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VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 2: Silvaner und Spätburgunder

In Teil 1 könnt ihr allgemeines zur VDP.Weinbörse und unsere bunten Erfahrungen mit Weißburgunder und Chardonnay nachlesen, hier in Teil 2 folgen noch unsere Tipps zu Silvaner (Franken) und Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden).

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Antrinktipps Silvaner (Franken)

Der überwiegende Teil der Silvaner stammt aus dem Jahrgang 2023. Das Jahr hatte für die Winzer wieder einige Herausforderungen zu bieten. Das Frühjahr war viel zu trocken, dafür kam im Sommer dann Regen und Feuchtigkeit auf, was den Pilzdruck massiv erhöhte. Der viele Regen ließ aber auch die Trauben schnell wachsen und reifen, sodass es relativ früh im Jahr mit der Lese schnell gehen musste, weil alles gleichzeitig reif wurde.

Qualitativ scheint 2023 für Silvaner ein guter Jahrgang zu sein. Die Weine sind nicht zu fett geraten und strahlen Eleganz aus.

 

Fürstlich Castell’sche Domäne

Beim Fürsten aus Castell werden die GG seit kurzem erst nach 5 Jahren auf den Markt gebracht, die ersten Lagen erst nach 2 Jahren. Ein starkes Statement!

Auch beim sehr guten Casteller Silvaner Ortswein ist aktuell 2022 noch im Verkauf.

Insgesamt sind eine Qualitätssteigerung und größere Qualitätskonstanz in den letzten Jahren klar festzustellen.

Die beiden gezeigten ersten Lagen zeigen das deutlich und könnten auch als GG durchgehen.

Der 2022er Casteller Kugelspiel Silvaner 1G zeigt etwas mehr Frucht, während der 2022er Casteller Hohnart Silvaner 1G rauchiger und nussiger ist.

Der 2018er Casteller Schlossberg Silvaner GG zeigt mit 14% Alkohol klar, dass er aus einem warmen Jahr kommt, trotzdem ist aromatisch über 5 Jahre nach der Ernte alles am richtigen Platz, der Wein ist zwar klar warm – schmelzig, aber keineswegs alkoholsüß oder unrund. Ein schöner Essensbegleiter, gerade, wenn man zuhause keinen Keller hat, um junge Weine selbst reifen zu lassen.

 

Juliusspital

Beim Juliusspital hat der 2023er Iphöfer Kronsberg Silvaner 1G deutlich die Nase vor dem Klassiker aus dem Würzburger Stein.

Um zu zeigen, wie gut Silvaner reifen kann, hat das Juliusspital auch den 2014er Würzburger Stein Silvaner EL zur Verkostung angestellt. Da 2014 für mich ein großartiges Silvanerjahr war, war meine Erwartungshaltung groß und wurde nicht enttäuscht. Der Wein war in einem Top Zustand. Natürlich mittlerweile in Ehren gereift und von der Komplexität her nicht ganz GG-Niveau, aber immer noch saftig und mit wunderschöner Mineralität. 13,00 EUR hat das ganze damals gekostet. Hätte, hätte, Fahrradkette…

 

Fürst Löwenstein

Das Weingut hat in den letzten Jahren gerade in der Spitze nicht immer eine gleichbleibende Qualität abgeliefert. Der 2021er Fürstlicher Kallmuth Silvaner GG „Asphodill“ hat aber alles was ein Silvaner GG braucht. Beim Asphodill gibt es zusätzlich auch immer noch die schöne Aromatik des einzigartigen Homburger Kallmuth dazu. Sehr schön!

 

Zehnthof Luckert

Muss ich tatsächlich noch etwas darüber schreiben?

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Sulzfelder Silvaner

2023er Sulzfelder Silvaner Alte Reben

2022er Sulzfelder Berg Silvaner 1G

2022er Sulzfelder Maustal Silvaner GG

Der elegante, moderne Stil begeistert uns immer wieder. Die 23er Ortsweine rangieren qualitativ nicht weit unter dem 22er Sulzfelder Berg, der ein bisschen feiner und zurückhaltender scheint als sein nicht gezeigter Bruder „Gelbkalk“ aus dem Sonnenberg. Der Sulzfelder Berg wurde bis vor 2 Jahren exklusiv für einen Händler abgefüllt und befindet sich seitdem im regulären Weingutsportfolio. Das GG ist sicher einer der größten auf der Messe probierten Weine.

 

Rudolf May

Die Weine von Rudolf und Benedikt May waren über die gesamte Kollektion hinweg ähnlich begeisternd wie die von Zehnthof Luckert.

Gezeigt wurden unter anderem:

2023er Retzstadter Silvaner

2022er Retzstadter Langenberg Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Der Schäfer Silvaner 1G

2022er Retzstadter Langenberg Himmelspfad Silvaner GG

Der Abstand vom 23er Ortswein zum 22er 1G war etwas größer als bei Luckerts, natürlich ergibt sich trotzdem eine wunderbare Qualitätspyramide. Die 2022er hatten wir auf der Jahrgangspräsentation letztes Jahr teilweise als Fassprobe schon vor Ort in Retzstadt verkostet. Schön zu sehen ist, wie gut sich der Himmelspfad entwickelt hat, der sein großes Potential letztes Jahr noch nicht zeigen wollte.

Alle Weine haben ordentlich Grip, sind elegant, trocken und komplex. Der Schäfer ist Mays Holzfassversion des Silvaners. Der Schäfer ist in den letzten Jahren auch immer feiner geworden, das Holz ist schon zu Beginn besser eingebunden, auch wenn auch dem 2022er die zusätzlichen Monate nach der letzten Jahrgangspräsentation ebenfalls gutgetan haben. Sehr schön.

Holz gab es dann auch beim 2022er „Kniebrecher“ Silvaner zu schmecken. Da es sich bei dem Wein um eine Lagencuvee aus Himmelspfad und Rothlauf handelt, läuft er außerhalb der VDP-Klassifikation. Die besten Moste aus den beiden Weinbergen werden für den Wein in zwei Barriques ausgebaut und kommen durch die lange Fassreife noch ein Jahr später auf den Markt als die GG. So war der Wein im aktuellen „Sneak Preview“ auch einfach blutjung, aber eben auch enorm tief und sicher mit dem Potential ausgestattet ein großer Wein zu werden. Sehr spannend!

 

Schmitt’s Kinder

Das Randersackerer Weingut fliegt immer ein bisschen unter dem Radar, liefert aber jedes Jahr zuverlässig sehr gute Weine.

