Fränkische Silvaner vom Buntsandstein – eine unvollständige Bestandsaufnahme

Silvaner vom Muschelkalk oder vom Keuper sind die typischen Vertreter fränkischer Weinkultur. Nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze. Ein Aushängeschild und ein Alleinstellungsmerkmal des Anbaugebiets.

Vom Buntsandstein aber sind es eher die Spätburgunder, die hohes Ansehen genießen, während die Silvaner etwas unter dem Radar laufen. 

Es gibt Winzer im Churfränkischen rund um Klingenberg und Bürgstadt am Main, die aufgegeben haben, hervorragende Silvaner machen zu wollen. Da heißt es dann auch mal, dass Silvaner auf Buntsandstein keine hervorragenden Weine erbringen könne.

Zumindest dort, wo Muschelkalk und Buntsandstein direkt übereinander liegen und die Reben dann zumindest teilweise im Buntsandstein wurzeln, gibt es hervorragende Vertreter. Exemplarisch kann man da den Homburger Kallmuth “Asphodil” von Fürst Löwenstein oder den Thüngersheimer Johannisberg “Rothlauf” von Rudolf May nennen.

Betrachtet man nur die Basisweine Churfrankens besteht hier und da durchaus Verwechslungsgefahr mit dem fränkischen Kernland. Gemüsige Noten, Birne, Quitte. Diese Weine sind dann aber häufig Wuchtbrummen und zeigen auch nicht die Eleganz und Selbstverständlichkeit der Granden.

Die Produzenten, die weiter an hervorragenden Silvanern arbeiten, erzeugen in Churfranken dann ganz entgegengesetzt oft eher feine Exemplare. Mit kühler Frucht und ohne Gemüse.

Aber gibt es nun einen Silvaner-Buntsandstein-Stil, der in Grundzügen auch betriebsübergreifend für einen Wiedererkennungswert sorgt? 

Nein, im Gegensatz zum Spätburgunder wird hier augenscheinlich nach wie vor am Stil gefeilt.

Exemplarisch habe ich fünf sehr gute Silvaner aus dem Gebiet herausgesucht – auf der Suche nach einem Vorbild für DEN hervorragenden “Churfranken-Silvaner”.

Alle Weine stammen aus Betrieben, bei denen die “nächste Generation” entweder übernommen hat oder zusammen mit den Eltern den Betrieb führt und entsprechende Spuren hinterlassen hat. Ein Betrieb wurde sogar gerade erst gegründet.

Ausnahmsweise bepunkte ich hier mal die Weine im 100 Punkte-Schema, um ein bisschen Orientierung zu geben, wo Churfranken aktuell steht.

Wir probieren uns geografisch von Nord nach Süd durch:

Weinbau Weinfurtner – Rücker Johannisberg Silvaner 2023

Fränkische Silvaner vom Buntsandstein - eine unvollständige Bestandsaufnahme Weinfurtner Silvaner Johannisberg

Der Weinbauort Rück-Schippach mit seinen Lagen liegt nicht direkt im Maintal, sondern im Seitental der Elsava. Weinbau ist dort durch das Kloster Himmelthal schon lange belegt. Daniel Weinfurtner hat den Betrieb in den letzten Jahren von seinem Vater übernommen. 

Der Wein ist der Top-Silvaner des Weinguts.

In der Nase Quitte, gelber, etwas kandierter Apfel, Kräuter und etwas Rauch.

Im Mund durchaus kraftvoll, etwas balsamische Textur. Frucht nach Apfel und roten Früchten. Dazu dunkle Würze, etwas grünes Holz, eine feine Säure, die aber für ordentlich Saftigkeit sorgt, kalkige Mineralität. Am Tag 1 war der Wein leicht bitter am Gaumen, was sich aber bis Tag 3 dann gab. Dafür gesellten sich dann ganz wenige, silvanertypische Gemüsenoten zum Geschmacksbild. Über die 3 Tage gewann der Wein deutlich an Feinheit.

Recht langer, vollkommen trockener Abgang, die Würze bleibt.

Stilistisch würde ich den Wein als klassisch einordnen. 

 Alk:13%vol. – RZ: 0,5g/l – GS: 5,7g/l – 12,50 EUR – 88 Punkte

Weingut Hillerich, Erlenbacher Hochberg Silvaner Alte Reben 2025

Weingut Hillerich, Erlenbacher Hochberg Silvaner Alte Reben 2025

Thomas Hillerich hat hier in den letzten Jahren das Zepter im nur 1,2ha kleinen Betrieb von Vater Reinhold übernommen. Regional bekannt ist das Weingut schon seit langem für seinen süßen Likörwein “Pure” im Portwein-Stil, gereift in Holzfässern aus Sauternes. Die Weinberge liegen direkt im Maintal im Erlenbacher Hochberg, der die nördliche Verlängerung des mächtigen, terrassierten Klingenberger Schlossbergs bildet.

