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VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2 +++ Spätburgunder: Zwischen Kritik und Klasse

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2

Teil 1 mit allgemeinen Informationen zur Veranstaltung, zum Jahrgang und Notizen zu Silvanern aus Franken findest Du hier.

Kaum ein Weinthema wird in der deutschen „Weinnerd“-Blase so gern diskutiert wie der deutsche Spätburgunder. Irgendwer kommt laufend um die Ecke, um etwas zu beanstanden: zu sauer, zu süß, zu fett, zu dünn, zu holzlastig, die falsche Frucht – und überhaupt nicht wie im Burgund.

Doch sobald es um konkrete Argumente geht, wird es oft dünn. Was genau einem deutschen Spätburgunder im Vergleich zum Burgunder fehlt, bleibt meist vage. Wir haben den Vorteil, relativ unvoreingenommen an das Thema herangehen zu können – sei es, weil wir für die ganz großen Burgunder schlicht zu geizig sind, zu spät zum Thema Wein kamen, um günstig kaufen zu können oder bei einigen moderat bepreisten „echten“ Burgundern in der Vergangenheit keinen besonderen Mehrwert entdecken konnten.

Qualitätssprung in den letzten 15 Jahren

Was zur Ehrenrettung der Spätburgunder-Kritiker aber erwähnt werden muss: Seit wir uns intensiver mit Spätburgunder beschäftigen, hat sich die Qualität in bemerkenswerter Weise gesteigert – sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Zudem kamen die Jahrgänge 2018, 2019, 2020 und jetzt 2022 den deutschen Rotweinwinzern klimatisch sehr entgegen. Was wir auf der VDP.Weinbörse aus dem Jahrgang 2022 verkosten konnten, war in vielen Fällen schlichtweg großartig.

Auffällig war dabei, was wir nur noch selten angetroffen haben:

  1. Fette, marmeladige, süßlich wirkende Weine. Die meisten Winzer haben inzwischen verstanden, dass ein rechtzeitiger Lesezeitpunkt entscheidend für die Eleganz des Spätburgunders ist.
  2. Übermäßig reduzierte, drahtige, unreife Weine: Einige Winzer – vor allem aus der jüngeren Generation – loten bewusst die Grenze zwischen Eleganz und Unreife aus, auf der VDP.Weinbörse war jedoch alles in Balance.
  3. Überholzte Weine: Wirklich aufdringliche Aromen von Vanille, Karamell, Rauch, Speck, Kaffee waren kaum präsent.

Tannine und Holz – ein Balanceakt

Der Ausbau im Holzfass, insbesondere im kleinen Barrique, bringt viel Sauerstoff in den Wein. Je kleiner das Fass, desto intensiver der Sauerstoffeintrag – was zu einer beschleunigten Oxidation führen würde, wenn der Wein nicht entsprechend vorbereitet ist.

Jeder, der einmal einen Rest eines Weins in der Flasche vergessen hat und nach mehreren Tagen nochmal probierte, kennt das Problem.

Ohne hochwertige weineigene Tannine kein Barriqueausbau

Um dem entgegenzuwirken, braucht ein Wein schon vor dem Barrique-Ausbau ein stabiles, hochwertiges Tanningerüst. Denn Tannine binden später Sauerstoff und schützen die Aromatik. Die Qualität dieser traubeneigenen Tannine hängen zum einen maßgeblich von der Traubenqualität ab – beeinflusst durch Reife und sicher auch Klonwahl (Beerenhautdicke, Größe der Beeren), aber auch von den Entscheidungen des Winzers rund um die Vergärung (Entrappung oder nicht, Wahl des Gebindes, Maischeführung, Umwälzen der Maische, Gärdauer und Gärtemperatur, Gesamtdauer der Maischestandzeit).

Bereits hier muss der Winzer eine Menge richtige Entscheidungen treffen, um nachher einen hervorragenden Wein zu bekommen.

Das Holz ist nur ein Faktor bei der Lagerung im Barrique

Der Ausbau im Holzfass verleiht dem Wein zunächst zusätzliche Tannine und damit auch den im gewissen Maße gewünschten Holzgeschmack. Im Verlauf der Lagerung aber polymerisieren Tannine durch den eingetragenen Sauerstoff untereinander und mit Farbstoffen (Anthocyanen aus den Beerenschalen), wodurch der Wein vor Oxidation geschützt wird. Gleichzeitig wird der Wein durch diese Prozesse auch weicher und verliert ein stückweit seine Adstringenz. Er „reift“ im Barrique. Dieser Prozess setzt sich auch in der Flasche fort und ist wissenschaftlich nur teilweise verstanden.

Der Winzer beeinflusst hier also nicht nur durch die Wahl des Holzes, sondern zum Beispiel auch durch die Dauer des Fasslagers und den Filtrationsgrad des Weins die Tannine. Mehr Feinhefe im Fass bindet ebenfalls Sauerstoff, verlangsamt aber ggf. das Reifen der Tannine, weil für diese Prozesse dann weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Die Belüftung des Weins dagegen fördert Polymerisation und macht damit die Tannine weicher, aber birgt die Gefahr der Oxidation des Weins.

