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Die 50 größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche und der Trend zur Konsolidierung in der Branche

Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kann man nachlesen, dass sich die Weinbranche in den letzten Jahren immer weiter konsolidiert. Viele kleine Betriebe bis 1ha Rebfläche haben aufgegeben. Deren Anzahl hat sich zwischen 2010 und 2023 fast halbiert. Auch bei den Betrieben bis 10ha ist die Tendenz stark rückläufig. Siginifkante Steigerungen findet man nur bei Betrieben ab 20ha.1 Das heißt, es entstehen immer mehr große Betriebe, die einen Teil der freiwerdenden Flächen von den kleinen Betrieben übernehmen.

Die größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche

Doch wer sind denn nun die größten Betriebe im Land?

Ich dachte mir, es muss doch einfach sein, eine Liste der gemessen an der Rebfläche größten Weingüter in Deutschland aufzutreiben, auch um neue mit älteren Zahlen vergleichen und die großen Namen hinter der Konsolidierung in der Branche herauszufinden.

Aber da ist nichts zu finden. Das Netz ist leer!

Auf den zweiten Blick ist das nicht verwunderlich, denn zum einen gibt es keine öffentliche, namentliche Statistik der Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe und zum anderen ist es gar nicht so einfach, halbwegs valide Zahlen zusammenzustellen.

Schließlich bin ich dann doch noch auf eine längst nur noch über das Web-Archiv zugängliche Top-50 Liste aus 2012 gestoßen, die der zu früh verstorbene Mario Scheuermann auf seinem Blog veröffentlicht hatte.

Auch er hatte große Mühe, die notwendigen Informationen zu recherchieren. Basis damals waren wohl eine wochenlange Telefonaktion und tiefe Recherche in Weinführern und Magazinen.

In den Kommentaren zu Marios Liste wird auch über Einschränkungen einer solchen Liste diskutiert. Trotz aller Mühe: Die Liste wird auch keine absolut vollständige Liste gewesen sein.

Ich habe dann selbst angefangen zu recherchieren, um die Größenentwicklung seit 2012 nachvollziehen zu können. Dabei ergaben sich für mich folgende Herausforderungen:

Wer soll in die Liste aufgenommen werden?

Mario hat damals reine bzw. überwiegende Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern ausgenommen.

Das macht im Rahmen der Konzentration auf Weingüter im engeren Sinne auf jeden Fall Sinn, denn natürlich gibt es gerade bei den Fassweinerzeugern einige große Betriebe, die sich die Skaleneffekte bei einer stark mechanisierten Weinerzeugung zu Nutze machen. Dennoch sieht man deren Namen auf keiner Weinflasche. Auch gibt es große Genossenschaften, die selbst natürlich nicht im Weinberg tätig sind und auch Einzelgenossen, die wiederum selbst nichts auf den Markt bringen. Um ein Beispiel zu nennen: Die Agrargenossenschaft Gleina eG liefert als Einzelgenosse Trauben von rund 200ha an die Freyburger Winzergenossenschaft.

Selbst nach Telefonanrufen dürfte bei den großen Betrieben nicht immer klar sein, wie viel Prozent der geernteten Trauben letztendlich in Flaschen mit dem eigenen Firmenlogo wandern und wieviele Trauben/Weine an andere Erzeuger/Kellereien verkauft werden. Nicht jeder Geschäftsführer dürfte sich da gern in die Karten schauen lassen.

Was bedeutet Rebfläche?

Ganz eng definiert ist das die Rebfläche im Eigentum. Etwas weitergehend können die Flächen im Eigentum und zusätzlich selbstbewirtschaftete Pachtflächen betrachtet werden – das sollte der Definition des BMEL oben entsprechen. Ist man umfassend und schaut eher auf die Weinproduktion des Unternehmens insgesamt als auf die Weinberge, die selbst gepflegt werden, kann man noch Flächen von Vertragswinzern dazu zählen, die Trauben liefern.

Bei der Recherche wird es dann kompliziert. Hier und da könnten natürlich Anrufe Aufklärung bringen. Am Ende müsste man die Frage nach den Vertragswinzerflächen aber immer im Kontext mit der oben erläuterten Frage stellen, wie viel aus den Flächen letztendlich in eigenen Flaschen landet – mit den oben stehenden Problemen. Selbst bei veröffentlichten Hektar-Zahlen gibt es in einigen Fällen starke Schwankungen. Ich bin mir sicher, dass manche große Weingüter je nach Situation unterschiedliche Zahlen angeben – mal mit, mal ohne Zukauf von Vertragswinzern.

Wie vollständig ist die Liste?

Wer recherchiert muss sich die Informationen mühsam zusammenklauben. Eigentlich müsste er alle 14.200 Weinbaubetriebe in Deutschland durchleuchten. Das ist unmöglich.

Die Liste der größten Weingüter Deutschlands 2025

Trotz aller Widrigkeiten habe ich mich an die Fortschreibung der Scheuermannschen Liste gemacht. Ich habe ohne Telefonaktion, nur mittels Online-Recherche, eine aktuelle Liste erstellt. Quellen waren u.a.: Weingutshomepages, Verbandshomepages, Weinführer Eichelmann und Vinum 2025 und eine Umfrage in der Gruppe Hauptsache Wein bei Facebook.

