Kistenmacher-Hengerer, Württemberg – Fleiner Eselsberg Blauer Spätburgunder „S“ trocken 2014

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Kistenmacher-Hengerer, Württemberg - Fleiner Eselberg Blauer Spätburgunder "S" trocken 2014Den Wein vom VDP-Weingut Kistenmacher-Hengerer hatte ich vor einiger Zeit in Heilbronn im Edeka gekauft. Definitiv in einer der besten Weinabteilungen in einem deutschen Supermarkt. Als regionale Empfehlung und Ergänzung eines ziemlich gemischten Weineinkaufskorbs.

Das der Wein dann gleich noch ein kleines Lehrstück in Sachen deutschem Weingesetz bot, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.

Auf der Homepage des Weinguts begab ich mich auf die Suche nach der Bedeutung des „S“ im Namen. S wie Samtrot stand dort und ich war verwirrt, da ich Samtrot immer für eine eigene Rebsorte gehalten hatte. Insofern bissen sich für mich die Bezeichnung „Spätburgunder“ und „Samtrot“, schließlich ist in Deutschland ja alles geregelt. Spätburgunder drauf schreiben, wenn Samtrot drin ist, das kann doch nicht sein!

Ein Blick in die baden würrtembergische Verordnung zur Durchführung weinrechtlicher Vorschriften brachte Klarheit, dass das Weingut hier natürlich im Einklang mit der Rechtslage handelt. In Württemberg darf Samtrot als Spätburgunder bezeichnet werden und umgekehrt auch Spätburgunder als Samtrot. Warum das am Ende so ist, ließ sich nicht abschließend recherchieren, dennoch half dank Social Web ein Ampelograph und Sortengenetiker mit einer grundsätzlichen Aufklärung:

Samtrot ist eine Mutation vom Schwarzriesiling (Pinot Meunier), der wiederum eine Mutation vom Spätburgunder (Pinot Noir) ist. Spätburgunder und Schwarzriesling lassen sich hierbei an der Pflanze recht deutlich unterscheiden. Der Schwarzriesling besitzt eine starke Blatt- und Triebbehaarung, die beim Spätburgunder nicht vorhanden ist. In der genetischen Analyse sind die Unterschiede der Sorten ebenfalls nachweisbar. Die genetischen Fingerabdrücke unterscheiden sich aber nur gering. Der Samtrot wiederum ist dann ursprünglich aus einer Schwarzrieslinganlage ausgelesen worden. Der Samtrot weist die Triebbehaarung des Schwarzriesling nicht auf und ist damit äußerlich nicht ganz so einfach und eindeutig vom Spätburgunder zu unterscheiden. Am Wuchs kann das gelingen, sicher ist man aber nur bei einer genetischen Analyse.

Insofern bleibt meine Vermutung, dass der Gesetzgeber hier einfach kapituliert hat und auch unter Berücksichtigung nur geringer Unterschiede in der Genetik diese parallele Bezeichnung akzeptierte, was in der Folge aber wohl auch dazu führte, dass auch der eine oder andere genetische Spätburgunder von Züchtern als Samtrot angeboten wird.

Aber am Ende zählt natürlich nicht die Genetik des Weins sondern der Geschmack. Und der kann sich hier sehen lassen:

 

Eher verhaltene würzige Nase mit süßer Kirsche, floralen Noten und etwas Röstaromen.

Im Mund frisch, saftig und mit fein samtigem Tannin, das dem Rebsortennamen Samtrot alle Ehre macht. Die schöne, kühle Kirschfrucht kommt zusammen mit etwas nicht ganz reifer Zwetschge. Dazu eine Prise Salz. Am Gaumen stark geröstete Kaffeearomen, die sich erst mit Luft, dann aber erstaunlich gut einbinden. Klarer mittellanger und schöner Abgang.

 

Ein kraftvoller aber feiner Wein, der sich auch mit „echten“ Spätburgundern messen kann.

Ca. 19,00 EUR / PGV angemessen