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Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022

Beeindruckend - Der Lechnerwirt

Beeindruckend – Der Lechnerwirt

Nach langer Coronapause fand dieses Jahr das Churfranken-Genussfestival an diesem Wochenende endlich wieder statt. Die Region zwischen Aschaffenburg und Bürgstadt stellt hier nicht nur ihre Weine vor, sondern allerlei genussvolle Produkte aus verschiedenen Manufakturen von Bier bis Käse und von Whiskey bis Wild. So kann dort sicher jeder genussaffine Besucher neue Eindrücke gewinnen und neue Produkte entdecken.

Dieses Jahr hatten die Veranstalter sich eine beeindruckende Location ausgewählt. Das nigelnagelneue massive Festzelt des Lechnerwirts am Miltenberger Mainufer, in dem in den Wochen zuvor die Miltenberger Michaelismesse gefeiert wurde.

Wie immer haben wir uns auf die Weine der Region konzentriert.

Auch in Miltenberg: Die Fromagerie Geiss - ein Maßstab in Sachen Käse in Rhein-Main

Auch in Miltenberg: Die Fromagerie Geiss – ein Maßstab in Sachen Käse in Rhein-Main

Leider war im Vergleich zu 2018 erneut eine geringere Teilnahmequote der Winzer zu verzeichnen. So war zum Beispiel aus dem großen Weinbauort Großheubach nur ein Winzer anwesend, genauso wie zum Beispiel aus Großostheim. Auch die Bürgstädter Winzer hatten gemessen an ihrer Anzahl nur einen kleinen Stand und präsentierten sich mit einem Spätburgunder pro Weingut.

Sicher lag die geringe Beteiligung auch am Termin – schließlich hat die Weinlese auch in Churfranken bereits begonnen. Schade finde ich es trotzdem, war die Veranstaltung doch immer eine gute Möglichkeit, die Weinregion in ihrer gesamten Breite zu entdecken.

Wie in den vergangenen Jahren findet ihr für uns bemerkenswerte Weine nach Weinorten sortiert:

 

Bürgstadt

Wie oben bereits geschrieben, präsentierten sich immerhin 10 Bürgstadter Winzer mit jeweils einem Spätburgunder an einem Gemeinschaftsstand. Einerseits schade, da ich Bürgstädter Weine sehr mag und gern mehr als einen Wein pro Weingut verkostet hätte. Auf der anderen Seite war diese Bestandsaufnahme durchaus spannend, um einen Überblick über die unterschiedlichen Spätburgunderstile im Ort zu bekommen. Die Weine kamen aus unterschiedlichen Jahrgängen von 2017 bis 2020. Bei der Verkostung wurde schnell klar, dass hier zwar ganz unterschiedliche Stile die Weine prägen, die Qualität insgesamt aber ziemlich hoch ist, insbesondere wenn man sie in den Kontext der jeweiligen Preise setzt. Gerade an den günstigeren Weinen lässt sich ablesen, dass die Winzer immer auf Sortentypizität setzen und die Feinheit des Spätburgunders in den Vordergrund stellen. Fehlerhafte, zu fette oder marmeladige Varianten waren jedenfalls nicht zu verkosten.

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 3

Am Ende der Verkostung standen 4 Weine auf unserem Zettel, die wir gern hervorheben wollen:

 

2020er Bürgstadter Berg Spätburgunder Erste Lage / Weingut Rudolf Fürst

Es ist immer wieder eine Wonne einen Spätburgunder von Fürst zu verkosten. In Deutschland gibt es nur wenige Winzer, die derartig feine, in sich ruhende und komplexe Weine aus der Rebsorte produzieren können. Mit wunderbarer klarer Kirschfrucht und einer komplexen Würze und schönen Länge zählt er sicher zu den Top Spätburgundern des Landes. Natürlich zeigt sich das auch im Preis des Weins. Schön, das Rudolf Fürst hier einen Wein beigesteuert hat, das andere Flagschiffweingut der Region – Steintal aus Klingenberg hat die Veranstaltung ausgelassen.

