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VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2 +++ Spätburgunder: Zwischen Kritik und Klasse

VDP.Weinbörse 2025 in Mainz: Teil 2

Teil 1 mit allgemeinen Informationen zur Veranstaltung, zum Jahrgang und Notizen zu Silvanern aus Franken findest Du hier.

Kaum ein Weinthema wird in der deutschen „Weinnerd“-Blase so gern diskutiert wie der deutsche Spätburgunder. Irgendwer kommt laufend um die Ecke, um etwas zu beanstanden: zu sauer, zu süß, zu fett, zu dünn, zu holzlastig, die falsche Frucht – und überhaupt nicht wie im Burgund.

Doch sobald es um konkrete Argumente geht, wird es oft dünn. Was genau einem deutschen Spätburgunder im Vergleich zum Burgunder fehlt, bleibt meist vage. Wir haben den Vorteil, relativ unvoreingenommen an das Thema herangehen zu können – sei es, weil wir für die ganz großen Burgunder schlicht zu geizig sind, zu spät zum Thema Wein kamen, um günstig kaufen zu können oder bei einigen moderat bepreisten „echten“ Burgundern in der Vergangenheit keinen besonderen Mehrwert entdecken konnten.

Qualitätssprung in den letzten 15 Jahren

Was zur Ehrenrettung der Spätburgunder-Kritiker aber erwähnt werden muss: Seit wir uns intensiver mit Spätburgunder beschäftigen, hat sich die Qualität in bemerkenswerter Weise gesteigert – sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Zudem kamen die Jahrgänge 2018, 2019, 2020 und jetzt 2022 den deutschen Rotweinwinzern klimatisch sehr entgegen. Was wir auf der VDP.Weinbörse aus dem Jahrgang 2022 verkosten konnten, war in vielen Fällen schlichtweg großartig.

Auffällig war dabei, was wir nur noch selten angetroffen haben:

  1. Fette, marmeladige, süßlich wirkende Weine. Die meisten Winzer haben inzwischen verstanden, dass ein rechtzeitiger Lesezeitpunkt entscheidend für die Eleganz des Spätburgunders ist.
  2. Übermäßig reduzierte, drahtige, unreife Weine: Einige Winzer – vor allem aus der jüngeren Generation – loten bewusst die Grenze zwischen Eleganz und Unreife aus, auf der VDP.Weinbörse war jedoch alles in Balance.
  3. Überholzte Weine: Wirklich aufdringliche Aromen von Vanille, Karamell, Rauch, Speck, Kaffee waren kaum präsent.

Tannine und Holz – ein Balanceakt

Der Ausbau im Holzfass, insbesondere im kleinen Barrique, bringt viel Sauerstoff in den Wein. Je kleiner das Fass, desto intensiver der Sauerstoffeintrag – was zu einer beschleunigten Oxidation führen würde, wenn der Wein nicht entsprechend vorbereitet ist.

Jeder, der einmal einen Rest eines Weins in der Flasche vergessen hat und nach mehreren Tagen nochmal probierte, kennt das Problem.

Ohne hochwertige weineigene Tannine kein Barriqueausbau

Um dem entgegenzuwirken, braucht ein Wein schon vor dem Barrique-Ausbau ein stabiles, hochwertiges Tanningerüst. Denn Tannine binden später Sauerstoff und schützen die Aromatik. Die Qualität dieser traubeneigenen Tannine hängen zum einen maßgeblich von der Traubenqualität ab – beeinflusst durch Reife und sicher auch Klonwahl (Beerenhautdicke, Größe der Beeren), aber auch von den Entscheidungen des Winzers rund um die Vergärung (Entrappung oder nicht, Wahl des Gebindes, Maischeführung, Umwälzen der Maische, Gärdauer und Gärtemperatur, Gesamtdauer der Maischestandzeit).

Bereits hier muss der Winzer eine Menge richtige Entscheidungen treffen, um nachher einen hervorragenden Wein zu bekommen.

