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VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 1 +++ Die Weinkrise wurde ausgeladen +++ 2024: Frost und Nässe +++ Silvaner in Franken: Wenig und gut

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz 1

Am 27. und 28. April lud der VDP wieder in die Rheingoldhalle nach Mainz zur alljährlichen VDP.Weinbörse. Wie jedes Jahr eine hervorragend organisierte Messe. Ein großer Dank gilt dem Organisations-Team des VDP.

Wie immer war die Messe gut besucht. Traditionell sind Sonntag die Einkäufer des Handels stärker vertreten und Montag die Sommelière der Gastronomie. An den Ständen wurde intensiv diskutiert, probiert – und erstaunlich wenig über die anhaltende Krise gesprochen. 

Weinkrise? Nicht in Mainz

Trotz Absatzrückgängen, schwieriger Exportmärkte und sich wandelndem Konsumverhalten blieb die VDP.Weinbörse 2025 weitgehend unbeeindruckt vom Begriff „Weinkrise“. Allgemeine Branchentrends blieben außen vor. Alkoholfreie Weine, Proxys, Piwis, Naturwein, Orangewein oder alternative Verpackungsformen waren kein Thema an den Ständen.

Und dass, obwohl der VDP nicht nur mit großen Gewächsen Umsätze generiert, sondern 80% der Menge im Guts- und Ortsweinbereich verkauft wird, wo der VDP mit den Lagenweinen deutlich günstigerer Mitbewerber konkurriert (Durchschnittspreis VDP.Gutswein 11,50 EUR, VDP.Ortswein 16,00 EUR).

So ist auch bei den VDP-Betrieben der Absatz um rund 10% (Menge) zurückgegangen. Dank höherer Preise lag der Rückgang der Erträge jedoch nur bei rund 3%.

Die Pressemitteilung des Bundesverbands zum Weinjahr 2024 fasst die Strategie des VDP wie folgt zusammen: „Die diesjährige Bilanz ist mehr als ein Resümee – sie ist ein Signal: In unsicheren Zeiten wächst die Bedeutung klarer Werte. Der VDP steht für Qualität, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit – und genau diese Mischung macht seine Weine weltweit so gefragt wie nie.“

Als Besucher der Messe in Mainz kann ich das bestätigen. Die Parole lautet: „Weitermachen. Durchhalten. Erträge optimieren.“ Doch es bleibt die Frage, ob dieses „Weiter so“ langfristig für alle Verbandsmitglieder trägt – in einer Zeit, in der junge Zielgruppen andere Ansprüche an Wein stellen, Märkte unter Druck geraten und klimatische Extreme zunehmen.

Auffällig war auch 2025 die weiter zunehmende Kreativität bei der Klassifikation und Benennung: Neue Ortsweine „aus ersten Lagen“, erste Lagen ohne Lagenbezeichnung, neue GG-Lagenbezeichnungen, neue erste Lagen, neue Über-GG. Besonders der Edel-Ortswein aus Ersten Lagen scheint sich auch in Regionen zu etablieren, wo er bislang nicht vorgesehen war. Es geht wohl im Rahmen der Optimierung der Erträge nicht mehr ohne. Eine bundesverbandsweite Integration dieser Kategorie in die Klassifikation würde zumindest mehr Klarheit für die Kunden schaffen.

2024 – in einigen Regionen zum Vergessen

Ein Blick auf den Jahrgang 2024 zeigt: Für viele Betriebe war es ein Jahr zum Vergessen. Bereits im April – kurz vor der Weinbörse 2024 – traf ein später Frost weite Teile der deutschen Anbaugebiete. Besonders betroffen waren neben den klassischen Frostregionen wie Franken, Sachsen oder Saale-Unstrut auch eigentlich geschütztere Anbaugebiete im Westen.

Glücklich war, wer keine oder nur geringe Schäden davontrug. 2024 forderte die Winzer aber auch im Verlauf weiter heraus. Der Sommer war warm und feucht. Der Pilzdruck immens. Und auch im Herbst war das Wetter wechselhaft. Können und Handwerk war gefragt! Die Erntemenge war am Ende so klein wie zuletzt 2010.

