„Junge Adler“ im Weingut Schätzel, Nierstein am 20.03.2016

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Bei Schätzels wurde dieses Wochenende unter dem Motto „Verkostung, WeinBar, Fest“ die Aufnahme in den VDP gefeiert. Und Kai Schätzel hatte keine Mühen gescheut und gleich zwei weitere VDP Neulinge dazu eingeladen. So konnten vor Ort nicht nur die eigenen Weine, sondern auch die Erzeugnisse des Weingut Rings, Pfalz und Weingut Maximin Grünhaus, Mosel probiert werden. Dazu gab es im Garten eine Weinbar, mit einer schönen Auswahl der drei Winzer und mega leckere und handliche Brötchen mit Käse und Wurst bzw. Fleisch von Jürgen David vom Grill, zubereitet von Fabio Haebel.

Klingt schon am Eingang lecker
Klingt schon am Eingang lecker

Für mich war es das erste mal, dass ich Weine von Maximin Grünhaus und Rings gekostet habe. Kai Schätzels Weine hatte ich bereits bei der Veranstaltung „Vier Winzer für ein Halleluja“ im letzten Dezember kennen gelernt, dennoch gab es auch beim Gastgeber wieder spannendes zu schmecken:
Besonders hervorzuheben waren die Silvanervertikalen, gab es doch 5 Jahrgänge NierStein Silvaner und 3 Jahrgänge NackenHeim Silvaner zu probieren.
Die Nackenheimer sind von 2012-2014 eine Klasse für sich. Aus alten, wurzelechten Reben. Kräuter und Mineralität ohne Ende, dazu einen Hauch Silvanerschmelz, aber nichts fettes. Und eine schöne und angenehme Säure. Für mich ein Silvaneraushängeschild für Rheinhessen. Eigentlich wie Franken Silvanerland, in dem – im Gegensatz zu Franken – guter Silvaner aber meiner Meinung nach ziemlich rar gesät ist.

Viel los bei der Probe
Viel los bei der Probe

Bei den Niersteinern von 2010-2014 zeigen die Jahrgänge eine etwas größere Varianz. Mein absoluter Favorit war der 2011er Niersteiner Hipping Silvaner. Da könnte ich mich reinlegen. Ein bisschen gemüsige Noten, viel überreife gelbe Früchte, erdig und kraftvoll. Aber dennoch, wie bei allen Weinen von Kai Schätzel, keine Alkoholbombe.

Natürlich verdienen auch die Rieslinge Erwähnung. Allen voran die großen Gewächse aus dem Hipping und Pettenthal. Faszinierend bei allen Weinen von Kai Schätzel ist, wie viel Kraft und Mineralität er bei den konsequent niedrig gehaltenen Alkoholwerten erreicht (Riesling 11-12%, Silvaner 12-12,5%).
Das ist ganz stark und zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Kollektion.

Ähnliche rote Fäden waren auch in den Sortimenten der beiden Gäste deutlich zu schmecken. Bei Rings ist es der geringe Restzucker. Auch ihren weißen gönnen die Brüder konsequent sehr wenig Restzucker. Hinzu kommt ein äußerst gradliniger, schlanker und eleganter Stil. Der 2014er Ungsteiner Nussriegel Riesling zeigt das am deutlichsten. Der Buntsandseinboden lässt quasi keine Frucht im Wein und so liegt der Fokus des Weins ganz klar auf der feinen Mineralität bei angenehmer Säure und Kräutrigkeit. Der 2014er Kallstadter Steinacker Riesling ist durch die – die kalkige Mineralität ergänzenden – Fruchtnoten jetzt schon zugänglicher. Beide Lagenrieslinge sind extrem ausbalanciert – Top.
Der Hammer ist das 2014er Große Gewächs Riesling Kallstadter Saumagen, der den Ringsschen Stil auf die Spitze treibt. Extrem dicht und mineralisch, dabei aber dennoch schlank und top ausbalanciert. Gekrönt durch einen wahnsinnig langen Abgang. Wow.

Bei den weißen Burgundersorten besonders hervorzuheben ist der 2014er Kallstadter Steinacker Chardonnay, mit Vanillenoten und nussigem Schmelz. Auch hier alles fein und elegant und sehr trocken.

Die roten 2013er Spätburgunder aus dem Steinacker (EL) und Saumagen (GG) schließen stilistisch nahtlos an: schlank, fast karg, fein aber genauso kraftvoll. Außerdem gekonnter Holzeinsatz.

Ein Hof der einfach zum Feiern gemacht ist
Ein Hof der einfach zum Feiern gemacht ist

Last but not least Maximin Grünhaus von der Ruwer auch incl. eigenem roten Faden. Die von Schuberts hatten natürlich Riesling dabei (und einen Weißburgunder). Die klare Linie ist hier in der Schlankheit erkennbar. Insbesondere beim 2014er Herrenberg Riesling Superior wird daraus ein großer Wein, der Kraft, Würze und Frucht bei großer Eleganz kombiniert.
Der 2015er Bruderberg Riesling Kabinett ist dank schlankem Grünhauser Stil daher auch ein echter Kabinett und keine verkappte Spätlese. Schöne Säure und tolle Frucht bei Moseltypischer Würze machen den Wein zu einem Erlebnis.
Alle von Maximin Grünhaus mitgebrachten Weine sind für mich zum Lagern gedacht. Weglegen und in einigen Jahren öffnen lautet hier die Devise. Mehr noch als bei den Kollegen der heutigen Probe und für mich daher auch am schwierigsten einzuschätzen, da die Weine –  allen voran die 2014er Riesling Spätlese aus dem Abtsberg noch nicht einhundertprozentige Harmonie ausstrahlten, sondern in einzelnen Komponenten noch nicht verbunden waren. Ich bin mir sicher, da wird großes draus, aber wann lass ich hier offen.

Die Probe war echt ein „Roter-Faden-Erlebnis“. Drei Winzer mit jeweils absolut klarer Handschrift. Dadurch ziemlich verdient im VDP, wo es auch noch einige Mitglieder gibt, die das Motto von allem was in trocken, halbtrocken und süß fahren und damit nicht wirklich einen roten Faden zeigen.

Achja, am Grill dann noch ein weiterer Faden: ein sehr leckerer roter Faden. 🙂

Abschließend kann ich mich nur bei Kai Schätzel und seinen Gästen für den schönen und eindrucksvollen Nachmittag bedanken.

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