Das beste aus einer Region: Das Churfranken-Genussfestival 2015 in Amorbach

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Das Churfranken-Genussfestival fand dieses Jahr in den Räumen der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach im Odenwald statt. Ein wirklich herrschaftliches Anwesen, welches seit der Säkularisation den Fürsten von Leiningen gehört.

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Genüsse aller Art auf dem Churfranken-Genussfestival

Während im Hauptgebäude und dessen Hof im wesentlichen die essbaren Genüsse der Region präsentiert wurden, fand die Churfranken-Weinprobe im ehemaligen Marstall „um die Ecke“ statt. Wirklich glücklich war die Ortswahl trotz des historischen schönen Ambientes nicht. Verglichen mit dem Veranstaltungsort des Vorjahrs, dem Hofgut von Hünersdorff in Wörth am Main, waren die Räumlichkeiten in diesem Jahr doch sehr weit auseinander gezogen.

Um die kulinarischen Spezialitäten soll es hier im folgenden nicht gehen, dennoch lohnt sich ein Rundgang durch die Metzger-, Honig-, Gemüse-, Backwaren-, Wild-, Bier- und Schnapsstände auf jeden Fall, die Region hat viel zu bieten.

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Der fürstliche Marstall – Ort der Weinprobe

Die Churfranken-Weinprobe selbst ist jeweils nach Orten sortiert. Das hat den Vorteil, dass man gut probieren kann, was verschiedene Winzer so aus der gleichen Lage herausholen.

In diesem Jahr war aus meiner Sicht das Feld der angestellten Weine breiter als im Vorjahr – leider sind meine Aufzeichnungen im letzten Jahr aber auch nicht sehr umfangreich gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass 2013 und 2014 in Churfranken eher anspruchsvolle Jahre waren, vielleicht aber auch daran, dass in diesem Jahr leider ein paar Qualitätsführer fehlten, so zum Beispiel die Winzer Alzenaus insgesamt mit den starken Betrieben Höfler, Heilmann und Klaus Simon oder Fürst Löwenstein aus Kleinheubach, Wolfgang Kühn aus Klingenberg und Helmstetter aus Bürgstadt.

Dennoch gab es das eine oder andere Highlight zu verkosten:

Elsenfeld-Rück:

Der „Schoppenpreis“ geht ganz klar an die Winzer aus Rück. Die Weinlagen befinden sich etwas versteckt in einem Seitental zum Main.
Die meisten Rücker Winzer bewirtschaften ihre Betriebe im Nebenerwerb und in den Häckerwirtschaften lässt sich herzlich ursprünglich und deftig einkehren. Dazu gibt es frische und klare Schoppenweine die Spaß machen. Große Perlen waren in diesem Jahr nicht dabei, das macht aber nichts, weil das Gesamtpaket stimmt.

Kreuzwertheim:

Das einzige Weingut aus Kreuzwertheim – Alte Grafschaft – hat dieses Jahr wieder eine sehr überzeugende Kollektion mitgebracht. Angefangen beim 2014er FASS 3 Weißweincuvee, der sich mit typischer Scheurebennase zeigt und ein perfekter Sommerwein ist (vermarktet übrigens als deutscher Wein, da er Trauben aus Franken und Baden enthält). Die beiden Regionen treffen bei Wertheim aufeinander – Churfranken = Franken und Tauberfranken = Baden). Der 2012er Kaffelstein Riesling kombiniert schöne Reifenoten mit süßem Obst und einer tollen Mineralik. Der 2014er Satzenberg Weißburgunder riecht schon toll braucht aber noch etwas Zeit, ganz anders der nussig weiche und intensive hervorragende 2012er Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“. Auch im roten Bereich überzeugt das Weingut mit den kühlen 2012er Spätburgunder / Spätburgunder „R“ Barrique.

Klingenberg am Main:

Großostheimer Weine
Großostheimer Weine

In Klingenberg liefert Hofmann-Herkert einen kräftigen 2014er Silvaner aus der nicht ganz einfachen Lage Großostheimer Harstell vom Lößboden. Der 2013er Klingenberger Spätburgunder „Jugendstil“ braucht noch Zeit, kann aber jetzt schon mit warmen und würzigen Tönen überzeugen und gibt damit einen ersten Einblick in die (leider nicht weiter mitgebrachte) Spätburgunderwelt von Hofmann-Herkert. Die finde ich insofern besonders, als dass die Weine deutlich mehr Wärme ausstrahlen, als die Spätburgunder der örtlichen Konkurrenz (z. B. Baltes oder Kühn)

Aus Anja Stritzingers Biobetrieb kommt dieses Jahr ein sehr individueller Wein, der 2013er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett Barrique. Der Holzeinsatz ist recht knackig, die Säure des Rieslings bietet aber ordentlich Paroli. Es handelt sich übrigens um Barriques aus Klingenberger Eiche, deren Holz fast in Flammen aufgegangen wäre, bevor aus ihm die Fässer geworden sind. Die Winzerin erzählt die ganze Geschichte sicher gern.

