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Die 50 größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche und der Trend zur Konsolidierung in der Branche

Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kann man nachlesen, dass sich die Weinbranche in den letzten Jahren immer weiter konsolidiert. Viele kleine Betriebe bis 1ha Rebfläche haben aufgegeben. Deren Anzahl hat sich zwischen 2010 und 2023 fast halbiert. Auch bei den Betrieben bis 10ha ist die Tendenz stark rückläufig. Siginifkante Steigerungen findet man nur bei Betrieben ab 20ha.1 Das heißt, es entstehen immer mehr große Betriebe, die einen Teil der freiwerdenden Flächen von den kleinen Betrieben übernehmen.

Die größten Weingüter Deutschlands nach Rebfläche

Doch wer sind denn nun die größten Betriebe im Land?

Ich dachte mir, es muss doch einfach sein, eine Liste der gemessen an der Rebfläche größten Weingüter in Deutschland aufzutreiben, auch um neue mit älteren Zahlen vergleichen und die großen Namen hinter der Konsolidierung in der Branche herauszufinden.

Aber da ist nichts zu finden. Das Netz ist leer!

Auf den zweiten Blick ist das nicht verwunderlich, denn zum einen gibt es keine öffentliche, namentliche Statistik der Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe und zum anderen ist es gar nicht so einfach, halbwegs valide Zahlen zusammenzustellen.

Schließlich bin ich dann doch noch auf eine längst nur noch über das Web-Archiv zugängliche Top-50 Liste aus 2012 gestoßen, die der zu früh verstorbene Mario Scheuermann auf seinem Blog veröffentlicht hatte.

Auch er hatte große Mühe, die notwendigen Informationen zu recherchieren. Basis damals waren wohl eine wochenlange Telefonaktion und tiefe Recherche in Weinführern und Magazinen.

In den Kommentaren zu Marios Liste wird auch über Einschränkungen einer solchen Liste diskutiert. Trotz aller Mühe: Die Liste wird auch keine absolut vollständige Liste gewesen sein.

Ich habe dann selbst angefangen zu recherchieren, um die Größenentwicklung seit 2012 nachvollziehen zu können. Dabei ergaben sich für mich folgende Herausforderungen:

Wer soll in die Liste aufgenommen werden?

Mario hat damals reine bzw. überwiegende Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern ausgenommen.

Das macht im Rahmen der Konzentration auf Weingüter im engeren Sinne auf jeden Fall Sinn, denn natürlich gibt es gerade bei den Fassweinerzeugern einige große Betriebe, die sich die Skaleneffekte bei einer stark mechanisierten Weinerzeugung zu Nutze machen. Dennoch sieht man deren Namen auf keiner Weinflasche. Auch gibt es große Genossenschaften, die selbst natürlich nicht im Weinberg tätig sind und auch Einzelgenossen, die wiederum selbst nichts auf den Markt bringen. Um ein Beispiel zu nennen: Die Agrargenossenschaft Gleina eG liefert als Einzelgenosse Trauben von rund 200ha an die Freyburger Winzergenossenschaft.

Selbst nach Telefonanrufen dürfte bei den großen Betrieben nicht immer klar sein, wie viel Prozent der geernteten Trauben letztendlich in Flaschen mit dem eigenen Firmenlogo wandern und wieviele Trauben/Weine an andere Erzeuger/Kellereien verkauft werden. Nicht jeder Geschäftsführer dürfte sich da gern in die Karten schauen lassen.

Was bedeutet Rebfläche?

Ganz eng definiert ist das die Rebfläche im Eigentum. Etwas weitergehend können die Flächen im Eigentum und zusätzlich selbstbewirtschaftete Pachtflächen betrachtet werden – das sollte der Definition des BMEL oben entsprechen. Ist man umfassend und schaut eher auf die Weinproduktion des Unternehmens insgesamt als auf die Weinberge, die selbst gepflegt werden, kann man noch Flächen von Vertragswinzern dazu zählen, die Trauben liefern.

Bei der Recherche wird es dann kompliziert. Hier und da könnten natürlich Anrufe Aufklärung bringen. Am Ende müsste man die Frage nach den Vertragswinzerflächen aber immer im Kontext mit der oben erläuterten Frage stellen, wie viel aus den Flächen letztendlich in eigenen Flaschen landet – mit den oben stehenden Problemen. Selbst bei veröffentlichten Hektar-Zahlen gibt es in einigen Fällen starke Schwankungen. Ich bin mir sicher, dass manche große Weingüter je nach Situation unterschiedliche Zahlen angeben – mal mit, mal ohne Zukauf von Vertragswinzern.