Am Ende ist das Ganze ein sehr komplexer Prozess, bei dem die Wahl des Holzes nur eine Stellschraube ist. Vor 30 Jahren, als das Thema Barrique noch neu war, gab es sicher häufig eklatant falsche Entscheidungen bei der Wahl des Holzes. Heute ist davon auszugehen, dass nach wenigen Experimenten Fässer in entsprechender Qualität zur Verfügung stehen, um einen sehr guten Wein herzustellen, der keine übermäßige Rauch-, Vanille- und Kaffeebombe ist und nur holzaffinen Bibern schmeckt.

Die Bandbreite, wie das Tannin insbesondere beim jungen Wein auf den Trinker wirkt, resultiert aus meiner Sicht heute aus dem gesamten oben beschriebenen Prozess des Tanninmanagements. Hier eine optimale Balance zu finden ist sicher die größte Herausforderung und macht in vielen Fällen auch den Unterschied zwischen sehr guten und herausragenden Weinen.

Mehrere Wege führen zum hervorragenden Spätburgunder

Die einzig richtige Strategie gibt es dabei nicht. Für einen hervorragenden Wein muss das Ziel des Winzers nicht sein, möglichst Spätburgunder herzustellen, die auf einer Verkostung wie der VDP.Weinbörse zwei Jahre nach der Ernte unbedingt feinstes Tannin aufweisen. Zu wenig Tannin verkürzt ggf. auch die Lebensdauer eines Weins. Insofern gibt es zurecht auch eine gewisse Bandbreite und unterschiedliche Interpretationen. Zu grün, zu hart oder zu holzig darf die ganze Sache natürlich nicht werden.

Exkurs: Weißwein im Barrique

Da Weißweine in der Regel nicht auf der Maische vergoren werden, bringen sie von Natur aus deutlich weniger Tannine mit. Bei der Lagerung im Barrique übernehmen daher Hefe und das Aufrühren derselben (Bâtonnage) die Rolle des Sauerstoffbinders. Die Barriquelagerung muss kürzer angesetzt werden, es geht hier weniger um Tanninreifung, sondern vorrangig um die geschmackliche Prägung durch das Holz.

Lassen sich die Spätburgunder in Kategorien einordnen?

Letztes Jahr hatten wir uns durch die Chardonnays und Weißburgunder gegraben, um herauszufinden, ob es Regionstypizitäten und Wiedererkennbarkeiten gibt. Das Ergebnis zeigte eine bunte Welt zwischen Holz und Cremigkeit, Säure und kühlem Saft.

Die Rebsorte Spätburgunder zeigt aus unserer Sicht ein etwas geringeres aromatisches Spektrum.

Die Weine ließen sich im Rahmen der Verkostung ganz gut anhand ihrer inneren Kraft sortieren. Es gab:

  1. Eher elegante Weine mit einer feinen klaren Frucht, mit zurückhaltender Würze. Sie tänzeln etwas leichter auf der Zunge, die Tannine sind oft weniger hart.
  2. Eher kraftvolle Weine, die würziger angelegt sind und eine höhere innere Dichte haben. Das kann, muss aber nicht mit einer festen Tanninstruktur einhergehen.
  3. Und natürlich ausgeglichene Weine, bei denen sich das Frucht/Würze/Tannin-Verhältnis für uns in einer Waage befindet.

In allen Kategorien gibt es sehr gute und hervorragende Weine.

Eine zusätzliche Differenzierung ließ sich dann über den Fruchtausdruck vornehmen:

  1. Weine mit wärmerer, reiferer Frucht und weicher Anmutung (unten markiert mit einem w),
  2. Weine mit kühler, saftiger Frucht und frischer Spannung (unten markiert mit einem s).
  3. Weine die auch hier weder der einen noch der anderen Variante zuzuordnen sind. Diese haben wir ohne Markierung gelassen.

Der Gutswein – da ist es hier und da noch schwierig

Kein Jubel ohne Einschränkung: Alles vorher Gesagte gilt nur bedingt für das Thema Gutswein. Aus unserer Sicht sollte der Spätburgunder Gutswein eine Visitenkarte sein und Lust auf die höherwertigen Kategorien machen. Das funktioniert bei vielen guten Produzenten auch. Der Gutswein steht wie selbstverständlich am unteren Ende der Qualitätspyramide. Er hat dann eine ähnliche Machart wie die größeren Weine, ist manchmal etwas fruchtiger oder etwas rustikaler angelegt, aber man erkennt dennoch, dass er der kleinste Bruder der Spätburgunderweine des Weinguts ist. In diese Fall schmeckt die Kollektion häufig wie aus einem Guss.

Bei einer ganzen Reihe von Weingütern ist das jedoch anders. Da ist der Gutswein höchstens ein „adoptierter Bruder“. Frucht ohne Würze oder gleich unsaubere Frucht, Restzucker, Alkoholwucht. Die letzte Bastion der Spätburgundertradition der 60er bis 90er Jahre? Aber Schwamm drüber.

Ein paar besonders gute Gutsweine haben es in unsere Liste der Antrinktipps geschafft.

Antrinktipps

Auf der diesjährigen VDP.Weinbörse haben wir Spätburgunder aus Franken, Baden, Rheingau, Rheinhessen und von der Ahr verkostet.

