Weingut Schloss Schönberg – die neue Bergstraße

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Hinweis, da anders als üblich: Die Weine wurden mir vom Weingut unaufgefordert und kostenfrei ohne weitere Bedingungen zugesendet.

 

Die Corona-Zeit ist auch für den Weinfreund eine harte. Präsentationen und Verkostungen fallen reihenweise aus, es wird schwerer einen Überblick über die aktuellen Jahrgänge zu bekommen und neue Weingüter zu entdecken. Da war es für mich umso schöner, dass das Weingut Schloss Schönberg mir unaufgefordert ein kleines Corona-Verkostungspaket zugesendet hat.

Weingut Schloss Schönberg - Eine Bereicherung für die Bergstraße

Das Weingut Schloss Schönberg ist das Schwesterweingut von Griesel Sekt an der hessischen Bergstraße. Die Unternehmerfamilie Streit hat mit der Gründung der beiden Unternehmen den jungen Weinmachern Niko Brandner bei Griesel und Rabea Trautmann bei Schloss Schönberg die großartige Chance ermöglicht, etwas neues ohne Zwänge von Traditionen aufzubauen.

Neben den hessischen Staatsweingütern und dem Weingut Simon-Bürkle gab es dort vor dem Engagement der Streits nur noch zwei Winzergenossenschaften, die einen gewissen überregionalen Bekanntheitsgrad besitzen. Auf den ersten Blick erscheint das ungewöhnlich, denn das Terroir der Bergstraße ist prädestiniert für Qualitätsweinanbau. Steillagen an den westlichen Hängen des Odenwalds prägen das Bild. Granit, Diorit aber auch Buntsandstein und Kalk sind die Basis für die Böden.

Auf den zweiten Blick allerdings muss auf die Größe des Weinbaugebiets geschaut werden. Nur 451ha bestockte Weinbergsfläche auf einem großen Gebiet vom nordöstlichen Odenwald (Odenwälder Weininsel) bis an den Rheingraben. Dazu nur 65 Betriebe, die Wein produzieren und etwa 600 weitere Kleinbetriebe, die an die beiden starken Genossenschaften liefern. Zudem trinkt der Bergsträßer seinen Wein am liebsten selbst, wie man vor Ort erfährt. Viel Spielraum für Entwicklung und Neues bleibt da nicht. Insofern kann die Investition der Streits durchaus als wichtiger Impuls für die ganze Region angesehen werden.

Premierenjahrgang von Schloss Schönberg war 2016. Die Trauben werden naturnah und ohne Herbizideinsatz angebaut, die Weine in Holz oder Stahl spontan vergoren und eher sehr trocken ausgebaut.

Der Fokus liegt klar auf den Burgundersorten in Weiß und in Rot.

Auf bisherigen Verkostungen zum Beispiel auf dem Griesel-Sommerfest habe ich von Rabea Trautmann keine leisen, sondern ausdruckstarke, komplexe aber dennoch elegante Weine probiert. Weine, bei denen fein und gekonnt eingesetztes Holz eine wichtige Rolle spielt.

Im Paket waren 3 Weine, die die ersten drei Jahrgänge von Schloss Schönberg abdecken. Und um es vorweg zu nehmen: Alle drei waren schneller leer als ich gucken konnte.

 

Auerbacher Silvaner trocken 2018

Weingut Schloss Schönberg - Auerbacher SilvanerKühle Nase mit etwas kandierter Orange und rotem Apfel. Dazu florale Noten und eine kühle kräutrige Würze. Im Hintergrund ein Hauch Brioche.

Im Mund fokussiert und mit viel Zug. Süßer Apfel und Quitte. Viel Salz und eine kräutrige Würze. Dazu nussige Nuancen und eine feine Note nach geröstetem Holz. Frische, großartige Säure. Mittellanger Abgang.

Der Wein erinnert von der Aromatik her an sehr gute Silvaner aus Rheinhessen, ohne die Stilistik des Hauses zu verleugnen. Er braucht definitiv aktuell noch Zeit. Karaffieren schadet nicht. Mit Luft wird er nochmal feiner und eleganter. Ich würde ihn mindestens noch 2 Jahre weglegen.

Ca. 13,50 EUR / PGV günstig

Auerbacher Weißburgunder trocken 2017

Weingut Schloss Schönberg - Auerbacher WeißburgunderDer Wein ist in der Nase noch etwas von Spontangärung geprägt, ist kühl, tiefwürzig und zeigt grünkräutrige Nuancen sowie nussige Noten.

Im Mund ist er extrem saftig. Dazu in bestem Sinne ganz leicht cremig. Wieder deutlich nussige Noten und eine zitronige Säurefrische. Kräuter, Waldmeister, kalkige Mineralität. Schöner würziger und mittellanger Abgang.

Auch hier ist der Wein wieder focussiert und elegant, geht zum Essen gut und solo genauso. Macht keinen Deut satt. Eine tolle, reduzierte Interpretation von Weißburgunder. Auch hier schadet es nicht, sich etwas Zeit zu nehmen.

Ca. 13,50 EUR / PGV günstig

 

Auerbacher Fürstenlager Grauburgunder 2016

Weingut Schloss Schönberg - Fürstenlager Grauburgunder„Ihh, Grauburgunder, bestimmt weich, warm und undefiniert!“ QUATSCH!!

In der kühlen Nase eine ganze Aromenschar: Gebrannte, karamellisierte Haselnüsse, Kräuter, Zitronenschale, tabakige Noten, etwas Vanille und Waldmeister.

Im Mund dicht und kühl. Viel kalkige Mineralität, Orange und eine tolle frische, saftige und reife Säure. Feine Kräuterwürze. Grüne Nüsse. Eine Prise Salz. Feines Tanningerüst. Etwas schön eingebundenes, fein geröstetes Holz.

Langer und schöner Abgang. Die schöne, nussige Würze bleibt.

Den Wein hatte ich schon einmal auf einem Sommerfest im Hause Griesel gekostet. Jung ist das vom Ausbaustil her schon fordernd und nicht ganz so einfach einzuschätzen. Jetzt mit etwas erster Reife passt alles viel besser zusammen und dennoch steht der Wein erst am Anfang der „Genussreife“. Auch wenn ich kein Freund von Superlativen bin, muss ich hier definitiv sagen, dass ich noch keinen besseren Grauburgunder getrunken habe. Der Wein spielt hier definitiv in der deutschen Spitze mit und zeigt eindrucksvoll, wieviel Komplexität und Trinkfluss man mit der Sorte generieren kann.

Ca. 21,00 EUR / PGV angemessen bis günstig

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