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Die 50 größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche und der Trend zur Konsolidierung in der Branche

Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kann man nachlesen, dass sich die Weinbranche in den letzten Jahren immer weiter konsolidiert. Viele kleine Betriebe bis 1ha Rebfläche haben aufgegeben. Deren Anzahl hat sich zwischen 2010 und 2023 fast halbiert. Auch bei den Betrieben bis 10ha ist die Tendenz stark rückläufig. Siginifkante Steigerungen findet man nur bei Betrieben ab 20ha.1 Das heißt, es entstehen immer mehr große Betriebe, die einen Teil der freiwerdenden Flächen von den kleinen Betrieben übernehmen.

Die größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche

Doch wer sind denn nun die größten Betriebe im Land?

Ich dachte mir, es muss doch einfach sein, eine Liste der gemessen an der Rebfläche größten Weingüter in Deutschland aufzutreiben, auch um neue mit älteren Zahlen vergleichen und die großen Namen hinter der Konsolidierung in der Branche herauszufinden.

Aber da ist nichts zu finden. Das Netz ist leer!

Auf den zweiten Blick ist das nicht verwunderlich, denn zum einen gibt es keine öffentliche, namentliche Statistik der Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe und zum anderen ist es gar nicht so einfach, halbwegs valide Zahlen zusammenzustellen.

Schließlich bin ich dann doch noch auf eine längst nur noch über das Web-Archiv zugängliche Top-50 Liste aus 2012 gestoßen, die der zu früh verstorbene Mario Scheuermann auf seinem Blog veröffentlicht hatte.

Auch er hatte große Mühe, die notwendigen Informationen zu recherchieren. Basis damals waren wohl eine wochenlange Telefonaktion und tiefe Recherche in Weinführern und Magazinen.

In den Kommentaren zu Marios Liste wird auch über Einschränkungen einer solchen Liste diskutiert. Trotz aller Mühe: Die Liste wird auch keine absolut vollständige Liste gewesen sein.

Ich habe dann selbst angefangen zu recherchieren, um die Größenentwicklung seit 2012 nachvollziehen zu können. Dabei ergaben sich für mich folgende Herausforderungen:

Wer soll in die Liste aufgenommen werden?

Mario hat damals reine bzw. überwiegende Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern ausgenommen.

Das macht im Rahmen der Konzentration auf Weingüter im engeren Sinne auf jeden Fall Sinn, denn natürlich gibt es gerade bei den Fassweinerzeugern einige große Betriebe, die sich die Skaleneffekte bei einer stark mechanisierten Weinerzeugung zu Nutze machen. Dennoch sieht man deren Namen auf keiner Weinflasche. Auch gibt es große Genossenschaften, die selbst natürlich nicht im Weinberg tätig sind und auch Einzelgenossen, die wiederum selbst nichts auf den Markt bringen. Um ein Beispiel zu nennen: Die Agrargenossenschaft Gleina eG liefert als Einzelgenosse Trauben von rund 200ha an die Freyburger Winzergenossenschaft.

Selbst nach Telefonanrufen dürfte bei den großen Betrieben nicht immer klar sein, wie viel Prozent der geernteten Trauben letztendlich in Flaschen mit dem eigenen Firmenlogo wandern und wieviele Trauben/Weine an andere Erzeuger/Kellereien verkauft werden. Nicht jeder Geschäftsführer dürfte sich da gern in die Karten schauen lassen.

Was bedeutet Rebfläche?

Ganz eng definiert ist das die Rebfläche im Eigentum. Etwas weitergehend können die Flächen im Eigentum und zusätzlich selbstbewirtschaftete Pachtflächen betrachtet werden – das sollte der Definition des BMEL oben entsprechen. Ist man umfassend und schaut eher auf die Weinproduktion des Unternehmens insgesamt als auf die Weinberge, die selbst gepflegt werden, kann man noch Flächen von Vertragswinzern dazu zählen, die Trauben liefern.

Bei der Recherche wird es dann kompliziert. Hier und da könnten natürlich Anrufe Aufklärung bringen. Am Ende müsste man die Frage nach den Vertragswinzerflächen aber immer im Kontext mit der oben erläuterten Frage stellen, wie viel aus den Flächen letztendlich in eigenen Flaschen landet – mit den oben stehenden Problemen. Selbst bei veröffentlichten Hektar-Zahlen gibt es in einigen Fällen starke Schwankungen. Ich bin mir sicher, dass manche große Weingüter je nach Situation unterschiedliche Zahlen angeben – mal mit, mal ohne Zukauf von Vertragswinzern.

Wie vollständig ist die Liste?

Wer recherchiert muss sich die Informationen mühsam zusammenklauben. Eigentlich müsste er alle 14.200 Weinbaubetriebe in Deutschland durchleuchten. Das ist unmöglich.

Die Liste der größten Weingüter Deutschlands 2025

Trotz aller Widrigkeiten habe ich mich an die Fortschreibung der Scheuermannschen Liste gemacht. Ich habe ohne Telefonaktion, nur mittels Online-Recherche, eine aktuelle Liste erstellt. Quellen waren u.a.: Weingutshomepages, Verbandshomepages, Weinführer Eichelmann und Vinum 2025 und eine Umfrage in der Gruppe Hauptsache Wein bei Facebook.

Die Liste muss definitiv als unvollständig, ungenau und in Teilen schon wieder veraltet betrachtet werden. Definitiv beinhaltet sie eine Unwucht hinsichtlich Flächen von Vertragswinzern auf der einen und hinsichtlich Selbstvermarktungsquote von Flaschenwein auf der anderen Seite. Dennoch sollte sie einen einigermaßen guten, aktuellen Überblick geben und die meisten relevanten Weingüter beinhalten. In meiner Liste sind reine Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern bzw. Genossenschaften selbst ausgenommen.

Der Konsolidierungsprozess hält an

Gegenüber Marios Liste aus 2012 hat sich einiges in der Weinlandschaft getan. Die Konsolidierung schreitet definitiv voran.

In Marios 2012er Liste gab es noch 43 Betriebe mit einer Fläche >=50ha. Meine zeigt schon 72. Mal schauen, vielleicht liefere ich in 5 Jahren ein weiteres Update. Ich wette, auch da werden wir eine weitere Konsolidierung sehen.

(die Platzierung bzw. Hektarzahl von 2012 aus der Liste von Mario Scheuermann in Klammern)