Bei unseren Antrinktipps haben wir versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in die o.g. Kategorien einzusortieren. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

Ahr

Insgesamt ist insbesondere 2022 an der Ahr ein herausragender Jahrgang. Ich weiß nicht, ob ich schon mal eine so hohe Quote bester Weine aus einem Ahrjahrgang probiert habe. Das ist insbesondere auch im Kontext mit dem Ahrhochwasser 2021 erstaunlich.

Viele gebrauchte Fässer dürften in 2022 noch nicht wieder zur Verfügung gestanden haben, dennoch würde ich den Weinen fast durchweg ein gutes Tanninmanagement bescheinigen.

Für uns die besten Kollektionen haben Meyer-Näkel (unheimlich saftig und elegant auch 2023, wir waren absolut begeistert) Jean Stodden und Kreuzberg abgeliefert.

Elegant

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Alte Lay Spätburgunder GG (s, ●)

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Spätburgunder Devonschiefer (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Ahrweiler Silberberg Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Dernauer Spätburgunder Blauschiefer (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Ahrweiler Spätburgunder Grauwacke (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Spätburgunder (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Frühburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

J.J. Adeneuer: 2022er Spätburgunder No.1 (s)

Burggarten: 2022er Walporzheimer Kräuterberg Spätburgunder GG (s)

Kreuzberg: 2023er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Jean Stodden: 2022 Spätburgunder JS (●)

Baden

Hier ist es schwer, eine Kollektion besonders herauszuheben. Die Flaggschiffe Huber und Keller hatten nicht viel Spätburgunder dabei. Daher setzen wir Bercher mit seiner 2020er Kollektion die verdiente Krone auf.

Elegant

Bernhard Huber: 2023er Malterdinger Spätburgunder (s, ●)

Bernhard Huber: 2023er Hecklinger Spätburgunder (s, ●)

Franz Keller: 2023er Achkarrener Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberbergener Bassgeige Spätburgunder 1G (w, ●)

Salwey: 2021er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Salwey: 2021er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Spätburgunder „S“ 1G (s)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Oberklamm Spätburgunder „RR“ GG (s, ●)

Kraftvoll

Bercher: 2020er Burkheimer Spätburgunder (s)

Bercher: 2020er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G (s, ●)

Bercher: 2020er Burkheimer Feuerberg Kesselberg Spätburgunder GG (s, ●)

Schlör: Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder GG (w, holzbetont)

Franken

Der Platzhirsch ist hier der Kollektions-Sieger. Obwohl Fürst nur 3 Fassproben gezeigt hat. Die meisten seiner Kollegen hatten nur einzelne Spätburgunder dabei.

Elegant

Fürst: 2023er Bürgstadter Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Klingenberger Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Bürgstadter Berg Spätburgunder 1G (Fassprobe, s, ●)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Sonnenberg Frühburgunder 1G (●)

Ausgeglichen

Fürstlich Castellsche Domäne: 2022er Casteller Reitsteig Spätburgunder 1G (w)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Spätburgunder (s, ●)

Rudolf May: 2021er Retzbacher Benediktusberg Spätburgunder 1G (holzbetont, s)

Kraftvoll

Höfler: 2022er Michelbacher Steinberg Spätburgunder (w, holzbetont)

Staatlicher Hofkeller Würzburg: 2022er Großheubacher Bischofsberg Spätburgunder GG (w)

Rheinhessen

Wie im letzten Jahr auch ist J. Neus unser Favorit mit einer sehr schönen Kollektion, die gegenüber 2021 noch eine Schippe drauflegt.

Elegant

Knewitz: 2022er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Knewitz: 2022er Ingelheimer Spätburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Frühburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Horn Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Pares Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kühling-Gillot: 2022er Oppenheimer Kreuz Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Spätburgunder Muschelkalk (s)

Kraftvoll:

Bischel: 2022er Pinot Noir Réserve (holzbetont, s)

Gutzler: 2022er Westhofener Spätburgunder

Gutzler: 2022er Westhofener Höllenbrand Spätburgunder GG

Gutzler: 2022er Westhofener Morstein Spätburgunder GG (●)

Rheingau

Hier ist es uns nicht gelungen, eine favorisierte Kollektion festzustellen. Gerade in den Stufen Gutswein und Ortswein war die Qualität hier von den verkosteten Regionen am heterogensten, auch bei den Weingütern, die tolle Topweine am Start hatten.

