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SaarRieslingSommer am 24. und 25.08.2024

Am letzten Wochenende haben wieder 51 Winzer in 15 Saarweingütern ihre Weine anlässlich des Saarrieslingsommers präsentiert. Wer ein bisschen Spaß am Riesling (trocken oder restsüß) hat, dem sei die Veranstaltung sehr ans Herz gelegt. Schöne Locations, tolle Weine, überall kleine Snacks und die „Gemütlichkeit“ des überschaubar großen rheinlandpfälzischen Saartals.

Perfekt für einen Sommerausflug, der hier sogar per Bahn erfolgen kann, da die Region anständig angebunden ist. Für den Transfer zwischen den Weingütern ist ein Shuttle-Service eingerichtet, den wir dieses Jahr allerdings nicht genutzt haben, da wir nur am Sonntag vor Ort waren.

Trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit hatten wir viele tolle Gespräche und hervorragende Weine, so dass es sich lohnt, ausführlicher darüber zu schreiben.

 

Nicht Riesling

Adamswein:

Saarrieslingsommer1Im Weingut Cantzheim war das Weingut Adamswein/Simone Adams aus Ingelheim zu Besuch. Ein Geheimtipp ist der Betrieb ja nun schon länger nicht mehr. Kein Wunder, denn die gezeigten Weine waren allesamt großartig.

Da nehme ich den 2022er Ingelheimer Spätburgunder Rosé nicht aus. Natürlich ist das die Stufe Easy Drinking und kein komplexer Spitzenwein. In seiner Kategorie stellt er aber aus der Nerdsicht viele andere Weine in den Schatten. Der Wein ist extrem frisch, hat eine schöne, durchaus knackige Säure und schmeckt trocken. Er wird durch ein ganz feines Tanningerüst getragen, bleibt aber rund ohne viele Ecken und Kanten. Und da gibt es KEINE süße Erdbeerfrucht und nichts klebt am Gaumen. „Noch eine Flasche auf die Terrasse bitte!“

Der 2022er Ingelheimer Grauburgunder hat Maischestandzeit abbekommen und funkelt daher lachsfarben im Glas. Er hat mehr Struktur als der Rosé, steht diesem aber in Frische und Klarheit in nichts nach. Er schmeckt nicht nur trocken, sondern er ist definitiv knochentrocken. Das macht ihn spannender und fordernder als den Rosé.

Der 2021er Chardonnay Lohpfad ist salzig, mineralisch, kühl und aktuell noch etwas röstig vom Holz geprägt, was sich definitiv noch legen wird. Er hat eine saftige Säure und eine schöne Länge, einen ganz ganz feinen Schmelz, aber eben null Gewicht. Das ist großes Kino!

Bei den Spätburgundern konnten wir den 2021er Ingelheimer Spätburgunder und den 2019er Spätburgunder auf dem Haun verkosten. Das ist typisch Ingelheim in einer schnörkellosen, gradlinigen Variante. Feine klare Kirschfrucht, Salz, feine Röstnoten und eine schöne aber nicht zu spitze Säure sind bei beiden die Basis. Der Ortswein ist da ein echter Preistipp mit schöner Tiefe und Komplexität. Aber auch der Lagenwein ist durch seine Länge, feine Kräuteraromatik und ordentlich Druck seinen Preis wert.

Wer die Weine von Simone Adams kennt, wird gemerkt haben, dass hier was fehlt. Bei Adams wird nicht mehr scharf geschossen. Die Kaliberangaben auf den Flaschen sind einer einfacher zu verstehenden Orts- und Lagenweinlogik gewichen.

 

Riesling

Loersch:

Ein Highlight gab es für uns schon an unserer ersten Station. Das Weingut Loersch hat eine Auswahl hervorragender Weine am Start.

Besonders schön ist es, wenn sich die Handschrift eines Betriebs durch die gesamte Kollektion zieht. Bei Loersch ist das definitiv der Fall. Eleganz, Feinheit, Klarheit, feine Würze, niedriger Alkohol sind die Konstanten bei Loersch.