Wie vollständig ist die Liste?

Wer recherchiert muss sich die Informationen mühsam zusammenklauben. Eigentlich müsste er alle 14.200 Weinbaubetriebe in Deutschland durchleuchten. Das ist unmöglich.

Die Liste der größten Weingüter Deutschlands 2025

Trotz aller Widrigkeiten habe ich mich an die Fortschreibung der Scheuermannschen Liste gemacht. Ich habe ohne Telefonaktion, nur mittels Online-Recherche, eine aktuelle Liste erstellt. Quellen waren u.a.: Weingutshomepages, Verbandshomepages, Weinführer Eichelmann und Vinum 2025 und eine Umfrage in der Gruppe Hauptsache Wein bei Facebook.

Die Liste muss definitiv als unvollständig, ungenau und in Teilen schon wieder veraltet betrachtet werden. Definitiv beinhaltet sie eine Unwucht hinsichtlich Flächen von Vertragswinzern auf der einen und hinsichtlich Selbstvermarktungsquote von Flaschenwein auf der anderen Seite. Dennoch sollte sie einen einigermaßen guten, aktuellen Überblick geben und die meisten relevanten Weingüter beinhalten. In meiner Liste sind reine Fassweinerzeuger und Traubenbauern sowie Winzer die ihre Trauben komplett an Genossenschaften abliefern bzw. Genossenschaften selbst ausgenommen.

Der Konsolidierungsprozess hält an

Gegenüber Marios Liste aus 2012 hat sich einiges in der Weinlandschaft getan. Die Konsolidierung schreitet definitiv voran.

In Marios 2012er Liste gab es noch 43 Betriebe mit einer Fläche >=50ha. Meine zeigt schon 72. Mal schauen, vielleicht liefere ich in 5 Jahren ein weiteres Update. Ich wette, auch da werden wir eine weitere Konsolidierung sehen.

(die Platzierung bzw. Hektarzahl von 2012 aus der Liste von Mario Scheuermann in Klammern)