 

2017er Bürgstadter Berg Spätburgunder / Weingut Josef Walter

Vergleicht man die Weine von Christoph Walter mit denen von Rudolf Fürst fällt die unterschiedliche Stilistik immer direkt auf. Fürst steht für ruhige, elegante Weine mit strahlender Frucht, deren komplexe Aromenvielfalt sich ebenso ruhig und eher langsam dem Trinker erschließt. Walters Weine dagegen sind auf den ersten Schluck etwas lauter, stets auf einer klar würzigen Seite, fordernder, ebenfalls immer komplex aber nicht ganz so elegant wie die Weine von Fürst. Der vorgestellte Wein ist ein Musterbeispiel für den Stil des Hauses und kostet nur etwas mehr als die Hälfte des Weins von Fürst. Für mich „Der“ Premium Spätburgunder des Tages.

 

2018er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder / Weingut Neuberger

Wieder ein klarer stilistischer Wechsel zum Wein von Christoph Walter. Der Spätburgunder von Neuberger strahlt wieder viel Ruhe aus, die schöne Frucht wird bestens durch die Würze ergänzt. Frucht und Würze sind allerdings deutlich wärmer als die der Vorgänger. Quasi ein kleiner Fürst mit etwas mehr Kraft.

 

2018er Bürgstadter Berg Spätburgunder / Weingut Stich

Schon wieder ein Stilwechsel. Diesmal wird es wieder etwas schlanker und straffer, mit schöner kühler Frucht, Spannung im Mund, deutlicher Holzwürze und viel weichem Tannin. Hinsichtlich Länge und Komplexität kann er mit Fürst und Walter nicht ganz mithalten, ist aber dennoch eine echte Empfehlung.

Die Spätburgunder von Neuberger und Stich sind mit 15,00 EUR bzw. 12,80 EUR ganz klar die Preis-/Leistungssieger der Bürgstadter Verkostung. Man bekommt viel Wein fürs Geld. Hut ab.

 

Elsenfeld-Rück

Weinbau Weinfurtner

Der schnörkellose, würzige, schön trockene 2020er Rücker Schalk Silvaner Kabinett hat uns gut gefallen und uns daran erinnert, mal wieder im rechten Seitental des Mains einzukehren.

 

Erlenbach

Weingut A. Waigand

Verena Weigand präsentierte In Miltenberg 3 Weiß- und 3 Spätburgunder. Die Weine kommen aus dem Erlenbacher Hochberg, der die direkte nördliche Verlängerung der Steillage des Klingenberger Schlossbergs darstellt. Die Weißburgunder baut Verena als Essenbegleiter aus. Die Weine haben stets viel Kraft und einen schönen und merklichen Holzeinsatz. Ihr Top-Wein der 2020er Erlenbacher Hochberg Weißburgunder „FR“ Spätlese Barrique aus der Parzelle Felsenröder ist aromatisch tief und cremig, wird aber noch ein oder zwei Jahre Flaschenreife brauchen, um sich zu finden und das Holz besser einzubinden. Dann ist der Wein aber zum Essen ganz sicher ein großes Vergnügen. Er steht auch noch nicht auf der aktuellen Preisliste des Weinguts.

Bei den Spätburgundern ließ sich gut die Entwicklung im Hause Waigand ablesen. Der 2016er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Barrique ist noch ziemlich fruchtig und kräftig, aber nicht sehr elegant und fein. Die 2019/2020er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Jahrgangscuvee steht in der Qualitätspyramide unter dem zuvor verkosteten 2016er ist deutlich straffer und saftiger und gefällt mir daher besser. Aber er kann durchaus noch etwas Flaschenreife vertragen.

Oben an der Spitze der hauseigenen Pyramide steht dann zurecht der 2018er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „FR“ Barrique, der klar auf der würzigen Seite steht und eine warme Kraft besitzt, aber nie überbordend wirkt. Der Holzeinsatz ist sehr schön gelungen.  Auch dieser Wein kann sicher noch reifen.

 

Weinbau Philip Bernard

Philip Bernards Weine waren meine Entdeckung auf dem Genussfestival 2018. Und seitdem hat sich einiges getan. Die 2018er Rotweine möchte ich hier hervorheben. Davon sind ein paar in meinen Keller gewandert.

Der 2018er Klingenberger Schlossberg Portugieser ist einer von ihnen. Die kühle Beerenfrucht, das feine Tannin und die schöne, leicht rauchige Holzunterstützung machen aus der Brot- und Buttersorte Portugieser einen schönen feinen Rotwein.

Der 2019er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder ist vor allem noch viel zu jung und muss dringend noch reifen, auch um die leicht reduktive Note in der Nase noch etwas einzubinden. Auch hier fallen die kühle saftige Frucht und der schlanke Stil besonders auf. Ebenfalls hier wieder mit einer gekonnt eingesetzten Holzwürze gearbeitet. Der Wein damit noch ist etwas eleganter und tiefer als der Portugieser.

Der 2021er Klingenberger Silvaner wirkt ebenfalls noch etwas unfertig. Die knochentrocke Frucht hat sich mit der schönen Mineralität noch nicht ganz verbunden. Das wird aber, da bin ich sicher.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir von Philip Bernard in Churfranken noch einiges hören werden.

 

Großheubach

Weingut Kremer

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 4Das Weingut Kremer hatte am Wochenende die größte Einzelkollektion am Start und ist sicher das Top-Weingut in Großheubach.

Die gesamte Kollektion hat mir sehr gut gefallen, im Bereich der Weißweine stachen die 2021er Weißburgunder jedoch besonders heraus. Der 2021er Großheubacher Bischofsberg Weißburgunder Kabinett ist mit seiner feinen zitronigen Frucht und den nussigen Noten ein wunderbarer Trinkwein. Vollkommen ohne Schwere, knochentrocken, frisch und fein. Der 2021er Großheubacher Bischofsberg Weißer Burgunder *** (Premiumlinie) setzt gegenüber dem „einfachen“ Kabinett noch ein ganzes Stück drauf. Der Holzeinsatz ist trotz seiner Jugend hervorragend gelungen und verleiht dem Wein ein schönes Gerüst. Der Wein ist schlank und focussiert. Zur kühlen trockenen, zitronigen Frucht kommen mehr nussige und mineralische, fast salzige Noten. Sehr schön und kann noch reifen – ist auf der aktuellen Preisliste der Kremers auch noch nicht vorhanden.

Bei den Rotweinen haben Kremers einen schönen Jahrgangsvergleich des Top Spätburgunders ermöglicht. Der 2014er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Réserve wurde aus der Magnum gezeigt. Ich verfolge den Wein schon einige Jahr und habe auch ein paar Flaschen im Keller. Zu Beginn war der Wein aus dem schwierigen Jahr 2014 etwas ungestüm, für Kremer ungewohnt schlank, fast filigran und klar vom Holz bestimmt. Mittlerweile ist daraus eine ziemlich runde Sache geworden. Zwar sind die röstigen und holzwürzigen Noten weiter präsent, verdecken aber die Frucht und die anderen tabakig würzigen Noten nicht mehr. Meinen Flaschen werde ich dennoch ein oder zwei Jahre weitere Reife gönnen.

Der 2018er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Réserve ist dagegen wieder deutlich kraftvoller und zeigt mit seiner schönen, saftigen und klaren Frucht und der rauchig erdigen Würze schon jetzt schön, wie gut der Spätburgunderjahrgang 2018 in Franken war.

Auch für die Freunde kräftiger Rotweine jenseits vom Spätburgunder ist das Weingut Kremer für mich der ideale Anlaufpunkt in der Region. Gezeigt wurde gestern der 2018er Großheubacher Bischofsberg Cabernet Dorsa aber auch den St. Laurent und insbesondere die „R“Othello Rotweincuvee kann ich jedem Rotweinfreund empfehlen.

 

Großwallstadt

Weingut Giegerich

Die aktuelle Kollektion von Giegerichs hatte ich bereits anlässlich der Jahrgangspräsentation im Frühjahr verkostet. Unter der Verantwortung der Brüder Kilian und Philipp Giegerich bildet sich in den letzten Jahren immer mehr ein klarer Stil heraus. Die Weine werden feiner, der Holzeinsatz subtiler, besonders in der Spitze legen die Weine in Sachen Finesse und Komplexität zu. Absolut verdient auch die Auszeichnung Entdeckung des Jahres 2021 vom Weinmagazin Wein Plus.

