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SaarRieslingSommer 2017 Teil 2

Fortsetzung von Teil 1:

Ebenfalls überrascht haben mich die Weine, die Dr. Loosen aus Bernkastel als Gast im Weingut Piedmont dabei hatte. Bei Dr. Loosen hatte ich in der Vergangenheit häufiger meine Probleme bei der Einschätzung verkosteter Weine. Bringen Sie doch häufig eine sehr erdige, spezielle Würze mit, die mir oft nicht so zusagt. Diesmal wurde ein 2014er Bernkasteler Lay Riesling GG ausgeschenkt, der sehr elegant und feingliedrig und kräuterwürzig daherkommt – überraschend, wie schön 2014 hier ist. Der 2015er Graacher Domprobst Riesling GG ist dann ein richtiger Knaller. Tief, dunkel mineralisch, etwas erdig, dicht, kraftvoll aber kompakt. Ein Musterbeispiel für ein Mosel GG.

Aber auch die gezeigten 2016 konnten überzeugen. Im trockenen Bereich insbesondere der 2016er Blauschiefer Riesling und im feinherben Bereich der 2016er Grauschiefer Riesling, die viel Wein für kleines Geld bieten. So gehen Einstiegsweine!

 

In Filzen war auch das Weingut Reverchon Gastgeber. Hier konnte eine sehr schlüssige Kollektion verkostet werden. Der Schwerpunkt liegt hier auf der klaren Rieslingfrucht. Die Weine sind nicht verspielt und nicht verkopft, dabei aber wunderbar straight und trinkig und bieten Spaß für kleines Geld. Herausheben möchte ich den strahlenden 2016er Saar Riesling trocken und den 2016er Filzener Herrenberg Riesling Alte Reben trocken – einen kraftvollen aber auch eher frucht- als würzebetonten Vertreter.

 

Gelungener erster Jahrgang bei Cantzheim

Cantzheim – ein wunderbares Anwesen am Fuß des Altenbergs

In Kanzem gibt es seit diesem Jahr mit dem Weingut Cantzheim einen dritten Gastgeber. Für ein Erstlingswerk ist der 2016er Jahrgang sehr gut gelungen. Heraus sticht ein schöner 2016er „der Kabinett“ Riesling und eine 2016er Saarburger Fuchs Riesling Auslese. Beide Weine frisch, schlank und typisch saarmineralisch. Fein! Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren noch viel aus Cantzheim hören werden.

Zu Gast war Stephan Steinmetz von der Obermosel.

Die Obermosel ist geologisch ein Teil des Pariser Beckens. Damit dominiert hier der Muschelkalk und nicht der Schiefer und das Gebiet liegt quasi näher an der Champagne als an Bernkastel oder Wiltingen. Daher werden bei Stephan Steinmetz auch Burgundersorten angebaut und kein Riesling.

Letztes Jahr bei Mythos Mosel hatte ich zum ersten Mal seine Weine im Glas. Preislich liegt liegen die Weine deutlich unter 10 EUR. Und dafür wird viel geboten. Ob Elbling, Weißburgunder, Auxerrois oder Grauburgunder. Alle Weine haben ein schönes Gerüst, was wahrscheinlich auch aus einer langen Lagerung auf der Hefe resultiert. Dadurch entstehen feine, aber eben strukturierte, fast kalkige Weine, die Spaß machen. Besonders stark sind seine Crémants. Allen voran der Crémant Rosarot Brut. Ich habe noch keinen Sekt/Crémant getrunken, der ein besseres PGV bietet (12,50 EUR).

Der Dritte im Bunde bei Cantzheim war Daniel Twardowski aus Neumagen-Drohn. Spätburgunder-Winzer. Ausschließlich!

Und was für einer. Der 2014er Pinot Noix Ardoise ist noch am Anfang seiner Entwicklung und noch etwas grün hinter den Ohren. Der 2013er Pinot Noix Ardoise öffnet sich dagegen langsam. Straff, schlank und mit viel Grip kommt der Wein daher. Dennoch kein ganz kalter, karger Vertreter. Dazu eine ganz komplexe Würze von Pfeffer bis Schokolade. Wunderbar!