PlatzierungWeingutAnbaugebietRebfläche in haBemerkungen
1. (1.)Hess. Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach, EltvilleRheingau228 (247)
2. (2.)Stiftung Juliusspital Würzburg Stiftung des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken180 (172)
3. (3.)Weingut 1616 Pfaffmann Heinz Stiftung, WalsheimPfalz170 (150)
4. (8.)Friedrich Kiefer KG, EichstettenBaden165 (120)großteils Bewirtschaftung durch Vertragswinzer (15ha eigene Flächen)
5. (-)Weingut Leitz KG, RüdesheimRheingau160
6. (26.)Weingut & Privatkellerei Bimmerle KG, RenchenBaden153 (70)
7. (9.)Weingut Werner Anselmann Gebrüder Anselmann GmbH, EdesheimPfalz150 (118)
8. (-)Weingut Metzger, GrünstadtPfalz140davon 45ha eigene Flächen
9. (4.)Markgräflich Badisches Weinhaus GmbH, SalemBaden135 (145)davon werden ca. 60ha in kurzfristig gerodet
10. (7.)Verwaltung der Bischöflichen Weingüter Trier GbR, TrierMosel130 (120)
11. (6.)Staatlicher Hofkeller Würzburg Körperschaft des öffentlichen Rechts, WürzburgFranken120 (120)
11. (13)Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist, WürzburgFranken120 (103)
11. (54.)Weingut Markus Molitor GmbH & Co. KG, Zeltingen-RachtigMosel120 (42)
12. (16.)Weingüter Heitlinger & Burg Ravensburg GmbH, ÖstringenBaden112,1 (85)
13. (10.)Weinhaus Lergenmüller GmbH, HainfeldPfalz112 (110)davon 85ha eigene Flächen, siehe auch Schloss Reinhartshausen
14. (23.)Weingut Hans Wirsching KG, IphofenFranken107,8 (75)
15. (11.)Heinrich Vollmer GmbH & Co. KG, EllerstadtPfalz104 (105)
16. (37.)Peter Mertes Familienweingüter KG, Bernkastel-KuesMosel100 (60)
17. (41.)Weingut Knipser GbR, LaumersheimPfalz99,7 (53)
18. (27.)Julius Zotz KG, HeitersheimBaden98 (70)
19. (51.)Van Volxem Weinmanufaktur GmbH & Co. KG, WiltingenMosel95 (45)
20. (47.)Von Winning Weingut GmbH, DeidesheimPfalz93 (46)
21. (-)Weingut Dr. Loosen, Bernkastel-KuesMosel92,9stark schwankende Angaben in den Quellen
22. (36.)Weingut Markus Schneider, EllerstadtPfalz92 (60)
23. (12.)Sächsisches Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth, RadebeulSachsen90 (104)
23. (-)Holz-Weisbrodt HW – Die Weinfamilie GmbH & Co. KG, WeisenheimPfalz90
24. (17.)Weingut Robert Weil KG; KiedrichRheingau89,9 (85)
25. (15.) Weingut Dr. Bürklin Wolf e.K., WachenheimPfalz84,7 (86)
26. (22.)Weingut Schloss Reinhartshausen GmbH & Co. KG, EltvilleRheingau80 (76)siehe auch Lergenmüller
26. (43.)Weingut Matthias Keth, OffsteinRheinhessen80 (50)
27. (39.)Weingut Knöll & Vogel GbR, Bad BergzabernPfalz78 (56)
28. (24.)Herrengut St. Martin, Consulat des Weins GmbH, Sankt, MartinPfalz75 (71)
28. (-)Weingut Spanier-Gillot GbR, BodenheimRheinhessen75davon 25 Kühling-Gillot
29. (-)Weingut Raabe, Sankt MartinPfalz74
30. (25.)Fürstl. Castell’sches Domänenamt e.K., CastellFranken73,3 (70)
31. (-)Weingut Benz GbR, Lauda-KönigshofenBaden72
32. (14.)Schloss Proschwitz, Prinz zur Lippe GmbH & Co. KG, MeißenSachsen70 (88)
32. (18.)Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt Niersteiner Schlosskellereien GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen70 (84)
32. (29.)Weingut Fritz Allendorf – Georgshof, Oestrich-WinkelRheingau70 (63)
32. (33.)Karl Pfaffmann GmbH & Co. KG, WalsheimPfalz70 (60)
32. (-)Weinkellerei „Altes Schlösschen“ Ludwig Schneider GmbH, Sankt MartinPfalz70
33. (21.)Weingutsverwaltung Schloss Vollrads KG, Oestrich-WinkelRheingau68 (80)
34. (-)Weingut Künstler, HochheimRheingau65
34. (-)Weingut Bernhard Mehrlein, Oestrich-WinkelRheingau65
34. (-)Weingut Achim Hochthurn, HorrweilerRheinhessen65
35. (-)Weingut Kruger-Rumpf GbR, Münster-SarmsheimNahe64
36. (30.)Staatsweingut Meersburg, Landesbetrieb, MeersburgBaden63 (63)
36. (45.)Weingut Hammel GmbH, KirchheimPfalz63
37. (-)Weingut Philipp Kuhn, LaumersheimPfalz61,3
38. (31.)Weingut Reichsrat von Buhl GmbH, DeidesheimPfalz60,4 (62)
39. (34.)Weingut Spielmann-Schindler, Bobenheim am BergPfalz60 (60)
39 (35.)Weingut Schales eGbR, Flörsheim-DalsheimRheinhessen60 (60)
39. (50.)Weingut Albert Kallfelz GmbH, ZellMosel60 (45)
39. (-)St. Antony Weingut GmbH & Co. KG, NiersteinRheinhessen60
40. (-)Wageck Wine GmbH, BissersheimPfalz59
41. (-)Weingut Sonnenhof Karl Schäfer & Söhne eGbR, Bockenheim an der WeinstraßePfalz58
42. (49.)Balthasar Ress Weingut KG, EltvilleRheingau55 (45)
42. (-)Weingut Wilhelm Zähringer GmbH, HeitersheimBaden55
42. (-)Weingut Mussler, BissersheimPfalz55
43. (46.)Georg Apfelbacher Weingut-Weinkellerei e.K., DettelbachFranken54 (46)
43. (-)WEingut Jung & Knobloch GbR, AlbigRheinhessen54
44. (32.)Weingüter Geheimrat J. Wegeler GmbH & Co. KG, Oestrich-WinkelRheingau&Mosel53,4 (62)
45. (-)Weingut Bernhard Koch KG, HainfeldPfalz53
46. (42.)Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan GmbH, DeidesheimPfalz51,9 (53)
47. (-)Weingut Josef Spreitzer, Oestrich-WinkelRheingau51,5
47. (-)Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg GbR, GeisenheimRheingau51,5
48. (20.)Weingut Fritz Walter, NiederhorbachPfalz50 (80,1)
48. (40.)Landesweingut Kloster Pforta GmbH, Naumburg/SaaleSaale-Unstrut50 (53,5)
48. (52.)Thüringer Weingut „Sonnenburg“ Bad Sulza GmbH, Bad SulzaSaale-Unstrut50 (43)
48. (-)Reichsgraf von Kesselstatt GmbH, MorscheidMosel50
48. (-)Weingut Aufricht GbR, StettenBaden50
48. (-)Weingut Johannes Freiherr von Gleichenstein, Vogtsburg i.K.Baden50
48. (-)Weingut Wilker, PleisweilerPfalz50
48. (-)Weingut Villa Hochdörffer, LandauPfalz50
48. (-)Weingut Landgrafenhof GbR, SaulheimRheinhessen50
49. (38.)Weingut Franz Keller GmbH & Co. KG, Vogtsburg i.K.Baden48,7 (57)
50. (-)Baldauf Ramsthal GmbH & Co. KG, RamsthalFranken48
– (28.)G. H. von Mumm’sches Weingut KG, GeisenheimRheingau0 (65)Weingut nicht mehr aktiv
– (44)Karl Karle GmbH, Ihringen a.K.Baden45 (48)
– (48)Weingut Schloss Ortenberg GmbH & Co. KG, OrtenbergBaden45 (45)
– (19)Weingut Graf von Schönborn, Schloss Halburg, VolkachFranken30 (82)Verkauf der Rheingauer Weinberge
– (5)Weinkellerei Schick GbR, WeisenheimPfalz27 (142)

