Der heiße SaarRieslingSommer Teil 1/2

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Am 29. und 30. August fand dieses Jahr der SaarRieslingSommer statt.

Bei dieser Veranstaltung luden 10 Weingüter im schönen Saartal ein, Ihre Weine und die Weine von insgesamt 20 Gastwinzern zu probieren.

Wer den Ehrgeiz besitzt die meisten Weine verkosten zu wollen, der sollte sich schon beide Tage hierfür freihalten.

Wir taten dies glücklicherweise, indem wir in Trier ein Hotel für die Nacht von Samstag auf Sonntag buchten.

Sehr praktisch ist übrigens, dass sich die Anreise an die Saar von Trier aus wirklich einfach gestaltet. Die Saartalbahn hat Bahnhöfe in Kanzem, Wiltingen, Schoden-Ockfen, Saarburg und Serrig und verkehrt im Stundentakt. Alternativ ließ sich aber auch ein Bustransfer von Trier aus buchen.

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Weingut von Othegraven

Sämtliche Weingüter waren zudem durch einen von den Winzern organisierten Bustransfer (VW-Busse) untereinander verbunden. Diesen Service nutzten wir am Samstag. Die Busse verkehrten teilweise im 10 Minuten-Takt, sodass keine langen Wartezeiten entstanden. – Super!

Wir starteten in Kanzem, wo das Weingut von Othegraven nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt liegt. Günter Jauch, der das Weingut aus dem Familienkreis vor einiger Zeit erworben hatte, schien sich wohl zu fühlen in der Rolle des Gastgebers und begrüßte möglichst viele Gäste persönlich.

Von den ausgeschenkten Weinen blieb der 2014er Kanzemer Riesling und der 2014er Altenberg GG Riesling bei den trockenen Weinen und der 2014er Alltenberg Riesling Auslese fruchtig besonders in Erinnerung.

Der erste Gastwinzer, das Weingut van Volxem zeigte eine kompromisslos straighte Kollektion, die mich aber bis auf den 2009er Brut 1900 Riesling Sekt eher ratlos zurücklies.

Beim zweiten Gastwinzer Friedrich Becker aus der Pfalz habe ich drei Spätburgunder verkostet (2011er Schweigen Spätburgunder, 2011er Rechtenbacher Spätburgunder und 2011er Herrenwinger Spätburgunder), die allesamt in ihren Kategorien hervorragend waren. Mir persönlich kommt hier der eher warme pfälzische Stil sehr entgegen.

Der wunderbare Garten
von Othegraven: Der wunderbare Garten
von Othegraven: Im Hof
von Othegraven: Im Hof
Der Kanzemer Altenberg
Der Kanzemer Altenberg
Die alte Saar auf der Kanzemer Brücke
Die alte Saar auf der Kanzemer Brücke

Der Weg führte uns fußläufig über den Altarm der Saar herüber auf die Saarinsel in den Kanzemer Ort zum Weingut J. P. Mertes.

Hier verkosteten einen hervorragenden trockenen Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese – Alte Reben aus den Jahrgängen 2013 und 2014.

Danach ging es weiter nach Wiltingen zu den Bischöflichen Weingütern Trier.

Der Scharzhofberg
Der Scharzhofberg

Direkt am Fuß des Scharzhofbergs liegt das herrschaftliche Anwesen. Nachdem die Bischöfflichen das Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium erworben haben, ist die Auswahl dort besonders groß. Mir gefiel besonders gut der 2014er Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese trocken – der Altenberg scheint meine Lage zu sein. Als Gastwinzer war hier unter anderem das Weingut Herrenberg dabei. Hier stach der hervorragende 2014 Wiltinger Schlangengraben Riesling „Alte Reben“ hervor. Das Weingut Ziereisen war mit guten Spätburgundern zu Gast, die für mich aber im Regelfall stilistisch etwas kräftiger ausfallen könnten.

An der nächsten Station der Reise gab es dann wahrlich viel zu verkosten. Das Weingut von Hövel hatte illustre Gäste in seinen schönen Dreiseithof geladen.

Doch zuerst zum Gastgeber: Bei von Hövel war es schön, dass nicht nur 2014er Weine auf der Verkostungsliste standen. der schon etwas reifere 2012er Hütte Oberemmel GG Riesling trocken mit seiner tollen Mineralität und der individuelle, erdig vollmundige 2013er Hörecker Kanzem GL Riesling feinherb waren hervorragend, auch der 2012er Scharzhofberg GL Riesling feinherb hat uns gut geschmeckt.

