Jahrespräsentation VDP.Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 8. Mai 2016

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Sieht voll aus, passte aber ganz gut
Sieht voll aus, passte aber ganz gut

700 Jahre Bürgerspital war der Anlass für die große Jahrespräsentation der Weingüter des VDP.Franken gestern in der Kelterhalle des Weinguts Bürgerspital zum Hl. Geist. Für mich eine gute Gelegenheit mal in größerem Rahmen den Jahrgang 2015 zu probieren.

Zwei Weingüter konnte ich auf der Verkostungsrunde gleich auslassen:
Die 2014er Spätburgunder des Weinguts der Stadt Klingenberg hatte ich bereits bei der Hausmesse von K+M Gutsweine in Frankfurt vor ein paar Wochen gekostet. Wie immer sind Benedikt Baltes hier starke Weine in seinem unnachahmlich kühlen, kargen aber eleganten Stil gelungen.

Bei Fürst Löwenstein hatte ich eine Woche zuvor im Rahmen der Jahrgangspräsentation vor Ort in Kleinheubach die Gelegenheit genutzt, gleich den gesamten 2015er Jahrgang der sowohl in fränkischen als auch in rheingauer Lagen gewachsenen Weine zu verkosten.
Die Kollektion von Kellermeister Bastian Hamdorf präsentiert sich von der Basis an hervorragend.
Der Jahrgang ist bei Löwensteins keiner der leichten und alkoholarmen Weine, sondern ist insbesondere bei den Weinen aus der heißen Steillage des Homburger Kallmuth sehr kraftvoll und bringt einiges an gut eingebundenem Alkohol mit. Umso eindrucksvoller ist, wie stimmig das ganze ist und wie elegant die Weine auch dank schöner Säure bleiben. Ich mag diese muskulöse Version eines Silvaners sehr gern – wenn das ganze wie hier nicht aufgesetzt wirkt. Mein Favorit ist der 2015er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ Erste Lage.

Insgesamt bestätigte sich bei meinem Rundgang, dass der 2015er Jahrgang in Franken schon nahe am Optimum gewesen sein muss. Denn auch bei kräftigen, eher spät gelesenen Weinen ist immer noch genug Säure vorhanden, um die Weine nicht zu plump und dick wirken zu lassen und einen schönen Trinkfluss zu gewährleisten.

Meine Favoriten:
Silvaner:
Rudolf May steht auch 2015 für große Filigranität und Eleganz. Spontan könnte man Jahrgangscharakteristik vermissen – dazu kenne ich aber zu wenige Weine der letzten Jahre von ihm. Großartig sind die Silvaner aber allemal. Der präsentierte 2014er Retzstadter Der Schäfer Erste Lage zeigt dabei auf, wohin der Weg beim 2015er Retzstadter Langenberg Erste Lage gehen könnte.

Eine ähnliche Hausnummer sind die Silvaner des Weinguts Zehnthof Luckert. Auch hier Filigranität und Eleganz, aber auch immer eine schöne Säure, die den Trinkfluss fördert. Leider trat nur ein Silvaner bei der Verkostung diesen Beweis mit Bravour an: Der 2015er Sulzfelder Silvaner Alte Reben – Kaufen!

Das Weingut am Stein hatte gleich 4 verschiedene Silvaner am Start. Mit diesen Weinen gewinnt das Weingut für mich definitiv in der Kategorie „individuellste Kollektion“. Ludwig Knoll versteht es ansich klassisch fränkische Geschmackskomponenten des Silvaners wie Erdigkeit und Cremigkeit auf die Spitze herauszuarbeiten. Hierbei spielen sicher auch Spontanvergärung und Maischestandzeit eine Rolle. Hier gilt: Kraft ja, Behäbigkeit und Schwere nein. Und es sind Weine zum liegen lassen. Meine Favoriten: 2015er Würzburger Stein Silvaner Erste Lage und 2015er Vinz Silvaner Alte Reben.

Ebenfalls hervorragend das Randersackerer Weingut Störrlein Krenig mit dem 2015er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Erste Lage und dem 2014er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Großes Gewächs.

