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SaarRieslingSommer am 24. und 25.08.2024

Am letzten Wochenende haben wieder 51 Winzer in 15 Saarweingütern ihre Weine anlässlich des Saarrieslingsommers präsentiert. Wer ein bisschen Spaß am Riesling (trocken oder restsüß) hat, dem sei die Veranstaltung sehr ans Herz gelegt. Schöne Locations, tolle Weine, überall kleine Snacks und die „Gemütlichkeit“ des überschaubar großen rheinlandpfälzischen Saartals.

Perfekt für einen Sommerausflug, der hier sogar per Bahn erfolgen kann, da die Region anständig angebunden ist. Für den Transfer zwischen den Weingütern ist ein Shuttle-Service eingerichtet, den wir dieses Jahr allerdings nicht genutzt haben, da wir nur am Sonntag vor Ort waren.

Trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit hatten wir viele tolle Gespräche und hervorragende Weine, so dass es sich lohnt, ausführlicher darüber zu schreiben.

 

Nicht Riesling

Adamswein:

Saarrieslingsommer1Im Weingut Cantzheim war das Weingut Adamswein/Simone Adams aus Ingelheim zu Besuch. Ein Geheimtipp ist der Betrieb ja nun schon länger nicht mehr. Kein Wunder, denn die gezeigten Weine waren allesamt großartig.

Da nehme ich den 2022er Ingelheimer Spätburgunder Rosé nicht aus. Natürlich ist das die Stufe Easy Drinking und kein komplexer Spitzenwein. In seiner Kategorie stellt er aber aus der Nerdsicht viele andere Weine in den Schatten. Der Wein ist extrem frisch, hat eine schöne, durchaus knackige Säure und schmeckt trocken. Er wird durch ein ganz feines Tanningerüst getragen, bleibt aber rund ohne viele Ecken und Kanten. Und da gibt es KEINE süße Erdbeerfrucht und nichts klebt am Gaumen. „Noch eine Flasche auf die Terrasse bitte!“

Der 2022er Ingelheimer Grauburgunder hat Maischestandzeit abbekommen und funkelt daher lachsfarben im Glas. Er hat mehr Struktur als der Rosé, steht diesem aber in Frische und Klarheit in nichts nach. Er schmeckt nicht nur trocken, sondern er ist definitiv knochentrocken. Das macht ihn spannender und fordernder als den Rosé.

Der 2021er Chardonnay Lohpfad ist salzig, mineralisch, kühl und aktuell noch etwas röstig vom Holz geprägt, was sich definitiv noch legen wird. Er hat eine saftige Säure und eine schöne Länge, einen ganz ganz feinen Schmelz, aber eben null Gewicht. Das ist großes Kino!

Bei den Spätburgundern konnten wir den 2021er Ingelheimer Spätburgunder und den 2019er Spätburgunder auf dem Haun verkosten. Das ist typisch Ingelheim in einer schnörkellosen, gradlinigen Variante. Feine klare Kirschfrucht, Salz, feine Röstnoten und eine schöne aber nicht zu spitze Säure sind bei beiden die Basis. Der Ortswein ist da ein echter Preistipp mit schöner Tiefe und Komplexität. Aber auch der Lagenwein ist durch seine Länge, feine Kräuteraromatik und ordentlich Druck seinen Preis wert.

Wer die Weine von Simone Adams kennt, wird gemerkt haben, dass hier was fehlt. Bei Adams wird nicht mehr scharf geschossen. Die Kaliberangaben auf den Flaschen sind einer einfacher zu verstehenden Orts- und Lagenweinlogik gewichen.

 

Riesling

Loersch:

Ein Highlight gab es für uns schon an unserer ersten Station. Das Weingut Loersch hat eine Auswahl hervorragender Weine am Start.

Besonders schön ist es, wenn sich die Handschrift eines Betriebs durch die gesamte Kollektion zieht. Bei Loersch ist das definitiv der Fall. Eleganz, Feinheit, Klarheit, feine Würze, niedriger Alkohol sind die Konstanten bei Loersch.

Das zeigt sich schon beim 2022er Trittenheimer Apotheke „Vogelsang“ trocken, mit zarten 11,5% Alkohol.

Die beiden gezeigten großen Gewächse, der 2023er Trittenheimer Apotheke „Devonterrassen“ Riesling GG und der 2023er Dhroner Hofberg Riesling GG sind mit weniger als 25 EUR echte Preis-Genusssieger, denn sie versprechen nicht nur GG-Niveau, sondern sie halten es auch.

In Erinnerung bleibt bei den trockenen Weinen ein ganz feiner, schöner, heller Schmelz am Gaumen, der sich gar nicht so einfach zuordnen lässt, weil er nichts plumpes zuckriges oder alkoholisches hat, sondern ein feines Rückgrat für die Weine bietet.

Im fruchtigen Bereich geht es nicht weniger fein zu, der enorm saftige 2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett ist ein Musterbeispiel eines Moselkabinetts. Auch hier sind wir bei knapp 14 EUR und damit ein Stück unter den Preisen vieler ebenso guter Konkurrenten.

Der 2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett Versteigerungswein ist aromatisch nochmal deutlich intensiver und ist länger. Mitsteigern dürfte sich lohnen, würde ich sagen.

 

Stefan Müller:

Saarrieslingsommer2Stefan Müller ist wohl mit einem blauen Auge durch die Frostnächte im Frühling gekommen, haben wir in einem längeren Gespräch mit dem sehr sympathischen Winzer erfahren. Auch die Peronospora, die sich durch die feuchte Witterung im späten Frühling und Sommer ausbreitete, konnte er erfolgreich eindämmen. Leider waren nicht alle Winzer bezüglich der Menge der 2024er Weine so optimistisch wie Stefan.

Das Ergebnis der 2023er Saison lässt sich auf jeden Fall sehen. Stefan Müller pflegt einen kühlen, schlanken Stil. Beim trockenen Ortswein geht er aufs Ganze. Nach der Verkostung des 2023er Krettnacher Riesling trocken sind alle Sinne geschärft! Die Säure zieht anständig am Gaumen. Das ist für mich kurz vor zu krass, aber im letzten Moment bekommt der Wein die Kurve, der Restzucker holt das ganze auf ein gutes Maß zurück. Erfrischend, nicht unreif, nicht anstrengend!

Der fruchtsüße Kabi – 2023er Niedermenninger Sonnenberg Riesling Kabinett Alte Reben ist klar frisch und ausgewogen, man könnte ihn fast als feinherb bezeichnen. Der Zucker puffert hier die hohe Säure gerade eben ab, ohne selbst in den Vordergrund zu treten. Dazu hat der Wein eine schöne Mineralität und Tiefe.

Das gleiche gilt für die straighte 2023 Krettnacher Euchariusberg Riesling Spätlese, die bei anderen Produzenten auch noch als Kabi durchgehen würde.

Stefan Müller ist ein akribischer Mensch, er und sein Team stecken viel Arbeit in die Weine. In dem Kontext sind die Weine preislich als sehr günstig zu bezeichnen. Wer schlanke, säurebetonte, aber nicht grüne, unreife Weine mag, muss hier quasi zuschlagen.

 

Peter Lauer:

Es ist jedes Mal Vergnügen und Arbeit zugleich, die Weine von Florian Lauer zu verkosten.

Harte Arbeit ist stets die Annäherung an seine trockenen Weine. Gerade, wenn man entlang der Saar vorher ein paar hervorragende und knackig saure, trockene Rieslinge verkostet hat, lohnt es sich gleich beim 2023er Ayler Ortswein (Fass 25) innezuhalten. Jetzt wird es nämlich ganz anders. Ganztraubenpressung, Spontanvergärung, Hefelager und dann: biologischer Säureabbau. 2023 liegt Florian Lauer beim Ayler Riesling unter 5‰ Säure, wo bei Ortsweinen und GG anderer Produzenten an der Saar eher 7‰ – 9‰ Säure üblich sind.

