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„Straubs reife Weine“ im Restaurant Straubs Schöne Aussicht in Klingenberg am 27. Januar 2018

Straubs Schöne Aussicht

Die schöne Aussicht bei Straubs

Unter dem Motto „Straubs reife Weine“ fand am 27. Januar eine feine Weinprobe bei Straubs Schöne Aussicht in Klingenberg statt. Reife Weine sind in jedem Fall ein interessantes Thema, zumal Sabine und Rafael Straub für ihre Restaurant-Weinkarte spannende Winzer mit individuellen Weinen ausgewählt haben.

Geplant waren neben einem „Begrüßungswein“ drei Zweier-Flights mit Weißweinen und ein Dreier-Flight mit Rotweinen. Vorab kann ich sagen, dabei ist es nicht geblieben.

Herausforderung Blindprobe

Ich hatte mich ja auf einen entspannten Nachmittag bei etwas Weinplausch eingerichtet. Schon beim Begrüßungswein waren dann aber direkt geschärfte Sinne gefordert: Blindprobe! Dabei sollte es jeweils flightweise bleiben. Mein persönliches Ergebnis beim Wein erkennen war katastrophal, obwohl mir die meisten Winzer bekannt waren. Einzig bei den Jahrgängen hatte ich eine ordentliche Trefferquote. Dazu kamen zwei echte persönliche Waterloos. Den 2014er Maximin Grünhaus Abtsberg trocken hatte ich erst letztens zuhause getrunken und im Blog beschrieben – gestern hatte ich noch nicht mal das Anbaugebiet erkannt (Mosel!!! – nicht erkannt – da komm ich immer noch nicht drüber hinweg) und auch die einzigartige Stilistik von J.B. Becker aus dem Rheingau konnte ich auch nicht wiedererkennen, obwohl wir erst im Dezember auf der Jahrgangspräsentation knapp 50 Becker-Weine aus den verschiedensten Jahrgängen gekostet hatten. Jetzt könnte ich natürlich zur Entschuldigung anführen, dass wir am Tag zuvor schon ein sensationelles Silvanerdinner mit Rudolf May im Schaumahl in Offenbach genossen und die Geschmacksnerven vielleicht noch etwas gelähmt waren oder den großen Gläsern auf der Probe die Schuld zuschieben. Hilft aber alles nichts – Blindverkostung ist eine Erfahrungssache und es braucht verdammt viel von der Erfahrung, um wirklich gut zu sein.

Individuelle Winzer, kühle Jahrgänge
Straubs Schöne Aussicht Weißweine

Die Weißweine

Bei den Weißweinflights lag der Schwerpunkt klar auf kühleren Jahrgängen. Ein Thema, über das gern gestritten wird. Welche Weine reifen besser: Die aus den häufig wärmeren „Top-Jahrgängen“ oder aus den kühleren Jahrgängen, deren Weine in der Jugend häufig nicht so positiv bei den üblichen Kritikern ankommen, dafür aber häufig mehr Säure aufweisen, die als ein Indikator für eine gute Reifeentwicklung gesehen wird? Final ist dieser „Konflikt“ wahrscheinlich nie aufzulösen.

Bei den Weinen gestern war das Reifeverhalten definitiv positiv zu bewerten. Einzig der im dritten Flight gezeigte 2008er Erbacher Hohenrain Riesling Alte Reben von Jakob Jung hatte seinen Zenit schon etwas überschritten und war daher Solo kein großes Vergnügen mehr.

Meine Favoriten bei den Weißweinen war der frische 2012er Reinstoff Riesling von Kai Schätzel, der feine und sehr elegante 2014er Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling trocken und der 2013er Westhofener Riesling trocken von Wittmann, der neben dem Wein von Jakob Jung der kraftvollste Weißwein des Tages war.

Insgesamt spannend war auf jeden Fall zu sehen, wie schön auch eben Guts- und Ortsweine doch reifen können und es sich auch hier wirklich lohnen kann auf den richtigen Trinkzeitpunkt etwas zu warten.

Spätburgunder 2009 – Warmer Jahrgang, nächste Falle
Straubs Schöne Aussicht Rotweine 2009

Die Rotweine

Zwei Weine waren eher warm (der 2009er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder der Domäne Assmannshausen der hessischen Staatsweingüter und der 2009er Eltviller Rheinberg Spätburgunder trocken (gibt es nur in warmen Jahren als Lagenwein und wird sonst in den Gutswein gegeben) von J.B. Becker). Zusammen mit der leichten Reife (insbesondere beim J.B. Becker mit pflaumigen Noten) war mir der Jahrgang 2009 dann schon schnell klar. Dagegen war der dritte Wein (2009er Spätburgunder Alte Reben von Bernhard Huber) dann plötzlich viel feiner und kühler und passte so gar nicht in die Reihe – burgundischer war er definitiv und in dem Flight bezgl. des Geschmacksbilds auch sofort mein Favorit. Auf der falschen Fährte war ich dann aber doch wieder: Den Wein hätte ich in 2009 nach den beiden anderen „dickeren“ Pinots nicht nach Baden gesteckt, sondern eher in den Rheingau oder an die Ahr und die feineren Aromen kamen im Gegensatz zu den beiden anderen Weinen bei den ersten Probeschlücken nicht angemessen zu Geltung, so dass ich eher auf einen Gutswein getippt hätte. Aufgedeckt und mit etwas mehr Abstand zu den anderen beiden passte dann wieder alles. Blöde Blindprobe! Fakt ist aber auch, dass ich mich nochmal mehr mit dem Assmannshäuser Höllenberg beschäftigen muss…