Die Liste muss definitiv als unvollständig, ungenau und in Teilen schon wieder veraltet betrachtet werden. Definitiv beinhaltet sie eine Unwucht hinsichtlich Flächen von Vertragswinzern auf der einen und hinsichtlich Selbstvermarktungsquote von Flaschenwein auf der anderen Seite. Dennoch sollte sie einen einigermaßen guten, aktuellen Überblick geben und die meisten relevanten Weingüter beinhalten. In meiner Liste sind reine Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern bzw. Genossenschaften selbst ausgenommen.

Der Konsolidierungsprozess hält an

Gegenüber Marios Liste aus 2012 hat sich einiges in der Weinlandschaft getan. Die Konsolidierung schreitet definitiv voran.

In Marios 2012er Liste gab es noch 43 Betriebe mit einer Fläche >=50ha. Meine zeigt schon 72. Mal schauen, vielleicht liefere ich in 5 Jahren ein weiteres Update. Ich wette, auch da werden wir eine weitere Konsolidierung sehen.

(die Platzierung bzw. Hektarzahl von 2012 aus der Liste von Mario Scheuermann in Klammern)

PlatzierungWeingutAnbaugebietRebfläche in haBemerkungen
1. (1.)Hess. Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach, EltvilleRheingau228 (247)
2. (2.)Stiftung Juliusspital Würzburg Stiftung des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken180 (172)
3. (3.)Weingut 1616 Pfaffmann Heinz Stiftung, WalsheimPfalz170 (150)
4. (8.)Friedrich Kiefer KG, EichstettenBaden165 (120)großteils Bewirtschaftung durch Vertragswinzer (15ha eigene Flächen)
5. (-)Weingut Leitz KG, RüdesheimRheingau160
6. (26.)Weingut & Privatkellerei Bimmerle KG, RenchenBaden153 (70)
7. (9.)Weingut Werner Anselmann Gebrüder Anselmann GmbH, EdesheimPfalz150 (118)
8. (-)Weingut Metzger, GrünstadtPfalz140davon 45ha eigene Flächen
9. (4.)Markgräflich Badisches Weinhaus GmbH, SalemBaden135 (145)davon werden ca. 60ha in kurzfristig gerodet
10. (7.)Verwaltung der Bischöflichen Weingüter Trier GbR, TrierMosel130 (120)
11. (6.)Staatlicher Hofkeller Würzburg Körperschaft des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken120 (120)
11. (13)Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist, WürzburgFranken120 (103)
11. (54.)Weingut Markus Molitor GmbH & Co. KG, Zeltingen-RachtigMosel120 (42)
12. (16.)Weingüter Heitlinger & Burg Ravensburg GmbH, ÖstringenBaden112,1 (85)
13. (10.)Weinhaus Lergenmüller GmbH, HainfeldPfalz112 (110)davon 85ha eigene Flächen, siehe auch Schloss Reinhartshausen
14. (23.)Weingut Hans Wirsching KG, IphofenFranken107,8 (75)
15. (11.)Heinrich Vollmer GmbH & Co. KG, EllerstadtPfalz104 (105)
16. (37.)Peter Mertes Familienweingüter KG, Bernkastel-KuesMosel100 (60)
17. (41.)Weingut Knipser GbR, LaumersheimPfalz99,7 (53)
18. (27.)Julius Zotz KG, HeitersheimBaden98 (70)
19. (51.)Van Volxem Weinmanufaktur GmbH & Co. KG, WiltingenMosel95 (45)
20. (47.)Von Winning Weingut GmbH, DeidesheimPfalz93 (46)
21. (-)Weingut Dr. Loosen, Bernkastel-KuesMosel92,9stark schwankende Angaben in den Quellen
22. (36.)Weingut Markus Schneider, EllerstadtPfalz92 (60)
23. (12.)Sächsisches Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth, RadebeulSachsen90 (104)
23. (-)Holz-Weisbrodt HW – Die Weinfamilie GmbH & Co. KG, WeisenheimPfalz90
24. (17.)Weingut Robert Weil KG; KiedrichRheingau89,9 (85)
25. (15.) Weingut Dr. Bürklin Wolf e.K., WachenheimPfalz84,7 (86)
26. (22.)Weingut Schloss Reinhartshausen GmbH & Co. KG, EltvilleRheingau80 (76)siehe auch Lergenmüller
26. (43.)Weingut Matthias Keth, OffsteinRheinhessen80 (50)
27. (39.)Weingut Knöll & Vogel GbR, Bad BergzabernPfalz78 (56)
28. (24.)Herrengut St. Martin, Consulat des Weins GmbH, Sankt, MartinPfalz75 (71)
28. (-)Weingut Spanier-Gillot GbR, BodenheimRheinhessen75davon 25 Kühling-Gillot
29. (-)Weingut Raabe, Sankt MartinPfalz74