2025 ist der Premierenjahrgang des Weins. Zusammen mit einem 2025er Chardonnay und einem 2022er Spätburgunder stellt Thomas Hillerich den Wein an die Spitze der Qualitätspyramide des Weinguts.

Das Weingut bewirbt den Wein mit “burgundischem Ausbau” und “Low intervention”. Er stammt von 60 Jahre alten Reben aus den oberen Terassen des Hochbergs, ist spontan vergoren und reifte 9 Monate im kleinen Holzfass.

Leicht ätherische kühle, aber insgesamt zurückhaltende Nase mit etwas grünem Apfel und grünen Kräutern, zart floral. 

Im Mund ist der Wein kühl, mit strukturierter Textur, gelber Frucht und frischer Säure. Dazu kommen Kräuter und etwas getoastetes Holz, was an Tag 2 und Tag 3 immer weniger Einfluss hat. Kalkige Mineralität und etwas Salz im Hintergrund runden den Wein ab, Kalk und Salz spielen sich über die drei Tage immer mehr in den Vordergrund.

Im recht langen, vollkommen trockenem Abgang trocknet der Wein minimal am Gaumen an.

“Silvanergemüse” ist nur an Tag 3 und ganz im Hintergrund zu schmecken.

Ein moderner, feiner und eigenständiger Stil, der mir persönlich sehr gut gefällt. Das Holz wird sich über die nächsten 2-3 Jahre ganz sicher fein einbinden.

Alk: 12,5%vol. – RZ: 1,7 g/l – GS 6,5 g/l – 14,50 EUR – 91 Punkte

Weingut Kremer, Großheubacher Bischofsberg Silvaner Alte Reben 2023

Weingut Kremer, Großheubacher Bischofsberg Silvaner Alte Reben 2023

Uli Kremer hat den Betrieb schon vor ein paar Jahren von seinem Vater übernommen. Im Gegensatz zu den beiden oben beschriebenen Betrieben ist das Weingut Kremer für churfränkische Verhältnisse groß und bewirtschaftet eine Fläche von rund 14ha.

Uli feilt viel am Stil seiner Spitzenweine. Sie gewinnen Jahr für Jahr an Finesse und Komplexität.

Der 2023er Silvaner Alte Reben wuchs im Großheubacher Bischofsberg, einer ziemlich großen Lage, die den Ort Großheubach umschließt. Die besten Parzellen liegen auf Terrassen direkt dem Main zugewandt nördlich des Orts. Der Wein wird aus 80 Jahre alten Reben spontan vergoren, reift im kleinen Holzfass und wird unfiltriert abgefüllt.

Am ersten Tag ist die Nase deutlich vom Holz geprägt. Vanille, Rauch und getoastetes Holz dominieren, dazu gibt es eine schöne gelbe Frucht und Zitronenschale. Erst am 2. und 3. Tag beginnt die Frucht richtig zu strahlen, nachdem das Holz seine Dominanz mehr und mehr eingebüßt hat.

Im Mund ist der Wein kühl und hat eine hohe innerer Dichte mit schöner Säure und einer Frucht nach rotem Apfel und anderen roten Früchten. Die Konsistenz ist etwas schmelzig und erinnert ein wenig an Tee. Dazu kommen nussige Noten und eine deutlich rauchige Holznote, die aber schon am ersten Tag feiner ist, als die Nase vermuten lässt. Reichlich Tabak, etwas Salz und eine kalkige Mineralität runden den Wein ab. Auch hier gewinnt die kalkig salzige Mineralität über 3 Tage deutlich und der Holzeindruck nimmt ab.

Klarer langer Abgang, der Apfel bleibt, die Tannine trocknen nicht an.

Der Wein ist ein kraftvoller Vertreter der Rebsorte. Er ist hinsichtlich des Holzeinsatzes und der Frucht nicht so elegant wie sein Vorgänger, aber ein ganzes Stück fordernder und komplexer als der erste verkostete Wein.

Alk: 13%vol. – RZ:0,9 g/l – GS:5,9 g/l – 19,50 EUR – 91 Punkte

Josef Walter, Bürgstadter Berg Silvaner 2023

Josef Walter, Bürgstadter Berg Silvaner 2023

Felix Walter bewirtschaftet den 4ha großen Betrieb mit Vater Christoph gemeinsam. Mittlerweile hat Felix unter dem Namen “Krawalter” eine ganz eigene Weinlinie auf dem Markt. Der verkostete Silvaner gehört jedoch zum Kernsortiment des Weinguts. Auch hier hat Felix den Stil über die letzten Jahre zusammen mit seinem Vater nochmal deutlich geschärft.