Das zeigt sich schon beim 2022er Trittenheimer Apotheke „Vogelsang“ trocken, mit zarten 11,5% Alkohol.

Die beiden gezeigten großen Gewächse, der 2023er Trittenheimer Apotheke „Devonterrassen“ Riesling GG und der 2023er Dhroner Hofberg Riesling GG sind mit weniger als 25 EUR echte Preis-Genusssieger, denn sie versprechen nicht nur GG-Niveau, sondern sie halten es auch.

In Erinnerung bleibt bei den trockenen Weinen ein ganz feiner, schöner, heller Schmelz am Gaumen, der sich gar nicht so einfach zuordnen lässt, weil er nichts plumpes zuckriges oder alkoholisches hat, sondern ein feines Rückgrat für die Weine bietet.

Im fruchtigen Bereich geht es nicht weniger fein zu, der enorm saftige 2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett ist ein Musterbeispiel eines Moselkabinetts. Auch hier sind wir bei knapp 14 EUR und damit ein Stück unter den Preisen vieler ebenso guter Konkurrenten.

Der 2023er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett Versteigerungswein ist aromatisch nochmal deutlich intensiver und ist länger. Mitsteigern dürfte sich lohnen, würde ich sagen.

 

Stefan Müller:

Saarrieslingsommer2Stefan Müller ist wohl mit einem blauen Auge durch die Frostnächte im Frühling gekommen, haben wir in einem längeren Gespräch mit dem sehr sympathischen Winzer erfahren. Auch die Peronospora, die sich durch die feuchte Witterung im späten Frühling und Sommer ausbreitete, konnte er erfolgreich eindämmen. Leider waren nicht alle Winzer bezüglich der Menge der 2024er Weine so optimistisch wie Stefan.

Das Ergebnis der 2023er Saison lässt sich auf jeden Fall sehen. Stefan Müller pflegt einen kühlen, schlanken Stil. Beim trockenen Ortswein geht er aufs Ganze. Nach der Verkostung des 2023er Krettnacher Riesling trocken sind alle Sinne geschärft! Die Säure zieht anständig am Gaumen. Das ist für mich kurz vor zu krass, aber im letzten Moment bekommt der Wein die Kurve, der Restzucker holt das ganze auf ein gutes Maß zurück. Erfrischend, nicht unreif, nicht anstrengend!

Der fruchtsüße Kabi – 2023er Niedermenninger Sonnenberg Riesling Kabinett Alte Reben ist klar frisch und ausgewogen, man könnte ihn fast als feinherb bezeichnen. Der Zucker puffert hier die hohe Säure gerade eben ab, ohne selbst in den Vordergrund zu treten. Dazu hat der Wein eine schöne Mineralität und Tiefe.

Das gleiche gilt für die straighte 2023 Krettnacher Euchariusberg Riesling Spätlese, die bei anderen Produzenten auch noch als Kabi durchgehen würde.

Stefan Müller ist ein akribischer Mensch, er und sein Team stecken viel Arbeit in die Weine. In dem Kontext sind die Weine preislich als sehr günstig zu bezeichnen. Wer schlanke, säurebetonte, aber nicht grüne, unreife Weine mag, muss hier quasi zuschlagen.

 

Peter Lauer:

Es ist jedes Mal Vergnügen und Arbeit zugleich, die Weine von Florian Lauer zu verkosten.

Harte Arbeit ist stets die Annäherung an seine trockenen Weine. Gerade, wenn man entlang der Saar vorher ein paar hervorragende und knackig saure, trockene Rieslinge verkostet hat, lohnt es sich gleich beim 2023er Ayler Ortswein (Fass 25) innezuhalten. Jetzt wird es nämlich ganz anders. Ganztraubenpressung, Spontanvergärung, Hefelager und dann: biologischer Säureabbau. 2023 liegt Florian Lauer beim Ayler Riesling unter 5‰ Säure, wo bei Ortsweinen und GG anderer Produzenten an der Saar eher 7‰ – 9‰ Säure üblich sind.