Bischöfliche Weingüter Trier
Bischöfliche Weingüter Trier

Als ersten Gastwinzer probierten wir beim Weingut Reichsgraf von Kesselstatt. Das war im nachhinein zudem noch sehr praktisch, da wir des Abends noch in deren Weinstube am Trierer Dom speisten und so wussten, welche Flasche wir dort ordern mussten. Gut gefallen hat mir sowohl der 2011er Scharzhofberger GG Riesling, als auch der schöne 2014er Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, mit seiner schönen Frucht und großem Zug. (der war es dann auch für den heißen Abend in Trier – ideal auch wegen der nur 9,5% Alkohol). Schließlich ließ die sehr nette Dame am Stand uns noch eine 2006er Scharzhofberger Spätlese fruchtig verkosten, die ganz klar zeigt, dass inbesondere im süßeren Kabinett und Spätlesebereich eine lange Liegezeit von großem Vorteil ist – der Wein war zupackend und fast jugendlich.

 

Besonders gefreut haben wir uns auf die Weine von Joh. Jos. Prüm – kurz Jay Jay, der den klassisch fruchtigen Moselstil wie kein zweiter beherrscht.

2012er Graacher Himmerleich Riesling Spätlese

2009er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese

2007er Bernkasteler Badstube Riesling Auslese

2003er Wehlener Sonnenuhr Auslese

Das ist bei all diesen Weinen einfach großes Kino – ohne Worte!

Beim Weingut Salwey aus Baden konnten wir dann wieder was rotes kosten. Die viel zu jungen 2013er Spätburgunder Henkenberg GG und 2013er Spätburgunder Eichberg GG müssen noch einige Jahre liegen, zeigen aber schon jetzt ihr Potential. Bei Salwey wird wieder ein eher kühler Stil gepflegt, der aber trotzdem fest und voll daherkommt.

Und noch einen weitern Gast haben wir bei von Hövel verkostet. Das Weingut Clüsserath-Weiler. Hier stachen der 2014er Alte Reben Riesling Trittenheimer Apothekte trocken und der 2014er Trittenheimer Apotheke Riesling feinherb besonders heraus.

Mittlerweile war es schon spät geworden an diesem Nachmittag und wir mussten weiter nach Ockfen zum Weingut Dr. Fischer.

Mitten im Ockfener Ort liegt dieses Weingut. Die Weine des Gastgebers haben uns hier leider nicht so gefallen. Das Gastweingut Nik Weis St. Urbanshof hatte aber tolle fruchtige Wine dabei. Sowohl der 2013er Saarfeilser Schoden Spätlese als auch der 2012 Bockstein Ockfen Auslese gefielen gut.

Der zweite Gast – Markus Molitor versprach viel, verwirrte dann aber. Bis auf den bereits im heimischen Keller befindlichen 2011 Alte Reben Mosel gefielen uns die trocken Weine leider nicht so gut. Ob es an deren Jugendlichkeit, den vielen verkosteten Weinen zuvor oder an den Weinen selbst lag, ist allerdings schwer zu erkennen. Die 2003er und 2009er Niedermenniger Herrenberg Spätlese, sowie die 2007er Niedermenniger Herrenberg Auslese ** waren gut, Highlight war die 2012er Ockfener Bockstein Auslese **.

Hui – jetzt war es Zeit geworden, den Bus zur letzten Station des Tages zu nehmen. Das Weingut Dr. Wagner in Saarburg.

Das Weingut liegt herrlich. Ein altes Haus auf einem baumbewachsenen großen Grundstück mit Tiergehege, aber dennoch direkt am Bahnhof Saarburg. Wunderschön.

Genau wie die Weine. Sie sind recht säurebetont, von daher entsprechen Sie im trockenen Bereich nicht meinem Geschmack, werden aber dafür im fruchtigen Kabinett, Spätlese und Auslesebereich super. Extrem trinkig einfach – für mich eine tolle Interpretation des Mosel-Saar-Ruwer Stils. Probiert und für gut befunden haben wir den 2014er Ockfener Bockstein Kabinett, die Ockfener Bockstein Spätlesen aus 2013 und 2014, die Ockfener Bockstein Auslesen aus 2014 und insbesondere 2009 (jetzt trinkreif – kaufen!) und die Auslesen aus dem Saarburger Rausch von 2012 – „normal“ und „***“ – wobei der „***“ galaktisch ist und eine tolle Ausgewogenheit von Kraft und Stärke aber auch Trinkigkeit besitzt und damit keinesfalls ermüdet – quasi zum Schluss die Entdeckung des Tages.

In Teil II mehr zum zweiten Tag an der Saar.

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