Neues aus Franken: Silvaner aus dem Granitfass – schmeckt man den Unterschied?

Weinbau ist ein unendlich weites Feld. In Jahrhunderten wurden verschiedenste Techniken ausprobiert, teils beibehalten und über Generationen verfeinert, teils zu Gunsten anderer Methoden verworfen. Ob im Weinberg oder im Keller. Die „Wege zum Wein“ sind extrem vielfältig.

 

Eine mögliche Variable ist das Behältnis, in dem der Wein vergärt und bis zur Abfüllung in die Flasche reift. Das Holzfass in unterschiedlichsten Größen ist die klassische, alt hergebrachte Variante. Gut geeignet, aber Naturmaterial, das Geschmacksstoffe an den Wein abgibt und einen gewissen Sauerstoffaustausch zulässt.

So sind nach und nach zunächst Kunststofftanks, heute meist Edelstahltanks zum Standard geworden, verspricht man sich dort doch weniger Einfluss des Materials auf den Wein und damit quasi geschmacklich reinere Weine. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Die einfachere Pflege des Tanks.

 

Der zweite Vorteil ist klar nachzuvollziehen, beim ersten müsste erstmal definiert werden, wie ein Wein zu schmecken hat. Rahmenbedingungen lassen sich hier natürlich setzen, Fehler definieren und in gewissem Rahmen Komplexität und Harmonie bewerten. Am Ende ist die Geschmacksvielfalt aber ein wesentliches Merkmal des Weins und etwas, was das Getränk so faszinierend macht.

Von daher gibt es aus meiner Sicht nicht das optimale Behältnis, welches optimalen Geschmack bringt. Der Gesamtprozess der Herstellung des Weins durch den Winzer ist entscheidend.  Die Auswahl des Wingerts, die Pflanzen, die Arbeit im Weinberg, die Arbeit im Keller, die nicht zu beeinflussenden klimatischen Rahmenbedingungen und viele weitere Faktoren bestimmen das Ergebnis. Das „Fass“ ist nur ein Puzzleteil, das ganz unterschiedliche Gestalt haben kann, aber in den individuellen Prozess des Winzers passen muss.

 

So wird auch heute weiter experimentiert. Mit „neuen“ Materialien, wie dem Betonei zum Beispiel, aber auch mit noch ursprünglicheren Behältnissen wie der Tonamphore, in der schon vor Tausenden von Jahren Traubensaft gärte oder eben dem Steinbehältnis. Schon die Römer nutzten gemauerte oder gemeißelte Bottiche zur Weinherstellung.

Ein Silvaner, zwei Fässer

Uli Kremer aus Großheubach hatte die Möglichkeit ein „Steinfass“ aus Granit zu testen. Für diesen Test wählte er einen Silvaner aus einer alten Anlage aus dem Großheubacher Bischofsberg aus. Nach der Ernte, zwei Tagen Maischestandzeit und dem Abpressen füllte er 1000l des Weins in das leer immerhin fast 1,8t wiegende Gefäß, den Rest ließ er im Edelstahl reifen. Schon im Keller stellte sich heraus, dass sich die Reife im Granit anders vollzieht als im Edelstahl. Zum Beispiel mussten insgesamt etwa 100l Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden – trotz 10cm Wandstärke.Neues aus Franken: Silvaner aus dem Granitfass – schmeckt man den Unterschied?

Nachdem die Weine nun im Verkauf waren, musste ich unbedingt persönlich die Ergebnisse vergleichen. Ob der Jugend der Weine habe ich beide Flaschen über 3 Tage verkostet. Zeit kann man beiden Weinen in jedem Fall noch lassen. Haben sie insbesondere am zweiten aber auch am dritten Tag doch gewonnen.

Doch ist der „MainSteinWein“ aus dem Granitfass nun anders als der „normale“ Kabinett trocken?

Ja, ist er auf jeden Fall. Vom ersten Schluck an ist er mehr auf der mineralischen und würzigen Seite, während der Kabinett weniger Mineralität und zur schönen Würze etwas mehr Frucht mitbringt. Außerdem hat der Silvaner aus dem Granit die präzisiere und frischere Säure, was sich auch in den Analysewerten zeigt. Im Detail:

 

Großheubacher Bischofsberg Silvaner Kabinett trocken 2016
Silvaner Kabinett

Großheubacher Bischofsberg Silvaner Kabinett trocken 2016

Kräutrige Nase, mit Zitrusfrüchten, grünem Apfel und floralen Noten.

Im Mund absolut trocken. Frucht nach rotem Apfel, Orangenschale, weißen Johannisbeeren. Dazu eine frische, aber runde Säure, dunkle Gewürze und Tabak. Präzise und straff. Schöner, glasklarer und würziger Abgang.

Ca. 7,00 EUR

 

Großheubacher Bischofsberg Silvaner „MainSteinWein“ trocken 2016
Silvaner „MainSteinWein“

Großheubacher Bischofsberg Silvaner „MainSteinWein“ trocken 2016

Insgesamt kühle kräutrige Nase, nasser kühler Stein, etwas Banane und Orange.

Im Mund viel kräutrige Würze und steinige bis kalkige Mineralität. Der Wein hat ein schönes, ganz festes Gerüst und eine sehr frische, feine Säure. Im Hintergrund dazu etwas Orangenschale und Tabak. Langer, tiefer und sehr würziger Abgang.

Ca. 15,00 EUR

 

 

Beide Weine sind hervorragend! Musterbeispiele für würzige, knalltrockene fränkische Silvaner. Mir macht diese Stilistik einen Riesenspaß. Beide Weine sind schön straff und präzise und gehen zu keinem Zeitpunkt in die Breite. Sie haben Zug und machen sowohl solo als auch als Essensbegleiter eine gute Figur.

Zurecht stellt sich da noch eine Frage: Spiegelt sich der hohe Preisunterschied im Geschmack vollständig wider?

Nein, das macht er nicht vollständig – was aber schlicht daran liegt, dass der „kleine“ Kabinett einfach unglaublich viel Wein fürs Geld bietet und viel zu günstig ist.

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