Das Holz ist nur ein Faktor bei der Lagerung im Barrique

Der Ausbau im Holzfass verleiht dem Wein zunächst zusätzliche Tannine und damit auch den im gewissen Maße gewünschten Holzgeschmack. Im Verlauf der Lagerung aber polymerisieren Tannine durch den eingetragenen Sauerstoff untereinander und mit Farbstoffen (Anthocyanen aus den Beerenschalen), wodurch der Wein vor Oxidation geschützt wird. Gleichzeitig wird der Wein durch diese Prozesse auch weicher und verliert ein stückweit seine Adstringenz. Er „reift“ im Barrique. Dieser Prozess setzt sich auch in der Flasche fort und ist wissenschaftlich nur teilweise verstanden.

Der Winzer beeinflusst hier also nicht nur durch die Wahl des Holzes, sondern zum Beispiel auch durch die Dauer des Fasslagers und den Filtrationsgrad des Weins die Tannine. Mehr Feinhefe im Fass bindet ebenfalls Sauerstoff, verlangsamt aber ggf. das Reifen der Tannine, weil für diese Prozesse dann weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Die Belüftung des Weins dagegen fördert Polymerisation und macht damit die Tannine weicher, aber birgt die Gefahr der Oxidation des Weins.

Am Ende ist das Ganze ein sehr komplexer Prozess, bei dem die Wahl des Holzes nur eine Stellschraube ist. Vor 30 Jahren, als das Thema Barrique noch neu war, gab es sicher häufig eklatant falsche Entscheidungen bei der Wahl des Holzes. Heute ist davon auszugehen, dass nach wenigen Experimenten Fässer in entsprechender Qualität zur Verfügung stehen, um einen sehr guten Wein herzustellen, der keine übermäßige Rauch-, Vanille- und Kaffeebombe ist und nur holzaffinen Bibern schmeckt.

Die Bandbreite, wie das Tannin insbesondere beim jungen Wein auf den Trinker wirkt, resultiert aus meiner Sicht heute aus dem gesamten oben beschriebenen Prozess des Tanninmanagements. Hier eine optimale Balance zu finden ist sicher die größte Herausforderung und macht in vielen Fällen auch den Unterschied zwischen sehr guten und herausragenden Weinen.

Mehrere Wege führen zum hervorragenden Spätburgunder

Die einzig richtige Strategie gibt es dabei nicht. Für einen hervorragenden Wein muss das Ziel des Winzers nicht sein, möglichst Spätburgunder herzustellen, die auf einer Verkostung wie der VDP.Weinbörse zwei Jahre nach der Ernte unbedingt feinstes Tannin aufweisen. Zu wenig Tannin verkürzt ggf. auch die Lebensdauer eines Weins. Insofern gibt es zurecht auch eine gewisse Bandbreite und unterschiedliche Interpretationen. Zu grün, zu hart oder zu holzig darf die ganze Sache natürlich nicht werden.

Exkurs: Weißwein im Barrique

Da Weißweine in der Regel nicht auf der Maische vergoren werden, bringen sie von Natur aus deutlich weniger Tannine mit. Bei der Lagerung im Barrique übernehmen daher Hefe und das Aufrühren derselben (Bâtonnage) die Rolle des Sauerstoffbinders. Die Barriquelagerung muss kürzer angesetzt werden, es geht hier weniger um Tanninreifung, sondern vorrangig um die geschmackliche Prägung durch das Holz.

Lassen sich die Spätburgunder in Kategorien einordnen?

Letztes Jahr hatten wir uns durch die Chardonnays und Weißburgunder gegraben, um herauszufinden, ob es Regionstypizitäten und Wiedererkennbarkeiten gibt. Das Ergebnis zeigte eine bunte Welt zwischen Holz und Cremigkeit, Säure und kühlem Saft.

Die Rebsorte Spätburgunder zeigt aus unserer Sicht ein etwas geringeres aromatisches Spektrum.

