SaarRieslingSommer 2017 Teil 2

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Fortsetzung von Teil 1:

Ebenfalls überrascht haben mich die Weine, die Dr. Loosen aus Bernkastel als Gast im Weingut Piedmont dabei hatte. Bei Dr. Loosen hatte ich in der Vergangenheit häufiger meine Probleme bei der Einschätzung verkosteter Weine. Bringen Sie doch häufig eine sehr erdige, spezielle Würze mit, die mir oft nicht so zusagt. Diesmal wurde ein 2014er Bernkasteler Lay Riesling GG ausgeschenkt, der sehr elegant und feingliedrig und kräuterwürzig daherkommt – überraschend, wie schön 2014 hier ist. Der 2015er Graacher Domprobst Riesling GG ist dann ein richtiger Knaller. Tief, dunkel mineralisch, etwas erdig, dicht, kraftvoll aber kompakt. Ein Musterbeispiel für ein Mosel GG.

Aber auch die gezeigten 2016 konnten überzeugen. Im trockenen Bereich insbesondere der 2016er Blauschiefer Riesling und im feinherben Bereich der 2016er Grauschiefer Riesling, die viel Wein für kleines Geld bieten. So gehen Einstiegsweine!

 

In Filzen war auch das Weingut Reverchon Gastgeber. Hier konnte eine sehr schlüssige Kollektion verkostet werden. Der Schwerpunkt liegt hier auf der klaren Rieslingfrucht. Die Weine sind nicht verspielt und nicht verkopft, dabei aber wunderbar straight und trinkig und bieten Spaß für kleines Geld. Herausheben möchte ich den strahlenden 2016er Saar Riesling trocken und den 2016er Filzener Herrenberg Riesling Alte Reben trocken – einen kraftvollen aber auch eher frucht- als würzebetonten Vertreter.

 

Gelungener erster Jahrgang bei Cantzheim
Cantzheim – ein wunderbares Anwesen am Fuß des Altenbergs

In Kanzem gibt es seit diesem Jahr mit dem Weingut Cantzheim einen dritten Gastgeber. Für ein Erstlingswerk ist der 2016er Jahrgang sehr gut gelungen. Heraus sticht ein schöner 2016er „der Kabinett“ Riesling und eine 2016er Saarburger Fuchs Riesling Auslese. Beide Weine frisch, schlank und typisch saarmineralisch. Fein! Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren noch viel aus Cantzheim hören werden.

Zu Gast war Stephan Steinmetz von der Obermosel.

Die Obermosel ist geologisch ein Teil des Pariser Beckens. Damit dominiert hier der Muschelkalk und nicht der Schiefer und das Gebiet liegt quasi näher an der Champagne als an Bernkastel oder Wiltingen. Daher werden bei Stephan Steinmetz auch Burgundersorten angebaut und kein Riesling.

Letztes Jahr bei Mythos Mosel hatte ich zum ersten Mal seine Weine im Glas. Preislich liegt liegen die Weine deutlich unter 10 EUR. Und dafür wird viel geboten. Ob Elbling, Weißburgunder, Auxerrois oder Grauburgunder. Alle Weine haben ein schönes Gerüst, was wahrscheinlich auch aus einer langen Lagerung auf der Hefe resultiert. Dadurch entstehen feine, aber eben strukturierte, fast kalkige Weine, die Spaß machen. Besonders stark sind seine Crémants. Allen voran der Crémant Rosarot Brut. Ich habe noch keinen Sekt/Crémant getrunken, der ein besseres PGV bietet (12,50 EUR).

Der Dritte im Bunde bei Cantzheim war Daniel Twardowski aus Neumagen-Drohn. Spätburgunder-Winzer. Ausschließlich!

Und was für einer. Der 2014er Pinot Noix Ardoise ist noch am Anfang seiner Entwicklung und noch etwas grün hinter den Ohren. Der 2013er Pinot Noix Ardoise öffnet sich dagegen langsam. Straff, schlank und mit viel Grip kommt der Wein daher. Dennoch kein ganz kalter, karger Vertreter. Dazu eine ganz komplexe Würze von Pfeffer bis Schokolade. Wunderbar!