Die 23er ersten Lagen liefern ziemlich ab. Der 2023er Randersackerer Marsberg Silvaner 1G ist dabei würziger und mineralischer und liegt damit etwas vor dem braveren 2023er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner 1G. Der Abstand vom Marsberg zum ebenfalls sehr schönen, komplexen aber relativ warmen 2022er Randersackerer Pfülben Silvaner GG ist ziemlich klein.

 

Horst Sauer

Der 2023 Escherndorfer Fürstenberg Blauer Silvaner 1G zeigt die für die Silvanerspielart mit den grau bis violetten Beeren typische kräutrig erdige Würze und Rotbeerigkeit und scheint mir ein bisschen straffer zu sein als der gleiche Wein im Vorjahr.

 

Paul Weltner

Paul Weltner hatte unter anderem den 2023er Rödelseer Küchenmeister Silvaner 1G und den 2023er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner 1G angestellt. Wie jedes Jahr sind das kleine GGs. Beeindruckende Qualitätskonstanz!

 

Antrinktipps Spätburgunder (Franken, Pfalz, Rheinhessen und Baden)

Franken
Rudolf Fürst

Die gezeigten Ortsweine und das erste Gewächs aus dem Bürgstadter Berg machen wieder deutlich, warum Rudolf Fürst zu den besten Spätburgunderwinzern im Lande zählt.

Bei den Ortsweinen ist der 2022er Bürgstadter Spätburgunder der „bravste“, der 2022er Klingenberger Spätburgunder dank der typischen Klingenberger Würze der mit der spannensten Aromatik. Da Fürsts USP die ausgewogene Erhabenheit der Weine ist, empfehlen wir aus dem Ortsweintrio klar den 2022er Großheubacher Spätburgunder, der etwas eleganter ist als der Klingenberger, aber mit der feinen Würze zeigt, dass der Großheubacher Bischofsberg die Verlängerung des Klingenberger Schlossbergs darstellt. Dabei ist der Großheubacher neu im Portfolio und ist in den letzten Jahren mit im Spätburgunder Tradition gelandet.

 

Pfalz
Friedrich BeckerFriedrich Becker

Wovor Friedrich Becker keine Angst hat ist Tannin, das steht völlig außer Frage und zeigt sich sowohl bei den weißen Burgundersorten als auch beim Spätburgunder. In diesem Fall sollte man sich davon nicht abschrecken lassen, denn die Weine reifen in der Regel wunderbar und das Tannin wird weicher und bindet sich ein. Schon der Gutswein, der 2019er Friedrich Becker Spätburgunder zeigt gut, wo die Reise hingeht. Natürlich ist das ein Gutswein für Freaks und nicht für Freunde des beiläufigen Weinchens. Und auch den Gutswein sollte man durch aus noch einige Jahre reifen lassen.

Der Abstand zwischen Ortswein und erster Lage ist gar nicht so groß, sodass wir zum probieren den 2019er Schweigener Pinot Noir empfehlen. Der 2019er Schweigener Sonnenberg Sankt Paul Pinot Noir GG und der 2019er Schweigener Sonnenberg „KB“ Pinot Noir GG sind Monumente – zu trinken in 10 Jahren.

 

A. Christmann

Tatsächlich hatten wir bisher noch wenig Gelegenheit die begehrten Spätburgunder nach der stärkeren Fokussierung durch die nächste Generation zu verkosten. Klar ein Fehler, denn das, was dort produziert wird ist durch die Bank weg großartig und gehört sicher zur deutschen Spitze.

Das fängt schon an beim aktuell etwas verschlossenen 2022er Spätburgunder Aus den Lagen und zeigt sich gut bei allen 3 ersten Gewächsen. 2022er Mußbacher Eselshaut Spätburgunder 1G, 2022er Königsbacher Ölberg Spätburgunder 1G und 2022er Gimmeldinger Biengarten 1G. Einen Favoriten zu wählen macht hier keinen Sinn, das ist alles extrem fein und elegant und wird mit etwas Reife viel Spaß machen.

 

Knipser

In meiner Weinbubble spielt das Weingut keine große Rolle, dabei ist Knipser sicher ein Pionier des modernen Qualitätsweins in der Nordpfalz. Stilistisch ist das Weingut halt sehr klassisch, die Weine sind aromatisch nicht besonders „aufregend“ aber durchaus von beeindruckender Qualität. Der 2019er Blauer Spätburgunder ist ein hervorragendes Exemplar eines Gutsweins. Frucht, Würze, Mineralität bilden eine harmonische Einheit. Kein intellektueller Wein, kein Freakwein, aber trotzdem qualitativ hochwertig.

Der 2019er Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG betont trotz Barriqueausbau in neuen und gebrauchten Barriques klar die fruchtige Seite mit Kirschen und roten Beeren, hat aber auch eine feine, feste Struktur mit weichem Tannin und viel Mineralität. Sehr elegant.

 

Philipp Kuhn

Philipp Kuhn hatte 2 Spätburgunder GG dabei. Darunter auch einen Kirschgarten. Der 2020er Laumersheimer Kirschgarten Pinot Noir GG hat ebenfalls eine wunderbare Frucht, ist aber etwas üppiger und dichter als die Version von Knipser. Der Holzeinsatz ist dabei aber sehr fein, auch im Vergleich zu anderen Weinen aus dem Hause Kuhn. Der 2019er Laumersheimer Steinbuckel Pinot Noir GG ist aromatisch anders. Etwas rauchiger und lauter. Er wird sicher etwas später als der Kirschgarten seinen Genusshöhepunkt erreichen.

 

Rings

Beeindruckend bei Rings ist schon die Qualität vom 2022er Spätburgunder Gutswein und 2022er Kallstadter Spätburgunder Ortswein. Das ist etwas, dass Rings jedes Jahr auszeichnet. Die ersten Lagen, der 2022er Leistadter Kalkofen Spätburgunder 1G und der 2022er Kallstadter Steinacker 1G gefallen uns besser als im kühlen 2021 davor. Der wärmere Jahrgang harmoniert aus unserer Sicht besser mit der kühlen Stilistik des Weinguts.