Elegant

Künstler: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (w, ●)

Krone Assmannshausen: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kaufmann: 2023er Pinot Noir +++

Kaufmann: 2022er Hattenheimer Hassel Pinot Noir GG (●)

August Kesseler: 2022er Pinot Noir „Alte Reben“ Cuvée Max (w, ●)

August Kesseler: 2022er Assmannshäuser Höllenberg Pinot Noir GG (w, ●)

Künstler: 2023er Hochheimer Stein Spätburgunder (w)

Kraftvoll

August Kesseler: 2023er Assmannshäuser Pinot Noir (w)

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VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 28. und 29. April 2024 – Teil 1: Lost in Weißburgunder und Chardonnay

Franken und RheinhessenIm Mai 1974 fand die Weinbörse das erste Mal statt. Damals hieß sie noch „Rheinhessische Rieslingbörse“ und wurde vom Vorgänger des VDP Rheinhessen veranstaltet. Schon zwei Jahre später wurde sie zur Weinbörse und Betriebe aus dem Rheingau und von der Nahe schlossen sich an.  Damit feiert die Messe dieses Jahr ihren 50. Geburtstag. Statt 1974 elf Weingüter mit 105 Weinen waren dieses Jahr 191 von 200 VDP-Betrieben mit insgesamt fast 1700 Weinen vor Ort. Über 3000 Fachbesucher aus aller Welt haben sich über den neuen Jahrgang informiert. Damit ist die Weinbörse sicher die wichtigste Veranstaltung für den deutschen Wein, auch wenn Sie sich auf die Mitgliedsbetriebe des VDP beschränkt. Auch die Leistung der kleinen Bundesgeschäftsstelle des VDP als Organisator der Veranstaltung ist unbedingt hervorzuheben. Es muss ein ziemlicher Kraftakt für das Team sein.

Daher an dieser Stelle vielen Dank!

 

Magnums

Zur 50. Ausgabe gab es exklusiv eine Magnum jedes Weinguts mit individuellem Etikett

Aufgrund der großen Weinanzahl ist für den berichterstattenden Besucher Fokussierung und Einschränkung Pflicht, zumal jeder Plan sowieso zum Scheitern verurteilt ist, weil man parallel immer auf viele bekannte Gesichter trifft und immer wieder von netten Gesprächen abgelenkt wird.

Bei unseren vergangenen Besuchen lag der Fokus auf Regionen, dieses Mal haben wir uns auf Rebsorten fokussiert: Silvaner, Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay aus Franken, Baden, Rheinhessen und der Pfalz waren unser Ziel. Auch hier mussten wir Abstriche machen und konnten nicht alle Weingüter besuchen. Die Chardonnay- und Weißburgunderrunde hat uns darüber hinaus besonders gefordert. Bevor wir also zu den ausschließlich positiven Antrinktipps von Silvaner und Spätburgunder kommen, erst einmal mehr zu unserer Odyssee durch die Weißburgunder und Chardonnays.

 

Für alle Tipps gilt folgender Disclaimer: Erst vor kurzem abgefüllte Weine sind häufig noch etwas durcheinander und etwas „quietschig“ in der Aromatik, Fassproben dagegen ggf. noch sehr von Hefe geprägt und damit mit einem leichten „Geschmacksschleier“ versehen. Hinzu kommen die Verkostungsumstände in der Messehalle. Da ist es nicht immer einfach die Perlen zuverlässig herauszupicken. Wir gaben uns alle Mühe.

 

Die Frage aller Fragen: Was ist Pfälzer, badischer, rheinhessischer, fränkischer Weißburgunder bzw. Chardonnay?

Weißburgunder ist eine deutsch/italienisch/österreichische Angelegenheit. Nur da wachsen signifikante Mengen. In Frankreich sind die Mengen auch beachtlich, doch wird hier wohl abgesehen vom Elsass der meiste Pinot Blanc für die Champagner-Produktion verwendet und nicht als Stillwein ausgebaut.

Beim Chardonnay ist das anders. Das Zeug wächst überall auf der Welt.

Frankreich und die USA sind führend und besitzen gemeinsam eine Chardonnay-Anbaufläche die der gesamten Weinbaufläche Deutschlands entspricht, wobei in Frankreich über 20% wieder in Champagner fließt. Aber auch Chile, Südafrika, Spanien und China sind in den Top 10 der Anbauländer. Deutschland ist unter „ferner liefen“, zudem wurde die Rebsorte in Deutschland erst 1994 zum Anbau zugelassen.

Weltberühmt sind die französischen Appellationen im Burgund und Chablis, aber spätestens seit der berühmten Verkostung der „Weinjury von Paris“ 1976 weiß man, dass Kalifornien hier in der Spitze mithalten kann.

Namhafte Weine kommen aber eben auch aus Australien oder der österreichischen Südsteiermark, wo die Rebsorte auch Morillon genannt wird. In Italien steht Chardonnay in der Regel in den Weinbaugebieten in Alpennähe, wo er allerdings bis in die 1980er Jahre einfach auch als Pinot Bianco etikettiert wurde.

Der kleine Abriss über die Verbreitung der Rebsorten ist insofern wichtig, dass man vermuten könnte, dass es zumindest beim Weißburgunder eine gewisse Tradition geben muss. Ein verbindendes Element in den Anbaugebieten quasi. Während beim Chardonnay durch die späte Zulassung und der Vielzahl von Vorbildern man eine gewisse Heterogenität erwarten kann. Und natürlich war mir aufgrund der vielen bereits verkosteten und getrunkenen Weine aus den Rebsorten klar, dass es bunt wird.

Aber bei so vielen Weinen in kurzer Zeit zeigt sich die Heterogenität nochmal viel deutlicher und die Verkostung wird schwieriger als gedacht. Bei beiden Sorten.