Im Katalog der Weinbörse zeigte sich das deutlich: 20 % weniger Weine des aktuellen Jahrgangs 2024 waren vertreten. (gegenüber Jahrgang 2023 im letzten Jahr)

Lobend zu erwähnen ist der Zusammenhalt der VDP-Winzer in diesem schweren Jahr, das für nicht wenige Betriebe nur 50% der üblichen Erntemenge ergab. Der Verband ermöglichte es, auch Weine, deren Trauben von anderen VDP-Winzern zugekauft wurden, unter der „Adler-Kapsel“ zu vermarkten. So entstand zum Beispiel bei Dönnhoff an der Nahe ein Westhofener Riesling (Rheinhessen) und ein Wachenheimer Riesling (Pfalz).

Silvaner aus Franken – Weniger Menge, solide Qualität

Kommen wir zu den verkosteten Weinen. Neben dem Schwerpunkt Spätburgunder (im zweiten Teil) haben wir uns dieses Jahr wieder die fränkischen Silvaner näher angeschaut.

Frostbedingt wurden deutlich weniger 2024er Weine angestellt. Die Qualität ist gut bis sehr gut, letztes Jahr war – aus meiner Erinnerung heraus – das durchschnittliche Niveau aber noch etwas höher.

Für alle folgenden 2024er-Antrink-Tipps gilt wieder folgender Disclaimer:

Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

Fürstlich Castell’sche Domäne

Bei den GG ist beim Fürsten 2019 der aktuelle Jahrgang – sehr schön! Der 2019er Casteller Schlossberg Silvaner GG ist tief würzig und nussig mit einer ziemlich warmen gelben Frucht. Das macht Spaß, den Vorgängerjahrgang habe ich aber noch einen Tick stärker in Erinnerung, was im Kontext 2018 und Silvaner eher selten ist.

Viel Wein fürs Geld gibt es nach wie vor beim 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G, den die Domäne auch schon letztes Jahr gezeigt hat.

Höfler

Der 2023er Michelbacher Steinberg Silvaner 1G ist das komplette Gegenstück zu dem Fürstlichen GG. Er ist kühl, saftig, kräutrig. Ein toller Silvaner vom ungewohnten Silvanerterroir Glimmerschiefer.

Zehnthof Luckert

Luckerts haben insgesamt 3 Silvaner aus 2024 zur Verkostung angeboten.

Den 2024er Sulzfelder Silvaner, den 2024er Sulzfelder Blauer Silvaner und den 2024er Sulzfelder Sonnenberg Silvaner Gelbkalk 1G.

Ich kann hier eigentlich den Text aus dem letzten Jahr wieder hereinkopieren. Der ruhige, elegante Stil und die vollkommen fehlende Schwere der Weine macht auch dieses Jahr wieder viel Spaß. Der Mehrwert zwischen Ortswein und erste Lage ist spürbar, aber der Ortswein eben schon sehr gut.

Luckerts haben dann noch den 2023er Sulzfelder Maustal Silvaner GG und den 2016er Sulzfelder Maustal Silvaner GG gezeigt. Beide gewohnt hervorragend. 2023 aber noch etwas tiefer und komplexer.

May

Der 2024er Retzstadter Silvaner ist ein starker Wein in der Kategorie Ortswein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Silvaner Alte Reben 1G ist für uns ein Musterbeispiel für einen hervorragenden Wein aus der Rebsorte Silvaner. Für 20 EUR definitiv ein Must-Have-Wein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Der Schäfer 1G ist aus unserer Sicht ein klein wenig weniger holzbetont als mancher Vorgänger und dafür umso mineralischer, salziger und tiefer. Extrem gut gelungen und insbesondere als Essensbegleiter eine Wucht.

Das 2023er Thüngersheimer Johannisberg Rothlauf Silvaner GG legt gegenüber dem Schäfer nochmal einen drauf. Einfach ein beeindruckender Wein und für uns der beste Silvaner der Veranstaltung.

Horst Sauer

Horst Sauer ist wie immer der „fruchtigere“ der beiden Escherndorfer Sauers. Der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G ist zwar noch etwas füllkrank, zeigt aber schon jetzt eine schöne Frucht und Tiefe. Gleiches gilt für den etwas dunkelfruchtigeren 2024er Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G, der noch etwas mehr Komplexität an den Tag legt.