Der Bürgstadter Berg ist ein Teil des bekannten Centgrafenbergs, der vor nicht allzulanger Zeit erst als g.U. eingetragen wurde. Der Centgrafenberg liegt wieder nicht direkt am Main, sondern zwischen den Orten Bürgstadt und Miltenberg am Tal der Erf. Das hier mit die besten Spätburgunder Deutschlands wachsen, ist mit dem Weingut Rudolf Fürst bewiesen. Beim Silvaner steht die Bewährungsprobe noch aus, zumal Platzhirsch Fürst Silvaner nur auf dem Gutsweinlevel verkauft.

Bei Christoph und Felix Walter dagegen wird Lagensilvaner angeboten:

Der Wein hat eine Intensive, pilzig, gemüsige Nase mit nussigen Noten und gedeckter gelber Frucht. Die Holznote wird über 2 Tage immer zusammen mit den nussigen Noten immer röstiger.

Im Mund zeigt der Wein eine eine schöne Zitrusfrucht mit Zitronenschale und roten Beeren. Der ist fokussiert und hat eine feste Struktur. Es gibt nussige Noten, viel kalkige Mineralität, einen leicht antrocknenden Gerbstoff und ein bisschen Rauch. 

Im langen Abgang bleibt etwas Stangensellerie.

Unter den bisher verkosteten Weinen haben wir jetzt tatsächlich einen Vertreter mit deutlich gemüsigen Noten, was wieder sämtliche Vermutungen, dass das in Churfranken bei hochwertigem Silvaneranbau maximal ganz dezent auftaucht, in Frage. So ist das bei Wein.

Insgesamt ist das der “wildeste” der bisher beschriebenen Vertreter der Rebsorte. Er ist sehr spannend und trinkt sich schön, liegt aber ein kleines bisschen hinter dem eleganteren Hillerich und dem komplexen Statement von Kremer zurück.

Alk: 12%vol – RZ: 0,1g/l – GS: 6,3g/l – 20,00 EUR – 90 Punkte

Weinbau Nico Deutsch Silvaner Agnes 2024

Weinbau Nico Deutsch Silvaner Agnes 2024

2024 ist Nico Deutschs Premierenjahrgang. Das “Startup-Weingut” baut auf 1,4ha in Klingenberg, Großheubach und Bürgstadt Trauben an. Nico ist bestens ausgebildet und bringt Referenzen wie das Weingut Fürst (Franken), Domaine Chantereves (Burgund), Hofgut Falkenstein (Mosel) und Vino Gross (Slowenien) mit.

Nico hätte sich sicher einen leichteren Start als 2024 aussuchen können, in dem es in Churfranken große Frostschäden gab. Dennoch hat er es geschafft eine sehr respektable erste Kollektion zusammen zu stellen. 

Der Silvaner “Agnes” ist nach Nicos Oma benannt. Der Wein ist eine persönliche Sache! Die Herangehensweise und das Endergebnis entspricht allerdings ganz und gar nicht einem “Oma-Style”. Der Wein ist ganz sicher spontan vergoren und reift im kleinen Holzfass:

Am ersten Tag zeigt der Wein eine eher zurückhaltende Nase mit floralen Noten, Quitte und fermentiertem Gemüse. An den Folgetagen ist die Nase weniger zurückhaltend, die Frucht wird deutlich süßer und wirkt gekocht. Zur Quitte gesellt sich Ananas. Der gemüsige Touch weicht kräutrigen Noten.

Im Mund dicht und strukturiert mit feinem Gerbstoffgripp und guter Säure. Die Frucht tendiert zu rotem Apfel und Hagebutte. Dazu gibt es viel Trockenkräuter und etwas Salz. Der Abgang ist lang und trocken.

In der Reihe der 5 ist das sicher der individuellste Wein. Er wirkt extrem sehnig und karg. Auch die helle Kräuterwürze macht den Wein besonders und hebt ihn von allen anderen ab, die eher eine dunkle, steinige Würze aufwiesen.

Ein sehr moderner Weinstil und ein toller erster Jahrgang.

Alk: 11%vol. – 24,50 EUR – 88 Punkte

Fazit

Es gibt ihn noch nicht – “DEN Churfranken-Silvanerstil”. Bei vier von fünf Weinen in dieser Verkostung war Holz im Spiel, daher scheint mir sicher, dass Holz auch in der Zukunft eine gewisse Rolle spielen könnte. Unlogisch ist das nicht, das Knowhow ist durch die hervorragenden Spätburgunder in der Region vorhanden. Dürfte ich eine Stilrichtung vorgeben, ist Thomas Hillerich in dieser Verkostung am nächsten an meinem Prototyp. Feines Holz, frischere Aromatik als im Kernland und gute Struktur. Walter liegt stilistisch nicht weit entfernt.

Ich bin guter Dinge, dass Churfranken weiter beim Silvaner aufholt. Mit den Generationswechseln kommt viel Knowhow und frischer Wind in die Betriebe.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert