VDP.Weinbörse in der Rheingoldhalle Mainz am 23.04.2017 Teil 1

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Am 23. und 24. April fand die diesjährige Weinbörse des VDP in Mainz statt. Hier trifft sich die Weinbranche Jahr für Jahr, um den neuesten Jahrgang der VDP Mitglieder zu verkosten.

Rheingoldhalle: Wüste draußen, Genuss drinnen

Der Schwerpunkt liegt hierbei natürlich auf den Gutsweinen, Ortsweinen und den ersten Lagen des 2016er Jahrgangs, werden die Großen Gewächse doch frühestens erst Ende August in Wiesbaden präsentiert.

Für uns war es das erste Mal, dass wir an dieser Veranstaltung teilnehmen durften. Im Vorfeld war da natürlich Aufregung angesagt.

Wie wird die Messe organisiert sein? Wie zügig werden wir vorankommen? Welche Schwerpunkte sollen wir setzen?

Wesentliche Fragen. Schwierige Antworten. Fest stand: Wir hatten „nur“ am Sonntag Zeit und mussten damit die Zeit besonders gut nutzen. Bei einem 2,5 cm dicken A5-Katalogwälzer war sowieso klar, dass auch 2 Tage wahrscheinlich nicht für alles gereicht hätten – von der persönlichen Verkostungskondition mal ganz zu schweigen.

Also beschlossen wir, neben dem Besuch bekannter Winzer, einen klaren Schwerpunkt in Regionen zu setzen, wo uns bisher ein breiter Überblick im VDP fehlt.

Nahe, Pfalz, Württemberg und Baden hieß der grobe Plan. Versehen mit Schwerpunkten in Bezug auf Winzer und Rebsorten. Vorwegnehmen kann ich, dass auch der grobe Plan nicht aufging. Zu viele Weine, zu viele nette Gespräche, zu wenig Zeit.

Vor Ort war alles bestens organisiert. Die Atmosphäre trotz der beeindruckenden Größe der Veranstaltung familiär – selbst für uns gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

So konnten wir fix zur Verkostung schreiten.

Unser Plan an der Nahe war es, einige Weingüter etwas breiter kennenzulernen. Diel und Kruger-Rumpf kannten wir von früheren Verkostungen mit schönen 2015er Kollektionen schon etwas besser und spätestens seit einem 2005er Burgberg GG von Diel war das Nahe-Feuer entfacht.

Um möglichst wenig Geschmacksverwirrung aufkommen zu lassen, beschränkten wir uns auf Riesling. Und selbst das ist an der Nahe eine vielschichtige Angelegenheit, gibt es doch an der Nahe eine Bodenvielfalt, die einzigartig in deutschen Weinbaugebieten ist. Von Quarz- und Schieferböden über Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein bis zu Löss/Lehmböden ist alles vorhanden. Und in vielen Weinbauorten gleich mehrere Bodenarten gleichzeitig. So haben auch die meisten Weingüter Rieslinge von ganz verschiedenen Böden im Angebot, die kennenzulernen waren.

Spannend war insbesondere, dass weniger die Böden die deutlichsten Unterschiede ausmachten, sondern vielmehr die Stilistik des Weinguts prägend war, in die die jeweiligen Besonderheiten der Böden geschmacklich einbezogen waren und für weitere Nuancen sorgten.

Und die Stile waren so unterschiedlich, dass wir jedem Weingut einen Oberbegriff zuordnen konnten:

Franken, Nahe, Rheinhessen, Sachsen, Rheingau, Mittelrhein und Mosel im Kongressaal

Dr. Crusius: Der Kühle, Mineralische

Begonnen haben wir die kleine Rieslingreise bei Dr. Crusius. Vulkanische Böden aus Porphyr und Melaphyr bilden hier den Schwerpunkt. Die Rieslinge sind tendenziell steinig, erdig, kalkig, dazu fast etwas cremig – Frucht spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ein gutes Beispiel hierfür ist der schöne 2016er Norheimer in der Kirschheck Riesling trocken. Unser Liebling bei Dr. Crusius war aber der mit seiner feinen gelben Frucht fast untypisch herausstechende 2016er Top of the Rock Riesling trocken – eine Cuvée aus den Großen Lagen des Weinguts. Die feine Frucht spannt dann auch den Bogen zum ersten großen Höhepunkt des Tages: Schlossgut Diel.

Schlossgut Diel: mit der eleganten, zarten Frucht und großer Tiefe

Eine gewisse Vorahnung hatten wir mit dem Wissen über den 2015er Jahrgang schon, dass das ganz hervorragend werden könnte. Und so war das dann auch.

Devonschiefer, Kiesel und Quarzit sind die vorherrschenden Böden in den Weinbergen der Diels.

Schon beim 2016er Nahesteiner Riesling trocken (Fassprobe) gibt es nichts zu meckern. Ein erwachsener Wein, in der eine Herkunft und eben die klare Handschrift zu erkennen ist. Der 2016er Dorsheim Riesling trocken (Fassprobe) wäre dann aber definitiv kistenweise einzukellern. Fokussiert, klar, mineralisch und komplex – dazu immer die feine gelbe Frucht – mehr als man von der Kategorie erwartet.