 

Der Weg zum Nachbarn war dann kurz. Von Othegraven. 2015 auf ganzer Linie einer meiner Lieblinge. 2016 bei den trockenen GGs einfach noch nicht einzuschätzen. Ich gehe schon davon aus, dass mit einigen Monaten Flaschenreife alles zusammenwächst – Kellermeister Andreas Barth sollte hier genug Erfahrung haben, aus 2016 etwas feines zu zaubern. Aber für eine konkrete Einschätzung ist es für mich gerade einfach zu früh. Dafür rufe ich gern das zweite Othegraven-Kabinettjahr in Folge aus. Ob 2016er Wiltinger Kupp Riesling Kabinett, 2016er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett (verkostet bei K&M Gutsweine, Frankfurt), 2016er Wawerner Herrenberger Riesling Kabinett oder 2016er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett – alle zeichnen sich durch schöne Würze und Frucht aus. Der schon sehr offene Altenberg ist mein persönlicher Favorit, der Bockstein ist der würzigste, die Kupp der schlankeste und straighteste. Kaufen nach persönlicher Vorliebe… Super!

Schön auch die feinen Spätlesen aus dem Altenberg. Die feine 2016er Altenberg Riesling Spätlese wird nochmal durch die 2016er Altenberg Riesling Spätlese Alte Reben getoppt, die eine wunderbare Würze und ein tolles Kraft-/Eleganzverhältnis hat.

 

Unter den Gästen von Günter Jauch dann die nächste Überraschung:

Mit van Volxem bin ich in den letzten Jahren ebenfalls nicht gut klar gekommen. Sie zeigten zwar stets eine gewisse Spannung, wurden ihrem Ruf aber für mich nie gerecht und wirkten oft unfertig und ruppig.

2016 ist das anders. Mir gefielen alle 5 angestellten Weine sehr gut. Besonders empfehlenswert der 2016er Wiltigner Riesling trocken, der 2016er Rotschiefer Riesling Kabinett und der 2016er Wawerner Ritterpfad Riesling Kabinett.

 

Volles Haus bei Maximilian von Kunow

Die größte Station war wieder im Hause von Hövel. Maximilian von Kunow hatte 6 Gäste nach Oberemmel eingeladen.

Beim Gastgeber gefielen mir die restsüßen 2016er Weine am besten.

Der 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Kabinett hat eine spannende Aromatik mit viel Birne, der 2016er Scharzhofberger Kabinett ist fein und eher fruchtig. An der Spitze steht zurecht der „neue“ Spitzenkabinett 2016er Saar Riesling „S“ Kabinett.

Aber auch die 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Spätlese macht eine sehr gute Figur.

 

Julian Treis und Ivan Giovanett stellten am Stand des Weinguts Treis auch ihr Projekt Sorentberg vor. 2012 rekultivierten Sie den Weinberg Reiler Sorentberg in einem Seitental der Mosel nach 25 Jahren Brache. Hierbei wurden auch etwa 1000 verwilderte wurzelechte alte Reben wieder nutzbar gemacht. Hieraus entsteht das Flagschiff 2015er Riesling „von 1000 alten Reben“. Ein langes Hefelager und die Spontangärung im Moselfuder sorgt hier für einen wunderbar komplexen Wein, der sicher zur Spitzengruppe der Mosel im niedrigen feinherben Bereich gehört. Aber auch der 2016er Riesling Rotschiefer aus 2012 neu gepflanzten Reben zeigt, wie viel Leidenschaft die beiden in das Projekt stecken.

 

In einer ganz eigenen Liga spielen dann mal wieder die Weine von Joh. Jos. Prüm aus Wehlen.

Prüm – setzt Maßstäbe wie immer!

Mit dem 2016er Graacher Himmelreich Kabinett zeigt das Weingut einen ziemlich unfertigen Wein, der aber beste Anlagen hat, ein sehr guter Prüm zu werden. Die 2014er Bernkasteler Badstube Riesling Spätlese ist jahrgangsbedingt schön schlank, und bringt eine feinere Würze mit sich als die Graacher oder Wehlener Rieslinge.

Die 2012er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese ist ein typischer Prüm mit Spontinase, toller Würze und dieser unglaublich feinen Abstimmung zwischen Säure und Süße, Kraft und Eleganz.

Auch zur Einstimmung am Vorabend im Weinhaus Trier perfekt.

Die 2009er Graacher Himmelreich Riesling Auslese kommt aus einem eher warmen Jahr. Man könnte jetzt hier Opulenz, fehlende Frische, ggf. schon vorzeitige Alterung erwarten, aber nein hier definitiv nicht. Der Wein ist frisch, balanciert und nur ein wenig kraftvoller als vergleichbare Prüm-Spätlesen aus anderen Jahren. Das gleiche galt übrigens auch für die 2009er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese, die wir am Freitag zur Einstimmung im Weinhaus Trier genossen.