Das Beste zum Schluss
Querbach 1979er Oestricher Doosberg Riesling Spätlese

Bonuswein 1

Nach den geplanten Flights und spannenden Weingesprächen hat Rafael Straub dann nochmal in seinen Weinkeller gegriffen und zwei unerwartete schöne Bonusweine geöffnet. Der 1979er Oestricher Doosberg Riesling Auslese von Querbach hat gezeigt, wie schön Riesling reifen kann und wie fein dann auch Spätlesen sein können. Frische war hier noch ohne Ende vorhanden, spontan habe ich auf die 90er Jahre getippt.

Da die Diskussion am Tisch nochmal in Richtung Rosé-Wein abbog und das Für und Wider von Erdbeeraromen abgewogen wurde, hat Rafael Straub schließlich noch eine Flasche 2016er Pinot Noir Rosé Kabinett Trocken von Köhler-Ruprecht aus der Pfalz zur Verkostung geöffnet. Das war mit die größte Überraschung des Tages. Ein solch feiner, erdbeerfreier, mineralischer Rosé ist in Deutschland schwer zu bekommen. Der Wein an sich ist außerhalb von Klingenberg allerdings auch quasi nicht erhältlich, da er im Wesentlichen in den Export geht. Der Wein ist ein starker Essensbegleiter!

Zum Schluss des offiziellen Teils wurden dann noch zwei kleine starke Visitenkarten aus der Küche des Hauses gereicht, die ganz viel Lust gemacht haben, bald mal wieder bei Straubs essen zu gehen.

Zu Ende war der Nachmittag dann aber dennoch noch nicht. Plötzlich kamen nochmal die großen Burgundergläser auf den Tisch. Dank eines großzügigen Gasts durften wir noch einen Wein des Lokalmatadoren Benedikt Baltes genießen. In Sichtweite des Orts, an dem die Reben für den Wein wachsen.

Benedikt Baltes Terrra 1261 2015

Bonuswein 3

Der 2015er Klingenberger Spätburgunder „TERRA1261“ stellt die Spitze der Kollektion von Benedikt Baltes dar. Intensive, vielschichtige Nase, unfassbar fein und dennoch komplex im Mund, im Abgang ellenlang. 2015 auch nicht ganz so kühl und in der Jugend so verschlossen, wie die Top-Weine der Vorjahre. Das ist bei deutschem Spätburgunder ganz ganz weit vorn! Hut ab.

Reifen sollte der Wein allerdings – und zwar noch lang – und da wären wir zum Schluss auch wieder beim Motto des Nachmittags.

 

Vielen Dank an Sabine und Rafael Straub für den schönen Nachmittag!

J. B. Becker, Rheingau – Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken 1998

J. B. Becker, Rheingau – Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken 1998Warum so ein alter trockener Weißwein? Bin ich bekloppt, hab ich zuviel Geld? Schmeckt bestimmt fürchterlich!
Genau wie der ca. 1998 mit Freunden im Rahmen einer Weinprobe bei einem Winzer am Mittelrhein verkostete gereifte Wein?
Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen. Nach einer fröhlichen Weinprobe baten wir den Winzer doch mal was Älteres aus dem Keller zu holen. Erst zierte er sich, dann holte er aber ein Fläschchen für uns junge Leute. Es wurde eingegossen, angestoßen – es stellte sich eine feierliche Ruhe ein, als wir probierten. Und plötzlich mitten aus der andächtigen Stille brach es aus einem von uns heraus: „Der schmeckt ja wie mein Opa riecht.“ Wir lachten heftig und ausgiebig – der Wein war keine Freude.
Aufgrund der fortgeschrittenen Fröhlichkeit ist mir jedoch nicht mehr in Erinnerung, mit welcher Mimik der sehr nette Winzer dem Spiel bewohnte.

Warum nun jetzt schon wieder so ein Zeug? Ganz einfach: der Klimek hat’s in der Wineparty empfohlen.
Innerlich hatte ich mich schon darauf eingestellt, mir eine Jack Wolfskin Jacke zulegen zu müssen, um noch besser Herrn Klimeks Feindbild zu entsprechen. Damit es ihm umso leichter fiele äußerst entrüstet zu antworten, wenn ich seinen Artikel kommentierte mit „Geh fort mit solchem Zeug, der schmeckt ja wie mein Opa roch.“

Aber schade, das wird nichts. Der Wein hat die lange Zeit gut überdauert und trinkt sich erstaunlich gut.

In der Nase: Orangenschale, Honig, Grapefruit, etwas Leder und überraschend wenig Petroleum.

Im Mund dann wenig Frucht, aber noch genug Säure, dazu jede Menge Mineralität. Das ganze sehr harmonisch und rund aber nicht mehr so druckvoll wie man es bei einer jüngeren Spätlese erwarten würde. Langer Abgang.

Kein Wein für jeden Tag, aber einer der gerne geleert wird und der meine Meinung zu „alten“ trockenen Weißweinen revidiert.

Ca. 20 EUR / PGV günstig