Die Aromatik des Rieslings verändert sich dadurch eklatant. Die Frucht wird dunkler und tritt in den Hintergrund und kräutrige, pflanzliche, florale Noten treten in den Vordergrund. Die Weine werden von Solisten häufig zu Essensbegleitern. Schon der Ayler Ortswein ist damit viel multifunktionaler zu verschiedenen Speisen als alle anderen an diesem Tag getrunkenen trockenen Rieslinge. Für den 2023er Schonfels Riesling GG (Fass 11) und den 2023er Kupp Riesling GG (Fass 18) mit ihrer tiefen Würze und Schmelz gilt das umso mehr. Lang und komplex sind die GG, aber sie waren für mich schwer in den Kontext der Jahre einzuordnen, da sie noch etwas reduktiv und von Hefe gedeckt daherkamen. Hier ist auf jeden Fall warten angesagt.

Säuremäßig ganz anders ab geht die Post übrigens bei Lauers feinherben Weinen. Lauer unterscheidet hier zwischen den trockenen bis feinherben Weinen, die analytisch sehr nah an trocken liegen und den „echten“ feinherben. Um genau die „echten“ geht es. Vertreten wurde das Segment durch den 2023er Stirn Riesling feinherb (Fass 15) und den 2023 Kern Riesling feinherb (Fass 9). Im aktuell jugendlichen Alter ist das hellfruchtig, frisch, bezogen auf den hohen Restzuckerwert wenig süß und tiefmineralisch. Stirn ist etwas kühler und aufgeräumter, Kern etwas ernsthafter und würziger. Die Säure ist mundwässernd aber im Zucker und Extrakt gut eingebunden. Beide Weine haben eine schöne Länge. Die Weine würde ich gern mal nach 6 oder 7 Jahren probieren, wenn Frucht und Süße noch etwas zurückgegangen sind. Das Potential ist auf jeden Fall da.

Im fruchtsüßen Bereich geht die Säurepost 2023 übrigens genauso ab wie bei den feinherben Weinen. Antrinktipp hier der 2023er Schonfels Riesling Kabinett, der noch einiges mehr Zug, Feinheit und Zungentanz bietet, als der ebenfalls gezeigte 2023er Lambertskirch Riesling Kabinett.

 

A.J. Adam:

Saarrieslingsommer3Nach den drei (jungen) Wilden geht es bei A.J. Adam etwas klassischer aber nicht weniger spannend zu.

Hervorzuheben auf der trockenen Seite ist sicher das 2023er Piesporter Goldtröpfchen Riesling GG. Geerntet von teils wurzelechten hundertjährigen Reben direkt oberhalb der bekannten Parzelle Schubertslay kommt hier ein tiefwürziger und kräutriger, dunkelfruchtiger Riesling her, der trotz aller komplexen Aromatik und hohem Extrakt feingliedrig und frisch bleibt und eine großartige Länge hat. Für mich einer der überraschendsten und besten trockenen Weine des Tages.

Bei den Kabis stellte sich die Frage, ob der 2023er Dhroner Häs’chen Riesling Kabinett oder der 2023er Dhroner Hofberg Riesling Kabinett nun in unserem persönlichen Geschmacksprofil vorn liegen. Der Hofberg ist der straigtere, frischere und auch komplexere der beiden. Das Häs’chen ist süßer, hat aber eine intensive, schöne dunkle Frucht und Mineralität, der ich schon in vergangenen Jahrgängen schlecht widerstehen konnte – 1:0 fürs Häs’chen.

 

Alle weiteren wichtigen Begegnungen im Ticker

  • Forstmeister Geltz-Zilliken: Lobhudeleien gab es schon viele von mir, aber auch die 2023er Kollektion ist sehr gut gelungen. Antrinktipp: der 2023er Saarburger Kabinett fruchtig.
  • Karthäuserhof: Hatte ich schon einige Jahre nicht mehr getrunken. Früher fehlte häufig etwas die Konstanz. Die gezeigten 2022er waren aus einem Guss, die kühle, leicht phenolische Gutsstilistik zog sich durch die gezeigten Weine. Antrinktipp: 2022er Eitelsbacher Alte Reben Riesling trocken
  • Bischöfliche Weingüter Trier: Es tut sich was: Das Gelände am Scharzhofberg ist herausgeputzt, der Blick auf die schöne Obstwiese frei, ein zentrales Kelterhaus ist geplant und die Weinbezeichnungen wurden entrümpelt, trockene und feinherbe Prädikate sind Vergangenheit. Eine schöne Entwicklung. Dazu das wahnsinnige Lagenpotential. In allen Lagen mit Rang und Namen ist das Weingut vertreten. Antrinktipp: der fruchtig, frische, balancierte 2023er Scharzhofberger Riesling feinherb