 

Ein bisschen aus dem Riesling-Rahmen fiel dann das Weingut Salwey aus Baden.

Endlich hatte ich mal Zeit, zumindest die Weißweine in Ruhe zu verkosten. Mir gefallen die Weiß- und Grauburgunder von Salwey sehr. Die Reserve-Ortsweine 2015er Oberrotweiler Weißburgunder RS trocken und der 2015er Oberrotweiler Grauburgunder RS trocken sind beide trotz des warmen Jahrgangs nicht zu dick sondern bieten Trinkfluss und Frische. Der Grauburgunder hat hier fast noch die Nase vorn.

Beim 2014er Oberrotweiler Henkenberg Weißburgunder GG und dem 2014er Oberrotweiler Henkenberg Grauburgunder GG setzt sich das mit etwas mehr Extrakt und Fülle so fort. Die Weine sind zudem mit 0,1 g Restzucker komplett durchgegoren. So stelle ich mir den Prototyp badischen Burgunders vor.

Maximin Grünhaus – Eleganz pur
Schloss Saarstein – hoch über dem Saartal

Zu Gast im Weingut Schloss Saarstein war Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert. Ausführlich kennengelernt habe ich das Weingut mit dem schwierigen 2014er Jahrgang. Das war damals schon großartig, war in der Kollektion doch eine derart dicke rote Linie von unaufgeregter Eleganz, die so nur selten zu finden ist.

Bei den am Wochenende aus 2015 und 2016 vorgestellten Weinen war das nicht anders.

Der 2016er Riesling Monopol ist ein hervorragender Einstieg. Der 2015er Abtsberg Riesling trocken zeigt dann mit der extrem schönen Frucht die Vorteile des 2015er Jahrgangs. Der 2016er Riesling Alte Reben steht dem aber in nichts nach.

Höhepunkt auch hier wieder die restsüßen Weine mit dem 2016er Herrenberg Riesling Kabinett und der 2016er Abtsberg Riesling Spätlese.

Alleinstellungsmerkmal ist bei allen tatsächlich die unaufgeregte Eleganz und Vielschichtigkeit. Das sind Weine, deren Vorzüge schnell verstanden sind und deren Größe gut erfassbar ist. So bekommen das wenige Kollegen hin.

 

Am Ende des Saarwein-Paradies im Weingut Würtzberg

Gast im fast verwunschenen Weingut Würtzberg am Ende der Saarweinwelt war schließlich das Weingut Selbach-Oster aus Zeltingen. 2015 gefiel mir bei Mythos Mosel sehr gut, ein paar gereifte Weine habe ich bereits bei Markus Reis im Zeltinger Hof mit Vergnügen getrunken. Schön präsentierte sich auch die 2016er Kollektion. Die Weine sind alle auf der schlanken, straffen Seite. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken bringt aber dennoch genug Kraft und vor allem Würze mit.

Der 2016er Graacher Domprobst Riesling Spätlese feinherb ist weit vorne im sonst oft schwierigen weil unausgeglichenen feinherben Premium Segment.

Im fruchtigen Segment wird es dann richtig klasse. Der 2016er Gutsriesling Kabinett ist das richtige für jeden warmen Spätsommerabend, der 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett bringt dann eine schöne Portion Zeltinger Schieferwürze ins Spiel. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese ist da natürlich etwas kraftvoller. Beide bleiben aber sehr frisch und trinkig und haben eine schöne Säure.

 

So schnell kann ein Wochenende an der Saar zu Ende sein. Alles verkostet haben wir natürlich schon aus Zeitmangel nicht. Für die perfekte Organisation gilt es allen Winzern Dank zu sagen. Nur einen Wunsch habe ich für die kommenden Jahre. Das Wetter ist ja immer Bombe am letzten Augustwochenende an der Saar und die Zeit ist knapp für die Besucher. Ich würde mich daher über mehr kalte Kleinigkeiten (Käseteller, Wurstschnitte) zur Stärkung freuen, als über die vielen – gutgemeinten und natürlich auch schmackhaften – Flammkuchenstationen.

3 Responses

  1. Andreas

    Wow, da muss man erstmal den Überblick behalten, Respekt!
    Hast du auch Weine gekauft? Und wenn ja, welche? 🙂

    • kleiner_pirat

      Danke fürs Feedback, Andreas. Gekauft hab ich Kupp Kabinett von Othegraven. Altenberg hatte ich schon im Keller. Bei Lauer werde ich wohl auch nochmal zuschlagen müssen. Aber der Keller ist doch voll!

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