Die Aromatik des Rieslings verändert sich dadurch eklatant. Die Frucht wird dunkler und tritt in den Hintergrund und kräutrige, pflanzliche, florale Noten treten in den Vordergrund. Die Weine werden von Solisten häufig zu Essensbegleitern. Schon der Ayler Ortswein ist damit viel multifunktionaler zu verschiedenen Speisen als alle anderen an diesem Tag getrunkenen trockenen Rieslinge. Für den 2023er Schonfels Riesling GG (Fass 11) und den 2023er Kupp Riesling GG (Fass 18) mit ihrer tiefen Würze und Schmelz gilt das umso mehr. Lang und komplex sind die GG, aber sie waren für mich schwer in den Kontext der Jahre einzuordnen, da sie noch etwas reduktiv und von Hefe gedeckt daherkamen. Hier ist auf jeden Fall warten angesagt.

Säuremäßig ganz anders ab geht die Post übrigens bei Lauers feinherben Weinen. Lauer unterscheidet hier zwischen den trockenen bis feinherben Weinen, die analytisch sehr nah an trocken liegen und den „echten“ feinherben. Um genau die „echten“ geht es. Vertreten wurde das Segment durch den 2023er Stirn Riesling feinherb (Fass 15) und den 2023 Kern Riesling feinherb (Fass 9). Im aktuell jugendlichen Alter ist das hellfruchtig, frisch, bezogen auf den hohen Restzuckerwert wenig süß und tiefmineralisch. Stirn ist etwas kühler und aufgeräumter, Kern etwas ernsthafter und würziger. Die Säure ist mundwässernd aber im Zucker und Extrakt gut eingebunden. Beide Weine haben eine schöne Länge. Die Weine würde ich gern mal nach 6 oder 7 Jahren probieren, wenn Frucht und Süße noch etwas zurückgegangen sind. Das Potential ist auf jeden Fall da.

Im fruchtsüßen Bereich geht die Säurepost 2023 übrigens genauso ab wie bei den feinherben Weinen. Antrinktipp hier der 2023er Schonfels Riesling Kabinett, der noch einiges mehr Zug, Feinheit und Zungentanz bietet, als der ebenfalls gezeigte 2023er Lambertskirch Riesling Kabinett.

 

A.J. Adam:

Saarrieslingsommer3Nach den drei (jungen) Wilden geht es bei A.J. Adam etwas klassischer aber nicht weniger spannend zu.

Hervorzuheben auf der trockenen Seite ist sicher das 2023er Piesporter Goldtröpfchen Riesling GG. Geerntet von teils wurzelechten hundertjährigen Reben direkt oberhalb der bekannten Parzelle Schubertslay kommt hier ein tiefwürziger und kräutriger, dunkelfruchtiger Riesling her, der trotz aller komplexen Aromatik und hohem Extrakt feingliedrig und frisch bleibt und eine großartige Länge hat. Für mich einer der überraschendsten und besten trockenen Weine des Tages.

Bei den Kabis stellte sich die Frage, ob der 2023er Dhroner Häs’chen Riesling Kabinett oder der 2023er Dhroner Hofberg Riesling Kabinett nun in unserem persönlichen Geschmacksprofil vorn liegen. Der Hofberg ist der straigtere, frischere und auch komplexere der beiden. Das Häs’chen ist süßer, hat aber eine intensive, schöne dunkle Frucht und Mineralität, der ich schon in vergangenen Jahrgängen schlecht widerstehen konnte – 1:0 fürs Häs’chen.

 

Alle weiteren wichtigen Begegnungen im Ticker

  • Forstmeister Geltz-Zilliken: Lobhudeleien gab es schon viele von mir, aber auch die 2023er Kollektion ist sehr gut gelungen. Antrinktipp: der 2023er Saarburger Kabinett fruchtig.
  • Karthäuserhof: Hatte ich schon einige Jahre nicht mehr getrunken. Früher fehlte häufig etwas die Konstanz. Die gezeigten 2022er waren aus einem Guss, die kühle, leicht phenolische Gutsstilistik zog sich durch die gezeigten Weine. Antrinktipp: 2022er Eitelsbacher Alte Reben Riesling trocken
  • Bischöfliche Weingüter Trier: Es tut sich was: Das Gelände am Scharzhofberg ist herausgeputzt, der Blick auf die schöne Obstwiese frei, ein zentrales Kelterhaus ist geplant und die Weinbezeichnungen wurden entrümpelt, trockene und feinherbe Prädikate sind Vergangenheit. Eine schöne Entwicklung. Dazu das wahnsinnige Lagenpotential. In allen Lagen mit Rang und Namen ist das Weingut vertreten. Antrinktipp: der fruchtig, frische, balancierte 2023er Scharzhofberger Riesling feinherb

 

Zum Schluss noch ein Feedback an die Organisatoren: Die Veranstaltung ist wunderbar, mir fehlen nur konsequente Weinlisten an den Stationen, um direkt darauf Notizen zu machen. Teilweise gibt es Aufstellungen der Probenweine im „SaarRieslingSommer“-Style, teils direkt vom Weingut, teils nur allgemeine Preislisten, teils ist nichts mitzunehmen. Eine kompakte Liste der Probenweine pro Station wäre toll. Musterbeispiel ist die Weinliste am Standort Geltz-Zilliken. Ich brauche das auch nicht zum Mitnehmen, eine Downloadmöglichkeit von Stationslisten oder einer Gesamtexcel würde die Logistik schon deutlich erleichtern.

Bis nächstes Jahr an der Saar!

SaarRieslingSommer 2017 Teil 1

Shuttlebus-Transfer – Genial!

Am Wochenende war es mal wieder soweit. Zwischen Filzen und Serrig wurde der SaarRieslingSommer begangen. Nach 2015 und 2016 waren wir auch dieses Jahr wieder dabei.

12 Weingüter warteten mit diversen Gastwinzern auf probierfreudige Gäste. Verbunden durch einen genialen Shuttle-Bus-Service mittels VW-Bussen und dichter Taktfrequenz.

 

Die Saar – Weinland in Bewegung

Die Wein-Saar ist in Bewegung, so viel steht auf jeden Fall fest:

Mit dem Weingut Cantzheim ist eine komplette Neugründung aus Kanzem am Start. Wunderschön gelegen am Fuße des Altenbergs haben die Gründer ein herrliches Gutshaus aus 1740 vorbildlich saniert, um weitere kontrastierende Baukörper erweitert und ein sehr schönes Außengelände angelegt.

Ganz im Süden in Serrig wurde das Weingut Dr. Siemens von der Familie Heimes übernommen und hat seinen alten Namen „Würtzberg“ zurückbekommen.

Berücksichtigt man dazu, daß das Weingut van Volxem seit Jahren wächst – das neue imposante Weingutsgebäude auf dem Wiltinger Schlossberg mittlerweile im Rohbau steht und daß Markus Molitor (leider kein Teilnehmer beim diesjährigen SaarRieslingSommer) erst vor kurzem die Staatsdömane in Serrig mit gleich 22 ha Weinberg erworben hat, kann man von geradezu großer Dynamik an der Saar sprechen.

Mir gefällt das gut, wachsen an der Saar doch einige der elegantesten, filigransten und feinsten Weine Deutschlands.

 

Jahrgang 2016 im Schatten des großen 2015

Präsentiert wurde auf den Weingütern natürlich im Wesentlichen der aktuelle Jahrgang 2016.

Schwer hat es der Jahrgang in jedem Fall. Der Vorgänger aus 2015 war an Mosel, Saar und Ruwer einfach hervorragend und die Weine schon früh sehr zugänglich. Super schöne Frucht, strahlende Säure – kurz: sowohl bei Mythos Mosel als auch dem letzten SaarRieslingSommer war das Verkosten von trockenen wie fruchtigen Weinen ein pures Vergnügen.

Um es vorweg zu nehmen: 2016 knüpft daran nicht umfassend an. Die Säure ist insgesamt etwas niedriger, Phenole (Bitternoten) sind verstärkt ein Thema und die Frucht ist häufig weniger klar und frisch, dafür aber die Würze gelegentlich tiefer und spannender. Ein schlechter Jahrgang ist 2016 aber nicht. Wer es geschafft hat, seine Trauben vor der durch nasses Wetter in Frühjahr und Frühsommer grassierenden Peronospora (Falscher Mehltau) zu retten, wurde im Spätsommer durch (fast schon zu) trockene heiße Tage und kühle Nächte belohnt.

