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Hans Wirsching, Franken – Riesling „Sister Act“ trocken 2015

Hans Wirsching, Franken - Riesling "Sister Act" trocken 2015Unter dem Titel „Sister Act“ bietet das Weingut Wirsching zwei Weine an. Einen Riesling und einen Silvaner. Der Name steht hier für die Schwestern Andrea und Lena Wirsching, die gemeinsam mit Vater Heinrich die Geschäfte des Familienunternehmens führen. Man kann damit vielleicht sagen, dass die Weine damit eine Visitenkarte der jüngeren Generation Wirsching sind.

Auf jeden Fall sind die Weine anders, als die unter dem klassischen Etikett abgefüllten Wirschingweine. Während die Klassiker des Hauses für die große fränkische Tradition im besten Sinne stehen, sind die Sister Act Weine einen Hauch wilder und geprägter von der Machart. Spontan vergoren und im großen Holzfass werden hier die Trauben von alten Reben aus dem Julius-Echter-Berg ausgebaut. Das bringt Spannung und setzt einen feinen Kontrapunkt zu den großen in sich ruhenden Klassikern:

In der Nase ist der Wein sehr würzig und gar nicht unbedingt riesling-typisch mit viel Apfel, kandierten Orangen, Zimt und steiniger Mineralität.

Die steinige Mineralität bestimmt dann auch die Aromatik im Mund. Auch wieder eher Apfel und Zitrusfrüchte, statt Pfirsich. Extrem schöne, saftige Säure, Ganz feines Gerbstoffgerüst, tolle Würze, Schießpulver und eine zarte, fast florale Süße.

Sehr schöner, klarer und recht langer Abgang.

Hervorragend!

 

ca. 18,50 EUR / PGV günstig

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? – Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? – war die Kernfragestellung einer kleinen privaten Probe in Frankfurt. Zwölf Weine wurden hierfür zusammengestellt. Mindestens „angereift“ sollten sie sein und damit nicht jünger als 2014.

Zu Acht verkosteten wir die Weine, darunter waren zwei Piraten, die die Eingangskriterien Franken/Silvaner/GG/2014 oder älter rissen.

Die Weine wurden vor der Probe durch den Gastgeber in neutrale Bordeaux-Flaschen umgefüllt und nummeriert (Danke für den Riesenaufwand!) und in Zweier-Flights blind verkostet. Die Probe wurde erst ganz am Ende aufgedeckt. Beste Voraussetzungen also für einen kleinen „Marktüberblick“:

 

Flight 1 „Die Alten“:

Juliusspital – Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2009 vs. Schmitt’s Kinder – Randersackerer Pfülben Silvaner GG 2010

 

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi

Juliusspital 2009

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F1Die ältesten Weine wurden vom Gastgeber in den Flight gepackt, da er beim Umfüllen in die neutralen Flaschen schon gemerkt hat, dass die Weine in der Reife schon arg fortgeschritten waren. Beim Einschenken war die Lage klar: beide zeigten sich schon eher dunkelgold im Glas.

Der Wein vom Juliusspital zeigte in der Nase schon deutliche Sherrynoten, dazu Honig, Kräuter und etwas Orangeat.

Im Mund ebenfalls sehr reif, aber nicht ganz so kritisch, wie die Nase vermuten ließ. Eher zurückhaltende Säure, Kräuter, kalkige Mineralität, Kräuter. Bei der Frucht maximal etwas überreifer roter Apfel. Im mittellangen Abgang etwas alkoholwarm.

Das GG von Schmitt’s Kindern machte insgesamt noch einen etwas frischeren Eindruck (ggf. auch jahrgangsbedingt), war aber auch schon etwas über den optimalen Trinkzeitpunkt hinaus. In der Nase wieder sehr reif und kräutrig, aber auch etwas gemüsig, dazu ein wenig Waldmeister, rote Beeren und Rauch.

Im Mund etwas kandierte Zitrusfrüchte, grüner Apfel und Melone. Feine kalkige Mineralität, frische Säure. Recht langer Abgang, der dann doch recht stark von der Reife geprägt ist.

Definitiv ein schwieriger Start und wirklich ärgerlich, da der Silvaner hinsichtlich Reife eigentlich zu schlecht wegkommt. Bei anderen Gelegenheiten hatte ich schon einige Silvaner, die auch nach 10 oder mehr Jahren Reife in bestem Zustand waren – zuletzt auf der Mainzer Weinbörse, wo Paul Weltner einen genialen 2006er Rödelseer Küchenmeister Silvaner GG zeigte.

Mein Punkt geht (wenn überhaupt bewertbar) an Schmitt’s Kinder.

 

Flight 2 „Klassiker vs. jungem Pirat“

Hans Wirsching – Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2014 vs. Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main

 

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F2Wirsching wirklich absolut klassisch. Schon in der Nase trotz des eher kühlen Jahrs warm, sehr würzig, gelbe Früchte, Quitte.

Im Mund sehr dicht und rund. Ebenfalls eine reife, gelbe Frucht und eine feine Würze. Eine Prise Salz und Feuerstein. Zwar keine ganz kräftige aber ausreichend tragende Säure. Langer Abgang. Auf jeden Fall ein hervorragender Wein und ganz typischer Sortenvertreter. Als Solist vielleicht einen Tick zu kraftvoll, als Essensbegleiter aber klar großartig.

Der erste Pirat kam direkt aus Bastian Hamdorfs „Schatzkammer“. Obwohl eigentlich ausverkauft, gab er mir dankenswerterweise eine Flasche mit, als ich ihm vor Kurzem von unserer geplanten Probe erzählte. Der Wein ist im Großheubacher Bischofsberg gewachsen und stammt aus dem Premierenjahrgang des kleinen Klingenberger Weinguts.

Der Wein sorgte in der Probe als erster dann auch für kontroverse Diskussionen. Einige Teilnehmer lobten Frische, Säure und Gerüst, andere bemängelten den Holzeinsatz oder eine geringe Sortentypizität. Für mich sorgte der Wein auf jeden Fall als erster in der Runde für einen „Niagara-Trinkfluss“:

In der Nase kühl, steinige Mineralität, Kräuter, im Hintergrund etwas getoastetes Holz.