PlatzierungWeingutAnbaugebietRebfläche in haBemerkungen
1. (1.)Hess. Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach, EltvilleRheingau228 (247)
2. (2.)Stiftung Juliusspital Würzburg Stiftung des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken180 (172)
3. (3.)Weingut 1616 Pfaffmann Heinz Stiftung, WalsheimPfalz170 (150)
4. (8.)Friedrich Kiefer KG, EichstettenBaden165 (120)großteils Bewirtschaftung durch Vertragswinzer (15ha eigene Flächen)
5. (-)Weingut Leitz KG, RüdesheimRheingau160
6. (26.)Weingut & Privatkellerei Bimmerle KG, RenchenBaden153 (70)
7. (9.)Weingut Werner Anselmann Gebrüder Anselmann GmbH, EdesheimPfalz150 (118)
8. (-)Weingut Metzger, GrünstadtPfalz140davon 45ha eigene Flächen
9. (4.)Markgräflich Badisches Weinhaus GmbH, SalemBaden135 (145)davon werden ca. 60ha in kurzfristig gerodet
10. (7.)Verwaltung der Bischöflichen Weingüter Trier GbR, TrierMosel130 (120)
11. (6.)Staatlicher Hofkeller Würzburg Körperschaft des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken120 (120)
11. (13)Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist, WürzburgFranken120 (103)
11. (54.)Weingut Markus Molitor GmbH & Co. KG, Zeltingen-RachtigMosel120 (42)
12. (16.)Weingüter Heitlinger & Burg Ravensburg GmbH, ÖstringenBaden112,1 (85)
13. (10.)Weinhaus Lergenmüller GmbH, HainfeldPfalz112 (110)davon 85ha eigene Flächen, siehe auch Schloss Reinhartshausen
14. (23.)Weingut Hans Wirsching KG, IphofenFranken107,8 (75)
15. (11.)Heinrich Vollmer GmbH & Co. KG, EllerstadtPfalz104 (105)
16. (37.)Peter Mertes Familienweingüter KG, Bernkastel-KuesMosel100 (60)
17. (41.)Weingut Knipser GbR, LaumersheimPfalz99,7 (53)
18. (27.)Julius Zotz KG, HeitersheimBaden98 (70)
19. (51.)Van Volxem Weinmanufaktur GmbH & Co. KG, WiltingenMosel95 (45)
20. (47.)Von Winning Weingut GmbH, DeidesheimPfalz93 (46)
21. (-)Weingut Dr. Loosen, Bernkastel-KuesMosel92,9stark schwankende Angaben in den Quellen
22. (36.)Weingut Markus Schneider, EllerstadtPfalz92 (60)
23. (12.)Sächsisches Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth, RadebeulSachsen90 (104)
23. (-)Holz-Weisbrodt HW – Die Weinfamilie GmbH & Co. KG, WeisenheimPfalz90
24. (17.)Weingut Robert Weil KG; KiedrichRheingau89,9 (85)
25. (15.) Weingut Dr. Bürklin Wolf e.K., WachenheimPfalz84,7 (86)
26. (22.)Weingut Schloss Reinhartshausen GmbH & Co. KG, EltvilleRheingau80 (76)siehe auch Lergenmüller
26. (43.)Weingut Matthias Keth, OffsteinRheinhessen80 (50)
27. (39.)Weingut Knöll & Vogel GbR, Bad BergzabernPfalz78 (56)
28. (24.)Herrengut St. Martin, Consulat des Weins GmbH, Sankt, MartinPfalz75 (71)
28. (-)Weingut Spanier-Gillot GbR, BodenheimRheinhessen75davon 25 Kühling-Gillot
29. (-)Weingut Raabe, Sankt MartinPfalz74
30. (25.)Fürstl. Castell’sches Domänenamt e.K., CastellFranken73,3 (70)
31. (-)Weingut Benz GbR, Lauda-KönigshofenBaden72
32. (14.)Schloss Proschwitz, Prinz zur Lippe GmbH & Co. KG, MeißenSachsen70 (88)
32. (18.)Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt Niersteiner Schlosskellereien GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen70 (84)
32. (29.)Weingut Fritz Allendorf – Georgshof, Oestrich-WinkelRheingau70 (63)
32. (33.)Karl Pfaffmann GmbH & Co. KG, WalsheimPfalz70 (60)
32. (-)Weinkellerei „Altes Schlösschen“ Ludwig Schneider GmbH, Sankt MartinPfalz70
33. (21.)Weingutsverwaltung Schloss Vollrads KG, Oestrich-WinkelRheingau68 (80)
34. (-)Weingut Künstler, HochheimRheingau65
34. (-)Weingut Bernhard Mehrlein, Oestrich-WinkelRheingau65
34. (-)Weingut Achim Hochthurn, HorrweilerRheinhessen65
35. (-)Weingut Kruger-Rumpf GbR, Münster-SarmsheimNahe64
36. (30.)Staatsweingut Meersburg, Landesbetrieb, MeersburgBaden63 (63)
36. (45.)Weingut Hammel GmbH, KirchheimPfalz63
37. (-)Weingut Philipp Kuhn, LaumersheimPfalz61,3
38. (31.)Weingut Reichsrat von Buhl GmbH, DeidesheimPfalz60,4 (62)
39. (34.)Weingut Spielmann-Schindler, Bobenheim am BergPfalz60 (60)
39 (35.)Weingut Schales eGbR, Flörsheim-DalsheimRheinhessen60 (60)
39. (50.)Weingut Albert Kallfelz GmbH, ZellMosel60 (45)
39. (-)St. Antony Weingut GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen60
40. (-)Wageck Wine GmbH, BissersheimPfalz59
41. (-)Weingut Sonnenhof Karl Schäfer & Söhne eGbR, Bockenheim an der WeinstraßePfalz58
42. (49.)Balthasar Ress Weingut KG, EltvilleRheingau55 (45)
42. (-)Weingut Wilhelm Zähringer GmbH, HeitersheimBaden55
42. (-)Weingut Mussler, BissersheimPfalz55
43. (46.)Georg Apfelbacher Weingut-Weinkellerei e.K., DettelbachFranken54 (46)
43. (-)WEingut Jung & Knobloch GbR, AlbigRheinhessen54
44. (32.)Weingüter Geheimrat J. Wegeler GmbH & Co. KG, Oestrich-WinkelRheingau&Mosel53,4 (62)
45. (-)Weingut Bernhard Koch KG, HainfeldPfalz53
46. (42.)Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan GmbH, DeidesheimPfalz51,9 (53)
47. (-)Weingut Josef Spreitzer, Oestrich-WinkelRheingau51,5
47. (-)Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg GbR, GeisenheimRheingau51,5
48. (20.)Weingut Fritz Walter, NiederhorbachPfalz50 (80,1)
48. (40.)Landesweingut Kloster Pforta GmbH, Naumburg/SaaleSaale-Unstrut50 (53,5)
48. (52.)Thüringer Weingut „Sonnenburg“ Bad Sulza GmbH, Bad SulzaSaale-Unstrut50 (43)
48. (-)Reichsgraf von Kesselstatt GmbH, MorscheidMosel50
48. (-)Weingut Aufricht GbR, StettenBaden50
48. (-)Weingut Johannes Freiherr von Gleichenstein, Vogtsburg i.K.Baden50
48. (-)Weingut Wilker, PleisweilerPfalz50
48. (-)Weingut Villa Hochdörffer, LandauPfalz50
48. (-)Weingut Landgrafenhof GbR, SaulheimRheinhessen50
49. (38.)Weingut Franz Keller GmbH & Co. KG, Vogtsburg i.K.Baden48,7 (57)
50. (-)Baldauf Ramsthal GmbH & Co. KG, RamsthalFranken48
— (28.)G. H. von Mumm’sches Weingut KG, GeisenheimRheingau0 (65)Weingut nicht mehr aktiv
— (44)Karl Karle GmbH, Ihringen a.K.Baden45 (48)
— (48)Weingut Schloss Ortenberg GmbH & Co. KG, OrtenbergBaden45 (45)
— (19)Weingut Graf von Schönborn, Schloss Halburg, VolkachFranken30 (82)Verkauf der Rheingauer Weinberge
— (5)Weinkellerei Schick GbR, WeisenheimPfalz27 (142)