Letzte Aktualisierung: 01.03.2025 – Leserfeedback.

Ergänzungs- oder Korrekturwünsche gern per Mail direkt an mich.

  1. https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/bodennutzung-und-pflanzliche-erzeugung/weinbau ↩︎

VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 23.04.2017 Teil 1

Am 23. und 24. April fand die diesjährige Weinbörse des VDP in Mainz statt. Hier trifft sich die Weinbranche Jahr für Jahr, um den neuesten Jahrgang der VDP Mitglieder zu verkosten.

Rheingoldhalle: Wüste draußen, Genuss drinnen

Der Schwerpunkt liegt hierbei natürlich auf den Gutsweinen, Ortsweinen und den ersten Lagen des 2016er Jahrgangs, werden die Großen Gewächse doch frühestens erst Ende August in Wiesbaden präsentiert.

Für uns war es das erste Mal, dass wir an dieser Veranstaltung teilnehmen durften. Im Vorfeld war da natürlich Aufregung angesagt.

Wie wird die Messe organisiert sein? Wie zügig werden wir vorankommen? Welche Schwerpunkte sollen wir setzen?

Wesentliche Fragen. Schwierige Antworten. Fest stand: Wir hatten „nur“ am Sonntag Zeit und mussten damit die Zeit besonders gut nutzen. Bei einem 2,5 cm dicken A5-Katalogwälzer war sowieso klar, dass auch 2 Tage wahrscheinlich nicht für alles gereicht hätten – von der persönlichen Verkostungskondition mal ganz zu schweigen.

Also beschlossen wir, neben dem Besuch bekannter Winzer, einen klaren Schwerpunkt in Regionen zu setzen, wo uns bisher ein breiter Überblick im VDP fehlt.

Nahe, Pfalz, Württemberg und Baden hieß der grobe Plan. Versehen mit Schwerpunkten in Bezug auf Winzer und Rebsorten. Vorwegnehmen kann ich, dass auch der grobe Plan nicht aufging. Zu viele Weine, zu viele nette Gespräche, zu wenig Zeit.

Vor Ort war alles bestens organisiert. Die Atmosphäre trotz der beeindruckenden Größe der Veranstaltung familiär – selbst für uns gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

So konnten wir fix zur Verkostung schreiten.

Unser Plan an der Nahe war es, einige Weingüter etwas breiter kennenzulernen. Diel und Kruger-Rumpf kannten wir von früheren Verkostungen mit schönen 2015er Kollektionen schon etwas besser und spätestens seit einem 2005er Burgberg GG von Diel war das Nahe-Feuer entfacht.