Im Mund eine extrem saftige, kühle Zitrusfrucht, Salz, wieder eine sehr steinige Mineralität, tiefe Würze, etwas Vanille, feines aber festes Tanningerüst, karge Stilistik, die fast an einen französischen Chardonnay erinnert. Schöner, leicht antrocknender, langer Abgang. Wer den Wein im Keller hat, sollte abwarten, da geht noch etwas mehr.

Mein Punkt geht knapp an Bastian Hamdorf.

 

Flight 3: „Klassiker vs. nicht mehr ganz so jungem Pirat“

Juliusspital – Würzburger Stein Silvaner GG 2014 vs. Michael Teschke – Sylvaner Vom Mühlweg 2013 (Rheinhessen)

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F3Der Wein vom Juliusspital zeigt eine kühle, tiefwürzige Nase mit vegetabilen Noten, Quitte und leicht hefig, holzigen Noten.

Im Mund zeigt er eine wunderbar feine, gelbe Frucht und etwas Orange. Dazu rote Beeren, eine ganze Kräuterwiese, kalkige Mineralität und eine Prise Pfeffer. Langer und klarer, sehr schöner Abgang. Für mich großes Kino!

Der rheinhessische Pirat könnte stilistisch konträrer nicht sein. Entsprechend gibt es auch hier wieder kontroverse Diskussionen am Tisch. Hätten wir gewusst, welches Weingut wir im Glas haben, wäre alles klar gewesen. Michael Teschke ist ein Individualist und macht ebensolche Weine. Der „Vom Mühlweg“ wird von Hand gelesen, spontan vergoren und im Holz ausgebaut. In der Nase zunächst nur ein kräftig schwefliger Stinker. Erst nach und nach treten kräutrige Noten und etwas Veilchen zu Tage.

Im Mund frisch mit einer recht kräftigen Säure, Frucht nach Orange, Birne, und roten Beeren. Feines Gerbstoffgerüst, das an grünen Tee erinnert. Dazu wieder florale Noten und eine feine, eher kalkige Mineralität. Mittellanger Abgang. Ein Wein mit viel Zug, aber insbesondere wegen der Nase auch etwas rustikal wirkend.

Mein Punkt geht ans Juliusspital.

Fight 4: „Duell im südlichen Maindreieck“

Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014 vs. Bickel-Stumpf – Frickenhausener Kapellenberg „Mönchshof“ Silvaner GG 2014

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F4Luckerts Maustal zeigte eine wunderbare dichte und kühle Nase mit Apfel, roten Beeren, Orangeat und feiner Mineralität.

Im Mund eine tolle Kräuterwürze, mit kühler und leicht süßlicher gelber Frucht und roten Beeren. Ganz feine, höchst elegante, kalkige Mineralik und leicht schmelzige Textur. Sehr langer und schöner Abgang. Top!

Bickel-Stumpfs Mönchhof besticht ebenfalls durch eine dichte, komplexe Nase hier mit Quitte, Birne, Kalk und nussigen sowie rauchigen Noten.

Im Mund steht die kalkige Mineralität im Vordergrund. Dazu gibt es eine kühle Frucht und eine zitronige Säure. Eine schöne Kräuterwürze und eine Prise Salz runden das ganze ab. Im langen Abgang bleibt es kalkig. Eine ganz feine Kohlensäure im Wein sorgt aber dann doch für Diskussionen. Sie wird unterschiedlich stark störend gesehen. Weitgehend einig ist man sich aber, dass Kohlensäure im GG grundsätzlich eher nicht erwartet wird.

Luckert ist für mich vorn.

 

Flight 5: „Zwei Sauer-Lumpen“

Horst Sauer – Escherndorfer Lump Silvaner GG 2011 vs. Rainer Sauer – Escherndorf am Lumpen 1655 Silvaner GG 2013

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F5Horst Sauers Silvaner kommt mit einer gewürzigen Nase, süßlicher gelber Frucht mit roten Äpfeln und reifen Birnen und etwas Bienenwachs und Butter.

Im Mund ebenfalls eine warme, eher süße, gelbe Frucht. Der Wein hat eine schöne kräutrige Würze Etwas zusätzliche Wärme und Süße und wohl auch einen ganz leichten Bitterton ordne ich dem Alkohol zu. Der Abgang ist lang, bleibt aber alkoholwarm. Insgesamt gekonnt gemacht und sicher vom warmen Jahrgang beeinflusst. Aber auch wieder eher ein Essensbegleiter, weil er doch recht viel von allem hat.

Rainer Sauers Vertreter ist etwas kühler. In der Nase ein ganz typischer kräutriger Silvaner mit einer schönen Birnenfrucht.

Im Mund reife Birne und reifer Apfel, etwas Karamell und Kräuter. Schöne Säure, aber auch gleichzeitig viel Süße. Mittellanger Abgang. Nicht der komplexeste Wein des Abends.

Mein Punkt an Horst Sauer

 

Flight 6: „Nordwest vs. Südost“

Paul Weltner – Rödelseer Küchenmeister Hoheleite Silvaner GG 2012 vs. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis“ Silvaner 2012 (seit VDP-Beitritt: Rothlauf GG)

Wie groß sind Große Gewächse vom fränkischen Silvaner? - Kleine Silvanerprobe am 17. Mai 2019 in Frankfurt Juspi F6Der Silvaner von Paul Weltner zeigt eine etwas schwierige Nase nach überlagerten Äpfeln, Leder und Kräutern.

Im Mund ist er schöner: Viel Kalk und roter Apfel, frische Säure, feines Gerbstoffgerüst und Feuerstein. Langer Abgang. Sehr straigter Stil. Bei mir persönlich ist der Wein nicht so gut weggekommen, weil Nase und Geschmack für mich einfach nicht harmonieren wollten. Einige Mitverkoster sahen es anders. Durchaus auch ein kontrovers diskutierter Wein.

Der Recis von Rudolf May war dann als letzter Wein des Abends auch mein persönlicher Favorit. In der Nase schon eine unheimlich spannende und intensive Würze, rauchig und fast ans Schießpulver erinnernd. Dazu Birne, Quitte und im Hintergrund leicht gemüsige Noten.

Im Mund wieder sehr druckvoll aber nicht breit. Ebenfalls wieder viel von der schwer beschreibbaren aber wunderbaren Würze. Kalkige Mineralität, die den Wein ganz minimal cremig erscheinen lässt. Frische apfelige Säure und etwas Birne bilden die Fruchtkomponenten. Sehr langer, feiner Abgang. Sehr ausgewogen zwischen Druck und Eleganz.

 

Die Ergebnisse:

Meine persönlichen Favoriten waren:

1. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis” Silvaner 2012

2. Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014

3. Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main

 

Die Gruppenfavoriten*:

1. Zehnthof Luckert – Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2014

2. Rudolf May – Thüngersheimer Johannisberg „Recis” Silvaner 2012

3. Gleichauf:
    Bastian Hamdorf – Sylvaner 2014 Landwein Main
    Juliusspital – Würzburger Stein Silvaner GG 2014
    Michael Teschke – Sylvaner Vom Mühlweg 2013 (Rheinhessen)

 

Fazit:

Wir haben an diesem Abend eine ganze Reihe großartiger Silvaner getrunken. Auch wenn sich Silvaner nicht ganz so wandelbar zeigt, wie zum Beispiel der Riesling, ist die Bandbreite der Stile und Aromen extrem hoch. Auch qualitativ müssen sich die Silvaner GG nicht hinter ihren bekannteren Riesling-Geschwistern verstecken. Die beiden Piraten zeigen, dass es stilistisch auch noch ganz anders geht und geben Grund zur Annahme, dass die Geschichte des Silvaners nicht auserzählt ist.

In warmen Jahren neigt der Silvaner definitiv dazu, etwas „gemütlicher“ zu werden. Bei den Top-Gütern hat das auf Komplexität und Größe wenig Einfluss – allerdings rufen die Weine dann nach einem ebenbürtigen Essenspartner.

Nur einen Beweis konnten wir aufgrund der beiden Ausfälle in Flight 1 nicht antreten: Dass Silvaner hervorragend reifen kann. Vielleicht ergibt sich hierzu ja in ein paar Jahren die Gelegenheit das nachzuholen.

Bis auf den dankenswerterweise überlassenen Pirat von Bastian Hamdorf wurden alle Weine durch die Teilnehmer aus eigenen Beständen mitgebracht und bezahlt.

 

In diesem Sinne:

Trinkt mehr Silvaner!

 

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*ermittelt: Top 3 jedes Teilnehmers gewichtet nach Platzierung 1. Platz=3 Punkte, 2. Platz=2 Punkte, 3. Platz=1 Punkt

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2019

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2019 1Wir hatten letzte Woche die Möglichkeit die VDP.Weinbörse in Mainz zu besuchen. Im Kontext des Jahrgangs 2018, der in den Medien frühzeitig als Jahrhundertjahrgang hochgejubelt wurde, war das besonders spannend. Heiß, trocken und lang war der Sommer. Flächendeckend gesunde Trauben wurden eingebracht. Doch unter Weinfreunden weckt die Situation unangenehme Erinnerungen an den Jahrgang 2003, der ebenfalls gehypt wurde, sich aber qualitativ nicht als Spitzenjahrgang herausstellte.

Mengenmäßig ist 2018 in jedem Fall ein Spitzenjahrgang. Hierzu reicht ein Blick in die Statistik. 10,4 Mio. Hektoliter Wein wurden in Deutschland geerntet. Gegenüber dem insbesondere aufgrund von Spätfrösten schlechten Ertrag in 2017 ist das eine Steigerung von über 30%. Doch im führenden Deutschen Weinverband VDP kann die Menge nicht das alleinige Kriterium sein, als Qualitätsführer muss man sich an eben dieser messen lassen.

 

Entscheidend in 2018 – der passende Lesezeitpunkt

Auf der VDP.Weinbörse haben wir eine ganze Reihe Weinmacher dazu befragt, was notwendig war, um in 2018 auch qualitativ hochwertige Weine zu produzieren. Die Winzer waren sich einig: Der Lesezeitpunkt war im trockenen und warmen Jahr 2018 entscheidend.

Auf der einen Seite geht es dabei darum, früh genug zu ernten, um den Zuckergehalt in den Trauben nicht zu hoch ansteigen zu lassen und um Säure im Wein zu erhalten. Ein hoher Zuckergehalt führt zwangsläufig bei trockenen Weinen zu einem hohen Alkoholgehalt. Und z.B. ein Riesling, der 14 oder 15 % Alkohol enthält, schnell sättigend ist und süßlich bis brandig wirkt ist sicher nicht das, was der Kunde heute verlangt Zusätzlich nimmt die Säure mit zunehmender Reife in der Traube ab, was in trockenen Jahren noch schneller kritisch sein kann, weil hier die Ausgangssäure häufig nicht so hoch ist. Daher ist eine rechtzeitige Lese unabdingbar.

Auf der anderen Seite kann die Lese aber auch nicht beliebig nach vorn geschoben werden, da die Trauben gleichzeitig auch wirklich reif sein sollten und nicht „grün“ geerntet werden dürfen, um das Aromenpotential zu nutzen und „grüne“ und bittere Geschmacksnoten zu vermeiden. Eine echte Zwickmühle für den Winzer also. Zudem die Säure wohl in einigen Fällen am Ende dann trotz gut gewähltem Lesezeitpunkt nicht ausgereicht hat und eine zusätzliche Säuerung vorgenommen wurde.

Auf der VDP.Weinbörse hatten wir erstmals die Gelegenheit eine ganze Reihe 2018er Weine zu verkosten. Ja, die Säurewerte sind meist etwas niedriger als in den Vorjahren. Und ja, bei einigen Betrieben erscheinen die Weine deutlich breiter als in den Vorjahren. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass viele Winzer, deren Weine wir verkostet haben, mit den Bedingungen gut umgehen konnten und hervorragende Weine vorgestellt haben. Ob aufgesäuert oder nicht – das war nicht heraus zu schmecken.

Wie immer konnten wir nur einen kleinen Teil der präsentierten Weine verkosten. Und wir immer der Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Ob mir immer gelungen ist, darunter liegende Schätze zu erkennen, wird sich erst später zeigen.

 

Mosel (Riesling)

An der Mosel und insbesondere an der Saar sind die Auswirkungen des heißen Jahres noch am wenigsten zu spüren. Zwar ist die Säure durchschnittlich etwas geringer ausgefallen aber die Feinheit und Frische der Weine blieb im Großen und Ganzen erhalten. Die Weine sind dennoch anders als im Vorjahr. 2017 waren viele Weine äußerst extraktreich, dicht und quasi zum Kauen. Geschuldet wird dies häufig den geringen Erträgen aufgrund von Frühlingsfrösten in diesem Jahr gewesen sein. Dafür waren die 2017er deutlich verschlossener. Die 2018er präsentieren sich da anders. Viel offener und etwas fruchtbetonter.

 

Top-Kollektionen:

Fritz Haag, Brauneberg

Ich liebe die ruhige, klare Stilistik von Oliver Haag sowieso sehr. Der eher kraftvolle aber fruchtbetonte Jahrgang passt hier bestens zum Stil des Hauses. Die Kollektion steht da wie aus einem Guss.

Auf der trockenen Seite ist der 2018er Brauneberger Riesling „J“ extrem gut gelungen, die restsüßen Weine sind alle hervorragend. Neu ist, dass der bisher als Ortswein vermarktete Kabinett nun zu einem Lagenwein – Brauneberger Juffer Kabinett geworden ist, hervorragend war er letztes Jahr und ist er auch dieses. Absolut großartig ist die balancierte, frische 2018er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese mit einer perfekten Frucht.

 

Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg

Bei Zillikens ist der Jahrgangsunterschied zwischen 2017 und 2018 besonders aufgefallen. Die verspielte dichte Würze und Mineralität, die den 2017er Jahrgang besonders machte, war in 2018 nicht so zu schmecken. Aber in diesem Punkt war 2017 eher die Ausnahme. Insofern treten 2018 wieder die altbewährten Stärken der kühlen Saar in den Vordergrund. Eleganz, feinste Frucht, vibrierende Säure. Alles perfekt quasi.

„Antrinktipps“ sind auf der trockenen Seite der 2018er Saarburger Riesling „Alte Reben“, auf der fruchtigen die feine 2018er Saarburger Rausch Riesling Auslese.

 

Von Hövel, Oberemmel

Auch hier ist 2018 eine Top-Kollektion entstanden. Ich finde, dass insbesondere die Differenzierung zwischen den im Scharzhofberg gewachsenen, eher würzigen Weinen und den etwas fruchtigeren Weinen aus der Oberemmeler Hütte immer besser gelingt – ob‘s an Max von Kunows Ausbau liegt oder an meiner steigenden Erfahrung kann ich nicht abschließend beurteilen. Geschmacklich erinnern uns die Weine ein bisschen an den Jahrgang 2015.

Tipps hier: 2018er Saar Riesling trocken (Top PGV!) sowie der 2018er Scharzhofberger Riesling Kabinett und die feine 2018er Scharzhofberger Riesling Auslese.

 

Von Othegraven, Kanzem

Kabialarm!! Es ist jedes Jahr einfach beeindruckend, wie Kellermeister Andreas Barth, die einzelnen Lagenkabis herausarbeitet. Der 2018er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett wie immer der würzige, der 2018er Wawerner Herrenberg Riesling Kabinett der kräutrige und der 2018er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett der strahlend fruchtige, als Versteigerungsversion noch einen Tack mehr auf den Punkt. Aber auch die Spätlesen aus dem Altenberg sind großartig gelungen (Standard, Versteigerung und „Alte Reben“). Trockene Weine standen nicht zur Verkostung.

 

Ebenfalls wieder mit ganz feinen Kollektionen am Start: Maximin Grünhaus und Peter Lauer (mit für seine Stilistik erstaunlich offenen fruchtigen 2018er Weinen)

 

Wer immer noch Zweifel hat, dass 2018 an Mosel und Saar genug Säure und Frische aufweist, sollte im Zweifel zum extrem straighten, feinen, kühl mineralischen 2018er Winninger Röttgen Riesling Kabinett von Knebel greifen – und der kommt ganz sicher nicht aus der kühlsten Lage des Anbaugebiets!

 

Nahe (Riesling)

An der Nahe ist die Lage etwas durchwachsener als an der Mosel. Hier und da sind die Weine doch deutlich kraftvoller und breiter als im Vorjahr. Dennoch wurden auch hier hervorragende Kollektionen vorgestellt. Meine Favoriten:

 

Joh. Bapt. Schäfer, Rümmelsheim

Für mich eine der Überraschungen am letzten Wochenende. Die Kollektion ist großartig gelungen. Alle Weine mit toller Säure und extrem straight und saftig. Zu probieren ist auf jeden Fall der 2018er Burg Layer Schlossberg Riesling trocken, der stoffig, dicht und salzig aber dennoch straight und saftig daherkommt, sowie der 2018er Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett (Versteigerungswein) mit wunderbarer Frucht und schöner Länge und die steinig, salzige, extrem schlanke 2018er Dorsheimer Pittermännchen Riesling Spätlese mit feinster Frucht.

 

H. Dönnhoff, Oberhausen

Am Stand von Dönnhoff entschuldigte man sich direkt schon proaktiv dafür, dass die Weine jahrgangsbedingt etwas fetter ausfallen als gewohnt. Aber Pustekuchen: Alles ist gut, geschmacklich minimal weniger Säure, aber dennoch tiptop und kräutrig wie eh und je. Zu verkosten: 2018er Kreuznacher Kahlenberg Riesling trocken und die überragende 2018er Niederhausener Hermannshöhle Riesling Spätlese.

 

Franken

Warme Jahre sind in Franken Rieslingjahre. Das ist ganz sicher auch 2018 so, auch wenn ich nicht bei allzu vielen Weingütern Rieslinge probiert habe.

Beim fränkischen Flaggschiff Silvaner ist die Lage in 2018 aber durchaus durchwachsen – ebenfalls wie so häufig in warmen Jahren. Für mich macht Feinheit und Eleganz einen Großteil des Reizes beim Silvaner aus. Zusätzlich ist aber auch zu sagen, dass hier die oben aufgestellte Regel der größeren Zugänglichkeit und Offenheit der Weine nicht überall zutreffen will. Gute Kollektionen habe ich trotzdem gesehen:

 

Paul Weltner, Rödelsee

Ich liebe es, wenn man einen Wein schon an der Nase erkennt. Beim 2018er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken ist das so. Die feine rote Frucht! Dazu wunderbar mineralisch und frisch. Auf gleichem Niveau auch der 2018er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner trocken. Sehr schön auch die 2018er Rödelseer Schwanleite Scheurebe trocken, mit fein mineralischem und nicht aufdringlichen Scheurebearoma.

 

Hans Wirsching, Iphofen

Im Hause Wirsching sieht die Silvanerwelt 2018 ebenfalls recht gut aus. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass der Stil des Hauses jedes Jahr eher auf feine Ausgewogenheit als auf straighte Konsequenz ausgerichtet ist. Auch 2018 ist das gut gelungen. Kein Wein ist überladen, alle fein ausbalanciert. Zu probieren ist unbedingt der schöne 2018er Iphöfer Kalb Silvaner trocken und der 2018er Iphöfer Kronsberg Silvaner trocken. Etwas kraftvoller als im Vorjahr, aber dennoch fein und unaufdringlich die 2018er Iphöfer Kronsberg Scheurebe „Alte Reben“. Beim Riesling strahlt der kraftvolle 2018er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken. Da bin ich sehr auf das GG in zwei Jahren gespannt!

 

Rudolf May

Rudolf May hat die Situation aus meiner Sicht besonders gut gemeistert. Vom Ortswein an sind fokussierte und feine Weine entstanden. Die vorgestellten Weine gefallen mir sogar einen Tack besser als im Vorjahr. Sowohl der 2018er Retzstadter Silvaner trocken, der 2018er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken, als auch der 2018er Retzstadter „Der Schäfer“ Silvaner trocken aus dem Holzfass sind echte Empfehlungen.

 

Empfehlungen in anderen Anbaugebieten

 

Kaufmann, Hattenheim, Rheingau

Für den Rheingau hatte ich leider nicht viel Zeit in diesem Jahr. Von den wenigen Gütern, die ich verkosten konnte, stach Kaufmann klar heraus. In sich ruhende Weine, mit schöner Säure und Würze. Der 2018er Hattenheimer Riesling trocken ist eigentlich eine erste Lage im Ortsweingewand. Der 2018er Tell Riesling trocken ist eine Cuvée aus den besten Lagen Hattenheims, ist ausgeglichen, hat eine schöne Frucht und Würze und eine strahlende Säure.

 

St. Antony, Nierstein, Rheinhessen

Seit Mitte 2018 ist Dirk Würtz von Balthasar Ress zu St. Antony gewechselt. Er ist dort Geschäftsführer und mit Sebastian Strub auch für den Keller verantwortlich. Bei Ress hatte Dirk eine klare Vorstellung von Stilistik. Die Weine entwickelten sich von Jahr zu Jahr und trugen eine klare Handschrift. Es müsste also mit dem Teufel zugehen, wenn er am anderen Rheinufer keinen klaren Fußabdruck hinterlassen würde. Bereits im März hatte ich die Gelegenheit Fassproben der GG aus 2018 zu kosten. Die waren gut – und Würtz war drin zu schmecken! Die in Mainz gezeigten Weine bestätigten dies schon angefangen beim 2018er Rotschiefer Riesling trocken. Mein Liebling war die 2018er 1920 Riesling Lagencuvée trocken. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Jahre.

 

J. Neus, Ingelheim, Rheinhessen

Jedes Jahr probiere ich gern die Weine von J. Neus. Jedes Jahr legen sie ein Quäntchen zu. Die kühlen, fokussierten und eleganten Spätburgunder sind mittlerweile auf höchstem Niveau. Best Buy ist sicher der 2016er Ingelheimer Spätburgunder „Alte Reben“ trocken. Weiß waren die vorgestellten Chardonnays weit vorn. Der 2017er Ingelheimer Chardonnay „R“ trocken kühl, mineralisch und tief, der 2018er Ingelheimer Chardonnay trocken dafür offener und etwas runder als der „R“ aus dem Vorjahr.

 

Zum Schluss noch zwei Empfehlungen aus der selten zu findenden Kategorie große Silvaner außerhalb Frankens:

Der 2018er Dorn Dürkheimer Silvaner „Alte Reben“ von Gutzler ist wieder einer der wenigen großen rheinhessischen Silvaner. Mit Jahrgang 2017 hatte ich den Wein erst entdeckt. 2018 scheint noch ein wenig fordernder und kühler zu sein. Das macht viel Spaß.

Der 2017er „Pferd Willi“ Silvaner trocken von Heger aus Baden ist schon etwas dichter, sehr mineralisch und lang, aber niemals breit oder verwaschen. Den Namen hat der Wein übrigens von dem Kaltblüterpferd, dass bei der Weinbergsbearbeitung unterstützte.

 

Vielen Dank an den VDP und die teilnehmenden Weingüter für den tollen Einblick in den neuen Jahrgang!

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 29. und 30. April 2018

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 23.04.2017 Halle

Am Wochenende war es wieder soweit: Die Weinbranche traf sich in Mainz, um auf der VDP.Weinbörse den neusten Jahrgang der im VDP organisierten Spitzenwinzer kennen zu lernen.

Wir mittendrin, zwischen vielen Gesprächen und tollen Weinen insgesamt dann doch mal wieder überfordert: Der Katalog zu dick, die Zeit zu knapp.