 

Der Weg zum Nachbarn war dann kurz. Von Othegraven. 2015 auf ganzer Linie einer meiner Lieblinge. 2016 bei den trockenen GGs einfach noch nicht einzuschätzen. Ich gehe schon davon aus, dass mit einigen Monaten Flaschenreife alles zusammenwächst – Kellermeister Andreas Barth sollte hier genug Erfahrung haben, aus 2016 etwas feines zu zaubern. Aber für eine konkrete Einschätzung ist es für mich gerade einfach zu früh. Dafür rufe ich gern das zweite Othegraven-Kabinettjahr in Folge aus. Ob 2016er Wiltinger Kupp Riesling Kabinett, 2016er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett (verkostet bei K&M Gutsweine, Frankfurt), 2016er Wawerner Herrenberger Riesling Kabinett oder 2016er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett – alle zeichnen sich durch schöne Würze und Frucht aus. Der schon sehr offene Altenberg ist mein persönlicher Favorit, der Bockstein ist der würzigste, die Kupp der schlankeste und straighteste. Kaufen nach persönlicher Vorliebe… Super!

Schön auch die feinen Spätlesen aus dem Altenberg. Die feine 2016er Altenberg Riesling Spätlese wird nochmal durch die 2016er Altenberg Riesling Spätlese Alte Reben getoppt, die eine wunderbare Würze und ein tolles Kraft-/Eleganzverhältnis hat.

 

Unter den Gästen von Günter Jauch dann die nächste Überraschung:

Mit van Volxem bin ich in den letzten Jahren ebenfalls nicht gut klar gekommen. Sie zeigten zwar stets eine gewisse Spannung, wurden ihrem Ruf aber für mich nie gerecht und wirkten oft unfertig und ruppig.

2016 ist das anders. Mir gefielen alle 5 angestellten Weine sehr gut. Besonders empfehlenswert der 2016er Wiltigner Riesling trocken, der 2016er Rotschiefer Riesling Kabinett und der 2016er Wawerner Ritterpfad Riesling Kabinett.

 

Volles Haus bei Maximilian von Kunow

Die größte Station war wieder im Hause von Hövel. Maximilian von Kunow hatte 6 Gäste nach Oberemmel eingeladen.

Beim Gastgeber gefielen mir die restsüßen 2016er Weine am besten.

Der 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Kabinett hat eine spannende Aromatik mit viel Birne, der 2016er Scharzhofberger Kabinett ist fein und eher fruchtig. An der Spitze steht zurecht der „neue“ Spitzenkabinett 2016er Saar Riesling „S“ Kabinett.

Aber auch die 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Spätlese macht eine sehr gute Figur.

 

Julian Treis und Ivan Giovanett stellten am Stand des Weinguts Treis auch ihr Projekt Sorentberg vor. 2012 rekultivierten Sie den Weinberg Reiler Sorentberg in einem Seitental der Mosel nach 25 Jahren Brache. Hierbei wurden auch etwa 1000 verwilderte wurzelechte alte Reben wieder nutzbar gemacht. Hieraus entsteht das Flagschiff 2015er Riesling „von 1000 alten Reben“. Ein langes Hefelager und die Spontangärung im Moselfuder sorgt hier für einen wunderbar komplexen Wein, der sicher zur Spitzengruppe der Mosel im niedrigen feinherben Bereich gehört. Aber auch der 2016er Riesling Rotschiefer aus 2012 neu gepflanzten Reben zeigt, wie viel Leidenschaft die beiden in das Projekt stecken.

 

In einer ganz eigenen Liga spielen dann mal wieder die Weine von Joh. Jos. Prüm aus Wehlen.

Prüm – setzt Maßstäbe wie immer!

Mit dem 2016er Graacher Himmelreich Kabinett zeigt das Weingut einen ziemlich unfertigen Wein, der aber beste Anlagen hat, ein sehr guter Prüm zu werden. Die 2014er Bernkasteler Badstube Riesling Spätlese ist jahrgangsbedingt schön schlank, und bringt eine feinere Würze mit sich als die Graacher oder Wehlener Rieslinge.

Die 2012er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese ist ein typischer Prüm mit Spontinase, toller Würze und dieser unglaublich feinen Abstimmung zwischen Säure und Süße, Kraft und Eleganz.

Auch zur Einstimmung am Vorabend im Weinhaus Trier perfekt.