Trotzdem: Insbesondere viele hochwertige, trockene Weine waren für mich dieses Jahr sehr schwer einzuschätzen, wirkten unfertig. Alles war da, aber die Geschmackskomponenten standen nebeneinander. Ob sich alles richten wird und die Komponenten in ein paar Monaten zu einem großen Wein verschmelzen werden? Eine Frage, die ich in einigen Fällen nicht wirklich beantworten konnte.

Das erdet und zeigt, wie unterschiedlich die Jahrgänge sind und wie viel Erfahrung man doch braucht, um bei derart jungen Weinen in diesen Jahren eine Prognose abgeben zu können. Da kann ich vor den professionellen Weinkritikern nur den Hut ziehen, die bei Weinen in diesem Zustand schon zur Punktevergabe schreiten können. Ich muss auf jeden Fall noch einige Jahre verkosten, um hier sicherer zu sein.

Nichts desto trotz waren natürlich viele Weine dabei, bei denen ich mich bezüglich Prognose festlege und die ich guten Gewissens empfehlen kann.

 

Beste Kollektion: Peter Lauer

Weingut Peter Lauer – mein Favorit dieses Jahr

Für mich das Weingut mit der besten Kollektion war Peter Lauer aus Ayl.  „Riesling für Fortgeschrittene“ steht auf der Preisliste des Weinguts. In meinem letztjährigen Bericht war schon eine gewisse Annährung zwischen mir und Lauer zu lesen. Dieses Jahr bin ich in den Kreis der „Fortgeschrittenen“ aufgestiegen.

Die Kollektion zeigte eine unglaubliche Homogenität. Saftig, frisch, schlank, würzig mineralisch mit schöner, glasklarer Säure. Egal ob trocken oder fruchtig. Trocken ist bereits der 2016er Faß 25 Riesling empfehlenswert, aber insbesondere die großen Gewächse 2016er Faß 13 Feils Riesling GG und 2016er Faß 11 Schonfels Riesling GG haben mich mit ihrer tiefen Würze und Kräutrigkeit überzeugt. Liegen müssen Sie natürlich noch, aber schon jetzt beginnen hier die Geschmacksbestandteile zusammen zu wachsen.

Im „trockenen bis feinherben“ Bereich (Kategorie aus Preisliste übernommen) ist der 2016er Faß 6 Riesling ein echter Preis-/Leistungstipp. Der 2106er Faß 12 Unterstenberg Riesling und insbesondere der 2016er Faß 17 Neuenberg Riesling stehen den GG nicht wirklich nach, sind aber natürlich durch den etwas höheren Restzucker etwas zugänglicher.

Der 2016er Faß 15 Stirn Riesling und der 2016er Faß 9 Kern Riesling schließen im feinherben Segment mit tollem Trinkfluss an.

Im fruchtigen Bereich stehen echte Knaller zur Versteigerung an. Der komplexe 2016er Faß 6 Riesling Kabinett mit leichter Spontinase und die frische 2016er Faß 24 Riesling Spätlese.

 

Zu Gast war Peter Lauer beim Weingut Forstmeister Geltz – Zilliken in Saarburg. Letztes Jahr konnte ich hier eine atemberaubende Kollektion verkosten. Dieses Jahr steht quasi im gesamten fruchtigen Bereich bereits „ausverkauft“ auf der Preisliste. Die Wetterkapriolen in 2016 hatten ihren Tribut gefordert und es konnten nur geringe Mengen geerntet werden. Schade…

Hervorheben kann ich hier dann auch insbesondere einen trockenen Wein, den komplexen, würzigen 2016er Saarburger Alte Reben Riesling trocken.

Überraschend auch wieder die 2003er Saarburger Rausch Riesling Spätlese, die zurzeit in einem optimalen Trinkfenster ist und trotz des heißen Jahrgangs eine schöne Frische und Harmonie mitbringt (ab Weingut noch erhältlich).

Weiter in Teil 2

SaarRieslingSommer 2017 Teil 2

Fortsetzung von Teil 1:

Ebenfalls überrascht haben mich die Weine, die Dr. Loosen aus Bernkastel als Gast im Weingut Piedmont dabei hatte. Bei Dr. Loosen hatte ich in der Vergangenheit häufiger meine Probleme bei der Einschätzung verkosteter Weine. Bringen Sie doch häufig eine sehr erdige, spezielle Würze mit, die mir oft nicht so zusagt. Diesmal wurde ein 2014er Bernkasteler Lay Riesling GG ausgeschenkt, der sehr elegant und feingliedrig und kräuterwürzig daherkommt – überraschend, wie schön 2014 hier ist. Der 2015er Graacher Domprobst Riesling GG ist dann ein richtiger Knaller. Tief, dunkel mineralisch, etwas erdig, dicht, kraftvoll aber kompakt. Ein Musterbeispiel für ein Mosel GG.

Aber auch die gezeigten 2016 konnten überzeugen. Im trockenen Bereich insbesondere der 2016er Blauschiefer Riesling und im feinherben Bereich der 2016er Grauschiefer Riesling, die viel Wein für kleines Geld bieten. So gehen Einstiegsweine!

 

In Filzen war auch das Weingut Reverchon Gastgeber. Hier konnte eine sehr schlüssige Kollektion verkostet werden. Der Schwerpunkt liegt hier auf der klaren Rieslingfrucht. Die Weine sind nicht verspielt und nicht verkopft, dabei aber wunderbar straight und trinkig und bieten Spaß für kleines Geld. Herausheben möchte ich den strahlenden 2016er Saar Riesling trocken und den 2016er Filzener Herrenberg Riesling Alte Reben trocken – einen kraftvollen aber auch eher frucht- als würzebetonten Vertreter.

 

Gelungener erster Jahrgang bei Cantzheim

Cantzheim – ein wunderbares Anwesen am Fuß des Altenbergs

In Kanzem gibt es seit diesem Jahr mit dem Weingut Cantzheim einen dritten Gastgeber. Für ein Erstlingswerk ist der 2016er Jahrgang sehr gut gelungen. Heraus sticht ein schöner 2016er „der Kabinett“ Riesling und eine 2016er Saarburger Fuchs Riesling Auslese. Beide Weine frisch, schlank und typisch saarmineralisch. Fein! Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren noch viel aus Cantzheim hören werden.

Zu Gast war Stephan Steinmetz von der Obermosel.

Die Obermosel ist geologisch ein Teil des Pariser Beckens. Damit dominiert hier der Muschelkalk und nicht der Schiefer und das Gebiet liegt quasi näher an der Champagne als an Bernkastel oder Wiltingen. Daher werden bei Stephan Steinmetz auch Burgundersorten angebaut und kein Riesling.

Letztes Jahr bei Mythos Mosel hatte ich zum ersten Mal seine Weine im Glas. Preislich liegt liegen die Weine deutlich unter 10 EUR. Und dafür wird viel geboten. Ob Elbling, Weißburgunder, Auxerrois oder Grauburgunder. Alle Weine haben ein schönes Gerüst, was wahrscheinlich auch aus einer langen Lagerung auf der Hefe resultiert. Dadurch entstehen feine, aber eben strukturierte, fast kalkige Weine, die Spaß machen. Besonders stark sind seine Crémants. Allen voran der Crémant Rosarot Brut. Ich habe noch keinen Sekt/Crémant getrunken, der ein besseres PGV bietet (12,50 EUR).

Der Dritte im Bunde bei Cantzheim war Daniel Twardowski aus Neumagen-Drohn. Spätburgunder-Winzer. Ausschließlich!

Und was für einer. Der 2014er Pinot Noix Ardoise ist noch am Anfang seiner Entwicklung und noch etwas grün hinter den Ohren. Der 2013er Pinot Noix Ardoise öffnet sich dagegen langsam. Straff, schlank und mit viel Grip kommt der Wein daher. Dennoch kein ganz kalter, karger Vertreter. Dazu eine ganz komplexe Würze von Pfeffer bis Schokolade. Wunderbar!