Unter den Weinen, die am Wochenende in Miltenberg gezeigt wurden, gefiel mir der kraftvolle und knochentrockene 2020er Großwallstadter Silvaner „Alte Reben“ und der ruhige, elegante 2020er Großwallstadter Pitztaler Berg Spätburgunder am besten.

 

Klingenberg

Weingut Bastian Hamdorf

Der beste gezeigte Klingenberger Wein war der 2018er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder von Bastian Hamdorf. Ein Wein, der die einzigartige Mineralität des Klingenberger Schlossbergs auf beste Weise zeigt. Der kühle Stil mit der saftigen Frucht lässt viel Platz für die kräutrig mineralischen Schlossbergnoten. Wunderbar und unter den Top 3 der gesamten Verkostung.

Bei den Weißweinen kam 2018 dem Stil der Hamdorfschen Weine nicht unbedingt entgegen. Mehr Kraft und etwas weniger Feinheit zeichnen die Weine aus. Der 2018er Sylvaner gefiel mir trotzdem sehr gut. Die etwas süßliche, gelbe Frucht wird durch nussige und hefige Noten sowie etwas Mineralität gut ergänzt.

 

Bioweinbau Anja Stritzinger

Anja Stritzinger neben einem schönen knackig saftigen 2021 Klingenberger Schlossberg Johanniter unter anderem eine halbtrockene 2020er Klingenberger Schlossberg Gewürztraminer Spätlese dabei. Klar scheiden sich bei der Rebsorte die Geister. Bei der Geschmacksrichtung „halbtrocken“ ebenfalls. Häufig ist der rosig blumige Duft der Sorte so intensiv, das es schwer fällt andere Aromen wahrzunehmen. Bei diesem Wein ist alles ausgewogen. Ja, es gibt die floralen Gewürztraminernoten, aber eben gezähmt, dazu eine schöne gelbe Frucht und eine schöne Würze. Als Solist aufgrund der Sortentypisch niedrigen Säure vielleicht schwierig, zur Käseplatte aber sicher eine Wonne.

 

Last, but not Least – Die besten Schoppen der Show

Das Churfranken-Genussfestival in Miltenberg 2022 5Churfranken ist ein Land der Häckerwirtschaften. Fast jedes Weingut läd einige Wochen im Jahr zu deftigen Speisen und eigenen Weinen in ihre Höfe ein. Gefragt sind da nicht immer die „besten“ Weine, sondern Weine die Spaß machen, die zu deftigen Speisen passen, die Zunge lockern und sofort Lust auf ein weiteres Glas machen. Unkomplizierte, aber nicht belanglose Weine eben.

Das sind unsere diesjährigen Häckerschoppen-Empfehlungen:

 

2021er Rosé / Weingut Wolfgang Kühn, Klingenberg 9,00 EUR

Wer ein halbsüßes Potpurri aus Erdbeeren und Himbeeren sucht, ist beim Rosé aus der Sorte Regent von Wolfgang Kühn an der falschen Adresse. Der Wein hat eine wunderbare Farbe, ist ziemlich trocken und frisch, hat eine klare Frucht und etwas Mineralität. Ich hätte sofort ein Fläschchen mit auf die Mainwiese nehmen können.

 

2021er Großheubacher Bischofsberg Muskateller / Weingut Kremer, Großheubach 8,20 EUR

Auch hier ist Langeweile passé, keine süße fette Frucht, kein klebriger Gaumen. Frische Säure und eine zurückhaltende Muskatellerfrucht zeichnen den Wein aus. Das trinkt sich ohne Widerstand und die Aromatik ist dennoch stark genug, um auch deftige Gerichte zu begleiten.

 

2021er Silvaner / Weingut Giegerich, Großwallstadt 9,30 EUR

Ein trockener, frischer, durchaus körperreicher und würziger Silvaner mit zurückhaltender Frucht und gewisser Finesse. Vielleicht kein ganz spritziger Sommerwein, aber in der kühleren Jahreszeit ein Wein der viel Spaß macht.