 

Auf der Geschmacksachterbahn

Das macht schon die Verkostung zu einer Herausforderung. 50+ trockene Lagenrieslinge verkosten sich mit etwas Übung eigentlich ganz gut. Mal sind sie komplexer, mal weniger komplex, mal etwas süßer, mal trockener, mal etwas „konventioneller“, mal etwas „moderner“ in der Stilistik, aber selten ist der nächste Wein ganz anders als der vorherige. Sie sind immer Rieslinge.

Bei unserer Weißburgunder/Chardonnay-Runde war das anders. Jeder Wein ist anders. Eine geschmackliche Achterbahnfahrt.

Auch die Erläuterungen der Winzer sind meist viel komplexer als beim Riesling. Die auch beim Riesling üblichen Themen sind Maischestandzeit, Holz oder Stahl, Feinhefelager, Spontangärung oder Reinzuchthefe. Bei Weißburgunder/Chardonnay kommt dazu: Welcher Holzanteil, welches Holz, welche Fassgröße, welches Toasting, wieviel Neuholz, alle Partien mit biologischem Säureabbau oder nicht, Vollhefe- und/oder Feinhefelager, ob, wie oft und wie aufgerührt, wie reduktiv und und und. Da schwirrt einem der Kopf!

Entsprechend riesig ist die Bandbreite:

  • Holzbetont und exotisch vanillig kraftvoll warm.
  • Holzbetont und eher kühl und straff
  • Wenig holzbetont und trotzdem cremig nussig
  • Wenig Holzbetont und kühl und straff
  • Ohne Holz und ausgewogen
  • Ohne Holz und cremig

Und alles dazwischen und alles in konventioneller oder moderner Stilistik, mal etwas (extrakt-)süßer, mal staubtrocken, mal komplexer, mal weniger komplex, mal alkoholreich, mal weniger, mal mehr und mal weniger reduktiv.

Aber auch bei Trinkern polarisieren die Weine. Natürlich trifft man auch bei Rieslingen auf Restzuckerallergiker oder Säurefanatiker, das ist aber nichts gegen Chardonnay. Das hätte auf der Weinbörse leicht im Ehekrach enden können. Als ich neulich zu einem weinaffinen Grillevent eine Magnum eines komplexen, duftigen, hoch bepunkteten Pfälzer Chardonnay mitbrachte und die Mittrinker nach ihrer Meinung frage, bekam ich von einem sehr erfahrenen Weinfreak direkt gesagt: „Der schmeckt mir überhaupt nicht, der ist ja viel zu laut“. Ich sag mal so, bei einem 92 Punkte Riesling GG wäre das so nicht passiert. Eventuelle Kritik wäre deutlich dezenter geäußert worden: „Der könnte etwas schlanker sein.“ „Hintenraus scheint er etwas süßlich“.

 

Wo bleibt das Terroir?

Diese Frage ist für mich auch nach der Powerverkostung nicht so leicht zu beantworten. Terroir wird in der Fachliteratur als Zusammenspiel zwischen Rebsorten, Klima, Bodentyp, Topographie/Kleinklima und Vinifikation gesehen. Das die Sorte die topographischen/kleinklimatischen Unterschiede und die Unterschiede über die Jahrgänge gut zeigt ist klar. Die Mehrheit der befragten Fachleute sagt auch, dass Chardonnay den Boden, auf dem er wächst in den Geschmack übernehmen kann. Ehrlich gesagt bräuchte ich da mehr zielgerichtete Verkostungen um das für mich zu verifizieren. Eins ist uns aber auf jeden Fall klar geworden: Holzeinsatz, Hefelager, Reduktion und andere Maßnahmen der Vinifikation – also quasi die Handschrift des Winzers sind bei den getrunkenen Weintypen viel nachhaltiger am Entstehen des Geschmacksbilds beteiligt als der Boden. Sicher ist das auch ein Teil des weltweiten Erfolges der Rebsorte. Nur mit unverwechselbarem Terroir hat das nur dann zu tun, wenn es regional eine Tradition und ähnliches Vorgehen gibt. Der „internationale Stil“ hat kein Terroir.

 

Erfreuliches Qualitätsniveau

Bei den Lagenweinen waren qualitativ ein paar absolute Holzbomben auszusortieren sowie wie immer ein paar minderkomplexe Exemplare, ansonsten gab es schon viele sehr gute und einige hervorragende Weine, auch wenn man auf deutlich weniger hervorragende Exemplare trifft als bei einer Riesling-Lagenweinverkostung.

Auch die kraftvollen, holzbetonten Exemplare nehme ich explizit nicht aus der Runde der sehr guten und herausragenden Weine aus, auch wenn sie aktuell eher unmodern sind. Mit ein bisschen Flaschenreife sind das schließlich gute Essensbegleiter, die bei genug Komplexität auch spannend sind und hohe Bepunktungen verdienen. Die straighteren, kühleren, feineren Exemplare haben aber sicher häufiger das Zeug dazu, wirklich große Weine zu werden, auch unabhängig davon, ob man mehr oder weniger Holz einsetzt. Wobei bei maximierter Kühle und Säure auch immer die Gefahr besteht, zu früh zu ernten und unrunde unreife Aromen in den Wein zu bekommen.