 

Baden
Bercher

Dass Marcus Hofschuster von Wein-Plus Bercher mit dem Titel Kollektion des Jahres ausgezeichnet hat verwundert nicht. Der 2019er Burkheimer Ortswein ist für schlanke 11,50 EUR eine echte Empfehlung für einen eleganten nicht komplizierten klassischen Spätburgunder mit Anspruch. Der 2019er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G ist natürlich tiefer und komplexer, ist aber ebenfalls eher kühl, mit feinem Termin und Saftigkeit.

 

Dr. Heger

Der Hegersche Spätburgunder Stil ist sicher nicht der kühlste in Baden. Die Weine haben alle Kraft, aber sind auch nie überbordend fett. Der 2020er Ihringer Spätburgunder zeigt schon viel Tiefe und Länge, auch der 2020er Ihringer Vorderer Winklerberg Spätburgunder GG und der 2020er Achkarrer Schlossberg Spätburgunder GG haben uns sehr gut gefallen.

 

HeitlingerHeitlinger

Bei Heitlinger wird es wieder kühler, beim 2020er Tiefenbacher Pinot Noir auch ätherisch und etwas wilder. Spaß macht der Wein mit seiner Komplexität und Salzigkeit dennoch.

 

Bernhard Huber

Der 2022er Malterdinger Spätburgunder und der 2022er Malterdinger Spätburgunder Alte Reben präsentierten sich schon offen und gewohnt fein.

 

Salwey

Was für die weißen Burgundersorten gilt, gilt auch für die Spätburgunder. Salweys kühler, ruhiger Stil ist ziemlich einzigartig. Uns gefällt das sehr gut. Gezeigt wurden 2021er Oberrotweiler Spätburgunder, 2020er Oberrotweiler Henkenberg Spätburgunder GG und 2020er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG

 

Rheinhessen

Wenige Weingüter hatten Spätburgunder zur Verkostung mitgebracht.

 

J. Neus

Wie bei den Weißburgunder/Chardonnay bereits besprochen, scheint sich das neue Team einzuspielen. Der 2021er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben ist hier unser Antrinktipp. Die Großen Gewächse, der 2021 Ingelheimer Horn Spätburgunder GG und der 2021 Ingelheimer Pares Spätburgunder GG sind ebenfalls sehr schön, der Abstand in Sachen Komplexität und Länge zum Ortswein könnte allerdings noch etwas größer sein.

 

Was war sonst noch empfehlenswert:

Martin Schwarz – Sachsen: Wer etwas in die Finger bekommt, probieren! Das Weingut ist klein, die Flaschen begehrt. Das ist Sachsen next level, nicht erst seit der VDP-Aufnahme.

 

Schlör – Baden – Schwarzriesling: Im Champagner selbstverständlich, als Rotwein meist eher schwierig. Bei Schlör nicht. Der 2021er Reicholzheimer First Schwarzriesling „R“ 1G bietet extrem viel Wein fürs Geld. Das ist GG-Niveau. Der 2020er Reicholzheimer First „Fyerst 1476“ Schwarzriesling GG legt noch eine kleine Schippe drauf, ist aber noch verschlossen und braucht Zeit.

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 1: Lost in Weißburgunder und Chardonnay

Franken und RheinhessenIm Mai 1974 fand die Weinbörse das erste Mal statt. Damals hieß sie noch „Rheinhessische Rieslingbörse“ und wurde vom Vorgänger des VDP Rheinhessen veranstaltet. Schon zwei Jahre später wurde sie zur Weinbörse und Betriebe aus dem Rheingau und von der Nahe schlossen sich an.  Damit feiert die Messe dieses Jahr ihren 50. Geburtstag. Statt 1974 elf Weingüter mit 105 Weinen waren dieses Jahr 191 von 200 VDP-Betrieben mit insgesamt fast 1700 Weinen vor Ort. Über 3000 Fachbesucher aus aller Welt haben sich über den neuen Jahrgang informiert. Damit ist die Weinbörse sicher die wichtigste Veranstaltung für den deutschen Wein, auch wenn Sie sich auf die Mitgliedsbetriebe des VDP beschränkt. Auch die Leistung der kleinen Bundesgeschäftsstelle des VDP als Organisator der Veranstaltung ist unbedingt hervorzuheben. Es muss ein ziemlicher Kraftakt für das Team sein.

Daher an dieser Stelle vielen Dank!

 

Magnums

Zur 50. Ausgabe gab es exklusiv eine Magnum jedes Weinguts mit individuellem Etikett

Aufgrund der großen Weinanzahl ist für den berichterstattenden Besucher Fokussierung und Einschränkung Pflicht, zumal jeder Plan sowieso zum Scheitern verurteilt ist, weil man parallel immer auf viele bekannte Gesichter trifft und immer wieder von netten Gesprächen abgelenkt wird.

Bei unseren vergangenen Besuchen lag der Fokus auf Regionen, dieses Mal haben wir uns auf Rebsorten fokussiert: Silvaner, Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay aus Franken, Baden, Rheinhessen und der Pfalz waren unser Ziel. Auch hier mussten wir Abstriche machen und konnten nicht alle Weingüter besuchen. Die Chardonnay- und Weißburgunderrunde hat uns darüber hinaus besonders gefordert. Bevor wir also zu den ausschließlich positiven Antrinktipps von Silvaner und Spätburgunder kommen, erst einmal mehr zu unserer Odyssee durch die Weißburgunder und Chardonnays.

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Die Frage aller Fragen: Was ist Pfälzer, badischer, rheinhessischer, fränkischer Weißburgunder bzw. Chardonnay?

Weißburgunder ist eine deutsch/italienisch/österreichische Angelegenheit. Nur da wachsen signifikante Mengen. In Frankreich sind die Mengen auch beachtlich, doch wird hier wohl abgesehen vom Elsass der meiste Pinot Blanc für die Champagner-Produktion verwendet und nicht als Stillwein ausgebaut.

Beim Chardonnay ist das anders. Das Zeug wächst überall auf der Welt.

Frankreich und die USA sind führend und besitzen gemeinsam eine Chardonnay-Anbaufläche die der gesamten Weinbaufläche Deutschlands entspricht, wobei in Frankreich über 20% wieder in Champagner fließt. Aber auch Chile, Südafrika, Spanien und China sind in den Top 10 der Anbauländer. Deutschland ist unter „ferner liefen“, zudem wurde die Rebsorte in Deutschland erst 1994 zum Anbau zugelassen.

Weltberühmt sind die französischen Appellationen im Burgund und Chablis, aber spätestens seit der berühmten Verkostung der „Weinjury von Paris“ 1976 weiß man, dass Kalifornien hier in der Spitze mithalten kann.