Die 2009er Graacher Himmelreich Riesling Auslese kommt aus einem eher warmen Jahr. Man könnte jetzt hier Opulenz, fehlende Frische, ggf. schon vorzeitige Alterung erwarten, aber nein hier definitiv nicht. Der Wein ist frisch, balanciert und nur ein wenig kraftvoller als vergleichbare Prüm-Spätlesen aus anderen Jahren. Das gleiche galt übrigens auch für die 2009er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese, die wir am Freitag zur Einstimmung im Weinhaus Trier genossen.

 

Ein bisschen aus dem Riesling-Rahmen fiel dann das Weingut Salwey aus Baden.

Endlich hatte ich mal Zeit, zumindest die Weißweine in Ruhe zu verkosten. Mir gefallen die Weiß- und Grauburgunder von Salwey sehr. Die Reserve-Ortsweine 2015er Oberrotweiler Weißburgunder RS trocken und der 2015er Oberrotweiler Grauburgunder RS trocken sind beide trotz des warmen Jahrgangs nicht zu dick sondern bieten Trinkfluss und Frische. Der Grauburgunder hat hier fast noch die Nase vorn.

Beim 2014er Oberrotweiler Henkenberg Weißburgunder GG und dem 2014er Oberrotweiler Henkenberg Grauburgunder GG setzt sich das mit etwas mehr Extrakt und Fülle so fort. Die Weine sind zudem mit 0,1 g Restzucker komplett durchgegoren. So stelle ich mir den Prototyp badischen Burgunders vor.

Maximin Grünhaus – Eleganz pur

Schloss Saarstein – hoch über dem Saartal

Zu Gast im Weingut Schloss Saarstein war Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert. Ausführlich kennengelernt habe ich das Weingut mit dem schwierigen 2014er Jahrgang. Das war damals schon großartig, war in der Kollektion doch eine derart dicke rote Linie von unaufgeregter Eleganz, die so nur selten zu finden ist.

Bei den am Wochenende aus 2015 und 2016 vorgestellten Weinen war das nicht anders.

Der 2016er Riesling Monopol ist ein hervorragender Einstieg. Der 2015er Abtsberg Riesling trocken zeigt dann mit der extrem schönen Frucht die Vorteile des 2015er Jahrgangs. Der 2016er Riesling Alte Reben steht dem aber in nichts nach.

Höhepunkt auch hier wieder die restsüßen Weine mit dem 2016er Herrenberg Riesling Kabinett und der 2016er Abtsberg Riesling Spätlese.

Alleinstellungsmerkmal ist bei allen tatsächlich die unaufgeregte Eleganz und Vielschichtigkeit. Das sind Weine, deren Vorzüge schnell verstanden sind und deren Größe gut erfassbar ist. So bekommen das wenige Kollegen hin.

 

Am Ende des Saarwein-Paradies im Weingut Würtzberg

Gast im fast verwunschenen Weingut Würtzberg am Ende der Saarweinwelt war schließlich das Weingut Selbach-Oster aus Zeltingen. 2015 gefiel mir bei Mythos Mosel sehr gut, ein paar gereifte Weine habe ich bereits bei Markus Reis im Zeltinger Hof mit Vergnügen getrunken. Schön präsentierte sich auch die 2016er Kollektion. Die Weine sind alle auf der schlanken, straffen Seite. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken bringt aber dennoch genug Kraft und vor allem Würze mit.

Der 2016er Graacher Domprobst Riesling Spätlese feinherb ist weit vorne im sonst oft schwierigen weil unausgeglichenen feinherben Premium Segment.

Im fruchtigen Segment wird es dann richtig klasse. Der 2016er Gutsriesling Kabinett ist das richtige für jeden warmen Spätsommerabend, der 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett bringt dann eine schöne Portion Zeltinger Schieferwürze ins Spiel. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese ist da natürlich etwas kraftvoller. Beide bleiben aber sehr frisch und trinkig und haben eine schöne Säure.

 

So schnell kann ein Wochenende an der Saar zu Ende sein. Alles verkostet haben wir natürlich schon aus Zeitmangel nicht. Für die perfekte Organisation gilt es allen Winzern Dank zu sagen. Nur einen Wunsch habe ich für die kommenden Jahre. Das Wetter ist ja immer Bombe am letzten Augustwochenende an der Saar und die Zeit ist knapp für die Besucher. Ich würde mich daher über mehr kalte Kleinigkeiten (Käseteller, Wurstschnitte) zur Stärkung freuen, als über die vielen – gutgemeinten und natürlich auch schmackhaften – Flammkuchenstationen.

Mythos Mosel – eine (kurze) Rieslingreise am 11.06.2016

Es hätte so schön werden sollen. Wir hatten 2 Nächte bei Markus Reis im Zeltinger Hof gebucht, hätten also quasi Tür an Tür mit Günter Jauch, einem Jungwinzer an der Saar genächtigt, der seine Weine anlässlich von Mythos Mosel persönlich vorstellen wollte.

Freitag abend hätten wir vor Ort lecker gegessen und den einen oder anderen Wein der gigantischen Reisschen Weinkarte vernichtet. Dann hätten wir Samstag den ersten Teil von Mythos Mosel bequem per Buspendel erobert und hätten Sonntag den zweiten Teil bzw. die „Nachprobe“ per Auto erfahren. Doch manchmal kommt es anders, weil meine bessere Hälfte krankheitsbedingt leider nicht reisefähig war.

Da wir die Karten für die Veranstaltung schon erworben hatten, bin ich wenigstens zu einem Tagesausflug am 11. Juni an die Mosel aufgebrochen. Einen Vorteil hatte das Ganze. Es war konsequentes Spucken angesagt, das hält die Sinne frisch und gaukelt Professionalität vor.

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Die Lage Pündericher Marienburg

Mein erstes Ziel war Pünderich. Ich musste unbedingt zu Clemens Busch. Auf seiner Jahrgangsverkostung im letzten Jahr hatte ich seine Weine das erste Mal kennen gelernt. Und so fand ich es wichtig zu überprüfen, wie sich die 2014er entwickelt hatten. Und die ca. 8 Monate auf der Flasche hatten den Weinen tatsächlich gut getan. Der 2014er Riesling „vom roten Schiefer“ war mittlerweile deutlich ruhiger und runder geworden. Der 2013er Riesling „vom blauen Schiefer“ zeigte sich entsprechend noch entspannter, fast kalkig mineralisch mit feiner Frucht. Bei den großen Gewächsen merkte man den Unterschied noch deutlicher. Hier war ich direkt skeptisch auf der Jahrgangsverkostung. So verschlossen und verkopft empfand ich die 2014er dort. Heute zeigte sich, dass das eher an meiner mangelnden Erfahrung als an den Weinen lag. Der 2014er Pündericher Marienburg Riesling GG zeigte sich sehr würzig und kraftvoll, extrem mineralisch. Aber die Komponten fangen an, langsam zusammen zu wachsen. Genau wie beim 2014er Pündericher Marienburg „Fahrlay-Terassen“ Riesling GG, der aber noch mehr Zeit brauchen wird, wieder Marienburg.

Wo die Reise hingeht (und da lohnt es sich drauf zu warten) zeigte dann der 2011er Pündericher Marienburg „Falkenlay“ Riesling GG. Sehr gewürzig, kräutrig, mit reifen, kandierten Fruchtnoten, erdiger Mineralik, leichter Extraktsüße kommt er daher, das ganze aber sehr rund verpackt und immer noch jung. Das ist großes Riesling-Kino.

Gast vor Ort war das Weingut Heymann-Löwenstein aus Winningen. Stilistisch ist eine gewisse Verwandtschaft mit Clemens Busch zu erkennen. Dennoch bieten die Winninger Lagen Einzigartiges, und Reinhard Löwenstein schafft es, den Boden in Flaschen abzufüllen.

Der 2014er Riesling „Schieferterassen“ ist dabei ein guter Einstieg. Kühl und – man glaubt es kaum 🙂 – schiefrig präsentiert sich der Wein. Beim 2014er Riesling „von blauem Schiefer“ glaubt man die Farbe schmecken zu können. Kalt, steinig, mit kräftiger Säure will er die Kehle hinunter.

Die großen Gewächse sind dann in der Probierliste nach Kraft und Würze geordnet. Es fängt eher fein und sehr elegant mit dem 2014er Hatzenporter Stolzenberg Riesling GG mit feiner gelber Frucht und Kräutern an. Beim 2014er Winninger Uhlen Laubauch Riesling GG kann man die würzige Kraft schon deutlich riechen. Schiefer und Kräuter, davon tanzt jede Menge auf der Zunge, ergänzt durch viele weitere Aromanuancen. Das braucht noch eine Weile, damit sich die vielen Komponenten ideal verbinden. Umso mehr gilt das für den noch kraftvolleren 2014er Winninger Uhlen Roth Lay Riesling GG. Klasse – mein Keller ist zu klein!

Ebenfalls Gast in Pünderich war das Weingut S.A. Prüm aus Bernkastel Wehlen. Nach den beiden vorher gekosteten Gütern endlich der erste Moselklassiker – und zwar auf hohem Niveau. Toll auch, dass in der Preisliste des Weinguts noch viele ältere Jahrgänge stehen. Schön für den Kunden mit kleinem Keller!

So habe ich hier den ersten richtigen fruchtsüßen Moselkabinett des Tages gehabt. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett fruchtsüß bleibt leicht, ist sehr trinking und bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Frucht und Mineralität. So sollte das aus meiner Sicht sein. Andere Kollegen haben das in 2015 leider nicht ganz so gut hinbekommen, da gehen viele Kabinette geschmacklich deutlich in Richtung Spätlese und sind nicht mehr leicht genug.

Der ebenfalls präsentierte gereifte 2008er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett fruchtsüß zeigt dann, welches Reifepotential auch ein Kabinett hat. Einen Hauch mehr Säure könnte der Wein haben, ansonsten passt auch hier die feine gelbe Frucht und die ordentliche aber nicht erschlagende Mineralität.

Bei den Großen Gewächsen präsentiert S.A. Prüm den 2012er Bernkasteler Lay „Grand Ley“ Riesling GG. Der Wein ist – selten an der Mosel – ziemlich trocken, und damit sehr elegant, hat trotzdem viel Kraft und Würze und nur wenig Fruchtnoten. Das ist ein Wow-Riesling.

Der 2013er Wehlener Sonnenuhr „Alte Reben“ Riesling GG steht dann auf der ganz anderen Seite. Ganz klassischer Moselstil. Es wird recht dick aufgetragen. Überschaubare Säure, Restzucker am oberen Rand, sehr würzig und kraftvoll. Ich mag das gern, auch wenn das die Freunde moderner leichterer Weine vielleicht nicht so erfreut. Es ist quasi ein Winterriesling für das noch nicht vorhandene Kaminzimmer.

Der letzte Gast war dann das Weingut Carl Loewen. Gern hätte ich auch hier probiert, doch war der Stand bei mehreren Versuchen stets voll belagert und ich hatte ja noch einiges vor.

 

Also fuhr ich weiter nach Reil. Zunächst zum Weingut Melsheimer. Das biologisch arbeitende Weingut hat einen schönen Hof mitten in Reil. Der Gastgeber hatte einen spannenden Naturwein am Start. Der 2014er „Vade Retro“ Landwein ist goldgelb im Glas, sodass ich auf Maischevergärung tippte. Das war aber nicht der Fall. Der Riesling ist lediglich unfiltriert, ungepumpt und ungeschwefelt und bekommt die Farbe durch Oxidation. Dennoch ist der Wein keinesfalls geprägt von flüchtiger Säure und nicht dem Essig näher als dem Wein. Aufgrund der besonderen Aromatik ist er in vielen Fällen dem „normalen“ Riesling als Essenbegleiter vielleicht sogar überlegen.

Gast bei Melsheimer war das Weingut Kerpen aus Bernkastel-Wehlen. Das Weingut hatte ich früher im Jahr direkt vor Ort kennengelernt und damals das eine oder andere für den Keller mitgenommen. Der trockene 2015er Blauschiefer Riesling ist eine säurebetonte zischige Angelegenheit – schön für den Sommer. Die 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken ist kraftvoller und würzig mineralischer und will noch etwas liegen.

Die restsüßen Weine waren erste Sahne. Der 2015er Graacher Himmelreich Riesling Kabinett feinherb ist vielleicht einen Tick zu kraftvoll, hat aber ebenfalls eine schöne Säure und braucht bestimmt noch etwas Entwicklungszeit um seine Qualität voll zu entfalten. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr „Alte Reben“ Riesling feinherb wirkt heute schon runder. Die typische Würze und Kraft ist für eine Spätlese angemessen, die Säure angenehm eingebunden.

Die fruchtsüße 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese ist dann gefühlt wieder jünger und muss definitiv noch liegen. Tolle Säure und dichte Würze – der Wein wird lange Spaß machen. Die schöne fruchtsüße 2007er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese zeigt dann das Reifepotential. Ein Rieslingtraum – und immer noch jung aber dafür noch ab Weingut zu haben – vorbildlich!

Das Weingut Peter Lauer aus Ayl war ebenfalls Gast in Reil. Kennen lernte ich das Weingut beim letztjährigen SaarRieslingSommer. Damals beschrieb ich die Stilistik wie folgt: „Seine Weine hatten einen ganz eigenen, erdigen, kräftigen Stil.“ Dazu stehe ich heute noch. So richtig werde ich nicht warm mit seinen Weinen – vielleicht fehlt aber auch hier einfach die Erfahrung. Heraus stachen der 2015er faß 9 „Kern“ Riesling feinherb und die schöne 2015er Ayler Kupp Riesling Spätlese (Versteigerungswein).

 

Den nächsten Stopp erreichte ich schon nach kurzem Fußweg beim Weingut Julius Treis. Die anwesenden Weingüter hatten sich hier etwas Besonderes ausgedacht und eine Raritätenprobe zusammengestellt. So etwas finde immer saustark. Wunderbar, wenn man feststellen darf, dass auch ein 1986er Zeltinger Himmelreich Riesling Kabinett noch köstlich sein kann.

Quasi als Bonus: Eine schöne Raritätenprobe im Weingut Julius Treis

Quasi als Bonus: Eine schöne Raritätenprobe im Weingut Julius Treis

Der Wein wurde vom Gastbetrieb Selbach-Oster aus Zeltingen gestellt. Den einen oder anderen Wein des Guts hatten wir schon im Zeltinger Hof getrunken. Bei der aktuellen Präsentation haben mir die trockenen und die restsüßen Weine sehr gut gefallen. Angefangen beim mineralischen und trinkigen 2015er Zeltinger Riesling Kabinett über den 2015er Zeltinger Schlossberg „Bömer“ Riesling trocken, der noch sehr jugendlich aber würzig und kraftvoll ist, zu den sehr schönen restsüßen Weinen: der 2015er Selbach-Oster Riesling Kabinett ist ein toller und typischer Vertreter der Kategorie und aus meiner Sicht ein echter Kauftipp, die 2015er Graacher Domprobst Riesling Spätlese „Alte Reben“ feinherb ist in Nase und Mund sehr würzig und mineralisch, die 2015er Bernkasteler Badstube Riesling Auslese ist noch für Jahre wegzulegen, wenn die Flasche vor Kraft vorher nicht platzt und die 2010er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese ist schlicht und einfach umwerfend und ist erst frisch in den Verkauf gekommen – sehr vorbildlich.

Ein weitere Gast bei Treis war das Weingut von Hövel aus Oberemmel. Gut gefielen mir hier die fruchtsüßen Weine, auch wenn der 2015er Saar Riesling Kabinett und der 2015er Hütte Oberemmel Riesling Kabinett fast zu viel Power hatten. Gut passte die Power des Jahrgangs dann in den 2015er Hütte Oberemmel Riesling Spätlese und den 2015er Scharzhofberger Riesling Auslese ***. Alle Weine des Weinguts zeichneten sich aber durch die schöne Säure aus – ein Aushängeschild der Saar.

 

Weiter ging die Tour nach Enkirch – zunächst zum Weingut Immich-Batterieberg. Beim Gastgeber gab es eine ziemliche Überraschung. Alles trocken, alles fast ohne Primärfruchtnoten und alles eine ganz straighte Stilistik. Das finde ich klasse, weil es zeigt, dass der Winzer die Weine genau so macht, wie es ihm gefällt und nicht für jeden alles bieten will. Die Qualität ist von Beginn an hoch, für mich persönlich begann der Spaß der Stilistik aber erst bei den Großen Lagen: Der 2014er Enkircher Ellerberg Riesling und der 2013er Enkircher Batterieberg Riesling boten Mineralität pur. Quasi zum kauen. Stark!

Vor Ort war auch der Mosel-Platzhirsch Markus Molitor. Auf dem letztjährigen SaarRieslingSommer kam ich mit der dortigen Weinauswahl nicht so ganz klar. Heute war das anders. Egal ob die trockene 2011er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese, der feinherbe 2015er Bernkasteler Badstube Riesling Kabinett oder die fruchtsüße 2014er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese. Alle hervorragende Vertreter des Molitor-Stils. Denn auch Molitor ist da unverkennbar. Er produziert unaufgeregte, warme in sich ruhende Weine, die die wichtigsten Moselattribute optimal vereinen: Süße, Säure, Mineralität und Würze. Und dass ohne, dass sich eine der Komponenten in den Vordergrund spielt oder gar „trink mich“ schreit. Wie gut das dann gereift aussieht zeigten dann eindrucksvoll die feinherbe 2007er Wehlener Klosterberg Riesling Spätlese und die fruchtsüße 2005er Wehlener Klosterberg Riesling Auslese ** (zu jung). Platzhirsch – ganz zu recht.

 

Der Hof des Weinguts Caspari-Kappel

Der Hof des Weinguts Caspari-Kappel

Bei der nächsten Station, dem Weingut Caspari-Kappel, etwas weiter im Ort wollte ich unbedingt die Weine des Gastwinzers Stephan Steinmetz aus Wehr kosten, dessen Weingut schon deutlich südlich von Trier nicht mehr im Bereich des Rieslingeldorados liegt. Stephan Steinmetz lässt daher den Riesling auch konsequent links liegen und hat die Muschelkalkböden mit dem heimischen Elbling und Burgundersorten bestockt. Spannend und überraschen fällt dann auch schon der 2015er Elbling aus. Die kalkige Mineralität hätte ich nicht erwartet. Ein großes Gewächs ist es nicht aber frisch, leicht und eben spannend genug, um einen warmen Abend wunderbar zu begleiten. Bei den Burgundersorten geht das gleich so weiter: Sowohl der 2015er Weißburgunder, der 2015er Auxerrois und der 2015er Grauburgunder sind mit einer tollen kalkigen Mineralität ausgestattet. Der Weißburgunder ist dabei zart genug und hat eine schöne Säure, die die Leichtigkeit betont. Der Auxerrois dagegen ist würzig und kraftvoll, die erdigen Noten werden betont, dennoch ist er nicht fett. Auch der Grauburgunder ist da eine Überraschung, kein Gramm fett aber dennoch ausreichend Kraft aus kalkiger, fast salziger Mineralität.

Der Knaller sind dann aber die Crémants. Da kann blind gekauft werden, insbesondere zu den Preisen. Alle schön feinperlig, leicht hefig, würzig, eher warm. Verkostet konnte ich den Elbling Crémant brut, den Crémant RosaRot brut (Spätburgunder) und den Liaison Crémant brut (Weißburgunder/Spätburgunder).

Beim Weingut Fritz Haag aus Brauneberg konnte ich dann ebenfalls hervorragende 2015er Weine probieren. Allesamt schon recht trinkbereit, gefielen mir die in sich ruhenden fruchtsüßen Weine am Besten. Der frische 2015er Brauneberger Riesling Kabinett, die 2015er Brauneberger Juffer Riesling Spätlese mit schöner Frucht und tollem Süße-/Säurespiel und die kraftvolle 2015er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese. Das Weingut hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, das muss sich ändern.

 

Im herrschaftlichen Park der Villa Huesgen

Im herrschaftlichen Park der Villa Huesgen

Die Rieslingreise führte mich dann weiter nach Traben-Trarbach zum Weingut Villa Huesgen. Das Weingut liegt in einem Wahnsinnsanwesen mit imposanter Jugendstilvilla und großem Park. Gastweingut van Volxem aus Wiltingen zeigte eindrucksvoll wie Saar geht. Roman Niewodniczanski treibt Jahr für Jahr konsequenter seine Vision voran, die Saarweine wieder dahin zu bringen, wo sie vor 100 Jahren einmal waren. Alle mitgebrachten Weine zeigen große Eleganz und feine Mineralität. Am besten gefielen mir der 2015er Rotschiefer Riesling Kabinett und der 2015er Wawerner Ritterpfad Riesling Kabinett Große Lage, beide echte feinwürzige und leichte Kabinette. Herrlich.