Die Weine ließen sich im Rahmen der Verkostung ganz gut anhand ihrer inneren Kraft sortieren. Es gab:

  1. Eher elegante Weine mit einer feinen klaren Frucht, mit zurückhaltender Würze. Sie tänzeln etwas leichter auf der Zunge, die Tannine sind oft weniger hart.
  2. Eher kraftvolle Weine, die würziger angelegt sind und eine höhere innere Dichte haben. Das kann, muss aber nicht mit einer festen Tanninstruktur einhergehen.
  3. Und natürlich ausgeglichene Weine, bei denen sich das Frucht/Würze/Tannin-Verhältnis für uns in einer Waage befindet.

In allen Kategorien gibt es sehr gute und hervorragende Weine.

Eine zusätzliche Differenzierung ließ sich dann über den Fruchtausdruck vornehmen:

  1. Weine mit wärmerer, reiferer Frucht und weicher Anmutung (unten markiert mit einem w),
  2. Weine mit kühler, saftiger Frucht und frischer Spannung (unten markiert mit einem s).
  3. Weine die auch hier weder der einen noch der anderen Variante zuzuordnen sind. Diese haben wir ohne Markierung gelassen.

Der Gutswein – da ist es hier und da noch schwierig

Kein Jubel ohne Einschränkung: Alles vorher Gesagte gilt nur bedingt für das Thema Gutswein. Aus unserer Sicht sollte der Spätburgunder Gutswein eine Visitenkarte sein und Lust auf die höherwertigen Kategorien machen. Das funktioniert bei vielen guten Produzenten auch. Der Gutswein steht wie selbstverständlich am unteren Ende der Qualitätspyramide. Er hat dann eine ähnliche Machart wie die größeren Weine, ist manchmal etwas fruchtiger oder etwas rustikaler angelegt, aber man erkennt dennoch, dass er der kleinste Bruder der Spätburgunderweine des Weinguts ist. In diese Fall schmeckt die Kollektion häufig wie aus einem Guss.

Bei einer ganzen Reihe von Weingütern ist das jedoch anders. Da ist der Gutswein höchstens ein „adoptierter Bruder“. Frucht ohne Würze oder gleich unsaubere Frucht, Restzucker, Alkoholwucht. Die letzte Bastion der Spätburgundertradition der 60er bis 90er Jahre? Aber Schwamm drüber.

Ein paar besonders gute Gutsweine haben es in unsere Liste der Antrinktipps geschafft.

Antrinktipps

Auf der diesjährigen VDP.Weinbörse haben wir Spätburgunder aus Franken, Baden, Rheingau, Rheinhessen und von der Ahr verkostet.

Bei unseren Antrinktipps haben wir versucht, die sehr guten und herausragenenden Weine in die o.g. Kategorien einzusortieren. Die Weine, die uns jeweils am besten gefallen haben erkennt der Leser am ●.

Ahr

Insgesamt ist insbesondere 2022 an der Ahr ein herausragender Jahrgang. Ich weiß nicht, ob ich schon mal eine so hohe Quote bester Weine aus einem Ahrjahrgang probiert habe. Das ist insbesondere auch im Kontext mit dem Ahrhochwasser 2021 erstaunlich.

Viele gebrauchte Fässer dürften in 2022 noch nicht wieder zur Verfügung gestanden haben, dennoch würde ich den Weinen fast durchweg ein gutes Tanninmanagement bescheinigen.

Für uns die besten Kollektionen haben Meyer-Näkel (unheimlich saftig und elegant auch 2023, wir waren absolut begeistert) Jean Stodden und Kreuzberg abgeliefert.

Elegant

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Alte Lay Spätburgunder GG (s, ●)

J.J. Adeneuer: 2022er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Spätburgunder Devonschiefer (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Ahrweiler Silberberg Spätburgunder GG (s, ●)

Kreuzberg: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Dernauer Spätburgunder Blauschiefer (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2023 Ahrweiler Spätburgunder Grauwacke (Fassprobe, s, ●)

Meyer-Näkel: 2022er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Spätburgunder (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Frühburgunder GG (s, ●)

Jean Stodden: 2022er Recher Herrenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

J.J. Adeneuer: 2022er Spätburgunder No.1 (s)

Burggarten: 2022er Walporzheimer Kräuterberg Spätburgunder GG (s)

Kreuzberg: 2023er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Jean Stodden: 2022 Spätburgunder JS (●)

Baden

Hier ist es schwer, eine Kollektion besonders herauszuheben. Die Flaggschiffe Huber und Keller hatten nicht viel Spätburgunder dabei. Daher setzen wir Bercher mit seiner 2020er Kollektion die verdiente Krone auf.

