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Wöhrwag, Württemberg, Untertürkheimer Herzogenberg Riesling Dezemberlese 2013

Wöhrwag, Württemberg, Untertürkheimer Herzogenberg Riesling Dezemberlese 2013

Riesling, gelesen im Dezember 2013 in Württemberg. Das klingt nach Monster: 15%, wenig Säure, schwer. Ist der Wein aber nicht.

Philipp Wöhrwag erklärt das damit, dass für den Wein nur gesunde Trauben ohne Boytritisbefall in Frage kämen. In den gesunden Trauben würde dann die Zuckerbildung irgendwann von selbst aufhören, auch die Säure bliebe in den letzten Wochen vor der Ernte dann ziemlich konstant.

Das ist insoweit nachvollziehbar, dass Boytritis ja für eine löchrige Beerenhaut und damit für Flüssigkeitsverlust und Konzentration in den Beeren sorgt. Insofern wären die Trauben für die Dezemberlese auch weniger für die Produktion einer boytritislastigen Beerenauslese geeignet. Eher kämen sie bei enteprechender Witterung für die boytritisfreie Eisweinproduktion in Frage. Aber eben auch gerade als trockener Wein macht die Dezemberlese eine sehr gute Figur.

Egal, was man im Dezember aus den Trauben entstehen lässt, es bleibt auf jeden Fall ein risikoreiches Unterfangen. In manchen Jahren lässt sich die Boytritis vielleicht nicht verhindern, in anderen frisst das Wild die süßen Früchte und zum Beispiel 2014 wurden die Trauben einfach gestohlen. Schon aus diesem Grund ist ein entsprechend hoher Preis für die Flasche gerechtfertigt. Aber auch qualitativ ist hier einiges los im Glas:

Intensive tabakige Nase mit süßer, reifer Orange und Ananas, dunkler Würze, Kandis und etwas kreidiger Mineralität. Im Hintergrund grüne Kräuter.

Im Mund sehr dicht, quasi zum Kauen, steinige bis kalkige Mineralität steht im Vordergrund genauso wie tabakige Noten. Wieder eher süße, gelbe und rote Früchte und eine dunkle Würze. Tief und fest. Überraschend frische Säure, die einiges an Zug im Gepäck hat. Schöner, balsamischer Schmelz. Leichtes Bitterl am Gaumen. Langer Abgang, die süße Frucht bleibt.

Das ist schon ziemlich hervorragend, hat aber einen ganz eigenen Stil. Die Kraft, die expressive Frucht und dunkle Würze sind beim aktuellen Weinschlankheitswahn wahrscheinlich etwas aus der Mode. Etwas dazu zu essen schadet hier sicher nicht.

Ca. 48,50 EUR / PGV angemessen

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2 +++ Spätburgunder: Zwischen Kritik und Klasse

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2

Teil 1 mit allgemeinen Informationen zur Veranstaltung, zum Jahrgang und Notizen zu Silvanern aus Franken findest Du hier.

Kaum ein Weinthema wird in der deutschen „Weinnerd“-Blase so gern diskutiert wie der deutsche Spätburgunder. Irgendwer kommt laufend um die Ecke, um etwas zu beanstanden: zu sauer, zu süß, zu fett, zu dünn, zu holzlastig, die falsche Frucht – und überhaupt nicht wie im Burgund.

Doch sobald es um konkrete Argumente geht, wird es oft dünn. Was genau einem deutschen Spätburgunder im Vergleich zum Burgunder fehlt, bleibt meist vage. Wir haben den Vorteil, relativ unvoreingenommen an das Thema herangehen zu können – sei es, weil wir für die ganz großen Burgunder schlicht zu geizig sind, zu spät zum Thema Wein kamen, um günstig kaufen zu können oder bei einigen moderat bepreisten „echten“ Burgundern in der Vergangenheit keinen besonderen Mehrwert entdecken konnten.

Qualitätssprung in den letzten 15 Jahren

Was zur Ehrenrettung der Spätburgunder-Kritiker aber erwähnt werden muss: Seit wir uns intensiver mit Spätburgunder beschäftigen, hat sich die Qualität in bemerkenswerter Weise gesteigert – sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Zudem kamen die Jahrgänge 2018, 2019, 2020 und jetzt 2022 den deutschen Rotweinwinzern klimatisch sehr entgegen. Was wir auf der VDP.Weinbörse aus dem Jahrgang 2022 verkosten konnten, war in vielen Fällen schlichtweg großartig.

