„Junge neue Weinwelt – Winzer zu Besuch“ bei den Genussverstärkern in Offenbach am 28. Februar 2016

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Am letzten Sonntag hatte mein Offenbacher Lieblingsweinhändler „Die Genussverstärker“ zwei junge Winzer geladen, die jeweils 3 ihrer Weine vorstellten. Für die Pause hatten Peter Reichard und Ina Manthey wieder ein schön ausgewähltes kleines Käsebuffet aufgetischt.

Zu Gast waren Andi Weigand aus Franken und Daniel Aßmuth aus der Pfalz. Zwei Winzer mit unterschiedlichen Biographien. Während Andi schon während seines Geisenheim-Studiums die Mitverantwortung im elterlichen Weingut übernommen hat, hat Daniel nach einigen Jahren als angestellter Kellermeister und Außenbetriebsleiter ein neues Weingut gegründet und fängt ganz von vorne an. Damit stehen beide auch vor unterschiedlichen Herausforderungen: Modernisierung vs. Etablierung, Familientradition vs. kaltes Wasser. Beide eint jedoch die Leidenschaft für den Weinbau und gute Weine. Entsprechend unterhaltsam war der Nachmittag mit ihnen.

Andi hatte als erstes eine frische fruchtige fränkische Cuvee aus Bacchus, Silvaner und Müller-Thurgau, seinen 2014er „Wild Wild White“ der Reihe „Der Wilde“ am Start. Bei den „Wilden“ beginnt die weigandsche Qualitätspyramide, darüber kommt dann „Der Franke“ und an der Spitze „Der Held“ – abgeleitet von der Bedeutung des Namens Weigand.
Den traditionellen fränkischen Sorten blieb Andi mit dem 2013er Iphöfer Kalb Silvaner „Der Franke“ aus 45 Jahre alten Reben dann treu. Ein dichter, gemüsig, kräutriger aber auch mineralischer Wein mit einer tollen Extraktsüße.
Andis Dritter war dann eine „Wilde“ ebenfalls fränkische Domina aus 2012. Wild war der Wein aber glücklicherweise nicht, sondern eher rund für die oft kantig rustikal ausfallende Rebsorte.

Daniel startete mit einem 2013er Riesling Fuchsmantel Junge Reben. Kein fruchtiges Exemplar dieser Rebsorte,sondern mineralisch, erdig, salzig, straff mit einer kräftigen Säure. Dennoch: das extrem auseinanderklaffende Zucker-/Säureverhältnis von 1g zu 9g tritt nicht übermäßig in den Vordergrund – die Säure ist gut eingebunden.

Als Zweites gab es dann etwas ganz spezielles: den 2014er „WTF“ Portugieser Rosé. Fehlerhaft würde hier der durchschnittliche deutsche Weinkontrolleur sagen. Aber ganz und gar nicht: zunächst zufällig, aber nun jedes Jahr gewollt ist der durch mit dem Pilz Brettanomyces geimpfte Holzfässer entstehende „Brett“ – Ton, der – so erfahren wir – in Frankreich weit verbreitet ist und auch in Qualitätsweinen bewusst als Geschmacksnote eingesetzt wird.
Dem Rosé verleiht der etwas holzig, kellerige Ton Tiefe und lässt eher eine kräftige Rotweinaromatik hervortreten als typische fruchtige Rosé-Aromen.

Zum Schluß dann noch eine dicke Überraschung. Der 2014er Königswingert Portugieser. Bei Portugieser zucke ich erstmal. Zwar mag ich ihn ganz gerne, aber nur in Ausnahmefällen. Denn leider sind Portugieser häufig eher mäßig genießbar.
In diesem Fall bestand aber kein Grund zur Sorge. Ein voller, kräutrig, würziger, tabakiger Rotwein mit Kirsch und Cassisnoten, etwas Holz und schöner Säure. Nur zu jung. Aber eine echte Kaufempfehlung.

Gar nicht mehr gerechnet habe ich dann mit einer Bonus-Fassprobe: 2013, ebenfalls Portugieser, bis jetzt im Holz gereift. Noch etwas verschlossen, aber kraftvoll, pfeffrig, würzig und etwas wärmer als der Königswingert. Der Wein ist Produkt eines gemeinsamen Projekts mit Peter Reichard und kommt demnächst unter dem Motto „Drink Wine – Safe Live“ mit gutem Zweck und gutem Geschmack in den Verkauf.

Natürlich blieb mir nichts anderes übrig, als etwas Portugiesiges für zu Hause mitzunehmen. Unter anderem eine Flasche des 2012er „Portugieser“ ohne alles auf dem Etikett, aber dennoch den Topportugieser des Hauses Aßmuth zum gleich trinken quasi. Hier ist die Notiz dazu.

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