Namhafte Weine kommen aber eben auch aus Australien oder der österreichischen Südsteiermark, wo die Rebsorte auch Morillon genannt wird. In Italien steht Chardonnay in der Regel in den Weinbaugebieten in Alpennähe, wo er allerdings bis in die 1980er Jahre einfach auch als Pinot Bianco etikettiert wurde.

Der kleine Abriss über die Verbreitung der Rebsorten ist insofern wichtig, dass man vermuten könnte, dass es zumindest beim Weißburgunder eine gewisse Tradition geben muss. Ein verbindendes Element in den Anbaugebieten quasi. Während beim Chardonnay durch die späte Zulassung und der Vielzahl von Vorbildern man eine gewisse Heterogenität erwarten kann. Und natürlich war mir aufgrund der vielen bereits verkosteten und getrunkenen Weine aus den Rebsorten klar, dass es bunt wird.

Aber bei so vielen Weinen in kurzer Zeit zeigt sich die Heterogenität nochmal viel deutlicher und die Verkostung wird schwieriger als gedacht. Bei beiden Sorten.

 

Auf der Geschmacksachterbahn

Das macht schon die Verkostung zu einer Herausforderung. 50+ trockene Lagenrieslinge verkosten sich mit etwas Übung eigentlich ganz gut. Mal sind sie komplexer, mal weniger komplex, mal etwas süßer, mal trockener, mal etwas „konventioneller“, mal etwas „moderner“ in der Stilistik, aber selten ist der nächste Wein ganz anders als der vorherige. Sie sind immer Rieslinge.

Bei unserer Weißburgunder/Chardonnay-Runde war das anders. Jeder Wein ist anders. Eine geschmackliche Achterbahnfahrt.

Auch die Erläuterungen der Winzer sind meist viel komplexer als beim Riesling. Die auch beim Riesling üblichen Themen sind Maischestandzeit, Holz oder Stahl, Feinhefelager, Spontangärung oder Reinzuchthefe. Bei Weißburgunder/Chardonnay kommt dazu: Welcher Holzanteil, welches Holz, welche Fassgröße, welches Toasting, wieviel Neuholz, alle Partien mit biologischem Säureabbau oder nicht, Vollhefe- und/oder Feinhefelager, ob, wie oft und wie aufgerührt, wie reduktiv und und und. Da schwirrt einem der Kopf!

Entsprechend riesig ist die Bandbreite:

  • Holzbetont und exotisch vanillig kraftvoll warm.
  • Holzbetont und eher kühl und straff
  • Wenig holzbetont und trotzdem cremig nussig
  • Wenig Holzbetont und kühl und straff
  • Ohne Holz und ausgewogen
  • Ohne Holz und cremig

Und alles dazwischen und alles in konventioneller oder moderner Stilistik, mal etwas (extrakt-)süßer, mal staubtrocken, mal komplexer, mal weniger komplex, mal alkoholreich, mal weniger, mal mehr und mal weniger reduktiv.

Aber auch bei Trinkern polarisieren die Weine. Natürlich trifft man auch bei Rieslingen auf Restzuckerallergiker oder Säurefanatiker, das ist aber nichts gegen Chardonnay. Das hätte auf der Weinbörse leicht im Ehekrach enden können. Als ich neulich zu einem weinaffinen Grillevent eine Magnum eines komplexen, duftigen, hoch bepunkteten Pfälzer Chardonnay mitbrachte und die Mittrinker nach ihrer Meinung frage, bekam ich von einem sehr erfahrenen Weinfreak direkt gesagt: „Der schmeckt mir überhaupt nicht, der ist ja viel zu laut“. Ich sag mal so, bei einem 92 Punkte Riesling GG wäre das so nicht passiert. Eventuelle Kritik wäre deutlich dezenter geäußert worden: „Der könnte etwas schlanker sein.“ „Hintenraus scheint er etwas süßlich“.

 

Wo bleibt das Terroir?

Diese Frage ist für mich auch nach der Powerverkostung nicht so leicht zu beantworten. Terroir wird in der Fachliteratur als Zusammenspiel zwischen Rebsorten, Klima, Bodentyp, Topographie/Kleinklima und Vinifikation gesehen. Das die Sorte die topographischen/kleinklimatischen Unterschiede und die Unterschiede über die Jahrgänge gut zeigt ist klar. Die Mehrheit der befragten Fachleute sagt auch, dass Chardonnay den Boden, auf dem er wächst in den Geschmack übernehmen kann. Ehrlich gesagt bräuchte ich da mehr zielgerichtete Verkostungen um das für mich zu verifizieren. Eins ist uns aber auf jeden Fall klar geworden: Holzeinsatz, Hefelager, Reduktion und andere Maßnahmen der Vinifikation – also quasi die Handschrift des Winzers sind bei den getrunkenen Weintypen viel nachhaltiger am Entstehen des Geschmacksbilds beteiligt als der Boden. Sicher ist das auch ein Teil des weltweiten Erfolges der Rebsorte. Nur mit unverwechselbarem Terroir hat das nur dann zu tun, wenn es regional eine Tradition und ähnliches Vorgehen gibt. Der „internationale Stil“ hat kein Terroir.

 

Erfreuliches Qualitätsniveau

Bei den Lagenweinen waren qualitativ ein paar absolute Holzbomben auszusortieren sowie wie immer ein paar minderkomplexe Exemplare, ansonsten gab es schon viele sehr gute und einige hervorragende Weine, auch wenn man auf deutlich weniger hervorragende Exemplare trifft als bei einer Riesling-Lagenweinverkostung.

Auch die kraftvollen, holzbetonten Exemplare nehme ich explizit nicht aus der Runde der sehr guten und herausragenden Weine aus, auch wenn sie aktuell eher unmodern sind. Mit ein bisschen Flaschenreife sind das schließlich gute Essensbegleiter, die bei genug Komplexität auch spannend sind und hohe Bepunktungen verdienen. Die straighteren, kühleren, feineren Exemplare haben aber sicher häufiger das Zeug dazu, wirklich große Weine zu werden, auch unabhängig davon, ob man mehr oder weniger Holz einsetzt. Wobei bei maximierter Kühle und Säure auch immer die Gefahr besteht, zu früh zu ernten und unrunde unreife Aromen in den Wein zu bekommen.