Auffällig war dabei, was wir nur noch selten angetroffen haben:

  1. Fette, marmeladige, süßlich wirkende Weine. Die meisten Winzer haben inzwischen verstanden, dass ein rechtzeitiger Lesezeitpunkt entscheidend für die Eleganz des Spätburgunders ist.
  2. Übermäßig reduzierte, drahtige, unreife Weine: Einige Winzer – vor allem aus der jüngeren Generation – loten bewusst die Grenze zwischen Eleganz und Unreife aus, auf der VDP.Weinbörse war jedoch alles in Balance.
  3. Überholzte Weine: Wirklich aufdringliche Aromen von Vanille, Karamell, Rauch, Speck, Kaffee waren kaum präsent.

Tannine und Holz – ein Balanceakt

Der Ausbau im Holzfass, insbesondere im kleinen Barrique, bringt viel Sauerstoff in den Wein. Je kleiner das Fass, desto intensiver der Sauerstoffeintrag – was zu einer beschleunigten Oxidation führen würde, wenn der Wein nicht entsprechend vorbereitet ist.

Jeder, der einmal einen Rest eines Weins in der Flasche vergessen hat und nach mehreren Tagen nochmal probierte, kennt das Problem.

Ohne hochwertige weineigene Tannine kein Barriqueausbau

Um dem entgegenzuwirken, braucht ein Wein schon vor dem Barrique-Ausbau ein stabiles, hochwertiges Tanningerüst. Denn Tannine binden später Sauerstoff und schützen die Aromatik. Die Qualität dieser traubeneigenen Tannine hängen zum einen maßgeblich von der Traubenqualität ab – beeinflusst durch Reife und sicher auch Klonwahl (Beerenhautdicke, Größe der Beeren), aber auch von den Entscheidungen des Winzers rund um die Vergärung (Entrappung oder nicht, Wahl des Gebindes, Maischeführung, Umwälzen der Maische, Gärdauer und Gärtemperatur, Gesamtdauer der Maischestandzeit).

Bereits hier muss der Winzer eine Menge richtige Entscheidungen treffen, um nachher einen hervorragenden Wein zu bekommen.

Das Holz ist nur ein Faktor bei der Lagerung im Barrique

Der Ausbau im Holzfass verleiht dem Wein zunächst zusätzliche Tannine und damit auch den im gewissen Maße gewünschten Holzgeschmack. Im Verlauf der Lagerung aber polymerisieren Tannine durch den eingetragenen Sauerstoff untereinander und mit Farbstoffen (Anthocyanen aus den Beerenschalen), wodurch der Wein vor Oxidation geschützt wird. Gleichzeitig wird der Wein durch diese Prozesse auch weicher und verliert ein stückweit seine Adstringenz. Er „reift“ im Barrique. Dieser Prozess setzt sich auch in der Flasche fort und ist wissenschaftlich nur teilweise verstanden.

Der Winzer beeinflusst hier also nicht nur durch die Wahl des Holzes, sondern zum Beispiel auch durch die Dauer des Fasslagers und den Filtrationsgrad des Weins die Tannine. Mehr Feinhefe im Fass bindet ebenfalls Sauerstoff, verlangsamt aber ggf. das Reifen der Tannine, weil für diese Prozesse dann weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Die Belüftung des Weins dagegen fördert Polymerisation und macht damit die Tannine weicher, aber birgt die Gefahr der Oxidation des Weins.

Am Ende ist das Ganze ein sehr komplexer Prozess, bei dem die Wahl des Holzes nur eine Stellschraube ist. Vor 30 Jahren, als das Thema Barrique noch neu war, gab es sicher häufig eklatant falsche Entscheidungen bei der Wahl des Holzes. Heute ist davon auszugehen, dass nach wenigen Experimenten Fässer in entsprechender Qualität zur Verfügung stehen, um einen sehr guten Wein herzustellen, der keine übermäßige Rauch-, Vanille- und Kaffeebombe ist und nur holzaffinen Bibern schmeckt.

Die Bandbreite, wie das Tannin insbesondere beim jungen Wein auf den Trinker wirkt, resultiert aus meiner Sicht heute aus dem gesamten oben beschriebenen Prozess des Tanninmanagements. Hier eine optimale Balance zu finden ist sicher die größte Herausforderung und macht in vielen Fällen auch den Unterschied zwischen sehr guten und herausragenden Weinen.