Letzte Aktualisierung: 01.03.2025 – Leserfeedback.

Ergänzungs- oder Korrekturwünsche gern per Mail direkt an mich.

  1. https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/bodennutzung-und-pflanzliche-erzeugung/weinbau ↩︎

Bürgerspital, Franken – Würzburger Stein-Harfe Silvaner GG 2014

Bürgerspital, Franken - Würzburger Stein-Harfe Silvaner GG 2014

2015 hab ich einen kleinen Tagesausflug nach Franken gemacht und habe Silvaner eingekauft, nachdem immer mehr positive Bewertungen für den 2014er Silvanerjahrgang eintrafen. Überall habe ich wirklich tolle Silvaner gekostet, auch im Bürgerspital in Würzburg. Nur gekauft hab ich dann leider zu wenig. In tollen Jahren muss man einfach größer denken!

Somit war auch jetzt erst die erste von 2 Flaschen aus der Monopollage Stein-Harfe fällig. Die GG aus der Stein-Harfe sind jedes Jahr etwas feiner, als die aus dem Würzburger Stein (-Berg/Parzelle Hagemann), was hier auf tolle Weise zu schmecken ist:

Kühle, dichte, extrem kräutrige und mineralisch kalkige Nase, Pfeffer, im Hintergrund etwas Quitte.

Im Mund ebenfalls kühl, fokussiert, kalkig, die Kräuter werden durch dunkle Gewürze ergänzt. Salz. Mundwässernde, sehr saftige, aber nicht spitze, leicht zitronige Säure. So gut wie keine Frucht.

Langer, schöner, glasklarer Abgang. Eine feine kalkige Note bleibt.