Ganz ohne Holz im Guts- oder Ortsweinbereich finde ich insbesondere den Chardonnay schwierig. Die Aromatik driftet schnell in Richtung überreifes Fallobst und nasses Papier. Ein bisschen wie beim einfachen Grauburgunder, nur noch schlimmer. Beim Weißburgunder waren ein paar ordentliche holzarme bzw. holzfreie Exemplare zu finden, bei denen Frische bewahrt und auf eine klare und feine Fruchtaromatik gesetzt wurde.

 

Chardonnay und Weißburgunder als GG und 1G – sinnvoll oder nicht?

Also gibt es insgesamt zwar gewisses Verbesserungspotential in Sachen Qualität, um zum Flaggschiff Riesling aufzuschließen, die Situation ist aber keineswegs schlecht. Es gibt genug herausragende Exemplare um zu sagen: Beide Rebsorten gehören zu den Topsorten in Deutschland.

Dennoch sind die Sorten nicht überall im VDP für Große und erste Gewächse zugelassen:

GebietGG1G
Ahr--
BadenWB. CHWB. CH
FrankenWBWB. CH
Mittelrhein--
Mosel--
Nahe--
PfalzWBWB. CH
Rheingau--
Rheinhessen-WB. CH
Sachsen/Saale-UnstrutWB. CHWB. CH
WürttembergWBWB, CH

Gerade mit Blick auf die immer hervorragenden Astheimer Orts-Chardonnays von Fürst habe ich bereits in einigen Diskussion meinungsstark die These vertreten, Chardonnay muss Großes Gewächs sein dürfen.

Nach unserer großen Verkostung in Mainz bin ich da künftig leiser. Wenn die GG-Zulassung einer Sorte bedeutet, dass herausragende Weine in irgendeinem Stil dort erzeugt werden können, könnte man weiter auf dem Standpunkt stehen, dass alle Regionen die das für relevant halten, Chardonnay/Weißburgunder als GG zulassen können sollten.

Wenn ich aber etwas weiterdenke und sage es braucht auch eine gewisse regionale Typizität bzw. Tradition, die sich im Geschmack der Weine widerspiegelt – also einen Terroirgedanken – (den es bei Riesling GG zweifelsohne gibt), dann komme ich zu dem Schluss, dass man auch von 1G Chardonnays Abstand nehmen sollte und auch die Bewertung des Weißburgunders in Frage stellen kann. Es gibt nämlich keinen einigermaßen wiederkennbaren Chardonnay oder Weißburgunder-Lagenweintyp in den Regionen – für eine Markenbildung keine gute Voraussetzung. In dem Kontext erscheinen mir Guts- bzw. Ortswein die bessere Heimat für die vielen individuellen Spielarten. Das gilt im übrigen nicht nur für den VDP, sondern aus meiner Sicht erst recht für die Ausgestaltung der Lagenweinprofile nach neuem Weinrecht in den Schutzgemeinschaften.

 

Antrinktipps

Bei unseren Antrinktipps haben wir daher versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in Kategorien einzusortieren. Richtig zufrieden sind wir nicht, weil selbst innerhalb der Kategorien wenig Vergleichbarkeit herrscht. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

 

Rheinhessen

Straight (kühle Aromen dominieren, eher säurebetont, keine überreifen Fruchtnoten, keine große Extraktsüße) und holzbetont

Bischel: 2022er Réserve Chardonnay

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Neus Schlossberg ChardonnayJ. Neus: 2022er Ingelheimer Chardonnay ●, 2022er Ingelheimer Schlossberg Chardonnay 1G ●

Nach vielen Veränderungen bei den handelnden Personen im Gut scheint man in Ingelheim insgesamt auf einem guten Weg. Die Weine sind nicht mehr so progressiv wie teilweise bei dem früheren Team, sondern ruhen nun mehr in sich. Sehr schön!

 

Kraftvoll (warme Aromen dominieren, süße Fruchtnoten, Extraktsüße, vanillige Holznoten) und holzbetont

Gutzler: 2022er Westhofener Chardonnay

 

 

Pfalz

Straight und holzbetont

Friedrich Becker: 2021 Schweigener Chardonnay ●, 2019 Chardonnay Mineral●, 2020 Weißer Burgunder Reserve●
Bei Becker sticht überall die hohe aber präzise Säure heraus. Darauf angesprochen verriet Friedrich Junior, dass man darauf achte, dass nicht jedes Gebinde einen biologischen Säureabbau macht. Aus meiner Sicht schafft das viel mundwässernden Trinkspaß, obwohl ähnlich wie bei Beckers Spätburgundern der Holzeinsatz schon ziemlich kraftvoll ist und die Weine damit einfach mehr Zeit brauchen, bis sie sich geschmacklich rund präsentieren. Auch der 2019er Mineral kann hier ganz sicher noch liegen bleiben.

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Jülg: 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Weißburgunder 1G, 2023 Schweigener Chardonnay, 2023 Rechtenbacher Pfarrwingert Chardonnay ●

Ökonomierat Rebholz: 2022 Chardonnay „R“

Rings: 2022 Kalk & Stein Chardonnay & Weißburgunder ●, 2023 Chardonnay und Weißburgunder ●

In der Kategorie Gutswein mit Anspruch ist die „einfache Version“ der Cuvée von Rings sicher ein Best Buy. Die kühle, unaufgeregte Stilistik hat uns extrem gut gefallen.