Mehrere Wege führen zum hervorragenden Spätburgunder

Die einzig richtige Strategie gibt es dabei nicht. Für einen hervorragenden Wein muss das Ziel des Winzers nicht sein, möglichst Spätburgunder herzustellen, die auf einer Verkostung wie der VDP.Weinbörse zwei Jahre nach der Ernte unbedingt feinstes Tannin aufweisen. Zu wenig Tannin verkürzt ggf. auch die Lebensdauer eines Weins. Insofern gibt es zurecht auch eine gewisse Bandbreite und unterschiedliche Interpretationen. Zu grün, zu hart oder zu holzig darf die ganze Sache natürlich nicht werden.

Exkurs: Weißwein im Barrique

Da Weißweine in der Regel nicht auf der Maische vergoren werden, bringen sie von Natur aus deutlich weniger Tannine mit. Bei der Lagerung im Barrique übernehmen daher Hefe und das Aufrühren derselben (Bâtonnage) die Rolle des Sauerstoffbinders. Die Barriquelagerung muss kürzer angesetzt werden, es geht hier weniger um Tanninreifung, sondern vorrangig um die geschmackliche Prägung durch das Holz.

Lassen sich die Spätburgunder in Kategorien einordnen?

Letztes Jahr hatten wir uns durch die Chardonnays und Weißburgunder gegraben, um herauszufinden, ob es Regionstypizitäten und Wiedererkennbarkeiten gibt. Das Ergebnis zeigte eine bunte Welt zwischen Holz und Cremigkeit, Säure und kühlem Saft.

Die Rebsorte Spätburgunder zeigt aus unserer Sicht ein etwas geringeres aromatisches Spektrum.

Die Weine ließen sich im Rahmen der Verkostung ganz gut anhand ihrer inneren Kraft sortieren. Es gab:

  1. Eher elegante Weine mit einer feinen klaren Frucht, mit zurückhaltender Würze. Sie tänzeln etwas leichter auf der Zunge, die Tannine sind oft weniger hart.
  2. Eher kraftvolle Weine, die würziger angelegt sind und eine höhere innere Dichte haben. Das kann, muss aber nicht mit einer festen Tanninstruktur einhergehen.
  3. Und natürlich ausgeglichene Weine, bei denen sich das Frucht/Würze/Tannin-Verhältnis für uns in einer Waage befindet.

In allen Kategorien gibt es sehr gute und hervorragende Weine.

Eine zusätzliche Differenzierung ließ sich dann über den Fruchtausdruck vornehmen:

  1. Weine mit wärmerer, reiferer Frucht und weicher Anmutung (unten markiert mit einem w),
  2. Weine mit kühler, saftiger Frucht und frischer Spannung (unten markiert mit einem s).
  3. Weine die auch hier weder der einen noch der anderen Variante zuzuordnen sind. Diese haben wir ohne Markierung gelassen.

Der Gutswein – da ist es hier und da noch schwierig

Kein Jubel ohne Einschränkung: Alles vorher Gesagte gilt nur bedingt für das Thema Gutswein. Aus unserer Sicht sollte der Spätburgunder Gutswein eine Visitenkarte sein und Lust auf die höherwertigen Kategorien machen. Das funktioniert bei vielen guten Produzenten auch. Der Gutswein steht wie selbstverständlich am unteren Ende der Qualitätspyramide. Er hat dann eine ähnliche Machart wie die größeren Weine, ist manchmal etwas fruchtiger oder etwas rustikaler angelegt, aber man erkennt dennoch, dass er der kleinste Bruder der Spätburgunderweine des Weinguts ist. In diese Fall schmeckt die Kollektion häufig wie aus einem Guss.

Bei einer ganzen Reihe von Weingütern ist das jedoch anders. Da ist der Gutswein höchstens ein „adoptierter Bruder“. Frucht ohne Würze oder gleich unsaubere Frucht, Restzucker, Alkoholwucht. Die letzte Bastion der Spätburgundertradition der 60er bis 90er Jahre? Aber Schwamm drüber.

Ein paar besonders gute Gutsweine haben es in unsere Liste der Antrinktipps geschafft.

