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Trockene Schmitts, Franken – Drei „konsequente“ Silvaner aus dem Randersackerer Sonnenstuhl

Trockene Schmitts, Franken - Drei "konsequente" Silvaner aus dem Randersackerer Sonnenstuhl

Nach den beiden Exoten Albalonga und Rieslaner – natürlich trocken – musste ich natürlich den ursprünglichen Grund meiner Bestellung bei Trockene Schmitts auch verkosten. Die Silvaner.
Die Qualitätspyramide der Trockene Schmitts ist nach Literwein, Klassiker und „Konsequent“ in aufsteigender Reihenfolge gegliedert.
Beim Silvaner gibt es gleich 3 verschiedene Weine – alle aus dem Randersackerer Sonnenstuhl – in der Top-Kategorie „Konsequent“.Da ist es ja auch nur konsequent, mal alle 3 Weine gleichzeitig zu verkosten, um die Qualitätspyramide (bezogen auf den Preis) nachvollziehen zu können.

Hierfür habe ich die Weine direkt am Tag des Öffnens und zwei Tage später parallel verkostet.

Trockene Schmitts, Franken - Drei "konsequente" Silvaner aus dem Randersackerer Sonnenstuhl 1

2020er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Spätlese trocken 1,9g/l Restzucker, 9,80 EUR

Über den Ausbau habe ich online keine weiteren Angaben gefunden, aufgrund der Aromatik gehe ich vom Ausbau im Stahltank aus.

Tag 1: Kühle, kreidige und nussige Nase mit etwas gelber Frucht und etwas grünem Pfeffer.

Im Mund kühl, straff, mineralisch. Etwas süßlicher gelber Apfel und Gewürze. Schöner, mittellanger Abgang.

Tag 3: In der Nase fast keine Frucht mehr.
Im Mund die Frucht jetzt eher zitrisch. Die Mineralität ist weiter in den Vordergrund getreten.Im Abgang nochmal klarer, es bleibt mehr Mineralität.

Der Wein war schon am Tag 1 sehr schön zu trinken, insgesamt hat der Wein an Tag 3 aber etwas mehr an Zug und Kontur gewonnen.

Trockene Schmitts, Franken - Drei "konsequente" Silvaner aus dem Randersackerer Sonnenstuhl 2

2020er Randersackerer Sonnenstuhl Sylvaner -Alte Reben- Spätlese trocken 1,2g/l Restzucker, 11,90 EUR

Der Wein stammt von über 50 Jahre alten Reben und ist 10 Monate im Stückfass gereift.

Tag 1: Kühle, kreidige und nussige Nase mit deutlich, süßer, gelber Frucht und etwas grünem Pfeffer.
Im Mund kühl, straff, mineralisch, feine Gerbstoffe. Wieder eine deutlich süßliche gelbe Frucht und Gewürze.
Im recht langen klaren Abgang bleibt viel kalkige Mineralität.

Das wirkt etwas opulenter als der Restzucker vermuten lässt, aber eben auch noch etwas jung und unruhig. Frucht und Mineralität scheinen sich um die Vorherrschaft etwas zu streiten.

Tag 3: In der Nase mehr Nussigkeit und Würzigkeit. Frucht weiter süß, aber jetzt eher im Hintergrund.
Im Mund eklatant mehr Mineralität, Nussigkeit und Gewürze. Frucht auch hier zurückhaltender. Das Geschmacksbild ist insgesamt komplexer geworden.
Im recht langen Abgang aber weiterhin etwas süßer als die normale Spätlese, dafür aber auch deutlich mehr Mineralität.

Wenn ich von süßer spreche, geht das bei den Zuckerwerten eher um Nuancen, der Alte Reben hat 0,5% Alkohol mehr und daher insgesamt mehr Öchsle zum Lesezeitpunkt. Alkohol schmeckt süß und eine ggf. minimal höhere Reife könnte für einen opulenteren, reiferen Fruchteindruck gesorgt haben, der ebenfalls einen süßlicheren Geschmackseindruck hinterlassen wird.

Die Unruhe ist auch am Tag 3 noch etwas zu spüren. Der Wein braucht Zeit! Und er ist in dieser Reihe definitiv der Preis/Genuss-Verhältnisknaller. Ich werde versuchen, die nächste Flasche erst in 2 Jahren zu öffnen.

Trockene Schmitts, Franken - Drei "konsequente" Silvaner aus dem Randersackerer Sonnenstuhl 3

2019er Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner >R< Großes Gewächs Spätlese trocken 0,9g/l Restzucker, 22,50 EUR

Der Wein reifte 12 Monate im Halbstückfass und hat vor Verkaufsstart noch 12 Monate Flaschenreife genossen.

Tag 1: Kühle, kreidige und nussige Nase mit etwas gelber Frucht und etwas grünem Pfeffer sowie erdigen Noten.
Im Mund kühl, straff und tief mineralisch. Etwas süßliche gelbe Frucht und Gewürze, tabakige und nussige, sowie hefige Noten, etwas Champignons. Tolle, frische Säure. Ziemlich tief und komplex.
Schöner langer Abgang, die komplexe Würze und Mineralität bleibt.

Tag 3: In der Nase fast keine Frucht mehr, dafür mehr Gewürze und Tabak.
Im Mund ist die gelbe Frucht immer noch süß, tendiert aber klar Richtung Grapefruit (mit etwas Honig). Dazu mehr mehr Tabak und mehr Kalk.
Weiterhin langer, schöner Abgang.

Insgesamt wirkt dieser vielschichtige Silvaner etwas fertiger als die Alten Reben, was verständlich ist, da er bereits ein Jahr älter ist. Ein würdiges Großes Gewächs, das natürlich auch noch einige Jahre reifen kann.

Fazit:

Eine tolle Reihe! Das jeweilige plus an Komplexität ist schön zu erschmecken und zwar ohne dass die Weine gleichzeitig in die Breite gehen würden.

In Ihrer jeweiligen Kategorie haben alle ein tolles Preis/Genussverhältnis, der „Alte Reben“ bietet dabei besonders viel für sein Geld.

Ich bin froh, von allen 3 Silvanern noch Nachschub im Keller zu haben.

Trockene Schmitts, Franken – Randersackerer Sonnenstuhl Rieslaner „Alte Reben“ Konsequent Spätlese trocken 2020

Trockene Schmitts, Franken - Randersackerer Sonnenstuhl Rieslaner "Alte Reben" Konsequent Spätlese trocken 2020

Nach dem Albalonga war ich auf den trockenen Rieslaner des Weinguts Trockene Schmitts neugierig. Die Trauben stammen aus über 50 Jahre alten Reben – dem ältesten Rieslaner Weinberg in Deutschland. Nur 35hl/ha Ertrag machen den Wein hochwertig und lagerfähig sagt das Weingut.

Der Rieslaner ist eine Kreuzung aus Silvaner und Riesling und wurde bereits 1921 gezüchtet. Meist werden fruchtsüße Weine aus der Traube gekeltert.

Mit 1,5g/l Restzucker ist dieser Rieslaner der Trockenen Schmitts aber knalltrocken:

Kalkig mineralische, herbe Nase mit gelber Frucht und kräutrigen Noten.

Im Mund dicht, deutlich steinig mineralisch. Schöne gelbe Frucht und florale Noten. Im Hintergrund auch rote Beeren. Zitronig herbe und saftig frische Säure. Wieder kräutrige Noten.

Recht langer, schöner Abgang.

Das ist viel Wein fürs Geld und mit Sicherheit auch für die Rebsorte. Trotz der Tiefe und Mineralität ist er jedoch nichts für Fruchtallergiker. Papa Riesling schlägt durch.

Ca. 13,60 EUR / PGV angemessen – günstig

Trockene Schmitts, Franken – Randersackerer Marsberg Albalonga Spätlese trocken „Konsequent“ 2020

Trockene Schmitts, Franken - Randersackerer Marsberg Albalonga Spätlese trocken "Konsequent" 2020Das Weingut „Trockene Schmitts“ war schon lang auf meiner ToDrink-Liste. Der Name des Weinguts stammt aus den 70er Jahren. Bei 4 Weingütern mit dem Namen Schmitt in Randersacker war eine Differenzierung natürlich sinnvoll. Und während andere Schmitts wohl auf der Zuckerwelle ritten, konnte man bei den Trockenen Schmitts durchgängig fränkisch trockene Weine erwerben.

Trockene Schmitts, Franken - Randersackerer Marsberg Albalonga Spätlese trocken "Konsequent" 2020 3Das Weingut wirbt auch heute damit nur durchgegorene Weine anzubieten (abgesehen von einigen edelsüßen Spezialitäten), die nicht mit Zucker angereichert sind. Quasi als Beweis dafür nutzt das Weingut auch die Angabe von Prädikaten auf den Weinflaschen, da Prädikatsweine (z.B. Spätlese) gesetzlich nicht angereichert werden dürfen. Und man ist stolz auf die niedrigen Zuckerwerte und weist diese daher auch konsequent auf dem Rückenetikett aus.

Letztens las ich über den neuen Jahrgang und habe endlich etwas Wein in Randersacker bestellt. Der Schwerpunkt lag natürlich auf Silvaner, aber spannend fand ich auch die trockenen Weine der Sorten Albalonga und Rieslaner. Beide Rebsorten werden tendenziell eher für restsüße Weine verwendet. Albalonga ist zudem mit rund 14ha bestockter Fläche in Deutschland extrem selten. Albalonga ist eine Kreuzung aus Rieslaner und Müller-Thurgau und entstand 1951.

Der Wein weist auf dem Rückenetikett 1,0g Restzucker aus:

Feuersteinig mineralische Nase mit etwas Hefe, im Hintergrund gelbe Früchte.

Im Mund straff und dicht mit zitronig frischer, gut eingebundener Säure und viel weichem, mundfüllenden Gerbstoff. Dazu nussige und hefige Noten und florale Töne, die etwas an einen Müller-Thurgau erinnern. Viel feine, steinige Mineralität.

Schöner, weiter saftiger und recht langer Abgang.

Das war ein hervorragender Einstieg in das Sortiment der Trockenen Schmitts. Die Frische und die fast vollständige Abwesenheit von Frucht zu gunsten der steinigen Mineralität bleiben in Erinnerung, ein bisschen erinnert der Wein an einen karg ausgebauten Chenin Blanc (mit minimalem Müller-Zusatz).

Ca. 13,80 EUR / PGV angemessen