 

Kraftvoll und holzbetont

Knipser: 2019er Chardonnay Réserve

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Knipser: 2019er Chardonnay Fumé, 2020er Chardonnay *** ●

 

Baden

Straight und holzbetont

Bernhard Huber: 2022er Malterdinger Chardonnay Alte Reben (noch ziemlich wild)

 

Straight und ausgewogener Holzeinsatz

Salwey: 2021er Oberrotweiler Weißburgunder ●, 2020er Oberrotweiler Steingrubenberg Chardonnay GG ●, 2020er Oberrotweiler Kirchberg Weißburgunder GG ●

Eigentlich müsste man die Weine von Salwey in eine eigene Kategorie packen. Es sind sicher mit die feinsten Weine und für die warmen badischen Verhältnisse immer kühl. Sie sind nie die aufregendsten aber qualitativ immer auf höchstem Niveau und mit einer ganz eigenständigen Handschrift auch über alle Jahrgänge hinweg.

 

Kraftvoll und Holzbetont

Dr. Heger: 2021er Ihringer Winklerberg Chardonnay 1G

Heitlinger: 2017er Hilsbacher Eichelberg Pinot Blanc GG Heitlinger, 2020er Tiefenbacher Heinberg Chardonnay GG

Heitlinger ist für uns eine ziemlich neue Entdeckung. Ein junges Team arbeitet hier konsequent daran, das Weingut nach vorne zu bringen. Bei den oben erwähnten Weinen ist der Holzeinsatz ziemlich dominant. Wäre er etwas milder, gehörten sie mit zu den Gebietsbesten.

Franz Keller: 2022er Oberbergener Pulverbuck Weißburgunder 1G, 2022 Chardonnay Drei Dörfer

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Weingut SchlörDr. Heger: 2021er Winklerberg Hinter Winklen Gras im Ofen Weißburgunder GG ●

Schlör: 2022 Reicholzheimer Oberer First Weißburgunder GG

 

Ausgewogen (mittlerer Holzeinsatz und mittlere Kraft, eher klassiche Machart)

Bercher: 2022er Sasbacher Limburg Weißburgunder 1G ●, 2022 Burkheimer Feuerberg Haslen Weißburgunder GG ●, 2021 Berchers Chardonnay SE ●

Bercher hat insgesamt eine großartige Kollektion präsentiert. Ein Weingut, dass definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

Dr. Heger: 2022 Ihringer Weißburgunder

Schlör: 2023 Reicholzheimer Weißburgunder

Der Ortswein von Schlör ist nur im Edelstahl ausgebaut. Entstanden ist ein feiner und schlanker Vertreter der Rebsorte mit klarer Frucht.

 

Franken

Straight und Holzbetont

Rudolf Fürst: 2022er Astheimer Chardonnay R ●

Rudolf May: 2022er Retzbacher Chardonnay ●

 

Kraftvoll und Holzbetont

Höfler: 2020er Michelbacher Chardonnay

Juliusspital: 2020er Volkacher Karthäuser Weißer Burgunder GG

 

Kraftvoll und ausgewogener Holzeinsatz

Egon Schäffer: 2022er Escherndorfer Fürstenberg Weißburgunder 1G Schäffer

Hans Wirsching: 2023er TriTerra Cuvée aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay

 

Ausgewogen

Staatlicher Hofkeller: 2023er Würzburger Stein Weißer Burgunder

Paul Weltner: 2023er Rödelseer Chardonnay

Hans Wirsching: 2023er Iphöfer Kronsberg Chardonnay Alte Reben

 

Weiter in Teil 2 mit Silvanern und Spätburgundern.

Bischel, Rheinhessen – Gau-Algesheimer Goldberg Silvaner trocken 2015

Bischel, Rheinhessen - Gau-Algesheimer Goldberg Silvaner trocken 2015Die Weine, die ich vom VDP-Neuling Bischel bisher im Glas hatte, hatten mir ausnahmslos gefallen. Da sich die Tage in einem gut sortierten Frankfurter Edeka die Chance bot, einen angereiften Silvaner mitzunehmen, war die Zeit reif, für die „Adelung“ des Weinguts: Silvaner außerhalb Frankens. Da kann fast keiner mithalten. Ob es Bischel geschafft hat?

Recht typische aber kühle Silvanernase mit rotem Apfel, Birne und Kräutern und nussigen Noten.

Im Mund dicht aber weich und focussiert. Frische, zitronige Säure und viel kalkige Mineralität. Dazu grüner Apfel, eine wunderbar vielschichtige Würze, ein Hauch grünes Holz und leicht erdige Noten. Nicht verspielt, sondern eher straight und kühl.

Langer, klarer und schöner Abgang.

Großartig. Das ist Silvaner GG Niveau aus Rheinhessen – ich ziehe meinen Hut!

Ca. 20,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

Bischel, Rheinhessen – Sauvignon Blanc Reserve trocken 2017

Bischel, Rheinhessen - Sauvignon Blanc Reserve trocken 2017 1Die Weine des Weinguts Bischel lernte ich vor ca. 3 Jahren kennen, wo mir ein paar reifere 2011er Rieslinge in meinen Einkaufskorb hüpften. Das Kennenlernen endete äußerst positiv, sodass ich das Weingut auf Verkostungen stets im Blick behielt und mir aus dem 2016er Jahrgang auch ein paar Flaschen in den Keller legte.

Anfang dieses Jahres ertöte dann der Paukenschlag: Das Weingut Bischel wurde in den VDP aufgenommen. Eine Mitgliedschaft im Club der führenden Winzer Deutschlands kann man sich dabei nicht erkaufen. Die bestehenden Mitglieder des Regionalverbandes laden Kollegen, von deren Qualität sie überzeugt sind ein, Mitglied im VDP zu werden. Mich freut es sehr, dass die Familie Runkel in diesen Kreis aufgenommen wurde.

Am Freitag kaufte ich nun zufällig im bestsortiertesten Edeka in der Region unseren Wochenendeinkauf ein. Ich mach das eigentlich ungern, da der Einkauf dort immer besonders teuer wird. Unter anderem weil ich es nicht schaffe, durch die sehr gut sortierte Weinabteilung zu gehen, ohne wenigstens ein Fläschchen mitzunehmen.

Da wir für den Samstag ein Fischgericht geplant hatten und ich das Weingut Bischel nochmal einem „Härtetest“ unterziehen wollte, landete der 2017er Sauvignon Blanc Reserve im Einkaufswagen. Der Härtetest ist hierbei ein ganz persönlicher, da für mich die Rebsorte Sauvignon Blanc eher schwierig ist und die Weine hieraus entweder zu plakativ fruchtig oder zu gemüsig und Paprikagrün erscheinen. Ergo: Wer einen Sauvignon Blanc macht, der mir gefällt, hat definitiv meinen persönlichen Winzerhärtetest bestanden.

Das Wort „Reserve“ auf dem Etikett eines Sauvignon Blancs assoziiere ich meist mit einer sehr holzbetonten, eher warmen und etwas opulenten Stilistik. Auch wenn hier Puristen vielleicht die Nase rümpfen – für mich passt das ganz gut zur Rebsorte und in diesem Kontext war ich guter Dinge, dass der Wein den „Härtetest“ bestehen würde.
Final bestand er diesen Test auch mit Bravour, jedoch etwas anders, als ich mir das vorgestellt hatte:

Relativ grün würzige Nase, Paprika, nussige Noten, im Hintergrund dunkle Früchte, feine und kalkige Mineralität.

Im Mund dicht mit einem ganz feinen Gerbstoffgerüst, enorm saftige Säure, eher dunkle, angenehm zurückhaltende Frucht. Schöne, ganz leicht rauchige Würze, dennoch eher helle Mineralität. Eine Prise Salz.

Recht langer, schöner und würziger Abgang.

Stilistisch ist das deutlich weniger „Reserve“ als ich das erwartet hätte. Der Holzeinsatz ist gekonnt und fein, mit mehr Luft verschiebt sich die Aromatik noch etwas mehr in Richtung der Fruchtkomponenten, bleibt aber immer unaufdringlich. Der Wein schmeckt reif, eher kraftvoll aber keineswegs opulent und überladen sondern frisch, fordernd und mit schönem Trinkfluss.

Hervorragend!

Ca. 19,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

Achja, dazu hatten wir Wildlachs auf Risotto und einer Dill-Sabayon. Das passte bestens!

Bischel, Rheinhessen - Sauvignon Blanc Reserve trocken 2017 2

Bischel, Rheinhessen – Gau-Algesheimer St. Laurenzikapelle Riesling trocken 2011

20160616_232123Heute war der letzte der vier 2011er Bischels aus meinem Keller dran. Die ersten drei gefielen mir sehr gut. Von daher gab es also kein Grund zur Sorge.

In der Nase überreife gelbe Früchte, Kandis, Honig, Gewürze und etwas Holz.

Im Mund ein Hauch reifer Pfirsich, angenehme aber gut stützende Säure, kalkige Mineralität, leichte astringierende Bitternote und eine ordentliche Portion Extraktsüße. Viel Kraft, viel im Mund. Guter, antrocknender Abgang. Insgesamt mit dem Scharlachberg an der Spitze. Vielleicht sogar noch einen Hauch eleganter als dieser. Der Wein macht viel Spaß und ist in Top Zustand.

Ca. 17,90 EUR / PGV angemessen

Bischel, Rheinhessen – Binger Riesling Quarzit trocken 2011

Bischel, Rheinhessen – Binger Riesling Quarzit trocken 2011Der nächste Bischel, nachdem mir die 2011er Lagenweine so gut gefallen hatten.

Nase mit reifen, süßen, gelben Früchten, viel kalkige Mineralität, etwas Lackfarbe.

Im Mund reifer Pfirsich, etwas Dosenmandarine, Salz, Gewürze und viel, viel Kalk. Schöne, gut eingebundene Säure. Langer wieder trocken kalkiger Abgang. Insgesamt ein etwas opulenterer Stil, wie auch die Lagenweine des gleichen Weinguts.
Für die Kategorie Ortswein sehr gut.

Ca. 11,00 EUR / PGV angemessen bis günstig