Hervorragend bei Horst Sauer auch immer wieder die edelsüßen Prädikate, in diesem Fall die 2023er Escherndorfer Lump Silvaner Beerenauslese.

Egon Schäffer

Peter Schäffer hat einen neuen Jahrgang „S7lvaner“ veröffentlicht. Die 7 steht für ein siebenjähriges Holzfasslager vor Abfüllung. Das Ergebnis lässt sich auch im heißen Jahrgang 2018 sehen. Der 2018er Untereisenheimer „S7lvaner“ ist unglaublich frisch und jugendlich und wird von einem tollen, ganz festen und feinen Gerüst getragen. Dazu gibt es im gleichen Jahrgang mit dem 2018er Escherndorfer Lump R7esling auch eine Riesling-Variante. Beides hervorragende Weine, die ihr „Alter“ nicht erkennen lassen.

Schmitt’s Kinder

Das Weingut hatte insgesamt vier 2024er Silvaner am Start. Eine sehr schöne, schlüssige Kollektion. Antrinktipps sind für uns der sehr gute 2024er Silvaner Gutswein, der mit super leichten 11,0% daherkommt, dennoch nicht dünn oder unreif schmeckt. Hervorragend der 2024er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G und der 2024er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G. Aktuell ist der Marsberg der zugänglichere der beiden.

Rainer Sauer

Wenn Horst Sauer – wie oben geschrieben – der „fruchtige“ Sauer ist, ist Rainer Sauer der „würzige“ der beiden Escherndorfer Sauers.

Im Lump hielten sich in den Kernstücken die Frostschäden glücklicherweise in Grenzen, sodass beide Sauers eine ganze Reihe 2024er Silvaner präsentieren konnten. Schön schon der 2024er Escherndorfer Silvaner, hervorragend der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G.

Weingut am Stein – Ludwig Knoll

2024 hat das Weingut in Mainz noch gar nicht präsentiert. Dafür aber herausragendes aus den Vorjahren. Der 2023er Würzburger Innere Leiste Silvaner 1G ist definitiv schon auf GG Niveau, der 2022er Stettener Stein Silvaner GG sicher einer der besten Silvaner des Jahrgangs.

Paul Weltner

Paul Weltner hat bei den Lagenweinen ebenfalls noch 2023 dabei. Der schon letztes Jahr gelobte 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G mit der beim Küchenmeister typischen Mischung aus gelber und roter Frucht ist ein Preis-Genusskracher, der 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG herausragend.

Hans Wirsching

Das Weingut hatte aus 2024 vier Silvaner am Start. Der Abstand vom sehr guten 2024er Iphöfer Silvaner zum noch besseren 2024er Iphöfer „K“ Silvaner, der aus der Iphöfer Kalb stammt (hier ist der Ortswein aus großen Lagen in Franken) ist schmeckbar, der Schritt dann zum 2024er Iphöfer Kalb Silvaner 1G, der jetzt die besten Fässer aus der Kalb vereint, ist dann kleiner.

Weiter in Teil 2 mit Spätburgunder

Weingut am Stein Ludwig Knoll, Franken – Würzburger Silvaner trocken 2014

Weingut am Stein Ludwig Knoll, Franken - Würzburger Silvaner trocken 2014Weine können schon ziemlich fies sein. Diesem hier war erst nach Jahren zu entlocken, welche Schönheit in ihm steckt. Was lernen wir wieder daraus: Trink die Weine nicht zu früh! Meine Kostnotiz vom Sommer letzten Jahres muss ich jedenfalls ein Stück weit revidieren:

Zarte Nase mit Apfel und Birne. Dazu eine feine Würze, florale Noten und hintergründig gemüsige Nuancen.

Im Mund recht dicht, feine etwas süßliche Kernobstfrucht, zarte, kalkige Mineralität. Dazu etwas Orangenschale, feine Kräuterwürze, leicht teeige Struktur mit ganz feinem Gerbstoffbitterl. Gemüsiges in Richtung Gurke wieder eher hintergründig. Schöner, mittellanger Abgang.