Um möglichst wenig Geschmacksverwirrung aufkommen zu lassen, beschränkten wir uns auf Riesling. Und selbst das ist an der Nahe eine vielschichtige Angelegenheit, gibt es doch an der Nahe eine Bodenvielfalt, die einzigartig in deutschen Weinbaugebieten ist. Von Quarz- und Schieferböden über Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein bis zu Löss/Lehmböden ist alles vorhanden. Und in vielen Weinbauorten gleich mehrere Bodenarten gleichzeitig. So haben auch die meisten Weingüter Rieslinge von ganz verschiedenen Böden im Angebot, die kennenzulernen waren.

Spannend war insbesondere, dass weniger die Böden die deutlichsten Unterschiede ausmachten, sondern vielmehr die Stilistik des Weinguts prägend war, in die die jeweiligen Besonderheiten der Böden geschmacklich einbezogen waren und für weitere Nuancen sorgten.

Und die Stile waren so unterschiedlich, dass wir jedem Weingut einen Oberbegriff zuordnen konnten:

Franken, Nahe, Rheinhessen, Sachsen, Rheingau, Mittelrhein und Mosel im Kongressaal

Dr. Crusius: Der Kühle, Mineralische

Begonnen haben wir die kleine Rieslingreise bei Dr. Crusius. Vulkanische Böden aus Porphyr und Melaphyr bilden hier den Schwerpunkt. Die Rieslinge sind tendenziell steinig, erdig, kalkig, dazu fast etwas cremig – Frucht spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ein gutes Beispiel hierfür ist der schöne 2016er Norheimer in der Kirschheck Riesling trocken. Unser Liebling bei Dr. Crusius war aber der mit seiner feinen gelben Frucht fast untypisch herausstechende 2016er Top of the Rock Riesling trocken – eine Cuvée aus den Großen Lagen des Weinguts. Die feine Frucht spannt dann auch den Bogen zum ersten großen Höhepunkt des Tages: Schlossgut Diel.

Schlossgut Diel: mit der eleganten, zarten Frucht und großer Tiefe

Eine gewisse Vorahnung hatten wir mit dem Wissen über den 2015er Jahrgang schon, dass das ganz hervorragend werden könnte. Und so war das dann auch.

Devonschiefer, Kiesel und Quarzit sind die vorherrschenden Böden in den Weinbergen der Diels.

Schon beim 2016er Nahesteiner Riesling trocken (Fassprobe) gibt es nichts zu meckern. Ein erwachsener Wein, in der eine Herkunft und eben die klare Handschrift zu erkennen ist. Der 2016er Dorsheim Riesling trocken (Fassprobe) wäre dann aber definitiv kistenweise einzukellern. Fokussiert, klar, mineralisch und komplex – dazu immer die feine gelbe Frucht – mehr als man von der Kategorie erwartet.

Der 2016er Eierfels Riesling trocken (Fassprobe) ist eine Cuvée aus den Großen Lagen und war als 2015er schon eine Wucht. 2016 spielt hier alle Vorteile aus, die der Jahrgang gegenüber dem heißeren 2015 geboten hat. 2016 wirkt noch etwas eleganter und feiner abgestimmt als sein Vorgänger. Mehr braucht es nicht.

Mehr gibt es mit dem 2015er Goldloch Riesling GG (vom Kieselstein) aber trotzdem. Kraftvoll, steinig, wahnsinnig komplex und tief und trotzdem mit der schönen feinen Dielfrucht ausgestattet. Top!

Bei den restsüßen waren zwei 2016er Schieferrieslinge dabei. Der 2016er Schlossberg Riesling Kabinett und der 2016 Pittermännchen Riesling Spätlese Versteigerungswein. Fein ausbalanciert, schöne Säure, schöne Frucht – was will man mehr. Großes Riesling-Kino bei Diel.

Dönnhoff: Der Kräutrige

Die nächste Station der Nahereise war beim Weingut Dönnhoff. Die Lagen des Weinguts sind von Schiefer, Sandstein, Kies, Porphyr oder Melaphyr geprägt.

Vor einigen Tagen hatte ich zuhause eine Flasche vom 2011er Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling GG (Porphyr). Und schon beim heutigen, guten Einstiegsriesling, dem 2016er Tonschiefer Riesling trocken war die Erinnerung gleich wieder da. Kräuter, Kräuter, Kräuter. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Kollektion. Beim 2016er Kreuznacher Kahlenberg Riesling trocken (Lehm und Kies) und dem 2016er Roxheimer Höllenpfad Riesling trocken (Sandstein/Rotliegendes) wird die Kräuterwiese dann dichter, dazu eine kühle Mineralität, Frucht spielt wieder eine eher untergeordnete Rolle. Schön!