Und vor allem: Die Weine zu jung. Viele Fassproben und ganz frisch gefüllte Weine. Für mich ganz schwer zu verkosten. Das Potential von Fassproben erscheint mir da häufig fast noch eher erkennbar. Probiert und im Geiste die leicht hefigen Noten abgezogen und etwas Struktur rausgenommen. Rein gefühlsmäßig scheint das einfacher, als das teilweise Quietschige und Aufdringliche aus den Weinen mit Füllschock abzuziehen. Auch unter den Winzern gibt es keine klare Meinung, ob der Zeitpunkt der richtige ist. Die Bandbreite reicht von „viel zu früh, deswegen war ich schon nicht auf der ProWein“ bis hin zu „wir müssen so früh sein, weil die Händler dringend Nachschub brauchen“.

Aber jammern hilft natürlich nicht. Die Messe ist top organisiert und bietet nun mal einen einzigartigen Überblick über die VDP Weine der verschiedenen Anbaugebiete.

2017: Mehr Extrakt und Säure

Neben der Verkostung von einigen Lieblingen und der Suche nach Neuentdeckungen haben wir wieder Schwerpunkte gesetzt und uns dieses Mal zwei Anbaugebiete sehr detailliert angeschaut: Franken und Mosel.

In beiden Gebieten fällt im Vergleich zu 2016 auf, dass in diesem Jahr in den Weinen etwas mehr Extrakt vorhanden ist. Die Weine kommen mir häufig mineralischer, etwas ausdrucksvoller und in einigen Fällen cremiger vor, Bitterkeit habe ich dafür weniger geschmeckt als 2016. Insbesondere an der Mosel scheinen auch die Säurewerte etwas höher zu sein als 2016.

Der hohe Extrakt wurde auch von einigen Winzern bestätigt. Die Ursache könnte in einigen Fällen in einem geringeren Ertrag durch die Frostschäden im Frühjahr 2017, aber auch einfach im Witterungs- und Reifeverlauf des Jahres liegen.

Franken – ein tolles Jahr

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 29. Und 30. April 2018 1

Dass Franken eines unserer Lieblings-Anbaugebiete ist, sollte kein Geheimnis mehr sein. Deswegen haben wir dieses Jahr das Gebiet auch sehr intensiv verkostet.

Und das mit dem Ergebnis, eine ganze Reihe hervorragender Kollektionen kennengelernt zu haben. Franken 2017 wird großartig. Da lehne ich mich zwar weit aus dem Fenster, habe aber nichts anderes geschmeckt.

Über allem schwebt die Kollektion von Zehnthof Luckert. Die 2017er Silvaner sind herausragend. Fein, würzig, komplex, tief. Vom 2017er Sulzfelder Silvaner trocken, über den 2017er Sulzfelder Silvaner Alte Reben trocken bis zum 2017er Sulzfelder Sonnenberg Silvaner „Gelbkalk“ trocken. Feinheit, Eleganz, Klarheit, Tiefe und Würze fallen mir als Assoziationen gleich wieder ein.

Knapp dahinter die Kollektionen von Weltner, May (besonders spannend immer wieder die Silvaner mit Holzeinsatz), Juliusspital, Wirsching und Fröhlich. Die Silvaner sind in der Regel würzig, mineralisch und saftig (etwas saftiger als 2016), dabei aber weiter moderat im Alkohol und die Rieslinge (sofern vorhanden) wieder mit etwas ausdrucksstärkerer Frucht und etwas dichterer Mineralität als 2016.

Die beiden Rotweinplatzhirsche aus Churfranken haben ihre 2016er Rotweine ins Rennen geschickt.

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 29. Und 30. April 2018 2

Benedikt Baltes scheint angekommen zu sein. 2016 und bereits 2015 ruhen die Weine in sich, nachdem Sie in den vergangen Jahren – zumindest in der Jugend – doch häufig sehr unruhig und kantig daher kamen. Dennoch haben Sie keinen Deut an Tiefe und Komplexität eingebüßt. Eine tolle Vorstellung in Mainz.

Ebenso hervorragend und von fast beängstigender Kontinuität die Rotweine von Rudolf Fürst. Die Weine jahrgangsbedingt wieder einen Tick kühler und wieder großartig. Bis zu einem Winzerdinner im letzten Dezember im Restaurant Schaumahl in Offenbach hatte ich das Weingut Fürst bezüglich Chardonnay noch nicht auf dem Schirm. Der am Wochenende in Mainz vorgestellte frische 2016er Astheimer Chardonnay Trocken mit tollem Holzeinsatz zeigt auf jeden Fall, dass das Weingut dieses Standbein ausbauen sollte.

Zwei spannende und besondere Weine hatte das Weingut Roth dabei. Den 2016er Q.E.D. Gemischter Satz trocken aus dem Betonei der sehr trocken, kraftvoll und vielschichtig ist und eine tolle Aromatik hat. Und den 2016er ‘m Pfarrer seiner Müller-Thurgau trocken, maischevergoren und im Holzfass gereift. Dieser Wein ist absolut furztrocken, hat ein tolles Tanningerüst und eine warme Aromatik. So mag ich Orange-Weine. Ganz ohne Apfelmost-Noten oder sehr oxidative Störfeuer.

Mosel – wieder einheitlicher als 2016

An der Mosel scheinen die Ergebnisse im Flussverlauf wieder etwas homogener zu sein als 2016, wo es je nach Weinlage doch sehr unterschiedliche Ergebnisse zu verkosten gab. Insgesamt erscheinen die Rieslinge etwas ausdrucksstärker als 2016 (etwas mehr in Richtung 2015).

Saar

Die Saar ist wieder ganz weit vorne.

Forstmeister Geltz-Zilliken hat eine atemberaubende Kollektion am Start. Saftig, frisch, alle Weine mit schöner Länge. Atemberaubend die unheimlich feinen und dichten Auslesen 2017er Saarburger Rausch Riesling Auslese und Riesling Auslese Goldkapsel. Ganz großes Kino.

