Mittelrhein Weinmesse in Bacharach am 28. Mai 2016

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Studio_20160530_230215Am letzten Samstag fand in der Mittelrheinhalle die diesjährige Mittelrhein Weinmesse statt. Für mich eine willkommene Gelegenheit, mehr über die Weine des Mittelrhein zu erfahren. Viel Erfahrung besitze ich in diesem Weinbaugebiet nämlich bisher leider nicht.

28 Winzer stellten ihre Weine – mehrheitlich aus 2015 – vor.
Als erstes verkostete ich aber an einem weiteren gemeinschaftlichen Stand insgesamt 9 gereifte Rieslinge verschiedener Winzer aus den Jahren 1983-1999. Das war ein echtes Highlight, hat man doch nicht oft die Gelegenheit solche Schätze zu trinken. Gerade, wenn die Weine wie hier gut ausgewählt wurden. Keiner der Weine war wirklich drüber und einige waren ganz hervorragend, sodass man ihnen das Alter nicht ansah. Meine Favoriten waren der 1998er Bacharacher Hahn Riesling Spätlese vom Weingut Toni Jost, der 1995er Bopparder Hamm Fässerley Riesling Spätlese vom Weingut Heilig Grab und der 1988er Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Kabinett vom Weingut Heinrich Müller.

Bei den aktuellen Kollektionen ist das Weingut Toni Jost auch ganz vorne dabei. Vom Gutsriesling an bis zur ersten Lage und der süßen Auslese können die 8 mitgebrachten 2015er überzeugen. Erstaunlich auch die trotz der Jugendlichkeit der Weine bereits große Harmonie und Trinkigkeit. Dazu feine Mineralität und eine stets präsente aber harmonische Säure. Meine Favoriten hier der 2015er Bacharacher Hahn Riesling Erste Lage trocken, der 2015er Bacharacher Riesling Spätlese feinherb und die 2015er Bacharacher Hahn Riesling Auslese.

Ebenfalls mit einer beeindruckenden Kollektion war Dr. Randolf Kauer vor Ort. Wie die von Toni Jost mit erkennbarer durchgehender Stilistik, aber insgesamt etwas aufregender und kraftvoller als die sehr elegant, harmonische Linie des Kollegen. Auch zeigen die Weine noch deutlich ihre Jugend und sind noch nicht ganz so trinkig. Insbesondere in Erinnerung blieben die kraftvollen trockenen Lagenspätlesen: der 2015er Oberweseler Oelsberg Riesling Spätlese und der 2015er Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Spätlese Alte Reben sowie der fruchtige 2015er Oberdiebacher Fürstenberg Riesling Kabinett.

In die Spitzengruppe der Kategorie „Überzeugendste Gesamtkollektion – Riesling“ reiht sich schließlich noch das Weingut Ratzenberger ein. Die Weine sind sehr kraftvoll und besitzen alle eine eigene ausgeprägte und konzentrierte mineralische Aromatik, die nur hier so zu finden ist. Favoriten hier der trockene 2015er Steeger St. Jost Riesling (als Fassprobe) und die fruchtige 2015er Bacharacher Wolfshöhle Riesling Spätlese. Auch klasse das aromatisch dichte 2013er Steeger St. Jost Riesling Großes Gewächs.

Wenn auch die drei bereits erwähnten Winzer für mich sowohl über die gesamte Kollektion hinweg als auch in der Spitze die Nase vorn hatten, gab es natürlich noch weitere Winzer mit sehr guten Produkten:

Beim Weingut Friedrich Bastian spiegelt sich das Terroir des Mittelrheins ebenfalls sehr schön in den Weinen wider. Die 2015er lagen alle nur als echte Fassproben vor, was ich im Sinne der Entschleunigung schön finde. Sehr gut hier der trockene 2015er Bastian Steillage „Orion“  Riesling und der feinherbe 2015er Bastian Insel Heyles’en Werth Riesling.

Das Weingut Heiko Klein hatte Weine aus den Jahrgängen 2012-2015 dabei. Die Charta Rieslinge, das reifere Meisterstück aus 2012, der feinherbe Handstreich aus 2014 und die 2015er Fassprobe vom Felsenspiel gefielen gut, auch wenn mir diese Chartaklassifizierung nicht wirklich einleuchtet, da sie so alleinstehend ohne zusätzliche Angaben zu Lage oder Geschmacksrichtung genannt wird.

Durchweg gute 2015er präsentierte auch das Weingut Matthias Müller, wobei für mich Spannung und Spitzen fehlten und ich manch überschwängliches Lob im Social Web nicht so ganz nachvollziehen kann. Ich muss aber sagen, dass ich am Samstag zum ersten Mal Weine dieses Weinguts kostete und damit auch das Reifeverhalten nicht kenne.

Überraschend und daher erwähnenswert die Rieslinge des Weinguts Brück, das insbesondere mit dem 2015er Steeger St. Jost Riesling Spätlese halbtrocken und dem feinherben Pendant aus gleicher Lage gute Weine für quasi kein Geld (unter 5 EUR) am Start hatte. Auf der einen Seite natürlich erfreulich für den Konsumenten, auf der anderen Seite ist es mir ein Rätsel, wie die Steillagen des Mittelrheins in dieser Qualität zu dem Preis bewirtschaftet werden können.
Einige weitere Kollegen versuchen dies auch, können aber auch im „guten“ Jahrgang 2015 am Ende nicht überzeugen.
Vielleicht wäre hier ein Strategiewechsel sinnvoll und vielleicht müsste die Gemeinschaft der Mittelrheinwinzer zusammen mit einer Qualitätsoffensive die Chartastrategie und das Marketingkonzept überdenken.

Die Lagen haben definitiv viel Potential, insbesondere auch in Zeiten des Klimawandels und die Böden können – insbesondere auf der linken Rheinseite zwischen Bingen und Koblenz hervorragende Weine mit Alleinstellungsmerkmal hervorbringen, die m.E. nur dort so gemacht werden können und sich signifikant von der „anderen“ Seite unterscheiden. Bestes Potential also.

Deswegen finde ich es großartig, dass es am Mittelrhein mittlerweile auch eine Jungwinzerinitiative gibt. Die vier „Gipfelstürmer“ haben sich der Rettung der Steillage verschrieben. Es tut sich also was. Sehr gut!

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