30. (25.)Fürstl. Castell’sches Domänenamt e.K., CastellFranken73,3 (70)
31. (-)Weingut Benz GbR, Lauda-KönigshofenBaden72
32. (14.)Schloss Proschwitz, Prinz zur Lippe GmbH & Co. KG, MeißenSachsen70 (88)
32. (18.)Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt Niersteiner Schlosskellereien GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen70 (84)
32. (29.)Weingut Fritz Allendorf – Georgshof, Oestrich-WinkelRheingau70 (63)
32. (33.)Karl Pfaffmann GmbH & Co. KG, WalsheimPfalz70 (60)
32. (-)Weinkellerei „Altes Schlösschen“ Ludwig Schneider GmbH, Sankt MartinPfalz70
33. (21.)Weingutsverwaltung Schloss Vollrads KG, Oestrich-WinkelRheingau68 (80)
34. (-)Weingut Künstler, HochheimRheingau65
34. (-)Weingut Bernhard Mehrlein, Oestrich-WinkelRheingau65
34. (-)Weingut Achim Hochthurn, HorrweilerRheinhessen65
35. (-)Weingut Kruger-Rumpf GbR, Münster-SarmsheimNahe64
36. (30.)Staatsweingut Meersburg, Landesbetrieb, MeersburgBaden63 (63)
36. (45.)Weingut Hammel GmbH, KirchheimPfalz63
37. (-)Weingut Philipp Kuhn, LaumersheimPfalz61,3
38. (31.)Weingut Reichsrat von Buhl GmbH, DeidesheimPfalz60,4 (62)
39. (34.)Weingut Spielmann-Schindler, Bobenheim am BergPfalz60 (60)
39 (35.)Weingut Schales eGbR, Flörsheim-DalsheimRheinhessen60 (60)
39. (50.)Weingut Albert Kallfelz GmbH, ZellMosel60 (45)
39. (-)St. Antony Weingut GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen60
40. (-)Wageck Wine GmbH, BissersheimPfalz59
41. (-)Weingut Sonnenhof Karl Schäfer & Söhne eGbR, Bockenheim an der WeinstraßePfalz58
42. (49.)Balthasar Ress Weingut KG, EltvilleRheingau55 (45)
42. (-)Weingut Wilhelm Zähringer GmbH, HeitersheimBaden55
42. (-)Weingut Mussler, BissersheimPfalz55
43. (46.)Georg Apfelbacher Weingut-Weinkellerei e.K., DettelbachFranken54 (46)
43. (-)WEingut Jung & Knobloch GbR, AlbigRheinhessen54
44. (32.)Weingüter Geheimrat J. Wegeler GmbH & Co. KG, Oestrich-WinkelRheingau&Mosel53,4 (62)
45. (-)Weingut Bernhard Koch KG, HainfeldPfalz53
46. (42.)Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan GmbH, DeidesheimPfalz51,9 (53)
47. (-)Weingut Josef Spreitzer, Oestrich-WinkelRheingau51,5
47. (-)Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg GbR, GeisenheimRheingau51,5
48. (20.)Weingut Fritz Walter, NiederhorbachPfalz50 (80,1)
48. (40.)Landesweingut Kloster Pforta GmbH, Naumburg/SaaleSaale-Unstrut50 (53,5)
48. (52.)Thüringer Weingut „Sonnenburg“ Bad Sulza GmbH, Bad SulzaSaale-Unstrut50 (43)
48. (-)Reichsgraf von Kesselstatt GmbH, MorscheidMosel50
48. (-)Weingut Aufricht GbR, StettenBaden50
48. (-)Weingut Johannes Freiherr von Gleichenstein, Vogtsburg i.K.Baden50
48. (-)Weingut Wilker, PleisweilerPfalz50
48. (-)Weingut Villa Hochdörffer, LandauPfalz50
48. (-)Weingut Landgrafenhof GbR, SaulheimRheinhessen50
49. (38.)Weingut Franz Keller GmbH & Co. KG, Vogtsburg i.K.Baden48,7 (57)
50. (-)Baldauf Ramsthal GmbH & Co. KG, RamsthalFranken48
– (28.)G. H. von Mumm’sches Weingut KG, GeisenheimRheingau0 (65)Weingut nicht mehr aktiv
– (44)Karl Karle GmbH, Ihringen a.K.Baden45 (48)
– (48)Weingut Schloss Ortenberg GmbH & Co. KG, OrtenbergBaden45 (45)
– (19)Weingut Graf von Schönborn, Schloss Halburg, VolkachFranken30 (82)Verkauf der Rheingauer Weinberge
– (5)Weinkellerei Schick GbR, WeisenheimPfalz27 (142)

Letzte Aktualisierung: 01.03.2025 – Leserfeedback.

Ergänzungs- oder Korrekturwünsche gern per Mail direkt an mich.

  1. https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/bodennutzung-und-pflanzliche-erzeugung/weinbau ↩︎

Österreich in Rot: Eine absolut unvollständige Bestandsaufnahme am 28. Februar 2020

Das gute Abschneiden von zwei österreichischen Cuveé im Bordeaux-Style bei unserer „China gegen den Rest der Welt“-Probe aus dem Januar gab den Anstoß, sich das Thema Österreich mal wieder etwas näher anzuschauen.