Ganz ohne Holz im Guts- oder Ortsweinbereich finde ich insbesondere den Chardonnay schwierig. Die Aromatik driftet schnell in Richtung überreifes Fallobst und nasses Papier. Ein bisschen wie beim einfachen Grauburgunder, nur noch schlimmer. Beim Weißburgunder waren ein paar ordentliche holzarme bzw. holzfreie Exemplare zu finden, bei denen Frische bewahrt und auf eine klare und feine Fruchtaromatik gesetzt wurde.

 

Chardonnay und Weißburgunder als GG und 1G – sinnvoll oder nicht?

Also gibt es insgesamt zwar gewisses Verbesserungspotential in Sachen Qualität, um zum Flaggschiff Riesling aufzuschließen, die Situation ist aber keineswegs schlecht. Es gibt genug herausragende Exemplare um zu sagen: Beide Rebsorten gehören zu den Topsorten in Deutschland.

Dennoch sind die Sorten nicht überall im VDP für Große und erste Gewächse zugelassen:

GebietGG1G
Ahr--
BadenWB. CHWB. CH
FrankenWBWB. CH
Mittelrhein--
Mosel--
Nahe--
PfalzWBWB. CH
Rheingau--
Rheinhessen-WB. CH
Sachsen/Saale-UnstrutWB. CHWB. CH
WürttembergWBWB, CH

Gerade mit Blick auf die immer hervorragenden Astheimer Orts-Chardonnays von Fürst habe ich bereits in einigen Diskussion meinungsstark die These vertreten, Chardonnay muss Großes Gewächs sein dürfen.

Nach unserer großen Verkostung in Mainz bin ich da künftig leiser. Wenn die GG-Zulassung einer Sorte bedeutet, dass herausragende Weine in irgendeinem Stil dort erzeugt werden können, könnte man weiter auf dem Standpunkt stehen, dass alle Regionen die das für relevant halten, Chardonnay/Weißburgunder als GG zulassen können sollten.

Wenn ich aber etwas weiterdenke und sage es braucht auch eine gewisse regionale Typizität bzw. Tradition, die sich im Geschmack der Weine widerspiegelt – also einen Terroirgedanken – (den es bei Riesling GG zweifelsohne gibt), dann komme ich zu dem Schluss, dass man auch von 1G Chardonnays Abstand nehmen sollte und auch die Bewertung des Weißburgunders in Frage stellen kann. Es gibt nämlich keinen einigermaßen wiederkennbaren Chardonnay oder Weißburgunder-Lagenweintyp in den Regionen – für eine Markenbildung keine gute Voraussetzung. In dem Kontext erscheinen mir Guts- bzw. Ortswein die bessere Heimat für die vielen individuellen Spielarten. Das gilt im übrigen nicht nur für den VDP, sondern aus meiner Sicht erst recht für die Ausgestaltung der Lagenweinprofile nach neuem Weinrecht in den Schutzgemeinschaften.

 

Antrinktipps

Bei unseren Antrinktipps haben wir daher versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in Kategorien einzusortieren. Richtig zufrieden sind wir nicht, weil selbst innerhalb der Kategorien wenig Vergleichbarkeit herrscht. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

 

Rheinhessen

Straight (kühle Aromen dominieren, eher säurebetont, keine überreifen Fruchtnoten, keine große Extraktsüße) und holzbetont

Bischel: 2022er Réserve Chardonnay

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Neus Schlossberg ChardonnayJ. Neus: 2022er Ingelheimer Chardonnay ●, 2022er Ingelheimer Schlossberg Chardonnay 1G ●

Nach vielen Veränderungen bei den handelnden Personen im Gut scheint man in Ingelheim insgesamt auf einem guten Weg. Die Weine sind nicht mehr so progressiv wie teilweise bei dem früheren Team, sondern ruhen nun mehr in sich. Sehr schön!

 

Kraftvoll (warme Aromen dominieren, süße Fruchtnoten, Extraktsüße, vanillige Holznoten) und holzbetont

Gutzler: 2022er Westhofener Chardonnay

 

 

Pfalz

Straight und holzbetont

Friedrich Becker: 2021 Schweigener Chardonnay ●, 2019 Chardonnay Mineral●, 2020 Weißer Burgunder Reserve●
Bei Becker sticht überall die hohe aber präzise Säure heraus. Darauf angesprochen verriet Friedrich Junior, dass man darauf achte, dass nicht jedes Gebinde einen biologischen Säureabbau macht. Aus meiner Sicht schafft das viel mundwässernden Trinkspaß, obwohl ähnlich wie bei Beckers Spätburgundern der Holzeinsatz schon ziemlich kraftvoll ist und die Weine damit einfach mehr Zeit brauchen, bis sie sich geschmacklich rund präsentieren. Auch der 2019er Mineral kann hier ganz sicher noch liegen bleiben.

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Jülg: 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Weißburgunder 1G, 2023 Schweigener Chardonnay, 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Chardonnay ●

Ökonomierat Rebholz: 2022 Chardonnay „R“

Rings: 2022 Kalk & Stein Chardonnay & Weißburgunder ●, 2023 Chardonnay und Weißburgunder ●

In der Kategorie Gutswein mit Anspruch ist die „einfache Version“ der Cuvée von Rings sicher ein Best Buy. Die kühle, unaufgeregte Stilistik hat uns extrem gut gefallen.

 

Kraftvoll und holzbetont

Knipser: 2019er Chardonnay Réserve

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Knipser: 2019er Chardonnay Fumé, 2020er Chardonnay *** ●

 

Baden

Straight und holzbetont

Bernhard Huber: 2022er Malterdinger Chardonnay Alte Reben (noch ziemlich wild)

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Salwey: 2021er Oberrotweiler Weißburgunder ●, 2020er Oberrotweiler Steingrubenberg Chardonnay GG ●, 2020er Oberrotweiler Kirchberg Weißburgunder GG ●

Eigentlich müsste man die Weine von Salwey in eine eigene Kategorie packen. Es sind sicher mit die feinsten Weine und für die warmen badischen Verhältnisse immer kühl. Sie sind nie die aufregendsten aber qualitativ immer auf höchstem Niveau und mit einer ganz eigenständigen Handschrift auch über alle Jahrgänge hinweg.

 

Kraftvoll und Holzbetont

Dr. Heger: 2021er Ihringer Winklerberg Chardonnay 1G

Heitlinger: 2017er Hilsbacher Eichelberg Pinot Blanc GG Heitlinger, 2020er Tiefenbacher Heinberg Chardonnay GG

Heitlinger ist für uns eine ziemlich neue Entdeckung. Ein junges Team arbeitet hier konsequent daran, das Weingut nach vorne zu bringen. Bei den oben erwähnten Weinen ist der Holzeinsatz ziemlich dominant. Wäre er etwas milder, gehörten sie mit zu den Gebietsbesten.