Antrinktipps

Auf der diesjährigen VDP.Weinbörse haben wir Spätburgunder aus Franken, Baden, Rheingau, Rheinhessen und von der Ahr verkostet.

Bei unseren Antrinktipps haben wir versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in die o.g. Kategorien einzusortieren. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

Ahr

Insgesamt ist insbesondere 2022 an der Ahr ein herausragender Jahrgang. Ich weiß nicht, ob ich schon mal eine so hohe Quote bester Weine aus einem Ahrjahrgang probiert habe. Das ist insbesondere auch im Kontext mit dem Ahrhochwasser 2021 erstaunlich.

Viele gebrauchte Fässer dürften in 2022 noch nicht wieder zur Verfügung gestanden haben, dennoch würde ich den Weinen fast durchweg ein gutes Tanninmanagement bescheinigen.

Für uns die besten Kollektionen haben Meyer-Näkel (unheimlich saftig und elegant auch 2023, wir waren absolut begeistert) Jean Stodden und Kreuzberg abgeliefert.

Elegant

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Alte Lay Spätburgunder GG (s, ●)

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Spätburgunder Devonschiefer (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Ahrweiler Silberberg Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Dernauer Spätburgunder Blauschiefer (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Ahrweiler Spätburgunder Grauwacke (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Spätburgunder (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Frühburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

J.J. Adeneuer: 2022er Spätburgunder No.1 (s)

Burggarten: 2022er Walporzheimer Kräuterberg Spätburgunder GG (s)

Kreuzberg: 2023er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Jean Stodden: 2022 Spätburgunder JS (●)

Baden

Hier ist es schwer, eine Kollektion besonders herauszuheben. Die Flaggschiffe Huber und Keller hatten nicht viel Spätburgunder dabei. Daher setzen wir Bercher mit seiner 2020er Kollektion die verdiente Krone auf.

Elegant

Bernhard Huber: 2023er Malterdinger Spätburgunder (s, ●)

Bernhard Huber: 2023er Hecklinger Spätburgunder (s, ●)

Franz Keller: 2023er Achkarrener Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberbergener Bassgeige Spätburgunder 1G (w, ●)

Salwey: 2021er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Salwey: 2021er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Spätburgunder „S“ 1G (s)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Oberklamm Spätburgunder „RR“ GG (s, ●)

Kraftvoll

Bercher: 2020er Burkheimer Spätburgunder (s)

Bercher: 2020er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G (s, ●)

Bercher: 2020er Burkheimer Feuerberg Kesselberg Spätburgunder GG (s, ●)

Schlör: Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder GG (w, holzbetont)

Franken

Der Platzhirsch ist hier der Kollektions-Sieger. Obwohl Fürst nur 3 Fassproben gezeigt hat. Die meisten seiner Kollegen hatten nur einzelne Spätburgunder dabei.

Elegant

Fürst: 2023er Bürgstadter Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Klingenberger Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Bürgstadter Berg Spätburgunder 1G (Fassprobe, s, ●)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Sonnenberg Frühburgunder 1G (●)

Ausgeglichen

Fürstlich Castellsche Domäne: 2022er Casteller Reitsteig Spätburgunder 1G (w)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Spätburgunder (s, ●)

Rudolf May: 2021er Retzbacher Benediktusberg Spätburgunder 1G (holzbetont, s)

Kraftvoll

Höfler: 2022er Michelbacher Steinberg Spätburgunder (w, holzbetont)

Staatlicher Hofkeller Würzburg: 2022er Großheubacher Bischofsberg Spätburgunder GG (w)

Rheinhessen

Wie im letzten Jahr auch ist J. Neus unser Favorit mit einer sehr schönen Kollektion, die gegenüber 2021 noch eine Schippe drauflegt.

Elegant

Knewitz: 2022er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Knewitz: 2022er Ingelheimer Spätburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Frühburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Horn Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Pares Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kühling-Gillot: 2022er Oppenheimer Kreuz Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Spätburgunder Muschelkalk (s)

Kraftvoll:

Bischel: 2022er Pinot Noir Réserve (holzbetont, s)

Gutzler: 2022er Westhofener Spätburgunder

Gutzler: 2022er Westhofener Höllenbrand Spätburgunder GG

Gutzler: 2022er Westhofener Morstein Spätburgunder GG (●)

Rheingau

Hier ist es uns nicht gelungen, eine favorisierte Kollektion festzustellen. Gerade in den Stufen Gutswein und Ortswein war die Qualität hier von den verkosteten Regionen am heterogensten, auch bei den Weingütern, die tolle Topweine am Start hatten.