Bei Rotwein aus Österreich denkt man sicher zunächst an die „Brot und Butter-Sorte“ Zweigelt und an den Blaufränkisch. Beide führen auch die Flächenstatistik mit Abstand an. Wären wir streng wissenschaftlich vorgegangen, hätten wir dann noch die auf Platz 3 und 4 befindlichen Sorten Blauer Portugieser und Blauburger in die Probe aufgenommen, aber wie immer bei solchen Veranstaltungen sind die Möglichkeiten begrenzt. Ein bisschen ärgere ich mich nur über den fehlenden Platz 5 der meistausgepflanzten Rebsorten, nämlich den St. Laurent, der mir persönlich oft sehr gut gefällt.

Am Ende hatten wir dennoch ein spannendes Feld mit zwei Piraten aus Deutschland und Frankreich. Und wir hatten meist sehr überzeugende Qualitäten im Glas.

 

Die Probe:

Verkostet wurde blind in der eher zufälligen Reihenfolge auf dem Foto (von links nach rechts).

Österreich in Rot: Eine absolut unvollständige Bestandsaufnahme am 28. Februar 2020 1

1. Anita und Hans Nittnaus, Burgenland – Blaufränkisch Leithaberg DAC 2013 (ca. 20 EUR, biodynamisch):

In der Nase sehr würzig und tief. Im Mund dann viel feiner und verhaltener als die Nase vermuten lässt. Dennoch schöne Frucht nach Pflaume und Kirsche und eine recht straffe aber gut eingebundene Säure. Sehr kühler Vertreter. Nicht sehr langer Abgang. Ein guter Wein, der aber in der Runde preislich eher eine Kategorie weiter unten eingestuft wurde.

 

2. St. Antony, Rheinhessen – Niersteiner Blaufränkisch 2017 (ca. 12,90 EUR, Bio-Zertifiziert)

Und schon der erste Pirat! Leicht reduktiv würzige Nase. Im Mund Kirschen, Beeren, recht viel Tannin und eher wenig Würze. Wie beim Vorgänger wieder kühl und mit frischer Säure. Einige Teilnehmer hatten den Eindruck von feinen Kohlensäureperlen am Gaumen. Im Abgang eher kurz. Bei mir hat der Wein einen etwas unharmonischen Eindruck hinterlassen, im aktuellen Zustand hat er nicht überzeugt.

 

3. K+K Kirnbauer, Burgenland – Das Phantom 2014 (ca. 22,00 EUR)

Das Phantom von Kirnbauer ist eine Cuveé aus Blaufränkisch, Merlot, Cabernet und Syrah. Für mich zählt der Wein zu den von mir so genannten „Dicke-Hose-Cuveés“, die mit ihrem Bordeaux-Stil international mitmischen wollen und auch können. Und so war es auch hier das erste Aha-Erlebnis des Abends – insbesondere für die Bordeaux-Freunde am Tisch:

Tief würzige, feste Nase mit dunklen Beeren und etwas geröstetem Holz.

Im Mund noch recht tanninbetont und jung (trotz 3h in der Karaffe). Feine, klare und ganz leicht süßliche rote Cassisfrucht, enorm tiefe und schöne Würze, etwas Tabak und Pfeffer. Dazu eine gute Säure, die für Trinkfluss sorgt. Lang im Abgang.

Auch für mich eine sehr positive Überraschung, da definitiv nicht zu fett (wie andere Vertreter dieser Kategorie) und mit 13,5% Alkohol auch hier moderat.

 

4.  Paul Lehrner, Burgenland – Paulus Grand Cuveé 2011 (ca. 17,00 EUR)

Wieder eine Cuveé – diesmal aus Cabernet Sauvigon, Merlot und Blaufränkisch. Aber diesmal ein anderes Kaliber:

Warme, sehr süße und schokoladig würzige Nase. Im Mund ebenfalls eine sehr süße, fast marmeladige dunkle Frucht, weiches Tannin, mächtige Fülle, etwas Graphit und eine deutlich alkoholische Note. Recht lang im leicht süßlichen Abgang.

Für mich ein zu dicker Brocken, etwas mehr Eleganz hätte mir gut gefallen.

 

5. Weninger, Burgenland – Blaufränkisch Dürrau 2015 (ca. 50,00 EUR, biodynamisch)

Das Weingut Weninger hat Weingärten auf beiden Seiten des österreich/ungarischen Grenzgebiets. Man versteht sich als Blaufränkisch Weingut und hat quasi keine anderen Rebsorten im Anbau. Ein Spezialist also:

Jodige, tief würzige, kühle, komplexe Nase mit ganz leicht oxidativen Noten. Im Mund extrem viel schöne Würze, nur wenig Frucht, leicht salzig und mit schöner Mineralität. Viel weiches Tannin, dadurch schon kraftvoll und sehr dicht aber gleichzeitig immer in bester Balance mit Eleganz. Feine Röstnoten vom Holz. Extrem langer und schöner Abgang. Ich verrate es direkt: Mein persönlicher Wein des Abends. Faszinierend, wie gut bei 14% der Ritt zwischen Kraft und Eleganz funktioniert. Den Alkohol jedenfalls schmeckt man gar nicht!

 

6. Guy Castagnier, Burgund – Clos de Vougeot Grand Cru 1995

Der zweite Pirat, der auf jeden Fall aus der Reihe der Weine deutlich hervorgestochen hätte. Heute war dies auch so, aber im negativen Sinne. Der Wein war durch. Schade!