 

Der Weg zum Nachbarn war dann kurz. Von Othegraven. 2015 auf ganzer Linie einer meiner Lieblinge. 2016 bei den trockenen GGs einfach noch nicht einzuschätzen. Ich gehe schon davon aus, dass mit einigen Monaten Flaschenreife alles zusammenwächst – Kellermeister Andreas Barth sollte hier genug Erfahrung haben, aus 2016 etwas feines zu zaubern. Aber für eine konkrete Einschätzung ist es für mich gerade einfach zu früh. Dafür rufe ich gern das zweite Othegraven-Kabinettjahr in Folge aus. Ob 2016er Wiltinger Kupp Riesling Kabinett, 2016er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett (verkostet bei K&M Gutsweine, Frankfurt), 2016er Wawerner Herrenberger Riesling Kabinett oder 2016er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett – alle zeichnen sich durch schöne Würze und Frucht aus. Der schon sehr offene Altenberg ist mein persönlicher Favorit, der Bockstein ist der würzigste, die Kupp der schlankeste und straighteste. Kaufen nach persönlicher Vorliebe… Super!

Schön auch die feinen Spätlesen aus dem Altenberg. Die feine 2016er Altenberg Riesling Spätlese wird nochmal durch die 2016er Altenberg Riesling Spätlese Alte Reben getoppt, die eine wunderbare Würze und ein tolles Kraft-/Eleganzverhältnis hat.

 

Unter den Gästen von Günter Jauch dann die nächste Überraschung:

Mit van Volxem bin ich in den letzten Jahren ebenfalls nicht gut klar gekommen. Sie zeigten zwar stets eine gewisse Spannung, wurden ihrem Ruf aber für mich nie gerecht und wirkten oft unfertig und ruppig.

2016 ist das anders. Mir gefielen alle 5 angestellten Weine sehr gut. Besonders empfehlenswert der 2016er Wiltigner Riesling trocken, der 2016er Rotschiefer Riesling Kabinett und der 2016er Wawerner Ritterpfad Riesling Kabinett.

 

Volles Haus bei Maximilian von Kunow

Die größte Station war wieder im Hause von Hövel. Maximilian von Kunow hatte 6 Gäste nach Oberemmel eingeladen.

Beim Gastgeber gefielen mir die restsüßen 2016er Weine am besten.

Der 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Kabinett hat eine spannende Aromatik mit viel Birne, der 2016er Scharzhofberger Kabinett ist fein und eher fruchtig. An der Spitze steht zurecht der „neue“ Spitzenkabinett 2016er Saar Riesling „S“ Kabinett.

Aber auch die 2016er Oberemmeler Hütte Riesling Spätlese macht eine sehr gute Figur.

 

Julian Treis und Ivan Giovanett stellten am Stand des Weinguts Treis auch ihr Projekt Sorentberg vor. 2012 rekultivierten Sie den Weinberg Reiler Sorentberg in einem Seitental der Mosel nach 25 Jahren Brache. Hierbei wurden auch etwa 1000 verwilderte wurzelechte alte Reben wieder nutzbar gemacht. Hieraus entsteht das Flagschiff 2015er Riesling „von 1000 alten Reben“. Ein langes Hefelager und die Spontangärung im Moselfuder sorgt hier für einen wunderbar komplexen Wein, der sicher zur Spitzengruppe der Mosel im niedrigen feinherben Bereich gehört. Aber auch der 2016er Riesling Rotschiefer aus 2012 neu gepflanzten Reben zeigt, wie viel Leidenschaft die beiden in das Projekt stecken.

 

In einer ganz eigenen Liga spielen dann mal wieder die Weine von Joh. Jos. Prüm aus Wehlen.

Prüm – setzt Maßstäbe wie immer!

Mit dem 2016er Graacher Himmelreich Kabinett zeigt das Weingut einen ziemlich unfertigen Wein, der aber beste Anlagen hat, ein sehr guter Prüm zu werden. Die 2014er Bernkasteler Badstube Riesling Spätlese ist jahrgangsbedingt schön schlank, und bringt eine feinere Würze mit sich als die Graacher oder Wehlener Rieslinge.

Die 2012er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese ist ein typischer Prüm mit Spontinase, toller Würze und dieser unglaublich feinen Abstimmung zwischen Säure und Süße, Kraft und Eleganz.

Auch zur Einstimmung am Vorabend im Weinhaus Trier perfekt.

Die 2009er Graacher Himmelreich Riesling Auslese kommt aus einem eher warmen Jahr. Man könnte jetzt hier Opulenz, fehlende Frische, ggf. schon vorzeitige Alterung erwarten, aber nein hier definitiv nicht. Der Wein ist frisch, balanciert und nur ein wenig kraftvoller als vergleichbare Prüm-Spätlesen aus anderen Jahren. Das gleiche galt übrigens auch für die 2009er Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese, die wir am Freitag zur Einstimmung im Weinhaus Trier genossen.

 

Ein bisschen aus dem Riesling-Rahmen fiel dann das Weingut Salwey aus Baden.

Endlich hatte ich mal Zeit, zumindest die Weißweine in Ruhe zu verkosten. Mir gefallen die Weiß- und Grauburgunder von Salwey sehr. Die Reserve-Ortsweine 2015er Oberrotweiler Weißburgunder RS trocken und der 2015er Oberrotweiler Grauburgunder RS trocken sind beide trotz des warmen Jahrgangs nicht zu dick sondern bieten Trinkfluss und Frische. Der Grauburgunder hat hier fast noch die Nase vorn.

Beim 2014er Oberrotweiler Henkenberg Weißburgunder GG und dem 2014er Oberrotweiler Henkenberg Grauburgunder GG setzt sich das mit etwas mehr Extrakt und Fülle so fort. Die Weine sind zudem mit 0,1 g Restzucker komplett durchgegoren. So stelle ich mir den Prototyp badischen Burgunders vor.

Maximin Grünhaus – Eleganz pur

Schloss Saarstein – hoch über dem Saartal

Zu Gast im Weingut Schloss Saarstein war Maximin Grünhaus Schlosskellerei C. von Schubert. Ausführlich kennengelernt habe ich das Weingut mit dem schwierigen 2014er Jahrgang. Das war damals schon großartig, war in der Kollektion doch eine derart dicke rote Linie von unaufgeregter Eleganz, die so nur selten zu finden ist.

Bei den am Wochenende aus 2015 und 2016 vorgestellten Weinen war das nicht anders.

Der 2016er Riesling Monopol ist ein hervorragender Einstieg. Der 2015er Abtsberg Riesling trocken zeigt dann mit der extrem schönen Frucht die Vorteile des 2015er Jahrgangs. Der 2016er Riesling Alte Reben steht dem aber in nichts nach.

Höhepunkt auch hier wieder die restsüßen Weine mit dem 2016er Herrenberg Riesling Kabinett und der 2016er Abtsberg Riesling Spätlese.

Alleinstellungsmerkmal ist bei allen tatsächlich die unaufgeregte Eleganz und Vielschichtigkeit. Das sind Weine, deren Vorzüge schnell verstanden sind und deren Größe gut erfassbar ist. So bekommen das wenige Kollegen hin.

 

Am Ende des Saarwein-Paradies im Weingut Würtzberg

Gast im fast verwunschenen Weingut Würtzberg am Ende der Saarweinwelt war schließlich das Weingut Selbach-Oster aus Zeltingen. 2015 gefiel mir bei Mythos Mosel sehr gut, ein paar gereifte Weine habe ich bereits bei Markus Reis im Zeltinger Hof mit Vergnügen getrunken. Schön präsentierte sich auch die 2016er Kollektion. Die Weine sind alle auf der schlanken, straffen Seite. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken bringt aber dennoch genug Kraft und vor allem Würze mit.

Der 2016er Graacher Domprobst Riesling Spätlese feinherb ist weit vorne im sonst oft schwierigen weil unausgeglichenen feinherben Premium Segment.

Im fruchtigen Segment wird es dann richtig klasse. Der 2016er Gutsriesling Kabinett ist das richtige für jeden warmen Spätsommerabend, der 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett bringt dann eine schöne Portion Zeltinger Schieferwürze ins Spiel. Die 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese ist da natürlich etwas kraftvoller. Beide bleiben aber sehr frisch und trinkig und haben eine schöne Säure.

 

So schnell kann ein Wochenende an der Saar zu Ende sein. Alles verkostet haben wir natürlich schon aus Zeitmangel nicht. Für die perfekte Organisation gilt es allen Winzern Dank zu sagen. Nur einen Wunsch habe ich für die kommenden Jahre. Das Wetter ist ja immer Bombe am letzten Augustwochenende an der Saar und die Zeit ist knapp für die Besucher. Ich würde mich daher über mehr kalte Kleinigkeiten (Käseteller, Wurstschnitte) zur Stärkung freuen, als über die vielen – gutgemeinten und natürlich auch schmackhaften – Flammkuchenstationen.

