Das Churfranken-Genussfestival 2016 in Elsenfeld

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Das Churfranken-Genussfestival ist für mich ein absoluter Pflichttermin Im Weinjahr, habe ich durch die Weine der churfränkischen Winzer doch die Liebe zum deutschen Wein gefunden, nach sauren Rheingauerfahrungen in meiner Jugendzeit. In diesem Jahr fand die Veranstaltung im Bürgerzentrum Elsenfeld statt. Nach den letzten beiden Jahren in den historischen Gemäuern des Hofguts von Hünersdorff bzw. der ehemaligen Abtei zu Amorbach klang so ein Bürgerzentrum erstmal nicht unbedingt fortschrittlich.

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Weinverkostung im Foyer

Vor Ort passte aber alles ziemlich gut zusammen. Wein Im Foyer, Genussstände im großen Saal und auf der Empore und Im kleinen Saal warme Speisen der regionalen Gastronomie und Sitzgelegenheiten. Alles eng zusammen aber gut aufgeteilt.

Die Weinprobe war wieder nach Orten aufgeteilt. Sehr positiv war, dass die Winzer aus Alzenau wieder als Gast dabei waren. Ärgerlich bleibt, dass sich einige namhafte Betriebe nicht beteiligen. Von den Topbetrieben fehlte wieder Fürst Löwenstein und neuerdings auch das Weingut der Stadt Klingenberg. Überhaupt war Klingenberg als einer der Hauptorte der Region dieses Mal nur durch Anja Stritzinger vertreten. Sehr schade.

Die anwesenden Weingüter präsentierten viele spannende Weine und insgesamt ist das Niveau Im Jahrgang 2015 wieder etwas höher als im Vorjahr. Die Weine sind kraftvoller und komplexer. Einen Wermutstropfen gibt es aber leider dennoch. Bei einer auffallenden Anzahl von Weinen des Jahrgangs 2015 finden sich ziemlich kräftige, phenolische Bitternoten in den Weinen. Ein Zeichen dafür, dass auch in dem manchmal als „Jahrhundertjahrgang“ bejubeltem Jahr, Wein machen kein Selbstläufer war.

Highlights gab es aber einige:

Alzenau

Im fränkischen „Rieslingzipfel“ waren es zwei Rieslinge, die einen bleibenden Eindruck hinterließen. Allen voran der kraftvolle, mineralische 2015er Michelbacher Steinberg Riesling Erste Lage trocken des Weinguts Höfler und der frische 2015er Hörsteiner Reuschberg Riesling Kabinett trocken von Jürgen Simon.

Bürgstadt

Bürgstadt ist Rotweinterritorium. Trotzdem haben es auch einige Weißweine auf meine Best of Liste geschafft. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner „S“ trocken vom Weingut Josef Walter ist toll, aber jahrgangsbedingt natürlich kräftiger und nicht ganz so elegant wie der hervorragende 2014er.

Vom Weingut Hench kam ein 2014er Weißburgunder R trocken aus dem Holzfass. Der zeichnet sich durch ein gutes Maß beim Holzeinsatz aus und bleibt angenehm schlank und trinkig. Dennoch kann der Wein noch etwas liegen.

Bürgstadter Rotweine
Bürgstadter Rotweine

Auch vom Weingut Neuberger kam ein Weißburgunder. Der 2013er Weißburgunder Spätlese trocken ist reifer, runder aber auch kraftvoller als der Wein von Henchs. Das ist sicherlich auch dem Jahr mehr Reife geschuldet. Der Wein gefiel mir etwas besser als sein Pendant aus 2012, der jahrgangsbedingt gefühlt noch etwas üppiger ausfiel.

Rudolf Fürst hatte zwei erstklassige Rieslinge dabei, spielt natürlich aber auch in einer anderen preislichen Liga. Der 2015er Bürgstadter Riesling Ortswein zeigt schön, dass 2015 ein tolles Rieslingjahr in Franken ist und bietet viel für die Kategorie Ortswein. Das dichte, druckvolle aber elegante 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs ist dann schon beeindruckend.

Im roten Bereich schön aber viel zu jung ist Fürsts 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“. Im direkten Vergleich ohne Berücksichtigung von weiteren Reifepotentialen ist der 2010er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „J“ vom Weingut Josef Walter der Frühburgunder des Tages – liegen darf aber auch der gern noch.

Beim Spätburgunder gab es von Walters mit dem 2013er Walters Spätburgunder auch den Basisspätburgunder des Tages. In gleicher Kategorie spielt auch der 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder trocken vom Weingut Dassing, der vielleicht nicht ganz so facettenreich wie der Einstiegswein von Walters ist, aber durch den etwas wärmeren klassischen Stil auch Trinker überzeugen kann, die kritisch gegenüber deutschem Spätburgunder eingestellt sind – hier der Vorgänger aus 2012.

Bei den gehobenen Spätburgundern konnte neben Christoph Walters 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Pinot Noir auch der sehr dichte, junge und mit schöner Säure ausgestattete  2013er Spätburgunder „R“ von Hench sowie der etwas wärmere 2013er Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder von Neubergers überzeugen.

Erlenbach

Highlight am Stand der Erlenbacher Winzer war die hervorragende Kollektion des Weinguts Waigand. Der 2014er Erlenbacher Hochberg Silvaner trocken war der beste Silvaner des Tages und das zu einem sehr günstigen Preis. Gut auch der 2014er Erlenbacher Hochberg Riesling feinherb und der 2013er Erlenbacher Hochberg Weißer Burgunder Kabinett trocken, der mit einem Hauch weniger Restzucker noch etwas präziser sein könnte, aber schön reif und etwas nussig schmeckt.

Auch bei den Roten ist alles im grünen Bereich. Der 2014er Erlenbacher Hochberg Portugieser „BF“ kann sich gegenüber seinem Vorgänger nicht ganz behaupten, zählt für mich aber dennoch zu den besten Vertretern der Sorte auch über Franken hinaus. Der 2013er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „S“ bietet dann viel Wein für moderates Geld – hervorragend.

Eine Überraschung waren dann die Weine von Weinbau M. und G. Kroth.

Sowohl der 2015er Silvaner trocken und der straffe und wirklich trocken schmeckende 2015er Riesling Kabinett trocken als auch der 2014er Spätburgunder trocken und der 2013er Spätburgunder Barrique trocken konnten überzeugen und müssen in der Hecke der Kroths unbedingt nachverkostet werden.

Großheubach

Aus Großheubach hat Kremers Winzerhof die Kollektion des Tages mitgebracht. Das fängt an beim frischen 2015er Silvaner Kabinett trocken. Die „The First“ Reihe startet dann mit dem 2014er „The First“ Weißer Burgunder trocken, der noch etwas liegen bleiben könnte. Die 2015er sind da schon deutlicher offener. Der 2015er „The First“ Cuveé – 1 – trocken aus Weißem Burgunder und Chardonnay, teilweise im Holz ausgebaut, der 2015er „The First“ Chardonnay trocken, ebenfalls mit gutem Holzeinsatz und der 2015er „The First“ Riesling trocken (2015 ist definitiv ein Rieslingjahr in Franken) sind hervorragend, kraftvoll aber doch elegant. Die Burgunder könnten vielleicht einen kleinen Hauch präziser sein, da sie aber in sich ruhen sind sie auch schöne Essensbegleiter und bieten ein gutes Preis-Genussverhältnis.

Im roten Bereich wurde ein schöner 2013er Spätburgunder Kabinett „Churfranken“ trocken präsentiert und der unbedingt noch nachzukaufende 2012er Pinot Noir Réserve, der einen furiosen Einstieg von Uli Kremer in die 20 EUR Klasse darstellt – hier die ausführliche Verkostungsnotiz. Den kühleren 2014er Nachfolger gab es als kleine Preview ebenfalls zu kosten. Es dauert aber noch, bis der Wein in den Verkauf kommt. Das ist gut so, da er noch einige Flaschenreife brauchen kann.

Großostheim

Aus Großostheim dann auch eine kleine Überraschung. Das Weingut Lutz hatte eine durchweg gute Kollektion fruchtiger und trinkiger Weine dabei, die in der Hecke, auf der Terrasse und bei fröhlichen Feierlichkeiten eine sehr gute Figur machen und für die der Besucher aus dem Zentrum des Rhein-Main-Gebiets gar nicht weit fahren muss.

Klingenberg

Aus Klingenberg war – wie schon geschrieben – leider nur Anja Stritzinger dabei. Besonders gefielen mir hier die aus dem biologisch geführten Betrieb mitgebrachten Rotweine. Der 2014er Klingenberger Schlossberg Regent trocken „Barrique“ ist ein sehr schöner Vertreter der Rebsorte.

Auch schön und sehr jung der 2014er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder trocken „Barrique“.

Leider vor Ort ausgetrunken war der einzigartige Vinum Franconium Purpureum Rotwein „Alter Satz“ trocken. Ein Wein aus alten wurzelechten Reben verschiedener historischer Sorten aus dem Museumsweinberg in Klingenberg. Schade, wird aber nachgeholt.

Kreuzwertheim

Aus Kreuzwertheim war das Weingut Alte Grafschaft dabei. Auch in den letzten Jahren schon hatte Norbert Spielmann hervorragende Weine dabei. Dieses Jahr war hier nicht anders. Die 2015er Fass 3 Weißweincuveé aus Müller-Thurgau, Bacchus und Scheurebe ist sehr fruchtig und hat ein kräftiges Bukett, bleibt aber frisch und ist nicht kitschig.

Der schöne 2012er Reicholzheimer Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“ und der kühle 2012er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder „R“ waren auch schon das letzte Mal dabei und bleiben klasse. Ebenfalls schön der 2013er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder.

 

Das waren meine Tipps der diesjährigen Veranstaltung. Es bleibt weiter spannend in Churfranken. Auch 2016 erwarten die Winzer einen guten Jahrgang.

20161016_161705-bearbeitet-bearbeitetZum Abschluss möchte ich aber noch einen Tipp abseits des Weins los werden. Die Fromagerie Geiß war mit einem Genussstand am Start. Manuel Geiß tolle Beratung hatten wir schon das eine oder andere Mal bei anderer Gelegenheit kennengelernt. Die Käse sind hervorragend. Das Beste ist, dass im November ein Laden in Aschaffenburgs Sandgasse eröffnet wird und man die Käse dann nicht mehr nur auf Veranstaltungen und Märkten kaufen kann.

2 Responses

  1. Annette Grabensee

    Ich finde es schade das der Ausrichter des diesjährigen Festivals- Der Markt Elsenfeld mit seinem kleinen aber feinen Weinort Rück- in ihrem Bericht keine Erwähnung findet. Dabei können die Weine durchaus mit den vermeintlich „Grossen“ durchaus mithalten. Vielleicht haben sie den Stand aber auch einfach übersehen.

  2. kleiner_pirat

    Hallo Frau Grabensee, vielen Dank für Ihr Feedback. Der Rücker Stand war natürlich nicht zu übersehen. Bei den Weißen muss ich aber leider sagen, dass ich einen Teil nicht verkostet habe, da ich eine Seite im Heft übersehen hatte. In meinem Bericht habe ich ganz subjektiv die Weine erwähnt, die mich am meisten begeistert hatten. Nicht nur Rück blieb dabei unerwähnt. Im letzten Jahr hatte ich Rück insgesamt erwähnt, weil mir die Konstanz im schwierigen 2014er Jahrgang gut gefallen hatte. Für 2015 lasse ich mich gern noch überzeugen. Welche Häcke, welchen Winzer soll ich in Rück ansteuern? Wer hat einen Vorschlag?

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