Weinpräsentation Weingut Simon-Bürkle, Zwingenberg 14.11.2015

Eingetragen bei: Wege und Ziele | 1

Gestern haben wir spontan einen Abstecher nach Zwingenberg zum Qualitätsführer der hessischen Bergstraße gemacht. Das Weingut Simon-Bürkle hatte zur Weinpräsentation in den Diefenbachsaal des Restaurants „Bunter Löwe“ geladen.

Dass uns ein paar gute Tropfen erwarten würden, wussten wir aufgrund einiger bereits probierter Weine schon. Insgesamt wurden unsere Erwartungen aber sowohl aufgrund der außergewöhnlich großen Anzahl und Jahrgangsbreite der Weine, als auch von der hohen durchschnittlichen Qualität ganz ohne Ausfälle deutlich übertroffen.

41 Positionen waren auf der Verkostungsliste zu finden. Neben dem Jahrgangsschwerpunkt 2013-2014 fanden sich Weine bis zurück nach 2003 auf der Liste. Zusätzlich – quasi außer Konkurrenz – konnten 8 Jahrgänge gereifte Spätburgunder von 1991-2001 verkostet werden.

Neben den Rotweinen sind die Rieslinge Aushängeschild des Weinguts.

Bereits beim 2014er Riesling trocken Literwein steht – wie in der ganzen Kollektion des Weinguts – eine schöne Mineralität im Vordergrund. Gegenüber dem Granit und den Lagenrieslingen ist der Literwein zwar weniger präzise, dennoch erhält man schon hier recht viel Wein für kleines Geld.

Einer meiner Lieblinge ist nach wie vor der schön salzige und zitronige 2103er „Granit“ Riesling, der leider nur noch als Magnum oder 0,25l-Flasche erhältlich ist. Der Granit aus dem schwierigen Jahrgang 2014 kommt leider hier nicht an das Vorjahr heran, ist nicht so spektakulär salzig, dafür aber runder und leichter.

Der 2013er Zwingenberger Steingeröll Riesling Spätlese präsentiert sich ganz anders als der Granit gleichen Jahrgangs. Runder, mit floralen Noten, Früchte, steiniger als salzig. Das bietet genau wie der 2012er Auerbacher Höllberg Riesling Spätlese feinherb, der trocken schmeckt, wieder sehr mineralisch daherkommt und eine tolle Säure hat – ein erstklassiges Preis-Genuss-Verhältnis.

Der Top-Riesling konnte aus zwei Jahrgängen verkostet werden. Sowohl der taufrische 2009er „Diorit“ Riesling als auch der 2012er „Diorit“ Riesling, präsentierten sich weicher und runder und damit auch etwas eleganter als die anderen der Kollektion – auch hier dominiert eher eine steinige Mineralität als die salzige des „Granit“.

Aus meiner Sicht ebenfalls stark und individuell sind die Aromasorten bei Simon-Bürkle. Die trockenen (2013er Zwingenberger Steingeröll Muskateller, 2012er Auerbacher Höllberg Scheurebe, 2013er Alsbacher Schöntal Gewürztraminer) sind immer rebsortentypisch ausgebaut, haben eine schöne Mineralik, sind aber nie anbiedernd oder ermüdend und haben kein „Zuckerschwänzchen“, wie viele andere Rebsortenvertreter.

Bei den süßen Spät- und Auslesen stechen so auch ganz klar die Scheureben heraus. Hier kann neben der 2011er Auerbacher Höllberg Scheurebe Spätlese auch die 2014er Scheurebe Spätlese aus der gleichen Lage durch ihre Gewürzigkeit, Kraft und das tolle Süße-/Säureverhältnis überzeugen.

Bei den Burgundersorten konnte unter anderem eine besondere, trockene 2003er Auerbacher Höllberg Grauburgunder Auslese Barrique verkostet werden. Mein bisher ältester Burgunder-Weißwein. Getrocknete Kräuter und Sherrynoten dominierten – spannend, wenn auch kein Wein für jeden Tag.