Der (noch heißere) SaarRieslingSommer 2016

Am letzten Wochenende fand wieder der „SaarRieslingSommer“ in verschiedenen Weingütern des Saartals zwischen Serrig und Konz statt. Nachdem wir letztes Jahr schon die schöne Veranstaltung genießen konnten, wollten wir sie in diesem Jahr eigentlich überspringen und ausgiebig Mythos Mosel unsicher machen. Krankheitsbedingt wurde daraus allerdings eine Stipvisite von mir allein und so entschieden wir recht kurzfristig, wieder an die schöne Saar zu fahren.

Die Winzer scheinen dort definitiv einen Vertrag mit dem Wettergott zu haben. Schon letztes Mal war es ein wirklich heißes Sommersonnenwochenende. Dieses Mal aber noch schweißtreibender. Ich könnte da jetzt meckern und mich über den vergossenen Schweiß ärgern. Aber es ist definitiv schöner, als bei Regenwetter von Weingut zu Weingut zu fahren und – wahrscheinlich auch durch das heiße Wetter – war die Veranstaltung gefühlt etwas weniger besucht als letztes Jahr, was die Verkostung gleich angenehmer gestaltete.

Von Trier aus bietet es sich an, mit der Bahn anzureisen und den von den Weingütern angebotenen Shuttleservice mit VW-Bussen zu nutzen. Auch hier war die Lage etwas entspannter als letztes Jahr. Nennenswerte Wartezeiten entstanden – zumindest für uns – nicht.

Erste Haltestelle der Deutschen Bahn im Weinland der Saar ist Kanzem. Die Station liegt außerhalb des Orts auf der gegenüberliegenden Saarseite, direkt am Fuß des Kanzemer Altenbergs und nur wenige Schritte vom Weingut von Othegraven entfernt.

Schon aufgrund vieler positiver Beiträge in den sozialen Medien erwartete ich hier einen exzellenten 2015er Jahrgang. Soviel vorab, enttäuscht wurde ich nicht.

Neben dem Gastgeber waren das Weingut van Volxem und das Weingut Nik Weis – St. Urbans-Hof mit von der Partie.

Verkostung ist Chefsache bei von Othegraven - Günther Jauch und Swen Klinger beim Ausschank

Verkostung ist Chefsache bei von Othegraven – Günther Jauch und Swen Klinger beim Ausschank

Bei von Othegraven war die Präsentation der Weine klar Führungsaufgabe. Günther Jauch, Kellermeister Andreas Barth und Gutsverwalter Swen Klinger schenkten aus.

Das Team hat 2015 alles richtig gemacht und hervorragende und sehr elegante Weine hervorgebracht, die für mich den „Saar-Stil“ perfekt interpretieren. Klar sind sie etwas kraftvoller als im letzten Jahr, sie sind aber nie dick.

Das beginnt bei dem feinen 2015er Kanzemer Riesling trocken Ortswein. Die Großen Gewächse sind dann schon der Hammer: Der 2015er Ockfener Bockstein Riesling GG ist sehr dicht, bleibt aber zurückhaltend elegant und ist schon ziemlich offen, während der 2015er Kanzemer Altenberg Riesling GG kraftvoller, würziger und quasi zum kauen ist. Dennoch auch hier eine schöne Säure und Eleganz.

Bei den restsüßen großen Lagen geht das Fest nahtlos weiter: 2015er Ayler Kupp Riesling Kabinett mit deutlicher Sponti-Nase, großer Saarwürze aber dennoch leicht wie eine Feder. Der 2015er Wawerner Herrenberg Riesling Kabinett hat etwas mehr Kraft markiert schon die Obergrenze für den Saar-Kabinett-Stil, ist aber sehr saftig und trinkig.

Der 2015er Kanzemer Altenberg Riesling Kabinett dann wieder ganz elegant und mit schönem Süße-Säurespiel, genauso wie die 2015er Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese, bei der zwar die größere Kraft durch die späte Lese schmeckbar ist, die durch ein fantastisch gutes Süße-Säurespiel und die schöne Würze aber immer elegant und fein bleibt.

Das Ganze endet dann in einer für mich in der ebenso feinen 2015er Kanzemer Altenberg Riesling Auslese, die zwar nichts für Liebhaber von dicken Dessertweinen ist, dafür aber durch die schöne Säure so saftig ist, dass man sicherlich problemlos auch das eine oder andere Glas trinken kann, ohne zu ermüden.

Nik Weis St. Urbans-Hof war unser nächstes Ziel. Vom Stil her definitiv anders. Mehr (erdige) Würze, mehr Kraft.

Der 2015er Schiefer Riesling zeigt sich noch zart, aber schon sehr würzig. Den 2015er Wiltinger Alte Reben Riesling hatte ich schon bei Mythos Mosel gekostet. Kühl, jung, kraftvoll und mit schöner Säure zeigt sich der Wein auch heute.

Ein Wagen mit Potsdamer Kennzeichen... Wem der wohl gehört?

Ein Wagen mit Potsdamer Kennzeichen… Wem der wohl gehört?

Das 2015er Ockfener Bockstein Riesling GG ist extrem dicht aber genauso kühl und bleibt elegant. Der 2015er Schodener Saarfeilser Marienberg Riesling Große Lage geht da weiter, ist noch dichter und extrem würzig, bleibt aber auch eher kühl. Er schmeckt noch trocken aber ist als feinherb zu deklarieren.

Bei den fruchtigen Weinen fällt es mir nach wie vor schwer bei Nik Weis genau einzuschätzen, wo die Reise hingeht. Die 2015er Schodener Saarfeilser Marienberg Spätlese und die 2015er Piesporter Goldtröpfchen Spätlese sind Kraftprotze mit reichlich Restsüße – liegen lassen, würde ich empfehlen, gut wird das bestimmt, ist jetzt aber noch nicht so ganz harmonisch.

Genauso schwer fällt es mir, die Weine von van Volxem einzuschätzen. Komplex und dicht sind die Rieslinge, aber in dem jungen Zustand auch verschlossen. Da war ich schnell raus.

Nach dieser ersten vielversprechenden Station nahmen wir noch einen großen Schluck kühlen Wassers, begaben uns in die sengende Hitze des Saartals und liefern über die Brücke in den Kanzemer Ort zur nächsten Station, dem Weingut Johann Peter Mertes.

Wie im letzten Jahr gefiel uns hier der 2015er Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese – Alte Reben trocken sehr gut und bietet mit 10,80 EUR ab Hof ein tolles Preis-/Genussverhältnis.

Auch die fruchtigen Kabinette, der 2015er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett und der 2015er Kanzemer Altenberg Kabinett wussten zu gefallen: Fein würzig und elegant.

Einer der Gäste vor Ort, das Weingut Karthäuser Hof hatte spannende gereifte Rieslinge im Gepäck. Der 2009er Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling GG und der 2007er Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese, zeigten schön, wo die Reise hingehen kann.

Der erdige, dichte 2015er Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben machte Lust darauf, irgendwann auch mal das 2015er Große Gewächs zu kosten.

Aber auch beim fruchtigen 2015er Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Kabinett passte alles. Der Wein zeigte einmal mehr, dass ich mit meiner nach dem Besuch von Mythos Mosel getroffenen Aussage, dass 2015 kein tolles Kabinettjahr wäre, nicht ganz so richtig lag.

Der verwunschene Park des Weinguts Dr. Wagner in Saarburg

Der verwunschene Park des Weinguts Dr. Wagner in Saarburg

Nach dieser Station gingen wir antizyklisch vor und ließen uns per Shuttle direkt nach Saarburg zum Weingut Dr. Wagner bringen. Wie im letzten Jahr gefielen uns dort die fruchtigen Weine besonders gut. Alle haben eine wirklich zupackende Säure und sind damit sehr saftig. Beginnend beim 2015er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett, über den 2015er Ockfener Bockstein Riesling Spätlese zur viel zu jungen 2015er Ockfener Bockstein Riesling Auslese sind alle mit toller Würze und schöner Trinkigkeit ausgestattet.

Der Gast Weingut Mönchhof Robert Eymael/Joh. Jos. Christoffel Erben zeigte ein schönes, kraftvolles und moselwürziges 2015er Ürziger Würzgarten Riesling Großes Gewächs (JJCE) und eine feine 2013er Erdener Treppchen Riesling Auslese ** (JJCE).

Unsere nächste Station war dann bei den Bischöflichen Weingütern am Scharzhofberg.

Der Gastgeber überzeugte vor allem mit gereiften Weinen: Die 2011er Wiltinger Scharzhofberg Riesling Spätlese, die immer noch blutjunge 2010er Kanzemer Altenberg Riesling Auslese Goldkapsel und die kraftvolle 2010er Kanzemer Altenberg Riesling Beerenauslese.

Wahnsinn dann die Weine des Gastes aus Baden. Dem Weingut Ziereisen. Einige Weine kenne ich von der Hausmesse von K&M Gutsweine in Frankfurt. Super Dinger, so auch hier: Der 2013er Blauer Spätburgunder unfiltriert ist ein toller Einstieg und günstig für 9,80 EUR ab Weingut. Der 2013er Rhini Blauer Spätburgunder unfiltriert und der 2013er Jaspis Pinot Noir unfiltriert sind saustark. Dicht, kraftvoll, aber auch mit schöner Säure und damit gar nicht dick, sondern elegant und viel zu jung.

Auch elegant und mit gekonntem Holzeinsatz dann der 2013er Jaspis Grauer Burgunder unfiltriert. Vielleicht der beste Grauburgunder, den ich je getrunken habe – und gar nicht langweilig und ermüdend wie so häufig in Baden.

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Weingut von Hövel – eine Top-Kollektion

Nun war es höchste Zeit, das nächste Shuttle zu erwischen und weiter nach Oberemmel zu kommen. Das Weingut von Hövel war als Tagesabschluss gesetzt.

Letztes Jahr fiel es mir schwer, die 2014er von Maximilian von Kunow einzuschätzen. Dieses Mal ist das anders, die 2015er sind Bombe. Das fängt an beim 2015er Weißburgunder Gutswein, der schlank aber ausdrucksstark geworden ist und geht weiter bei den Gutsrieslingen die als 2015er Saar Riesling trocken/feinherb/Kabinett einen schönen Einstieg bilden. Im trockenen Bereich wurde noch der feine, fruchtbetonte 2015er Hütte Oberemmel Riesling GG und der extrem dichte und steinige 2015er Wiltinger Scharzhofberg Riesling GG gezeigt, hervorragend mit schöner Würze und großem Potential.

Bei den feinherben großen Lagen gibt es nicht weniger Gutes zu berichten. Voran der dichte und kraftvolle 2015er Wiltinger Scharzhofberg Riesling. Aber auch der 2015er Hütte Oberemmel Riesling gefielen mir sehr gut.

Im „feinfruchtigen“ Bereich gab es dann gleich einige Hammer: Beim 2015er Hütte Oberemmel Riesling Kabinett muss ich meine Einschätzung von Mythos Mosel revidieren. Ja, er hat Kraft, aber er ist definitiv leichtfüßig genug, um ein schöner Kabinett zu sein. Der 2015er Wiltinger Scharzhofberg Riesling Kabinett ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Herausragend dann die Spät- und Auslesen. 2015er Hütte Oberemmel Riesling Spätlese, 2015er Wiltinger Scharzhofberg Riesling Spätlese waren hervorragend. Angemessene Kraft und schöne Säure und etwas ruhiger als bei Mythos Mosel. Höhepunkt dann die 2015er Wiltinger Scharzhofberg Riesling Auslese ***. Großes Saarkino. Weiter so!

Bei Gastweingut Joh.Jos. Prüm gab es natürlich keine 2015er Weine zu probieren. Es wurden ein 2012er Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, eine 2009er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese, eine 2009er Graacher Himmelreich Auslese und ein 2014er Graacher Himmelreich Kabinett gezeigt. Die ersten drei Weine, ganz typische Prüms, der letzte überraschend zart und fein und nicht ganz so würzig. Aber alle 4 hervorragend.

Ebenfalls eine tolle 2015er Kollektion bei dem Gast Fritz Haag aus Brauneberg. Saustark das 2015er Brauneberger Juffer Riesling GG – ganz salzig und tiefgründig, gleichzeitig ruft der Wein aber laut Trink! Mich! Jetzt!. Im restsüßen Bereich dann ein schöner 2015er Brauneberger Riesling Kabinett (ja, 2015 ist ein Kabinettjahr), eine hervorragende 2015er Brauneberger Juffer Riesling Spätlese und eine 2015er Brauneberger Juffer Riesling Auslese.

Dann war urplötzlich 18 Uhr. Ende! Kesselstatt nicht probiert, Salwey aus Baden – nur schnell ein kleines gutes rotes Schlückchen. Schade aber nicht zu ändern. Den Tag ließen wir dann vor Ort auf der Riesling Party ausklingen. Endlich schlucken statt spucken und dazu Live-Musik. Sehr schön.

Der Raritätenkeller von Forstmeister Geltz - Zilliken

Der Raritätenkeller von Forstmeister Geltz – Zilliken

Am Sonntag war unsere erste Station das Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken. Eine gute Wahl für die ausgeruhte Zunge. Es wurde genial. Trocken wie fruchtig. Angefangen beim 2015er Zilliken Riesling trocken, der für einen Gutswein schon sehr dicht und würzig ist, weiter beim 2015er Saarburg Riesling Alte Reben, mit noch mehr Dichte, ist aber gleichzeitig weich und elegant. Auch das 2014er Saarburger Rausch Riesling GG top – zarter als die 2015er Weine aber vielschichtig und sehr elegant.

Feinherb mein Favorit der 2015er Saarburger Rausch Riesling Diabas, von dem ich am liebsten schon gleich die ganze Flasche getrunken hätte.

DIE Weine des Wochenendes dann die Kabinette. Den idealen Saarkabinett stelle ich mir genauso vor wie den 2015er Ockfener Bockstein Riesling Kabinett – das geht aus meiner Sicht nicht besser. Feinwürzig, saftig, trinkig – wow! Etwas kräftiger aber ebenfalls ein echter und großer Kabinett der 2015er Saarburger Rausch Riesling Kabinett.

Muss ich erwähnen, dass man natürlich auch die 2015er Saarburger Rausch Riesling Spätlese bzw. 2015er Saarburger Rausch Riesling Auslese bunkern und lange weglegen sollte? Ich bin nun schon das zweite Jahr in Folge einfach begeistert von der Leistung der Zillikens. Eleganter, in sich ruhender, feiner und spannender geht es kaum.

Gezeigt wurden auch zwei reifere Weine: ein 2013er Saarburger Riesling trocken, der jetzt eine schöne Reife hat und eine atemberaubende 2010er Saarburger Rausch Riesling Auslese Goldkapsel.

Ein Gast war hier das Weingut Peter Lauer. Zweimal habe ich schon Weine verkostet. Zweimal waren sie schwierig. Nicht schwierig im Sinne von schlecht, aber schwierig einen Zugang zu finden.

Diesmal – ganz ausgeruht und bestens gestimmt – machte ich einen weiteren Schritt zum Verständnis des erdigen Stils des Hauses.

Die mächtigen tiefen Großen Gewächse zum Beispiel sind schon ziemlich stark. Das 2015er Schodener Saarfeilser Riesling GG ist tief mineralisch und würzig und recht verschlossen. Das 2015er Ayler Schonfels Riesling GG ist schon etwas offener und etwas fruchtiger, aber auch hier mit dichter Mineralität und Würze.

Im „trockenen bis feinherben“ Bereich gefielen mir sowohl der 2015er Ayler Kupp Unterstenberg Riesling als auch der 2015er Ayler Kupp Neuenberg Riesling gut.

Der feinherbe 2015er fass3 Riesling dann ist extrem saftig und nicht ganz so erdig. Der 2015er Ayler Kupp Kern Riesling war mir schon bei Mythos Mosel positiv aufgefallen.

Das könnte noch was werden mit mir und den Lauer-Weinen.

