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„Straubs reife Weine“ im Restaurant Straubs Schöne Aussicht in Klingenberg am 27. Januar 2018

Straubs Schöne Aussicht

Die schöne Aussicht bei Straubs

Unter dem Motto „Straubs reife Weine“ fand am 27. Januar eine feine Weinprobe bei Straubs Schöne Aussicht in Klingenberg statt. Reife Weine sind in jedem Fall ein interessantes Thema, zumal Sabine und Rafael Straub für ihre Restaurant-Weinkarte spannende Winzer mit individuellen Weinen ausgewählt haben.

Geplant waren neben einem „Begrüßungswein“ drei Zweier-Flights mit Weißweinen und ein Dreier-Flight mit Rotweinen. Vorab kann ich sagen, dabei ist es nicht geblieben.

Herausforderung Blindprobe

Ich hatte mich ja auf einen entspannten Nachmittag bei etwas Weinplausch eingerichtet. Schon beim Begrüßungswein waren dann aber direkt geschärfte Sinne gefordert: Blindprobe! Dabei sollte es jeweils flightweise bleiben. Mein persönliches Ergebnis beim Wein erkennen war katastrophal, obwohl mir die meisten Winzer bekannt waren. Einzig bei den Jahrgängen hatte ich eine ordentliche Trefferquote. Dazu kamen zwei echte persönliche Waterloos. Den 2014er Maximin Grünhaus Abtsberg trocken hatte ich erst letztens zuhause getrunken und im Blog beschrieben – gestern hatte ich noch nicht mal das Anbaugebiet erkannt (Mosel!!! – nicht erkannt – da komm ich immer noch nicht drüber hinweg) und auch die einzigartige Stilistik von J.B. Becker aus dem Rheingau konnte ich auch nicht wiedererkennen, obwohl wir erst im Dezember auf der Jahrgangspräsentation knapp 50 Becker-Weine aus den verschiedensten Jahrgängen gekostet hatten. Jetzt könnte ich natürlich zur Entschuldigung anführen, dass wir am Tag zuvor schon ein sensationelles Silvanerdinner mit Rudolf May im Schaumahl in Offenbach genossen und die Geschmacksnerven vielleicht noch etwas gelähmt waren oder den großen Gläsern auf der Probe die Schuld zuschieben. Hilft aber alles nichts – Blindverkostung ist eine Erfahrungssache und es braucht verdammt viel von der Erfahrung, um wirklich gut zu sein.

Individuelle Winzer, kühle Jahrgänge
Straubs Schöne Aussicht Weißweine

Die Weißweine

Bei den Weißweinflights lag der Schwerpunkt klar auf kühleren Jahrgängen. Ein Thema, über das gern gestritten wird. Welche Weine reifen besser: Die aus den häufig wärmeren „Top-Jahrgängen“ oder aus den kühleren Jahrgängen, deren Weine in der Jugend häufig nicht so positiv bei den üblichen Kritikern ankommen, dafür aber häufig mehr Säure aufweisen, die als ein Indikator für eine gute Reifeentwicklung gesehen wird? Final ist dieser „Konflikt“ wahrscheinlich nie aufzulösen.

Bei den Weinen gestern war das Reifeverhalten definitiv positiv zu bewerten. Einzig der im dritten Flight gezeigte 2008er Erbacher Hohenrain Riesling Alte Reben von Jakob Jung hatte seinen Zenit schon etwas überschritten und war daher Solo kein großes Vergnügen mehr.

Meine Favoriten bei den Weißweinen war der frische 2012er Reinstoff Riesling von Kai Schätzel, der feine und sehr elegante 2014er Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling trocken und der 2013er Westhofener Riesling trocken von Wittmann, der neben dem Wein von Jakob Jung der kraftvollste Weißwein des Tages war.

Insgesamt spannend war auf jeden Fall zu sehen, wie schön auch eben Guts- und Ortsweine doch reifen können und es sich auch hier wirklich lohnen kann auf den richtigen Trinkzeitpunkt etwas zu warten.