Franz Keller: 2022er Oberbergener Pulverbuck Weißburgunder 1G, 2022 Chardonnay Drei Dörfer

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Weingut SchlörDr. Heger: 2021er Winklerberg Hinter Winklen Gras im Ofen Weißburgunder GG ●

Schlör: 2022 Reicholzheimer Oberer First Weißburgunder GG

 

Ausgewogen (mittlerer Holzeinsatz und mittlere Kraft, eher klassiche Machart)

Bercher: 2022er Sasbacher Limburg Weißburgunder 1G ●, 2022 Burkheimer Feuerberg Haslen Weißburgunder GG ●, 2021 Berchers Chardonnay SE ●

Bercher hat insgesamt eine großartige Kollektion präsentiert. Ein Weingut, dass definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

Dr. Heger: 2022 Ihringer Weißburgunder

Schlör: 2023 Reicholzheimer Weißburgunder

Der Ortswein von Schlör ist nur im Edelstahl ausgebaut. Entstanden ist ein feiner und schlanker Vertreter der Rebsorte mit klarer Frucht.

 

Franken

Straight und Holzbetont

Rudolf Fürst: 2022er Astheimer Chardonnay R ●

Rudolf May: 2022er Retzbacher Chardonnay ●

 

Kraftvoll und Holzbetont

Höfler: 2020er Michelbacher Chardonnay

Juliusspital: 2020er Volkacher Karthäuser Weißer Burgunder GG

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Egon Schäffer: 2022er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder 1G Schäffer

Hans Wirsching: 2023er TriTerra Cuvée aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay

 

Ausgewogen

Staatlicher Hofkeller: 2023er Würzburger Stein Weißer Burgunder

Paul Weltner: 2023er Rödelseer Chardonnay

Hans Wirsching: 2023er Iphöfer Kronsberg Chardonnay Alte Reben

 

Weiter in Teil 2 mit Silvanern und Spätburgundern.

Rings, Pfalz – Spätburgunder trocken 2017

Rings, Pfalz - Spätburgunder trocken 2017

Letztens sprang mir der 2017er Gutsspätburgunder von Rings im Edeka ins Körbchen. Auch wenn 2017 aus meiner Sicht auch beim Gutswein noch etwas jung ist, wollte er unbedingt gekostet werden. Das hat sich gelohnt:

Speckige und rauchige Nase mit Kräutern, Pfeffer und feiner Beerenfrucht.

Im Mund sehr saftig mit einer frischen Säure. Feine Kirsch- und Beerenfrucht. Etwas Hagebuttentee. Recht kräftige Würze mit getoastetem Holz.

Schöner ebenfalls sehr saftiger und mittellanger Abgang.

Ein herausragender Gutswein und ein Multitalent, der Solo und sicher auch zu vielen Speisen Spaß macht.

 

Ca. 12,00 EUR / PGV günstig

Rings, Pfalz – Freinsheimer Riesling trocken 2015

Rings, Pfalz - Freinsheimer Riesling trocken 2015Im Sommer 2016 waren wir auf der Jahrgangspräsentation von Rings in Freinsheim. Das gebotene fanden wir ziemlich fantastisch. Vom Gutswein an. Auf jeden Fall pfälzisch kraftvoll, aber trotz 2015 keinesfalls zu dick. Und alles Weine mit einer schönen Finesse und Vielschichtigkeit. Wir packten ein paar Flaschen Riesling aus ersten Lagen mit, die im Keller erstmal in das „Spater-Trinken-Regal“ wanderten. Umso besser, dass der Nikolaus dieses Jahr einen 2015er Ortswein im Sack hatte, der die Prüfung des aktuellen Rings-Rieslingstands ermöglichte. Sorgen bestanden von Anfang an aber definitiv keine:

Frische und Dichte Nase, reife gelbe Früchte, Ananas, Kräuter, Kalk.

Im Mund saftig aber mit eher zurückhaltender Frucht in Richtung grünem und gelbem Apfel und leichten Zitrusnoten. Dafür ist der Wein sehr Salzig, steinig und hat eine feine Würze. Im Hintergrund dazu etwas Hefe. Leichtes Gerbstoffbitterl am Gaumen. Das Ganze mit einer durchaus fordenden aber gut eingebundenen Säure.

Klarer, schöner Abgang.

Das macht sehr viel Spaß! Man sollte bunkern, was noch davon zu haben ist. So viel Salz und eine so feine Balance zwischen Kraft und Finesse gibt es im Ortsweinsegment eher selten.

Ca. 12,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 23.04.2017 Teil 2

Im Rheinfoyer Pfalz, Ahr, Baden und Württemberg

Fortsetzung des ersten Teils.

Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter.

Nicht mehr so komplett wie geplant, sondern noch etwas ausgewählter, die Zeit lief.

Daher nachfolgend unsere Empfehlungen ebenfalls in kürzerer Form:

 

Pfalz, Riesling:

Philipp Kuhn

Tolle Kollektion von Philipp Kuhn beginnend mit dem 2016 Laumersheimer Riesling „Vom Kalksteinfels“ trocken über den 2016er Grosskarlbacher Burgweg Riesling trocken und den 2016er Kallstadter Steinacker Riesling trocken bis zum 2015er Schwarzer Herrgott Riesling GG.

Unbedingt weiter im Auge zu behalten.

Weingut Rings

Die letztjährige Kollektion hatten wir direkt vor Ort auf der Jahrgangspräsentation mit großem Vergnügen verkostet.

Die Weine haben typisch pfälzische Elemente, sind dadurch auch nicht die schlankesten Vertreter des deutschen Rieslings. Dennoch sind sie bei den Brüdern Rings nie zu breit oder zu gemütlich, haben eine feine Frucht und steinige Mineralität und eine gut eingebundene Säure. Das war 2015 so und ist im etwas schlankeren 2016 mindestens genauso gut: Sowohl beim 2016er Freinsheimer Riesling trocken als auch bei den Lagenweinen 2016er Ungsteiner Nussriegel Riesling trocken (Fassprobe) und 2016er Kallstadter Steinacker Riesling trocken (Fassprobe).

