des Weinguts.

Bei den Spätburgundern ließ sich gut die Entwicklung im Hause Waigand ablesen. Der 2016er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Barrique ist noch ziemlich fruchtig und kräftig, aber nicht sehr elegant und fein. Die 2019/2020er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Jahrgangscuvee steht in der Qualitätspyramide unter dem zuvor verkosteten 2016er ist deutlich straffer und saftiger und gefällt mir daher besser. Aber er kann durchaus noch etwas Flaschenreife vertragen.

Oben an der Spitze der hauseigenen Pyramide steht dann zurecht der 2018er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „FR“ Barrique, der klar auf der würzigen Seite steht und eine warme Kraft besitzt, aber nie überbordend wirkt. Der Holzeinsatz ist sehr schön gelungen.  Auch dieser Wein kann sicher noch reifen.

 

Weinbau Philip Bernard

Philip Bernards Weine waren meine Entdeckung auf dem Genussfestival 2018. Und seitdem hat sich einiges getan. Die 2018er Rotweine möchte ich hier hervorheben. Davon sind ein paar in meinen Keller gewandert.

Der 2018er Klingenberger Schlossberg Portugieser ist einer von ihnen. Die kühle Beerenfrucht, das feine Tannin und die schöne, leicht rauchige Holzunterstützung machen aus der Brot- und Buttersorte Portugieser einen schönen feinen Rotwein.

Der 2019er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder ist vor allem noch viel zu jung und muss dringend noch reifen, auch um die leicht reduktive Note in der Nase noch etwas einzubinden. Auch hier fallen die kühle saftige Frucht und der schlanke Stil besonders auf. Ebenfalls hier wieder mit einer gekonnt eingesetzten Holzwürze gearbeitet. Der Wein damit noch ist etwas eleganter und tiefer als der Portugieser.

Der 2021er Klingenberger Silvaner wirkt ebenfalls noch etwas unfertig. Die knochentrocke Frucht hat sich mit der schönen Mineralität noch nicht ganz verbunden. Das wird aber, da bin ich sicher.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir von Philip Bernard in Churfranken noch einiges hören werden.

 

Großheubach

Weingut Kremer

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 4Das Weingut Kremer hatte am Wochenende die größte Einzelkollektion am Start und ist sicher das Top-Weingut in Großheubach.

Die gesamte Kollektion hat mir sehr gut gefallen, im Bereich der Weißweine stachen die 2021er Weißburgunder jedoch besonders heraus. Der 2021er Großheubacher Bischofsberg Weißburgunder Kabinett ist mit seiner feinen zitronigen Frucht und den nussigen Noten ein wunderbarer Trinkwein. Vollkommen ohne Schwere, knochentrocken, frisch und fein. Der 2021er Großheubacher Bischofsberg Weißer Burgunder *** (Premiumlinie) setzt gegenüber dem „einfachen“ Kabinett noch ein ganzes Stück drauf. Der Holzeinsatz ist trotz seiner Jugend hervorragend gelungen und verleiht dem Wein ein schönes Gerüst. Der Wein ist schlank und focussiert. Zur kühlen trockenen, zitronigen Frucht kommen mehr nussige und mineralische, fast salzige Noten. Sehr schön und kann noch reifen – ist auf der aktuellen Preisliste der Kremers auch noch nicht vorhanden.

Bei den Rotweinen haben Kremers einen schönen Jahrgangsvergleich des Top Spätburgunders ermöglicht. Der 2014er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Réserve wurde aus der Magnum gezeigt. Ich verfolge den Wein schon einige Jahr und habe auch ein paar Flaschen im Keller. Zu Beginn war der Wein aus dem schwierigen Jahr 2014 etwas ungestüm, für Kremer ungewohnt schlank, fast filigran und klar vom Holz bestimmt. Mittlerweile ist daraus eine ziemlich runde Sache geworden. Zwar sind die röstigen und holzwürzigen Noten weiter präsent, verdecken aber die Frucht und die anderen tabakig würzigen Noten nicht mehr. Meinen Flaschen werde ich dennoch ein oder zwei Jahre weitere Reife gönnen.

Der 2018er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Réserve ist dagegen wieder deutlich kraftvoller und zeigt mit seiner schönen, saftigen und klaren Frucht und der rauchig erdigen Würze schon jetzt schön, wie gut der Spätburgunderjahrgang 2018 in Franken war.

Auch für die Freunde kräftiger Rotweine jenseits vom Spätburgunder ist das Weingut Kremer für mich der ideale Anlaufpunkt in der Region. Gezeigt wurde gestern der 2018er Großheubacher Bischofsberg Cabernet Dorsa aber auch den St. Laurent und insbesondere die „R“Othello Rotweincuvee kann ich jedem Rotweinfreund empfehlen.

 

Großwallstadt

Weingut Giegerich

Die aktuelle Kollektion von Giegerichs hatte ich bereits anlässlich der Jahrgangspräsentation im Frühjahr verkostet. Unter der Verantwortung der Brüder Kilian und Philipp Giegerich bildet sich in den letzten Jahren immer mehr ein klarer Stil heraus. Die Weine werden feiner, der Holzeinsatz subtiler, besonders in der Spitze legen die Weine in Sachen Finesse und Komplexität zu. Absolut verdient auch die Auszeichnung Entdeckung des Jahres 2021 vom Weinmagazin Wein Plus.