Der 2016er Eierfels Riesling trocken (Fassprobe) ist eine Cuvée aus den Großen Lagen und war als 2015er schon eine Wucht. 2016 spielt hier alle Vorteile aus, die der Jahrgang gegenüber dem heißeren 2015 geboten hat. 2016 wirkt noch etwas eleganter und feiner abgestimmt als sein Vorgänger. Mehr braucht es nicht.

Mehr gibt es mit dem 2015er Goldloch Riesling GG (vom Kieselstein) aber trotzdem. Kraftvoll, steinig, wahnsinnig komplex und tief und trotzdem mit der schönen feinen Dielfrucht ausgestattet. Top!

Bei den restsüßen waren zwei 2016er Schieferrieslinge dabei. Der 2016er Schlossberg Riesling Kabinett und der 2016 Pittermännchen Riesling Spätlese Versteigerungswein. Fein ausbalanciert, schöne Säure, schöne Frucht – was will man mehr. Großes Riesling-Kino bei Diel.

Dönnhoff: Der Kräutrige

Die nächste Station der Nahereise war beim Weingut Dönnhoff. Die Lagen des Weinguts sind von Schiefer, Sandstein, Kies, Porphyr oder Melaphyr geprägt.

Vor einigen Tagen hatte ich zuhause eine Flasche vom 2011er Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling GG (Porphyr). Und schon beim heutigen, guten Einstiegsriesling, dem 2016er Tonschiefer Riesling trocken war die Erinnerung gleich wieder da. Kräuter, Kräuter, Kräuter. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Kollektion. Beim 2016er Kreuznacher Kahlenberg Riesling trocken (Lehm und Kies) und dem 2016er Roxheimer Höllenpfad Riesling trocken (Sandstein/Rotliegendes) wird die Kräuterwiese dann dichter, dazu eine kühle Mineralität, Frucht spielt wieder eine eher untergeordnete Rolle. Schön!

Unsere Lieblinge hier waren aber die Spät- und Auslesen. Die 2016er Kirschheck Riesling Spätlese (Fassprobe) (Grauer Schiefer, Sandstein) ist schön dicht und ist deutlich im kräutrigen Stil des Hauses gehalten, während die 2016er Brücke Riesling Spätlese (Fassprobe) (Lösslehm, Grauschiefer) mit einer sehr schönen feinen Frucht aufwartet und etwas runder wirkt. Die 2016er Hermannshöhle Riesling Auslese (Fassprobe) (Grauschiefer mit Porphyr und Kalkstein) ist schlicht großartig.

Emrich-Schönleber: Der kalte steinige

Hier herrscht die Kühle eines klaren, feuchten Frühlingsmorgens! Die Weine vom Gutsriesling an sind kräutrig kühl und haben die dazu passende, eher pikante Säure. Sie sind nicht ganz so balanciert und verspielt wie die Weine der beiden Vorgänger sondern deutlich straighter. Sehr schön der 2016er Monzingen „Frühtau“ Riesling trocken (roter Schiefer, Kiesel) und der 2016er Monzingen „Halgans“ Riesling trocken (blauer Schiefer, Kiesel).

Sehr spannend waren die etwas reiferen restsüßen Rieslinge aus dem Halenberg (blauer Schiefer, Kiesel). Der 2013 Halenberg -R- Riesling halbtrocken ist dabei eine echte Besonderheit, die ich so noch nicht geschmeckt habe. Der Wein ist halbtrocken, aber eben keine fruchtsüße Spätlese, daher eher mit feiner Süße, sehr kraftvoll, komplex und fast cremig und dazu bewusst boytritisgeprägt. Das ist insbesondere als Essensbegleiter eine interessante Angelegenheit. Z.B. wenn etwas Schärfe oder Röstnoten im Spiel sind. Ich könnte mir auch ein Gericht mit rotem Fleisch dazu vorstellen.

Die 2014er Halenberg Riesling Spätlese war dann wieder ganz im eher kühlen Stil des Hauses gehalten – sehr gut, aber braucht Zeit.

Kruger-Rumpf: Der mit der strahlende Frucht

Bei Kruger-Rumpf waren wir letztes Jahr schon auf der Jahrgangsverkostung. Schon beim 2015er Jahrgang waren wir begeistert von der durchgängigen Stilistik und der hohen Qualität.

Und auch 2016 können die Weine vom Gutswein an wieder überzeugen.  Unsere Highlights sind der 2016er Münsterer Riesling trocken, der 2016er Münsterer Pittersberg Riesling trocken (Fassprobe) (Devonschiefer) und die 2016er Im Pitterberg Riesling Spätlese (Fassprobe) (Devonschiefer). Stilistisch zeichnen sich alle Weine durch eine schöne Frucht zwischem süßem Pfirsich und dunklen Beeren aus. Trotzdem bleiben die Weine mit der feinen Mineralik und der schönen Säure klar auf der frischen und kühlen Seite. Auch wenn sie insgesamt nicht ganz die Ausdrucksstärke der Weine der Kollegen Diel und Dönnhoff erreichen, sind sie für mich eine klare Empfehlung von einer sehr sympathischen Winzerfamilie.

Hier endete dann unsere Nahereise mit erschrecktem Blick auf die Uhrzeit: Viele nette Gespräche und intensives Probieren. Es wurde klar, dass der selbst gesteckte Plan nicht mehr einzuhalten war.

Fortsetzung in Teil 2.

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