Hervorragend! Ein großartiger Silvaner. Beeindruckend insbesondere die vornehme Eleganz und die ziemlich konsequente Abwesenheit von Frucht. So ist das zum Essen und als Solist eine wahre Wonne.

ca. 26,00 EUR / PGV günstig

Klassiker des Deutschen Weins: Würzburger Stein Erste Lage 2020 vom Juliusspital

Kommt das Gespräch auf die Weingüter Juliusspital oder Bürgerspital aus Würzburg kann ich nicht anders als Lob und Anerkennung auszusprechen:

  • Das Weingut Bürgerspital existiert als Teil der gleichnahmigen von Patrizier Johann von Steren gegründeten Stiftung bereits etwa seit 700 Jahren und bewirtschaftet ca. 120ha Weinberge.
  • Das Weingut Juliusspital gehört zur gleichnamigen von Bischof Julius Echter vor über 400 Jahren gegründeten Stiftung und bewirtschaftet 180ha Weinberge.
  • Beide Betriebe bilden einen wesentlichen Teil der wirtschaftlichen Grundlage der gemeinnützigen Stiftungen, die sich um Krankenhausbetriebe und Altenpflege kümmern.

Für Weingüter dieser Größe (beide zählen zu den größten Weingütern Deutschlands) und zugrundeliegendem Konstrukt (eben kein privatwirtschaftlicher Betrieb) finde ich in einige Mitbewerber, die es nur leidlich geschafft haben, ihre Tradition angemessen zu pflegen und und heute nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Und genau da bin ich der Meinung, dass die Spitäler hier einen excellenten Weg gehen. Meine Weintrinker-Karriere dauert jetzt noch nicht Jahrzehnte, aber zumindest seit 2009 liefern beide Weingüter in jedem Jahr aus meiner Sicht hervorragende Qualitäten. Wer schon mal in den großen Kellern der Weingüter stand, erkennt auch dort, dass Tradition aktiv gepflegt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Gütern in Deutschland baut man einen Teil der Weine weiterhin in großen Holzfässern aus. Die Anzahl der großen Fässer ist in beiden Kellern schlicht beeindruckend.

 

Große Tradition = Große Weine

Dass die großen Gewächse insbesondere vom Silvaner aber auch vom Riesling jedes Jahr zu den Top-Weinen der Region Franken gehören ist quasi selbstverständlich. Der „Signatur-Wein“, also die Visitenkarte der Häuser ist für mich aber stets die erste Lage. Nicht nur aus dem Würzburger Stein, aber aufgrund des ebenso traditionsreichen Weinbergs insbesondere aus dem Stein. Das sind ganz sicher Weine, die in nicht ganz kleinen Mengen produziert werden. Weine, die hier im Frankfurter Raum auch in gut sortierten Supermärkten zu finden sind. Und Weine, die immer unter 15 EUR gekostet haben (das Juliusspital liegt jetzt bei exakt 15 EUR), also erschwinglich sind.

In beiden Häusern werden die ersten Lagen spontan vergoren und im großen Holzfass ausgebaut. Und aus meiner Sicht sind sie bei Silvaner und Riesling jedes Jahr echte Preis-/Leistungsknaller. In keinem der letzten Jahre hätte ich hier unter 88 persönliche Gummipunkten vergeben. In einigen Jahren war ich klar bei 90-91 Punkten und damit im Prinzip auf GG-würdigem Niveau. Das ist für mich schlicht großartig und erlaubt das Prädikat „Klassiker“, insbesondere, wenn man die Strukturen der Häuser bedenkt.

Der eine oder andere fortgeschrittene Weinnerd mag jetzt einwenden, dass die Weine langweilig seien. Ich kann das schon nachvollziehen, denn es sind ruhige Weine. Und Klassiker sind selten moderne von neusten Einflüssen der Weinmakerszene beinflusste Tropfen, sondern eben verlässliche, aber dennoch sehr gute Weine.

 

Große Weine brauchen Reife

Hinzu kommt aus meiner ganz persönlichen Sicht, dass insbesondere die Silvaner häufig zu früh geöffnet und getrunken werden und zu wenig Luft bzw. Reifezeit bekommen. Denn nicht nur bei den Spitälern tut es gut, jungen Silvanern in einem eher klassischen Stil ein paar Jahre Zeit zu geben. Gerade im ersten Jahr fühlen sich die Weine häufig etwas parfümiert fruchtig an. Eine Richtung, die gar nicht so zum Silvaner passt. Ein oder zwei Jahre nach der Abfüllung hat sich das meist beruhigt und die mineralisch, würzige Seite kommt voll zum Vorschein. Aktuell zum Beispiel finde ich 2016 klasse, leider ist mein Keller da schon sehr geräubert.