Auf die Verkostung von Benedikt Baltes Weingut der Stadt Klingenberg 2013er Spätburgunder habe ich dieses Mal verzichtet, da ich sie bereits im Frühjahr im Weingut gekostet hatte. Zu jung, präzise und sehr kühl sind seine Weine. Top Qualitäten, für meinen persönlichen Geschmack aber – zumindest in ihrer Jugend – zu kühl.

Großwallstadt:

Führend in Großwallstadt ist Klaus Giegerich mit seinen Weinen der Carus – Linie. Allen voran der 2013er Carus – Riesling. Der kommt straff und salzig rüber – elegant und mit feiner Frucht.

Großheubach:

In Großheubach ist Kremers Winzerhof mein Lieblingsbetrieb. Die eine oder andere Verkostungsnotiz befindet sich im Blog.
Einer der besten Weißweine der Probe war der 2013er „The First“ Weißer Burgunder mit einem optimalen Holzeinsatz und viel Kraft. Auch empfehlenswert der noch junge 2014er „The First“ Chardonnay und der 2013er Cabernet Dorsa.

Ebenfalls gut gefallen hat mir der 2012er Zweigelt von Achim Zöller. Da folgt bestimmt in Kürze eine ausführliche Verkostungsnotiz. Den habe ich nämlich im Keller.

Erlenbach am Main:

In Erlenbach hat mich der 2013er Erlenbacher Hochberg Riesling von Werner Ott mit der tollen Mineralität und schönen Frucht sehr positiv überrascht.
Das Weingut Wengerter hatte einen kraftvoll runden und leicht nussigen 2013er Rücker Jesuitenberg Weißburgunder Spätlese dabei.

Das das Weingut A. Waigand in Erlenbach eine sichere Bank ist musste es diesmal nicht erneut beweisen. Ein paar Verkostungsnotizen gibt es bereits im Blog.

Bürgstadt:

Ortssieger der Probe ist ganz klar Bürgstadt. Die durchschnittliche Qualität ist einfach herausragend.

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Bürgstadter Rotweine

Das liegt nicht nur an Gebietsprimus Rudolf Fürst, der einen schönen druckvollen 2014er Bürgstadter Riesling und einen herausragenden 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs mitgebracht hatte. Das war das erste mal, dass ich Fürsts Weißweine jenseits der Pur Mineral Linie probiert habe. Und ich bin beruhigt, da der kompromisslose Pur Mineral Stil im Gegensatz zu den heutigen Rieslingen nicht so wirklich liegt. Das der 2013er Bürgstadter Spätburgunder Ortswein viel zu jung aber klasse war, muss ich eigentlich gar nicht sagen.

Burkhard Hench hatte mit dem 2012er Spätburgunder R Holzfass ebenfalls was zu junges dabei – noch hartes Tannin, aber eine schöne Würze und feine Säure.

Das die Bürgstadter Weine ein tolles Lagerpotetial haben beweist Josef Walter immer wieder und jedes Jahr besonders mit seiner Burgunderbar bei der Bürgstadter Weinkulturnacht, wo es immer „Best of Walter“ der letzten 15 Jahre zu trinken gibt. Der 2009er Centgrafenberg Spätburgunder „J“ zeigt sich präzise, eher kühl mit feinem Tannin aber noch fast jugendlich. Der 2013er Walters Spätburgunder mit toller Würze sollte gleich wieder für ein paar Jahre im Keller verschwinden.
Aber Walter kann auch weiß. Der junge schmelzige aber nicht schwammige und extrem mineralische 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner war der beste Silvaner des Tages.

Schön auch der zart cremige 2014er Silvaner Kabinett vom Weingut Sturm.

Unter den Weißweinen ist der runde 2013er Riesling Kabinett mit schöner Frucht und Mineralik sowie feiner Säure von Erich Meisenzahl ebenfalls zu erwähnen.

Beim Weingut Neuberger sind der 2014er Weißburgunder Kabinett und der 2014er Riesling Kabinett sehr empfehlenswert, herausragend ist aber der 2012er Spätburgunder aus dem Hunsrück, dem Filetstück des Centgrafenbergs. Kraftvoll, warm mit starker Würze und leichter Karamellnote zeigt sich der Wein.

So schnell geht dann auch ein spannender Oktobernachmittag in Amorbach zu Ende. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr. Der 2015er Jahrgang verspricht in Churfranken einiges, wie die Winzer berichten.

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