Spätburgunder 2009 – Warmer Jahrgang, nächste Falle
Straubs Schöne Aussicht Rotweine 2009

Die Rotweine

Zwei Weine waren eher warm (der 2009er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder der Domäne Assmannshausen der hessischen Staatsweingüter und der 2009er Eltviller Rheinberg Spätburgunder trocken (gibt es nur in warmen Jahren als Lagenwein und wird sonst in den Gutswein gegeben) von J.B. Becker). Zusammen mit der leichten Reife (insbesondere beim J.B. Becker mit pflaumigen Noten) war mir der Jahrgang 2009 dann schon schnell klar. Dagegen war der dritte Wein (2009er Spätburgunder Alte Reben von Bernhard Huber) dann plötzlich viel feiner und kühler und passte so gar nicht in die Reihe – burgundischer war er definitiv und in dem Flight bezgl. des Geschmacksbilds auch sofort mein Favorit. Auf der falschen Fährte war ich dann aber doch wieder: Den Wein hätte ich in 2009 nach den beiden anderen „dickeren“ Pinots nicht nach Baden gesteckt, sondern eher in den Rheingau oder an die Ahr und die feineren Aromen kamen im Gegensatz zu den beiden anderen Weinen bei den ersten Probeschlücken nicht angemessen zu Geltung, so dass ich eher auf einen Gutswein getippt hätte. Aufgedeckt und mit etwas mehr Abstand zu den anderen beiden passte dann wieder alles. Blöde Blindprobe! Fakt ist aber auch, dass ich mich nochmal mehr mit dem Assmannshäuser Höllenberg beschäftigen muss…

Das Beste zum Schluss
Querbach 1979er Oestricher Doosberg Riesling Spätlese

Bonuswein 1

Nach den geplanten Flights und spannenden Weingesprächen hat Rafael Straub dann nochmal in seinen Weinkeller gegriffen und zwei unerwartete schöne Bonusweine geöffnet. Der 1979er Oestricher Doosberg Riesling Auslese von Querbach hat gezeigt, wie schön Riesling reifen kann und wie fein dann auch Spätlesen sein können. Frische war hier noch ohne Ende vorhanden, spontan habe ich auf die 90er Jahre getippt.

Da die Diskussion am Tisch nochmal in Richtung Rosé-Wein abbog und das Für und Wider von Erdbeeraromen abgewogen wurde, hat Rafael Straub schließlich noch eine Flasche 2016er Pinot Noir Rosé Kabinett Trocken von Köhler-Ruprecht aus der Pfalz zur Verkostung geöffnet. Das war mit die größte Überraschung des Tages. Ein solch feiner, erdbeerfreier, mineralischer Rosé ist in Deutschland schwer zu bekommen. Der Wein an sich ist außerhalb von Klingenberg allerdings auch quasi nicht erhältlich, da er im Wesentlichen in den Export geht. Der Wein ist ein starker Essensbegleiter!

Zum Schluss des offiziellen Teils wurden dann noch zwei kleine starke Visitenkarten aus der Küche des Hauses gereicht, die ganz viel Lust gemacht haben, bald mal wieder bei Straubs essen zu gehen.

Zu Ende war der Nachmittag dann aber dennoch noch nicht. Plötzlich kamen nochmal die großen Burgundergläser auf den Tisch. Dank eines großzügigen Gasts durften wir noch einen Wein des Lokalmatadoren Benedikt Baltes genießen. In Sichtweite des Orts, an dem die Reben für den Wein wachsen.

Benedikt Baltes Terrra 1261 2015

Bonuswein 3

Der 2015er Klingenberger Spätburgunder „TERRA1261“ stellt die Spitze der Kollektion von Benedikt Baltes dar. Intensive, vielschichtige Nase, unfassbar fein und dennoch komplex im Mund, im Abgang ellenlang. 2015 auch nicht ganz so kühl und in der Jugend so verschlossen, wie die Top-Weine der Vorjahre. Das ist bei deutschem Spätburgunder ganz ganz weit vorn! Hut ab.

Reifen sollte der Wein allerdings – und zwar noch lang – und da wären wir zum Schluss auch wieder beim Motto des Nachmittags.

 

Vielen Dank an Sabine und Rafael Straub für den schönen Nachmittag!

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 23.04.2017 Teil 2

Im Rheinfoyer Pfalz, Ahr, Baden und Württemberg

Fortsetzung des ersten Teils.

Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter.

Nicht mehr so komplett wie geplant, sondern noch etwas ausgewählter, die Zeit lief.

Daher nachfolgend unsere Empfehlungen ebenfalls in kürzerer Form:

 

Pfalz, Riesling:

Philipp Kuhn

Tolle Kollektion von Philipp Kuhn beginnend mit dem 2016 Laumersheimer Riesling „Vom Kalksteinfels“ trocken über den 2016er Grosskarlbacher Burgweg Riesling trocken und den 2016er Kallstadter Steinacker Riesling trocken bis zum 2015er Schwarzer Herrgott Riesling GG.