Nicht minder beeindruckend die Kollektion von von Othegraven. Allein die Kabinette! Wie Andreas Barth es jedes Jahr schafft, so feine und unterschiedliche Weine zu produzieren ist beeindruckend. Der 2017er Wiltinger Kupp Riesling Kabinett hat Zug, eine schöne Säure und eine feine Süße, der 2017er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett ist noch frischer und kühler und hat eine ganz besondere Würze. Der 2017er Wawerner Herrenberger Riesling Kabinett ist wieder etwas süßer als der Bockstein und eine ganz feine Frucht. Der 2017er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett ist zum jetzigen Zeitpunkt für mich der zugänglichste und fruchtigste. Der 2017er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett Versteigerungswein toppt aber alle. Unglaublich, wieviel Dichte und gleichzeitig Leichtigkeit in einen Wein verpackt werden kann.

Die Spät- und Auslesen sind nicht minder großartig. Mein Favorit hier die 2017er Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese Alte Reben.

Hervorragend von der Saar auch die Kollektion von Peter Lauer und van Volxem. Sehr gut die Weine von von Hövel (dieses Jahr zum jetzigen Zeitpunkt sind die Weine aus der Oberemmeler Hütte vor den Scharzhofbergern).

Ruwer

Maximin Grünhaus aus dem Ruwertal hat ebenfalls eine schlicht traumhafte Kollektion vorgestellt. Neben den Rieslingen (Favorit hier der 2017er Maximin Grünhaus Abtsberg Kabinett Versteigerungswein Nr. 45) sind hier aber auch die 2016er Weißburgunder (2016er Maximin Grünhaus Pinot Blanc trocken und 2016er Maximin Grünhaus Pinot Blanc Réserve trocken) und der 2015er Maximin Grünhaus Pinot Noir trocken ganz großartig.

Mosel

Fritz Haag ist ein Weingut, was ich viel zu lang nicht auf dem Schirm hatte. Die präsentierten Weine in Mainz haben jedenfalls alle Aufmerksamkeit verdient. Meine Favoriten aus 2017 sind der dichte, aber feine 2017er Brauneberger Riesling Kabinett und die atemberaubend frische und mit schöner Frucht ausgestattete 2017er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese. Das ebenfalls angestellte 2016er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling GG stellt ganz viele andere trockene Mosel GG in die Tasche.

Dr. Loosen hatte mit dem 2017er Blauschiefer Riesling trocken und dem 2017er Graacher Riesling trocken zwei schöne, würzige Weine vom Blauschiefer dabei, dazu einen extrem feinen und sehr frischen 2017er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett und eine ausgewogene, eher klassische, dichte 2017er Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese (alles Fassproben).

Bei Nik Weis – St. Urbans-Hof passte ebenfalls alles. Sehr schön die beiden feinherben Klassiker, der 2017er Wiltinger Riesling Alte Reben (eher auf der würzigen Seite) und der 2017er Mehringer Riesling Alte Reben (eher auf der fruchtigen Seite und im Moment etwas offener). Mein Favorit ist die 2017er Layet Riesling Spätlese aus der Top Parzelle des Mehringer Blattenbergs.

Sehr klassisch und dennoch sehr schön die Weine von Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch. Bei den Kabinetten liegt für mich der frische 2017er Bernkasteler Badstube Riesling Kabinett vor dem etwas behäbigeren Doctor, während die tiefe und üppige 2017er Bernkasteler Doctor Riesling Spätlese voll überzeugen konnte – am besten nach dem man ihr 10 Jahre Zeit gegeben hat.

Und zum Schluss: Empfehlungen quer durch

Rheinhessen

Wagner-Stempel 2017er Siefersheimer Riesling „Porphyr“ trocken und 2017er Neu-Bamberger Riesling trocken: Spannende, glasklare und straffe Ortsweine, die die Unterschiede der Böden sehr gut herausarbeiten und definitiv eher Erste Lage-Niveau aufweisen.

J. Neus: Das junge Team um Betriebsleiter Lewis Schmitt steigert die Qualität von Jahr zu Jahr und findet so eine eigene, schöne Handschrift. Neben den feinen Spätburgundern gefallen uns die Ortsweine aus Chardonnay und Weißburgunder besonders gut.

Württemberg

Extrem positiv überraschte uns das Weingut Dautel. Wirkliche Erfahrungen mit dessen Weinen hatten wir bisher nicht. In Mainz wurden sehr feine und saftige Rieslinge aus 2017, erhabene, noch ziemlich holzbetonte Chardonnay bzw. Weißburgunder „S“ aus 2016, die unbedingt noch liegen müssen und tolle Spätburgunder und Lemberger gezeigt. Unbedingt weiter zu verfolgen!

Fazit

2017 wird ein gutes Jahr. Zumindest in den Anbaugebieten, die wir probieren konnten. Allerdings frost- und hagelbedingt auch leider in einigen Regionen ein mengenmäßig kleiner Jahrgang. Ich bin gespannt, wie sich die höheren Extrakte mit zunehmender Reife verhalten und einbinden. Sorgen habe ich hier allerdings keine.

Hans Wirsching, Franken – Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2013

Hans Wirsching, Franken - Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2013Zum Abschluss des Osterwochenendes schadet ein großer Wein mal überhaupt nicht. Vorletztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, den Wein auf der VDP-Probe in Würzburg zu verkosten. Er gefiel mir da extrem gut. Es war aber gleich klar, daß der Wein noch ganz viel Zeit hat und ihm weitere Jahre Flaschenreife gut täten. Plan war also, meine eigenen Flaschen frühestens 2019 aufzuziehen. Das hat nun nicht geklappt, so viel ist klar.

Deswegen habe ich mich auch fürs karaffieren und viel Luft entschieden, was den Wein ruhiger, feiner und entspannter gemacht hat:

Intensive Nase mit viel Birne, Quitte und etwas Orangenschale. Dunkle Würze, florale Noten, Kandis und grüne Kräuter.

