Mythos Mosel – eine (kurze) Rieslingreise am 11.06.2016

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Es hätte so schön werden sollen. Wir hatten 2 Nächte bei Markus Reis im Zeltinger Hof gebucht, hätten also quasi Tür an Tür mit Günter Jauch, einem Jungwinzer an der Saar genächtigt, der seine Weine anlässlich von Mythos Mosel persönlich vorstellen wollte.

Freitag abend hätten wir vor Ort lecker gegessen und den einen oder anderen Wein der gigantischen Reisschen Weinkarte vernichtet. Dann hätten wir Samstag den ersten Teil von Mythos Mosel bequem per Buspendel erobert und hätten Sonntag den zweiten Teil bzw. die „Nachprobe“ per Auto erfahren. Doch manchmal kommt es anders, weil meine bessere Hälfte krankheitsbedingt leider nicht reisefähig war.

Da wir die Karten für die Veranstaltung schon erworben hatten, bin ich wenigstens zu einem Tagesausflug am 11. Juni an die Mosel aufgebrochen. Einen Vorteil hatte das Ganze. Es war konsequentes Spucken angesagt, das hält die Sinne frisch und gaukelt Professionalität vor.

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Die Lage Pündericher Marienburg

Mein erstes Ziel war Pünderich. Ich musste unbedingt zu Clemens Busch. Auf seiner Jahrgangsverkostung im letzten Jahr hatte ich seine Weine das erste Mal kennen gelernt. Und so fand ich es wichtig zu überprüfen, wie sich die 2014er entwickelt hatten. Und die ca. 8 Monate auf der Flasche hatten den Weinen tatsächlich gut getan. Der 2014er Riesling „vom roten Schiefer“ war mittlerweile deutlich ruhiger und runder geworden. Der 2013er Riesling „vom blauen Schiefer“ zeigte sich entsprechend noch entspannter, fast kalkig mineralisch mit feiner Frucht. Bei den großen Gewächsen merkte man den Unterschied noch deutlicher. Hier war ich direkt skeptisch auf der Jahrgangsverkostung. So verschlossen und verkopft empfand ich die 2014er dort. Heute zeigte sich, dass das eher an meiner mangelnden Erfahrung als an den Weinen lag. Der 2014er Pündericher Marienburg Riesling GG zeigte sich sehr würzig und kraftvoll, extrem mineralisch. Aber die Komponten fangen an, langsam zusammen zu wachsen. Genau wie beim 2014er Pündericher Marienburg „Fahrlay-Terassen“ Riesling GG, der aber noch mehr Zeit brauchen wird, wieder Marienburg.

Wo die Reise hingeht (und da lohnt es sich drauf zu warten) zeigte dann der 2011er Pündericher Marienburg „Falkenlay“ Riesling GG. Sehr gewürzig, kräutrig, mit reifen, kandierten Fruchtnoten, erdiger Mineralik, leichter Extraktsüße kommt er daher, das ganze aber sehr rund verpackt und immer noch jung. Das ist großes Riesling-Kino.

Gast vor Ort war das Weingut Heymann-Löwenstein aus Winningen. Stilistisch ist eine gewisse Verwandtschaft mit Clemens Busch zu erkennen. Dennoch bieten die Winninger Lagen Einzigartiges, und Reinhard Löwenstein schafft es, den Boden in Flaschen abzufüllen.

Der 2014er Riesling „Schieferterassen“ ist dabei ein guter Einstieg. Kühl und – man glaubt es kaum 🙂 – schiefrig präsentiert sich der Wein. Beim 2014er Riesling „von blauem Schiefer“ glaubt man die Farbe schmecken zu können. Kalt, steinig, mit kräftiger Säure will er die Kehle hinunter.

Die großen Gewächse sind dann in der Probierliste nach Kraft und Würze geordnet. Es fängt eher fein und sehr elegant mit dem 2014er Hatzenporter Stolzenberg Riesling GG mit feiner gelber Frucht und Kräutern an. Beim 2014er Winninger Uhlen Laubauch Riesling GG kann man die würzige Kraft schon deutlich riechen. Schiefer und Kräuter, davon tanzt jede Menge auf der Zunge, ergänzt durch viele weitere Aromanuancen. Das braucht noch eine Weile, damit sich die vielen Komponenten ideal verbinden. Umso mehr gilt das für den noch kraftvolleren 2014er Winninger Uhlen Roth Lay Riesling GG. Klasse – mein Keller ist zu klein!

