Mythos Mosel: Eine Rieslingreise 2019 von Ürzig bis Briedel

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Mythos Mosel 2019 Eröffnungsfeier
Das Moselschlösschen während der Eröffnungsfeier

Am letzten Wochenende war es wieder soweit. Die „Moseljünger“ riefen zu Wein, Genuss und Party an den Fluss. Im 6. Jahr ist aus Mythos Mosel ganz sicher eine etablierte Veranstaltung geworden: Mit Publikum von Jung bis Alt und von nah und fern.

Für mich auch ganz sicher eine der besten Weinveranstaltungen Deutschlands und ein Aushängeschild für die immer noch eher verschlafene Mosel.

Das Lob gilt, genau wie im letzten Jahr, neben den engagierten Winzern und Essensbereitern an den Stationen, dem Organisationsteam der Moseljünger, das wieder für einen reibungslosen Ablauf mit gut funktionierendem Linienbusverkehr gesorgt hat.

Dieses Mal konnten ca. 700 Weine von 120 Weingütern an 31 Stationen verkostet werden. Eine unüberschaubare Menge, bei der Priorisierung gefragt war. Unseren Schwerpunkt wollten wir nicht auf die Mitglieder des VDP legen, da wir einen Teil der 2018er Weine schon auf der VDP.Weinbörse in Mainz verkosten durften. (Bericht hier)

Am Wochenende hatten nicht alle Winzer 2018er Weine dabei, was ich persönlich gut finde, da es meist nicht schadet sondern eher nützt, ganz jungen Weinen Zeit zu geben, sich etwas zu entwickeln.

Mythos Mosel Ürziger Würzgarten
Der Ürziger Würzgarten

An der einen oder anderen Station gab es auch wirklich reifere Weine zu verkosten. Im wunderbaren, leider nicht mehr genutzten Holzfasskeller von C.H. Berres in Ürzig gab es sogar 8 tolle Weine des Hausherren und der Gäste aus den Jahren 1983 bis 2005 zu verkosten. Eine seltene und spannende Gelegenheit, die Mythos Mosel ebenfalls einzigartig macht!

 

Der 2018er Jahrgang – vielleicht hier und da nicht ganz optimal umgesetzt

 

Beim aktuellen 2018er Jahrgang waren wir auf der VDP.Weinbörse ziemlich positiv gestimmt. Zumindest, was Mosel, Saar und Ruwer anging. Die Säure zwar etwas milder als im Vorjahr, aber insgesamt eine feine Qualität mit ausreichender Frische.

Bei den fruchtsüßen Weinen deckte sich diese Einschätzung auch weitgehend mit unseren Erfahrungen am Wochenende. Nur selten erschien uns die Säure zu flach (wir sind aber auch keine ausgesprochenen Säure-Freaks), die Weine waren schon sehr zugänglich und hatten eine tolle, strahlende Frucht.

Im trockenen Bereich gab es aus unserer Sicht hier und da aber doch Grund zur Kritik. Hin und wieder ist der trockene, knackig frische, sehr saftige Einstiegswein quasi ausgefallen. Das ist erstmal nicht schlimm. Wenn man eigentlich einen kraftvollen Wein aus dem Mittelsegment sucht, kann er für Sparfüchse eine tolle Gelegenheit sein, „viel Wein fürs Geld“ zu bekommen.

Was uns aber hier und da – zumindest in der momentanen Entwicklungsphase – bei manchem trockenen Wein aller Qualitätsstufen störte, war eine leichte Bitternote. Zu sagen, in wie weit diese sich einbinden wird, traue ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu. Die Zeit wird es zeigen.

 

Wie letztes Jahr zunächst unsere liebsten Kollektionen und Neuentdeckungen

 

Stefan Müller/Konz/Saar

Mythos Mosel 2019 Stefan MüllerDie Weine von Stefan Müller laufen auch in der 2018er Version klar wie der sprichwörtliche Gebirgsbach die Kehle herunter, sind präzise, säurestark und tänzelnd. Besonders stark fanden wir den 2018er Niedermenniger Sonnenberg Riesling Kabinett „Alte Reben“ und die 2018er Niedermenniger Sonnenberg Riesling Spätlese „Alte Reben“ – beide fruchtsüß und vom Rotschiefer.

 

Weingut Loersch/Leiwen/Mosel

Mythos Mosel 2019 LoerschErst letztes Jahr bei gleicher Gelegenheit hatten wir die Weine von Alex Loersch kennengelernt und waren letztes Jahr wie dieses Jahr fasziniert. Stilistisch nicht ganz so straight und minimalistisch, wie die Saarweine von Müller bleiben auch seine Weine stets elegant, wirken nicht überladen und ruhen in sich. Das gilt besonders für den 2017er Dhroner Hofberg „Sängerei“ Riesling GG und die großartige, vielschichtige 2016 Trittenheimer Apotheke Riesling Spätlese „Alte Reben“. Auch die kleine 2018er Preview beruhigte. Der 2018er Blauschiefer Riesling trocken ist einer der besten 2018er Gutsweine die wir gekostet haben.

 

Ansgar Clüsserath/Trittenheim/Mosel

Eva Clüsserath-Wittmann trägt den zweiten Teil ihres Nachnamens seit ihrer Hochzeit mit Philipp Wittmann, vom rheinhessischen Weingut Wittmann. Während die Weine des rheinhessischen Weinguts uns bestens bekannt sind, hatten wir mit Weinen von den Steilhängen der Mosel keine Berührungspunkte. Schade, denn dass, was 2017 dort auf die Flasche gebracht wurde, verdient eine Menge Aufmerksamkeit. Stilistisch liegen die Weine wieder auf der kühlen und straighten Seite und zeichnen sich durch eine bestens passende und gut integrierte Säure aus. Antrinktipps: 2017er Steinreich Riesling trocken und der feine 2017er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett fruchtsüß.

 

Weingut A.J. Adam/Neumagen-Dhron/Mosel

Gleich die nächste Top-Neuentdeckung für uns war das Weingut A.J. Adam als Gast im Weingut Immich-Batterieberg. Die Weinkollektion von Barbara und Andreas Adam stand da wie aus einem Guss. Die Abstufungen waren klar erkennbar, die Stilistik fein und elegant und mit einer besonders schönen Frucht. Beonders gut gefielen uns der 2018er Dhroner Hofberg Riesling trocken und die beiden fruchtsüßen Kabinette: 2018er Dhroner Hofberg Riesling Kabinett und der 2018er Dhroner Häs’chen Riesling Kabinett.

 

Mythos Mosel 2019 WalterZu beobachten weil auf allerbestem Weg mit durchgängig guten Kollektionen und feinen Weinen sind aus unserer Sicht außerdem das Weingut Meierer aus Kesten und das Weingut Walter aus Briedel.

 

Weitere Top-Antrinktipps aus dem Jahrgang 2018 (sehr selektiv)

 

Riesling trocken – alle Qualitätsstufen:

Weingut Karthäuserhof: 2018er Karthäuserhofberg Riesling Alte Reben trocken

Axel Pauly: 2018er Purist Riesling trocken

Timo Dienhart – Zur Römerkelter: 2018er Maring-Noviander Honigberg „Kräuterwingert“ Riesling trocken

 

Riesling Kabinett Fruchtsüß:

Dr. Hermann: 2018er Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett

Max Ferd. Richter: 2018er Brauneberger Juffer Riesling Kabinett

Karthäuserhof: 2018er Karthäuserhofberg Riesling Kabinett

Clemens Busch: 2018er Pündericher Marienburg Riesling Kabinett

 

Riesling Spätlese Fruchtsüß:

Dr. Hermann: 2018er Erdener Herzlei Riesling Spätlese „Alte Reben“ Goldkapsel

Joh. Jos. Christoffel Erben: 2018er Erdener Treppchen Riesling Spätlese

 

Riesling Auslese Fruchtsüß:

Joh. Jos. Christoffel Erben: 2018er Ürziger Würzgarten Riesling Auslese ***

Weingut Knebel: 2018er Winninger Röttgen Riesling Auslese

 

Mythos Mosel 2019 Reil
Blick von Reil in die Reiler Goldlay
Ohne VDP geht’s dann doch nicht

 

Zum Schluss muss ich aber doch nochmal zum furiosen VDP-Gästetrio im Weingut Julius Treis/Sorentberg zu sprechen kommen, deren 2018er bereits in unserem Artikel zur VDP.Weinbörse besprochen wurden.

Max von Kunow vom Weingut von Hövel hat aus meiner Sicht seine bisher besten fruchtsüßen Scharzhofberger Rieslinge gemacht (ich kenne die Jahrgänge seit 2013).

Dorothee Zillikens 2018er Kollektion bleibt großartig.

Und Florian Lauer hat bei Mythos Mosel nun auch trockene/feinherbe 2018er präsentiert. Hier fällt der Jahrgangsunterschied zu 2017 eklatant auf. Zur VDP.Weinbörse im letzten Jahr waren die trockenen und feinherben 2017er nicht seriös einzuschätzen. Nun ein Jahr weiter und 6 Wochen später sind die 2018er Weine ziemlich offen. Und die gesamte Kollektion ist wunderbar gelungen. Jeder der gezeigten Weine ist ein Antrinktipp.

2 Antworten

  1. Andreas

    Danke, für den klasse Überblick! Das klingt ja fast nach harter Arbeit, statt purem Genuss. 😉 Hätt da noch zwei Fragen: Hattet Ihr noch einen zusätzlichen Fokus außer nicht-VDP ? Und, was ist eigentlich mit „Antrinktipp“ gemeint? Achja, eine Dritte noch: Hast Du eine Erklärung/Vermutung für die Bitternoten bei den Trockenen?

    • kleiner_pirat

      Die Tage waren schon noch genussvoll genug. 🙂 Einen besonderen Schwerpunkt hatten wir sonst nicht. Die Stationen haben wir zum einen ausgesucht, weil sie „am Weg“ lagen und zum anderen danach, ob zumindest ein uns bekanntes und spannendes Weingut am Start waren. Antrinktipps sind die Weine, die besonders für den Stil des Hauses stehen und uns am besten gefallen haben. Bei den Bitternoten könnte ich schon spekulieren. Die Trockenheit in 2018 könnte zum Beispiel ein Thema sein. So viel Erfahrung habe ich in solchen Sachen aber auch nicht und würde mich daher eher zurück halten.

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