 

Zum Schluss noch ein Feedback an die Organisatoren: Die Veranstaltung ist wunderbar, mir fehlen nur konsequente Weinlisten an den Stationen, um direkt darauf Notizen zu machen. Teilweise gibt es Aufstellungen der Probenweine im „SaarRieslingSommer“-Style, teils direkt vom Weingut, teils nur allgemeine Preislisten, teils ist nichts mitzunehmen. Eine kompakte Liste der Probenweine pro Station wäre toll. Musterbeispiel ist die Weinliste am Standort Geltz-Zilliken. Ich brauche das auch nicht zum Mitnehmen, eine Downloadmöglichkeit von Stationslisten oder einer Gesamtexcel würde die Logistik schon deutlich erleichtern.

Bis nächstes Jahr an der Saar!

Mythos Mosel: Eine Rieslingreise 2019 von Ürzig bis Briedel

Mythos Mosel 2019 Eröffnungsfeier

Das Moselschlösschen während der Eröffnungsfeier

Am letzten Wochenende war es wieder soweit. Die „Moseljünger“ riefen zu Wein, Genuss und Party an den Fluss. Im 6. Jahr ist aus Mythos Mosel ganz sicher eine etablierte Veranstaltung geworden: Mit Publikum von Jung bis Alt und von nah und fern.

Für mich auch ganz sicher eine der besten Weinveranstaltungen Deutschlands und ein Aushängeschild für die immer noch eher verschlafene Mosel.

Das Lob gilt, genau wie im letzten Jahr, neben den engagierten Winzern und Essensbereitern an den Stationen, dem Organisationsteam der Moseljünger, das wieder für einen reibungslosen Ablauf mit gut funktionierendem Linienbusverkehr gesorgt hat.

Dieses Mal konnten ca. 700 Weine von 120 Weingütern an 31 Stationen verkostet werden. Eine unüberschaubare Menge, bei der Priorisierung gefragt war. Unseren Schwerpunkt wollten wir nicht auf die Mitglieder des VDP legen, da wir einen Teil der 2018er Weine schon auf der VDP.Weinbörse in Mainz verkosten durften. (Bericht hier)

Am Wochenende hatten nicht alle Winzer 2018er Weine dabei, was ich persönlich gut finde, da es meist nicht schadet sondern eher nützt, ganz jungen Weinen Zeit zu geben, sich etwas zu entwickeln.

Mythos Mosel Ürziger Würzgarten

Der Ürziger Würzgarten

An der einen oder anderen Station gab es auch wirklich reifere Weine zu verkosten. Im wunderbaren, leider nicht mehr genutzten Holzfasskeller von C.H. Berres in Ürzig gab es sogar 8 tolle Weine des Hausherren und der Gäste aus den Jahren 1983 bis 2005 zu verkosten. Eine seltene und spannende Gelegenheit, die Mythos Mosel ebenfalls einzigartig macht!

 

Der 2018er Jahrgang – vielleicht hier und da nicht ganz optimal umgesetzt

 

Beim aktuellen 2018er Jahrgang waren wir auf der VDP.Weinbörse ziemlich positiv gestimmt. Zumindest, was Mosel, Saar und Ruwer anging. Die Säure zwar etwas milder als im Vorjahr, aber insgesamt eine feine Qualität mit ausreichender Frische.