 

7.  Schwarz, Burgenland – Schwarz Rot Zweigelt 2015 (ca. 50,00 EUR)

Da ist der Zweigelt in unserer Runde. Meist ja, wie oben geschrieben, eher der „Brot und Butter Wein“ Österreichs. In dieser Preisregion kann das aber definitiv nicht sein. Schwarz baut seine Weine in Zusammenarbeit mit Süßweinspezialist Kracher aus. Und er möchte anecken und besondere Weine machen, die vielleicht nicht in die üblichen Schubladen passen. Gelungen ist ihm das aus meiner Sicht:

Recht holzbetonte Nase, mit feiner Kirschfrucht, Blut, und floralen Noten. Auch im Mund recht holz- und tanninbetont. Dazu eine etwas undefinierbare, süßliche Frucht und dagegen eine frische Säure. Recht langer Abgang.

Für mich wirkt der Wein noch etwas unruhig und unfertig und macht in diesem Zustand nicht so wirklich viel Spaß. Gern würde ich ihn mal gereift probieren, ich könnte mir vorstellen, dass sich dann der massive „Tanninblock“ etwas auflöst und der Wein etwas mehr strahlen kann.

 

Österreich in Rot: Eine absolut unvollständige Bestandsaufnahme am 28. Februar 2020

Der Eisenberg – Blick in die ungarische Tiefebene.

8. Wachter-Wiesler, Burgenland – Blaufränkisch Alte Reben Eisenberg DAC Reserve 2015 (ca. 40,00 EUR, ab 2018 Bio zertifiziert)

Eher zurückhaltende, feinwürzige Nase mit ganz feinen Röstnoten.

Im Mund eine ganz leicht süßliche, minimal oxidative aber dennoch recht brillante Beerenfurcht. Salzige Mineralität. Pfeffer, Blut, Kaffee und Bitterschokolade. Schöne, frische Säure und ganz feines Tannin. Viel Grip am Gaumen und ein langer, klarer Abgang.

Der Wein war sicher einer der meistdiskutierten des Abends. Weil er komplex war, aber auch fordernd und polarisierend. Mir persönlich hat er sehr gut gefallen, weil er an diesem Abend am Besten gezeigt hat, wie man Komplexität und Trinkfluss kombinieren kann.

 

9. Kurt Angerer, Kamptal – Red Granite 2011 (ca. 170,00 EUR)

Reinsortiger Syrah – aus dem Kamptal. Hatte ich nicht auf der Uhr, dass es so etwas gibt. Grünen Veltliner erwarte ich dort – und würde ich auch bei Kurt Angerer bekommen, dessen Schwerpunkt auch eher in dieser Weißweinsorte liegt.

Über den Red Granite Syrah ist gar nicht so viel herauszufinden. Produziert wurde der Wein in kleinster Auflage (zwei neue Barrique-Fässer) zusammen mit Weinberater und Weinmacher Gregor Drescher. Man tritt an, um sich mit den Top Syrah von der Nord Rhone in Frankreich zu vergleichen.

Die Erfahrungen am Tisch waren allerdings eher gering mit Syrah von der Nordrhone. So sahen wir den Wein als ein Unikat, der schwer mit unseren anderen Österreicherfahrungen zu vergleichen ist:

Schöne Cassis-Nase, etwas Vanillepudding, Kakao und ganz feines Holz.

Im Mund eine brillante, eher kühle Cassis-Frucht und ganz feines Tannin. Die kühle, steinige Mineralität dominiert hier klar vor einer ebenso schönen Würze, was für mich beim Rotwein eher seltener ist. Der Wein ist kraftvoll und dicht, die knackige Säure trägt das Gewicht aber mühelos. Eher mittellanger, schöner, klarer Abgang.

Der Wein hat mich schon etwas verwirrt. Er ist auf der einen Seite durch die Säure und Mineralität fordernd, auf der anderen Seite aber auch sehr unaufgeregt und nicht wahnsinnig komplex. Er zeigt viel Kraft, bleibt aber ebenso immer sehr elegant. Der Wein erscheint blutjung und hat absolut keine Reifenoten, obwohl er schon 8 Jahre auf dem Buckel hat. Im Nachgang muss man auch erwähnen, wie gut das Holzmanagement war, immerhin waren ausschließlich neue Barriques im Einsatz.

Zweifellos ein hervorragender Wein, der es aber an diesem Abend nicht geschafft hat, mich wirklich zu berühren.

 

Bewertung und Fazit:

Am Ende der Probe haben wir wie immer die ersten Plätze gewählt. Platz 1 erhielt 3 Punkte, Platz 2 2 Punkte, Platz 3 1 Punkt. In Summe ergab sich folgendes Siegertreppchen:

1.       Weninger, Burgenland – Blaufränkisch Dürrau 2015

2.       K+K Kirnbauer, Burgenland – Das Phantom 2014

3.       Kurt Angerer, Kamptal – Red Granite 2011

Österreich ist und bleibt für mich ein tolles Rotweinland. Mir wären noch einige Kandidaten für diese Probe eingefallen, aber wie immer kann ein solcher Abend in kleinem Kreise nur einen kleinen Einblick bieten.