Hervorragend auch die Weine vom Weingut St. Urbanshof Oekonomierat Nik. Weis aus Leiwen. Herausragend der 2015er Mehringer „Alte Reben“ Riesling – einer meiner Weine des Tages. Sehr würzig und kraftvoll und schon offen wie ein Scheunentor – Kaufen, sobald im Handel!! Aber auch der kühlere 2015er Wiltinger „Alte Reben“ Riesling ist dank der schönen Säure extrem trinkig. Die Großen Lagen 2015er Saarfeilser Riesling, 2015er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett, 2015er Piesporter Goldtröpfchen Riesling Spätlese und 2007er Leiwener Laurentiuslay Riesling Spätlese sind noch etwas verschlossener zeigen aber ebenfalls großes Potential.

Das Weingut Wwe. Dr. Thanisch Erben Müller-Burggraef hatte eine schöne 2014er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken am Start (so häufig, wie ich das heute schon geschrieben habe muss das eine meiner Lieblingslagen sein). Der fruchtsüße 2015er Bernkasteler Doctor Riesling Kabinett ist wieder ein erstklassig frischer und bereits schön trinkiger Moselkabinett. Die 2015er Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese fruchtsüß strotzt vor Kraft und hat aber auch ordentliche Säure. Ganz fein dann natürlich die gereifte 2006er Bernkasteler Doctor Riesling Auslese.

Der Tag neigte sich langsam und es ging weiter nach Kröv zum Weingut Hüls. Der Gastgeber überraschte mit einem schönen sehr würzigen und tiefen 2014er Spätburgunder.

Ein Gastweingut hier war das Weingut Studert-Prüm Maximinhof aus Bernkastel-Wehlen. Kraft ohne Ende steckt hier in den 2015er Weinen. Das geht schon los bei der 2015er Wehlener Sonnenuhr Spätlese trocken, setzt sich bei den restsüßen aber nahtlos fort. Beim 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett feinherb ist das vielleicht etwas viel, bei der 2015er Bernkasteler Graben Riesling Spätlese feinherb passt das sehr gut. Der 2015er Wehlener Sonnenuhr Kabinett fruchtsüß verpackt die Kraft in etwas mehr Zucker und wird so in Kombination mit feiner Säure sehr zischig. Die 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese und 2015er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese ** sind stark, müssen aber noch liegen, liegen, liegen.

 

Ein wenig Zeit war nun noch für einen weiteren Zwischenstop ebenfalls bei Michael Trossen, ebenfalls in Kröv. Hier lernte ich das Weingut Freiherr von Heddesdorff aus Winningen kennen. Weine aus Winningen kannte ich bisher nur von Heymann-Löwenstein. Auch die Weine von Freiherr von Heddesdorff zeigen deutlich die Vorzüge des Uhlen und des Röttgen, sind aber nicht so abgefahren auf die Spitze getrieben wie die von Heymann-Löwenstein. Dafür aber schon jetzt als 2015er offener als die 2015er des Kollegen in zwei Jahren. Besonders gefielen der 2015er Winninger Uhlen Riesling Kabinett trocken, der 2015er Zehn Terrassen Winninger Uhlen Riesling trocken und die fruchtsüße 2015er Winninger Röttgen Riesling Spätlese.

Ein schöner Abschluss für diese kurze Moselreise.

Mein Fazit:

2015 geht einiges an der Mosel. Kraft und Säure sind die bestimmenden Faktoren. Für Kabinette vielleicht nicht ganz ideal, aber für dichte trockene Weine und würzige Spät- und Auslesen perfekt geeignet. Schade, dass so ein Tag so kurz ist. Die Veranstaltung selbst ist klasse und muss unbedingt so in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Ich finde es toll, sich einen Überblick über ein ganzes Weinbaugebiet an einem Wochenende schaffen zu können. Verbesserungspotential besteht aber bei den Listen der zu verkostenden Weine. An den meisten Stationen gab es Listen, an einigen leider nicht. Schön wäre, wenn die Listen mit Platz (Linien) für Notizen und z.B. dem Preis des Weins versehen wären. Aber ein bisschen Potential muss immer sein.

Ich danke allen Beteiligten Winzern und Organisatoren für den schönen Tag!