Bei den fruchtsüßen Weinen deckte sich diese Einschätzung auch weitgehend mit unseren Erfahrungen am Wochenende. Nur selten erschien uns die Säure zu flach (wir sind aber auch keine ausgesprochenen Säure-Freaks), die Weine waren schon sehr zugänglich und hatten eine tolle, strahlende Frucht.

Im trockenen Bereich gab es aus unserer Sicht hier und da aber doch Grund zur Kritik. Hin und wieder ist der trockene, knackig frische, sehr saftige Einstiegswein quasi ausgefallen. Das ist erstmal nicht schlimm. Wenn man eigentlich einen kraftvollen Wein aus dem Mittelsegment sucht, kann er für Sparfüchse eine tolle Gelegenheit sein, „viel Wein fürs Geld“ zu bekommen.

Was uns aber hier und da – zumindest in der momentanen Entwicklungsphase – bei manchem trockenen Wein aller Qualitätsstufen störte, war eine leichte Bitternote. Zu sagen, in wie weit diese sich einbinden wird, traue ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu. Die Zeit wird es zeigen.

 

Wie letztes Jahr zunächst unsere liebsten Kollektionen und Neuentdeckungen

 

Stefan Müller/Konz/Saar

Mythos Mosel 2019 Stefan MüllerDie Weine von Stefan Müller laufen auch in der 2018er Version klar wie der sprichwörtliche Gebirgsbach die Kehle herunter, sind präzise, säurestark und tänzelnd. Besonders stark fanden wir den 2018er Niedermenniger Sonnenberg Riesling Kabinett „Alte Reben“ und die 2018er Niedermenniger Sonnenberg Riesling Spätlese „Alte Reben“ – beide fruchtsüß und vom Rotschiefer.

 

Weingut Loersch/Leiwen/Mosel

Mythos Mosel 2019 LoerschErst letztes Jahr bei gleicher Gelegenheit hatten wir die Weine von Alex Loersch kennengelernt und waren letztes Jahr wie dieses Jahr fasziniert. Stilistisch nicht ganz so straight und minimalistisch, wie die Saarweine von Müller bleiben auch seine Weine stets elegant, wirken nicht überladen und ruhen in sich. Das gilt besonders für den 2017er Dhroner Hofberg „Sängerei“ Riesling GG und die großartige, vielschichtige 2016 Trittenheimer Apotheke Riesling Spätlese „Alte Reben“. Auch die kleine 2018er Preview beruhigte. Der 2018er Blauschiefer Riesling trocken ist einer der besten 2018er Gutsweine die wir gekostet haben.

 

Ansgar Clüsserath/Trittenheim/Mosel

Eva Clüsserath-Wittmann trägt den zweiten Teil ihres Nachnamens seit ihrer Hochzeit mit Philipp Wittmann, vom rheinhessischen Weingut Wittmann. Während die Weine des rheinhessischen Weinguts uns bestens bekannt sind, hatten wir mit Weinen von den Steilhängen der Mosel keine Berührungspunkte. Schade, denn dass, was 2017 dort auf die Flasche gebracht wurde, verdient eine Menge Aufmerksamkeit. Stilistisch liegen die Weine wieder auf der kühlen und straighten Seite und zeichnen sich durch eine bestens passende und gut integrierte Säure aus. Antrinktipps: 2017er Steinreich Riesling trocken und der feine 2017er Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett fruchtsüß.

 

Weingut A.J. Adam/Neumagen-Dhron/Mosel

Gleich die nächste Top-Neuentdeckung für uns war das Weingut A.J. Adam als Gast im Weingut Immich-Batterieberg. Die Weinkollektion von Barbara und Andreas Adam stand da wie aus einem Guss. Die Abstufungen waren klar erkennbar, die Stilistik fein und elegant und mit einer besonders schönen Frucht. Beonders gut gefielen uns der 2018er Dhroner Hofberg Riesling trocken und die beiden fruchtsüßen Kabinette: 2018er Dhroner Hofberg Riesling Kabinett und der 2018er Dhroner Häs’chen Riesling Kabinett.

 

Mythos Mosel 2019 WalterZu beobachten weil auf allerbestem Weg mit durchgängig guten Kollektionen und feinen Weinen sind aus unserer Sicht außerdem das Weingut Meierer aus Kesten und das Weingut Walter aus Briedel.