 

Nach einer kleinen Onlinediskussion zum Thema Juliusspital war ich quasi genötigt 🙂 den aktuellen Jahrgang mal zu verkosten, Coronabedingt ergab sich da bisher leider keine Gelegenheit, also habe ich die Würzburger Steine hier vor Ort im Supermarkt gekauft und über mehrere Tage verkostet, um die Entwicklung ein bisschen absehen zu können.

 

Juliusspital, Franken – Würzburger Stein Silvaner Erste Lage 2020

Klassiker des Deutschen Weins: Würzburger Stein Erste Lage 2020 vom Juliusspital SilvanerTag 1:

Süßliche, ungewohnt fruchtbetonte Nase mit Birne, Apfel, Steinobst, Kräutern und etwas Schießpulver. Im Mund fest und kompakt, kandierte Zitrusfrüchte und Apfel, im Hintergrund Kräuter. Schöne Säure, die mit Luft aufblüht. Die innere Dichte lässt mehr vermuten, das mehr scheint aber wie zugedeckt und verborgen. Mit starker Mundbelüftung stellt sich etwas kalkige Mineralität dagegen.

Da ist das süße Fruchtphänomen des jungen Silvaner.

Tag 2:

In der Nase liegen die Kräuter und kalkig, hefigen Noten nun vorn, erst dann Birne und süßliche gelbe Steinfrucht, florale Noten und Schießpulver.
Im Mund sind die Zitrusfrüchte von gestern weniger kandiert, dazu mehr Birne als Apfel. Die Kräuter und kalkige Mineralität stehen nun gleichberechtigt zur Frucht. Die Säure ist sofort da. Klarer schöner Abgang.

Eine große Veränderung gegenüber gestern. Viel mehr Silvaner.

Tag 3:

In der Nase ist die Frucht zurück gegangen, auch Schießpulver ist weniger geworden, ansonsten gibt es wenig Veränderungen gegenüber gestern.
Im Mund jetzt alles schön aufgeräumt. Kräuter, Kalk, Birne, zitrusfrische Säure. Im Hintergrund dann noch die schmelzige, süße gelbe Frucht.

Der Abgang nun komplexer. Es bleibt kalkige Mineralität aber auch etwas süßliche Frucht.

Tag 4:

An Tag 4 tut sich nicht mehr viel. Im recht langen Abgang ist jetzt aber sehr viel Kalk. Dazu insgesamt noch etwas weniger Schmelz und Süße.

Wirkt an Tag vier damit am elegantesten. Der Wein hat seine Stärken gefunden, ich bin mir sicher, dass der Schmelz mit mehr Flaschenreife noch etwas weiter zurückgeht.

 

Juliusspital, Franken – Würzburger Stein Riesling Erste Lage 2020

Klassiker des Deutschen Weins: Würzburger Stein Erste Lage 2020 vom Juliusspital RieslingTag 1:

Kühle, gedeckte, hefige Nase, darunter steinige Mineralität und gelbe Früchte.
Im Mund schon deutlich offener. Recht dicht, knackige, mundwässernde Säure, süße gelbe Früchte, aber auch grüner Apfel und Zitrone. Etwas Hefe. Deutlich steinige Mineralität und eine Prise Salz.
Mittellanger, minimal süßlicher Abgang.

Im Mund damit schon deutlich „fertiger“ als der Silvaner.

Tag 2:

Die Nase ist jetzt etwas offener, gelbe Frucht tritt in den Vordergrund, dazu Kalk, etwas Hefe und Tabak.
Im Mund ist die Säure etwas besser eingebunden, die gelben Früchte etwas weniger süß und reif. Der Wein hat an Zug gewonnen. Aromatisch sind aber nur mäßige Veränderungen gegenüber gestern festzustellen.

Tag 3:

In der Nase jetzt eine schöne kühle gelbe Frucht, kaum noch Hefe, dafür aber weiterhin Kalk und Tabak. Neu dazu kommen florale Noten.

Im Mund noch etwas weniger Süße und etwas mehr Zug.

Tag 4:

In der Nase wird die Frucht etwas dezenter und lässt noch etwas Platz für gewürzige Noten, die sicher auch bei Flaschenreife noch etwas dominanter werden. Im Mund wirkt der Wein nochmal deutlich kalkiger, kühler, straffer. Mehr Zitrus. Nochmal mehr Zug. Die süße gelbe Frucht findet sich nur noch leicht schmelzig im Abgang. Der fällt recht lang aus und viel kalkige Mineralität bleibt zurück.

Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, dass an Tag 4 doch nochmal etwas mehr kommt, da der Wein ja schon zu Anfang deutlich fertiger und gefestigter wirkte als der Silvaner. Aber hochwertige Weine bieten halt immer Überraschungen.

 

Am Ende waren beide Weine auch nach vier Tagen nicht, jedoch die Flaschen leer. Auch das ist ein klares Qualitätsmerkmal. Für mich ist klar: Auch 2020 liefert das Juliusspital bei seinen Klassikern hervorragend ab. Beide Weine machen viel Spaß für überschaubares Geld und werden dem Ruf als Klassiker absolut gerecht.

Aber bitte lasst die Weine noch etwas im Keller.

Bürgerspital, Franken – Würzburger Stein Silvaner trochen 2016

Bürgerspital, Franken - Würzburger Stein Silvaner trochen 2016Würzburger Stein Silvaner von einem der „Spitäler“ gehört für mich einfach zu den großen Deutschen Weinklassiker. Falsch macht man da nie was!

Sehr intensive, nussige und würzige Nase mit süßlicher Birnen-und Quittenfrucht.

Im Mund eine für einen Silvaner unheimlich klare und kühle Frucht mit viel Orange und etwas roten Beeren.
Dazu eine wunderbar frische Säure. Helle, kalkige Mineralität und eine leicht cremige Textur. Im Hintergrund dazu eine Prise Salz und Pfeffer.

Recht langer, schöner, glockenklarer Abgang.

Der Wein besitzt eine wunderbare Eleganz und ist eine echte Schönheit. Es ist für mich immer wieder fast eine Überraschung zu sehen, wie viel Qualität von einem der größten Weingüter Deutschland mit 120h Rebfläche auf die Flasche gebracht wird. Und das zu diesem günstigen Preis!

 

Ca. 13,00 EUR / PGV günstig

Bürgerspital, Franken – Würzburger Stein Silvaner trocken 2014

Bürgerspital, Franken - Würzburger Stein Silvaner trocken 2014Beim Weingut Bürgerspital, das mit 120ha Rebfläche zu den größten Weingütern Deutschlands gehört, bin ich immer wieder überrascht, welche Qualitäten dort entstehen. Ein gutes Beispiel ist dieser Wein vom Würzburger Stein, von dem bestimmt auch nicht blos 1000 Flaschen verkauft wurden:

Dichte, kräutrige, würzige Nase mit floralen Noten. Dazu etwas Orangenschale und rote Beeren.

Im Mund kalkig, mineralisch, kühl. Mit einer herben gelben Frucht und etwas Zitrone. Dazu eine feine Kräuterwürze, knackige Säure.

Schöner, langer Abgang.

Der Silvaner ist ein Musterbeispiel für 2014. Der Stil sehr schlank und mineralisch. Die eher untypische Extraportion Säure macht viel Spaß. Und ich habe den Wein definitiv zu früh getrunken.

Ca. 12,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

VDP.Jahrespräsentation 2017 Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 07. Mai 2017

Am 07. Mai fand die diesjährige Jahrespräsentation des VDP.Franken in Würzburg statt. Wie letztes Jahr auch eine gute Gelegenheit einen Überblick über den Jahrgang in Franken zu erlangen.

Einige Weine des Jahrgangs hatte ich bereits auf der VDP.Weinbörse in Mainz vor einigen Wochen gekostet. So konnte ich etwas zielgerichteter Vorgehen.

Insgesamt zeigt sich 2016 etwas weniger druckvoll und in der Jugend etwas verschlossener als 2015, aber gleichzeitig runder und reifer als 2014. Grundsätzlich sind das gute Voraussetzungen, wenn man den Weinen noch etwas Zeit gibt.

Meine Favoriten:

 

Beste gezeigten Kollektionen:

Fürst Löwenstein:

Fürst Löwenstein hat 2016 mit neuem Kellermeister wieder eine starke Kollektion hingelegt. Die Weine sind etwas weniger verspielt als 2015.

Bei den Silvanern gefielen der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner trocken und der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ trocken gut.