Per heute ein toller Ortswein, zwar mit eigenwilliger Aromatik aber mit schöner Dichte und ausreichend Feinheit.

ca. 10,00 EUR / PGV absolut angemessen.

 


Notiz vom 8. Juli 2018

Silvaner Ortswein aus einem meiner liebsten Silvanerjahrgänge. Ich hatte mehrere Flaschen dieses Weins und habe schon ein paar in den letzten Jahren getrunken. Im Prinzip ein guter Wein, der aber ganz deutlich rustikale, erdige Noten mit sich bringt und daher am besten zu einer deftigen Brotzeit passt und als Solist mir nur bedingt Freude bereitet. Aus 2014 hatte ich auch bisher noch keinen Wein, der in diese Richtung tendierte. Er erinnert mich insgesamt eher an den etwas „deftigeren“ 2013er Jahrgang. Nichts desto trotz: Ein guter Wein, für alle die es etwas wilder mögen:

Mineralische Nase, Gewürze, vegetabile und erdige Noten, Birne.

Im Mund fein mineralisch, ein Hauch Salz, feine, stützende Säure, wieder etwas Birne und reifer roter Apfel. Grün vegetabile bis holzige und erdige Noten, die den Wein recht rustikal erscheinen lassen.

ca. 10 EUR / PGV noch angemessen

VDP.Jahrespräsentation 2017 Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 07. Mai 2017

Am 07. Mai fand die diesjährige Jahrespräsentation des VDP.Franken in Würzburg statt. Wie letztes Jahr auch eine gute Gelegenheit einen Überblick über den Jahrgang in Franken zu erlangen.

Einige Weine des Jahrgangs hatte ich bereits auf der VDP.Weinbörse in Mainz vor einigen Wochen gekostet. So konnte ich etwas zielgerichteter Vorgehen.

Insgesamt zeigt sich 2016 etwas weniger druckvoll und in der Jugend etwas verschlossener als 2015, aber gleichzeitig runder und reifer als 2014. Grundsätzlich sind das gute Voraussetzungen, wenn man den Weinen noch etwas Zeit gibt.

Meine Favoriten:

 

Beste gezeigten Kollektionen:

Fürst Löwenstein:

Fürst Löwenstein hat 2016 mit neuem Kellermeister wieder eine starke Kollektion hingelegt. Die Weine sind etwas weniger verspielt als 2015.

Bei den Silvanern gefielen der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner trocken und der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ trocken gut.

Noch einen Tick besser die Rieslinge: 2016er Homburger Kallmuth Riesling trocken und 2016er Homburger Kallmuth Riesling „R“ trocken mit schöner Frucht und animierendem Spiel von Fruchtsüße und klarer Säure.

 

Rudolf May:

Einmal mehr präsentiert Rudolf May herausragendes:

Bei den Silvanern einen schönen 2016er Retzstadter Silvaner trocken und einen hervorragenden 2016er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken. Beide ruhen in sich und haben eine tolle Würze.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Riesling trocken bringt eine schöne Frucht mit.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Weißburgunder bleibt kühl, elegant und quasi burgundisch.

Absolut Irre dann die 2015er Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese. 300g/L Restzucker bei 16 Säure und 7,5% vol. Alkohol. 12 Monate im Barrique. Vom Barrique ist nichts mehr zu spüren. Der Wein extrem dicht bis ölig, aber gleichzeitig auch frisch und trinkiger als eine TBA sein kann. Hammer!

 

Zehnthof Luckert

Was hier seit einigen Jahren abgeht gefällt mir ungemein gut. 2016 macht hier keine Ausnahme:

Die gezeigten Silvaner, der

2016er Sulzfelder Blauer Silvaner trocken

2016er Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken und

2015er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

sind allesamt fein, elegant und mineralisch, sehr würzig und zeigen wenig Frucht. So geht’s!

Der 2016er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder „Terrassen“ trocken steht da mit seiner guten Balance zwischen Kraft und Eleganz in nichts nach.

Weitere Empfehlungen nach Rebsorten:

Silvaner

Bürgerspital zum Hl. Geist:

2015er Würzburger Stein Silvaner GG : schöne Frucht, tiefe Mineralität, kraftvoll

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2016er Würzburger Stein Silvaner trocken : mineralisch, vielschichtig, aber noch sehr unrund, braucht zeit

 

Bickel-Stumpf

2016er Frickenhäuser Muschelkalk Silvaner trocken

2016er Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken

Beide eher auf der fruchtigeren Silvanerseite.

