Open Friday im Zellertal am 6. November 2015

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Das wunderschöne Zellertal liegt an der Nahtstelle zwischen Rheinhessen und der Pfalz. Auf dem Kalkstein rund um die Toplage „Schwarzer Herrgott“ lassen sich gut straffe und mineralische Rieslinge erzeugen.

Schlossgut Lüll
Schlossgut Lüll

Die Winzerinitiative Zellertal Open hatte gestern zum ersten Mal zum Open Friday geladen.

Zwischen 17:00h und 23:00h hatten die sieben Winzer der Initiative ihre Höfe und Keller geöffnet und zur Weinverkostung (Take five for five EUR) und leckeren Speisen geladen.

Ich liebe solche Veranstaltungen, bieten Sie doch die Möglichkeit auf einen Schlag gleich mehrere Winzer einer Region kennen zu lernen.

Wir haben es an dem Abend mit dem Auto bequem geschafft, sechs der sieben Weingüter zu besuchen (Klosterhof Schwedhelm haben wir ausgelassen, da wir dort schon die Jahrgangspräsentation im Frühjahr genossen hatten). Mit dem verfügbaren Busshuttle hätten wir das sicher nicht gepackt, hier gab es doch an der einen oder anderen Station einen ziemlichen Andrang und Wartezeiten – hier besteht noch Potential fürs nächste Jahr.

Gestartet haben wir die Runde im herrschaftlichen Anwesen des Schlossgut Lüll in Wachenheim. Hätten wir nach der Proberunde noch Lust auf Feiern gehabt, hätte sich eine umgekehrte Reihenfolge empfohlen, da im Schlossgüt Lüll ab 23:00h auch die Abschlussparty des Events stattgefunden hatte.

Als nächstes steuerten wir das Weingut Bremer in Niefernheim an. Hier gab es den ersten Jahrgang des Guts zu verkosten. In der Ortsmitte von Niefernheim liegen die historischen Gebäude des ehemaligen Weinguts Herr, die die Familie Bremer aufwändig modernisiert und umgebaut hat. Davor muss ich den Hut ziehen. Hier wurde ein großes unternehmerisches Wagnis eingegangen und viel Geld investiert. Verkauft sich doch heutzutage auch guter Wein nicht von selbst. Drei Schwestern führen das Weingut und steuern betriebswirtschaftliches Wissen und Marketingkenntnisse bei. Die önologischen Fähigkeiten bringt Betriebsleiter Michael Acker mit.

Vinothek Weingut Bremer
Vinothek Weingut Bremer
Weinkeller Weingut Janson Bernhard
Weinkeller Weingut Janson Bernhard

Mit dem Jahrgang 2014 zu starten ist bestimmt nicht optimal – schließlich war es ein schwieriges Jahr. Dennoch wurde das gut gemeistert. Hervorzuheben ist der frische 2014er Zellertaler Riesling Ortswein, der 2014er Heiland Silvaner mit der typischen Silvanernase und schöner Dichte und das Große Gewächs der 2014er Schwarzer Herrgott Riesling.

Dazu gab es übrigens sehr leckere Kleinigkeiten zu essen. Der Roggenflammkuchen und das Dreierlei von der Ente waren hervorragend! Genauso hervorragend sitzt man in der schönen neugestalteten Vinothek des Weinguts. Das Weingut ist auf jeden Fall weiter zu beobachten.

Die dritte Station war dann das Weingut Janson Bernhard in Harxheim. Auch hier wieder ein herrschaftliches Anwesen – wunderschön. Der zertifizierte Ökobetrieb wird heute von Christine Bernhard geleitet, die neben der Take Five Probe eine kleine Spezialitätenprobe im Holzfasskeller des Weinguts sehr unterhaltsam präsentierte. In Erinnerung blieben der 2014er Riesling Gewürztraminer, der die blumigen Noten des Gewürztraminers schön mit den Zitrusaromen des Rieslings verband, der komplexe und dichte handgelesene Spitzenwein des Weinguts – der 2014er Schwarzer Herrgott Riesling „Unterm Kreuz“ und der 2014er Spätburgunder. Die beiden letzten sind aus meiner Sicht sogar echte Preis-Leistungs-Sieger der gestrigen Probe. Allerdings sollten sie noch einige Zeit im Keller verschwinden, bevor sie getrunken werden.

Etwas bergauf liegt dann das Weingut Wick in Zell. Auch hier ein zertifizierter Ökobetrieb. Das Weingut befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Winzergenossenschaft. Die Probe fand hier im großen Keller des Guts statt. In Erinnerung blieb der 2014er Zeller Schwarzer Herrgott Riesling Alte Rebe.

Weingut Wick
Weingut Wick

Die beiden letzten Stationen lagen dann etwas abseits vom Schwarzen Herrgott.

Als vorletztes war das Weingut Boudier Koeller an der Reihe. Hier sind wieder Quereinsteiger am Werk, die Stück für Stück ihren Weintraum in Stetten vor dem Donnersberg realisieren. Auch hier residiert das Weingut historisch herrschaftlich. Gerade neu eröffnet ist die Weinbar, in der auch die Probe stattfand. Viel los war gegen 21:00h vor Ort. Kein Wunder, ist das Weingut doch mittlerweile auch überregional ein Begriff. Tolles Marketing! Bei den Weinen blieb der kraftvolle 2013er „Roter Stern“ Portugieser Alte Reben besonders in Erinnerung – mir gefällt es immer wieder zu sehen, wie sehr gute Weine auch aus „Brot- und Buttersorten“ wie dem Portugieser entstehen können.

Viel Betrieb bei Boudier Koeller
Viel Betrieb bei Boudier Koeller
Schöner Abschluss bei Bicking&Bicking
Schöner Abschluss bei Bicking&Bicking

Letzte Station war dann das Weingut Bicking & Bicking in Gauersheim. Die Brüder Lukas und Achim haben den elterlichen Betrieb übernommen und einer Frischzellenkur unterzogen. In der Fünferprobe haben mir hier alle Weine sehr gut gefallen. Besonders schön waren der druckvolle und mineralische feinherbe 2014er Albisheimer Riesling Kabinett, der 2013er Albisheimer Spätburgunder und der 2012er Steinernes Kreuz Rotwein Cuvée. Zusätzlich habe ich noch den Topwein des Guts – den 2014er Riesling Heiligenborn verkostet, der sich sehr mineralisch und komplex aber auch angenehm rund und nicht zu verspielt präsentierte. Das Weingut Bicking & Bicking mit seinem symphatischen Team und tollen Weinen war damit für mich die größte Überraschung des Abends.

Die Veranstaltung ruft nach Wiederholung im nächsten Jahr!

In der Vorrecherche zu dem Termin fiel mir auf, dass alle Weingüter einiges in professionelles Marketing investieren. Gerade bei den modernen Onlineauftritten sieht man das gut. In der Breite findet man das eher noch selten.

2 Responses

  1. Bayer

    Gelungene Sache, denke man sollte nicht nur die hochpreisigen Weingüter ,sondern auch Weingüter mit Tradition mit einbinden.

    • kleiner_pirat

      Danke für den Kommentar. Wer hat denn aus ihrer Sicht gefehlt?

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