Unbedingt weiter im Auge zu behalten.

Weingut Rings

Die letztjährige Kollektion hatten wir direkt vor Ort auf der Jahrgangspräsentation mit großem Vergnügen verkostet.

Die Weine haben typisch pfälzische Elemente, sind dadurch auch nicht die schlankesten Vertreter des deutschen Rieslings. Dennoch sind sie bei den Brüdern Rings nie zu breit oder zu gemütlich, haben eine feine Frucht und steinige Mineralität und eine gut eingebundene Säure. Das war 2015 so und ist im etwas schlankeren 2016 mindestens genauso gut: Sowohl beim 2016er Freinsheimer Riesling trocken als auch bei den Lagenweinen 2016er Ungsteiner Nussriegel Riesling trocken (Fassprobe) und 2016er Kallstadter Steinacker Riesling trocken (Fassprobe).

 

Impression aus der Pfalz

Württemberg, Riesling:

Schnaitmann

Württemberger Riesling war bisher nicht unbedingt unser Tummelplatz. Seit Sonntag wissen wir, dass wir hier noch etwas nachzuholen haben.

Der sehr sympathische Rainer Schnaitmann hatte einen 2016er Schnaiter Altenberg Riesling trocken als Fassprobe dabei und zwei GG aus 2015, den 2015er Götzenberg Uhlbach Riesling GG (aus dem Stahl) und den 2016er Lämmler GG aus dem Holzfass (unser Favorit).

Allesamt sind sehr mineralische feine, komplexe Weine mit eher zurückhaltender Frucht. Top.

 

Franken, Rotwein:

Rudolf Fürst

Fürst ist und bleibt der fränkische Rotwein-König. Auch im sicher nicht einfachen, weil warmen 2015 sind hier großartige Weine entstanden. Die Weine sind für mich von fast beispielloser Eleganz und Feinheit und trotz ihrer Jugend schon erstaunlich zugänglich. Das geht los bei den Ortsweinen, dem 2015er Bürgstadter Spätburgunder trocken (Fassprobe) und dem 2015er Klingenberger Spätburgunder trocken (Fassprobe) und wird beim 2015er Bürgstadter Berg Spätburgunder trocken (Fassprobe) einfach nur noch besser.

Die neue Lagenbezeichnung „Bürgstadter Berg“ ist eine neue europäisch geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), die für Weine aus dem Hundsrück und dem Centgrafenberg (oder aus beiden Lagen zusammen) verwendet werden kann. In der Lagenpyramide des VDP ist das praktisch, weil damit dann wohl eine erste Lage zusätzlich zu den beiden GG aus den Großen Lagen Centgrafenberg und Hundsrück gekeltert werden kann. Inwieweit dies außerhalb des VDP einen Mehrwert darstellen wird, bleibt abzuwarten (es hätte auch eine Großlage eingetragen werden können).

Absoluter Favorit bei Fürst war jedoch der 2015er Bürgstadter Frühburgunder R trocken (Fassprobe).Großartig!

Benedikt Baltes

Die Weine von Benedikt Baltes kennen wir auch schon einige Jahre. Die 2012er und 2013er Jahrgänge fanden wir oft zu karg, minimalistisch und zu kompliziert. Mit 2014 änderte sich das aus unserer Sicht schon etwas. Die Weine wurden etwas runder, einen kleinen Tick wärmer, zeigten aber immer noch klar ihre Herkunft und die Handschrift Benedikt Baltes.

2015 setzt sich der Trend sicher auch jahrgangsbedingt fort. Noch immer sind die Weine in der Jugend nicht ganz einfach zu beurteilen, jedoch gehe ich fest davon aus, dass sie in überschaubaren Jahren zu Großem reifen werden. Das gilt sowohl für den 2015er Buntsandstein Spätburgunder trocken, den 2015er Großheubacher Spätburgunder trocken, den 2015er Klingenberger Spätburgunder trocken als auch für den 2015er Großheubacher Bischofsberg Spätburgunder trocken.

Bernhard Höfler

Bei Bernhard Höfler haben die Rotweine seit 2013 einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Junior Johannes hat hier den Stil maßgeblich verändert. Und so sind auch die 2015 wieder einen kleinen Schritt weiter und gefallen nochmal besser. Die Weine sind wärmer und etwas kraftvoller als die der Kollegen aus Klingenberg oder Bürgstadt, bekommen aber im Michelbacher Weinberg eine tolle Mineralität mit in die Flasche. Aus meiner Sicht ist das ein Top-Spätburgunder Terroir.

Sehr gut der 2015er Michelbacher Spätburgunder „2samkeit“ trocken, hervorragend der 2015er Michelbacher Steinberg Spätburgunder „Magnificum“ trocken (Fassprobe). Sehr schön auch wieder der 2015er Michelbacher Steinberg Schwarzriesling trocken – einer der besten Rebsortenvertreter, die ich bisher gekostet habe.

 

Baden, Rotwein:

Bernhard Huber

Bei Huber verkosteten wir drei Weine aus 2014. Den 2014er Malterdinger Spätburgunder trocken, den 2014er Spätburgunder „Alte Reben“ trocken und den 2014er Bienenberg Spätburgunder GG. Erwartungsgemäß waren alle Weine sehr gut und besaßen die schöne, komplexe Würze und Frische, die die Weine aus Malterdingen auszeichnet. Jedoch waren alle recht stark von Holz geprägt, was uns im ersten Moment etwas irritierte, und müssen definitiv noch ordentlich reifen.

Seeger

Für eine Überraschung sorgte das Weingut Seeger aus Leimen. Die Weine kannte ich bisher nicht. Und sie sind großartig. Das 2014er Oberklamm Spätburgunder GG bringt ein Feuerwerk an Aromen mit, ist tief und fein. Für uns einer der besten Rotweine des Tages. Nur kurz dahinter dann das 2014er Spermen Blaufränkisch GG, das sich vor keinem österreichischen Kollegen verstecken muss.

 

Württemberg, Rotwein:

Aldinger

Aldinger ist für mich eine weitere Entdeckung auf der VDP.Weinbörse. Feine Spätburgunder und Lemberger konnten wir verkosten. Sehr gut der 2015er Hanweiler Berg Lemberger trocken, hervorragend das 2014er Fellbacher Lämmler Lemberger GG und der 2015er Untertürkheimer Gips Spätburgunder trocken. Herausragend für uns das 2014er Gips-Marienglas Spätburgunder GG. Ein kühler Wein, mit feiner Frucht, schönem Holzeinsatz und komplexer salziger Würze.

 

Und da zeigte die Uhr 18:00h und der Messetag war schon beendet.

 

Bleibt nur noch ein kleines Fazit:

2016 ist ein guter Jahrgang. Das Niveau insgesamt hoch. Die Veranstaltung einfach top organisiert: vielen Dank an das Team des VDP.

Die Winzer waren sehr geduldig und sympathisch, die Atmosphäre familiär und das, obwohl nur Tage zu vor die Natur in Form von Nachtfrost in vielen Regionen Deutschlands stark zugeschlagen hatte. Damit steht der 2017er Jahrgang schon vor der Blüte unter einem schlechten Stern, das Ausmaß der Verluste ist noch gar nicht abzusehen.

Da kann ich nur sagen: Unterstützt die Winzer und kauft was das Zeug hält – es lohnt sich!

 

Jahrespräsentation VDP.Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 8. Mai 2016

Sieht voll aus, passte aber ganz gut

Sieht voll aus, passte aber ganz gut

700 Jahre Bürgerspital war der Anlass für die große Jahrespräsentation der Weingüter des VDP.Franken gestern in der Kelterhalle des Weinguts Bürgerspital zum Hl. Geist. Für mich eine gute Gelegenheit mal in größerem Rahmen den Jahrgang 2015 zu probieren.

Zwei Weingüter konnte ich auf der Verkostungsrunde gleich auslassen:
Die 2014er Spätburgunder des Weinguts der Stadt Klingenberg hatte ich bereits bei der Hausmesse von K+M Gutsweine in Frankfurt vor ein paar Wochen gekostet. Wie immer sind Benedikt Baltes hier starke Weine in seinem unnachahmlich kühlen, kargen aber eleganten Stil gelungen.