Im Mund extrem saftige und für Silvaner fast untypisch präsente, zart süße gelbe Früchte. Starke aber sehr gut eingebundene Säure. Eine kleine Kräuterwiese und steinig, kühle Mineralität. Insgesamt kraftvoll aber bleibt elegant.

Sehr langer und schöner Abgang. Die Kräuterwürze bleibt lang am Gaumen zurück.

Hervorragender Silvaner, der mit weiterer Reife sicher noch gewinnen wird.

Ca. 28,50 EUR / PGV angemessen

VDP.Jahrespräsentation 2017 Franken im Weingut Bürgerspital Würzburg am 07. Mai 2017

Am 07. Mai fand die diesjährige Jahrespräsentation des VDP.Franken in Würzburg statt. Wie letztes Jahr auch eine gute Gelegenheit einen Überblick über den Jahrgang in Franken zu erlangen.

Einige Weine des Jahrgangs hatte ich bereits auf der VDP.Weinbörse in Mainz vor einigen Wochen gekostet. So konnte ich etwas zielgerichteter Vorgehen.

Insgesamt zeigt sich 2016 etwas weniger druckvoll und in der Jugend etwas verschlossener als 2015, aber gleichzeitig runder und reifer als 2014. Grundsätzlich sind das gute Voraussetzungen, wenn man den Weinen noch etwas Zeit gibt.

Meine Favoriten:

 

Beste gezeigten Kollektionen:

Fürst Löwenstein:

Fürst Löwenstein hat 2016 mit neuem Kellermeister wieder eine starke Kollektion hingelegt. Die Weine sind etwas weniger verspielt als 2015.

Bei den Silvanern gefielen der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner trocken und der 2016er Homburger Kallmuth Silvaner „S“ trocken gut.

Noch einen Tick besser die Rieslinge: 2016er Homburger Kallmuth Riesling trocken und 2016er Homburger Kallmuth Riesling „R“ trocken mit schöner Frucht und animierendem Spiel von Fruchtsüße und klarer Säure.

 

Rudolf May:

Einmal mehr präsentiert Rudolf May herausragendes:

Bei den Silvanern einen schönen 2016er Retzstadter Silvaner trocken und einen hervorragenden 2016er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken. Beide ruhen in sich und haben eine tolle Würze.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Riesling trocken bringt eine schöne Frucht mit.

Der 2016er Retzstadter Langenberg Weißburgunder bleibt kühl, elegant und quasi burgundisch.

Absolut Irre dann die 2015er Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese. 300g/L Restzucker bei 16 Säure und 7,5% vol. Alkohol. 12 Monate im Barrique. Vom Barrique ist nichts mehr zu spüren. Der Wein extrem dicht bis ölig, aber gleichzeitig auch frisch und trinkiger als eine TBA sein kann. Hammer!

 

Zehnthof Luckert

Was hier seit einigen Jahren abgeht gefällt mir ungemein gut. 2016 macht hier keine Ausnahme:

Die gezeigten Silvaner, der

2016er Sulzfelder Blauer Silvaner trocken

2016er Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken und

2015er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

sind allesamt fein, elegant und mineralisch, sehr würzig und zeigen wenig Frucht. So geht’s!

Der 2016er Sulzfelder Berg I Weißer Burgunder „Terrassen“ trocken steht da mit seiner guten Balance zwischen Kraft und Eleganz in nichts nach.

Weitere Empfehlungen nach Rebsorten:

Silvaner

Bürgerspital zum Hl. Geist:

2015er Würzburger Stein Silvaner GG : schöne Frucht, tiefe Mineralität, kraftvoll

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2016er Würzburger Stein Silvaner trocken : mineralisch, vielschichtig, aber noch sehr unrund, braucht zeit

 

Bickel-Stumpf

2016er Frickenhäuser Muschelkalk Silvaner trocken

2016er Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken

Beide eher auf der fruchtigeren Silvanerseite.

 

Egon Schäffer

2016er Escherndorfer Silvaner trocken (Fassprobe): Schäffer sollte man im Auge behalten!

 

Weltner

2016er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken

 

Roth

2015er Silvaner Alte Reben trocken Holzfass: körperreich, noch deutlich vom Holz geprägt, hat aber bestimmt eine schöne Zukunft.

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2015er Casteller Kugelspiel Silvaner trocken : knochentrocken mit 0,8 RZ und daher auch als 2015er mit einer gewissen Eleganz

2015er Casteller Schlossberg Silvaner GG: ziemlich wuchtig und kraftvoll – eher der klassische Stil

 

Riesling 2015

2015 war ein absolutes Rieslingjahr in Franken. Irritieren doch fränkische Rieslinge häufig mit wenig Frucht und eher zurückhaltender Art, ist das in 2015 anders. Die Kombination aus Kraft und Säure hat hervorragende Rieslinge mit einer schönen Frucht hervorgebracht, die bestimmt auch einiges Lagerpotential bieten.

 

Weingut am Stein, Ludwig Knoll

2015er Würzburger Sein Riesling GG

 

Störrlein Krenig

2015er Randersackerer Sonnenstuhl Riesling GG

 

Michael Fröhlich

2015 Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling GG

 

Egon Schäffer

2015er Escherndorfer Lump Riesling trocken

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2016er Casteller Honart Riesling trocken

 

Riesling andere Jahrgänge

Höfler

2016er Michelbacher Riesling „Urgestein“ feinherb: saftig und fein mineralisch

 

Bürgerspital zum Hl. Geist

2016er Randersackerer Teufelskeller Riesling trocken: schöne Frucht

 

Horst Sauer

2016er Escherndorfer Lump Riesling S. trocken

 

Johann Ruck

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken Fassprobe : straight mit straffer Säure

 

Hans Wirsching

2016er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken

2012er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG : Jung, fein, kann noch reifen

 

Fürstlich Castell’sches Domänenamt

2008er Casteller Schlossberg Riesling GG : kraftvoll und ebenfalls noch jung.

 

Bei den Rotweinen verweise ich auf meine Einträge zur Mainzer Weinbörse.

 

Vielen Dank an den VDP.Franken für die schöne aber auch erfolgreich volle Veranstaltung.