 

Weitere Top-Antrinktipps aus dem Jahrgang 2018 (sehr selektiv)

 

Riesling trocken – alle Qualitätsstufen:

Weingut Karthäuserhof: 2018er Karthäuserhofberg Riesling Alte Reben trocken

Axel Pauly: 2018er Purist Riesling trocken

Timo Dienhart – Zur Römerkelter: 2018er Maring-Noviander Honigberg „Kräuterwingert“ Riesling trocken

 

Riesling Kabinett Fruchtsüß:

Dr. Hermann: 2018er Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett

Max Ferd. Richter: 2018er Brauneberger Juffer Riesling Kabinett

Karthäuserhof: 2018er Karthäuserhofberg Riesling Kabinett

Clemens Busch: 2018er Pündericher Marienburg Riesling Kabinett

 

Riesling Spätlese Fruchtsüß:

Dr. Hermann: 2018er Erdener Herzlei Riesling Spätlese „Alte Reben“ Goldkapsel

Joh. Jos. Christoffel Erben: 2018er Erdener Treppchen Riesling Spätlese

 

Riesling Auslese Fruchtsüß:

Joh. Jos. Christoffel Erben: 2018er Ürziger Würzgarten Riesling Auslese ***

Weingut Knebel: 2018er Winninger Röttgen Riesling Auslese

 

Mythos Mosel 2019 Reil

Blick von Reil in die Reiler Goldlay

Ohne VDP geht’s dann doch nicht

 

Zum Schluss muss ich aber doch nochmal zum furiosen VDP-Gästetrio im Weingut Julius Treis/Sorentberg zu sprechen kommen, deren 2018er bereits in unserem Artikel zur VDP.Weinbörse besprochen wurden.

Max von Kunow vom Weingut von Hövel hat aus meiner Sicht seine bisher besten fruchtsüßen Scharzhofberger Rieslinge gemacht (ich kenne die Jahrgänge seit 2013).

Dorothee Zillikens 2018er Kollektion bleibt großartig.

Und Florian Lauer hat bei Mythos Mosel nun auch trockene/feinherbe 2018er präsentiert. Hier fällt der Jahrgangsunterschied zu 2017 eklatant auf. Zur VDP.Weinbörse im letzten Jahr waren die trockenen und feinherben 2017er nicht seriös einzuschätzen. Nun ein Jahr weiter und 6 Wochen später sind die 2018er Weine ziemlich offen. Und die gesamte Kollektion ist wunderbar gelungen. Jeder der gezeigten Weine ist ein Antrinktipp.

SaarRieslingSommer 2018 vom 24. – 26. August 2018

Am letzten Wochenende fand der diesjährige SaarRieslingSommer statt. Zwischen Filzen und Serrig hatten wieder 12 Weingüter ihre Türen geöffnet und eine ganze Reihe von Gastwinzern eingeladen, um ein großartiges Event zu feiern. Wir waren mitten drin und haben hervorragende Weine verkostet, die eine oder andere feine Kleinigkeit verspeist und interessante Gespräche geführt. Dieses Jahr war es für uns eine besondere Situation, da wir bereits auf der Mainzer Weinbörse einen Mosel, Saar, Ruwer – Schwerpunkt gesetzt hatten und dieses Jahr auch die Zeit gefunden hatten, beim Schwesterevent Mythos Mosel ausgiebig zu verkosten.

Die dort gewonnenen Erkenntnisse bestätigten sich auch an der Saar wieder. Mosel 2017 ist ein spannender Jahrgang. Im restüßen Bereich durch eine tolle Säure und hohe Extraktwerte durchweg sehr gut, bei den trockenen Weinen im Basis- und Mittelsegment etwas homogener als 2016, in der Spitze aber hier und da nicht ganz so fein wie im Vorjahr.

Die Empfehlungen für viele Protagonisten sind bereits in den Artikeln zur Weinbörse und zu Mythos Mosel enthalten und bestätigten sich auch am Wochenende, so dass ich sie hier nicht mehr aufführe.