Bei Fürst Löwenstein hatte ich eine Woche zuvor im Rahmen der Jahrgangspräsentation vor Ort in Kleinheubach die Gelegenheit genutzt, gleich den gesamten 2015er Jahrgang der sowohl in fränkischen als auch in rheingauer Lagen gewachsenen Weine zu verkosten.
Die Kollektion von Kellermeister Bastian Hamdorf präsentiert sich von der Basis an hervorragend.
Der Jahrgang ist bei Löwensteins keiner der leichten und alkoholarmen Weine, sondern ist insbesondere bei den Weinen aus der heißen Steillage des Homburger Kallmuth sehr kraftvoll und bringt einiges an gut eingebundenem Alkohol mit. Umso eindrucksvoller ist, wie stimmig das ganze ist und wie elegant die Weine auch dank schöner Säure bleiben. Ich mag diese muskulöse Version eines Silvaners sehr gern – wenn das ganze wie hier nicht aufgesetzt wirkt. Mein Favorit ist der 2015er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ Erste Lage.

Insgesamt bestätigte sich bei meinem Rundgang, dass der 2015er Jahrgang in Franken schon nahe am Optimum gewesen sein muss. Denn auch bei kräftigen, eher spät gelesenen Weinen ist immer noch genug Säure vorhanden, um die Weine nicht zu plump und dick wirken zu lassen und einen schönen Trinkfluss zu gewährleisten.

Meine Favoriten:
Silvaner:
Rudolf May steht auch 2015 für große Filigranität und Eleganz. Spontan könnte man Jahrgangscharakteristik vermissen – dazu kenne ich aber zu wenige Weine der letzten Jahre von ihm. Großartig sind die Silvaner aber allemal. Der präsentierte 2014er Retzstadter Der Schäfer Erste Lage zeigt dabei auf, wohin der Weg beim 2015er Retzstadter Langenberg Erste Lage gehen könnte.

Eine ähnliche Hausnummer sind die Silvaner des Weinguts Zehnthof Luckert. Auch hier Filigranität und Eleganz, aber auch immer eine schöne Säure, die den Trinkfluss fördert. Leider trat nur ein Silvaner bei der Verkostung diesen Beweis mit Bravour an: Der 2015er Sulzfelder Silvaner Alte Reben – Kaufen!

Das Weingut am Stein hatte gleich 4 verschiedene Silvaner am Start. Mit diesen Weinen gewinnt das Weingut für mich definitiv in der Kategorie „individuellste Kollektion“. Ludwig Knoll versteht es ansich klassisch fränkische Geschmackskomponenten des Silvaners wie Erdigkeit und Cremigkeit auf die Spitze herauszuarbeiten. Hierbei spielen sicher auch Spontanvergärung und Maischestandzeit eine Rolle. Hier gilt: Kraft ja, Behäbigkeit und Schwere nein. Und es sind Weine zum liegen lassen. Meine Favoriten: 2015er Würzburger Stein Silvaner Erste Lage und 2015er Vinz Silvaner Alte Reben.

Ebenfalls hervorragend das Randersackerer Weingut Störrlein Krenig mit dem 2015er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Erste Lage und dem 2014er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Großes Gewächs.

Das Weingut Schäffer aus Volkach hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Die Fassprobe des 2015er Untereisenheimer Silvaner gab einen schönen Einblick in den Jahrgang 2015, der 2014er Escherndorfer Lump Silvaner Erste Lage war eine sehr positive Überraschung – aber noch sehr jung. Auch ein toller Weißburgunder war dabei – ich muss hier unbedingt mehr kosten.

Ebenfalls aus Volkach hatte das Weingut zur Schwane auch gleich 4 Silvaner am Start. Den Stil des Hauses würde ich als traditionell im positiven Sinne bezeichnen. Erdige Mineralik, Extrakt und Kraft sind hier die prägenden Elemente. So zeigt sich auch der 2015er Jahrgang. Am besten gefallen hat mir hier aber das 2014er Escherndorf Am Lumpen 1655 Silvaner Großes Gewächs, sehr erdig, mineralisch, nussig aber auch schwer.

Ebenfalls ganz fränkisch traditionell aber noch mehr auf den Punkt und dadurch eleganter sind die Silvaner der Wirschings aus Iphofen. Der Einblick in 2015 erfolgte hier durch den tollen 2015er Iphöfer Kalb Silvaner Erste Lage, einer der besten Weine des Tages war aber definitiv der 2013er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Großes Gewächs: Ein Wein zum Wegschnüffeln mit der intensiven kräutrigen Nase mit überreifen Früchten. Im Mund aber auch klasse. Kraft gepaart mit Eleganz, schöne Säure und toller Abgang. Ein Traum!

Wow – soviel Silvaner – aber es gab ja auch noch andere Rebsorten – die Favoriten jetzt etwas kürzer:

Scheurebe: Ich liebe die Rebsorte, sofern der Wein ein schönes mineralisches Gerüst bietet und nicht zu plakative Cassisnoten hat.
Platz 1: Wirsching 2015er Iphöfer Kronsberg Scheurebe Alte Reben Erste Lage
Platz 2: Weingut am Stein 2015er Vinz Scheurebe Alte Reben
Platz 3: Schloß Sommerhausen 2015er Sommerhäuser Steinbach Scheurebe Erste Lage

Weißburgunder: bitte nicht zu dick auftragen – Holz gern, aber nur ganz zart.
Platz 1: Zehnthof-Luckert 2015er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder Erste Lage
Platz 2: Egon Schäffer 2014er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder Erste Lage
Platz 3: Weltner 2015er Rödelseer Küchenmeister Weißer Burgunder Erste Lage

Riesling: fränkisch? Gern, aber dann viel Mineralität
Platz 1: eigentlich nicht wirklich fränkisch und im Katalog zur Verkostung fälschlicherweise dem Buntsandsein zugeordnet – in Michelbach bestehen die Böden aus Quarzitschiefer und Gneis: Bernhard Höfler 2014er Michelbacher Apostelgarten Riesling Großes Gewächs
Platz 2: Weingut am Stein 2014 Stettener Stein Riesling Großes Gewächs
Platz 3: Wilhelm Arnold 2014er Randersackerer Pfülben Riesling Großes Gewächs

Rotwein: Hier habe ich die Runde zeitbedingt leider nicht ganz geschafft:
Platz 1: Paul Fürst in eigener Sphäre: Groß schon als 2014er Bürgstadter Spätburgunder, noch größer als 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder und als Musterbeispiel der Rebsorte der 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“
Platz 2: Bernhard Höfler 2013er Michelbacher Steinberg Spätburgunder „Magnificum“ Erste Lage. Hier lohnt es sich sowieso, die seit 2013 hauptsächlich vom Sohn verantworteten Rotweine zu kosten. Der Stilwechsel hat sich gelohnt.
Platz 3: Zehnthof-Luckert 2014er Sulzfelder Spätburgunder

Fazit:
Das war eine schöne und gut organisierte Verkostung und 2015 wird in Franken ein schöner Jahrgang.

Das beste aus einer Region: Das Churfranken-Genussfestival 2015 in Amorbach

Das Churfranken-Genussfestival fand dieses Jahr in den Räumen der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach im Odenwald statt. Ein wirklich herrschaftliches Anwesen, welches seit der Säkularisation den Fürsten von Leiningen gehört.

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Genüsse aller Art auf dem Churfranken-Genussfestival

Während im Hauptgebäude und dessen Hof im wesentlichen die essbaren Genüsse der Region präsentiert wurden, fand die Churfranken-Weinprobe im ehemaligen Marstall „um die Ecke“ statt. Wirklich glücklich war die Ortswahl trotz des historischen schönen Ambientes nicht. Verglichen mit dem Veranstaltungsort des Vorjahrs, dem Hofgut von Hünersdorff in Wörth am Main, waren die Räumlichkeiten in diesem Jahr doch sehr weit auseinander gezogen.

Um die kulinarischen Spezialitäten soll es hier im folgenden nicht gehen, dennoch lohnt sich ein Rundgang durch die Metzger-, Honig-, Gemüse-, Backwaren-, Wild-, Bier- und Schnapsstände auf jeden Fall, die Region hat viel zu bieten.

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Der fürstliche Marstall – Ort der Weinprobe

Die Churfranken-Weinprobe selbst ist jeweils nach Orten sortiert. Das hat den Vorteil, dass man gut probieren kann, was verschiedene Winzer so aus der gleichen Lage herausholen.

In diesem Jahr war aus meiner Sicht das Feld der angestellten Weine breiter als im Vorjahr – leider sind meine Aufzeichnungen im letzten Jahr aber auch nicht sehr umfangreich gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass 2013 und 2014 in Churfranken eher anspruchsvolle Jahre waren, vielleicht aber auch daran, dass in diesem Jahr leider ein paar Qualitätsführer fehlten, so zum Beispiel die Winzer Alzenaus insgesamt mit den starken Betrieben Höfler, Heilmann und Klaus Simon oder Fürst Löwenstein aus Kleinheubach, Wolfgang Kühn aus Klingenberg und Helmstetter aus Bürgstadt.