Elegant

Künstler: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (w, ●)

Krone Assmannshausen: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kaufmann: 2023er Pinot Noir +++

Kaufmann: 2022er Hattenheimer Hassel Pinot Noir GG (●)

August Kesseler: 2022er Pinot Noir „Alte Reben“ Cuvée Max (w, ●)

August Kesseler: 2022er Assmannshäuser Höllenberg Pinot Noir GG (w, ●)

Künstler: 2023er Hochheimer Stein Spätburgunder (w)

Kraftvoll

August Kesseler: 2023er Assmannshäuser Pinot Noir (w)

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VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 1 +++ Die Weinkrise wurde ausgeladen +++ 2024: Frost und Nässe +++ Silvaner in Franken: Wenig und gut

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz 1

Am 27. und 28. April lud der VDP wieder in die Rheingoldhalle nach Mainz zur alljährlichen VDP.Weinbörse. Wie jedes Jahr eine hervorragend organisierte Messe. Ein großer Dank gilt dem Organisations-Team des VDP.

Wie immer war die Messe gut besucht. Traditionell sind Sonntag die Einkäufer des Handels stärker vertreten und Montag die Sommelière der Gastronomie. An den Ständen wurde intensiv diskutiert, probiert – und erstaunlich wenig über die anhaltende Krise gesprochen. 

Weinkrise? Nicht in Mainz

Trotz Absatzrückgängen, schwieriger Exportmärkte und sich wandelndem Konsumverhalten blieb die VDP.Weinbörse 2025 weitgehend unbeeindruckt vom Begriff „Weinkrise“. Allgemeine Branchentrends blieben außen vor. Alkoholfreie Weine, Proxys, Piwis, Naturwein, Orangewein oder alternative Verpackungsformen waren kein Thema an den Ständen.

Und dass, obwohl der VDP nicht nur mit großen Gewächsen Umsätze generiert, sondern 80% der Menge im Guts- und Ortsweinbereich verkauft wird, wo der VDP mit den Lagenweinen deutlich günstigerer Mitbewerber konkurriert (Durchschnittspreis VDP.Gutswein 11,50 EUR, VDP.Ortswein 16,00 EUR).

So ist auch bei den VDP-Betrieben der Absatz um rund 10% (Menge) zurückgegangen. Dank höherer Preise lag der Rückgang der Erträge jedoch nur bei rund 3%.

Die Pressemitteilung des Bundesverbands zum Weinjahr 2024 fasst die Strategie des VDP wie folgt zusammen: „Die diesjährige Bilanz ist mehr als ein Resümee – sie ist ein Signal: In unsicheren Zeiten wächst die Bedeutung klarer Werte. Der VDP steht für Qualität, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit – und genau diese Mischung macht seine Weine weltweit so gefragt wie nie.“

Als Besucher der Messe in Mainz kann ich das bestätigen. Die Parole lautet: „Weitermachen. Durchhalten. Erträge optimieren.“ Doch es bleibt die Frage, ob dieses „Weiter so“ langfristig für alle Verbandsmitglieder trägt – in einer Zeit, in der junge Zielgruppen andere Ansprüche an Wein stellen, Märkte unter Druck geraten und klimatische Extreme zunehmen.

Auffällig war auch 2025 die weiter zunehmende Kreativität bei der Klassifikation und Benennung: Neue Ortsweine „aus ersten Lagen“, erste Lagen ohne Lagenbezeichnung, neue GG-Lagenbezeichnungen, neue erste Lagen, neue Über-GG. Besonders der Edel-Ortswein aus Ersten Lagen scheint sich auch in Regionen zu etablieren, wo er bislang nicht vorgesehen war. Es geht wohl im Rahmen der Optimierung der Erträge nicht mehr ohne. Eine bundesverbandsweite Integration dieser Kategorie in die Klassifikation würde zumindest mehr Klarheit für die Kunden schaffen.

2024 – in einigen Regionen zum Vergessen

Ein Blick auf den Jahrgang 2024 zeigt: Für viele Betriebe war es ein Jahr zum Vergessen. Bereits im April – kurz vor der Weinbörse 2024 – traf ein später Frost weite Teile der deutschen Anbaugebiete. Besonders betroffen waren neben den klassischen Frostregionen wie Franken, Sachsen oder Saale-Unstrut auch eigentlich geschütztere Anbaugebiete im Westen.