Elegant

Bernhard Huber: 2023er Malterdinger Spätburgunder (s, ●)

Bernhard Huber: 2023er Hecklinger Spätburgunder (s, ●)

Franz Keller: 2023er Achkarrener Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Franz Keller: 2023er Oberbergener Bassgeige Spätburgunder 1G (w, ●)

Salwey: 2021er Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Salwey: 2021er Oberrotweiler Spätburgunder (w)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Spätburgunder „S“ 1G (s)

Seeger: 2022er Leimener Herrenberg Oberklamm Spätburgunder „RR“ GG (s, ●)

Kraftvoll

Bercher: 2020er Burkheimer Spätburgunder (s)

Bercher: 2020er Sasbacher Limburg Spätburgunder 1G (s, ●)

Bercher: 2020er Burkheimer Feuerberg Kesselberg Spätburgunder GG (s, ●)

Schlör: Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder GG (w, holzbetont)

Franken

Der Platzhirsch ist hier der Kollektions-Sieger. Obwohl Fürst nur 3 Fassproben gezeigt hat. Die meisten seiner Kollegen hatten nur einzelne Spätburgunder dabei.

Elegant

Fürst: 2023er Bürgstadter Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Klingenberger Spätburgunder (Fassprobe,s, ●)

Fürst: 2023er Bürgstadter Berg Spätburgunder 1G (Fassprobe, s, ●)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Sonnenberg Frühburgunder 1G (●)

Ausgeglichen

Fürstlich Castellsche Domäne: 2022er Casteller Reitsteig Spätburgunder 1G (w)

Zehnthof Theo Luckert: 2022er Sulzfelder Spätburgunder (s, ●)

Rudolf May: 2021er Retzbacher Benediktusberg Spätburgunder 1G (holzbetont, s)

Kraftvoll

Höfler: 2022er Michelbacher Steinberg Spätburgunder (w, holzbetont)

Staatlicher Hofkeller Würzburg: 2022er Großheubacher Bischofsberg Spätburgunder GG (w)

Rheinhessen

Wie im letzten Jahr auch ist J. Neus unser Favorit mit einer sehr schönen Kollektion, die gegenüber 2021 noch eine Schippe drauflegt.

Elegant

Knewitz: 2022er Spätburgunder (Top-Gutswein, s, ●)

Knewitz: 2022er Ingelheimer Spätburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Frühburgunder (s)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Spätburgunder Alte Reben (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Horn Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Ingelheimer Pares Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kühling-Gillot: 2022er Oppenheimer Kreuz Spätburgunder GG (s, ●)

J. Neus: 2022er Spätburgunder Muschelkalk (s)

Kraftvoll:

Bischel: 2022er Pinot Noir Réserve (holzbetont, s)

Gutzler: 2022er Westhofener Spätburgunder

Gutzler: 2022er Westhofener Höllenbrand Spätburgunder GG

Gutzler: 2022er Westhofener Morstein Spätburgunder GG (●)

Rheingau

Hier ist es uns nicht gelungen, eine favorisierte Kollektion festzustellen. Gerade in den Stufen Gutswein und Ortswein war die Qualität hier von den verkosteten Regionen am heterogensten, auch bei den Weingütern, die tolle Topweine am Start hatten.

Elegant

Künstler: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (w, ●)

Krone Assmannshausen: 2020er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG (s, ●)

Ausgeglichen

Kaufmann: 2023er Pinot Noir +++

Kaufmann: 2022er Hattenheimer Hassel Pinot Noir GG (●)

August Kesseler: 2022er Pinot Noir „Alte Reben“ Cuvée Max (w, ●)

August Kesseler: 2022er Assmannshäuser Höllenberg Pinot Noir GG (w, ●)

Künstler: 2023er Hochheimer Stein Spätburgunder (w)

Kraftvoll

August Kesseler: 2023er Assmannshäuser Pinot Noir (w)

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VDP @ Emrich-Schönleber am 09. September 2017

2017 ist mein Nahe-Jahr. Schon auf der VDP Weinbörse in Mainz hatte ich der Nahe einen halben Tag gewidmet – und war sehr begeistert.

Die Veranstaltung war nun aber schon Ende April und diverse andere Proben im ersten Halbjahr mit Weinen aus anderen Gebieten zeigte, dass 2016 schwerer einzuschätzen war, als 2015, wo viele Weine schon im Frühsommer im Glas förmlich strahlten und getrunken werden wollten. Insbesondere trockene Weine aus 2016 zeigen sich in ihrer Jugend oft wie in ihre Bestandteile aufgetrennt. Alles ist da, aber es passt eben nicht wirklich zusammen. Besonders zu spüren war das an der Saar beim diesjährigen SaarRieslingSommer.

Bei der Weinbörse hatte ich an der Nahe diese Erfahrungen nicht gemacht. Trotzdem waren da viele Weine  natürlich erst gerade abgefüllt worden und daher noch sehr von Frucht, teilweise auch von Hefe oder Schwefel geprägt, was Weine manchmal expressiver und kraftvoller wirken lässt, als Sie wirklich sind.

Daher habe ich die Gelegenheit genutzt, einen Teil der Naheweine am 25. Juni anlässlich des VDP Heimspiels an der Nahe nochmal zu verkosten. Berichtet habe ich zu dieser Veranstaltung hier nicht. Meine Einschätzung von der Weinbörse hatte sich auch im Wesentlichen bestätigt: Ausdruckstarke Weine und viele davon auch in der Jugend schon relativ zugänglich.

 

Voll wars im modernen Keller von Emrich-Schönleber

Letztes Wochenende dann der erneute Test in Monzingen.

Ich freute mich darauf, einige Große Gewächse aus 2016 verkosten zu können, außerdem sollten sich die Ortsweine und ersten Lagen mittlerweile schon gut an die Flasche „gewöhnt“ haben und ihre jugendliche Wildheit zum Teil abgelegt haben.

Das hatten sie auch und am Ende bestätigte sich meine Einschätzung der VDP Weinbörse auch hier wieder. Die Nahe bringt 2016 weniger die Herausforderung, „unfertige“ Weine einschätzen zu müssen, als das z.B. an Mosel, Saar und in Franken der Fall ist. 2016 präsentiert sich an der Nahe zwar nicht so kraftvoll und säurefrisch wie 2015, dafür aber bei den trockenen Weinen etwas eleganter und bei den restsüßen etwas feiner als im Vorjahr.

Beim Schlossgut Diel zeigt sich das schön zum einem am eleganten 2016er Goldloch Riesling GG, der zur Zeit schon schön zu trinken ist, während der 2016er Eierfels Riesling trocken im Gegensatz zur Fassprobe auf der Weinbörse in einen kleinen Sommerschlaf getreten scheint. Bei den restsüßen Weinen gab es mit dem 2016er Burg Layer Schlossberg Riesling Kabinett einen trinkigen, feinen Kabi zu kosten, der mir teilweise mehr entgegenkommt als die eine oder andere Säurebombe aus 2015.

Zusammen mit dem Goldloch von Diel waren der 2016er Hermannshöhle Riesling GG von Dönnhoff und der 2016er Halenberg Riesling GG von Emrich-Schönleber meine Favoriten der Probe. Der letztgenannte nimmt hierbei mit seiner absoluten Klarheit und Eleganz den ersten Platz ein.

Einen ganz unfertigen Wein gab es aber dennoch zu kosten. Der 2016er Felseneck Riesling GG von Schäfer-Fröhlich. Unheimlich würzig und speziell die Nase und im Mund gänzlich unaufgeräumt aber mit allem, was so in ein großes Gewächs gehört. Meine laienhafte Vermutung ist, dass er in 2-3 Jahren mit den oben erwähnten drei Weinen in der Spitzengruppe liegt, sie auf längere Sicht vielleicht auch anführen könnte.