 

Nachtisch:

Den kleinen „Nachtisch“ außer Konkurrenz aber in Österreich(/Ungarn) möchte ich nicht vorenthalten. Vorweg: auch die 3 Mengenweine (vor dem Glykol-Skandal 😉) waren noch mit Genuss zu trinken. Der 1957er Tokajier 6 Puttonyos vom Staatsweingut Tokaj Hegyalja war allerdings trotz der ebenfalls etwas besonderen Abfüllgeschichte eine Wucht!

Österreich in Rot: Eine absolut unvollständige Bestandsaufnahme am 28. Februar 2020 2

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2019

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2019 1Wir hatten letzte Woche die Möglichkeit die VDP.Weinbörse in Mainz zu besuchen. Im Kontext des Jahrgangs 2018, der in den Medien frühzeitig als Jahrhundertjahrgang hochgejubelt wurde, war das besonders spannend. Heiß, trocken und lang war der Sommer. Flächendeckend gesunde Trauben wurden eingebracht. Doch unter Weinfreunden weckt die Situation unangenehme Erinnerungen an den Jahrgang 2003, der ebenfalls gehypt wurde, sich aber qualitativ nicht als Spitzenjahrgang herausstellte.

Mengenmäßig ist 2018 in jedem Fall ein Spitzenjahrgang. Hierzu reicht ein Blick in die Statistik. 10,4 Mio. Hektoliter Wein wurden in Deutschland geerntet. Gegenüber dem insbesondere aufgrund von Spätfrösten schlechten Ertrag in 2017 ist das eine Steigerung von über 30%. Doch im führenden Deutschen Weinverband VDP kann die Menge nicht das alleinige Kriterium sein, als Qualitätsführer muss man sich an eben dieser messen lassen.

 

Entscheidend in 2018 – der passende Lesezeitpunkt

Auf der VDP.Weinbörse haben wir eine ganze Reihe Weinmacher dazu befragt, was notwendig war, um in 2018 auch qualitativ hochwertige Weine zu produzieren. Die Winzer waren sich einig: Der Lesezeitpunkt war im trockenen und warmen Jahr 2018 entscheidend.

Auf der einen Seite geht es dabei darum, früh genug zu ernten, um den Zuckergehalt in den Trauben nicht zu hoch ansteigen zu lassen und um Säure im Wein zu erhalten. Ein hoher Zuckergehalt führt zwangsläufig bei trockenen Weinen zu einem hohen Alkoholgehalt. Und z.B. ein Riesling, der 14 oder 15 % Alkohol enthält, schnell sättigend ist und süßlich bis brandig wirkt ist sicher nicht das, was der Kunde heute verlangt Zusätzlich nimmt die Säure mit zunehmender Reife in der Traube ab, was in trockenen Jahren noch schneller kritisch sein kann, weil hier die Ausgangssäure häufig nicht so hoch ist. Daher ist eine rechtzeitige Lese unabdingbar.

Auf der anderen Seite kann die Lese aber auch nicht beliebig nach vorn geschoben werden, da die Trauben gleichzeitig auch wirklich reif sein sollten und nicht „grün“ geerntet werden dürfen, um das Aromenpotential zu nutzen und „grüne“ und bittere Geschmacksnoten zu vermeiden. Eine echte Zwickmühle für den Winzer also. Zudem die Säure wohl in einigen Fällen am Ende dann trotz gut gewähltem Lesezeitpunkt nicht ausgereicht hat und eine zusätzliche Säuerung vorgenommen wurde.

Auf der VDP.Weinbörse hatten wir erstmals die Gelegenheit eine ganze Reihe 2018er Weine zu verkosten. Ja, die Säurewerte sind meist etwas niedriger als in den Vorjahren. Und ja, bei einigen Betrieben erscheinen die Weine deutlich breiter als in den Vorjahren. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass viele Winzer, deren Weine wir verkostet haben, mit den Bedingungen gut umgehen konnten und hervorragende Weine vorgestellt haben. Ob aufgesäuert oder nicht – das war nicht heraus zu schmecken.

Wie immer konnten wir nur einen kleinen Teil der präsentierten Weine verkosten. Und wir immer der Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Ob mir immer gelungen ist, darunter liegende Schätze zu erkennen, wird sich erst später zeigen.

 

Mosel (Riesling)

An der Mosel und insbesondere an der Saar sind die Auswirkungen des heißen Jahres noch am wenigsten zu spüren. Zwar ist die Säure durchschnittlich etwas geringer ausgefallen aber die Feinheit und Frische der Weine blieb im Großen und Ganzen erhalten. Die Weine sind dennoch anders als im Vorjahr. 2017 waren viele Weine äußerst extraktreich, dicht und quasi zum Kauen. Geschuldet wird dies häufig den geringen Erträgen aufgrund von Frühlingsfrösten in diesem Jahr gewesen sein. Dafür waren die 2017er deutlich verschlossener. Die 2018er präsentieren sich da anders. Viel offener und etwas fruchtbetonter.

 

Top-Kollektionen:

Fritz Haag, Brauneberg

Ich liebe die ruhige, klare Stilistik von Oliver Haag sowieso sehr. Der eher kraftvolle aber fruchtbetonte Jahrgang passt hier bestens zum Stil des Hauses. Die Kollektion steht da wie aus einem Guss.

Auf der trockenen Seite ist der 2018er Brauneberger Riesling „J“ extrem gut gelungen, die restsüßen Weine sind alle hervorragend. Neu ist, dass der bisher als Ortswein vermarktete Kabinett nun zu einem Lagenwein – Brauneberger Juffer Kabinett geworden ist, hervorragend war er letztes Jahr und ist er auch dieses. Absolut großartig ist die balancierte, frische 2018er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese mit einer perfekten Frucht.

 

Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg

Bei Zillikens ist der Jahrgangsunterschied zwischen 2017 und 2018 besonders aufgefallen. Die verspielte dichte Würze und Mineralität, die den 2017er Jahrgang besonders machte, war in 2018 nicht so zu schmecken. Aber in diesem Punkt war 2017 eher die Ausnahme. Insofern treten 2018 wieder die altbewährten Stärken der kühlen Saar in den Vordergrund. Eleganz, feinste Frucht, vibrierende Säure. Alles perfekt quasi.

„Antrinktipps“ sind auf der trockenen Seite der 2018er Saarburger Riesling „Alte Reben“, auf der fruchtigen die feine 2018er Saarburger Rausch Riesling Auslese.

 

Von Hövel, Oberemmel

Auch hier ist 2018 eine Top-Kollektion entstanden. Ich finde, dass insbesondere die Differenzierung zwischen den im Scharzhofberg gewachsenen, eher würzigen Weinen und den etwas fruchtigeren Weinen aus der Oberemmeler Hütte immer besser gelingt – ob‘s an Max von Kunows Ausbau liegt oder an meiner steigenden Erfahrung kann ich nicht abschließend beurteilen. Geschmacklich erinnern uns die Weine ein bisschen an den Jahrgang 2015.

Tipps hier: 2018er Saar Riesling trocken (Top PGV!) sowie der 2018er Scharzhofberger Riesling Kabinett und die feine 2018er Scharzhofberger Riesling Auslese.

 

Von Othegraven, Kanzem

Kabialarm!! Es ist jedes Jahr einfach beeindruckend, wie Kellermeister Andreas Barth, die einzelnen Lagenkabis herausarbeitet. Der 2018er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett wie immer der würzige, der 2018er Wawerner Herrenberg Riesling Kabinett der kräutrige und der 2018er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett der strahlend fruchtige, als Versteigerungsversion noch einen Tack mehr auf den Punkt. Aber auch die Spätlesen aus dem Altenberg sind großartig gelungen (Standard, Versteigerung und „Alte Reben“). Trockene Weine standen nicht zur Verkostung.

 

Ebenfalls wieder mit ganz feinen Kollektionen am Start: Maximin Grünhaus und Peter Lauer (mit für seine Stilistik erstaunlich offenen fruchtigen 2018er Weinen)

 

Wer immer noch Zweifel hat, dass 2018 an Mosel und Saar genug Säure und Frische aufweist, sollte im Zweifel zum extrem straighten, feinen, kühl mineralischen 2018er Winninger Röttgen Riesling Kabinett von Knebel greifen – und der kommt ganz sicher nicht aus der kühlsten Lage des Anbaugebiets!

 

Nahe (Riesling)

An der Nahe ist die Lage etwas durchwachsener als an der Mosel. Hier und da sind die Weine doch deutlich kraftvoller und breiter als im Vorjahr. Dennoch wurden auch hier hervorragende Kollektionen vorgestellt. Meine Favoriten:

 

Joh. Bapt. Schäfer, Rümmelsheim

Für mich eine der Überraschungen am letzten Wochenende. Die Kollektion ist großartig gelungen. Alle Weine mit toller Säure und extrem straight und saftig. Zu probieren ist auf jeden Fall der 2018er Burg Layer Schlossberg Riesling trocken, der stoffig, dicht und salzig aber dennoch straight und saftig daherkommt, sowie der 2018er Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett (Versteigerungswein) mit wunderbarer Frucht und schöner Länge und die steinig, salzige, extrem schlanke 2018er Dorsheimer Pittermännchen Riesling Spätlese mit feinster Frucht.

 

H. Dönnhoff, Oberhausen

Am Stand von Dönnhoff entschuldigte man sich direkt schon proaktiv dafür, dass die Weine jahrgangsbedingt etwas fetter ausfallen als gewohnt. Aber Pustekuchen: Alles ist gut, geschmacklich minimal weniger Säure, aber dennoch tiptop und kräutrig wie eh und je. Zu verkosten: 2018er Kreuznacher Kahlenberg Riesling trocken und die überragende 2018er Niederhausener Hermannshöhle Riesling Spätlese.

 

Franken

Warme Jahre sind in Franken Rieslingjahre. Das ist ganz sicher auch 2018 so, auch wenn ich nicht bei allzu vielen Weingütern Rieslinge probiert habe.

Beim fränkischen Flaggschiff Silvaner ist die Lage in 2018 aber durchaus durchwachsen – ebenfalls wie so häufig in warmen Jahren. Für mich macht Feinheit und Eleganz einen Großteil des Reizes beim Silvaner aus. Zusätzlich ist aber auch zu sagen, dass hier die oben aufgestellte Regel der größeren Zugänglichkeit und Offenheit der Weine nicht überall zutreffen will. Gute Kollektionen habe ich trotzdem gesehen:

 

Paul Weltner, Rödelsee

Ich liebe es, wenn man einen Wein schon an der Nase erkennt. Beim 2018er Rödelseer Küchenmeister Silvaner trocken ist das so. Die feine rote Frucht! Dazu wunderbar mineralisch und frisch. Auf gleichem Niveau auch der 2018er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner trocken. Sehr schön auch die 2018er Rödelseer Schwanleite Scheurebe trocken, mit fein mineralischem und nicht aufdringlichen Scheurebearoma.

 

Hans Wirsching, Iphofen

Im Hause Wirsching sieht die Silvanerwelt 2018 ebenfalls recht gut aus. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass der Stil des Hauses jedes Jahr eher auf feine Ausgewogenheit als auf straighte Konsequenz ausgerichtet ist. Auch 2018 ist das gut gelungen. Kein Wein ist überladen, alle fein ausbalanciert. Zu probieren ist unbedingt der schöne 2018er Iphöfer Kalb Silvaner trocken und der 2018er Iphöfer Kronsberg Silvaner trocken. Etwas kraftvoller als im Vorjahr, aber dennoch fein und unaufdringlich die 2018er Iphöfer Kronsberg Scheurebe „Alte Reben“. Beim Riesling strahlt der kraftvolle 2018er Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling trocken. Da bin ich sehr auf das GG in zwei Jahren gespannt!

 

Rudolf May

Rudolf May hat die Situation aus meiner Sicht besonders gut gemeistert. Vom Ortswein an sind fokussierte und feine Weine entstanden. Die vorgestellten Weine gefallen mir sogar einen Tack besser als im Vorjahr. Sowohl der 2018er Retzstadter Silvaner trocken, der 2018er Retzstadter Langenberg Silvaner trocken, als auch der 2018er Retzstadter „Der Schäfer“ Silvaner trocken aus dem Holzfass sind echte Empfehlungen.

 

Empfehlungen in anderen Anbaugebieten

 

Kaufmann, Hattenheim, Rheingau

Für den Rheingau hatte ich leider nicht viel Zeit in diesem Jahr. Von den wenigen Gütern, die ich verkosten konnte, stach Kaufmann klar heraus. In sich ruhende Weine, mit schöner Säure und Würze. Der 2018er Hattenheimer Riesling trocken ist eigentlich eine erste Lage im Ortsweingewand. Der 2018er Tell Riesling trocken ist eine Cuvée aus den besten Lagen Hattenheims, ist ausgeglichen, hat eine schöne Frucht und Würze und eine strahlende Säure.

 

St. Antony, Nierstein, Rheinhessen

Seit Mitte 2018 ist Dirk Würtz von Balthasar Ress zu St. Antony gewechselt. Er ist dort Geschäftsführer und mit Sebastian Strub auch für den Keller verantwortlich. Bei Ress hatte Dirk eine klare Vorstellung von Stilistik. Die Weine entwickelten sich von Jahr zu Jahr und trugen eine klare Handschrift. Es müsste also mit dem Teufel zugehen, wenn er am anderen Rheinufer keinen klaren Fußabdruck hinterlassen würde. Bereits im März hatte ich die Gelegenheit Fassproben der GG aus 2018 zu kosten. Die waren gut – und Würtz war drin zu schmecken! Die in Mainz gezeigten Weine bestätigten dies schon angefangen beim 2018er Rotschiefer Riesling trocken. Mein Liebling war die 2018er 1920 Riesling Lagencuvée trocken. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Jahre.

 

J. Neus, Ingelheim, Rheinhessen

Jedes Jahr probiere ich gern die Weine von J. Neus. Jedes Jahr legen sie ein Quäntchen zu. Die kühlen, fokussierten und eleganten Spätburgunder sind mittlerweile auf höchstem Niveau. Best Buy ist sicher der 2016er Ingelheimer Spätburgunder „Alte Reben“ trocken. Weiß waren die vorgestellten Chardonnays weit vorn. Der 2017er Ingelheimer Chardonnay „R“ trocken kühl, mineralisch und tief, der 2018er Ingelheimer Chardonnay trocken dafür offener und etwas runder als der „R“ aus dem Vorjahr.

 

Zum Schluss noch zwei Empfehlungen aus der selten zu findenden Kategorie große Silvaner außerhalb Frankens:

Der 2018er Dorn Dürkheimer Silvaner „Alte Reben“ von Gutzler ist wieder einer der wenigen großen rheinhessischen Silvaner. Mit Jahrgang 2017 hatte ich den Wein erst entdeckt. 2018 scheint noch ein wenig fordernder und kühler zu sein. Das macht viel Spaß.

Der 2017er „Pferd Willi“ Silvaner trocken von Heger aus Baden ist schon etwas dichter, sehr mineralisch und lang, aber niemals breit oder verwaschen. Den Namen hat der Wein übrigens von dem Kaltblüterpferd, dass bei der Weinbergsbearbeitung unterstützte.

 

Vielen Dank an den VDP und die teilnehmenden Weingüter für den tollen Einblick in den neuen Jahrgang!