Unsere Lieblinge hier waren aber die Spät- und Auslesen. Die 2016er Kirschheck Riesling Spätlese (Fassprobe) (Grauer Schiefer, Sandstein) ist schön dicht und ist deutlich im kräutrigen Stil des Hauses gehalten, während die 2016er Brücke Riesling Spätlese (Fassprobe) (Lösslehm, Grauschiefer) mit einer sehr schönen feinen Frucht aufwartet und etwas runder wirkt. Die 2016er Hermannshöhle Riesling Auslese (Fassprobe) (Grauschiefer mit Porphyr und Kalkstein) ist schlicht großartig.

Emrich-Schönleber: Der kalte steinige

Hier herrscht die Kühle eines klaren, feuchten Frühlingsmorgens! Die Weine vom Gutsriesling an sind kräutrig kühl und haben die dazu passende, eher pikante Säure. Sie sind nicht ganz so balanciert und verspielt wie die Weine der beiden Vorgänger sondern deutlich straighter. Sehr schön der 2016er Monzingen „Frühtau“ Riesling trocken (roter Schiefer, Kiesel) und der 2016er Monzingen „Halgans“ Riesling trocken (blauer Schiefer, Kiesel).

Sehr spannend waren die etwas reiferen restsüßen Rieslinge aus dem Halenberg (blauer Schiefer, Kiesel). Der 2013 Halenberg -R- Riesling halbtrocken ist dabei eine echte Besonderheit, die ich so noch nicht geschmeckt habe. Der Wein ist halbtrocken, aber eben keine fruchtsüße Spätlese, daher eher mit feiner Süße, sehr kraftvoll, komplex und fast cremig und dazu bewusst boytritisgeprägt. Das ist insbesondere als Essensbegleiter eine interessante Angelegenheit. Z.B. wenn etwas Schärfe oder Röstnoten im Spiel sind. Ich könnte mir auch ein Gericht mit rotem Fleisch dazu vorstellen.

Die 2014er Halenberg Riesling Spätlese war dann wieder ganz im eher kühlen Stil des Hauses gehalten – sehr gut, aber braucht Zeit.

Kruger-Rumpf: Der mit der strahlende Frucht

Bei Kruger-Rumpf waren wir letztes Jahr schon auf der Jahrgangsverkostung. Schon beim 2015er Jahrgang waren wir begeistert von der durchgängigen Stilistik und der hohen Qualität.

Und auch 2016 können die Weine vom Gutswein an wieder überzeugen.  Unsere Highlights sind der 2016er Münsterer Riesling trocken, der 2016er Münsterer Pittersberg Riesling trocken (Fassprobe) (Devonschiefer) und die 2016er Im Pitterberg Riesling Spätlese (Fassprobe) (Devonschiefer). Stilistisch zeichnen sich alle Weine durch eine schöne Frucht zwischem süßem Pfirsich und dunklen Beeren aus. Trotzdem bleiben die Weine mit der feinen Mineralik und der schönen Säure klar auf der frischen und kühlen Seite. Auch wenn sie insgesamt nicht ganz die Ausdrucksstärke der Weine der Kollegen Diel und Dönnhoff erreichen, sind sie für mich eine klare Empfehlung von einer sehr sympathischen Winzerfamilie.

Hier endete dann unsere Nahereise mit erschrecktem Blick auf die Uhrzeit: Viele nette Gespräche und intensives Probieren. Es wurde klar, dass der selbst gesteckte Plan nicht mehr einzuhalten war.

Fortsetzung in Teil 2.

Kruger-Rumpf, Nahe – Münsterer Dautenpflänzer Riesling GG 2011

2223Heute gab es mein zweites 2011er Kruger-Rumpf GG. Korkenmäßig wie Nummer eins auch schon ne rechte Katastrophe. Durchnässt kam er aus der Flasche. Ganz leicht hatte der Wein auch schon in die Kapsel getropft. Ist mir bei bei so einem „jungen“ Wein bisher noch nicht passiert, jetzt gleich Zweimal.

Zunächst hatten wir den Wein zum Essen. Rote Beete Risotto mit Fisch. So ganz glücklich war die Paarung nicht, weil der Wein nicht ganz gegen das kräftige Risotto ankam.

Danach auf der Couch war aber alles in bester Ordnung:

Reife Nase nach Kräutern und Tabak. Dazu Trockenfrüchte, Quitte, Pfirsich und etwas Kandis.
Im Mund recht reif für einen 2011er. Fest gewirkt und recht dicht. Kräutrige Würze, steinige Mineralität, einen Hauch Grapefruit. Das ganze mit feiner Säure aber auch schmeckbare Süße.