Der zweite Gast bei Zillikens – Franz Keller aus Baden zeigte einen 2015er Oberbergener Pulverbuck Weißburgunder, einen 2015er Oberbergener Bassgeige Chardonnay und einen 2015er „Franz Anton“ Grauburgunder. Spannend, weil alle Sorten für badische Verhältnisse und trotz der Sonne des 2015er Jahrgang angenehm schlank blieben. Gleiches galt für zwei zu junge Spätburgunder, den 2014er Jechtinger Enselberg Spätburgunder und den 2014er Franz Anton Spätburgunder mit schöner Säure.

Spannend auch das 2014er Achkarrer Schlossberg Grauburgunder GG – nach einem GG aus Saale-Unstrut erst mein zweites dieser Rebsorte.

Unsere letzte Station war dann Filzen. Im Weingut Reverchon war Jean Stodden von der Ahr zu Gast und hatte natürlich Spätburgunder dabei. Ich mag den kühlen und saftigen Ahrstil sehr und wurde auch hier nicht enttäuscht. Der 2014er Spätburgunder J ist zu jung und hat noch recht hartes Tannin, der 2012er Spätburgunder JS dagegen ist dicht, aber weich und mit toller Säure und ist ebenfalls jung. Der 2013er Recher Spätburgunder dann ist sehr kühl und dunkel und das 2013er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG ist dann extrem dicht, sehr tief und kühl und ganz viel zu jung aber bestimmt mit großem Potential.

Ja, und das war es dann schon wieder aus der Hitze der Saar.

Mein Fazit: 3 Top-Kollektionen (Zilliken, Othegraven, Hövel), 2015 ist doch Kabinettjahr und 2015 ist insbesondere ein Jahr für hochwertige trockene Lagenweine/GG an der Saar – viel zugänglicher und m.E. auch besser als 2014. 2015 ist aber auch kein Selbstläufer. Einige Weine – insbesondere im trockenen Bereich waren phenolisch bitter und sehr unausgewogen.

Die Veranstaltung selbst war wieder top organisiert, der Bustransfer funktionierte bestens, überall gab es leckere Speisenangebote. Meinen kleinen Verbesserungsvorschlag von Mythos Mosel wiederhole ich auch hier gern: Schön wäre, wenn überall genug Verkostungslisten gelegen hätten und diese vielleicht im nächsten Jahr ein bisschen besser gestaltet sind, um Platz und Linien für Notizen zu haben.

 

 

Der heiße SaarRieslingSommer Teil 2/2

Im ersten Teil des Eintrags habe ich von Samstag des SaarRieslingSommers 2015 berichtet. Hier nun die Zusammenfassung vom Sonntag.

Blick ins Saartal über Serrig - im Hintergrund oben Schloss Saarstein

Blick ins Saartal über Serrig – im Hintergrund oben Schloss Saarstein

Am Sonntag beschlossen wir, nicht mit Zug und Bus die fehlenden Weingüter zu bereisen, sondern wählten das Auto – aufgrund der großen Hitze von 33°C war das auch definitiv die bessere Wahl. Diesmal begannen wir am entferntesten Punkt (von Trier gesehen). In Serrig besuchten wir mittag zu erst das Weingut Schloss Saarstein. Das Weingut tront auf einem Höhenrücken an der Saar, von der Terasse bietet sich ein wunderbarer Ausblick. Die Probe fand in herrschaftlich eingerichteten Räumen statt.

Portal Weingut Schloss Saarstein

Portal Weingut Schloss Saarstein

Von den verkosteten Weinen gefielen uns hier wieder die restsüßen besonders gut: 2013er Kabinett feinherb, 2014er Spät- und Auslese, 2011er Spätlese, 2009er und 2002er Auslese. Die 2009er Auslese war hierbei mit der schönen Reife das Highlight.

Die nächste Station lag dann wieder in Saarburg. Im Weingut Forstmeister Geltz Zilliken probierten wir erneut bei sehr netten Gastgebern manch tollen Riesling. Auch hier lag der Schwerpunkt auf den hervorragenden Kabinetten, Spät- und Auslesen. Beginnend mit dem 2014er Saarburger Riesling Kabinett (gekauft), der mit klarer Fruchtigkeit einen unkomplizierten Genuss darstellt, über den 2014er Saarburger Rausch Kabinett (gekauft), der schon mehr Würze und Festigkeit zeigt, zur 2014er Saarburger Rausch Spätlese und Auslese, die schon jetzt hervorragend sind – und in einigen Jahren bestimmt nochmal besser. Highlights waren hier die gereiften Weine: der 2003er Saarburger Rausch Spätlese (gekauft) mit toller Fülle und Jugendlichkeit und der wahnsinnige 2010er Saarburger Rausch Auslese Goldkapsel, der leider etwas über meinem Preislimit lag…

Als Gast hatten die Zillikens das Weingut Peter Lauer. Seine Weine hatten einen ganz eigenen, erdigen, kräftigen Stil. Besonders gut gefielen die feinherben 2014er Neuenberg faß 17, 2014er Stirn faß 15 und die fruchtige 2014er Auslese faß 10.

Ein weiteres Highlight bei Zillikens war sicher die Anwesenheit des Weinguts Bernhard Huber (Baden). Die Spätburgunder waren grandios. Angefangen beim 2012er Spätburgunder Gutswein über den 2012er Alte Reben Spätburgunder bis zum 2012er Bienenberg GG Spätburgunder. Die Spätburgunder sind alle schlank und präzise, aber nicht kühl sondern warm. Das ist eine Besonderheit für mich, kommen doch meist eher die Assoziationen schlank und kühl und oppulent und warm zusammen.

Weingut Piedmont - Roter Teppich

Weingut Piedmont – Roter Teppich

Zeit die erworbenen Weine einzuladen und Abschied zu nehmen von den netten Zillikens. Die beiden letzten Stationen der Saarrundfahrt liegen glücklicherweise nebeneinander in Filzen.

Zuerst besuchen wir das Weingut Piedmont. Hier gefiel mir insbesondere der 2014er Filzener Kabinett, der durch die schöne Ausgewogenheit zwischen Kraft und Frische auffällt.

Im Weingut Reverchon endet dann die Reise. Und das äußerst erfreulich. Sowohl die trockenen, als auch die feinherben und fruchtigen Weine sind hervorragend. Das ist an Mosel und Saar eher selten so. Hervorzuheben sind hier der 2014er Saar Mineral, 2014er Saar Alte Reben, 2014er Herrenberg Kabinett, 2014er Herrenberg Spätlese. Auch die Sekte waren klasse!

Als Gast war hier das Weingut Peter Jakob Kühn aus dem Rheingau. Ein Weingut, dessen Weine ich immer schon mal kosten wollte. Kühn hat einen eigenen Stil, der schwer zu beschreiben ist. Hervorragend waren der 2013er Sankt Nikolaus Riesling GG (zu jung) und der 2014er Oestrich Lenchen Riesling Kabinett GL. Auch der trockene 2014er Rheinschiefer – Hallgarten Ortswein war sehr gut, was bei vielen Ortsweinen im Rheingau nicht unbedingt der Fall ist.

 

Fazit:

Der SaarRieslingSommer war eine tolle Veranstaltung. Bestens organisiert – auch der Busshuttle zwischen den Gütern. Aufgrund der großen Anzahl an Stationen ist eine solche Veranstaltung aber auch immer etwas anstrengend und als Komplettpaket eher etwas für den Weinfreak. Für mich war es einfach die ideale Gelegenheit die Top Güter der Region kennengelernt, da hat sich der Einsatz definitiv gelohnt.  Aber auch für eine kleine Best of Auswahl von 2-3 Stationen würde sich der Ausflug im nächsten Jahr wieder lohnen.

 

Der heiße SaarRieslingSommer Teil 1/2

Am 29. und 30. August fand dieses Jahr der SaarRieslingSommer statt.

Bei dieser Veranstaltung luden 10 Weingüter im schönen Saartal ein, Ihre Weine und die Weine von insgesamt 20 Gastwinzern zu probieren.

Wer den Ehrgeiz besitzt die meisten Weine verkosten zu wollen, der sollte sich schon beide Tage hierfür freihalten.

Wir taten dies glücklicherweise, indem wir in Trier ein Hotel für die Nacht von Samstag auf Sonntag buchten.

Sehr praktisch ist übrigens, dass sich die Anreise an die Saar von Trier aus wirklich einfach gestaltet. Die Saartalbahn hat Bahnhöfe in Kanzem, Wiltingen, Schoden-Ockfen, Saarburg und Serrig und verkehrt im Stundentakt. Alternativ ließ sich aber auch ein Bustransfer von Trier aus buchen.