 

Impression aus der Pfalz

Württemberg, Riesling:

Schnaitmann

Württemberger Riesling war bisher nicht unbedingt unser Tummelplatz. Seit Sonntag wissen wir, dass wir hier noch etwas nachzuholen haben.

Der sehr sympathische Rainer Schnaitmann hatte einen 2016er Schnaiter Altenberg Riesling trocken als Fassprobe dabei und zwei GG aus 2015, den 2015er Götzenberg Uhlbach Riesling GG (aus dem Stahl) und den 2016er Lämmler GG aus dem Holzfass (unser Favorit).

Allesamt sind sehr mineralische feine, komplexe Weine mit eher zurückhaltender Frucht. Top.

 

Franken, Rotwein:

Rudolf Fürst

Fürst ist und bleibt der fränkische Rotwein-König. Auch im sicher nicht einfachen, weil warmen 2015 sind hier großartige Weine entstanden. Die Weine sind für mich von fast beispielloser Eleganz und Feinheit und trotz ihrer Jugend schon erstaunlich zugänglich. Das geht los bei den Ortsweinen, dem 2015er Bürgstadter Spätburgunder trocken (Fassprobe) und dem 2015er Klingenberger Spätburgunder trocken (Fassprobe) und wird beim 2015er Bürgstadter Berg Spätburgunder trocken (Fassprobe) einfach nur noch besser.

Die neue Lagenbezeichnung „Bürgstadter Berg“ ist eine neue europäisch geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), die für Weine aus dem Hundsrück und dem Centgrafenberg (oder aus beiden Lagen zusammen) verwendet werden kann. In der Lagenpyramide des VDP ist das praktisch, weil damit dann wohl eine erste Lage zusätzlich zu den beiden GG aus den Großen Lagen Centgrafenberg und Hundsrück gekeltert werden kann. Inwieweit dies außerhalb des VDP einen Mehrwert darstellen wird, bleibt abzuwarten (es hätte auch eine Großlage eingetragen werden können).

Absoluter Favorit bei Fürst war jedoch der 2015er Bürgstadter Frühburgunder R trocken (Fassprobe).Großartig!

Benedikt Baltes

Die Weine von Benedikt Baltes kennen wir auch schon einige Jahre. Die 2012er und 2013er Jahrgänge fanden wir oft zu karg, minimalistisch und zu kompliziert. Mit 2014 änderte sich das aus unserer Sicht schon etwas. Die Weine wurden etwas runder, einen kleinen Tick wärmer, zeigten aber immer noch klar ihre Herkunft und die Handschrift Benedikt Baltes.

2015 setzt sich der Trend sicher auch jahrgangsbedingt fort. Noch immer sind die Weine in der Jugend nicht ganz einfach zu beurteilen, jedoch gehe ich fest davon aus, dass sie in überschaubaren Jahren zu Großem reifen werden. Das gilt sowohl für den 2015er Buntsandstein Spätburgunder trocken, den 2015er Großheubacher Spätburgunder trocken, den 2015er Klingenberger Spätburgunder trocken als auch für den 2015er Großheubacher Bischofsberg Spätburgunder trocken.

Bernhard Höfler

Bei Bernhard Höfler haben die Rotweine seit 2013 einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Junior Johannes hat hier den Stil maßgeblich verändert. Und so sind auch die 2015 wieder einen kleinen Schritt weiter und gefallen nochmal besser. Die Weine sind wärmer und etwas kraftvoller als die der Kollegen aus Klingenberg oder Bürgstadt, bekommen aber im Michelbacher Weinberg eine tolle Mineralität mit in die Flasche. Aus meiner Sicht ist das ein Top-Spätburgunder Terroir.

Sehr gut der 2015er Michelbacher Spätburgunder „2samkeit“ trocken, hervorragend der 2015er Michelbacher Steinberg Spätburgunder „Magnificum“ trocken (Fassprobe). Sehr schön auch wieder der 2015er Michelbacher Steinberg Schwarzriesling trocken – einer der besten Rebsortenvertreter, die ich bisher gekostet habe.

 

Baden, Rotwein:

Bernhard Huber

Bei Huber verkosteten wir drei Weine aus 2014. Den 2014er Malterdinger Spätburgunder trocken, den 2014er Spätburgunder „Alte Reben“ trocken und den 2014er Bienenberg Spätburgunder GG. Erwartungsgemäß waren alle Weine sehr gut und besaßen die schöne, komplexe Würze und Frische, die die Weine aus Malterdingen auszeichnet. Jedoch waren alle recht stark von Holz geprägt, was uns im ersten Moment etwas irritierte, und müssen definitiv noch ordentlich reifen.

Seeger

Für eine Überraschung sorgte das Weingut Seeger aus Leimen. Die Weine kannte ich bisher nicht. Und sie sind großartig. Das 2014er Oberklamm Spätburgunder GG bringt ein Feuerwerk an Aromen mit, ist tief und fein. Für uns einer der besten Rotweine des Tages. Nur kurz dahinter dann das 2014er Spermen Blaufränkisch GG, das sich vor keinem österreichischen Kollegen verstecken muss.

 

Württemberg, Rotwein:

Aldinger

Aldinger ist für mich eine weitere Entdeckung auf der VDP.Weinbörse. Feine Spätburgunder und Lemberger konnten wir verkosten. Sehr gut der 2015er Hanweiler Berg Lemberger trocken, hervorragend das 2014er Fellbacher Lämmler Lemberger GG und der 2015er Untertürkheimer Gips Spätburgunder trocken. Herausragend für uns das 2014er Gips-Marienglas Spätburgunder GG. Ein kühler Wein, mit feiner Frucht, schönem Holzeinsatz und komplexer salziger Würze.

 

Und da zeigte die Uhr 18:00h und der Messetag war schon beendet.

 

Bleibt nur noch ein kleines Fazit:

2016 ist ein guter Jahrgang. Das Niveau insgesamt hoch. Die Veranstaltung einfach top organisiert: vielen Dank an das Team des VDP.

Die Winzer waren sehr geduldig und sympathisch, die Atmosphäre familiär und das, obwohl nur Tage zu vor die Natur in Form von Nachtfrost in vielen Regionen Deutschlands stark zugeschlagen hatte. Damit steht der 2017er Jahrgang schon vor der Blüte unter einem schlechten Stern, das Ausmaß der Verluste ist noch gar nicht abzusehen.

Da kann ich nur sagen: Unterstützt die Winzer und kauft was das Zeug hält – es lohnt sich!