Ordentlicher Abgang. Insgesamt gut, aber in der GG Klasse hätte ich etwas mehr Jugendlichkeit und Präzision erwartet. Bei diesem Urteil sollte man aber immer den Flaschenzustand im Hinterkopf behalten.

Ca. 25,00 EUR / PGV kein Schnäppchen

Kruger-Rumpf, Nahe – Münsterer Pittersberg Riesling GG 2011

2163Heute Abend gab es eine vegetarische Linsen-Kürbis-Lasagne. Der Kürbis war in Honig glasiert – also eher süß. Die Linsen leicht süß sauer mit Balsamico abgeschmeckt. Was nun dazu trinken. Säure sollte schon vorhanden sein und Kraft, damit der Wein mithalten kann mit dem Essen. Ein karger Pinot wäre eine Lösung gewesen, aber es stand im Kühlschrank noch die Flasche Pittersberg. Und die musste getrunken werden, erwischte ich sie doch letzte Woche tropfend im Keller. Korken undicht, so ein Ärger. Gekauft habe ich den Wein, weil ich von der diesjährigen Jahrgangspräsentation des Weinguts extrem begeistert war. Die 2015er Rieslinge waren allesamt traumhaft, vom Einstieg bis zum GG. Insofern waren die Erwartungen hoch:

Reife Rieslingnase. Überreife gelbe Früchte, Tabak, Kräuter, leicht holzige Noten.
Im Mund sehr reifer Pfirsich, viel steinige Mineralität und Extraktsüße. Dazu feine, frische und zitronige Säure, vegetabile Töne, Tabak und wieder Kräuter.

Trockener und mittellanger Abgang.

Insgesamt sehr reif für ein 2011er GG, was aber ggf. auch an der Luftzufuhr aufgrund der Leckage gelegen haben könnte, aber dennoch ziemlich gut. Vielleicht fehlt der letzte Pfiff Eleganz.

Ca. 25,00 EUR / PGV noch angemessen

VDP.Heimspiel in Rheinhessen am 25.06.2016

Unter nicht ganz so optimalen Wetterbedingungen fand am letzten Samstag das VDP.Heimspiel statt. Bei der Veranstaltung waren alle rheinhessischen VDP-Weingüter an vier Standorten präsent, ergänzt durch Gastwinzer von Nahe und Ahr. Die jeweiligen Gastgeber haben sich dazu dann um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert.
Für mich auf jeden Fall ein Muss, kenne ist mein persönlicher Überblick über die Top Güter in Rheinhessen bisher eher beschränkt, bei Nahe und Ahr sieht es noch schlechter aus.
Zu Gast war die Veranstaltung bei Wagner-Stempel in Siefersheim, bei K. F. Groebe und Wittmann in Westhofen und bei Kühling-Gillot in Bodenheim. Das war zugleich auch die Krux. So haben wir bei entspanntem aber zielstrebigen Verkosten, kleiner Schauerpause unter dem Vordach einer Spargelhütte in Westhofen und Imbiss bei Wittmanns die Station Bodenheim nicht mehr geschafft. Durch die geschicktere Wahl der Gastgeber hätte sich zumindest Fahrzeit sparen lassen können. Die betrug zwischen den Stationen jeweils rund 30 Min. Bei einer Veranstaltungszeit von 13:00h bis 19:00h bleiben dann bei 124 angestellten Weinen unter 3 Minuten pro Schluck. Sportlich!

Aber auch bei den drei angesteuerten Stationen gab es einiges Gutes zu entdecken.

Bei Wagner-Stempel gefielen zunächst die Weine des Gastgebers sehr gut. Der 2015er Siefersheimer Weißburgunder wurde im Halbstück ausgebaut, ist kraftvoll aber nicht dick und bietet bestimmt das eine oder andere Jahr Lagerpotetial.
Der 2015er Siefersheimer Riesling „Porphyr“ ist für rheinhessische Verhältnisse ziemlich kühl und zupackend mit frischer Säure und weiß genauso zu gefallen, wie das deutlich wärmere 2014er Siefersheimer Höllberg Riesling GG, der sich rheinhessisch kraftvoll aber auch elegant zeigt.