 

Die Tanks warten schon auf den neuen Jahrgang

Mit dabei in Monzingen war auch der VDP Ahr. Der 2015er Rosenthal Spätburgunder GG von Adeneuer hat hier alles andere ein Stück weit in den Schatten gestellt. Mit der ganz leicht warmen, sehr vielschichtigen Würze nicht so typisch Ahr, wird in Kombination mit der feinen Frucht und der schönen Säure ein ganz großartiger Wein daraus. Da zieh ich den Hut!

Genau wie schon im letzten Jahr gefallen mir die Weine des Weinguts Kreuzberg sehr gut. Sie sind in der Spitze vielleicht nicht immer die vielschichtigsten, zeigen vom Gutswein bis zum GG eine einheitliche Stilistik, durchgehende Eleganz und eine schöne Unaufgeregtheit. Auch jahrgangsübergreifend ist die Stilistik klar erkennbar. Der 2014er Silberberg Spätburgunder GG zeigt sich zwar etwas kühler, kann die Verwandtschaft mit dem 2015er Sonnenberg Spätburgunder GG nicht verleugnen.

Schließlich kann in der Reihe der Ahr-Lieblinge natürlich auch Jean Stodden nicht fehlen. Hier überzeugte insbesondere der 2015er Herrenberg Spätburgunder GG.

 

Vielen Dank an den VDP Nahe und das Weingut Emrich-Schönleber für die schöne Veranstaltung!

VDP.Heimspiel in Rheinhessen am 25.06.2016

Unter nicht ganz so optimalen Wetterbedingungen fand am letzten Samstag das VDP.Heimspiel statt. Bei der Veranstaltung waren alle rheinhessischen VDP-Weingüter an vier Standorten präsent, ergänzt durch Gastwinzer von Nahe und Ahr. Die jeweiligen Gastgeber haben sich dazu dann um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert.
Für mich auf jeden Fall ein Muss, kenne ist mein persönlicher Überblick über die Top Güter in Rheinhessen bisher eher beschränkt, bei Nahe und Ahr sieht es noch schlechter aus.
Zu Gast war die Veranstaltung bei Wagner-Stempel in Siefersheim, bei K. F. Groebe und Wittmann in Westhofen und bei Kühling-Gillot in Bodenheim. Das war zugleich auch die Krux. So haben wir bei entspanntem aber zielstrebigen Verkosten, kleiner Schauerpause unter dem Vordach einer Spargelhütte in Westhofen und Imbiss bei Wittmanns die Station Bodenheim nicht mehr geschafft. Durch die geschicktere Wahl der Gastgeber hätte sich zumindest Fahrzeit sparen lassen können. Die betrug zwischen den Stationen jeweils rund 30 Min. Bei einer Veranstaltungszeit von 13:00h bis 19:00h bleiben dann bei 124 angestellten Weinen unter 3 Minuten pro Schluck. Sportlich!

Aber auch bei den drei angesteuerten Stationen gab es einiges Gutes zu entdecken.

Bei Wagner-Stempel gefielen zunächst die Weine des Gastgebers sehr gut. Der 2015er Siefersheimer Weißburgunder wurde im Halbstück ausgebaut, ist kraftvoll aber nicht dick und bietet bestimmt das eine oder andere Jahr Lagerpotetial.
Der 2015er Siefersheimer Riesling „Porphyr“ ist für rheinhessische Verhältnisse ziemlich kühl und zupackend mit frischer Säure und weiß genauso zu gefallen, wie das deutlich wärmere 2014er Siefersheimer Höllberg Riesling GG, der sich rheinhessisch kraftvoll aber auch elegant zeigt.

Bei den Gästen haben wir Kruger-Rumpf ausgelassen, nachdem wir dort vor einigen Wochen auf der Jahrgangspräsentation eine durchweg starke Rieslingkollektion verkostet haben, bei der quasi alles Kaufempfehlungen waren.