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Weingut von Othegraven

Sämtliche Weingüter waren zudem durch einen von den Winzern organisierten Bustransfer (VW-Busse) untereinander verbunden. Diesen Service nutzten wir am Samstag. Die Busse verkehrten teilweise im 10 Minuten-Takt, sodass keine langen Wartezeiten entstanden. – Super!

Wir starteten in Kanzem, wo das Weingut von Othegraven nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt liegt. Günter Jauch, der das Weingut aus dem Familienkreis vor einiger Zeit erworben hatte, schien sich wohl zu fühlen in der Rolle des Gastgebers und begrüßte möglichst viele Gäste persönlich.

Von den ausgeschenkten Weinen blieb der 2014er Kanzemer Riesling und der 2014er Altenberg GG Riesling bei den trockenen Weinen und der 2014er Alltenberg Riesling Auslese fruchtig besonders in Erinnerung.

Der erste Gastwinzer, das Weingut van Volxem zeigte eine kompromisslos straighte Kollektion, die mich aber bis auf den 2009er Brut 1900 Riesling Sekt eher ratlos zurücklies.

Beim zweiten Gastwinzer Friedrich Becker aus der Pfalz habe ich drei Spätburgunder verkostet (2011er Schweigen Spätburgunder, 2011er Rechtenbacher Spätburgunder und 2011er Herrenwinger Spätburgunder), die allesamt in ihren Kategorien hervorragend waren. Mir persönlich kommt hier der eher warme pfälzische Stil sehr entgegen.

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Der wunderbare Garten

von Othegraven: Der wunderbare Garten

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von Othegraven: Im Hof

von Othegraven: Im Hof

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Der Kanzemer Altenberg

Der Kanzemer Altenberg

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Die alte Saar auf der Kanzemer Brücke

Die alte Saar auf der Kanzemer Brücke

Der Weg führte uns fußläufig über den Altarm der Saar herüber auf die Saarinsel in den Kanzemer Ort zum Weingut J. P. Mertes.

Hier verkosteten einen hervorragenden trockenen Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese – Alte Reben aus den Jahrgängen 2013 und 2014.

Danach ging es weiter nach Wiltingen zu den Bischöflichen Weingütern Trier.

Der Scharzhofberg

Der Scharzhofberg

Direkt am Fuß des Scharzhofbergs liegt das herrschaftliche Anwesen. Nachdem die Bischöfflichen das Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium erworben haben, ist die Auswahl dort besonders groß. Mir gefiel besonders gut der 2014er Kanzemer Altenberg Riesling Spätlese trocken – der Altenberg scheint meine Lage zu sein. Als Gastwinzer war hier unter anderem das Weingut Herrenberg dabei. Hier stach der hervorragende 2014 Wiltinger Schlangengraben Riesling „Alte Reben“ hervor. Das Weingut Ziereisen war mit guten Spätburgundern zu Gast, die für mich aber im Regelfall stilistisch etwas kräftiger ausfallen könnten.

An der nächsten Station der Reise gab es dann wahrlich viel zu verkosten. Das Weingut von Hövel hatte illustre Gäste in seinen schönen Dreiseithof geladen.

Doch zuerst zum Gastgeber: Bei von Hövel war es schön, dass nicht nur 2014er Weine auf der Verkostungsliste standen. der schon etwas reifere 2012er Hütte Oberemmel GG Riesling trocken mit seiner tollen Mineralität und der individuelle, erdig vollmundige 2013er Hörecker Kanzem GL Riesling feinherb waren hervorragend, auch der 2012er Scharzhofberg GL Riesling feinherb hat uns gut geschmeckt.

Bischöfliche Weingüter Trier

Bischöfliche Weingüter Trier

Als ersten Gastwinzer probierten wir beim Weingut Reichsgraf von Kesselstatt. Das war im nachhinein zudem noch sehr praktisch, da wir des Abends noch in deren Weinstube am Trierer Dom speisten und so wussten, welche Flasche wir dort ordern mussten. Gut gefallen hat mir sowohl der 2011er Scharzhofberger GG Riesling, als auch der schöne 2014er Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, mit seiner schönen Frucht und großem Zug. (der war es dann auch für den heißen Abend in Trier – ideal auch wegen der nur 9,5% Alkohol). Schließlich ließ die sehr nette Dame am Stand uns noch eine 2006er Scharzhofberger Spätlese fruchtig verkosten, die ganz klar zeigt, dass inbesondere im süßeren Kabinett und Spätlesebereich eine lange Liegezeit von großem Vorteil ist – der Wein war zupackend und fast jugendlich.

 

Besonders gefreut haben wir uns auf die Weine von Joh. Jos. Prüm – kurz Jay Jay, der den klassisch fruchtigen Moselstil wie kein zweiter beherrscht.

2012er Graacher Himmerleich Riesling Spätlese

2009er Graacher Himmelreich Riesling Spätlese

2007er Bernkasteler Badstube Riesling Auslese

2003er Wehlener Sonnenuhr Auslese

Das ist bei all diesen Weinen einfach großes Kino – ohne Worte!

Beim Weingut Salwey aus Baden konnten wir dann wieder was rotes kosten. Die viel zu jungen 2013er Spätburgunder Henkenberg GG und 2013er Spätburgunder Eichberg GG müssen noch einige Jahre liegen, zeigen aber schon jetzt ihr Potential. Bei Salwey wird wieder ein eher kühler Stil gepflegt, der aber trotzdem fest und voll daherkommt.

Und noch einen weitern Gast haben wir bei von Hövel verkostet. Das Weingut Clüsserath-Weiler. Hier stachen der 2014er Alte Reben Riesling Trittenheimer Apothekte trocken und der 2014er Trittenheimer Apotheke Riesling feinherb besonders heraus.

Mittlerweile war es schon spät geworden an diesem Nachmittag und wir mussten weiter nach Ockfen zum Weingut Dr. Fischer.

Mitten im Ockfener Ort liegt dieses Weingut. Die Weine des Gastgebers haben uns hier leider nicht so gefallen. Das Gastweingut Nik Weis St. Urbanshof hatte aber tolle fruchtige Wine dabei. Sowohl der 2013er Saarfeilser Schoden Spätlese als auch der 2012 Bockstein Ockfen Auslese gefielen gut.

Der zweite Gast – Markus Molitor versprach viel, verwirrte dann aber. Bis auf den bereits im heimischen Keller befindlichen 2011 Alte Reben Mosel gefielen uns die trocken Weine leider nicht so gut. Ob es an deren Jugendlichkeit, den vielen verkosteten Weinen zuvor oder an den Weinen selbst lag, ist allerdings schwer zu erkennen. Die 2003er und 2009er Niedermenniger Herrenberg Spätlese, sowie die 2007er Niedermenniger Herrenberg Auslese ** waren gut, Highlight war die 2012er Ockfener Bockstein Auslese **.

Hui – jetzt war es Zeit geworden, den Bus zur letzten Station des Tages zu nehmen. Das Weingut Dr. Wagner in Saarburg.

Das Weingut liegt herrlich. Ein altes Haus auf einem baumbewachsenen großen Grundstück mit Tiergehege, aber dennoch direkt am Bahnhof Saarburg. Wunderschön.

Genau wie die Weine. Sie sind recht säurebetont, von daher entsprechen Sie im trockenen Bereich nicht meinem Geschmack, werden aber dafür im fruchtigen Kabinett, Spätlese und Auslesebereich super. Extrem trinkig einfach – für mich eine tolle Interpretation des Mosel-Saar-Ruwer Stils. Probiert und für gut befunden haben wir den 2014er Ockfener Bockstein Kabinett, die Ockfener Bockstein Spätlesen aus 2013 und 2014, die Ockfener Bockstein Auslesen aus 2014 und insbesondere 2009 (jetzt trinkreif – kaufen!) und die Auslesen aus dem Saarburger Rausch von 2012 – „normal“ und „***“ – wobei der „***“ galaktisch ist und eine tolle Ausgewogenheit von Kraft und Stärke aber auch Trinkigkeit besitzt und damit keinesfalls ermüdet – quasi zum Schluss die Entdeckung des Tages.

In Teil II mehr zum zweiten Tag an der Saar.