Das Weingut Schäffer aus Volkach hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Die Fassprobe des 2015er Untereisenheimer Silvaner gab einen schönen Einblick in den Jahrgang 2015, der 2014er Escherndorfer Lump Silvaner Erste Lage war eine sehr positive Überraschung – aber noch sehr jung. Auch ein toller Weißburgunder war dabei – ich muss hier unbedingt mehr kosten.

Ebenfalls aus Volkach hatte das Weingut zur Schwane auch gleich 4 Silvaner am Start. Den Stil des Hauses würde ich als traditionell im positiven Sinne bezeichnen. Erdige Mineralik, Extrakt und Kraft sind hier die prägenden Elemente. So zeigt sich auch der 2015er Jahrgang. Am besten gefallen hat mir hier aber das 2014er Escherndorf Am Lumpen 1655 Silvaner Großes Gewächs, sehr erdig, mineralisch, nussig aber auch schwer.

Ebenfalls ganz fränkisch traditionell aber noch mehr auf den Punkt und dadurch eleganter sind die Silvaner der Wirschings aus Iphofen. Der Einblick in 2015 erfolgte hier durch den tollen 2015er Iphöfer Kalb Silvaner Erste Lage, einer der besten Weine des Tages war aber definitiv der 2013er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Großes Gewächs: Ein Wein zum Wegschnüffeln mit der intensiven kräutrigen Nase mit überreifen Früchten. Im Mund aber auch klasse. Kraft gepaart mit Eleganz, schöne Säure und toller Abgang. Ein Traum!

Wow – soviel Silvaner – aber es gab ja auch noch andere Rebsorten – die Favoriten jetzt etwas kürzer:

Scheurebe: Ich liebe die Rebsorte, sofern der Wein ein schönes mineralisches Gerüst bietet und nicht zu plakative Cassisnoten hat.
Platz 1: Wirsching 2015er Iphöfer Kronsberg Scheurebe Alte Reben Erste Lage
Platz 2: Weingut am Stein 2015er Vinz Scheurebe Alte Reben
Platz 3: Schloß Sommerhausen 2015er Sommerhäuser Steinbach Scheurebe Erste Lage

Weißburgunder: bitte nicht zu dick auftragen – Holz gern, aber nur ganz zart.
Platz 1: Zehnthof-Luckert 2015er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder Erste Lage
Platz 2: Egon Schäffer 2014er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder Erste Lage
Platz 3: Weltner 2015er Rödelseer Küchenmeister Weißer Burgunder Erste Lage

Riesling: fränkisch? Gern, aber dann viel Mineralität
Platz 1: eigentlich nicht wirklich fränkisch und im Katalog zur Verkostung fälschlicherweise dem Buntsandsein zugeordnet – in Michelbach bestehen die Böden aus Quarzitschiefer und Gneis: Bernhard Höfler 2014er Michelbacher Apostelgarten Riesling Großes Gewächs
Platz 2: Weingut am Stein 2014 Stettener Stein Riesling Großes Gewächs
Platz 3: Wilhelm Arnold 2014er Randersackerer Pfülben Riesling Großes Gewächs

Rotwein: Hier habe ich die Runde zeitbedingt leider nicht ganz geschafft:
Platz 1: Paul Fürst in eigener Sphäre: Groß schon als 2014er Bürgstadter Spätburgunder, noch größer als 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder und als Musterbeispiel der Rebsorte der 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“
Platz 2: Bernhard Höfler 2013er Michelbacher Steinberg Spätburgunder „Magnificum“ Erste Lage. Hier lohnt es sich sowieso, die seit 2013 hauptsächlich vom Sohn verantworteten Rotweine zu kosten. Der Stilwechsel hat sich gelohnt.
Platz 3: Zehnthof-Luckert 2014er Sulzfelder Spätburgunder

Fazit:
Das war eine schöne und gut organisierte Verkostung und 2015 wird in Franken ein schöner Jahrgang.

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