Philip Bernard, Franken – Klingenberger Schlossberg Spätburgunder Fass 01 trocken 2018

Philip Bernard, Franken - Klingenberger Schlossberg Spätburgunder Fass 01 trocken 2018

Philip Bernard bewirtschaftet rund 1ha im Klingenberger Schlossberg in dritter Generation im Nebenerwerb. Seine Weine hatte ich auf dem Churfrankenfestival in 2018 das erste Mal verkosten können. Schon damals haben die Weine viel Spaß gemacht. Durch mehrere aktuelle, sehr positive Erwähnungen in den Weinführern bin ziemlich neugierig geworden, wie sich Philips Weine entwickelt haben. Also habe ich, trotz wie immer vollem Keller, ein Paket im Weingut bestellt.

Der Spätburgunder „Fass 01“ ist das Flagschiff von Philip Bernard und wird im Barrique ausgebaut:

Feine, kühle, würzige Nase mit glasklarer, frisch saftiger Frucht nach dunklen Beeren und Sauerkirschen. Dazu Lorbeer, Kaffee und im Hintergrund etwas getoastetes Holz.

Im Mund kühl, elegant und dicht, mit feinem Tannin und wunderbar saftiger Beerenfrucht. Der Wein besitzt eine tiefe Würze, abgerundet mit etwas Rauch, Blut und einer Prise Salz.

Langer, immer noch saftiger Abgang.

 

Ein toller Wein, der auch im aktuell sehr jungen Zustand schon eine nicht häufig zu findende elegante Finesse in Kombination mit Tiefe ausstrahlt, aber mit Flaschenreife sicher noch zulegen wird. Da kommen manche Weine in höheren Preislagen nicht mit. Ich kann nur den Hut davor ziehen, gerade, weil Philip den Betrieb „nur“ im Nebenerwerb betreibt.

 

Ca. 18,00 EUR / PGV günstig.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 1

Das diesjährige Churfranken-Genussfestival war quasi im Ausland zu Gast. Die Veranstaltung fand weder in Churfranken, noch in Franken statt, sondern in Baden-Württemberg. Dennoc bedeutet das keine allzu langen Wege – ist der Main doch östlich von Bürgstadt die Grenze zwischen beiden Bundesländern.

Umso schöner dann die Location selbst im „lieblichen Taubertal“. Kloster Bronnbach liegt kurz hinter Wertheim im engen Tal der Tauber. 1151 gegründet, mit vielen über die Jahrhunderte entstandenen Veränderungen und Ergänzungen bis heute erhalten und hervorragend renoviert, stellt es einen wunderbaren Rahmen für die Veranstaltung dar.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 2

Das Genussfestival gliedert sich quasi in 3 Bereiche: Die Weinprobe der Winzer, die weiteren Genussstände von Gemüse über Käse und Wurst bis hin zu Whiskey und Obstbränden und die Gastronomie, die die Ausstellung mit leckeren Gerichten begleitet.

Wie jedes Jahr lag unser Fokus natürlich auf der Verkostung der Weine, so dass für die anderen kulinarischen Genüsse nicht wirklich viel Zeit blieb.

Auch dieses Mal war die Verkostung nach Orten gegliedert – teilweise waren die Orte durch Gemeinschaftsstände der Winzervereine, teilweise durch Stände von einzelnen Winzern vertreten.

Leider waren in diesem Jahr insgesamt weniger Winzer vertreten als im letzten Jahr. Die Gäste aus der „Alzenauer Weinregion“ fehlten, auch aus Rück war kein Winzer anwesend. Sehr schade!

Die anwesenden Winzer hatten aber wieder hervorragende Weine am Start. Schön, dass noch nicht allzu viele 2017er Weine dabei waren, die zum jetzigen Zeitpunkt – sofern überhaupt schon gefüllt – oft noch schwer zu beurteilen sind.

Wie in meinen Berichten zu den Vorjahren auch dieses Mal meine Empfehlungen nach Orten:

Bürgstadt

Das Weingut Josef Walter zeigt einen schönen 2017 Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner und den feinen, jungen 2013er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „J“ – hier gibt es nur wenige Winzer, die diese Rebsorte auf einem ähnlich hohen Niveau ausbauen. Jedem sei empfohlen, mal vor Ort nach dem einen oder anderen reiferen Früh- oder Spätburgunder zu fragen.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 4

Vom Weingut Stich gibt es zwei besondere Empfehlungen: den 2016er Bürgstadter Riesling Kabinett trocken mit frischer Säure, feiner Frucht und Kräutrigkeit und den 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner Großes Holz trocken, der mit angenehm moderatem Alkohol und gutem Holzeinsatz dennoch kraftvoll ist und einen guten Essensbegleiter darstellt. In der Kategorie „Silvaner mit Holz“ muss er sich heute nur knapp einem Kollegen aus Klingenberg geschlagen geben. (s.u.)

Top-Wein beim Weingut Neuberger war der feine 2014er Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder trocken – und das obwohl 2014 in der Region beim Spätburgunder durchaus herausfordernd war.

Das biozertifizierte Weingut Hench bringt Jahr für Jahr sehr schöne Weine mit auf das Festival. In diesem Jahr haben mir die Rotweine besonders gut gefallen. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder trocken hat eine feste Tanninstruktur und eine schöne Sauerkirschfrucht. Der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder „R“ trocken ist kraftvoll, extrem würzig und vielschichtig. Beide Weine sollten aber noch einige Zeit reifen.

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 3

Dass Rudolf Fürst als Bürgstadter Platzhirsch ebenfalls Hervorragendes dabei hatte, war vorauszusehen. Einige 2015er Rotweine konnte ich schon im letzten Jahr probieren und war begeistert, da es auch in dem warmen Jahr gelungen war, den extrem feinen und eleganten Stil des Hauses fort zu führen. Daher sind sowohl der 2015er Bürgstadter Spätburgunder trocken als auch der 2015er Bürgstadter Centgrafenberg Frühburgunder „R“ trocken echte Empfehlungen.

Der 2017er Bürgstadter Riesling trocken gibt einen kleinen Einblick, was dieser Jahrgang bringen könnte. Der Wein hat durchaus Kraft und eine schöne Frucht – ich glaube, dass Franken 2017 wirklich gut und wieder etwas kraftvoller als 2016 werden wird, auch wenn die Menge aufgrund des Spätfrosts im Frühjahr hier und da gering ausfallen wird. Das 2016er Bürgstadter Centgrafenberg Riesling GG war der Beste Riesling des Tages – überraschend? Nein, natürlich nicht.

Erlenbach

Das Motto des Weinguts Waigand heißt „Buntsandstein-Burgunder-Begeisterung“. Dementsprechend hatte die kürzlich als eine der besten Jungwinzerinnen Deutschlands ausgezeichnete Verena Waigand einige rote und weiße Burgunder dabei. Bei den weißen Burgundern ist der spontan vergorene 2015er Erlenbacher Hochberg „Felsenröder“ Weißer Burgunder trocken vorn. Sehr dicht und vielschichtig, mit gutem Holzeinsatz. Ein kleiner Kraftprotz. Der 2013er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder „S“ ist elegant, würzig und rauchig und der 2012er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder Barrique Spätlese trocken zeigt sich zurzeit schön trinkreif, kraftvoll und begleitet einen Gang mit kurzgebratenem rotem Fleisch sicher hervorragend.

 

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 5

Für mich neu ist der Name Philip Bernard in der Erlenbacher „Weinszene“, der etwa 1ha im Klingenberger Schlossberg bewirtschaftet. Die 2015er und 2016er Spätburgunder zeigen eine moderne Handschrift, werden unfiltriert abgefüllt und müssen reifen. Favorit war für mich der 2016er Klingenberger Schlossberg Spätburgunder Spätlese trocken. Ich könnte mir vorstellen, dass wir von Philip in den nächsten Jahren das eine oder andere hören werden.

Großheubach

Das Churfranken-Genussfestival 2018 in Kloster Bronnbach 6

Achim Zöller stellte einen Wein vor, den er als „Männerwein“ bezeichnet. Der 2015er Riesling Tradition trocken hat ganze 11g Säure und ist in einem Barrique ausgebaut worden. Die Kraft, die der Jahrgang 2015 liefert, die Säure und das Holz gehen aus meiner Sicht hier eine tolle Symbiose ein, die einen extrem saftigen Wein mit toller Frucht und Tiefe hervorbringt, der sicher nicht nur „Männern“ schmeckt. Der 2015er Zweigelt trocken ist schön weich und fein würzig und damit vielen eher ruppigen oder erdigen Vertretern diese Rebsorte aus den heimatlichen österreichischen Gefilden überlegen.

Meine Lieblinge des Jahrgangs 2016 bei Kremers Winzerhof waren die Silvaner. Der 2016er Großheubacher Bischofsberg Silvaner Kabinett trocken hat auch am Wochenende mit seiner Feinheit und Mineralität überzeugt. Seine Geschichte und insbesondere die seines ungleichen Bruders ist hier zu finden.

Bei den gezeigten Weinen der „First“ Reihe gefällt uns der 2016er Großheubacher Bischofsberg Riesling First trocken am besten.

Den 2014er Großheubacher Bischofsberg Pinot Noir Reserve Barrique trocken konnte man schon auf dem letzten Genussfestival kosten. Wer das getan hat, wird so wie ich vielleicht überrascht gewesen sein, wie gut Reife einem hochwertigen Spätburgunder tut. Aktuell präsentiert er sich eher kühl und frisch, ist mittlerweile aber dazu schön elegant geworden und besitzt eine feine Frucht und schöne Würze.

Großostheim

Das Weingut Lutz hat wie im letzten Jahr auch eine sehr schlüssige Kollektion fruchtiger, spritziger Weine für Brotzeit, Terrasse und Häcke vorgestellt und bleibt daher mein Häcker-Tipp.

Klingenberg

Bastian Hamdorf, der ehemalige Kellermeister von Fürst Löwenstein hat sich mit seinen ersten Jahrgängen schnell einen echten Namen in Klingenberg gemacht. Sein Weingut befindet sich zurzeit in der Umstellungsphase zum ökologischen Weinbau. Der 2015er Sylvaner ist eindrucksvoll. Der Wein wird nach einer Maischestandzeit im Tonneau-Fass ausgebaut. Der Wein hat eine komplexe Aromatik und benötigt noch Zeit – wie alle Weine von Bastian Hamdorf.

Ebenfalls biologisch arbeitet seit langem das Weingut Anja Stritzinger. Mit dem 2017er Klingenberger Schlossberg Riesling Kabinett trocken hatte sie einen feinen und knackigen, sehr empfehlenswerten Riesling dabei.

Kreuzwertheim

Die Alte Grafschaft ist regelmäßig Gast in Churfranken. Die Weine selbst werden im Kreuzwertheimer Kaffelstein und damit im fränkischen Weinbaubereich „Main Himmelreich“ und im Reicholzheimer Satzenberg sowie in Lindelbach im badischen Weinbaugebiet „Tauberfranken“ angebaut.

Einen schönen Einblick in den 2017er Jahrgang bietet der 2017er Wertheimer Silvaner trocken mit seiner typischen Frucht nach Birne und Quitte und der schönen Würze.

Hervorragend der 2015er Kreuzwertheimer Kaffelstein Spätburgunder trocken.

Reicholzheim

Zu Gast war auch der Lokalmatador: Das Weingut Schlör aus Reicholzheim. Sehr fein hier insbesondere der 2016er Reicholzheimer Oberer First Weißburgunder GG (viel zu jung).

Ein Musterbeispiel für die Rebsorte ist der 2016er Reicholzheimer Schwarzriesling trocken. Es gibt nicht viele Winzer, die es schaffen, aus dieser Rebsorte ernsthafte Rotweine mit entsprechender Tiefe zu produzieren. Schlör ist einer von ihnen.

Der 2017er Reicholzheimer First Riesling trocken zeigt zum Schluss wieder schön, dass der 2017er Jahrgang in Franken wieder einen kleinen Tick kraftvoller und vor allem dichter auszufallen scheint als 2016.

Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in 2019.