Noch einen Tick besser die Rieslinge: 2016er Homburger Kallmuth Riesling trocken und 2016er Homburger Kallmuth Riesling „R“ trocken mit schöner Frucht und animierendem Spiel von Fruchtsüße und klarer Säure.

 

Rudolf May:

Einmal mehr präsentiert Rudolf May herausragendes:

Bei den Silvanern einen schönen 2016er Retzstadter Silvaner trocken und einen hervorragenden 2016er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken. Beide ruhen in sich und haben eine tolle Würze.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Riesling trocken bringt eine schöne Frucht mit.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Weißburgunder bleibt kühl, elegant und quasi burgundisch.

Absolut Irre dann die 2015er Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese. 300g/L Restzucker bei 16 Säure und 7,5% vol. Alkohol. 12 Monate im Barrique. Vom Barrique ist nichts mehr zu spüren. Der Wein extrem dicht bis ölig, aber gleichzeitig auch frisch und trinkiger als eine TBA sein kann. Hammer!

 

Zehnthof Luckert

Was hier seit einigen Jahren abgeht gefällt mir ungemein gut. 2016 macht hier keine Ausnahme:

Die gezeigten Silvaner, der

2016er Sulzfelder Blauer Silvaner trocken

2016er Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken und

2015er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

sind allesamt fein, elegant und mineralisch, sehr würzig und zeigen wenig Frucht. So geht’s!

Der 2016er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder „Terrassen“ trocken steht da mit seiner guten Balance zwischen Kraft und Eleganz in nichts nach.

Weitere Empfehlungen nach Rebsorten:

Silvaner

Bürgerspital zum Hl. Geist:

2015er Würzburger Stein Silvaner GG : schöne Frucht, tiefe Mineralität, kraftvoll

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2016er Würzburger Stein Silvaner trocken : mineralisch, vielschichtig, aber noch sehr unrund, braucht zeit

 

Bickel-Stumpf

2016er Frickenhäuser Muschelkalk Silvaner trocken

2016er Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken

Beide eher auf der fruchtigeren Silvanerseite.

 

Egon Schäffer

2016er Escherndorfer Silvaner trocken (Fassprobe): Schäffer sollte man im Auge behalten!

 

Weltner

2016er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken

 

Roth

2015er Silvaner Alte Reben trocken Holzfass: körperreich, noch deutlich vom Holz geprägt, hat aber bestimmt eine schöne Zukunft.

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2015er Casteller Kugelspiel Silvaner trocken : knochentrocken mit 0,8 RZ und daher auch als 2015er mit einer gewissen Eleganz

2015er Casteller Schlossberg Silvaner GG: ziemlich wuchtig und kraftvoll – eher der klassische Stil

 

Riesling 2015

2015 war ein absolutes Rieslingjahr in Franken. Irritieren doch fränkische Rieslinge häufig mit wenig Frucht und eher zurückhaltender Art, ist das in 2015 anders. Die Kombination aus Kraft und Säure hat hervorragende Rieslinge mit einer schönen Frucht hervorgebracht, die bestimmt auch einiges Lagerpotential bieten.

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2015er Würzburger Sein Riesling GG

 

Störrlein Krenig

2015er Randersackerer Sonnenstuhl Riesling GG

 

Michael Fröhlich

2015 Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling GG

 

Egon Schäffer

2015er Escherndorfer Lump Riesling trocken

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2016er Casteller Honart Riesling trocken

 

Riesling andere Jahrgänge

Höfler

2016er Michelbacher Riesling „Urgestein“ feinherb: saftig und fein mineralisch

 

Bürgerspital zum Hl. Geist

2016er Randersackerer Teufelskeller Riesling trocken: schöne Frucht

 

Horst Sauer

2016er Escherndorfer Lump Riesling S. trocken

 

Johann Ruck

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken Fassprobe : straight mit straffer Säure

 

Hans Wirsching

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken

2012er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG : Jung, fein, kann noch reifen

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2008er Casteller Schlossberg Riesling GG : kraftvoll und ebenfalls noch jung.

 

Bei den Rotweinen verweise ich auf meine Einträge zur Mainzer Weinbörse.

 

Vielen Dank an den VDP.Franken für die schöne aber auch erfolgreich volle Veranstaltung.