Dennoch gab es das eine oder andere Highlight zu verkosten:

Elsenfeld-Rück:

Der „Schoppenpreis“ geht ganz klar an die Winzer aus Rück. Die Weinlagen befinden sich etwas versteckt in einem Seitental zum Main.
Die meisten Rücker Winzer bewirtschaften ihre Betriebe im Nebenerwerb und in den Häckerwirtschaften lässt sich herzlich ursprünglich und deftig einkehren. Dazu gibt es frische und klare Schoppenweine die Spaß machen. Große Perlen waren in diesem Jahr nicht dabei, das macht aber nichts, weil das Gesamtpaket stimmt.

Kreuzwertheim:

Das einzige Weingut aus Kreuzwertheim – Alte Grafschaft – hat dieses Jahr wieder eine sehr überzeugende Kollektion mitgebracht. Angefangen beim 2014er FASS 3 Weißweincuvee, der sich mit typischer Scheurebennase zeigt und ein perfekter Sommerwein ist (vermarktet übrigens als deutscher Wein, da er Trauben aus Franken und Baden enthält). Die beiden Regionen treffen bei Wertheim aufeinander – Churfranken = Franken und Tauberfranken = Baden). Der 2012er Kaffelstein Riesling kombiniert schöne Reifenoten mit süßem Obst und einer tollen Mineralik. Der 2014er Satzenberg Weißburgunder riecht schon toll braucht aber noch etwas Zeit, ganz anders der nussig weiche und intensive hervorragende 2012er Satzenberg Weißburgunder „Alte Reben“. Auch im roten Bereich überzeugt das Weingut mit den kühlen 2012er Spätburgunder / Spätburgunder „R“ Barrique.

Klingenberg am Main:

Großostheimer Weine

Großostheimer Weine

In Klingenberg liefert Hofmann-Herkert einen kräftigen 2014er Silvaner aus der nicht ganz einfachen Lage Großostheimer Harstell vom Lößboden. Der 2013er Klingenberger Spätburgunder „Jugendstil“ braucht noch Zeit, kann aber jetzt schon mit warmen und würzigen Tönen überzeugen und gibt damit einen ersten Einblick in die (leider nicht weiter mitgebrachte) Spätburgunderwelt von Hofmann-Herkert. Die finde ich insofern besonders, als dass die Weine deutlich mehr Wärme ausstrahlen, als die Spätburgunder der örtlichen Konkurrenz (z. B. Baltes oder Kühn)

Aus Anja Stritzingers Biobetrieb kommt dieses Jahr ein sehr individueller Wein, der 2013er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett Barrique. Der Holzeinsatz ist recht knackig, die Säure des Rieslings bietet aber ordentlich Paroli. Es handelt sich übrigens um Barriques aus Klingenberger Eiche, deren Holz fast in Flammen aufgegangen wäre, bevor aus ihm die Fässer geworden sind. Die Winzerin erzählt die ganze Geschichte sicher gern.

Auf die Verkostung von Benedikt Baltes Weingut der Stadt Klingenberg 2013er Spätburgunder habe ich dieses Mal verzichtet, da ich sie bereits im Frühjahr im Weingut gekostet hatte. Zu jung, präzise und sehr kühl sind seine Weine. Top Qualitäten, für meinen persönlichen Geschmack aber – zumindest in ihrer Jugend – zu kühl.

Großwallstadt:

Führend in Großwallstadt ist Klaus Giegerich mit seinen Weinen der Carus – Linie. Allen voran der 2013er Carus – Riesling. Der kommt straff und salzig rüber – elegant und mit feiner Frucht.

Großheubach:

In Großheubach ist Kremers Winzerhof mein Lieblingsbetrieb. Die eine oder andere Verkostungsnotiz befindet sich im Blog.
Einer der besten Weißweine der Probe war der 2013er „The First“ Weißer Burgunder mit einem optimalen Holzeinsatz und viel Kraft. Auch empfehlenswert der noch junge 2014er „The First“ Chardonnay und der 2013er Cabernet Dorsa.

Ebenfalls gut gefallen hat mir der 2012er Zweigelt von Achim Zöller. Da folgt bestimmt in Kürze eine ausführliche Verkostungsnotiz. Den habe ich nämlich im Keller.

Erlenbach am Main:

In Erlenbach hat mich der 2013er Erlenbacher Hochberg Riesling von Werner Ott mit der tollen Mineralität und schönen Frucht sehr positiv überrascht.
Das Weingut Wengerter hatte einen kraftvoll runden und leicht nussigen 2013er Rücker Jesuitenberg Weißburgunder Spätlese dabei.