Die 2013er Zwingenberger Steingeröll Weißburgunder Spätlese hatte ich schon mal zu Hause verkostet. Gut gelungen finde ich hier, dass der Wein zwar weißburdundertypisch cremig und nussig ist, aber nicht zu fett für eine Spätlese.

20151114_184758-Bearbeitet
Sekte mit Wow-Effekt

Bei den vorgestellten Sekten gab es einen echten Wow-Effekt bei dem 2006er Aurea Sekt Brut. Grundweine bilden hier Auxerrois, Chardonnay, Weißburgunder und Spätburgunder. Der Sekt war als Jubiläumssekt für das 20jährige Jubiläum 2011 geplant und sollte gem. Homepage „einem Champagner in nichts nachstehen“. Mangels großer Erfahrung auf dem Gebiet der prickelnden Weine kann ich das nicht beurteilen. Er überzeugt aber durch ausgewogene Balance, feine Hefenoten und zarte Perlage.

Der zweite Sekt, der 2009er Zwingenberger Steingeröll Riesling Sekt brut, wusste mit den feinen, reifen Rieslingnoten ebenfalls zu überraschen.

Bei Simon-Bürkles Roten warten noch 2 Kisten in unseren Keller auf eingehende heimische Verkostung. Und die wird definitiv gut werden.

20151114_182737-Bearbeitet
Die Rotweinkollektion

Bei der Verkostung wieder schön war, dass mehrere Jahrgänge gleicher Weine verkostet werden konnten. Highlights hier der warme 2012er Zwingenberger Steingeröll Spätburgunder Barrique und der runde 2012er „Pan“ rot Cuveé aus Spätburgunder und Cabernet Sauvignon.

Apropos: Auch die sortenreinen Cabernets Sauvignons 2005er Auerbacher Höllberg Barrique und 2008er Auerbacher Höllberg Barrique konnten mit den Paprika- und Pfeffernoten und weichen Tanninen zeigen, wie man die Rebsorte in Deutschland gut interpretieren kann.

Wie oben schon erwähnt, gab es zusätzlich noch eine Reihe gereifter Spätburgunder aus den 90er Jahren zu verkosten. Ich fand das sehr spannend, bietet sich doch nicht häufig eine solche Gelegenheit.

Bei einigen Jahrgängen waren deutliche Alterungstöne Richtung Sherry, feuchtes Holz und Karamell zu schmecken.

20151114_182715-Bearbeitet
Gereifte Spätburgunder

Andere Jahrgänge waren quasi noch blutjung und das Alter allenfalls durch Karamellnoten und die leicht bräunliche Farbe im Glas als Weine dieser Altersklasse zu erkennen. Am besten gefielen mir der 1996er Zwingenberger Alte Burg Spätburgunder mit den schönen Erdbeernoten und jugendlicher Säure, der dichte und würzige 1995er Zwingenberger Alte Burg Spätburgunder und der kräutrige und frische 1992er Zwingenberger Alte Burg Spätburgunder. Alle drei Weine würde ich auch heute noch mit Freude trinken. Wow, das zeigt doch mal wieder, wie lagerfähig guter deutscher Rotwein doch ist.

Die Probe ging schließlich zu Ende mit zwei schönen Eisweinen. Die bergsträßer Spezialität quasi. Toll.

Ich finde das ganz großartig, was Jan Faber als Kellermeister bei Simon-Bürkle so zaubert. Damit ist der Titel als das Spitzenweingut der hessischen Bergstraße absolut verdient. Dass zusätzlich die meisten Weine äußerst fair bepreist sind, freut den Konsumenten zusätzlich. Ich freue mich auf jeden Fall auf den kommenden 2015er Jahrgang.

Auch der Ort der Probe war gut gewählt. Warm, gut beleuchtet und großzügig war der Diefenbachsaal. Ideal für eine Weinverkostung. Schön war natürlich auch, dass man nach der Probe direkt im Bunten Löwen noch bei guten Essen und in unserem Fall einem Fläschchen 2013er „Granit“ die Eindrücke in Ruhe verarbeiten konnte.

Danke für die schöne Veranstaltung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.