Ebenfalls Gast in Pünderich war das Weingut S.A. Prüm aus Bernkastel Wehlen. Nach den beiden vorher gekosteten Gütern endlich der erste Moselklassiker – und zwar auf hohem Niveau. Toll auch, dass in der Preisliste des Weinguts noch viele ältere Jahrgänge stehen. Schön für den Kunden mit kleinem Keller!

So habe ich hier den ersten richtigen fruchtsüßen Moselkabinett des Tages gehabt. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett fruchtsüß bleibt leicht, ist sehr trinking und bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Frucht und Mineralität. So sollte das aus meiner Sicht sein. Andere Kollegen haben das in 2015 leider nicht ganz so gut hinbekommen, da gehen viele Kabinette geschmacklich deutlich in Richtung Spätlese und sind nicht mehr leicht genug.

Der ebenfalls präsentierte gereifte 2008er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett fruchtsüß zeigt dann, welches Reifepotential auch ein Kabinett hat. Einen Hauch mehr Säure könnte der Wein haben, ansonsten passt auch hier die feine gelbe Frucht und die ordentliche aber nicht erschlagende Mineralität.

Bei den Großen Gewächsen präsentiert S.A. Prüm den 2012er Bernkasteler Lay „Grand Ley“ Riesling GG. Der Wein ist – selten an der Mosel – ziemlich trocken, und damit sehr elegant, hat trotzdem viel Kraft und Würze und nur wenig Fruchtnoten. Das ist ein Wow-Riesling.

Der 2013er Wehlener Sonnenuhr „Alte Reben“ Riesling GG steht dann auf der ganz anderen Seite. Ganz klassischer Moselstil. Es wird recht dick aufgetragen. Überschaubare Säure, Restzucker am oberen Rand, sehr würzig und kraftvoll. Ich mag das gern, auch wenn das die Freunde moderner leichterer Weine vielleicht nicht so erfreut. Es ist quasi ein Winterriesling für das noch nicht vorhandene Kaminzimmer.

Der letzte Gast war dann das Weingut Carl Loewen. Gern hätte ich auch hier probiert, doch war der Stand bei mehreren Versuchen stets voll belagert und ich hatte ja noch einiges vor.

 

Also fuhr ich weiter nach Reil. Zunächst zum Weingut Melsheimer. Das biologisch arbeitende Weingut hat einen schönen Hof mitten in Reil. Der Gastgeber hatte einen spannenden Naturwein am Start. Der 2014er „Vade Retro“ Landwein ist goldgelb im Glas, sodass ich auf Maischevergärung tippte. Das war aber nicht der Fall. Der Riesling ist lediglich unfiltriert, ungepumpt und ungeschwefelt und bekommt die Farbe durch Oxidation. Dennoch ist der Wein keinesfalls geprägt von flüchtiger Säure und nicht dem Essig näher als dem Wein. Aufgrund der besonderen Aromatik ist er in vielen Fällen dem „normalen“ Riesling als Essenbegleiter vielleicht sogar überlegen.

Gast bei Melsheimer war das Weingut Kerpen aus Bernkastel-Wehlen. Das Weingut hatte ich früher im Jahr direkt vor Ort kennengelernt und damals das eine oder andere für den Keller mitgenommen. Der trockene 2015er Blauschiefer Riesling ist eine säurebetonte zischige Angelegenheit – schön für den Sommer. Die 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken ist kraftvoller und würzig mineralischer und will noch etwas liegen.

Die restsüßen Weine waren erste Sahne. Der 2015er Graacher Himmelreich Riesling Kabinett feinherb ist vielleicht einen Tick zu kraftvoll, hat aber ebenfalls eine schöne Säure und braucht bestimmt noch etwas Entwicklungszeit um seine Qualität voll zu entfalten. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr „Alte Reben“ Riesling feinherb wirkt heute schon runder. Die typische Würze und Kraft ist für eine Spätlese angemessen, die Säure angenehm eingebunden.

Die fruchtsüße 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese ist dann gefühlt wieder jünger und muss definitiv noch liegen. Tolle Säure und dichte Würze – der Wein wird lange Spaß machen. Die schöne fruchtsüße 2007er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese zeigt dann das Reifepotential. Ein Rieslingtraum – und immer noch jung aber dafür noch ab Weingut zu haben – vorbildlich!

Das Weingut Peter Lauer aus Ayl war ebenfalls Gast in Reil. Kennen lernte ich das Weingut beim letztjährigen SaarRieslingSommer. Damals beschrieb ich die Stilistik wie folgt: „Seine Weine hatten einen ganz eigenen, erdigen, kräftigen Stil.“ Dazu stehe ich heute noch. So richtig werde ich nicht warm mit seinen Weinen – vielleicht fehlt aber auch hier einfach die Erfahrung. Heraus stachen der 2015er faß 9 „Kern“ Riesling feinherb und die schöne 2015er Ayler Kupp Riesling Spätlese (Versteigerungswein).

 

Den nächsten Stopp erreichte ich schon nach kurzem Fußweg beim Weingut Julius Treis. Die anwesenden Weingüter hatten sich hier etwas Besonderes ausgedacht und eine Raritätenprobe zusammengestellt. So etwas finde immer saustark. Wunderbar, wenn man feststellen darf, dass auch ein 1986er Zeltinger Himmelreich Riesling Kabinett noch köstlich sein kann.

Quasi als Bonus: Eine schöne Raritätenprobe im Weingut Julius Treis
Quasi als Bonus: Eine schöne Raritätenprobe im Weingut Julius Treis

Der Wein wurde vom Gastbetrieb Selbach-Oster aus Zeltingen gestellt. Den einen oder anderen Wein des Guts hatten wir schon im Zeltinger Hof getrunken. Bei der aktuellen Präsentation haben mir die trockenen und die restsüßen Weine sehr gut gefallen. Angefangen beim mineralischen und trinkigen 2015er Zeltinger Riesling Kabinett über den 2015er Zeltinger Schlossberg „Bömer“ Riesling trocken, der noch sehr jugendlich aber würzig und kraftvoll ist, zu den sehr schönen restsüßen Weinen: der 2015er Selbach-Oster Riesling Kabinett ist ein toller und typischer Vertreter der Kategorie und aus meiner Sicht ein echter Kauftipp, die 2015er Graacher Domprobst Riesling Spätlese „Alte Reben“ feinherb ist in Nase und Mund sehr würzig und mineralisch, die 2015er Bernkasteler Badstube Riesling Auslese ist noch für Jahre wegzulegen, wenn die Flasche vor Kraft vorher nicht platzt und die 2010er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese ist schlicht und einfach umwerfend und ist erst frisch in den Verkauf gekommen – sehr vorbildlich.

Ein weitere Gast bei Treis war das Weingut von Hövel aus Oberemmel. Gut gefielen mir hier die fruchtsüßen Weine, auch wenn der 2015er Saar Riesling Kabinett und der 2015er Hütte Oberemmel Riesling Kabinett fast zu viel Power hatten. Gut passte die Power des Jahrgangs dann in den 2015er Hütte Oberemmel Riesling Spätlese und den 2015er Scharzhofberger Riesling Auslese ***. Alle Weine des Weinguts zeichneten sich aber durch die schöne Säure aus – ein Aushängeschild der Saar.

 

Weiter ging die Tour nach Enkirch – zunächst zum Weingut Immich-Batterieberg. Beim Gastgeber gab es eine ziemliche Überraschung. Alles trocken, alles fast ohne Primärfruchtnoten und alles eine ganz straighte Stilistik. Das finde ich klasse, weil es zeigt, dass der Winzer die Weine genau so macht, wie es ihm gefällt und nicht für jeden alles bieten will. Die Qualität ist von Beginn an hoch, für mich persönlich begann der Spaß der Stilistik aber erst bei den Großen Lagen: Der 2014er Enkircher Ellerberg Riesling und der 2013er Enkircher Batterieberg Riesling boten Mineralität pur. Quasi zum kauen. Stark!

Vor Ort war auch der Mosel-Platzhirsch Markus Molitor. Auf dem letztjährigen SaarRieslingSommer kam ich mit der dortigen Weinauswahl nicht so ganz klar. Heute war das anders. Egal ob die trockene 2011er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese, der feinherbe 2015er Bernkasteler Badstube Riesling Kabinett oder die fruchtsüße 2014er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese. Alle hervorragende Vertreter des Molitor-Stils. Denn auch Molitor ist da unverkennbar. Er produziert unaufgeregte, warme in sich ruhende Weine, die die wichtigsten Moselattribute optimal vereinen: Süße, Säure, Mineralität und Würze. Und dass ohne, dass sich eine der Komponenten in den Vordergrund spielt oder gar „trink mich“ schreit. Wie gut das dann gereift aussieht zeigten dann eindrucksvoll die feinherbe 2007er Wehlener Klosterberg Riesling Spätlese und die fruchtsüße 2005er Wehlener Klosterberg Riesling Auslese ** (zu jung). Platzhirsch – ganz zu recht.

 

Der Hof des Weinguts Caspari-Kappel
Der Hof des Weinguts Caspari-Kappel

Bei der nächsten Station, dem Weingut Caspari-Kappel, etwas weiter im Ort wollte ich unbedingt die Weine des Gastwinzers Stephan Steinmetz aus Wehr kosten, dessen Weingut schon deutlich südlich von Trier nicht mehr im Bereich des Rieslingeldorados liegt. Stephan Steinmetz lässt daher den Riesling auch konsequent links liegen und hat die Muschelkalkböden mit dem heimischen Elbling und Burgundersorten bestockt. Spannend und überraschen fällt dann auch schon der 2015er Elbling aus. Die kalkige Mineralität hätte ich nicht erwartet. Ein großes Gewächs ist es nicht aber frisch, leicht und eben spannend genug, um einen warmen Abend wunderbar zu begleiten. Bei den Burgundersorten geht das gleich so weiter: Sowohl der 2015er Weißburgunder, der 2015er Auxerrois und der 2015er Grauburgunder sind mit einer tollen kalkigen Mineralität ausgestattet. Der Weißburgunder ist dabei zart genug und hat eine schöne Säure, die die Leichtigkeit betont. Der Auxerrois dagegen ist würzig und kraftvoll, die erdigen Noten werden betont, dennoch ist er nicht fett. Auch der Grauburgunder ist da eine Überraschung, kein Gramm fett aber dennoch ausreichend Kraft aus kalkiger, fast salziger Mineralität.

Der Knaller sind dann aber die Crémants. Da kann blind gekauft werden, insbesondere zu den Preisen. Alle schön feinperlig, leicht hefig, würzig, eher warm. Verkostet konnte ich den Elbling Crémant brut, den Crémant RosaRot brut (Spätburgunder) und den Liaison Crémant brut (Weißburgunder/Spätburgunder).

Beim Weingut Fritz Haag aus Brauneberg konnte ich dann ebenfalls hervorragende 2015er Weine probieren. Allesamt schon recht trinkbereit, gefielen mir die in sich ruhenden fruchtsüßen Weine am Besten. Der frische 2015er Brauneberger Riesling Kabinett, die 2015er Brauneberger Juffer Riesling Spätlese mit schöner Frucht und tollem Süße-/Säurespiel und die kraftvolle 2015er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese. Das Weingut hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, das muss sich ändern.

 

Im herrschaftlichen Park der Villa Huesgen
Im herrschaftlichen Park der Villa Huesgen

Die Rieslingreise führte mich dann weiter nach Traben-Trarbach zum Weingut Villa Huesgen. Das Weingut liegt in einem Wahnsinnsanwesen mit imposanter Jugendstilvilla und großem Park. Gastweingut van Volxem aus Wiltingen zeigte eindrucksvoll wie Saar geht. Roman Niewodniczanski treibt Jahr für Jahr konsequenter seine Vision voran, die Saarweine wieder dahin zu bringen, wo sie vor 100 Jahren einmal waren. Alle mitgebrachten Weine zeigen große Eleganz und feine Mineralität. Am besten gefielen mir der 2015er Rotschiefer Riesling Kabinett und der 2015er Wawerner Ritterpfad Riesling Kabinett Große Lage, beide echte feinwürzige und leichte Kabinette. Herrlich.

Hervorragend auch die Weine vom Weingut St. Urbanshof Oekonomierat Nik. Weis aus Leiwen. Herausragend der 2015er Mehringer „Alte Reben“ Riesling – einer meiner Weine des Tages. Sehr würzig und kraftvoll und schon offen wie ein Scheunentor – Kaufen, sobald im Handel!! Aber auch der kühlere 2015er Wiltinger „Alte Reben“ Riesling ist dank der schönen Säure extrem trinkig. Die Großen Lagen 2015er Saarfeilser Riesling, 2015er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett, 2015er Piesporter Goldtröpfchen Riesling Spätlese und 2007er Leiwener Laurentiuslay Riesling Spätlese sind noch etwas verschlossener zeigen aber ebenfalls großes Potential.

Das Weingut Wwe. Dr. Thanisch Erben Müller-Burggraef hatte eine schöne 2014er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken am Start (so häufig, wie ich das heute schon geschrieben habe muss das eine meiner Lieblingslagen sein). Der fruchtsüße 2015er Bernkasteler Doctor Riesling Kabinett ist wieder ein erstklassig frischer und bereits schön trinkiger Moselkabinett. Die 2015er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese fruchtsüß strotzt vor Kraft und hat aber auch ordentliche Säure. Ganz fein dann natürlich die gereifte 2006er Bernkasteler Doctor Riesling Auslese.

Der Tag neigte sich langsam und es ging weiter nach Kröv zum Weingut Hüls. Der Gastgeber überraschte mit einem schönen sehr würzigen und tiefen 2014er Spätburgunder.

Ein Gastweingut hier war das Weingut Studert-Prüm Maximinhof aus Bernkastel-Wehlen. Kraft ohne Ende steckt hier in den 2015er Weinen. Das geht schon los bei der 2015er Wehlener Sonnenuhr Spätlese trocken, setzt sich bei den restsüßen aber nahtlos fort. Beim 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett feinherb ist das vielleicht etwas viel, bei der 2015er Bernkasteler Graben Riesling Spätlese feinherb passt das sehr gut. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr Kabinett fruchtsüß verpackt die Kraft in etwas mehr Zucker und wird so in Kombination mit feiner Säure sehr zischig. Die 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese und 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese ** sind stark, müssen aber noch liegen, liegen, liegen.

 

Ein wenig Zeit war nun noch für einen weiteren Zwischenstop ebenfalls bei Michael Trossen, ebenfalls in Kröv. Hier lernte ich das Weingut Freiherr von Heddesdorff aus Winningen kennen. Weine aus Winningen kannte ich bisher nur von Heymann-Löwenstein. Auch die Weine von Freiherr von Heddesdorff zeigen deutlich die Vorzüge des Uhlen und des Röttgen, sind aber nicht so abgefahren auf die Spitze getrieben wie die von Heymann-Löwenstein. Dafür aber schon jetzt als 2015er offener als die 2015er des Kollegen in zwei Jahren. Besonders gefielen der 2015er Winninger Uhlen Riesling Kabinett trocken, der 2015er Zehn Terrassen Winninger Uhlen Riesling trocken und die fruchtsüße 2015er Winninger Röttgen Riesling Spätlese.

Ein schöner Abschluss für diese kurze Moselreise.

Mein Fazit:

2015 geht einiges an der Mosel. Kraft und Säure sind die bestimmenden Faktoren. Für Kabinette vielleicht nicht ganz ideal, aber für dichte trockene Weine und würzige Spät- und Auslesen perfekt geeignet. Schade, dass so ein Tag so kurz ist. Die Veranstaltung selbst ist klasse und muss unbedingt so in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Ich finde es toll, sich einen Überblick über ein ganzes Weinbaugebiet an einem Wochenende schaffen zu können. Verbesserungspotential besteht aber bei den Listen der zu verkostenden Weine. An den meisten Stationen gab es Listen, an einigen leider nicht. Schön wäre, wenn die Listen mit Platz (Linien) für Notizen und z.B. dem Preis des Weins versehen wären. Aber ein bisschen Potential muss immer sein.

Ich danke allen Beteiligten Winzern und Organisatoren für den schönen Tag!

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