Das das Weingut A. Waigand in Erlenbach eine sichere Bank ist musste es diesmal nicht erneut beweisen. Ein paar Verkostungsnotizen gibt es bereits im Blog.

Bürgstadt:

Ortssieger der Probe ist ganz klar Bürgstadt. Die durchschnittliche Qualität ist einfach herausragend.

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Bürgstadter Rotweine

Das liegt nicht nur an Gebietsprimus Rudolf Fürst, der einen schönen druckvollen 2014er Bürgstadter Riesling und einen herausragenden 2012er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs mitgebracht hatte. Das war das erste mal, dass ich Fürsts Weißweine jenseits der Pur Mineral Linie probiert habe. Und ich bin beruhigt, da der kompromisslose Pur Mineral Stil im Gegensatz zu den heutigen Rieslingen nicht so wirklich liegt. Das der 2013er Bürgstadter Spätburgunder Ortswein viel zu jung aber klasse war, muss ich eigentlich gar nicht sagen.

Burkhard Hench hatte mit dem 2012er Spätburgunder R Holzfass ebenfalls was zu junges dabei – noch hartes Tannin, aber eine schöne Würze und feine Säure.

Das die Bürgstadter Weine ein tolles Lagerpotetial haben beweist Josef Walter immer wieder und jedes Jahr besonders mit seiner Burgunderbar bei der Bürgstadter Weinkulturnacht, wo es immer „Best of Walter“ der letzten 15 Jahre zu trinken gibt. Der 2009er Centgrafenberg Spätburgunder „J“ zeigt sich präzise, eher kühl mit feinem Tannin aber noch fast jugendlich. Der 2013er Walters Spätburgunder mit toller Würze sollte gleich wieder für ein paar Jahre im Keller verschwinden.
Aber Walter kann auch weiß. Der junge schmelzige aber nicht schwammige und extrem mineralische 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner war der beste Silvaner des Tages.

Schön auch der zart cremige 2014er Silvaner Kabinett vom Weingut Sturm.

Unter den Weißweinen ist der runde 2013er Riesling Kabinett mit schöner Frucht und Mineralik sowie feiner Säure von Erich Meisenzahl ebenfalls zu erwähnen.

Beim Weingut Neuberger sind der 2014er Weißburgunder Kabinett und der 2014er Riesling Kabinett sehr empfehlenswert, herausragend ist aber der 2012er Spätburgunder aus dem Hunsrück, dem Filetstück des Centgrafenbergs. Kraftvoll, warm mit starker Würze und leichter Karamellnote zeigt sich der Wein.

So schnell geht dann auch ein spannender Oktobernachmittag in Amorbach zu Ende. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr. Der 2015er Jahrgang verspricht in Churfranken einiges, wie die Winzer berichten.

Weingut der Stadt Klingenberg, Franken – Buntsandstein Portugieser trocken 2011

Weingut der Stadt Klingenberg, Franken – Buntsandstein Portugieser trocken 2011Ein Portugieser? So ein dünnes Gesöff? Deutscher Rotwein deutlich unter 10 EUR (jedenfalls der getrunkene Jahrgang)? Die Fragen musste ich mir nicht mehr stellen. Den Wein hatten wir schon mal zu einem guten Essen im Restaurant Krone in Großheubach. Lecker war er und um so mehr freute ich mich, als ich beim Weinhändler meines Vertrauens ein reduziertes einsames Einzelfläschchen fand.

Aber auch abseits der Weinwelt von Benedikt Baltes: Portugieser kann was. Wenn er gut gemacht ist, was leider nicht ganz so häufig der Fall ist.

In der Nase: Gewürznelken, Kirsche, Brombeeren und kräutrige Noten. Ein volles und angenehmes Bukett.

Im Mund dann Beerenfrüchte und die typische feine und kühle Klingenberger Mineralität – fast etwas salzig. Dazu rundes Tannin. Frucht und Mineralik gut ausbalanciert – das ist klasse, da aus meiner Sicht manchem Klingenberger Spätburgunder das Gegengewicht zur kühlen Mineralität fehlt. Im Abgang nachhaltig. Toll – hoffentlich wird es noch den einen oder anderen Jahrgang geben, Benedikt Baltes will schließlich sukzessive voll auf Spätburgunder umstellen.

Ca. 7,50 EUR / günstig