Glücklich war, wer keine oder nur geringe Schäden davontrug. 2024 forderte die Winzer aber auch im Verlauf weiter heraus. Der Sommer war warm und feucht. Der Pilzdruck immens. Und auch im Herbst war das Wetter wechselhaft. Können und Handwerk war gefragt! Die Erntemenge war am Ende so klein wie zuletzt 2010.

Im Katalog der Weinbörse zeigte sich das deutlich: 20 % weniger Weine des aktuellen Jahrgangs 2024 waren vertreten. (gegenüber Jahrgang 2023 im letzten Jahr)

Lobend zu erwähnen ist der Zusammenhalt der VDP-Winzer in diesem schweren Jahr, das für nicht wenige Betriebe nur 50% der üblichen Erntemenge ergab. Der Verband ermöglichte es, auch Weine, deren Trauben von anderen VDP-Winzern zugekauft wurden, unter der „Adler-Kapsel“ zu vermarkten. So entstand zum Beispiel bei Dönnhoff an der Nahe ein Westhofener Riesling (Rheinhessen) und ein Wachenheimer Riesling (Pfalz).

Silvaner aus Franken – Weniger Menge, solide Qualität

Kommen wir zu den verkosteten Weinen. Neben dem Schwerpunkt Spätburgunder (im zweiten Teil) haben wir uns dieses Jahr wieder die fränkischen Silvaner näher angeschaut.

Frostbedingt wurden deutlich weniger 2024er Weine angestellt. Die Qualität ist gut bis sehr gut, letztes Jahr war – aus meiner Erinnerung heraus – das durchschnittliche Niveau aber noch etwas höher.

Für alle folgenden 2024er-Antrink-Tipps gilt wieder folgender Disclaimer:

Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

Fürstlich Castell’sche Domäne

Bei den GG ist beim Fürsten 2019 der aktuelle Jahrgang – sehr schön! Der 2019er Casteller Schlossberg Silvaner GG ist tief würzig und nussig mit einer ziemlich warmen gelben Frucht. Das macht Spaß, den Vorgängerjahrgang habe ich aber noch einen Tick stärker in Erinnerung, was im Kontext 2018 und Silvaner eher selten ist.

Viel Wein fürs Geld gibt es nach wie vor beim 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G, den die Domäne auch schon letztes Jahr gezeigt hat.

Höfler

Der 2023er Michelbacher Steinberg Silvaner 1G ist das komplette Gegenstück zu dem Fürstlichen GG. Er ist kühl, saftig, kräutrig. Ein toller Silvaner vom ungewohnten Silvanerterroir Glimmerschiefer.

Zehnthof Luckert

Luckerts haben insgesamt 3 Silvaner aus 2024 zur Verkostung angeboten.

Den 2024er Sulzfelder Silvaner, den 2024er Sulzfelder Blauer Silvaner und den 2024er Sulzfelder Sonnenberg Silvaner Gelbkalk 1G.

Ich kann hier eigentlich den Text aus dem letzten Jahr wieder hereinkopieren. Der ruhige, elegante Stil und die vollkommen fehlende Schwere der Weine macht auch dieses Jahr wieder viel Spaß. Der Mehrwert zwischen Ortswein und erste Lage ist spürbar, aber der Ortswein eben schon sehr gut.

Luckerts haben dann noch den 2023er Sulzfelder Maustal Silvaner GG und den 2016er Sulzfelder Maustal Silvaner GG gezeigt. Beide gewohnt hervorragend. 2023 aber noch etwas tiefer und komplexer.

May

Der 2024er Retzstadter Silvaner ist ein starker Wein in der Kategorie Ortswein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Silvaner Alte Reben 1G ist für uns ein Musterbeispiel für einen hervorragenden Wein aus der Rebsorte Silvaner. Für 20 EUR definitiv ein Must-Have-Wein.

Der 2023er Retzstadter Langenberg Der Schäfer 1G ist aus unserer Sicht ein klein wenig weniger holzbetont als mancher Vorgänger und dafür umso mineralischer, salziger und tiefer. Extrem gut gelungen und insbesondere als Essensbegleiter eine Wucht.