 

Egon Schäffer

2016er Escherndorfer Silvaner trocken (Fassprobe): Schäffer sollte man im Auge behalten!

 

Weltner

2016er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken

 

Roth

2015er Silvaner Alte Reben trocken Holzfass: körperreich, noch deutlich vom Holz geprägt, hat aber bestimmt eine schöne Zukunft.

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2015er Casteller Kugelspiel Silvaner trocken : knochentrocken mit 0,8 RZ und daher auch als 2015er mit einer gewissen Eleganz

2015er Casteller Schlossberg Silvaner GG: ziemlich wuchtig und kraftvoll – eher der klassische Stil

 

Riesling 2015

2015 war ein absolutes Rieslingjahr in Franken. Irritieren doch fränkische Rieslinge häufig mit wenig Frucht und eher zurückhaltender Art, ist das in 2015 anders. Die Kombination aus Kraft und Säure hat hervorragende Rieslinge mit einer schönen Frucht hervorgebracht, die bestimmt auch einiges Lagerpotential bieten.

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2015er Würzburger Sein Riesling GG

 

Störrlein Krenig

2015er Randersackerer Sonnenstuhl Riesling GG

 

Michael Fröhlich

2015 Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling GG

 

Egon Schäffer

2015er Escherndorfer Lump Riesling trocken

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2016er Casteller Honart Riesling trocken

 

Riesling andere Jahrgänge

Höfler

2016er Michelbacher Riesling „Urgestein“ feinherb: saftig und fein mineralisch

 

Bürgerspital zum Hl. Geist

2016er Randersackerer Teufelskeller Riesling trocken: schöne Frucht

 

Horst Sauer

2016er Escherndorfer Lump Riesling S. trocken

 

Johann Ruck

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken Fassprobe : straight mit straffer Säure

 

Hans Wirsching

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken

2012er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG : Jung, fein, kann noch reifen

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2008er Casteller Schlossberg Riesling GG : kraftvoll und ebenfalls noch jung.

 

Bei den Rotweinen verweise ich auf meine Einträge zur Mainzer Weinbörse.

 

Vielen Dank an den VDP.Franken für die schöne aber auch erfolgreich volle Veranstaltung.

Weingut am Stein Ludwig Knoll, Franken – Vinz Silvaner Alte Reben trocken 2013

1660Vor einigen Wochen hatten wir diesen Wein mit großer Begeisterung in der Weinbar Walhofs in Frankfurt getrunken. Der musste zu hause nachverkostet werden. Daher war ich froh im Handel noch ein paar Flaschen ergattern zu können.

Sehr intensive Nase nach überreifen Äpfeln, Birnen, Aprikosen. Etwas Honig, aber auch Tabak und Leder. Würzig mit etwas grünem Pfeffer.

Im Mund sehr kraftvoll, aber überhaupt nicht breit durch eine schöne Säure als federleichtes Gegengewicht. Etwas reife Birne, geröstete Haselnüsse, Tabak und großartige Würze. Ganz zarte vegetabile Töne, schöne, Extraktsüße. Fest gewirkt. Großer Trinkfluss. Sehr langer und schöner, ganz leicht bitterer Abgang. Braucht immer noch gut Luft und kann durchaus noch liegen. Ein Traum.

Ca. 19,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

Jahrespräsentation VDP.Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 8. Mai 2016

Sieht voll aus, passte aber ganz gut

Sieht voll aus, passte aber ganz gut

700 Jahre Bürgerspital war der Anlass für die große Jahrespräsentation der Weingüter des VDP.Franken gestern in der Kelterhalle des Weinguts Bürgerspital zum Hl. Geist. Für mich eine gute Gelegenheit mal in größerem Rahmen den Jahrgang 2015 zu probieren.

Zwei Weingüter konnte ich auf der Verkostungsrunde gleich auslassen:
Die 2014er Spätburgunder des Weinguts der Stadt Klingenberg hatte ich bereits bei der Hausmesse von K+M Gutsweine in Frankfurt vor ein paar Wochen gekostet. Wie immer sind Benedikt Baltes hier starke Weine in seinem unnachahmlich kühlen, kargen aber eleganten Stil gelungen.

Bei Fürst Löwenstein hatte ich eine Woche zuvor im Rahmen der Jahrgangspräsentation vor Ort in Kleinheubach die Gelegenheit genutzt, gleich den gesamten 2015er Jahrgang der sowohl in fränkischen als auch in rheingauer Lagen gewachsenen Weine zu verkosten.
Die Kollektion von Kellermeister Bastian Hamdorf präsentiert sich von der Basis an hervorragend.
Der Jahrgang ist bei Löwensteins keiner der leichten und alkoholarmen Weine, sondern ist insbesondere bei den Weinen aus der heißen Steillage des Homburger Kallmuth sehr kraftvoll und bringt einiges an gut eingebundenem Alkohol mit. Umso eindrucksvoller ist, wie stimmig das ganze ist und wie elegant die Weine auch dank schöner Säure bleiben. Ich mag diese muskulöse Version eines Silvaners sehr gern – wenn das ganze wie hier nicht aufgesetzt wirkt. Mein Favorit ist der 2015er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ Erste Lage.

Insgesamt bestätigte sich bei meinem Rundgang, dass der 2015er Jahrgang in Franken schon nahe am Optimum gewesen sein muss. Denn auch bei kräftigen, eher spät gelesenen Weinen ist immer noch genug Säure vorhanden, um die Weine nicht zu plump und dick wirken zu lassen und einen schönen Trinkfluss zu gewährleisten.

Meine Favoriten:
Silvaner:
Rudolf May steht auch 2015 für große Filigranität und Eleganz. Spontan könnte man Jahrgangscharakteristik vermissen – dazu kenne ich aber zu wenige Weine der letzten Jahre von ihm. Großartig sind die Silvaner aber allemal. Der präsentierte 2014er Retzstadter Der Schäfer Erste Lage zeigt dabei auf, wohin der Weg beim 2015er Retzstadter Langenberg Erste Lage gehen könnte.

Eine ähnliche Hausnummer sind die Silvaner des Weinguts Zehnthof Luckert. Auch hier Filigranität und Eleganz, aber auch immer eine schöne Säure, die den Trinkfluss fördert. Leider trat nur ein Silvaner bei der Verkostung diesen Beweis mit Bravour an: Der 2015er Sulzfelder Silvaner Alte Reben – Kaufen!

Das Weingut am Stein hatte gleich 4 verschiedene Silvaner am Start. Mit diesen Weinen gewinnt das Weingut für mich definitiv in der Kategorie „individuellste Kollektion“. Ludwig Knoll versteht es ansich klassisch fränkische Geschmackskomponenten des Silvaners wie Erdigkeit und Cremigkeit auf die Spitze herauszuarbeiten. Hierbei spielen sicher auch Spontanvergärung und Maischestandzeit eine Rolle. Hier gilt: Kraft ja, Behäbigkeit und Schwere nein. Und es sind Weine zum liegen lassen. Meine Favoriten: 2015er Würzburger Stein Silvaner Erste Lage und 2015er Vinz Silvaner Alte Reben.

Ebenfalls hervorragend das Randersackerer Weingut Störrlein Krenig mit dem 2015er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Erste Lage und dem 2014er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Großes Gewächs.

Das Weingut Schäffer aus Volkach hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Die Fassprobe des 2015er Untereisenheimer Silvaner gab einen schönen Einblick in den Jahrgang 2015, der 2014er Escherndorfer Lump Silvaner Erste Lage war eine sehr positive Überraschung – aber noch sehr jung. Auch ein toller Weißburgunder war dabei – ich muss hier unbedingt mehr kosten.

Ebenfalls aus Volkach hatte das Weingut zur Schwane auch gleich 4 Silvaner am Start. Den Stil des Hauses würde ich als traditionell im positiven Sinne bezeichnen. Erdige Mineralik, Extrakt und Kraft sind hier die prägenden Elemente. So zeigt sich auch der 2015er Jahrgang. Am besten gefallen hat mir hier aber das 2014er Escherndorf Am Lumpen 1655 Silvaner Großes Gewächs, sehr erdig, mineralisch, nussig aber auch schwer.

