Friedrich Becker, Pfalz – Schweigener Spätburgunder trocken 2013

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Friedrich Becker, Pfalz - Schweigener Spätburgunder 2013Mit Junior Fritz Becker hatten wir mal einen spannenden Weinabend im Restaurant Zum Schiffchen in Offenbach. Höhepunkt war damals sicher ein genialer 2009er Spätburgunder „St. Paul“. Ein Wein, der auf französischem Boden wächst, aber nach Etikett ein echter Pfälzer ist. Diese Besonderheiten gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück, wo einige Wissembourger Winzer ihren deutschen Kollegen im Nachbarort viele Weinberge verkauften, als das Elsass gerade deutsch war. Die politischen Verhältnisse änderten sich seitdem nicht nur einmal. Die Besitzungen der Schweigener Winzer in Wissembourg blieben und es wurden Sonderrechte für die Schweigener im deutschen Weinrechtsdschungel implementiert, damit französischer Wein als deutscher vermarktet werden konnte.

Die Pfälzer Weinlage „Schweigener Sonnenberg“ wurde zu diesem Zweck bis nach Frankreich hinein ausgedehnt. Etwa 300ha Rebfläche hat die Lage seitdem – ziemlich viel und zu viel, um als einheitliches Terroir bezeichnet werden zu können.

Friedrich Becker versuchte früh, dies durch Nennung der ehemaligen französischen Lagennamen (St. Paul oder Kammerberg) zu kompensieren und so terretoriale Unterschiede besser herausarbeiten zu können. Das brachte ihm in der Vergangenheit sogar Verkaufsverbote ein, denn schließlich gibt es diese Lagennamen im deutschen Weinrecht nicht. St. Paul wurde mittlerweile als Phantasiename akzeptiert, wohingegen Kammerberg weiter „verboten“ bleibt. Ggf. ist in diesem Fall die Eintragung einer oder mehrerer europäischer g.U. eine künftig gute Lösung.

Nun aber zurück zum Schweigener Spätburgunder. Auch hier ist aufgrund der Besonderheit durchaus denkbar, dass zumindest ein Teil der Trauben in Wissembourg geerntet wurde. Mir ists egal, denn der Wein macht auf jeden Fall viel Spaß:

Tief würzige Nase, schöne klare Sauerkirschfrucht und etwas Pflaume, sehr würzig in Richtung Nelke, Piment und Vanille, dazu etwas fermentierte Kakaobohne.

Im Mund kühl, dicht und würzig. Feines, herbes und dichtes Tanningerüst. Tabak, ganz feine Holznote. Die Sauerkirschfrucht wirkt zunächst etwas eingekocht, fängt mit ausreichend Luft dann aber an zu strahlen.

Mittellanger, leicht antrocknender Abgang.

Ein toller Wein – unkompliziert aber dennoch mit schöner Tiefe.

 

ca. 19,00 EUR / PGV angemessen

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