Das 2023er Thüngersheimer Johannisberg Rothlauf Silvaner GG legt gegenüber dem Schäfer nochmal einen drauf. Einfach ein beeindruckender Wein und für uns der beste Silvaner der Veranstaltung.

Horst Sauer

Horst Sauer ist wie immer der „fruchtigere“ der beiden Escherndorfer Sauers. Der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G ist zwar noch etwas füllkrank, zeigt aber schon jetzt eine schöne Frucht und Tiefe. Gleiches gilt für den etwas dunkelfruchtigeren 2024er Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G, der noch etwas mehr Komplexität an den Tag legt.

Hervorragend bei Horst Sauer auch immer wieder die edelsüßen Prädikate, in diesem Fall die 2023er Escherndorfer Lump Silvaner Beerenauslese.

Egon Schäffer

Peter Schäffer hat einen neuen Jahrgang „S7lvaner“ veröffentlicht. Die 7 steht für ein siebenjähriges Holzfasslager vor Abfüllung. Das Ergebnis lässt sich auch im heißen Jahrgang 2018 sehen. Der 2018er Untereisenheimer „S7lvaner“ ist unglaublich frisch und jugendlich und wird von einem tollen, ganz festen und feinen Gerüst getragen. Dazu gibt es im gleichen Jahrgang mit dem 2018er Escherndorfer Lump R7esling auch eine Riesling-Variante. Beides hervorragende Weine, die ihr „Alter“ nicht erkennen lassen.

Schmitt’s Kinder

Das Weingut hatte insgesamt vier 2024er Silvaner am Start. Eine sehr schöne, schlüssige Kollektion. Antrinktipps sind für uns der sehr gute 2024er Silvaner Gutswein, der mit super leichten 11,0% daherkommt, dennoch nicht dünn oder unreif schmeckt. Hervorragend der 2024er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G und der 2024er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G. Aktuell ist der Marsberg der zugänglichere der beiden.

Rainer Sauer

Wenn Horst Sauer – wie oben geschrieben – der „fruchtige“ Sauer ist, ist Rainer Sauer der „würzige“ der beiden Escherndorfer Sauers.

Im Lump hielten sich in den Kernstücken die Frostschäden glücklicherweise in Grenzen, sodass beide Sauers eine ganze Reihe 2024er Silvaner präsentieren konnten. Schön schon der 2024er Escherndorfer Silvaner, hervorragend der 2024er Escherndorfer Lump Silvaner 1G.

Weingut am Stein – Ludwig Knoll

2024 hat das Weingut in Mainz noch gar nicht präsentiert. Dafür aber herausragendes aus den Vorjahren. Der 2023er Würzburger Innere Leiste Silvaner 1G ist definitiv schon auf GG Niveau, der 2022er Stettener Stein Silvaner GG sicher einer der besten Silvaner des Jahrgangs.

Paul Weltner

Paul Weltner hat bei den Lagenweinen ebenfalls noch 2023 dabei. Der schon letztes Jahr gelobte 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G mit der beim Küchenmeister typischen Mischung aus gelber und roter Frucht ist ein Preis-Genusskracher, der 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG herausragend.

Hans Wirsching

Das Weingut hatte aus 2024 vier Silvaner am Start. Der Abstand vom sehr guten 2024er Iphöfer Silvaner zum noch besseren 2024er Iphöfer „K“ Silvaner, der aus der Iphöfer Kalb stammt (hier ist der Ortswein aus großen Lagen in Franken) ist schmeckbar, der Schritt dann zum 2024er Iphöfer Kalb Silvaner 1G, der jetzt die besten Fässer aus der Kalb vereint, ist dann kleiner.

Weiter in Teil 2 mit Spätburgunder

Dr. Heger, Baden – „Pferd Willi“ Silvaner Alte Reben 2018

Dr. Heger, Baden - "Pferd Willi" Silvaner Alte Reben 2018

Kaltblüter Willi macht einen guten Job bei Dr. Heger – er ist zwar nicht verantwortlicher Önologe, hilft aber bei der Bodenbearbeitung in den Parzellen mit über 40 Jahre alten Silvanerreben, was gegenüber der Arbeit mit Traktoren weniger Bodenverdichtung bedeutet.