Ebenfalls ganz fränkisch traditionell aber noch mehr auf den Punkt und dadurch eleganter sind die Silvaner der Wirschings aus Iphofen. Der Einblick in 2015 erfolgte hier durch den tollen 2015er Iphöfer Kalb Silvaner Erste Lage, einer der besten Weine des Tages war aber definitiv der 2013er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Großes Gewächs: Ein Wein zum Wegschnüffeln mit der intensiven kräutrigen Nase mit überreifen Früchten. Im Mund aber auch klasse. Kraft gepaart mit Eleganz, schöne Säure und toller Abgang. Ein Traum!

Wow – soviel Silvaner – aber es gab ja auch noch andere Rebsorten – die Favoriten jetzt etwas kürzer:

Scheurebe: Ich liebe die Rebsorte, sofern der Wein ein schönes mineralisches Gerüst bietet und nicht zu plakative Cassisnoten hat.
Platz 1: Wirsching 2015er Iphöfer Kronsberg Scheurebe Alte Reben Erste Lage
Platz 2: Weingut am Stein 2015er Vinz Scheurebe Alte Reben
Platz 3: Schloß Sommerhausen 2015er Sommerhäuser Steinbach Scheurebe Erste Lage

Weißburgunder: bitte nicht zu dick auftragen – Holz gern, aber nur ganz zart.
Platz 1: Zehnthof-Luckert 2015er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder Erste Lage
Platz 2: Egon Schäffer 2014er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder Erste Lage
Platz 3: Weltner 2015er Rödelseer Küchenmeister Weißer Burgunder Erste Lage

Riesling: fränkisch? Gern, aber dann viel Mineralität
Platz 1: eigentlich nicht wirklich fränkisch und im Katalog zur Verkostung fälschlicherweise dem Buntsandsein zugeordnet – in Michelbach bestehen die Böden aus Quarzitschiefer und Gneis: Bernhard Höfler 2014er Michelbacher Apostelgarten Riesling Großes Gewächs
Platz 2: Weingut am Stein 2014 Stettener Stein Riesling Großes Gewächs
Platz 3: Wilhelm Arnold 2014er Randersackerer Pfülben Riesling Großes Gewächs

Rotwein: Hier habe ich die Runde zeitbedingt leider nicht ganz geschafft:
Platz 1: Paul Fürst in eigener Sphäre: Groß schon als 2014er Bürgstadter Spätburgunder, noch größer als 2014er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder und als Musterbeispiel der Rebsorte der 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“
Platz 2: Bernhard Höfler 2013er Michelbacher Steinberg Spätburgunder „Magnificum“ Erste Lage. Hier lohnt es sich sowieso, die seit 2013 hauptsächlich vom Sohn verantworteten Rotweine zu kosten. Der Stilwechsel hat sich gelohnt.
Platz 3: Zehnthof-Luckert 2014er Sulzfelder Spätburgunder

Fazit:
Das war eine schöne und gut organisierte Verkostung und 2015 wird in Franken ein schöner Jahrgang.

Weingut am Stein Ludwig Knoll, Franken – Würzburger Stein Silvaner trocken 2013

Weingut am Stein Ludwig Knoll, Franken – Würzburger Stein Silvaner trocken 2013Endlich wieder ein guter Silvaner – hoffte ich, als ich das Fläschchen am Ostermontag herrenlos im Wohnzimmer fand. Ob Hasi eine gute Auswahl getätigt hatte, war schnell zu prüfen, hatte der letzte verkostete Silvaner doch mehr an Obstessig erinnert als an Silvaner, wie ich ihn schätze.
Neugierig öffnete ich also vor kurzem die Flasche:
Der Nase bietet der Wein jedenfalls jede Menge typischen Silvaner: viel Birne, Apfel und Banane.
Im Mund dann ebenfalls stark: Orange, Birne, zarte unterstützende Säure, sehr viel cremige und leicht bittere Mineralität im Vordergrund. Sehr weich und ein guter Abgang zeichnet den Wein aus. Der Silvaner ist gerettet…

Ca. 15,00 EUR / PGV angemessen