Seit 1.12.2020 wächst nur noch der zweitbeste Wein Würzburgs im Würzburger Stein…

Veröffentlicht in: Verkostung | 2

 

… der beste nun im Würzburger Stein-Berg.

Ja, richtig gelesen – die Geschichte muss umgeschrieben werden.

Auch der Volksmund muss nach Jahrhunderten umdichten:

Zu Bacharach am Rheine,
Zu Klingenberg am Maine,
Zu Würzburg an dem Stein-Berge,
Da wachsen gute Weine.

 

Juliusspital, Franken - Würzburger Stein Silvaner GG 2014
Dieser Wein ist Vergangenheit, vielleicht ist es künftig nur der Zweitbeste oder er wächst künftig und plötzlich im neuen Stein-Berg.

Es gab Zeiten, wo der Name „Steinwein“ ob seiner Bekanntheit pauschal für Wein aus Franken verwendet wurde. Dennoch haben die Weingüter Juliusspital, Bürgerspital und staatl. Hofkeller die Geschichte des Steins für sich umgedeutet und für den „besten“ Teil des Würzburger Steins die Bezeichnung „Würzburger Stein-Berg“ als geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) bei der EU gesichert. Dies war bereits 6 Jahre lang in Planung und Umsetzung und wurde nun von der EU per 1.12.2020 bestätigt. (1)

Die neue „Lage“ umfasst knapp 35ha der etwa 80ha gesamtbestockter Fläche. In der g.U. sind nur Flächen westlich der Lage „Stein-Harfe“ – die Weinberge nach dem „Knick“ in der Exposition von Süd nach West sind dann nicht mehr enthalten, genauso wie die Flächen östlich der Stein-Harfe.

Den Hintergrund und die Auswirkungen der g.U.-Thematik hatte ich hier schonmal ausführlich beschrieben. (bitte auch immer in dem Kontext in meinen Blogeintrag zum so auch verabschiedeten neuen Weingesetz schauen, dass das „Lagenchaos“ sukzessive vielleicht etwas einfangen wird).

Die drei Weingüter werden Große Gewächse nur noch als Stein-Berg und Stein-Harfe herausbringen. Der Würzburger Stein ist Lagenname für die Weine der ersten Lage und liegt damit qualitativ unter den Weinen aus dem nigelnagelneuen Stein-Berg.

Marketingmäßig und hinsichtlich der Geschichte des „Steinweins“ ist das für mich nicht nachvollziehbar und eigentlich frevelhaft, hier die Geschichte auf Biegen und Brechen umschreiben zu wollen.

 

Welche Frankenwein-Marke ist besser als die des „Würzburger Steins“?

Die Gründe für den Akt liegen auf der Hand. VDP-intern gibt es einen Lagenverbrauch, d.h. aus einer Lage darf nur ein trockener Wein gemacht werden. Keltert man mehrere unterschiedliche Weine aus der Lage, muss man diese als Orts- oder Gutswein verkaufen. Ja, das bringt Übersichtlichkeit, schränkt aber Weingüter mit wenigen Lagen oder mit einem großen Hektarbesitz in einer Lage sehr ein.

Hier und da hat man sich mit der Eintragung von Gewannen beholfen. Im Stein selbst scheint das keine Option gewesen zu sein. Das Bürgerspital differenzierte mit dem Fantasienamen „Stein Hagemann“ bisher etwas, ansonsten wurden von den drei Protagonisten der „Würzburger Stein“ als erste und als große Lage/GG angeboten.

Wirtschaftliche Erwägungen führten dort also aufs Glatteis, der eigentliche Ausrutscher geschah dann aber dabei, dem „besten Stück“ einen neuen Namen zu geben. Ich kann nur mutmaßen, aber anscheinend war der Druck groß und dies schien die einzige erfolgsversprechende Methode. Eine Methode, die auch noch die Möglichkeit belässt, einen Wein, der nicht den Kriterien für das Etikett Stein-Berg erfüllt (1), dennoch als Würzburger Stein abzufüllen, auch wenn er in den Stein-Berg Parzellen gewachsen ist. Das ist Transparenz!

Besser für Marke und Geschichte wäre es aber sicher gewesen, den westlichen Knick den Namen „Zurück“ oder „Ziegenrücken“ zurückzugeben, wie die Berge in der Region einmal hießen. Die östlichen Teile des B-Steins hätte man in Anlehnung an alte Bezeichnungen zum „Schalksberg“ werden lassen. Aber stattdessen: Ein neuer Name fürs Filetstück und einer, der so auch in der Historie aus meiner Sicht nie auf einer Flasche oder einem Fass Wein zu lesen war (lasse mich da aber gern eines Besseren überzeugen).

 

Lange gesucht und einen „Steinberg“ gefunden

Karte des Ratskellers
Hier ist er, der berühmte historische Stein-Berg (nicht) – Weinkarte des Bremer Ratskellers aus 1971

Entsprechend schwurbelig dann die Begründung der Protagonisten. Es ist von einer Karte mit der Bezeichnung „Steinberg“ für die besten Parzellen die Rede. Außerdem wird ein Katasterauszug von 1833 zitiert, bei dem keine Spur von Stein-Berg oder Steinberg zu finden ist, der aber im Rahmen der Master of Wine-Abschlussarbeit von Janek Schumann mit Wertigkeitsklassen versehen wurde. Die höchste Wertigkeit im Stein entspricht dabei etwas den Grenzen vom neuen Stein-Berg und der alten Stein-Harfe. (2)

Für mich eine traurige Entscheidung und eine, die klar die nicht immer sinnvollen Gestaltungsspielräume im g.U.-Recht (auch im Kontext im dem deutschen Weinrecht) aufzeigt.

 

Tschüss Würzbuger Stein!

 

 

 

 

 

 

(1) Produktspezifikation und Lagenkarte: https://www.ble.de/DE/Themen/Ernaehrung-Lebensmittel/EU-Qualitaetskennzeichen/Geschuetzte-Ursprungsbezeichnung/Antraege.html

(2) Bericht des Falstaff über die Eintragung incl. bearbeiteter Katasterkarte von Janek Schumann: https://www.falstaff.de/nd/geschuetzter-ursprung-fuer-wuerzburger-stein-berg/

2 Antworten

  1. Andreas

    spannend! gut beschrieben, allerdings immer noch etwas verwirrend… 😉

    • Andreas

      Danke fürs Feedback und ja, definitiv verwirrend. Und weitere Stilblüten sind geplant.

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