 

„Junge Adler“ im Weingut Schätzel, Nierstein am 20.03.2016

Bei Schätzels wurde dieses Wochenende unter dem Motto „Verkostung, WeinBar, Fest“ die Aufnahme in den VDP gefeiert. Und Kai Schätzel hatte keine Mühen gescheut und gleich zwei weitere VDP Neulinge dazu eingeladen. So konnten vor Ort nicht nur die eigenen Weine, sondern auch die Erzeugnisse des Weingut Rings, Pfalz und Weingut Maximin Grünhaus, Mosel probiert werden. Dazu gab es im Garten eine Weinbar, mit einer schönen Auswahl der drei Winzer und mega leckere und handliche Brötchen mit Käse und Wurst bzw. Fleisch von Jürgen David vom Grill, zubereitet von Fabio Haebel.

Klingt schon am Eingang lecker

Klingt schon am Eingang lecker

Für mich war es das erste mal, dass ich Weine von Maximin Grünhaus und Rings gekostet habe. Kai Schätzels Weine hatte ich bereits bei der Veranstaltung „Vier Winzer für ein Halleluja“ im letzten Dezember kennen gelernt, dennoch gab es auch beim Gastgeber wieder spannendes zu schmecken:
Besonders hervorzuheben waren die Silvanervertikalen, gab es doch 5 Jahrgänge NierStein Silvaner und 3 Jahrgänge NackenHeim Silvaner zu probieren.
Die Nackenheimer sind von 2012-2014 eine Klasse für sich. Aus alten, wurzelechten Reben. Kräuter und Mineralität ohne Ende, dazu einen Hauch Silvanerschmelz, aber nichts fettes. Und eine schöne und angenehme Säure. Für mich ein Silvaneraushängeschild für Rheinhessen. Eigentlich wie Franken Silvanerland, in dem – im Gegensatz zu Franken – guter Silvaner aber meiner Meinung nach ziemlich rar gesät ist.

Viel los bei der Probe

Viel los bei der Probe

Bei den Niersteinern von 2010-2014 zeigen die Jahrgänge eine etwas größere Varianz. Mein absoluter Favorit war der 2011er Niersteiner Hipping Silvaner. Da könnte ich mich reinlegen. Ein bisschen gemüsige Noten, viel überreife gelbe Früchte, erdig und kraftvoll. Aber dennoch, wie bei allen Weinen von Kai Schätzel, keine Alkoholbombe.

Natürlich verdienen auch die Rieslinge Erwähnung. Allen voran die großen Gewächse aus dem Hipping und Pettenthal. Faszinierend bei allen Weinen von Kai Schätzel ist, wie viel Kraft und Mineralität er bei den konsequent niedrig gehaltenen Alkoholwerten erreicht (Riesling 11-12%, Silvaner 12-12,5%).
Das ist ganz stark und zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Kollektion.

Ähnliche rote Fäden waren auch in den Sortimenten der beiden Gäste deutlich zu schmecken. Bei Rings ist es der geringe Restzucker. Auch ihren weißen gönnen die Brüder konsequent sehr wenig Restzucker. Hinzu kommt ein äußerst gradliniger, schlanker und eleganter Stil. Der 2014er Ungsteiner Nussriegel Riesling zeigt das am deutlichsten. Der Buntsandseinboden lässt quasi keine Frucht im Wein und so liegt der Fokus des Weins ganz klar auf der feinen Mineralität bei angenehmer Säure und Kräutrigkeit. Der 2014er Kallstadter Steinacker Riesling ist durch die – die kalkige Mineralität ergänzenden – Fruchtnoten jetzt schon zugänglicher. Beide Lagenrieslinge sind extrem ausbalanciert – Top.
Der Hammer ist das 2014er Große Gewächs Riesling Kallstadter Saumagen, der den Ringsschen Stil auf die Spitze treibt. Extrem dicht und mineralisch, dabei aber dennoch schlank und top ausbalanciert. Gekrönt durch einen wahnsinnig langen Abgang. Wow.

Bei den weißen Burgundersorten besonders hervorzuheben ist der 2014er Kallstadter Steinacker Chardonnay, mit Vanillenoten und nussigem Schmelz. Auch hier alles fein und elegant und sehr trocken.

Die roten 2013er Spätburgunder aus dem Steinacker (EL) und Saumagen (GG) schließen stilistisch nahtlos an: schlank, fast karg, fein aber genauso kraftvoll. Außerdem gekonnter Holzeinsatz.

Ein Hof der einfach zum Feiern gemacht ist

Ein Hof der einfach zum Feiern gemacht ist

Last but not least Maximin Grünhaus von der Ruwer auch incl. eigenem roten Faden. Die von Schuberts hatten natürlich Riesling dabei (und einen Weißburgunder). Die klare Linie ist hier in der Schlankheit erkennbar. Insbesondere beim 2014er Herrenberg Riesling Superior wird daraus ein großer Wein, der Kraft, Würze und Frucht bei großer Eleganz kombiniert.
Der 2015er Bruderberg Riesling Kabinett ist dank schlankem Grünhauser Stil daher auch ein echter Kabinett und keine verkappte Spätlese. Schöne Säure und tolle Frucht bei Moseltypischer Würze machen den Wein zu einem Erlebnis.
Alle von Maximin Grünhaus mitgebrachten Weine sind für mich zum Lagern gedacht. Weglegen und in einigen Jahren öffnen lautet hier die Devise. Mehr noch als bei den Kollegen der heutigen Probe und für mich daher auch am schwierigsten einzuschätzen, da die Weine –  allen voran die 2014er Riesling Spätlese aus dem Abtsberg noch nicht einhundertprozentige Harmonie ausstrahlten, sondern in einzelnen Komponenten noch nicht verbunden waren. Ich bin mir sicher, da wird großes draus, aber wann lass ich hier offen.

Die Probe war echt ein „Roter-Faden-Erlebnis“. Drei Winzer mit jeweils absolut klarer Handschrift. Dadurch ziemlich verdient im VDP, wo es auch noch einige Mitglieder gibt, die das Motto von allem was in trocken, halbtrocken und süß fahren und damit nicht wirklich einen roten Faden zeigen.

Achja, am Grill dann noch ein weiterer Faden: ein sehr leckerer roter Faden. 🙂

Abschließend kann ich mich nur bei Kai Schätzel und seinen Gästen für den schönen und eindrucksvollen Nachmittag bedanken.