Unter den Weinen, die am Wochenende in Miltenberg gezeigt wurden, gefiel mir der kraftvolle und knochentrockene 2020er Großwallstadter Silvaner „Alte Reben“ und der ruhige, elegante 2020er Großwallstadter Pitztaler Berg Spätburgunder am besten.

 

Klingenberg

Weingut Bastian Hamdorf

Der beste gezeigte Klingenberger Wein war der 2018er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder von Bastian Hamdorf. Ein Wein, der die einzigartige Mineralität des Klingenberger Schlossbergs auf beste Weise zeigt. Der kühle Stil mit der saftigen Frucht lässt viel Platz für die kräutrig mineralischen Schlossbergnoten. Wunderbar und unter den Top 3 der gesamten Verkostung.

Bei den Weißweinen kam 2018 dem Stil der Hamdorfschen Weine nicht unbedingt entgegen. Mehr Kraft und etwas weniger Feinheit zeichnen die Weine aus. Der 2018er Sylvaner gefiel mir trotzdem sehr gut. Die etwas süßliche, gelbe Frucht wird durch nussige und hefige Noten sowie etwas Mineralität gut ergänzt.

 

Bioweinbau Anja Stritzinger

Anja Stritzinger neben einem schönen knackig saftigen 2021 Klingenberger Schlossberg Johanniter unter anderem eine halbtrockene 2020er Klingenberger Schlossberg Gewürztraminer Spätlese dabei. Klar scheiden sich bei der Rebsorte die Geister. Bei der Geschmacksrichtung „halbtrocken“ ebenfalls. Häufig ist der rosig blumige Duft der Sorte so intensiv, das es schwer fällt andere Aromen wahrzunehmen. Bei diesem Wein ist alles ausgewogen. Ja, es gibt die floralen Gewürztraminernoten, aber eben gezähmt, dazu eine schöne gelbe Frucht und eine schöne Würze. Als Solist aufgrund der Sortentypisch niedrigen Säure vielleicht schwierig, zur Käseplatte aber sicher eine Wonne.

 

Last, but not Least – Die besten Schoppen der Show

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 5Churfranken ist ein Land der Häckerwirtschaften. Fast jedes Weingut läd einige Wochen im Jahr zu deftigen Speisen und eigenen Weinen in ihre Höfe ein. Gefragt sind da nicht immer die „besten“ Weine, sondern Weine die Spaß machen, die zu deftigen Speisen passen, die Zunge lockern und sofort Lust auf ein weiteres Glas machen. Unkomplizierte, aber nicht belanglose Weine eben.

Das sind unsere diesjährigen Häckerschoppen-Empfehlungen:

 

2021er Rosé / Weingut Wolfgang Kühn, Klingenberg 9,00 EUR

Wer ein halbsüßes Potpurri aus Erdbeeren und Himbeeren sucht, ist beim Rosé aus der Sorte Regent von Wolfgang Kühn an der falschen Adresse. Der Wein hat eine wunderbare Farbe, ist ziemlich trocken und frisch, hat eine klare Frucht und etwas Mineralität. Ich hätte sofort ein Fläschchen mit auf die Mainwiese nehmen können.

 

2021er Großheubacher Bischofsberg Muskateller / Weingut Kremer, Großheubach 8,20 EUR

Auch hier ist Langeweile passé, keine süße fette Frucht, kein klebriger Gaumen. Frische Säure und eine zurückhaltende Muskatellerfrucht zeichnen den Wein aus. Das trinkt sich ohne Widerstand und die Aromatik ist dennoch stark genug, um auch deftige Gerichte zu begleiten.

 

2021er Silvaner / Weingut Giegerich, Großwallstadt 9,30 EUR

Ein trockener, frischer, durchaus körperreicher und würziger Silvaner mit zurückhaltender Frucht und gewisser Finesse. Vielleicht kein ganz spritziger Sommerwein, aber in der kühleren Jahreszeit ein Wein der viel Spaß macht.

A. Waigand, Franken – Erlenbacher Hochberg Felsenröder Weißer Burgunder Spätlese trocken 2015

A. Waigand, Franken - Erlenbacher Hochberg Felsenröder Weißer Burgunder Spätlese trocken 2015Der Felsenröder steht in der Qualitätspyramide des kleinen Erlenbacher Weinguts bei den Weißweinen an der Spitze. Juniorchefin Verena Waigand hat den Wein spontan vergoren und für 15 Monate im Barrique reifen lassen. Das Ganze mit Erfolg. Bei einer Verkostung der Zeitschrift Selection Online unter dem Motto „Degustationswettbewerb Deutschlands beste Jungwinzer 2017“ ist der Wein auf dem ersten Platz in der Kategorie „Weiße Burgundersorten national mit Holz“ gelandet.

Insofern wurde es Zeit, zuhause in Ruhe mal eine Flasche aufzuziehen:

Nussige Nase mit Quitte und Vanille. Dazu leicht kräutrige Noten und etwas Feuerstein.

Im Mund ebenfalls sehr nussig und von der Textur her leicht cremig. Dazu Quitten- Apfelkompott mit Vanille. Die Süße hieraus wird durch die extrem schöne Säure bestens balanciert. Eine steinige Mineralität und das leicht bittere Gerbstoffgerüst bilden den richtigen Rahmen.

Recht langer Abgang, der nussige und vanillige Noten zurück lässt.