Das Weingut Prinz Salm hatte einen sehr kraftvollen 2014er Binger Kirchberg Riesling GG dabei und einen wahnsinnig interessanten etwas gereiften 2011er Wallhausener Johannisberg Riesling GG. Der Wein ist unglaublich kräutrig, würzig, steinig und hat wenig schmeckbare Frucht. Das hatte ich so extrem noch nicht, passte aber ausgezeichnet zusammen.

Bei Schäfer-Fröhlich passte einfach alles. Wenn der Rest des Jahrgangs genauso gut gelungen ist, sind alle Hüte zu ziehen. Schon der 2015er Gutsriesling war ein gelungener Einstieg, den der 2015er Riesling Vulkangestein und der 2015er Bockenauer Riesling Schiefergestein bestätigten. Die 2015er Bockenauer Felseneck Riesling Spätlese mit großem Lagerpotetial schloss die Rieslingreihe ab. Alle Weine sehr elegant und balanciert – großartig. Aber auch Weißburgunder kann der Winzer von der Nahe. Der 2015er Weißburgunder „S“ war der beste an diesem Tag verkostete, mit ganz subtilen Holzeinsatz und großer Eleganz.

Eine echte Neuentdeckung für mich war dann das Weingut Deutzerhof – Cossmann-Hehle von der Ahr. Die mitgebrachten Spätburgunder (2015er Mayschosser Spätburgunder und 2013er Mayschosser Mönchberg Spätburgunder GG) hatten eine eher warme Stilistik und waren kräftig und tanninig, allesamt Langläufer, die im Prinzip zu früh präsentiert wurden. Das gleiche galt im übrigen für den 2015er Frühburgunder Alpha & Omega.

Regen im schönen Garten von K. F. Groebe

Regen im schönen Garten von K. F. Groebe

Die nächste Station war für uns dann im Weingut K. F. Groebe in Westhofen.
Battenfeld Spanier hatte hier starke Weine am Start:
2015er Riesling Prime, 2015er Hohen-Sülzener Riesling, 2015er Hohen-Sülzener Frauenberg Riesling GG und 2013er Mölsheimer Riesling „Late Release“
Alle Weine wiesen eine eindeutige kühl mineralische Stilistik auf mit einer anregenden Säure an meiner persönlichen Obergrenze.

Keller hatte als einer der wenigen eine Scheurebe dabei und das trotz Scheurebe-Jubiläum. Die 2015er Scheurebe konnte mit der typischen aber zurückhaltenden Aromatik überzeugen.
Ebenfalls stark der feine restsüße 2015er Niersteiner Hipping Riesling Kabinett und die süße 2015er Westhofener Brunnenhäuschen ABTS E Auslese.

H. Dönnhoff dann mit einer Traumvorstellung. Angefangen bei den Gutsrieslingen 2015er Riesling und 2015er Riesling Tonschiefer und weiter mit dem 2015er Roxheimer Höllenpfad Riesling EL. Herausragend dann der 2014er Schlossböckelheimer Felsenberg Felsentürmchen Riesling GG. Alle Weine in ihrer Klasse schön kraftvoll, eher kühl und sehr mineralisch. Zusammen mit Schäfer-Fröhlich die beste Vorstellung des Wochenendes.

Weingut Wittmann Westhofen

Weingut Wittmann Westhofen

Bei Wittmanns gegenüber waren dann ganz klar die Rotweine der Gäste von der Ahr meine Favoriten. Schade fand ich, dass der Gastgeber keinen trockenen Lagenwein (ggf. auch aus dem Vorjahr) präsentierte.
J. J. Adeneuer überzeugte mit dem 2013er J. J. Spätburgunder No. 1 und dem 2013er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG. Beide eher kühl im Gegensatz zu den Weinen von Meyer-Näkel, die mir aufgrund der etwas größeren Wärme und mehr an Kraft noch etwas besser gefielen. Der 2014er Frühburgunder ist ein toller Rebsortenvertreter mit den typischen dunklen Fruchtnoten. Der zuletzt probierte 2014er Spätburgunder S und der 2013er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG waren dann die schönsten Rotweine des Tages.

Das VDP.Heimspiel ruft definitiv nach Wiederholung im nächsten Jahr. Vielen Dank für die schöne Veranstaltung.