Bei den Gästen haben wir Kruger-Rumpf ausgelassen, nachdem wir dort vor einigen Wochen auf der Jahrgangspräsentation eine durchweg starke Rieslingkollektion verkostet haben, bei der quasi alles Kaufempfehlungen waren.

Das Weingut Prinz Salm hatte einen sehr kraftvollen 2014er Binger Kirchberg Riesling GG dabei und einen wahnsinnig interessanten etwas gereiften 2011er Wallhausener Johannisberg Riesling GG. Der Wein ist unglaublich kräutrig, würzig, steinig und hat wenig schmeckbare Frucht. Das hatte ich so extrem noch nicht, passte aber ausgezeichnet zusammen.

Bei Schäfer-Fröhlich passte einfach alles. Wenn der Rest des Jahrgangs genauso gut gelungen ist, sind alle Hüte zu ziehen. Schon der 2015er Gutsriesling war ein gelungener Einstieg, den der 2015er Riesling Vulkangestein und der 2015er Bockenauer Riesling Schiefergestein bestätigten. Die 2015er Bockenauer Felseneck Riesling Spätlese mit großem Lagerpotetial schloss die Rieslingreihe ab. Alle Weine sehr elegant und balanciert – großartig. Aber auch Weißburgunder kann der Winzer von der Nahe. Der 2015er Weißburgunder „S“ war der beste an diesem Tag verkostete, mit ganz subtilen Holzeinsatz und großer Eleganz.

Eine echte Neuentdeckung für mich war dann das Weingut Deutzerhof – Cossmann-Hehle von der Ahr. Die mitgebrachten Spätburgunder (2015er Mayschosser Spätburgunder und 2013er Mayschosser Mönchberg Spätburgunder GG) hatten eine eher warme Stilistik und waren kräftig und tanninig, allesamt Langläufer, die im Prinzip zu früh präsentiert wurden. Das gleiche galt im übrigen für den 2015er Frühburgunder Alpha & Omega.

Regen im schönen Garten von K. F. Groebe

Regen im schönen Garten von K. F. Groebe

Die nächste Station war für uns dann im Weingut K. F. Groebe in Westhofen.
Battenfeld Spanier hatte hier starke Weine am Start:
2015er Riesling Prime, 2015er Hohen-Sülzener Riesling, 2015er Hohen-Sülzener Frauenberg Riesling GG und 2013er Mölsheimer Riesling „Late Release“
Alle Weine wiesen eine eindeutige kühl mineralische Stilistik auf mit einer anregenden Säure an meiner persönlichen Obergrenze.

Keller hatte als einer der wenigen eine Scheurebe dabei und das trotz Scheurebe-Jubiläum. Die 2015er Scheurebe konnte mit der typischen aber zurückhaltenden Aromatik überzeugen.
Ebenfalls stark der feine restsüße 2015er Niersteiner Hipping Riesling Kabinett und die süße 2015er Westhofener Brunnenhäuschen ABTS E Auslese.

H. Dönnhoff dann mit einer Traumvorstellung. Angefangen bei den Gutsrieslingen 2015er Riesling und 2015er Riesling Tonschiefer und weiter mit dem 2015er Roxheimer Höllenpfad Riesling EL. Herausragend dann der 2014er Schlossböckelheimer Felsenberg Felsentürmchen Riesling GG. Alle Weine in ihrer Klasse schön kraftvoll, eher kühl und sehr mineralisch. Zusammen mit Schäfer-Fröhlich die beste Vorstellung des Wochenendes.

Weingut Wittmann Westhofen

Weingut Wittmann Westhofen

Bei Wittmanns gegenüber waren dann ganz klar die Rotweine der Gäste von der Ahr meine Favoriten. Schade fand ich, dass der Gastgeber keinen trockenen Lagenwein (ggf. auch aus dem Vorjahr) präsentierte.
J. J. Adeneuer überzeugte mit dem 2013er J. J. Spätburgunder No. 1 und dem 2013er Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder GG. Beide eher kühl im Gegensatz zu den Weinen von Meyer-Näkel, die mir aufgrund der etwas größeren Wärme und mehr an Kraft noch etwas besser gefielen. Der 2014er Frühburgunder ist ein toller Rebsortenvertreter mit den typischen dunklen Fruchtnoten. Der zuletzt probierte 2014er Spätburgunder S und der 2013er Neuenahrer Sonnenberg Spätburgunder GG waren dann die schönsten Rotweine des Tages.

Das VDP.Heimspiel ruft definitiv nach Wiederholung im nächsten Jahr. Vielen Dank für die schöne Veranstaltung.