Weingut Robert König – eine Spätburgunder-Neuentdeckung aus dem Rheingau

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Wein-Neuentdeckungen sind in der Corona-Zeit nicht so einfach zu machen. Verkostungen und ausführliche Ausflüge in die Weinregionen fehlen mir doch arg. Online-Verkostungen können das nicht wett machen.

Vorletzte Woche ergab sich aber eine schicksalhafte Fügung – anders kann ich es nicht beschreiben. Das Wohnzimmer war Homeoffice bedingt durch die bessere Hälfte blockiert und ich stieß beim entspannten „Schlafzimmer-YouTuben“ mit dem Suchbegriff „Wein“ auf eine spannende Dokumentation vom hessischen Rundfunk über das Weingut Robert König im Rheingau aus dem Jahr 2015. Das Weingut war im Hinterkopf vorgemerkt. Zwei oder drei Tage später schaute ich dann im Online Weinführer Wein-Plus nach neuen Weinbewertungen und fand dort hervorragende Bewertungen für die 2018er Spätburgunder von Robert König. Bei einer solchen Ansammlung von Hinweisen war Wiederstand zwecklos und ich bestellte ein Paket mit mehreren Spätburgundern beim Weingut.

 

Weingut Robert König - eine Spätburgunder-Neuentdeckung aus dem Rheingau

Hervorragend bereits im Mittelsegment

Kurzfristig öffneten wir dann eine Flasche des viel zu jungen 2018er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder „Empor“. Nach etwa fünf Stunden in der Karaffe war der Wein ein großes Vergnügen:

Tiefwürzige Nase mit Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren und etwas süßer Kirsche. Dazu Kräuter, Rauch, ein wenig feuchte Waldboden und Speck.

Im Mund dicht, aber fokussiert und elegant, viel feines Tannin. Klare, kühle Frucht mit schöner Säure. Tolle dunkle und erdige Würze mit schwarzem Tee. Etwas geröstetes Holz. Eine Prise Salz und weißer Pfeffer.

Langer, klarer und schöner Abgang.

Ein hervorragender Wein und ein würdiger Vertreter einer der bekanntesten Weinlagen Deutschlands, deren Rotweintradition auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Dabei ist der Wein „nur“ der mittleren Qualitätsstufe des Weinguts zuzuordnen. Nach dem Assmannshäuser Ortswein folgen aus den Lagen Rüdesheimer Drachenstein, Assmannshäuser Frankenthal und Assmannshäuser Höllenberg die Spätburgunder „Pur“ und „Empor“. An der Spitze steht jeweils der „Zenit“.

 

Die ganze Spätburgunderkollektion aus einem Guss

Danach war uns klar, dass die sechs bestellten Flaschen nicht reichen dürften und so unternahmen wir letztes Wochenende unseren ersten „Nach-Corona-Ausflug“ ins ruhige Aulhausen oberhalb von Rüdesheim.

Weingut Robert König - eine Spätburgunder-Neuentdeckung aus dem Rheingau StraußwirtschaftIm Rahmen der empfehlenswerten Straußwirtschaft im Hof des Guts ist es dort für Besucher möglich, die gesamte Kollektion zu kosten.

Wir taten das mit großem Genuss. Schon der Assmannshäuser Basisspätburgunder bringt mit seiner kühlen Frucht und feinen Salzigkeit Spaß und Qualität ins Glas.

Die jeweils drei Lagenweine aus den drei Lagen des Weinguts zeigen jeweils eine fein abgestufte Qualitätspyramide, wobei die Basis „Pur“ schon in allen drei Lagen überzeugend ist. Die Weine sind natürlich – anders als bei der vorherigen Generation – absolut trocken ausgebaut.

Die Weine aus dem Rüdesheimer Drachenstein sind jeweils die, bei denen eher die schöne saftige Frucht vor der Würze im Vordergrund steht. Zurzeit sind das mit Sicherheit die offensten Weine. Im Assmannshäuser Frankenthal dominiert eine tiefe und dunkle Würze. Das passt wunderbar insbesondere als Speisenbegleiter. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass insbesondere die beiden oberen Qualitätsstufen mit zusätzlicher Flaschenreife noch etwas Ruhe finden und feiner werden. Die Weine aus dem Assmannshäuser Höllenberg kombinieren eine kühle feine Frucht und eine feine und dennoch tiefe Würze und haben aus meiner Sicht in jeder Qualitätsstufe immer einen Tick die Nase vorn. Auch sie brauchen natürlich noch etwas Zeit.

Insgesamt eine beeindruckende Kollektion, über die ich jetzt auch entspannt schreiben kann, da wir uns natürlich bei unserem Besuch ganz ordentlich eingedeckt haben 😊.

Beeindruckend auch deshalb, da 2018 erst der zweite eigenverantwortlich durch Eigentümer Philipp König ausgebaute Jahrgang ist. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Robert im Jahr 2015 musste Philipp parallel zum Studium in Geisenheim schnell in die Rolle des Weingutsbesitzers hineinwachsen.

Das ist ihm hervorragend gelungen. Ich bin gespannt, wie sich die Weine in den künftigen Jahrgängen entwickeln werden.

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