Das Team von Joachim Heger macht bei dem Wein aber nicht nur bei der Bodenverarbeitung eine gute Figur, denn „Pferd Willi“ ist ganz sicher einer der besten Silvaner Badens. Der Wein wird im Keller spontan vergoren, im Holzfass ausgebaut und durchläuft den biologischen Säureabbau. Heraus kommt ein kraftvoller, tiefmineralischer Wein:

Feine, grünkräutrige Nase mit etwas Tabak, grüner Banane, reifer Birne und buttrigen Noten.

Im Mund dicht, feine Textur, enorme Mineralität nach nassem Stein und Kalk. Dazu Salz, Tabak, Pfeffer, viel Kräuter, etwas grünes Holz und wieder Butter. Die Frucht glänzt im aktuellen Reifestadium mit Abwesenheit. Der Wein hat eine feine Säure. Restzucker ist keiner zu schmecken, der Wein scheint kompromisslos trocken. Etwas gut eingebundene alkoholische Wärme unterstützt den kraftvollen Eindruck. Langer, klarer Abgang, die Mineralität bleibt.

Ein hervorragender Silvaner, definitiv einer der besten Badens, die tiefe Mineralität ohne viel Tannine zeichnet den Wein aus. 2018 ist superkomplex, hat aber jahrgangsbedingt eben auch viel Kraft. Daher ein optimaler Essensbegleiter. 2017 war minimal weniger komplex, aber auch ein bisschen kühler und daher multifunkionaler. Jedes Jahr eine Wonne!

Ca. 21,00 EUR / PGV günstig

Fritz Haag, Mosel – Brauneberger Juffer Riesling GG 2013

Fritz Haag, Mosel - Brauneberger Juffer Riesling GG 2013

Oliver Haags Weine zählen zu meinen Favoriten an der Mosel. Gerade die trockenen Rieslinge sind keine lauten Vertreter der Rebsorte, sondern eher fein, elegant und gut ausbalanciert. Vielleicht fällt der Name Fritz Haag deshalb nicht so häufig, wenn von den besten Weingütern des Gebiets für trockene Rieslinge die Rede ist. Ich sehe das anders. Die Weine sind tief, komplex und eben sehr harmonisch.

Das GG aus dem eher durchwachsenen Jahrgang 2013 zeigt das auf großartige Weise:

In der Nase kandierte Orange und Ananas, roter Apfel und rote Beeren. Dazu Tabak, viel Moselwürze, minimal Honig. Intensiv aber nicht laut.

Im Mund dicht aber weich, frische mundwässernde Säure. Leicht süßliche Frucht mit Ananas, Orange und schwarzen Beeren. Wieder Tabak, Kräuter, viel dunkle Moselwürze.

Langer schöner Abgang, die Würze bleibt.

Das ist ein hervorragender Wein in einer optimalen Reifephase. Leider habe ich keine Flasche mehr im Keller.

ca. 20,00 EUR / PGV günstig

Dr. Loosen, Mosel – Graacher Domprobst Riesling GG 2015

Dr. Loosen, Mosel - Graacher Domprobst Riesling GG 2015

Mosel 2015 hatte mir auf den Jahrgangspräsentationen in der Geschmacksrichtung trocken besonders gut gefallen. Es ist ein reifer, extraktreicher Jahrgang, bei dem aber häufig noch genug Säure im Wein verblieb. Wer den richtigen Erntezeitpunkt erwischte, konnte aus meiner Sicht hervorragende trockene Weine herausbringen. Dr. Loosen ist es hier auf jeden Fall gelungen.

Tiefmineralische eher kühle Nase mit gelbfruchtigen Noten und roten Beeren, dazu eine dunkle Würze, vegetabile Noten und eine feine Moselschieternote.

Im Mund fein und elegant, zurückhaltende, eher kühle gelbe Frucht, kühle, eher kalkige Mineralität, im Hintergrund Gewürze und eine Prise Pfeffer. Ein Hauch grünes Holz und Hefe.

Langer, klarer, schöner Abgang. Die kalkige Mineralität bleibt.

Geradezu ein Musterbeispiel an Eleganz, schwerelos, für Moselverhältnisse kaum schmeckbare Süße und eine großartige, tiefe kühle Mineralität.

Besonders macht den Wein auch die mit Luft immer mehr zunehmende tiefe dunkle Würze.

Großartig, einer der besten trockenen Moselweine, die ich bisher getrunken habe.

 

Ca. 19,00 EUR / PGV günstig