A. Waigand, Franken - Erlenbacher Hochberg Felsenröder Weißer Burgunder Spätlese trocken 2015 2Auf dem letzten Churfranken Genussfestival konnten wir den Wein bereits einmal probieren. Daher wussten wir, dass es sich um einen ziemlichen Kraftprotz handelt. Das Holz insgesamt gut eingebunden, verstärkt aber die schiere Kraft des Weins zusätzlich. Damit ist es einfach gut, zum Wein ein Essen zu servieren, das der Dichte und Cremigkeit standhält. Wir hatten uns hier für Lachs auf Sahnelinsen und Schmorgurken entschieden, was eine hervorragende Kombination ergab. Ein Tick mehr Feinheit würde den Wein aber definitiv multifunktionaler machen.

 

Ca. 21 EUR / PGV angemessen

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 1

Das diesjährige Churfranken-Genussfestival war quasi im Ausland zu Gast. Die Veranstaltung fand weder in Churfranken, noch in Franken statt, sondern in Baden-Württemberg. Dennoc bedeutet das keine allzu langen Wege – ist der Main doch östlich von Bürgstadt die Grenze zwischen beiden Bundesländern.

Umso schöner dann die Location selbst im „lieblichen Taubertal“. Kloster Bronnbach liegt kurz hinter Wertheim im engen Tal der Tauber. 1151 gegründet, mit vielen über die Jahrhunderte entstandenen Veränderungen und Ergänzungen bis heute erhalten und hervorragend renoviert, stellt es einen wunderbaren Rahmen für die Veranstaltung dar.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 2

Das Genussfestival gliedert sich quasi in 3 Bereiche: Die Weinprobe der Winzer, die weiteren Genussstände von Gemüse über Käse und Wurst bis hin zu Whiskey und Obstbränden und die Gastronomie, die die Ausstellung mit leckeren Gerichten begleitet.

Wie jedes Jahr lag unser Fokus natürlich auf der Verkostung der Weine, so dass für die anderen kulinarischen Genüsse nicht wirklich viel Zeit blieb.

Auch dieses Mal war die Verkostung nach Orten gegliedert – teilweise waren die Orte durch Gemeinschaftsstände der Winzervereine, teilweise durch Stände von einzelnen Winzern vertreten.

Leider waren in diesem Jahr insgesamt weniger Winzer vertreten als im letzten Jahr. Die Gäste aus der „Alzenauer Weinregion“ fehlten, auch aus Rück war kein Winzer anwesend. Sehr schade!

Die anwesenden Winzer hatten aber wieder hervorragende Weine am Start. Schön, dass noch nicht allzu viele 2017er Weine dabei waren, die zum jetzigen Zeitpunkt – sofern überhaupt schon gefüllt – oft noch schwer zu beurteilen sind.

Wie in meinen Berichten zu den Vorjahren auch dieses Mal meine Empfehlungen nach Orten:

Bürgstadt

Das Weingut Josef Walter zeigt einen schönen 2017 Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner und den feinen, jungen 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „J“ – hier gibt es nur wenige Winzer, die diese Rebsorte auf einem ähnlich hohen Niveau ausbauen. Jedem sei empfohlen, mal vor Ort nach dem einen oder anderen reiferen Früh- oder Spätburgunder zu fragen.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 4

Vom Weingut Stich gibt es zwei besondere Empfehlungen: den 2016er Bürgstadter Riesling Kabinett trocken mit frischer Säure, feiner Frucht und Kräutrigkeit und den 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner Großes Holz trocken, der mit angenehm moderatem Alkohol und gutem Holzeinsatz dennoch kraftvoll ist und einen guten Essensbegleiter darstellt. In der Kategorie „Silvaner mit Holz“ muss er sich heute nur knapp einem Kollegen aus Klingenberg geschlagen geben. (s.u.)

Top-Wein beim Weingut Neuberger war der feine 2014er Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder trocken – und das obwohl 2014 in der Region beim Spätburgunder durchaus herausfordernd war.

Das biozertifizierte Weingut Hench bringt Jahr für Jahr sehr schöne Weine mit auf das Festival. In diesem Jahr haben mir die Rotweine besonders gut gefallen. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder trocken hat eine feste Tanninstruktur und eine schöne Sauerkirschfrucht. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder „R“ trocken ist kraftvoll, extrem würzig und vielschichtig. Beide Weine sollten aber noch einige Zeit reifen.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 3

Dass Rudolf Fürst als Bürgstadter Platzhirsch ebenfalls Hervorragendes dabei hatte, war vorauszusehen. Einige 2015er Rotweine konnte ich schon im letzten Jahr probieren und war begeistert, da es auch in dem warmen Jahr gelungen war, den extrem feinen und eleganten Stil des Hauses fort zu führen. Daher sind sowohl der 2015er Bürgstadter Spätburgunder trocken als auch der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“ trocken echte Empfehlungen.

Der 2017er Bürgstadter Riesling trocken gibt einen kleinen Einblick, was dieser Jahrgang bringen könnte. Der Wein hat durchaus Kraft und eine schöne Frucht – ich glaube, dass Franken 2017 wirklich gut und wieder etwas kraftvoller als 2016 werden wird, auch wenn die Menge aufgrund des Spätfrosts im Frühjahr hier und da gering ausfallen wird. Das 2016er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling GG war der Beste Riesling des Tages – überraschend? Nein, natürlich nicht.

Erlenbach

Das Motto des Weinguts Waigand heißt „Buntsandstein-Burgunder-Begeisterung“. Dementsprechend hatte die kürzlich als eine der besten Jungwinzerinnen Deutschlands ausgezeichnete Verena Waigand einige rote und weiße Burgunder dabei. Bei den weißen Burgundern ist der spontan vergorene 2015er Erlenbacher Hochberg „Felsenröder“ Weißer Burgunder trocken vorn. Sehr dicht und vielschichtig, mit gutem Holzeinsatz. Ein kleiner Kraftprotz. Der 2013er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „S“ ist elegant, würzig und rauchig und der 2012er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Barrique Spätlese trocken zeigt sich zurzeit schön trinkreif, kraftvoll und begleitet einen Gang mit kurzgebratenem rotem Fleisch sicher hervorragend.

 

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 5

Für mich neu ist der Name Philip Bernard in der Erlenbacher „Weinszene“, der etwa 1ha im Klingenberger Schlossberg bewirtschaftet. Die 2015er und 2016er Spätburgunder zeigen eine moderne Handschrift, werden unfiltriert abgefüllt und müssen reifen. Favorit war für mich der 2016er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder Spätlese trocken. Ich könnte mir vorstellen, dass wir von Philip in den nächsten Jahren das eine oder andere hören werden.

Großheubach

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 6

Achim Zöller stellte einen Wein vor, den er als „Männerwein“ bezeichnet. Der 2015er Riesling Tradition trocken hat ganze 11g Säure und ist in einem Barrique ausgebaut worden. Die Kraft, die der Jahrgang 2015 liefert, die Säure und das Holz gehen aus meiner Sicht hier eine tolle Symbiose ein, die einen extrem saftigen Wein mit toller Frucht und Tiefe hervorbringt, der sicher nicht nur „Männern“ schmeckt. Der 2015er Zweigelt trocken ist schön weich und fein würzig und damit vielen eher ruppigen oder erdigen Vertretern diese Rebsorte aus den heimatlichen österreichischen Gefilden überlegen.

Meine Lieblinge des Jahrgangs 2016 bei Kremers Winzerhof waren die Silvaner. Der 2016er Großheubacher Bischofsberg Silvaner Kabinett trocken hat auch am Wochenende mit seiner Feinheit und Mineralität überzeugt. Seine Geschichte und insbesondere die seines ungleichen Bruders ist hier zu finden.

Bei den gezeigten Weinen der „First“ Reihe gefällt uns der 2016er Großheubacher Bischofsberg Riesling First trocken am besten.

Den 2014er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Reserve Barrique trocken konnte man schon auf dem letzten Genussfestival kosten. Wer das getan hat, wird so wie ich vielleicht überrascht gewesen sein, wie gut Reife einem hochwertigen Spätburgunder tut. Aktuell präsentiert er sich eher kühl und frisch, ist mittlerweile aber dazu schön elegant geworden und besitzt eine feine Frucht und schöne Würze.

Großostheim

Das Weingut Lutz hat wie im letzten Jahr auch eine sehr schlüssige Kollektion fruchtiger, spritziger Weine für Brotzeit, Terrasse und Häcke vorgestellt und bleibt daher mein Häcker-Tipp.

Klingenberg

Bastian Hamdorf, der ehemalige Kellermeister von Fürst Löwenstein hat sich mit seinen ersten Jahrgängen schnell einen echten Namen in Klingenberg gemacht. Sein Weingut befindet sich zurzeit in der Umstellungsphase zum ökologischen Weinbau. Der 2015er Sylvaner ist eindrucksvoll. Der Wein wird nach einer Maischestandzeit im Tonneau-Fass ausgebaut. Der Wein hat eine komplexe Aromatik und benötigt noch Zeit – wie alle Weine von Bastian Hamdorf.

Ebenfalls biologisch arbeitet seit langem das Weingut Anja Stritzinger. Mit dem 2017er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett trocken hatte sie einen feinen und knackigen, sehr empfehlenswerten Riesling dabei.

Kreuzwertheim

Die Alte Grafschaft ist regelmäßig Gast in Churfranken. Die Weine selbst werden im Kreuzwertheimer Kaffelstein und damit im fränkischen Weinbaubereich „Main Himmelreich“ und im Reicholzheimer Satzenberg sowie in Lindelbach im badischen Weinbaugebiet „Tauberfranken“ angebaut.

Einen schönen Einblick in den 2017er Jahrgang bietet der 2017er Wertheimer Silvaner trocken mit seiner typischen Frucht nach Birne und Quitte und der schönen Würze.

Hervorragend der 2015er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder trocken.

Reicholzheim

Zu Gast war auch der Lokalmatador: Das Weingut Schlör aus Reicholzheim. Sehr fein hier insbesondere der 2016er Reicholzheimer Oberer First Weißburgunder GG (viel zu jung).

Ein Musterbeispiel für die Rebsorte ist der 2016er Reicholzheimer Schwarzriesling trocken. Es gibt nicht viele Winzer, die es schaffen, aus dieser Rebsorte ernsthafte Rotweine mit entsprechender Tiefe zu produzieren. Schlör ist einer von ihnen.

Der 2017er Reicholzheimer First Riesling trocken zeigt zum Schluss wieder schön, dass der 2017er Jahrgang in Franken wieder einen kleinen Tick kraftvoller und vor allem dichter auszufallen scheint als 2016.

Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in 2019.

A. Waigand, Franken – Erlenbacher Hochberg Portugieser „BF“ trocken 2013

Dieser Wein von Verena Waigand-Sacher zeigte mir erstmals, dass aus Portugieser viel mehr entstehen kann, als ein dünner, fruchtiger Wein. Mittlerweile kenne ich noch ein paar mehr sehr gute Portugieser von weiteren Winzern. Der „Erste“ bleibt aber natürlich immer besonders in Erinnerung. Schade, dass dies die letzte Flasche ist.“BF“ heißt übrigens, dass der Wein im Barrique gereift ist:

Recht zarte gewürzige Nase. Etwas Kirsche, etwas frisch geschlagenes Holz, Klebstoff.

Im Mund eine feine, klare und etwas süßliche Kirschfrucht. Dazu Cassis, eine schöne Würze und ganz feines Tannin. Spürbare aber angenehme Säure, die eine gewisse Frische mitbringt. Ganz wenig getoastetes Holz und Eukalyptus.  Guter, etwas am Gaumen antrocknender Abgang.

Der Wein gefällt mir immer noch. Es ist ein ruhiger, eleganter Vertreter der Rebsorte. Sehr schön!

Ca.10,50 EUR / PGV angemessen bis günstig

Das Churfranken-Genussfestival 2016 in Elsenfeld

Das Churfranken-Genussfestival ist für mich ein absoluter Pflichttermin Im Weinjahr, habe ich durch die Weine der churfränkischen Winzer doch die Liebe zum deutschen Wein gefunden, nach sauren Rheingauerfahrungen in meiner Jugendzeit. In diesem Jahr fand die Veranstaltung im Bürgerzentrum Elsenfeld statt. Nach den letzten beiden Jahren in den historischen Gemäuern des Hofguts von Hünersdorff bzw. der ehemaligen Abtei zu Amorbach klang so ein Bürgerzentrum erstmal nicht unbedingt fortschrittlich.

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Weinverkostung im Foyer

Vor Ort passte aber alles ziemlich gut zusammen. Wein Im Foyer, Genussstände im großen Saal und auf der Empore und Im kleinen Saal warme Speisen der regionalen Gastronomie und Sitzgelegenheiten. Alles eng zusammen aber gut aufgeteilt.

Die Weinprobe war wieder nach Orten aufgeteilt. Sehr positiv war, dass die Winzer aus Alzenau wieder als Gast dabei waren. Ärgerlich bleibt, dass sich einige namhafte Betriebe nicht beteiligen. Von den Topbetrieben fehlte wieder Fürst Löwenstein und neuerdings auch das Weingut der Stadt Klingenberg. Überhaupt war Klingenberg als einer der Hauptorte der Region dieses Mal nur durch Anja Stritzinger vertreten. Sehr schade.

Die anwesenden Weingüter präsentierten viele spannende Weine und insgesamt ist das Niveau Im Jahrgang 2015 wieder etwas höher als im Vorjahr. Die Weine sind kraftvoller und komplexer. Einen Wermutstropfen gibt es aber leider dennoch. Bei einer auffallenden Anzahl von Weinen des Jahrgangs 2015 finden sich ziemlich kräftige, phenolische Bitternoten in den Weinen. Ein Zeichen dafür, dass auch in dem manchmal als „Jahrhundertjahrgang“ bejubeltem Jahr, Wein machen kein Selbstläufer war.

Highlights gab es aber einige:

Alzenau

Im fränkischen „Rieslingzipfel“ waren es zwei Rieslinge, die einen bleibenden Eindruck hinterließen. Allen voran der kraftvolle, mineralische 2015er Michelbacher Steinberg Riesling Erste Lage trocken des Weinguts Höfler und der frische 2015er Hörsteiner Reuschberg Riesling Kabinett trocken von Jürgen Simon.

Bürgstadt

Bürgstadt ist Rotweinterritorium. Trotzdem haben es auch einige Weißweine auf meine Best of Liste geschafft. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner „S“ trocken vom Weingut Josef Walter ist toll, aber jahrgangsbedingt natürlich kräftiger und nicht ganz so elegant wie der hervorragende 2014er.

Vom Weingut Hench kam ein 2014er Weißburgunder R trocken aus dem Holzfass. Der zeichnet sich durch ein gutes Maß beim Holzeinsatz aus und bleibt angenehm schlank und trinkig. Dennoch kann der Wein noch etwas liegen.

Bürgstadter Rotweine

Bürgstadter Rotweine

Auch vom Weingut Neuberger kam ein Weißburgunder. Der 2013er Weißburgunder Spätlese trocken ist reifer, runder aber auch kraftvoller als der Wein von Henchs. Das ist sicherlich auch dem Jahr mehr Reife geschuldet. Der Wein gefiel mir etwas besser als sein Pendant aus 2012, der jahrgangsbedingt gefühlt noch etwas üppiger ausfiel.

Rudolf Fürst hatte zwei erstklassige Rieslinge dabei, spielt natürlich aber auch in einer anderen preislichen Liga. Der 2015er Bürgstadter Riesling Ortswein zeigt schön, dass 2015 ein tolles Rieslingjahr in Franken ist und bietet viel für die Kategorie Ortswein. Das dichte, druckvolle aber elegante 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs ist dann schon beeindruckend.

Im roten Bereich schön aber viel zu jung ist Fürsts 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“. Im direkten Vergleich ohne Berücksichtigung von weiteren Reifepotentialen ist der 2010er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „J“ vom Weingut Josef Walter der Frühburgunder des Tages – liegen darf aber auch der gern noch.

Beim Spätburgunder gab es von Walters mit dem 2013er Walters Spätburgunder auch den Basisspätburgunder des Tages. In gleicher Kategorie spielt auch der 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder trocken vom Weingut Dassing, der vielleicht nicht ganz so facettenreich wie der Einstiegswein von Walters ist, aber durch den etwas wärmeren klassischen Stil auch Trinker überzeugen kann, die kritisch gegenüber deutschem Spätburgunder eingestellt sind – hier der Vorgänger aus 2012.

Bei den gehobenen Spätburgundern konnte neben Christoph Walters 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Pinot Noir auch der sehr dichte, junge und mit schöner Säure ausgestattete  2013er Spätburgunder „R“ von Hench sowie der etwas wärmere 2013er Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder von Neubergers überzeugen.

Erlenbach

Highlight am Stand der Erlenbacher Winzer war die hervorragende Kollektion des Weinguts Waigand. Der 2014er Erlenbacher Hochberg Silvaner trocken war der beste Silvaner des Tages und das zu einem sehr günstigen Preis. Gut auch der 2014er Erlenbacher Hochberg Riesling feinherb und der 2013er Erlenbacher Hochberg Weißer Burgunder Kabinett trocken, der mit einem Hauch weniger Restzucker noch etwas präziser sein könnte, aber schön reif und etwas nussig schmeckt.

Auch bei den Roten ist alles im grünen Bereich. Der 2014er Erlenbacher Hochberg Portugieser „BF“ kann sich gegenüber seinem Vorgänger nicht ganz behaupten, zählt für mich aber dennoch zu den besten Vertretern der Sorte auch über Franken hinaus. Der 2013er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „S“ bietet dann viel Wein für moderates Geld – hervorragend.

Eine Überraschung waren dann die Weine von Weinbau M. und G. Kroth.

Sowohl der 2015er Silvaner trocken und der straffe und wirklich trocken schmeckende 2015er Riesling Kabinett trocken als auch der 2014er Spätburgunder trocken und der 2013er Spätburgunder Barrique trocken konnten überzeugen und müssen in der Hecke der Kroths unbedingt nachverkostet werden.

Großheubach

Aus Großheubach hat Kremers Winzerhof die Kollektion des Tages mitgebracht. Das fängt an beim frischen 2015er Silvaner Kabinett trocken. Die „The First“ Reihe startet dann mit dem 2014er „The First“ Weißer Burgunder trocken, der noch etwas liegen bleiben könnte. Die 2015er sind da schon deutlicher offener. Der 2015er „The First“ Cuveé – 1 – trocken aus Weißem Burgunder und Chardonnay, teilweise im Holz ausgebaut, der 2015er „The First“ Chardonnay trocken, ebenfalls mit gutem Holzeinsatz und der 2015er „The First“ Riesling trocken (2015 ist definitiv ein Rieslingjahr in Franken) sind hervorragend, kraftvoll aber doch elegant. Die Burgunder könnten vielleicht einen kleinen Hauch präziser sein, da sie aber in sich ruhen sind sie auch schöne Essensbegleiter und bieten ein gutes Preis-Genussverhältnis.

Im roten Bereich wurde ein schöner 2013er Spätburgunder Kabinett „Churfranken“ trocken präsentiert und der unbedingt noch nachzukaufende 2012er Pinot Noir Réserve, der einen furiosen Einstieg von Uli Kremer in die 20 EUR Klasse darstellt – hier die ausführliche Verkostungsnotiz. Den kühleren 2014er Nachfolger gab es als kleine Preview ebenfalls zu kosten. Es dauert aber noch, bis der Wein in den Verkauf kommt. Das ist gut so, da er noch einige Flaschenreife brauchen kann.

Großostheim

Aus Großostheim dann auch eine kleine Überraschung. Das Weingut Lutz hatte eine durchweg gute Kollektion fruchtiger und trinkiger Weine dabei, die in der Hecke, auf der Terrasse und bei fröhlichen Feierlichkeiten eine sehr gute Figur machen und für die der Besucher aus dem Zentrum des Rhein-Main-Gebiets gar nicht weit fahren muss.

Klingenberg

Aus Klingenberg war – wie schon geschrieben – leider nur Anja Stritzinger dabei. Besonders gefielen mir hier die aus dem biologisch geführten Betrieb mitgebrachten Rotweine. Der 2014er Klingenberger Schlossberg Regent trocken „Barrique“ ist ein sehr schöner Vertreter der Rebsorte.

Auch schön und sehr jung der 2014er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder trocken „Barrique“.

Leider vor Ort ausgetrunken war der einzigartige Vinum Franconium Purpureum Rotwein „Alter Satz“ trocken. Ein Wein aus alten wurzelechten Reben verschiedener historischer Sorten aus dem Museumsweinberg in Klingenberg. Schade, wird aber nachgeholt.

Kreuzwertheim

Aus Kreuzwertheim war das Weingut Alte Grafschaft dabei. Auch in den letzten Jahren schon hatte Norbert Spielmann hervorragende Weine dabei. Dieses Jahr war hier nicht anders. Die 2015er Fass 3 Weißweincuveé aus Müller-Thurgau, Bacchus und Scheurebe ist sehr fruchtig und hat ein kräftiges Bukett, bleibt aber frisch und ist nicht kitschig.

Der schöne 2012er Reicholzheimer Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“ und der kühle 2012er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder „R“ waren auch schon das letzte Mal dabei und bleiben klasse. Ebenfalls schön der 2013er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder.

 

Das waren meine Tipps der diesjährigen Veranstaltung. Es bleibt weiter spannend in Churfranken. Auch 2016 erwarten die Winzer einen guten Jahrgang.

20161016_161705-bearbeitet-bearbeitetZum Abschluss möchte ich aber noch einen Tipp abseits des Weins los werden. Die Fromagerie Geiß war mit einem Genussstand am Start. Manuel Geiß tolle Beratung hatten wir schon das eine oder andere Mal bei anderer Gelegenheit kennengelernt. Die Käse sind hervorragend. Das Beste ist, dass im November ein Laden in Aschaffenburgs Sandgasse eröffnet wird und man die Käse dann nicht mehr nur auf Veranstaltungen und Märkten kaufen kann.

Das beste aus einer Region: Das Churfranken-Genussfestival 2015 in Amorbach

Das Churfranken-Genussfestival fand dieses Jahr in den Räumen der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach im Odenwald statt. Ein wirklich herrschaftliches Anwesen, welches seit der Säkularisation den Fürsten von Leiningen gehört.

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Genüsse aller Art auf dem Churfranken-Genussfestival

Während im Hauptgebäude und dessen Hof im wesentlichen die essbaren Genüsse der Region präsentiert wurden, fand die Churfranken-Weinprobe im ehemaligen Marstall „um die Ecke“ statt. Wirklich glücklich war die Ortswahl trotz des historischen schönen Ambientes nicht. Verglichen mit dem Veranstaltungsort des Vorjahrs, dem Hofgut von Hünersdorff in Wörth am Main, waren die Räumlichkeiten in diesem Jahr doch sehr weit auseinander gezogen.

Um die kulinarischen Spezialitäten soll es hier im folgenden nicht gehen, dennoch lohnt sich ein Rundgang durch die Metzger-, Honig-, Gemüse-, Backwaren-, Wild-, Bier- und Schnapsstände auf jeden Fall, die Region hat viel zu bieten.

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Der fürstliche Marstall – Ort der Weinprobe

Die Churfranken-Weinprobe selbst ist jeweils nach Orten sortiert. Das hat den Vorteil, dass man gut probieren kann, was verschiedene Winzer so aus der gleichen Lage herausholen.

In diesem Jahr war aus meiner Sicht das Feld der angestellten Weine breiter als im Vorjahr – leider sind meine Aufzeichnungen im letzten Jahr aber auch nicht sehr umfangreich gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass 2013 und 2014 in Churfranken eher anspruchsvolle Jahre waren, vielleicht aber auch daran, dass in diesem Jahr leider ein paar Qualitätsführer fehlten, so zum Beispiel die Winzer Alzenaus insgesamt mit den starken Betrieben Höfler, Heilmann und Klaus Simon oder Fürst Löwenstein aus Kleinheubach, Wolfgang Kühn aus Klingenberg und Helmstetter aus Bürgstadt.

Dennoch gab es das eine oder andere Highlight zu verkosten:

Elsenfeld-Rück:

Der „Schoppenpreis“ geht ganz klar an die Winzer aus Rück. Die Weinlagen befinden sich etwas versteckt in einem Seitental zum Main.
Die meisten Rücker Winzer bewirtschaften ihre Betriebe im Nebenerwerb und in den Häckerwirtschaften lässt sich herzlich ursprünglich und deftig einkehren. Dazu gibt es frische und klare Schoppenweine die Spaß machen. Große Perlen waren in diesem Jahr nicht dabei, das macht aber nichts, weil das Gesamtpaket stimmt.

Kreuzwertheim:

Das einzige Weingut aus Kreuzwertheim – Alte Grafschaft – hat dieses Jahr wieder eine sehr überzeugende Kollektion mitgebracht. Angefangen beim 2014er FASS 3 Weißweincuvee, der sich mit typischer Scheurebennase zeigt und ein perfekter Sommerwein ist (vermarktet übrigens als deutscher Wein, da er Trauben aus Franken und Baden enthält). Die beiden Regionen treffen bei Wertheim aufeinander – Churfranken = Franken und Tauberfranken = Baden). Der 2012er Kaffelstein Riesling kombiniert schöne Reifenoten mit süßem Obst und einer tollen Mineralik. Der 2014er Satzenberg Weißburgunder riecht schon toll braucht aber noch etwas Zeit, ganz anders der nussig weiche und intensive hervorragende 2012er Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“. Auch im roten Bereich überzeugt das Weingut mit den kühlen 2012er Spätburgunder / Spätburgunder „R“ Barrique.

Klingenberg am Main:

Großostheimer Weine

Großostheimer Weine

In Klingenberg liefert Hofmann-Herkert einen kräftigen 2014er Silvaner aus der nicht ganz einfachen Lage Großostheimer Harstell vom Lößboden. Der 2013er Klingenberger Spätburgunder „Jugendstil“ braucht noch Zeit, kann aber jetzt schon mit warmen und würzigen Tönen überzeugen und gibt damit einen ersten Einblick in die (leider nicht weiter mitgebrachte) Spätburgunderwelt von Hofmann-Herkert. Die finde ich insofern besonders, als dass die Weine deutlich mehr Wärme ausstrahlen, als die Spätburgunder der örtlichen Konkurrenz (z. B. Baltes oder Kühn)

Aus Anja Stritzingers Biobetrieb kommt dieses Jahr ein sehr individueller Wein, der 2013er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett Barrique. Der Holzeinsatz ist recht knackig, die Säure des Rieslings bietet aber ordentlich Paroli. Es handelt sich übrigens um Barriques aus Klingenberger Eiche, deren Holz fast in Flammen aufgegangen wäre, bevor aus ihm die Fässer geworden sind. Die Winzerin erzählt die ganze Geschichte sicher gern.

Auf die Verkostung von Benedikt Baltes Weingut der Stadt Klingenberg 2013er Spätburgunder habe ich dieses Mal verzichtet, da ich sie bereits im Frühjahr im Weingut gekostet hatte. Zu jung, präzise und sehr kühl sind seine Weine. Top Qualitäten, für meinen persönlichen Geschmack aber – zumindest in ihrer Jugend – zu kühl.

Großwallstadt:

Führend in Großwallstadt ist Klaus Giegerich mit seinen Weinen der Carus – Linie. Allen voran der 2013er Carus – Riesling. Der kommt straff und salzig rüber – elegant und mit feiner Frucht.

Großheubach:

In Großheubach ist Kremers Winzerhof mein Lieblingsbetrieb. Die eine oder andere Verkostungsnotiz befindet sich im Blog.
Einer der besten Weißweine der Probe war der 2013er „The First“ Weißer Burgunder mit einem optimalen Holzeinsatz und viel Kraft. Auch empfehlenswert der noch junge 2014er „The First“ Chardonnay und der 2013er Cabernet Dorsa.

Ebenfalls gut gefallen hat mir der 2012er Zweigelt von Achim Zöller. Da folgt bestimmt in Kürze eine ausführliche Verkostungsnotiz. Den habe ich nämlich im Keller.

Erlenbach am Main:

In Erlenbach hat mich der 2013er Erlenbacher Hochberg Riesling von Werner Ott mit der tollen Mineralität und schönen Frucht sehr positiv überrascht.
Das Weingut Wengerter hatte einen kraftvoll runden und leicht nussigen 2013er Rücker Jesuitenberg Weißburgunder Spätlese dabei.

Das das Weingut A. Waigand in Erlenbach eine sichere Bank ist musste es diesmal nicht erneut beweisen. Ein paar Verkostungsnotizen gibt es bereits im Blog.

Bürgstadt:

Ortssieger der Probe ist ganz klar Bürgstadt. Die durchschnittliche Qualität ist einfach herausragend.

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Bürgstadter Rotweine

Das liegt nicht nur an Gebietsprimus Rudolf Fürst, der einen schönen druckvollen 2014er Bürgstadter Riesling und einen herausragenden 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs mitgebracht hatte. Das war das erste mal, dass ich Fürsts Weißweine jenseits der Pur Mineral Linie probiert habe. Und ich bin beruhigt, da der kompromisslose Pur Mineral Stil im Gegensatz zu den heutigen Rieslingen nicht so wirklich liegt. Das der 2013er Bürgstadter Spätburgunder Ortswein viel zu jung aber klasse war, muss ich eigentlich gar nicht sagen.

Burkhard Hench hatte mit dem 2012er Spätburgunder R Holzfass ebenfalls was zu junges dabei – noch hartes Tannin, aber eine schöne Würze und feine Säure.

Das die Bürgstadter Weine ein tolles Lagerpotetial haben beweist Josef Walter immer wieder und jedes Jahr besonders mit seiner Burgunderbar bei der Bürgstadter Weinkulturnacht, wo es immer „Best of Walter“ der letzten 15 Jahre zu trinken gibt. Der 2009er Centgrafenberg Spätburgunder „J“ zeigt sich präzise, eher kühl mit feinem Tannin aber noch fast jugendlich. Der 2013er Walters Spätburgunder mit toller Würze sollte gleich wieder für ein paar Jahre im Keller verschwinden.
Aber Walter kann auch weiß. Der junge schmelzige aber nicht schwammige und extrem mineralische 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner war der beste Silvaner des Tages.

Schön auch der zart cremige 2014er Silvaner Kabinett vom Weingut Sturm.

Unter den Weißweinen ist der runde 2013er Riesling Kabinett mit schöner Frucht und Mineralik sowie feiner Säure von Erich Meisenzahl ebenfalls zu erwähnen.

Beim Weingut Neuberger sind der 2014er Weißburgunder Kabinett und der 2014er Riesling Kabinett sehr empfehlenswert, herausragend ist aber der 2012er Spätburgunder aus dem Hunsrück, dem Filetstück des Centgrafenbergs. Kraftvoll, warm mit starker Würze und leichter Karamellnote zeigt sich der Wein.

So schnell geht dann auch ein spannender Oktobernachmittag in Amorbach zu Ende. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr. Der 2015er Jahrgang verspricht in Churfranken einiges, wie die Winzer berichten.