Dennoch gab es am Wochenende einiges spannendes neu zu entdecken und zu erfahren.

Zu den Erfahrungen zählt die Kollektion von Peter Lauer. Meine „zu“ kurze Erwähnung im Artikel zur Weinbörse resultierte daraus, dass es mir zu diesem Zeitpunkt quasi unmöglich war, insbesondere die trockenen Weine einzuschätzen. So vernagelt, verrammelt und quasi abweisend waren sie. Nur die restsüßen zeigten schon ganz gut, wo die Reise hingeht. Bei Mythos Mosel wurden dann nur restsüße Weine gezeigt, was meine positive Einschätzung klar stärkte und sich am Wochenende erneut bestätigte.

Nur zeigte sich zusätzlich nun auch ganz klar die Klasse der trockenen Weine. Die Veränderung, die die Weine in ca. 4 Monaten Flaschenreife durchgemacht haben ist frappierend. (Zu) Jung sind sind sie natürlich immer noch. Aber mittlerweile sind alle Bestandteile an ihren Platz gerückt und Brillanz und Komplexität zeigen sich offen. Peter Lauer ist 2017 damit insgesamt ganz klar ein grandioser Jahrgang gelungen.

Unsere Favoriten:
Trocken: 2017er Faß 2 Riesling „extra trocken“, 2017er Faß 13 Feils Riesling GG und 2017er Faß 11 Schonfels Riesling GG. 
Feinherb: 2017er Stirn Riesling und 2017er Kern Riesling quasi gleichauf hervorragend.
Fruchtig: Neben der Versteigerungs-Auslese und der Versteigerungs-Spätlese (#23) gefiel uns der frische, klare und schlanke 2017er Faß 8 Riesling Kabinett am besten.

Die Gault&Millau-Entdeckung des Jahres war auch für uns eine tolle Neuentdeckung. Das Weingut Stefan Müller aus Krettnach zeigte als Gast auf Schloß Saarstein 4 wunderbare Weine. Das Weingut arbeitet naturnah und vergärt seine Weine spontan. Besonders gut gefiel mir der feine und aufgeräumte 2017er Krettnacher Altenberg Riesling trocken, der nicht mehr auf dem Saar typischen Schiefergestein wächst, sondern auf Diabas, einem Gestein vulkanischen Ursprungs und der 2017er Krettnacher Altenberg Riesling Kabinett fruchtig.

Ebenfalls unverständlicherweise hatte ich bisher wenig Berührungspunkte mit dem Weingut Knebel aus Winningen, das erst 2016 in den VDP neu aufgenommen wurde. Die vorgestellten Weine zeigten vorzüglich die Typizität der steilen und kargen Winninger Terassenweinberge, blieben aber fein und straight und neigten nicht zu Opulenz, wie manch anderer Winninger Riesling
Besonders im Kopf blieben der kräutrige 2017er Winninger Riesling „Alte Reben“ und die kraftvolle 2017er Winninger Röttgen Auslese.Reverchon

Last but not least muss an dieser Stelle noch das Weingut Reverchon erwähnt werden. Von Jahr zu Jahr gefällt mir die Kollektion besser. Die Weine werden finessenreicher und strukturierter. So sind auch die gezeigten 2017er ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und können in jeder Kategorie als Kaufempfehlung gelten.

Der Knaller sind wie jedes Jahr jedoch die gezeigten Sekte, die die Familie bei Volker Raumland in Rheinhessen versekten lässt. Unser Favorit ist der feine 2010er Riesling Crémant brut, der unverschämt viel Qualität und Spaß für eigentlich zu kleines Geld bietet.

Das Wochenende verging wie im Flug und natürlich haben wir auch diesmal nicht alle Stationen dieser schönen Veranstaltung besuchen können. Obwohl alles top organisiert war, habe ich dennoch noch einen Wunsch fürs nächste Mal: eine downloadbare Weinliste, wie es dieses Jahr auch bei Mythos Mosel gab, um die gewonnenen Eindrücke direkt notieren zu können.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

Hier noch ein paar Eindrücke: